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Donnerstag, 13. Oktober 2022

Streamingdienste

Meine beiden Einträge vor zwei Jahren über die Barbaren-Serie (Teil 1, Teil 2) und die folgenden Einträge über die Liberator-Serie und den Spielfilm zur Sutton-Hoo-Ausgrabung waren selbst als Blogeintrag-Miniserie gedacht, die zeitnah zur Veröffentlichung der Filme bei Netflix bei mir erscheinen sollte.

Women's Elite Road Race bei den European Championships Munich 2022

Das Zeitnahe ist beim abschließenden Film zur Sutton-Hoo-Ausgrabung deutlich schief gegangen. Mein Eintrag kam erst ein Jahr nach Erscheinen des Filmes „The Dig“ bzw. „Die Ausgrabung“. Das späte Erscheinen hatte zumindest den Vorteil, daß man leicht die enorme Medienresonanz des Filmes nachvollziehen konnte. Neben den klassischen Medien sind hier auch Fachmagazine und insbesonders auch die Medien der betroffenen Ausstellungsstätten zu erwähnen (Blogs, Social-Media-Accounts, Webseiten). Man konnte gut sehen, daß versucht wurde, möglichst lange mit dem gesteigerten Publikumsinteresse zu gehen. Von dem mitgenommenen Schwung profitieren sicher auch noch die aktuellen Ausgrabungen. Man beachte bei der Meldung „Royal Hall of the East Anglian Kings found in Suffolk“ die sehr hohen Zahl an Volunteers.

Bei den deutschen Archäologen schien mir bislang das Medium Streamingdienst kein Thema zu sein. Das Schema blieb bei der Barbaren-Serie wie gehabt. Zeitungen oder Radiosender machten etwas über die Barbaren-Serie und die befragten Archäologen gaben auch brav und vermutlich fundiert ihre Expertisen ab. Aber irgendwelche Überlegungen über das Medium Streamingdienst selbst oder ein Vermissen einer Reaktion wie in England auf so ein Streaming-Ereignis habe ich nicht gesehen. Ich habe jetzt Kurzscans auf das Museum Kalkriese und die KZ Gedenkstätte Dachau wegen der Barbaren- bzw. der Liberator-Serie gemacht und nur auf der Kalkrieser Facebook-Präsenz und dem Youtube-Kanal des Museums zwei kurze Barbaren-Faktenchecks gefunden. Youtube gibt für die zusammen 7 Minuten langen Videos insgesamt 1300 Aufrufe an. Eine Teilnehmerin der von mir im zweiten Barbaren-Eintrag verlinkten 44-minütigen Diskussion „Die 'Barbaren' auf Netflix - Was wissen wir über die Varus-Schlacht?“ war vom Museum Kalkriese. Der Verweis, daß ein Museum in so einer Sendung präsent war, sollte natürlich auch auf die Museumsplattformen. Das war mir aber jetzt keinen Kurzscan wert. Mein im „Barbaren-Nachtrag“ angegebener Link zur Barbaren-Diskussion funktioniert übrigens nicht mehr, diese Diskussionssendung sucht man am besten über den angegebenen Titel.

Women's Elite Road Race bei den European Championships Munich 2022

In unserem Umfeld spielen Streamingdienste wie Netflix teilweise noch überhaupt keine Rolle, teilweise werden solche Dienste schon seit Jahren abonniert, dann aber in allen Fällen die wir kennen gleich mehrere Dienste. Es gibt auch unterschiedlichste Umgehungsmöglichkeiten. Wir kennen jemand, der hat keinen Bezug zu solchen Streamingdiensten, aber will bestimmte Serien weitersehen und wartet darauf, daß er die neue Staffel als DVD erwerben kann. Ich habe schon mehrere Serien in der Stadtbibliothek ausgeliehen. Und die Jugend soll sowieso alles kennen. D.h. da wird jeder im Kopf haben, wer aus seinem Freundeskreis welche Zugänge verfügbar hat.

Jedenfalls kann man aber nicht davon ausgehen, daß Zugreifende auf ein Informationsangebot den Film oder die Serie schon gesehen haben. Insofern sollten die Interessenten vielleicht zunächst mit einer zum Museum oder der Gedenkstätte passenden Inhaltsangabe versorgt werden. Darauf würde dann der beliebte Faktencheck aufsetzen, also ein Abgleich des aktuellen Wissensstandes, den das Museum/die Gedenkstätte vertritt, mit dem Gezeigten im Film. Die Dachauer Gedenkstätte wäre ein ganz interessantes Beispiel, weil man hier von in der Liberator-Serie gezeigten Szenen auf heute noch besichtigbare Örtlichkeiten verweisen könnte.

Women's Elite Road Race bei den European Championships Munich 2022

Ich will jetzt noch allgemeiner auf Streamingdienste eingehen. In dem Zusammenhang haben meine eingestreuten Fotos vom Women's Elite Road Race bei den European Championships Munich 2022 einen Sinn: die Aussage wäre, jeder kann heutzutage ein Streamer sein, kurze Videos sind besonders gefragt. Meine Fotoserie war mithin schon veraltet, bevor ich sie überhaupt gemacht habe. Aktuell gab es die Aussage, daß Jugendliche lieber auf TikTok statt auf Google suchen. Und Instagram und Youtube haben schon hinsichtlich kürzerer Videos auf den Erfolg von TikTok reagiert. Die Älteren mögen sich etwas wundern. Anderseits ist die Einbindung von Kurzvideos in Social Media schon seit längerem gang und gäbe und derzeit gewöhnt man sich auch daran, diese Filmchen um 20 Uhr in den Hauptnachrichten zu sehen. Man denke an die Rückeroberung von Lyman, an Videos in denen sich in der Pampa vergessene russische Mobilisierte aufgenommen haben oder an die Zerstörungen auf der Krim-Brücke.

Die letztgenannten Videos trafen auf eine riesige Nachfrage, in so einer Konstellation mag tatsächlich jeder die Chance auf ein Millionenpublikum haben. Im Fall des Radrennens hätte es eher nur für ein paar hundert Zugriffe gereicht. Und das mangels eines etablierten Videokanals auch nur, wenn wenig Video-anbietende Konkurrenz vorhanden gewesen wäre. Ohne Lucky Punch bräuchte man ein auf neue Videos wartendes Stammpublikum. Bzw. einen Algorithmus, der die eigene Wichtigkeit kennt und die Videos den Leuten zur Auswahl anbietet. Um das aufzubauen wird selbst Einzelkämpfern, die ihre Produkte oder Dienstleistungen via Social-Media-Kanälen vertreiben, schnell eine wesentlich höhere Video-Frequenz vorgeschlagen, als sie bei unseren ambitioniertesten Archäologiemuseen zu sehen ist.

Women's Elite Road Race bei den European Championships Munich 2022

Diese Nebenherprofis im Videobereich geben uns einen Anhaltspunkt, wie die Videoproduktion der Museen und Gedenkstätten einzuschätzen ist. Konkret wird man es in den Museen/Gedenkstätten stattdessen vermutlich wieder eher mit Hobbyisten zu tun haben. Ich denke da an die Sonderaustellungsbesucher, von denen ich berichtet hatte, die trotz Fotografierverbot fotografiert haben, die wären irgendwie in die Kurzvideowelt weiterzudenken. Den Fotografierenden müssen die Fotos offenbar wichtig gewesen sein und man kann sich gut vorstellen, daß viele der Fotos später über einen Messenger weitergegeben werden sollten. Mir sind damals mehrere Fotografierende pro Ausstellungsbesuch aufgefallen. Wenn man das auf die Dauer der Ausstellung hochrechnet und tatsächlich ein guter Anteil davon die Fotos weitergibt, vermutlich mehrfach, damit sich die Arbeit auch lohnt, dann kämen da schon interessante Zahlen zusammen. Verschiedentlich habe ich Reaktionen auf solche Fotografierwünsche gesehen, in einem Kunstmuseum gab es unterschiedliche Objektauszeichnungen, nach denen fotografiert oder nicht fotografiert werden durfte. Davon wären Angebote zu unterscheiden, die sich mehr aus der Selfie-Schiene heraus entwickelt haben und in denen eher Kulissen angeboten werden um sich selbst zu fotografieren oder fotografieren zu lassen.

