Mittwoch, 23. Dezember 2020

Der Befreier / The Liberator bei Netflix

„Der Befreier“ ist eine Miniserie, die kurz nach den „Barbaren“ am 11. November, dem amerikanischen Veterans Day, bei Netflix startete. Vorlage dieser Serie ist ein Buch über den Offizier der United States Army Felix L. Sparks, dessen 157th Infantry Regiment zunächst an der Befreiung Italiens und Frankreichs mitwirkte und dann als eine der ersten alliierten Einheiten das Konzentrationslager Dachau erreichte.

'Arbeit macht frei'-Tor der KZ-Gedenkstätte Dachau

Diese Zeit ist nicht mein Blog-Thema. Dachau und die Strecken der Todesmärsche sind für mich nicht so günstig via Fahrradtouren zu erreichen, deshalb habe ich nicht viel aus der Gegend im Blog. Und zur Entscheidung für das verwendete Filmverfahren - man möge sich dazu den Trailer bei Netflix ansehen - sollte ich nicht viel schreiben. Ich bin da nicht reingewachsen und kenne jetzt nicht mal eine Stelle im Web, die die Entscheidung für diese Technik ausführlicher diskutiert.

Anderseits kann ich für München-Neulinge zumindest ein paar Stichworte zum Weitersuchen liefern. Dachau liegt hier verkehrstechnisch sicher nicht aus der Welt. Die letzten Fotos von unserer Tour nach Markt Indersdorf habe ich nur wenige Kilometer vom ehemaligen KZ entfernt aufgenommen. Auf der Weiterfahrt heim in den Münchner Süden sind wir erst 250 Meter entfernt am ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen und dann auf der Straße vor den in Bild 1 und 6 zu sehenden Bäumen an der KZ-Gedenkstätte vorbeigefahren. Das „Arbeit macht frei“-Tor befindet sich auf der westlichen Seite des Lagers, die vorbeiführende Straße mit der Baumreihe auf der östlichen. Die ersten sechs Fotos sind im südlichen Bereich der Gedenkstätte aufgenommen, das letzte Foto blickt vom nördlichen Bereich in den Süden.

KZ-Gedenkstätte Dachau

Das Fahrrad wäre schon im Fall meiner Grabhügelsuche in der Allacher Lohe ganz nützlich gewesen. Ich war damals bei meiner Grabhügelsuche zu Fuß im Wald unterwegs und mit dem Fahrrad hätte ich ein paar zusätzliche Suchschleifen fahren können. Das Fahrrad mag aber für den Besuch der zeitlich näher liegenden Stätten noch nützlicher sein. Man kann leicht Allach und die Grabhügelsuche in der Allacher Lohe mit den Vielleicht-Bombenkratern, von denen ich einen fotografiert hatte, mit dem heutigen Allacher Industriegebiet und dem früheren Standort des KZ-Außenlagers München-Allach kombinieren.

KZ-Gedenkstätte Dachau

Zum dem Thema Außenlager möge man selbst weitergoogeln, ich gebe jetzt nur noch wegen einem relativ frischen Tweet von Andrea Halbritter den Link auf ihren Artikel „Vergessene Konzentrationslager: das KZ-Außenlager Gablingen“ an.

KZ-Gedenkstätte Dachau

Dachau liegt wie gesagt für mich per Fahrrad nicht so günstig. Aber da München flach ist, gehen relativ weiträumige Touren. Man kann zudem mit E-Bikes den Radius erweitern und via S-Bahn den Startpunkt verlegen. Die Fotos sind 2007 auf einer Tour in den Schloßpark Schleißheim und dann weiter zum ehemaligen KZ entstanden. Bei unserer Dreiecksfahrt war die Strecke Oberschleißheim - Dachau der mit Abstand kürzeste Teil, d.h. Kombinationen aus Oberschleißheim, Dachau und Allach wären nicht so anstrengend. Flugzeugfans könnten etwa auch gut die Flugwerft Schleißheim mit Allach kombinieren.

KZ-Gedenkstätte Dachau

2007 habe ich mich auch via einer von der Volkshochschule angebotenen Radtour der Gegend genähert. Bernd-Michael Schülke führte ab der Blutenburg die Würm entlang Richtung Norden und kam bei der Gelegenheit auch durch Allach. Nördlich der A99 sind wir dann zunächst in Richtung Nordwesten und dann nach Süden weitergeradelt, um dem Tour-Titel „Westliche Moore: von der Blutenburg zur Aubinger Lohe“ gerecht zu werden.