Abschließend noch etwas über Streaming im Schach. Die üblichen Mannschaftskämpfe, bei denen die Spieler beider Mannschaften einander gegenüber sitzen, konnten zeitweise wegen Corona nicht durchgeführt werden. Als Ersatz hat der Deutsche Schachbund für interessierte Vereine eine Online-Liga gestartet. Bei Bundesliga-Partien konnte man zwar schon vor Corona live die Partien mitverfolgen, aber nun konnte man das bei allen Partien dieser Online-Liga und mein alter Verein spielte mit mehreren Mannschaften mit. Wobei ich aber nur noch wenige der Spieler persönlich kannte. Manche Vereine boten ihren Mitgliedern an, auf unterschiedlicher Softwarebasis gemeinsam die Vereinspartien zu verfolgen. Da war ich zurückhaltend, denn mein Verein hat in dieser Zeit wegen Corona auf Lichess online auch kleine Turniere gespielt und da hätte man ja gleich noch auf die Idee kommen können, mir eine Prüfung meines aktuellen Leistungsstandes anzubieten.

Women's Elite Road Race bei den European Championships Munich 2022

Zusätzlich zur Möglichkeit die Partien online zu verfolgen wurde ein von einem Großmeister moderiertes „Schachdeutschland TV“ live via Twitch angeboten, in dem aktuell laufende Partien besprochen und Interviews mit Vertretern teilnehmender Vereine geführt wurden. Insbesonders diese Interviews scheinen mir bemerkenswert, weil man über Wochen immer wieder neue Leute live in von diesen Leuten selbst bereitgestellten Räumen und mit von ihnen selbst vorbereiteter Ausrüstung in die Sendung einbinden mußte. Ja klar, in Zeiten wo viele im Home Office arbeiten ist das kein Hexenwerk. Aber sich ein Sendungskonzept auf dieser Basis auszudenken und das dann einfach durchzuziehen und das klappt dann auch noch einfach so, das finde ich schon sehr faszinierend.

Freitag, 17. August 2018

Arte-Serie über die Ursprünge der Zivilisation

Vorletztes Jahr hatte ich in meinem Blog auf den Göbekli-Tepe-Blog „The Tepe Telegrams - Breaking News from the Göbekli Tepe Research Staff“ von Oliver Dietrich und Jens Notroff hingewiesen. Nicht ohne mit dem Argument „mancher Blog führt ja nur ein kurzes reges Leben“ auch noch sicherheitshalber die Academia.edu-Accounts der beiden Blog-„Correspondents“ zu erwähnen.

Der Blog ist zum Glück noch ganz lebendig, die Zahl der „Correspondents“ hat sich sogar deutlich vergrößert. Darüber hinaus sind die beiden Ur-Correspondents auch auf anderen Plattformen so rege unterwegs, daß ich schon an einen Erinnerungshinweis hier in meinem Blog gedacht habe. Denn zum einen kennen viele potentielle Interessentinnen und Interessenten die beiden und und ihr Angebot trotz reger Medienpräsenz bislang immer noch nicht. Zum anderen ist der Hinweis auf das weiterführende Angebot aber leider auch regelmäßig für diejenigen notwendig, die Oliver Dietrich und Jens Notroff in den „klassischen Medien“ als Experten kennengelernt haben.

Nun hat Jens Notroff am letzten Dienstag mit einem Tweet die ab morgen Abend im Fernsehen zu sehende vierteilige Arte-Serie „Am Anfang war das Wir - Die Ursprünge der Zivilisation“ beworben: eine „spannende Dokumentation über die Geschichte der Sesshaftwerdung“. „Und für die Qualität der versammelten archäologischen Expertise verbürge ich mich. Also zumindest die der Kollegen.“ - Jens Notroff selbst ist im ersten Serienteil für die Göbekli-Tepe-Expertise zuständig!

Die morgen ausgestrahlten ersten beiden Teile sind jetzt schon in der Mediathek verfügbar. Bis 25.9.2018 - da lasse ich die Verlinkung sein, sonst müßte ich die dann nur wieder rausnehmen.

Der Tweet von Jens Notroff gibt mir die gewünschte Gelegenheit für den Erinnerungshinweis. Ich kann an meinen letzten Eintrag anknüpfen, in dem es auch um eine Arte-Sendung ging. Mein oben verlinkter Göbekli-Tepe-Eintrag endete seinerzeit mit dem Karlsruher Landesmuseum, über dessen Etrusker-Ausstellung schon einige Zeit ein Text bei mir herumliegt, der nun nach Ende der Hitzewelle hoffentlich bald fertig wird. Und die aktuelle Arte-Serie ist eine trauriglustige Bestätigung meiner obigen Behauptung, daß die „klassischen Medien“ nicht auf das weiterführende Angebot hinweisen. Zum einen ist es lustig, weil da „von oben“ auf die alten Kulturen heruntergeschaut wird und man derweil mit einer Serie aus dem Jahr 2018 hinsichtlich der Metainformationen voll in der „Fernseh- und Zeitungszeit“ hängen geblieben ist. Also via den Filmen und den Sender-Webseiten über die Filme kommt man nicht direkt an eventuelle Blogs oder frei verfügbare weiterführende Artikel der Experten heran. Traurig ist, daß überhaupt keine Bemühungen erkennbar sind, da irgendetwas besser machen zu wollen.

Donnerstag, 20. November 2014

Kornkreis bei der Erdfunkstelle Raisting

Regelmäßige Leser kennen Denis Mario Ahrens schon von seinem im Laliderer Tal im Karwendel entstandenen Zeitraffer-Video Alpine Contrasts. Mit der seinerzeit angekündigten längeren Version des Videos wird es noch dauern. Welcher Aufwand dahintersteckt, wenn alles klappt, hatte ich damals schon erwähnt.

Dieses Jahr hat aber nicht alles geklappt. Die Hindernisse klingen wie aus einer anderen Welt. Einstieg in diese andere Welt eineinhalb Autostunden von München entfernt bei Scharnitz. Einmal beim Biwak nach 10 Stunden Anmarsch mit schwerem Gepäck ein Gewitter auf dem Berg mit 500 m entfernten Blitzen. Einmal ein früher Abbruch wegen einer Hochwasser führenden Isar.

Zu den heutigen Videos habe ich keine so abenteuerliche Berichte bekommen. Aber für viele von uns sind klingen vielleicht schon die notwendigen nächtlichen Touren zum Kornkreis bei der Erdfunkstelle Raisting ziemlich verwegen.

Raisting liegt südlich des Ammersees, das Kornfeld war zur Zeit der Aufnahmen schon abgeernet. Aber vielleicht ist der Kornkreis zusammen mit der Erdfunkstelle so sogar besser zu sehen. Luftbilder gibt es im Netz, man suche in der Bildersuche nach „Kornkreis Raisting“.

Die Aufnahmen für das Video „Ghost train on an abandoned railroad track in Munich“ sind auf einem stillgelegten Bahnhofsgelände in München entstanden. Der Bahnhof läuft unter den Namen „Pressestadt“, „Alter S-Bahnhof Olympia-Pressestadt“ und „ehemaliger S-Bahnhof Olympiastadion“ und hat unter dem letztgenannten Namen einen eigenen Wikipedia-Eintrag.

Nach dem Wikipedia-Eintrag ist er ein „Geisterbahnhof“. Das passt zum „Ghost Train“ im Video-Titel. Auf diesem Bahnhof wäre es wieder sehr lebendig geworden, wenn es mit der Transrapid-Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen etwas geworden wäre (Näheres zu dem Projekt via Videosuche nach „Stoiber Transrapid“). Der Transrapid-Tunnel vom Hauptbahnhof sollte hier enden.

Freitag, 26. Juli 2013

Alpine Contrasts

Mal etwas Nichtarchäologisches. Letztes Jahr sind wir ein paar Tage „in die Eng“. Die Eng liegt im Karwendelgebirge und gehört zu der im Inntal gelegenen österreichischen Gemeinde Vomp. Von der Eng ist es zwar per Luftline nicht weit in das Inntal und zum Achensee, per Auto kann das Gebiet aber nur von Norden aus Bayern über eine Straße durch das Rißtal angefahren werden. Im Winter ist die Straße gesperrt, aber sonst ist das Rißtal und die Eng speziell aus München sehr gut zu erreichen. Auch ohne Auto mit der Bayerischen Oberlandbahn und einem Linienbus ab Lenggries. Und damit geht sogar morgens hin, ein paar Stunden wandern und nachmittags/abends wieder zurück.

Die Ausblicke in den Alpen sind dann gigantisch. So wie sie das Video „Alpine Contrasts“ eingefangen hat. Den Film bitte möglichst im Vollbild-Modus mit voller Auflösung (1080p, Full-HD) und angestelltem Ton ansehen! Aber schon die Anfahrt ist schön. Durch das Voralpengebiet, auf einer Brücke über den Sylvensteinsee und an der Isar entlang zum Rißtal. Das Rißtal ist streckenweise recht schmal, so daß man glaubt bei Hinterriß schon nahe am Talende zu sein. Stattdessen geht es etwas breiter noch 15 km so weiter, es gehen mehrere große Seitentäler ab und schließlich weitet sich das Tal sogar noch zu einem „Großen Ahornboden“.

Das Bildmaterial für den Film stammt aus dem Bereich des Talendes des Laliderer Tals, einem der Seitentäler des Rißtals. U.a. ist die Laliderer Wand und die Falkenhütte zu sehen. Es ist für einen Zeitraffer-Wettbewerb erstellt worden und durfte nur maximal 90 Sekunden lang sein und ist deshalb leider zu kurz für das, was es alles im Film zu sehen gibt. Aber eine längere Version soll folgen.

Den Kameramann, Regisseur und Produzenten Denis Mario Ahrens haben wir letztes Jahr bei seinem Aufstieg zur Falkenhütte im Johannestal kennengelernt. Er war umfangreich bepackt und zog einen zweirädrigen Wagen mit den Schienen für die in den Video-Kommentaren erwähnten Motorschlitten hinterher. Wir durften damals in unserer Wanderpause schon vorab ein paar Filmproben auf seinem iPhone ansehen.

Der notwendige Aufwand für so einen Film ist sehr hoch, nicht nur für das notwendige Gerät, das auch noch den Berg hinauf geschleppt werden muß, sondern auch der Zeitaufwand für die Aufnahmen. Ich glaube, an dem Wochenende, als wir uns getroffen haben, blieb der Himmel zumindest bei uns in der Eng ziemlich zu. Da war nichts mit der im Video zu sehenden Milchstraße. Dazu die Unbequemlichkeiten, die in Kauf zu nehmen sind – für manche Aufnahmen hat Denis Ahrens oben auch biwakiert. Auch die spätere Bearbeitung der Aufnahmen ist ein riesiger Aufwand für Mensch und Maschine.

Wie in den „Alpine Contrasts“ zu sehen ist, stehen in dem ganzen Gebiet schroffen Felswänden große Grün- und Waldflächen gegenüber. Ich habe an die Unterstände steinzeitlicher Jäger gedacht, die bei der im letzten Eintrag erwähnten Alpen-Überquerung in Ötzi-Ausrüstung gezeigt wurden. Bei so einem Unterstand hat man aktuell sogar ein Kupferbeil aus der „Ötzi“-Zeit gefunden. Ich hatte aber im Netz vorab nichts über entsprechende archäologische Fundplätze gefunden. Die Wikipedia gibt zur Geschichte des Gebietes ein bei Hinterriß gefundenes Bronzeschwert an. Das lässt nach der Wikipedia „darauf schließen, dass schon während der Bronzezeit Menschen dieses abgelegene Tal durchstreiften“. Nach einem Artikel über Steinzeitjäger in Jagd & Natur würde ich von Steinzeitjägern und -sammlern in dem Gebiet ausgehen. „Ab der Bronzezeit im 2. Jahrtausend v. Chr.“ gewann aber „die sommerliche Alpwirtschaft“ eine grosse Bedeutung.

Wie erwähnt haben wir Denis Mario Ahrens im Johannestal getroffen, von dem aus er dann zur Falkenhütte oberhalb des Talendes des Laliderer Tals hinüber gewechselt ist. Von der Falkenhütte käme man über die Talenden auch weiter in die Eng und von dort gibt es sowohl Fußpfade nach Vomp im Inntal als auch in Richtung Achensee. D.h. zu Fuß ist das Gebiet ziemlich durchlässig und es wird in der Stein- und Bronzezeit sicher mehr als heute auf das Inntal ausgerichtet gewesen sein - heute gibt es ja im Sommer eine tägliche Invasion aus Bayern. Im Inntal gibt es dann auch die umfangreicheren vorzeitlichen Funde, aktuell hat sich dort Marcellina noch einmal mit dem Bergisel beschäftigt. Vielleicht sind die eisenzeitlichen Nachfahren des Bronzeschwert-Besitzers aus Hinterriß zu großen Treffen am Brandopferplatz auf dem Bergisel gepilgert und haben auf dem Weg noch ein paar Erzeugnisse ihrer Alpwirtschaft verkauft.

Freitag, 26. April 2013

Gemischte Links, Teil 1

Ich mache mit dem Steintor von der Heuneburg weiter, mit dem ich im letzten Beitrag aufgehört habe. Neiiiin, kein ungeliebtes Zusammensuchen aktueller Heuneburg-Informationen, jetzt kommen nur olle Kamellen. Das Steintor liegt beim Freilichtmuseum. Bild 1 sollte den Zustand bei meinem Besuch Anfang August 2009 zeigen. Irgendwie hatte ich das mit dem Steintor damals nur halb mitgekriegt und das Foto auf die Schnelle gemacht. Das Gelände des Freilichtmuseums liegt etwa von der Kamerarichtung 90 Grad nach rechts. Am linken Rand des Bildes ist ein Stück der Zufahrtsstraße zu sehen, links davon liegt der große Parkplatz des Freilichtmuseums. Mittels dem aktuellen Luftbild in Google Maps kann man gut erkennen, daß sich beim Steintor zwischenzeitlich etwas getan hat. Einfach nach „Heuneburg“ suchen und reinzoomen.

Heuneburg-Tor

Beim Schwäbischen Heimatbund geht es unter dem Titel „Die Zukunft der Heuneburg ist gesichert“ um dieses Steintor, in dem Artikel als „Stadttor“ bezeichnet. Zum Artikel sehe ich links das Datum 12.10.2011, das ist also vor den aktuellen Diskussionen um die Zukunft des Freilichtmuseums. Interessant ist die gedankliche Linie vom Schutzhaus für das Stadt- bzw. Steintor zum Archäologiepark und der „Zusammenfassung der Funde direkt auf dem Gelände der Heuneburg“. In diesem größeren Zusammenhang muß man wohl auch die in meinem letzten Beitrag zitierte Anfrage nach einem eventuellen weiteren Landesmuseum sehen. Sehenswert sind die beiden im Artikel des Schwäbischen Heimatbunds verlinkten Videos zum Stein-/Stadttor bzw. der Toranlage: das Erste ist auf der Website der Förderstiftung Archäologie in Baden-Württemberg im Abschnitt zur Heuneburg eingebunden, das Zweite wurde von der „DenkmalpflegeBW“ bei Youtube eingestellt.