KZ-Gedenkstätte Dachau

Bei der Blutenburg befindet sich ein Todesmarsch-Denkmal. Man könnte eine Würm-Tour in Richtung Süden dem Thema widmen. Das Todesmarsch-Denkmal bei der Petersbrunner Kapelle St. Peter hatte ich mal fotografiert.

Von der Blutenburg aus der Würm entlang nach Norden sind wir seinerzeit an der Obermenzinger Gaststätte vorbei, in der sich Hitler mit anderen „Größen des Reiches“ getroffen hatte. Interessenten mögen da nach den Stichworten „Hitler“ und „Obermenzing“ googeln. Unsere damalige Tour könnte man natürlich statt nach Nordwesten auch bei Allach in Richtung Nordosten in die Allacher Lohe und weiter nach Dachau fortsetzen.

KZ-Gedenkstätte Dachau

Abschließend zum verwendeten Filmverfahren für den „Befreier“: ich bin mal in eine Sendung über die Pariser Kathedrale Notre Dame geraten. Dort wurden nicht nur die Änderungen an Notre Dame über die Jahrhunderte als Animationen dargestellt, sondern man hat auch auf relativ einfache Weise die jeweiligen Baumeister zu Spielszenen in und am Gebäude wiederauferstehen lassen. Also vielleicht ist diese im „Befreier“ verwendete neue Technologie besonders interessant, wenn Gebäude oder ganze Städte rekonstruiert werden sollen. Vergleicht man die relativ kleinräumigen Aktionen mit wenigen Personen in der „Barbaren“-Serie mit dem „Befreier“, dann wirken die „Barbaren“ durch diese Kleinräumigkeit billig gemacht, während die Kampfszenen beim „Befreier“ großflächiger und mit umfangreicherem Material angelegt werden konnten. Angesichts der gezeigten Leichenstapel in Bahnwaggons im letzten Teil der „Befreier“-Serie mag man sich auch fragen, welche Rückwirkungen die umfangreichere Zeigbarkeit solcher Szenen auf zukünftige Filme haben wird.

Montag, 7. Dezember 2020

Barbaren-Nachtrag

Mit meinem Blogeintrag über die „Schlacht im Teutoburger Wald bei Netflix“ dachte ich diesbezüglich meine Mission erfüllt zu haben.

Im internen Modus habe ich dann meinen Freund Wintersonne nach seinen Erfahrungen mit der Barbaren- und der Damengambit-Serie gefragt. Das Damengambit war in der Woche an erster Stelle der Netflix-Serienzugriffe, in der wie von mir geschrieben die Barbaren auf dem zweiten Platz landeten. Und ich habe ja wie schon mal erwähnt auch eine Schach-Historie.

Bei Wintersonne hatten die Barbaren schon verloren. Er hatte sich nur die erste und den Anfang der zweiten Folge angesehen und konnte mit der Serie nichts anfangen. Die Dialoge waren aus seiner Sicht „leider auf Vollpfosten-Niveau“. Er wollte sich wegen meinem Blogeintrag noch die letzte Folge ansehen, „da wird dann hoffentlich nicht soviel gequatscht.“ Aber: „leider wurde wieder geredet, auch die Kampfszenen redundant und gähn“.

Derweil habe ich via Hiltibold aus Graz festgestellt, daß es schon Tage vor meinem Blogeintrag eine 44-minütige Diskussion unter dem Titel „Die 'Barbaren' auf Netflix - Was wissen wir über die Varus-Schlacht?“ mit dem von mir erwähnten Reinhard Wolters gegeben hatte. Das hätte ich zumindest im kleinen „Gemischte Links“-Format nachtragen müssen. Ich habe mich stattdessen zu einem eigenen Blogeintrag entschlossen und nun auch länger in die Serie reingesehen.

Hinsichtlich der Dialog-Sensibilität sehe ich Wintersonne als führend bei uns an, da brauche ich also nichts mehr zu sagen. Allgemeiner gefasst würde ich seine Sicht unter etwas einsortieren, das für mein Gefühl sehr treffend mit dem in irgendeiner Serienbesprechung verwendeten Wort „unterkomplex“ beschrieben werden kann. Also es fehlt nicht nur bei den „Vollpfostendialogen“ unangenehm bemerkbar an Komplexität.

Um das an ein paar Beispielen zu erläutern: ziemlich am Anfang der Serie reitet ein Minitrupp Römer mit ihrem Legionsadler zum Abgaben-Einsammeln im germanischen Minidorf des Cherusker-Chefs ein. Das ist zwar vielleicht für den Fortlauf der Handlung nicht schlecht, weil die Zuschauer nun schon eine Beziehung zum Adler aufbauen können. Das wird sich auch im weiteren Verlauf der Serie bestätigen - dieser einfachen Sprache kann man gut folgen. Aber diese unterkomplexe Darstellung ist von der Logik her gesehen Quatsch, weil die Römer ein ziemliches Risiko für ihren Adler eingehen.