Grabhügel der Gießübel/Talhau-Gruppe

Zu der im letzten Beitrag angesprochenen Frage nach dem Verbleib der wertvollsten Funde ist noch anzumerken, daß im Falle der „Keltenwelt am Glauberg“ ein Museum vor Ort realisiert wurde, in dem nach der Wikipedia „alle Originalfunde einschließlich der Stele des keltischen Kriegers zu sehen“ sind. Im Keltenmuseum Hochdorf ist die bekannte Grabkammer des „Keltenfürsten“ eine mit Repliken aufgebaute Rekonstruktion, die Orginale sind glaube ich abgesehen vom Skelett des „Keltenfürsten“ im Landesmuseum Württemberg. Wenn also das „Fürstinnengrab“ eine ähnliche Bekanntheit hergibt, dann müßte doch zumindest auch so eine Rekonstruktion für die Heuneburg herausspringen und entsprechend plaziert werden. Raum genug dafür sollte im Museum in Hundersingen vorhanden sein.

Baumburg

Meine Fotos habe ich alle am Tag des „Bienenmarkts auf der Heuneburg“ 2009 aufgenommen. Via dem Label Heuneburg findet man die bisherigen im Blog veröffentlichten Bilder. Auf Bild 2 ist einer der Grabhügel der Gießübel/Talhau-Gruppe zu sehen. Den habe ich etwas herangezoomt von einem Standort beim Lehenbühl bei Hundersingen aus aufgenommen. Der vom Museum in Hundersingen kommende Rundweg führt zunächst am oberhalb der Donau befindlichen Lehenbühl und an der Baumburg vorbei. Der Weg entfernt sich dann ab der Baumburg von der Donau (Bild 3 zeigt die Baumburg aus der Entfernung) und kommt am entferntesten Ende des Parkplatzes beim Freilichtmuseum an. Vom Freilichtmuseum führt der Rundwanderweg an der Gießübel/Talhau-Grabhügelgruppe vorbei zum Hohmichele. Den hatte ich schon im Blog, dieses Mal gibt es ein vom Hohmichele aus aufgenommenes Bild in Richtung „Kleiner Hohmichele“. Der „Kleine Hohmichele“ soll bei der Baumgruppe in der Bildmitte liegen. Bild 5 zeigt die Erhebung vom vorbeiführenden Weg aus. Der „Kleine Hohmichele“ wird ebenfalls zu den Großgrabhügeln gezählt. Seine Höhe soll nach mündlicher Quelle auch dadurch gelitten haben, daß einem Landwirt erlaubt wurde davon Erde abzutragen.

Kleiner Hohmichele

In Bayern könnte man nun nachsehen, wie weit man die Verhältnisse vor Ort mit dem BayernViewer-denkmal bzw. dem BayernAtlas nachvollziehen kann. In Baden-Württemberg gibt es das Geoportal Baden-Württemberg, wie ich der Zusammenstellung „Die Bundesländer und ihre Online-Kartendienste für topografische Karten“ von Stephan Gröschler entnehme. Ich habe ein wenig herumprobiert und es immerhin geschafft, zwei offenbar „geotouristische“ Markierungen auf die Karte zu bekommen - auf Hundersingen und auf die Heuneburg jeweils einen kleinen blauen Kreis mit einem „M“. Aber ich sehe auf die Schnelle nicht, wie man an Infos zu den Markierungen kommt und an Markierungen der Grabhügelfelder kommt man so offenbar auch nicht. Informativ ist es trotzdem etwas - man sieht wie nah das nächste „M“ in Mengen ist. Zu diesem Museum hatte ich schon mal die „Leckeren Grüsse von Apicius“ von Reinhold Siegel verlinkt.

Kleiner Hohmichele

Die Links sind natürlich auch immer so gedacht, daß man bei Gefallen auf den Websites herumstöbert und sie weiter verfolgt. Bei Stephan greife ich noch die Keltenfeste 2013 heraus. Bei Hiltibold „Haare färben im antiken Rom“ und „Du hast die Haare schön: Rekonstruierte Frisuren aus dem antiken Rom“. Aus dem Burgerbe-Blog von Jan Popp-Sewing den Hinweis auf die Ausstellung „Ausstellung auf Schloss Gottorf: Das Nydamboot, ein germanisches Wassertaxi“ und von Markus Zwittmeier „Karl der Große auf Arte“. Karl der Große ist natürlich nach meiner Zeit und davon findet sich bei Markus Zwittmeier jede Menge, aber er hätte das vermutlich genauso über den zuvor auf Arte gelaufenen Abend mit den Römern in Britannien schreiben können. Die Filme dürften genau auf demselben Niveau gewesen sein.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Ein wenig zum römischen Baden-Baden

Baden-Baden hatte ich im letzten Eintrag im Zusammenhang mit dem sich bei Baden-Baden befindlichen Berg Battert erwähnt. Auf dem Berg wurden vorzeitliche Funde gemacht und ein keltisches Befestigungswerk entdeckt. Man kann in dieser Gegend demnach von einem regen keltischen Leben ausgehen, davon zeugen auch die Großgrabhügel beim nahen Hügelsheim.

In römischer Zeit wurde Baden-Baden wegen seiner Thermalquellen zu einem Badeort der Römer, was sich auch im Namen der Siedlung Aquae niederschlug - nach der Wikipedia wurden damals viele Städte mit Heilquellen Aquae genannt. Auf diese Zeit gehen die Soldaten-und Kaiserbäder in der Baden-Badener Altstadt zurück. Von den Soldatenbädern (oder je nach Quelle „Soldatenbad“, „Römische Badruine“) kann man einen gut erhaltenen Teil unter dem Friedrichsbad besichtigen, von den Kaiserbädern (oder Kaiserthermen) Umrisse neben der Stiftskirche. Die unterschiedlichen Bezeichnungen der Bäder haben den Hintergrund, daß die Kaiserbäder prachtvoller ausgestattet waren und der römische Kaiser Caracalla hier gewesen sein soll.

Baden-Badener Merkur

Von einem Besuch im Stadtmuseum Baden-Baden sollte man sich mehr Orientierung über die Geschichte Baden-Badens erhoffen. Das Stadtmuseum ging aber für uns nicht, weil wir bei unserem Aufenthalt nur noch einen Montag für Baden-Baden übrig hatten. Und am Battert sind wir auch nicht gewandert oder auf den auf Bild 1 zu sehenden Merkur hinauf. Der Berg hat seinen Namen wegen eines auf dem Gipfel gefundenen römischen Votivsteins bekommen. Wir haben diese Programmpunkte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und sind eher normaltouristisch von der Trinkhalle über die Spielbank in die Parkanlage an der Lichtentaler Allee geschlendert und dann erst in Richtung Soldatenbäder eingebogen (Bild 2). Der Eintritt kostete 2,50 Euro pro Person. Es ist auf kleinem Raum relativ viel Erhaltenes zu sehen. Ein Video gibt ergänzende Erläuterungen. Fotografieren darf man dort nicht, und das Video habe ich nicht im Internet gefunden. Die Kaiserbäder/Kaiserthermen liegen deutlich höher als die Soldatenbäder, aber nur wenig entfernt. Von ihnen sind heute nur die erwähnten Grundrissmarkierungen neben der Stiftskirche zu sehen (Bild 3 + 4).

Römische Badruinen unter dem Baden-Badener Friedrichsbad

Noch ein paar Links zu anderen Themen: Morgen findet in Riedenburg die Veranstaltung „'Mystische Zeitreise' – Fackelwanderung von den Burggrafen zu den Kelten“ statt. In Stephans Gröschlers Kraftvollen Orten gibt es Bilder von früheren Veranstaltungen und den Link zum Langtext bei der Stadt Riedenburg.

Kaiserthermen neben der Baden-Badener Stiftskirche

Zwei Blogs von Torwen, die ich erst jetzt über das Egogoogeln entdeckt habe. In „Querbeet durch die Archäologie“ sind Bilder von japanischen Flammentöpfen zu sehen. Und im ersten Monat von „Torwen's Blog“ gab es 2006 einen Bericht von einer Ausstellung in Mannheim, von der ich in den unaufmerksameren Jahren vor meinem Blogstart garnichts mitbekommen habe.

Zu einem im Mai bei Youtube hochgeladenen Video von Marc Azéma, das mittlerweile über 368000 Zugriffe hat. Es geht um die Idee, daß die sich teilweise überlagernden Umrisse in prähistorischen Höhlenzeichnungen im Fackellicht zu animierten Bildern werden. Mehr dazu in „Was European Cave Art the Earliest Form of Cinema?“, „Bewegtbild ist ein 30.000 Jahre altes Medium“ und „Komm, wir gehn ins Steinzeitkino“.

Kaiserthermen neben der Baden-Badener Stiftskirche

Abschließend das Video „Mystische Orte – Auf den Spuren der drei Bethen“. In dem professionell gemachten Video - am besten gleich auf Vollbild klicken - stellt Christopher Weidner meine letztjährigen Ziele Karlsberg, das Grab der Seherin, die Mühltal- oder Bethenquelle und die Petersbrunner Kapelle vor.

Mittwoch, 8. August 2012

Mixed Links

Am letzten Sonntag fand im Museumshof des Kelheimer Archäologischen Museums das Keltenfest 2012 statt und von Stephan Gröschler gibt es schon einen reich bebilderten Bericht. Seine Impressionen vom Kelheimer Keltenfest 2012 passen gut als aktuelle Fortsetzung zu meiner kleinen Serie über das Kelheimer Museum und den Archäologiepark Altmühltal.

Werner Lang hat auf seiner Limeswanderung seine diesjährigen Etappenziele in Baden-Württemberg durchwandert und mittlerweile Bayern erreicht. Die Fotogalerie auf seiner Limeswanderweg-Website ist mit den neuen Bildern aktualisiert. In seinen News sollte man ebenfalls vorbeisehen. Aktuell berichtet Werner Lang mit mehreren weiterführenden Links von der Neueröffnung eines Römerkanal-Wanderweges zwischen Nettersheim und Köln. Werner Lang beschreibt seine Limeswanderung durch Bilder, für den Text hat schon Rolf Bierwirth in seinem Limeswanderung-Blog gesorgt. Nach dem Nachtrag seiner Etappen am Hadrianswall ist es dort etwas still geworden, nur ein Besuch bei den Kelten auf dem Hausberg bei Butzbach ist in den letzten Monaten hinzugekommen.

Leider kann man die syrischen Hinterlassenschaften des Römischen Reiches derzeit nicht genießen. Die traurige Situation der Menschen dort hat Marcel Schwarzenberger zum Anlaß genommen, einen Reisebericht von 2001 mit aktuellen Ergänzungen unter dem Titel „Krieg im Wunderland“ zu veröffentlichen. Marcel Schwarzenberger erwähnt das fehlende Interesse der Redaktionen an seinem Reisebericht seinerzeit unter dem Hintergrund von 9/11. Auf beschränktem Raum kann nur ein Teil der Wirklichkeit durchgelassen werden, und diese Wirklichkeit muß passen. Daher wieder mein Hinweis auf die Treffen und Veranstaltungen des Euro-Arabischen Freundschaftskreises, gegenüber dem letzten Hinweis mit neuer Website und neuem Versammlungslokal in München.

Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Seit zweieinhalb Wochen kann man in den in den Münchner Antikensammlungen und in der Glyptothek die Ausstellung „Die Unsterblichen – Götter Griechenlands“ ansehen. Wenn sie nicht mittlerweile depubliziert wurden, dann kann man beim Bayerischen Rundfunk eine Radiosendung nachhören und beim Deutschlandfunk ein Interview mit dem Sammlungsdirektor Dr. Florian Knauß unter dem Titel „Woran erkenne ich einen Gott und wofür ist der zuständig?“ nachhören und nachlesen. Den offiziellen Pressetext zur Ausstellung hat dankenswerterweise „L.I.S.A. Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung“ eingestellt.

Wir wollen auf jeden Fall in die Ausstellung und ich hoffe zum Bericht gibt es dann neue Fotos von den Antikensammlungen. Die Bilder in diesem Blogeintrag vom Giebelfeld der Münchner Glyptothek habe ich während des Münchner Marathons 2011 gemacht. Sie sind ein Nachtrag mit einem besser geeigneten Objektiv zum Blogeintrag „Oids G'lump ? - aus dem Glyptothek-Giebelfeld verschwundene Figuren“ und zeigen in einer größeren Aufnahme die Stelle der verschwundenen ersten Spes links neben der Athene (Bild 2) sowie die zweite und dritte Spes.

Im Münchner Flughafen wird derzeit die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ gezeigt. Während man sich für die Unsterblichen noch bis mindestens 7. Juli 2013 Zeit lassen kann, soll diese Ausstellung nur noch bis zum 12. August dauern. Die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ geht auf das Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) zurück. Sie wurde schon in Mainz und Karlsruhe gezeigt, es müßte daher schon einiges im Netz herumschwirren. Hier die von den Mainzern bei Informationsdienst Wissenschaft eingestellte Pressemitteilung und der Link zu Pressebildern und Hintergrundmaterial beim RGZM. Ergänzend ein Text zur Ausstellung bei Archäologie Online, da sollte man noch über die Kommentare drübersehen. Und im DRadio Wissen erklärt Dr. Michael Müller-Karpe vom RGZM, „welch verheerende Folgen der illegale Handel mit Kulturgütern hat“.

Früherer Ort der verschwundenen ersten Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

„Pressemitteilungen“ gehen zwar trotz ihres Namens auch an Fernsehen und Rundfunk, für umfassendere Informationen im Medium Internet werden sie oft nicht genützt. Auf das zusätzliche Material könnte wie im Fall der Mainzer via dem Informationsdienst Wissenschaft (IDW) hingewiesen werden. Beim Informationsdienst Wissenschaft gibt es recht oft Neuigkeiten aus dem Bereicht der Altertumswissenschaften, die wahrscheinlich in der großen Mehrzahl von Nichtjournalisten gelesen werden. Zusätzlich gibt es einen Hinweis auf der Website des RGZM in der „Aktuelles aus dem RGZM“-Rubrik, die zu einem Text zur Ausstellung und einem Flyer führt. Weshalb man die Informationen aufspaltet? Nunja. Aber die Information sind jedenfalls öffentlich zugänglich eingestellt, bei anderen findet man garnichts. Hinsichtlich Aktuelles-Rubrik und Blog habe ich im Eintrag zu den Museumsblogs schon für einen Blog argumentiert. Nimmt man als Beispiel das hochrangig bestückte Pressegespräch am 12. Juli zur Eröffnung der Kriminalarchäologie-Ausstellung (hier der IDW-Link), dann könnte in den Blogs auf den Websites der Beteiligten etwas darüber stehen, warum sie es wichtig finden dort Präsenz zu zeigen, und sie könnten auf die Stimmen der anderen Beteiligten und auf weitere Informationen verweisen.

Vielleicht nerve ich, wenn ich mit den Argumenten Interesse von außen und Medienfunktionalität so lange auf dem Beispiel Pressemitteilungen herumreite. Aber für mich sind solche Überlegungen Teil dieses Hobbys. Andere haben ganz andere Vorstellungen als ich. Bspw. habe ich die Website www.keltenblock.de nie verstanden. Die Website ist schön gemacht und sehr informativ. Man muß sich hinsichtlich der Bewerbung auch etwas gedacht haben. Gleich nach der Bergung des „Keltenblocks“ wurde er mit einer Plane mit der Aufschrift „http://www.keltenblock.de/“ abgedeckt, was wohl auf Fotos in Zeitungen und auf die Fernsehberichte abgezielt hat. Man konnte einen Hinweis auf die Website sogar in einer Planet-Wissen-Sendung platzieren. Interessanterweise hat man aber nicht einmal für einen stärkeren Schulterschluß mit anderen institutionellen Websites gesorgt, nur die Anzahl der Gästebucheinträge ist für die vermutliche Zugriffszahl überproportional.