Es geht wie gesagt um Abgaben, die Römer sind nicht zufrieden und wollen mehr Abgaben haben und geben drei Tage Zeit. Die Germanen kommen daraufhin auf die Idee, ein Thing einzuberufen, um mit den anderen Stammesführern das weitere Vorgehen zu bereden. Das Thing findet tatsächlich in der nächsten Szene schon statt. Für den Fortlauf der Erzählung ist das natürlich nicht schlecht. Man kann das nächste Glied in die Erzählkette hängen und nun ohne daß sich die Zuschauer etwas Komplexeres über den zeitlichen Verlauf merken müssen gleich die Zerstrittenheit der Germanen darstellen. Die Szene ist auch recht malerisch und wenn die Germanenkleidung einigermaßen korrekt auf archäologischen Vorlagen beruht, stellt sie sicher einen Wert an sich dar. Aber sie passt halt nicht zur Szene mit der Dreitagevorgabe.

Der angekündigte nächste Römerbesuch beim Cherusker-Chef wird dramatisch. Der Cherusker muß den Adler als Unterwerfungsgeste küssen, Thusnelda will das verhindern, ihr kleiner Bruder wird dabei schwer verletzt. An dieser Stelle wäre die erste Folge der Serie Rom von 2005 zu erwähnen, in der Vercingetorix vor Caesar niederknien und den Adler küssen muß. Diese erste Folge hieß der „Der gestohlene Adler (The Stolen Eagle)“. Passenderweise kommen Thusnelda und ihr Geliebter Folkwin Wolfspeer auf die Idee, den römischen Legionsadler zu klauen. Thusnelda, Folkwin und Arminius sind Freunde aus Kindheitstagen und Thusnelda und Folkwin retteten damals Arminius einmal vor einem Wolf. Deshalb hat jeder von ihnen einen herausgebrochenen Wolfszahn, von denen einer bei der Klauaktion im Lager verloren geht und selbstverständlich von Arminius gefunden wird.

Der Adler wird im Lager geklaut, nicht einfach ein Minitrupp abgabensammelnder Römer überfallen. Folkwin und Thusnelda gehen nach schnell erstelltem Plan nächtens vorne durch den Eingang rein und sind für den Adler zuständig, zwei weitere Gefährten sollen hinten reinkommen und die beiden wieder aus dem Römerlager bringen. Das funktioniert tatsächlich so unterkomplex wie geplant, in dem Thusnelda als Lustsklavin ausgegeben wird, die einem Offizier zugeführt werden muß, und in dem die anderen beiden „hinten“ durch das römische Abwasser tauchen. Diese beiden Germanen dringen dann in ein Römerzelt ein, morden schnell zwei römische Soldaten und verkleiden sich mit deren Ausrüstung und geleiten dann Thusnelda und Folkwin mit dem eingewickelten Adler als vorgebliche Bewachung aus dem Lager.

Einiges an der Serie soll aus Expertensicht relativ gut gelungen sein, ich glaube das Haus des Cherusker-Chefs gehört dazu. Kritisiert wurde mehrfach, daß die vorgestellten germanischen Minidörfer direkt im Wald liegen. Das funktioniert so wirklich nicht, die Dörfer bräuchten umfangreich Äcker und Weideflächen für ihre Ernährung. Um die Felder zu bewirtschaften und den Holzbedarf zu decken bräuchte es Wägen und Zugtiere. In realen Dörfern müßte logistisch gesehen viel los gewesen sein. Hier habe ich keine ausgefahrenen Wege und keine Radspuren gesehen.