Vom Südwestrundfunk gibt es jetzt auch eine Kelten-Website. Passend zum anstehenden Höhepunkt des Keltenjahrs 2012, der Kelten-Landesausstellung in Stuttgart, kann man sich hier über die Kelten und über anstehende Fernseh- und Hörfunksendungen informieren. Dem Riesen SWR dürfte die eigene Kraft reichen, um die Website via Linkhinweis nach Keltensendungen bekannt zu machen. Trotz der sehr guten Möglichkeiten, die Website über ein klassisches Medium zu bewerben, wurde sie auch von den Social-Media-Niederlassungen des SWR verbreitet. Der SWR hat gleich mehrere Twitter-Accounts, über einen habe ich den Hinweis auf die Website mitbekommen.

Zweite Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Es ist ein Standardverfahren mit begleitenden Microblogs (ich sortiere Mitteilungen in Twitter, Facebook etc. bei den Microblogs ein) auf Blog-Einträge oder andere Informationsseiten hinzuweisen. Im Falle des Pressegespräch-Beispiels hätte man auf den Termin hinweisen können, wenn er öffentlich ist, oder auf ein Video vom Pressegespräch. Die Ausrüstung für eine Videoaufzeichnung ist günstig zu haben, das Bereitstellen des Videos im Internet kostet nichts, die Kenntnisse dafür sollten bei Profis in den Presseabteilungen vorhanden sein. Hier ein schönes Video von Rainer & Joshua Dornburg von ihrer „Alpenüberquerung 2011 Via Claudia Augusta“. Erst etwa ab der 14. Minute geht es auf die Via Claudia Augusta, aber man wenn man Zeit hat sollte man sich die Tour komplett gönnen.

So ein Video-Link wird sich kaum über exklusive Mitteilungen an die klassischen Medien verbreiten lassen. Zumindest kann man im Nachhinein auf das Video stoßen. Schlecht wäre es, wenn sich statt reinen Veranstaltungen für die Presse Live-Streams allgemein durchsetzen würden, bei denen man vielleicht sogar online Fragen stellen kann. Den Termin würde ja kaum ein Interessent mitbekommen. Vermutlich lassen sich auch Neuerungen wie Smartphone-Apps schwer über klassische Medien verbreiten - zum Umstieg vom früheren Audio-Guide hatte ich in den ausgehängten Zeitungsausschnitten bei der Kykladen-Ausstellung in Karlsruhe nichts gefunden. Vernetzte eigene Blogs/Microblogs wären ein Grundstock. Besser wäre es, die Informationen würden von anderen aufgegriffen und weiterverbreitet. Wenn eine Schulklasse ein Museum besucht und statt Informationen über das Museum nur Fotos vom Monopteros ein paar hundert Meter weiter im Englischen Garten in die Sozialen Netze einstellt, dann ist den Freundeskreisen klar, was dort sehenswert ist.

Für manche Sponsoren sind solche Interessensbekundungen sehr relevant. Man sollte dazu diese Meldung von heise online bis zum Ende durchlesen. Es geht in der Meldung darum, daß soviele auf sozialen Netzwerken vom olympischen Straßenradrennen der Männer berichtet haben, daß durch die Netzüberlastung die Datenweiterleitung der Fahrer-GPS-Sensoren verhindert wurde. Einen ähnlichen Schluß zu den Sponsoren kann man aus „Seinen Leser lieben – ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung“ von Joachim Braun ziehen. Wo wird ein potentieller Sponsor seine Schwerpunkte setzen wollen, wenn er sich „weitgehend vom Medium Tageszeitung verabschiedet“ hat?

Dritte Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Also klar, Microblogger/Blogger sollten schön angefüttert werden, damit das mit der Informationsweitergabe klappt. Nun angenommen, eine Schulklasse kriegt eine Führung auf einer Ausgrabung und wird erfolgreich angeregt zu fotografieren und in den Social Media zu berichten. Wie sollte der Veranstalter mit den Ergebnissen umgehen? Er sollte sie vielleicht in Kurzform in einer Ecke der eigenen Website durchlaufen lassen. Ähnlich wie im Fall des obigen Beispiel-Pressegesprächs. Wenn dort die Institutionen X und Y präsent waren und X einen schönen umfassenden Beitrag darüber geschrieben hat, dann sollte bei Y ein Hinweis darauf zu finden sein. Die eigene Arbeit wird im Beitrag von X hervorgehoben und man muß nicht selbst soviel schreiben.

Dr. Christian Gries erwähnt in seinem „Sturmgeläut – Bloggen in Deutschland“ die Idee eines Gemeinschaftsblogs. Ich hatte das Thema auch schon mal angerissen, ein Gemeinschaftsblog hätte ein paar gewichtige Vorteile. Aber er wäre nicht hinreichend. Beim Beispiel-Pressegespräch gab es Beteiligte, die kaum über ein Gemeinschaftsblog abzudecken sind. Hinreichend wäre eine Einbindetechnik. Wobei nichts gegen eine Kombination von Einbindung und Gemeinschaftsblog spricht, wenn der vermutlich enger zu haltende thematische Fokus nicht verloren geht. Ein aktuelles Beispiel für eine mittels Einbindung gestaltete Website wird hier in „Mercedes-Benz in der Blogosphäre – das neue Social Publish“ vorgestellt.

Die zugrunde liegende Einbindetechnik ist nicht neu, Alfred Platschka verwendet sie bspw. um von seiner Website Lechrain-Geschichte auf seine Beiträge bei myheimat.de zu verweisen. Ich empfehle mit der Durchsicht ganz vorne beim bestens ausgearbeiteten Ipf zu beginnen („Der IPF (bei Bopfingen) - ein frühkeltischer Fürstensitz“), der Beitrag hatte noch viel zuwenig Leser. So eine Einbindetechnik habe ich auch schon früher einmal im Eintrag „Tägliche Nachrichten zu Archäologie und Geschichte“ erwähnt: im Mambra-Blog von Jos Thiel werden schon seit längerem Verweise auf die Nachrichten von Archäologie Online eingebunden. Im Falle des Social Publish von Mercedes-Benz würde kuratiert, das Einbinden geschieht in Absprache. Und wenn man sich nicht berücksichtigt fühlt, dann kann man eine Mail an die Kuratoren schicken und wenn der Beitrag passt, dann setzen sie den Hinweis auf den Beitrag rein.

Abschließend noch eine andere Variante der Einbeziehung: bei @MunichLovesU wird nicht eingebunden, sondern der Account übergeben. Jede Woche twittert ein anderer unter dem Account. Eine Superidee und meist einer der lebendigsten Twitter-Accounts, denen ich folge. München-Interessierte sollten mal durchblättern, wer in den Wochen aktiv war. Letzte Woche war es Heinrich Bruns. Seinen ersten Tag bei MunichLovesU hat er „mit der Erinnerung an ein Gemetzel begonnen. Es geht um die Schlacht von Hohenlinden.“ Hier mehr dazu in seinem Blog Heinrich graut's - Ansichten, Einsichten, Aussichten.

Freitag, 29. Juli 2011

Die Historyteachers

Ich hoffe, die Historyteachers sind noch für jemanden ein Tipp und ich habe sie nicht als Letzter entdeckt. Immerhin gibt es ihren Youtube-Kanal schon seit 2008 und sie haben mittlerweile über 12000 Abonnenten.

Auf Twitter beschreiben sie sich als „2 kooky teachers making history-based pop music parodies“. „The Trojan War“ war das erste Video von den Historyteachers, auf das ich gestoßen bin. Das mußte wohl so sein, weil ich mich in letzer Zeit viel mit den Ägineten und deren Troja-Kämpfen beschäftigt habe.

Zum (zweiten) Trojanischen Krieg gehört „The Odyssey“, die ist ebenfalls im Historyteachers-Programm. Die anderen Videos in meinem bevorzugten Zeithorizont habe ich versucht in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen: „Prehistoric“, „Civilization“, „Mummification“, „Ancient Minoan Civilization“, „Nefertiti“, „King Tut“, „Greek Philosophers“, „Chinese Dynasties“, „Macedonia“, „Hannibal“, „Viva Roma No. V“, „Julius Caesar“, „Cleopatra“, „Pompeii“, „Gladiator“, „Constantine“, „Attila the Hun“.

Samstag, 18. Juni 2011

Selinunt, dritter Teil

Im dritten Teil will ich die Selinunt-Serie mit ein paar Fotos auslaufen lassen, die wir bei einem Gebäude in der Nähe der östlichen Tempel gemacht haben. Auf der im zweiten Teil Selinunt erwähnten Karte ist das Gebäude als Antiquarium eingezeichnet, vielleicht wird es für die Verwaltung oder als Anlaufpunkt für die dort tätigen Archäologen genutzt. Ob die Teile mit so gut erhaltener Farbe wirklich echt antik sind, mag ich kaum glauben. Vielleicht von dem zu der Zeit eingerüsteten Tempel C? Vielleicht gibt es auch eine ganz einfache andere Erklärung.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Unser Tag in Selinunt war einer der wärmeren Tage während unserer zwei Wochen in Sizilien. Wir hatten es locker angehen lassen und nach etwa eineinhalb Stunden Anfahrt schon nahe dem Eingang auf den Steinen des Tempels G ein kleines Picknick gemacht. Angesichts des großen Angebots auf der Akropolis sind wir nicht weiter bis zum Demeter-Malophoros-Heiligtum. Welche Prominenz wir ausließen, haben wir erst hinterher gelesen. Am Abend sind wir nicht mehr zum Steinbruch, sondern gleich heim und haben dort noch schnell etwas gekocht.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Das alles hatte auch mit unserer Vorbereitung per deutschem Reiseführer zu tun. Per Internet hätten wir gewußt, wo man gut zum Steinbruch abzweigt und vielleicht Empfehlungen für gute, im April offene Restaurants vor Ort gehabt. Gelitten haben wir nicht darunter, weil es so wie es gelaufen ist auch immer schön war. Außerdem sind wir in dem Bewußtsein dort gewesen, irgendwann wieder kommen zu können.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Aber um den Internet-Faden doch weiter zu spinnen: schon in München alle möglichen Ziele vorzubereiten hatte ich keine Lust. Kurzzeitig hatte ich damals den Gedanken an ein Netbook mit Internetanbindung verfolgt, 2009 war das bei den Mobilfunkanbietern ein größeres Thema. So eine Kombination für Sizilien aber schnell wegen den Auslandstarifen sein gelassen. Mittlerweile ist wohl ein Smartphone eine ganz praktikable Lösung, vielleicht mit einer zeitweiligen SIM-Karte von einem italienischen Anbieter und indem man auf der Tour verwendbare WLANs aufstöbert.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Letzten Samstag waren wir essen und am Nebentisch saß allein ein junger Mann, der bei einem Getränk pausenlos telefonierte - und auf der Speisekarte war ein Verweis auf das kostenlose WLAN im Hause. In dem Sinne wäre es ja ideal, wenn im Archäologischen Park von Selinunt so ein WLAN angeboten würde. Man könnte die Website des Archäologischen Parks ansehen, während man auf dem Gelände herumläuft. Man könnte vielleicht sogar im Netz gespeicherte Fernsehfilme über das alte Selinunt ansehen, etwa den hier vom ZDF, sofern so ein Film nicht zwischenzeitlich depubliziert wurde.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Bei den klassischen Informationsmitteln (Infotafeln) ist der Park nicht so üppig ausgestattet. Was wohl nahe liegt wegen dem Aufwand für die Mehrsprachigkeit und dem vielen, was man ausschildern müßte. Das Tanit-Mosaik im letzten Blog-Eintrag haben wir wahrscheinlich nur deshalb entdeckt, weil wir kurzzeitig an eine Reisegruppe herangeschlendert sind.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Die hatten ein ziemlich herbes Tempo. Ich vermute, die Gruppe war nicht einmal halb so lange im Archäologischen Park wie wir, haben aber das Demeter-Malophoros-Heiligtum sicher geschafft. Das Für und Wider der Reisegruppen will ich jetzt nicht diskutieren. Wenn ich allein wäre und zum ersten Mal Sizilien besuchen wollte, dann wäre eine Reisegruppe wahrscheinlich sogar meine erste Wahl.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Die Archäologische Staatssammlung will Sizilien-Reisen im Frühjahr 2012 anbieten. Detaillierte Reiseinformationen sollen im Laufe des Sommers vorliegen, ist im letzten Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte zu lesen. Vielleicht lassen sich mit diesem Angebot die Vorteile von Reisegruppen maximieren, wenn das Reiseangebot wirklich nahe an der Archäologischen Staatssammlung gebaut wird, also die Reiseführer den aktuellen wissenschaftlichen Stand intus haben und man vielleicht zusätzlich noch aus dem Kreise des Vereins Reisepartner mit starkem archäologischen Hintergrund bekommt.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Abschließend für die Hotel-Selbstbucher: das ginge direkt beim Archäologischen Park in Marinella di Selinunte. Der Sandstrand von Marinella ist nicht so gigantisch wie der von Herakleia Minoa. Aber so leer wie der Strand von Herakleia Minoa im April war, sind vielleicht die dortigen Ferienhäusern nachts kaum belegt, und das ist auch nicht jedermanns Sache.

Sonntag, 11. April 2010

Filme, Filmchen, Videos

Geht es um die Besonderheiten der Internet-Ökonomie, stößt man schnell auf die Theorie des „Long Tails“ (hier der Artikel dazu in der deutschen Wikipedia und ausführlicher in der englischsprachigen Wikipedia).

Biene und Krokusse

Um kurz die Grundidee des Long Tails am Beispiel des nach zwei Wochen in München abgesetzen Films „Agora - die Säulen des Himmels“ wiederzugeben:

Man stelle sich die aktuellen Kinofilme in einem Schaubild absteigend sortiert nach der Anzahl der Interessenten vor. Waagrecht die Filme, senkrecht die Anzahl der Interessenten für jeden Film, und über die Anzahl der Interessenten eine Kurve.

Momentan würden vermutlich „Alice im Wunderland“ und der „Avatar“ das größte Interesse finden und die Reihe anführen. Nach ihnen würde die Kurve bis hin zum Film „Agora“ stark abfallen. Zwischen „Agora“ und „Avatar“ die Filme, die sich halten konnten, ohne nach zwei Wochen wieder abgesetzt zu werden. Und nach „Agora“ in einem langen Schwanz die Filme, die es nicht mal wie „Agora“ zu einem Kurzauftritt in den Kinos geschafft haben.

Biene und Krokusse

Auf die einzelne Filmaufführung entfallen hohe Kosten, die von einer durch das Einzugsgebiet begrenzten Zahl von Besuchern wieder hereingebracht werden müssen. Dadurch sind die Kinos gezwungen, sich auf die für die meisten Kinogänger interessanten Filme zu beschränken und einen frühen Schnitt im oben skizzierten Schaubild zu machen.

Klassische Buchhandlungen oder CD-Läden können zwar eine wesentlich größere Auswahl anbieten, weil die Kosten pro Produkt geringer sind. Sie haben im Prinzip aber das selbe Problem. Ihre Stellfläche ist auch begrenzt, die Kosten müssen auf jeden Stellplatz umgelegt werden. Und das begrenzte Gebiet, aus dem die Kaufinteressenten kommen müssen, begrenzt den Wagemut zuviele Exoten aufzustellen.

Biene und Krokusse

Der Bruch besteht gegenüber dem Internet, weil dort einerseits die Kosten von Bereithaltung und Verteilung gegen Null gehen und anderseits die Beschränkung auf eine lokale Kundschaft entfällt. Der notwendige Schnitt bei der Anzahl unterschiedlicher Produkte, die angeboten werden können, geht deshalb in der genannten Kurve den „Long Tail“ entlang immer weiter nach hinten. Das Angebot kann sich selbst bei minimalem Interesse und minimalen Gewinnen über die große Anzahl der Produkte im Long Tail noch rentieren.