An die schnelle Hundwerdung des Wolfes im Steinzeitfilm „Alpha“ konnte ich ja auch nicht glauben, das war dann eben ein märchenhaftes Zusammenziehen, was über einen längeren Zeitraum passiert ist. Aber man hat doch dauernd die Gelegenheit bekommen, in die Fiktion einzutauchen. Im 13ten Krieger etwa stieß vielen das schnelle Sprachenlernen von Ahmad Ibn Fadlān und das blitzschnelle Umarbeiten seines Schwerts auf. Aber in vieles konnte man sich auch hineinziehen lassen. Die schöne Schamanin im Film Alpha etwa könnte wegen der archäologischen Vorlage ihrer Ausstattung sogar genauso in der Steinzeit rübergekommen sein. Das muß man sich mal vergegenwärtigen, welche Mühe die sich damals gegeben haben um den Teilnehmern an so einem Schamaninen-Event etwas zu bieten. Beim 13ten Krieger ist der auftretende „Engel des Todes“ eine alte Frau ohne jeglichen Schmuck. Die Szene funktioniert eigentlich nur mit ihrer trotz Alter und Unscheinbarkeit vorhandenen Autorität und der Regisseur kriegt das auch hin. Ahmad Ibn Fadlān sitzt bequem als Zuschauer dabei, als sich die anderen zwölf Krieger zusammenstellen und dann sieht der „Engel des Todes“ aus ihren Knochen, daß der 13te Krieger kein Nordmann sein darf. Man kann das über weitere Nebenrollen in dem Film fortsetzen. Den Schauspielern kauft man ihre Rollen ab.

In der Barbaren-Serie fehlte mir das. Ich würde Arminius und Varus und vielleicht noch Schauspielern aus dem Stab des Varus ihre Rolle abkaufen, aber Folkwin etwa wäre für mich eher ein Typ zum Fernhalten. Wenn der vorne mit Gedöns und einer Eroberung wie dem Adler in das Dorf reitet, hätte ich das Gefühl nach hinten aus dem Dorf abhauen zu wollen. Die ganzen etablierten Stammesführer kamen für mich ähnlich dünn rüber. Das kann nicht vorwiegend an den Schauspielern liegen. Die Germanen-Heilerin hatte aus meiner Sicht keine Chance. Die praktiziert in einer Art Höhle, in der überall Holz herumliegt und vor allem passend für die Kamera sechs Feuer verteilt brennen. Ich habe nicht verstanden, was die überzähligen Feuer für einen Zweck haben sollen. Dazu spielt die Heilerin sehr verhalten, das war vielleicht gewünscht und sollte geheimnisvoll wirken, aber das war bei mir dann dauerhaft von der Sechs-Feuer-Frage überdeckt.

Ich würde denjenigen, die sich soweit interessieren, daß sie bis hier unten im Text gekommen sind, trotzdem empfehlen, durch die Serie zumindest zu springen, wenn sich eine bequeme Gelegenheit dazu ergibt. Die Argumentation dafür geht in die Richtung, derentwegen ich auch froh war, den „Schlacht im Teutoburger Wald bei Netflix“-Text noch einigermaßen zeitnah zum Schwung der Medienveröffentlichungen eingestellt zu haben. Das Stichwort „Awareness“ scheint nach Nachgoogeln gerade vom Marketing gekapert zu sein. Aber die Idee wäre ein Bewußtsein zu haben, was gerade läuft. Vielleicht hat jemand einen Kontakt auf der anderen Seite des Erdballs und der kommt auf die Serie zu sprechen. In meinem Fall gab es jetzt die Überraschung, daß ich beim Eintragen dieses Textes ins Internet noch Namen kontrolliert habe und beim Wolfspeer-Nachgoogeln auf ein Barbarians Wiki gestoßen bin.

Wer die Serien bequem zugreifbar hat, möge auch noch in das Damengambit hineinsehen. Freund Wintersonne fand die Serie gegenüber den Barbaren „wesentlich ertragbarer“ und „unter dem Märchengesichtspunkt ganz okay“. Viele Aufnahmen in der Serie sind sehr schön, also selbst Durchhopsen ohne Ton lohnt sich. „Where was The Queen's Gambit filmed?“ hält ein paar Appetithappen bereit. Die Turniersaal-Atmosphäre wirkt sehr echt. Das schnelle Ziehen passt zwar eher zu Blitzschach- als zu Langpartien, aber mit den Schauspielern soll laut „Die Netflix-Sensation 'Das Damengambit'“ geübt worden zu sein, die Figuren wie ein echter Schachspieler anzufassen. Und der Exweltmeister Garry Kasparow soll die zu sehenden Züge vorgegeben haben. Wer dann selbst mehr Schach spielen will: die eben verlinkten „Perlen vom Bodensee“ sammeln aktuell für eine Neuausgabe des alten Artikels über „Für Sparfüchse: die Schach-Grundausstattung gratis“.

Freitag, 6. November 2020

Die Schlacht im Teutoburger Wald bei Netflix

Seit letzter Woche kann man sich bei Netflix die Serie „Barbaren“ ansehen, die die Schlacht im Teutoburger Wald und ihr engeres zeitliches Vorfeld als Vorlage verwendet. Wie die verlinkten kurzen Netflix-Inhaltsangaben zu den sechs Teilen zeigen, trifft man zwar auf einige geschichtlich bekannte Personen und Ereignisse, bei denen die bekannte Entwicklung des römischen Offiziers Arminius hin zum gegnerischen Germanenführer die prominente Rolle spielt. Das wird aber durch starke frei erfundene Handlungsstränge ergänzt und dabei etwa der späteren Ehefrau des Arminius Thusnelda eine Rolle verpasst, die weit von der Überlieferung entfernt ist.

Ich habe bislang nur kleine Ausschnitte gesehen und bin mir gerade nicht sicher, wie scharf ich auf diese Barbaren-Folgen bin. Das kann ich noch abwarten. Die Serie halte ich aber schon insofern für sehr bemerkenswert, als Netflix versucht, solche Filme über für Lokalmärkte bedeutsame Ereignisse in diesem lokalen Umfeld zu entwickeln und dann international zu präsentieren. Das hat hier offenbar mit großem Erfolg geklappt, Business Insider gab für letzte Woche einen zweiten Rang für die Serie bei Netflix in den USA an.

Der Artikel von Thomas Rogers in der New York Times erläutert diese Entwicklung aus dem lokalen Umfeld heraus genauer. So scheint man etwa mit Absicht einen blonden und blauäugigen Arminius vermieden zu haben. Außerdem war es wichtig, ihn nicht als großen Kriegshelden oder als Gründer eines Germanenreichs zu zeigen.

Die Zerrissenheit unter den germanischen Stämmen im Vorfeld der Schlacht hat man in der Serie allerdings schon thematisiert. Römerherrschaft hätte ja neben einem Entwicklungssprung, den man dann allein in der Folge nicht hingekriegt hat, auch Landnahme, Ausplünderung, Versklavungen und für Germanen unübliche Strafen bedeutet. Ein freier Geist darf das ja abwägen und Kleist hat das, als er eine ähnliche Konstellation gesehen hat, in seiner „Hermannsschlacht“ verarbeitet. Die scheint im Übrigen wesentlich freier mit der Überlieferung umgegangen zu sein als die Barbaren-Serie, insofern ist eine an die heutige Zeit angepasste aktivere Thusnelda-Rolle doch ganz in Ordnung.

Die Schlacht läuft aktuell in der Wikipedia unter der Bezeichnung „Varusschlacht (auch Schlacht im Teutoburger Wald oder Hermannsschlacht, von römischen Schriftstellern als clades Variana, als „Varusniederlage“ bezeichnet)“. Die „Schlacht im Teutoburger Wald“ wurde bei uns vermutlich im Zuge der Kalkriese-Funde hinfällig und dafür „Varusschlacht“ erfolgreich installiert. Schaltet man auf die englische Wikipedia um, hängt die noch nach: „The Battle of the Teutoburg Forest (German: Schlacht im Teutoburger Wald, Hermannsschlacht, or Varusschlacht), described as the Varian Disaster (Latin: Clades Variana) by Roman historians, took place in the Teutoburg Forest in 9 CE..“. Netflix verwendet auch im Deutschen diese englische Bezeichnung. Ich jetzt für meine Überschrift auch. Die scheint wenigstens orginell zu sein, „Barbaren bei Netflix“ habe ich beim Nachgoogeln gleich mehrfach gesehen.

Die eigentliche Schlacht mag sich wie auch die Serie es nahelegt tatsächlich über eine lange Strecke verzettelt abgespielt haben. Wie ich mal dem Buch „Die Schlacht im Teutoburger Wald: Arminius, Varus und das römische Germanien“ von Reinhard Wolters entnommen habe, sind viele römische Quellen über solche Kämpfe aber oft erst ziemlich lange danach entstanden und es gibt in diesen Texten dieses Angriffsmuster häufiger. Das kann so in unterschiedlichen Fällen gewesen sein, aber man könnte sich auch vorstellen, daß man unzutreffende Standarderläuterungen wegen Unwissen oder einem Verheimlichungsinteresse gegeben hat. Im Falle der Schlacht im Teutoburger Wald muß es wohl auch schon lange den Gedanken geben, daß sich die Armee zu einem guten Teil selbst durch einen hohen aufständischen Germanenanteil besiegt hat. Ich habe das durch einen in andern Gefilden tätigen Archäologie-Absolventen vor fast 20 Jahren mitbekommen. Es gab/gibt dazu wohl keine Vorstellung über die Höhe der Germanenanteile in den römischen Truppen, aber die Idee lässt sich etwa auch in der Serienbesprechung von Thomas Schlüter wiederfinden.