Es gibt sogar einen Druck hin zur Verbreiterung des Angebots in den „Long Tail“ hinein. Chris Anderson, der den Gedanken des „Long Tails“ in seinem gleichnamigen Buch (und in seinem Blog) populär gemacht hat, nennt Beispiele von Buch- und Musik-Händlern im Internet, die die höchsten Zuwachsraten im „Long Tail“ haben, was die Ausdehnung des Angebots weiter befördert.

Ergänzend kommt noch dazu, daß die Produktionsmittel für diese Produkte immer billiger geworden sind. Die Einstiegshürden für die bekannten „Spassvideos“ auf Youtube sind sehr gering. Ich erinnere mich an ein Video von jungen Jugendlichen, in dem sie eine Keltenschanze mit ihren Mountain-Bikes malträtieren. Und die sueddeutsche.de schreibt aktuell, daß bei Youtube jede Minute mehr als 20 Stunden Videomaterial hochgeladen werden.

Biene und Krokusse

Unterm Strich jedenfalls das Fazit, daß wir nach der Theorie rein systemisch bedingt einer Überfülle an Angebot gegenüberstehen. Und diese Überfülle wird in Zukunft noch zunehmen.

Am Beispiel von Youtube kann man sich das mal mit der Abfrage nach Archäologie ansehen, das bringt derzeit 576 Ergebnisse, die Suche nach Archaeology 12100.

Wo Archäologie drauf steht, muß natürlich nicht Archäologie drin sein. Allerdings hat die Verbilligung der Produktion nach den Spaßfilmern auch die Wissenschaft erreicht. Ein Beispiel ist die Videoreihe „Giganten der Steinzeit“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die einzelnen Folgen finden sich sowohl auf dem Portal DFG Science TV als auch bei Youtube.

Oder das Projekt „L.I.S.A.video“. Da gibt es Videos über das Orakel-Rätsel, das Grab eines Hunnenfürsten und das Grab des Neferhotep.

Biene und Krokusse

Übrigens sollten nach Anderson auch alte Fernsehsendungen Kandidaten für den „Long Tail“ sein. Anderson nennt als Beispiel alte Fernsehserien, die oft nur noch für einen räumlich weitverteilten Kreis weniger Liebhaber von Interesse sind, aber wegen komplizierten Musikrechten nicht im Internet angeboten werden können.

Daß die US-Amerikaner trotzdem etwas gebacken bekommen, zeigt das Beispiel Hulu.com, wenn auch Marcel Weiß in seinem Blog-Eintrag aus dem Jahr 2007 (!) WWW-systemisch noch nicht so ganz zufrieden ist. Hierzulande allerdings findet man Hinderungsgründe, auf die Anderson nie gekommen wäre: „Öffentlich-Rechtliche Sender müssen Inhalte aus dem Netz nehmen“. Schließlich noch eine Meldung vom 25.3.2010, daß ein deutsches Hulu geplant sei.

Biene und Krokusse

Wie bekommt man einigermaßen einen Überblick darüber, was per Netz verfügbar ist? Ich habe beispielsweise eben das Keltenschanzen-Video per Youtube-Suche nicht wieder gefunden. Anderseits bin ich via der Suche nach der „Heuneburg“, wo ich letztes Jahr war (Bericht steht noch aus), auf Videos vom dortigen Thraker-Überfall gestoßen. Ich hatte auf der Heuneburg davon gehört, wußte aber nicht, daß er auch filmisch dokumentiert wurde. Also ein Überblick sieht anders aus.

Chris Anderson betont hier die Wichtigkeit von Filtern, damit man sich wieder einigermaßen souverän in der Überfülle empfindet.

Ein Filter kann bei einem klassischen Fernsehprogramm die Programmzeitschrift sein. Im Falle von Fernsehfilmen aus dem Bereich Archäologie, Geschichte und Historischem hätten wir da sogar etwas bei Archäologie Online und Chronico.

Filter wären auch die Suchfunktion des Videoanbieters, eine allgemeine Suchmaschine, ein Blogger oder Micro-Blogger (etwa via Twitter), der auf Filme hinweist, Foren, Empfehlungen oder Kritiken auf diversen Webseiten.

Biene und Krokusse

Filter dienen nach Anderson nicht nur dazu, ein bestimmtes Produkt sichtbar zu machen, sie treiben die Nachfrage auch weiter in den „Long Tail“ hinein.

Reizvoll an der Long-Tail-Theorie ist, daß man damit gleich etwas anfangen kann. Wenn eine Institution ein Video einstellt, um, wie Ulrike Schmid in ihrer Studie schreibt, „Interesse zu wecken und die Anzahl der Besuche zu erhöhen“, dann weiß die Institution auch gleich, daß sie sich um die Pflege der Filter kümmern muß, damit das Interesse bis zu ihrem Video in den Long Tail hineingetrieben wird.

Biene und Krokusse

Leider nennt die Wikipedia Kritikpunkte an der Theorie von Anderson, auf die Anderson natürlich Erwiderungen findet - in der englischsprachigen Wikipedia kommt das besser heraus. Anhand der Wikipedia-Einträge scheint es mir vor allem darum zu gehen, daß Anderson an im Zweifel minimale Renditen ganz weit hinten im „Long Tail“ glaubt, während die Kritiker über weite Strecken null Verkäufe und damit null Renditen sehen.

Was würde das für die Theorie bedeuten, vielleicht daß Archäologie-Filme nicht mehr kostenlos eingestellt werden dürfen, sondern man selbst für die minimale Rendite bei gegen Null gehenden Bereitstellungskosten sorgen muß?

Biene und Krokusse

Egal, ich will noch an der Theorie dran bleiben und auf die Filter eingehen. Die Suchmaschine oder Suchfunktion des Video-Hosters wären allgemeinste Filter. Man kann spaßeshalber seine Suchworte, z.B. „Archäologie Video“, mit Google.de, Google.com, Google videos (oder einem Google-Konkurrenten), der Suchfunktion des gewählten Video-Hosters und mit Digger ausprobieren, der archäologischen Suchmaschine von Archäologie Online.

Das Potential bei den „Kleinen“, also Blogger, Micro-Blogger, Foren, kleinere Wikis, sehe ich darin, daß sie Anlaufpunkt für ein spezielles Segment werden können. Als Beispiel vielleicht das „Virtuelle Material Militärgeschichte“ der „Lernwerkstatt Geschichte“ des Historischen Seminars Hannover.

In dem Sinne könnte ein Museumsblog neben anderen Aufgaben auch als Filter für die Videos über das Museum dienen. Das kann Hand in Hand mit der Ankurbelung der Video-Produktion gehen, etwa wenn man den Experten vom obigen Thraker-Überfall anregt, auch noch das Schmuckangebot im Museumshop zu filmen und in Youtube einzustellen.

Biene und Krokusse

Zwischen den „Kleinen“ und den Suchmaschinen fällt mir jetzt eigentlich nur Archäologie Online ein.

Ich kenne die Website schon ziemlich lange und habe dort auch gleich nach den ersten Einträgen meinen Blog für den Guide angemeldet, bin aber kein Hardcore-Nutzer und habe immer das Gefühl einer Unübersichtlichkeit, durch die mir einiges von den Schätzen verborgen bleibt.

Versuchen wir es mit den Videos: es gibt die oben erwähnte Suchmaschine, es gibt vorsortierte Videos in der Mediathek, es gibt das Forum mit Hinweisen auf Videos wie bspw. hier, und es gibt den Guide, das ist eine kommentierter Linksammlung mit derzeit 7082 Links. Auf der Startseite des Guides ist unten eine „Schnellsuche im Guide“, dort kann man mal nach „Video“ suchen.