Thomas Schlüter findet die „Kostüme, Requisiten und Bauten .. sehr gut gelungen, die Ausrüstung der römischen Legionäre entspricht der historischen Wirklichkeit. Auch die germanischen Langhäuser wirken erstaunlich authentisch.“ Thomas Rogers Artikel in der New York Times scheint mir mit seiner Nähe zu den Serienschöpfern vielleicht etwas zu unkritisch zu sein. Der Film- und Serien-erfahrene Thomas Schlüter wirkt etwas ausgewogener. Wer es hingegen richtig kritisch mag, kommt bei bislang gleich drei Einträgen zur Barbaren-Serie im Blog des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen vermutlich voll auf seine Kosten.

Laut Den of Geek scheint die Serie „a massive hit for Netflix“ zu werden. Da muß man sicher schon über die zweite Staffel nachdenken. So wie die erste Staffel auf die Schlacht im Teutoburger Wald zusteuerte, könnte die zweite Staffel mit der Schlacht von Idistaviso (oder am Angrivarierwall) enden.

Montag, 21. September 2020

Spessarter Redoute

Die Spessarter Redoute ist ein noch relativ gut erhaltenes Überbleibsel der Ettlinger Linie. Die Ettlinger Linie war eine Anfang des 18. Jahrhunderts sehr weiträumig aus Verhauen und Schanzen angelegte Verteidigungslinie gegen die Franzosen. Ich hatte die Spessarter Redoute schon in „Ettlinger Linie in Reliefansicht“ als Anschauungsbeispiel für die mit dem Geoportal Baden-Württemberg mögliche Reliefansicht verwendet. In diesem älteren Blogeintrag gibt es auch weiterführende Links zur Ettlinger Linie.

Spessarter Redoute
Spessarter Redoute

Die Ettlinger Linie wurde von den Franzosen „bei der Spessarter Redoute“ durchbrochen, insofern hat sie eine gewisse geschichtliche Bedeutung. Der schnelle Durchbruch der Franzosen und die Lockerheit eines zeitgenössischen Berichts hinsichtlich dem Verlust der aufwendig erbauten Ettlinger Linie läßt aber die Vermutung aufkommen, daß den Franzosen zu diesem Zeitpunkt auch an anderen Stellen ein schneller Durchbruch gelungen wäre.

Spessarter Redoute
Spessarter Redoute

Ich gebe noch einmal den Link aus dem Blogeintrag „Spessarter Redoute in Reliefansicht“ zum Geoportal Baden-Württemberg an. Wenn alles funktioniert, sollten oberhalb der Redouten-Überbleibsel Reste von früher durchgängigen Zickzacklinien zu sehen sein. Die Redoute lag seinerzeit dem Feind zugewandt vor dieser durchgehenden Verteidigungsanlage.

Spessarter Redoute
Spessarter Redoute

Die Lage der Redoute mag man sich einmal durch etwas Herauszoomen aus der Reliefansicht ansehen. Die Redoute liegt auf einer Wasserscheide und man müßte von ihr, wenn sie nicht wie heute im Wald liegen würde, einen Blick auf die Talenden von zwei Tälern vor der Ettlinger Linie haben. Die französischen Angreifer wiederum mußten genau auf diese Redoute treffen, wenn sie sich nach dem Aufstieg in das Bergland ohne irgendwo in Seitentäler abzusteigen nach Norden in Richtung der Verteidigungslinie bewegt hatten.

Spessarter Redoute
Spessarter Redoute

Für meinen verlinkten älteren Blogeintrag verwendete ich Fotos vom Mai 2010. Es soll in jüngerer Vergangenheit größere Probleme durch Mountainbiker gegeben haben. Mittlerweile wurde die Spessarter Redoute durch Baumstämme geschützt. Die hier zu sehenden Fotos sind von letzter Woche.

Dienstag, 8. September 2020

Künstliche Intelligenz

In diesen Tagen erschienen gleich zwei Meldungen über den Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Archäologie. In „Künstliche Intelligenz hilft bei der Herkunftsbestimmung“ ging es um die Frage, ob vorgefundener Obsidian aus lokalen oder entfernten Quellen stammt. In „Künstliches neuronales Netz unterscheidet altsteinzeitliche Werkzeugsets“ um die Unterscheidung von afrikanischen Werkzeugsets der mittleren und späten Steinzeit. Ein paar Monate ältere Meldungen handelten von mit „tiefem Lernen“ entschlüsselter Keilschrift und von einer durch maschinelles Lernen ermöglichten zuverlässigen Klassifizierung von Paläofäkalien.

Bleibt die Künstliche Intelligenz oder geht sie wieder weg wie bald das Internet?? Und mit dem Intelligenz-Begriff komme ich für so etwas überhaupt nicht klar!? — Ich habe den zweiten (!) KI-Winter um die 1990er herum in der zweiten Reihe miterlebt. Ein früherer Kommilitone hatte da noch nicht so lange in der deutschen Niederlassung der im eben unterlegten Wikipedia-Artikel genannten Firma Symbolics gearbeitet (diese Firma hatte Ende der 1980er noch Kultstatus!) und hat mir in der Zeit gesagt, daß man „Künstliche Intelligenz“ jetzt nicht mehr sagen darf, das heißt jetzt „Wissensbasierte Systeme“. Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ war allerdings auch in den Hype-Zeiten zuvor immer mal wieder in der Kritik. Was ist überhaupt Intelligenz? Und soll das jetzt, was die Maschine produziert, Intelligenz sein? In diesen Jahren gab es auch ein „Funkkolleg Psychobiologie: Verhalten bei Mensch und Tier“. Eine Orientierung am Verhaltens-Begriff hätte ich damals für treffender gehalten, also vielleicht so etwas wie „Intelligentes Verhalten“ - man kam ja immer nur in irgendeiner Verhaltensecke ein Stück weiter. Aber AI oder KI sind einfach prägnanter und andere Begriffe mögen zwar treffender gewesen sein, aber wären nicht so gut in den Köpfen der Leute hängen geblieben.

Man beachte dabei auch, daß es Dachbegriffe sind, unter dem sich teilweise recht unterschiedliche Disziplinen versammelten. Also in der künstlichen Intelligenz Ava in Ex Machina würden, wenn sie denn so funktionieren würde, Vorläufer etwa aus den Gebieten Robotik, Maschinelles Lernen, Wissenrepresentation oder Bildverstehen stecken, an denen schon in den 1980er Jahren geforscht wurde. Insofern gab es wie im KI-Winter-Artikel beschrieben in manchen Bereichen zwar massivste Einbrüche. Andere Bereiche sind relativ ungestört weitergelaufen. Die KI war demnach nie weg, selbst als man den Begriff nicht mehr verwenden sollte.

Das in den 1980ern unter dem Dach der KI laufende Maschinelle Lernen galt in den 1990ern zusammen mit der Statistik als Basis des Data Minings und wird seither bspw. für die Warenkorbanalyse oder zur Kundensegmentierung eingesetzt. Der Algorithmus für das zur Warenkorbanalyse genutzte „Association rule learning“ ist relativ eingängig. Den konnte man selbst nachprogrammieren oder auf einer Diskette auf der Systems noch am alten Standort Theresienhöhe mitbekommen oder später in Form von Programmpaketen wie Weka downloaden. Ich habe das „Association rule learning“ seinerzeit mal mit einer Excel-Datei mit passenden Daten ausprobiert und da kamen dann die vorhergesagt eher unintressanten Regeln heraus. Also damit sein Geld verdienen zu müssen, ist vermutlich eine richtig anstrengende Arbeit. Hinsichtlich dem KI-Einsatz markiert aber so ein schneller Einsatz dieser Algorithmen ein unteres Ende – man muß einfach wissen, daß es diese Algorithmen gibt, und sie auf vorhandene Datenbestände anwenden.

Das obere Ende beschreibt der vor drei Tagen erschienen Beitrag „Stockfish 12: das Beste aus zwei Welten“ im Schachmagazin „Perlen vom Bodensee“. Der Artikel handelt von den Auswirkungen des auf künstlichen neuronalen Netzen basierende KI-Programms AlphaZero. Das hatte vor wenigen Jahren eine größere Medienresonanz bekommen, weil es nach relativ kurzem Selbststudium mit einer allerdings riesigen Zahl von Partien Go-Meister schlagen konnte. Nicht so bekannt wurde in der breiten Öffentlichkeit, daß das Programm auch gegen klassisch programmierte Schachprogramme wie das eben im zitierten Titel genannte Stockfish eine „Blutspur“ zog. Man muß sich nun zu solchen Schachprogrammen ein Szene vorstellen, die schon seit Jahrzehnten versucht, jede mögliche Optimierung in ihre Programme aufzunehmen. Und da wurde jetzt wie der Artikel beschreibt bei Stockfish auf die Niederlage gegen die KI reagiert und die zwei Welten wurden vereint. Klassisch programmierte Schachprogramme konnten schon Meister schlagen, der „Perlen vom Bodensee“-Artikel formuliert aber eine neue, durch die KI gewonnene Qualität: „Niemand bestritt, dass AlphaZero Schach vom anderen Stern gezeigt hatte und Ideen in einer bis dahin ungekannten Tiefe demonstrierte. Speziell die Themapartien zu "Positionelle Dominanz versus Material" sollten auch das menschliche Schach auf der Elite-Ebene nachhaltig beeinflussen.“

Wer sich nun in die KI vertiefen will: bei openHPI beginnt heute der Kurs „Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen für Einsteiger“. „Schülerinnen und Schüler, aber auch interessierte Erwachsene sollen die zugrundeliegenden Konzepte kennen und verstehen lernen. Angesprochen sind alle, die noch keine Programmiererfahrung oder technisches Hintergrundwissen haben.“

Eine „Praktische Einführung in Deep Learning für Computer Vision“ startete bei openHPI im März, da ging es speziell um die künstlichen neuronalen Netze. Der Kurs ist noch für das Selbststudium zugänglich und hat höhere Anforderungen als der vorher genannte Einsteigerkurs: „Grundlegende Programmierkenntnisse, vorzugsweise in Python. Mathekenntnisse auf Abiturniveau.“ Ebenfalls bei openHPI noch für das Selbststudium zugänglich ist der Kurs „Big Data Analytics“. In ihm geht es u.a. um „modernste Data Mining-Techniken“.

Zu Weka gibt es mehrere Kurse bei Futurelearn, die in Abständen wiederholt werden. „Data Mining with Weka“ startet nach aktuellen Angaben wieder am 5. Oktober, Advanced Data Mining with Weka am 2. November. „More Data Mining with Weka“ ist „Available now“ für das Selbststudium.

Diese Weka-Kurse gehen zunehmend in die Tiefe. Aber vielleicht hat man Vorkenntnisse in der Breite und will einfach mal sehen, wie ein eingestöpseltes KI-System in so einem Umfeld aussieht? Ich habe jetzt mal bei Udemy nach dem für Chatbots verwendbaren Dialogflow gesucht und überraschend viele mögliche Kurse mit unterschiedlichsten Komponentenkombinationen gefunden.

Meine Dialogflow-Suche ist aus der Situation heraus entstanden und sollte keine Empfehlung für eine bestimmte Chatbot-Plattform darstellen, sondern nur anregen, selbst einmal spezielle Systeme bei Udemy zu suchen. Weka kannte ich etwas und das damals erschienene Buch müßte noch bei mir zu finden sein. Für meinen Text war Weka wegen der langen durchgehenden Linie interessant. Müßte ich mich ernsthaft einarbeiten, würde ich zwar wegen den alten Zeiten und dem einfachen Futurelearn-Einstieg zu Weka tendieren. Aber da es mehrere solcher Programmpakete gibt zuvor versuchen, mich hinsichtlich einer Bewertung dieses Weges umzuhören. Die openHPI-Kurse sind mehr oder weniger anspruchsvolle Einführungen, zudem kostenlos, da kann nicht viel falsch machen.

Donnerstag, 3. September 2020

Himmelsscheibe von Nebra aus der Eisenzeit?

Im Januar hatte ich einen herumliegenden und in der vorhergehenden Blogpause nicht fertig gewordenen Text erwähnt. Da sollte es wieder um den Bernstorf-Fälschungsverdacht gehen. Es gab zwar keine sensationellen Neuigkeiten, aber seit meinem Hinweis auf den Vortrag von Dr. Wunderlich in Freising im März 2018 sind ein paar Artikel erschienen. Und außerdem wollte ich für die Neulinge unter den Bernstorf-Interessenten kurz auf die wichtigsten Personen eingehen.

Mit Corona habe ich das dann wieder schleifen gelassen. Die Beteiligten, die sich über meinen Text aufregen könnten, sind ja zu einem guten Teil über 60 und die sollten sich um ihre naheliegenderen Probleme kümmern. Aber mittlerweile scheint ja alles einigermaßen zu laufen, da dachte ich könnte wieder die Bernstorf-Datei hervorkramen.

In der Situation kommt nun der Artikel „Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog.Himmelsscheibe von Nebra“ von den Professoren Rupert Gebhard und Rüdiger Krause. Über den heute online publizierten Artikel und den Widerspruch dagegen von Professor Meller hat schon der Mitteldeutschen Rundfunk in „Wissenschaftler zweifeln am Alter der Himmelsscheibe“ berichtet und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine Richtigstellung veröffentlicht.

Die Professoren Rupert Gebhard und Rüdiger Krause gelten als diejenigen, die die Echtheit der strittigen Bernstorf-Funde behaupten. Dr. Wunderlich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt glaubt nicht an die Echtheit. Im Zusammenhang mit dem Hinweis auf Dr. Wunderlichs Vortrag in Freising habe ich seinerzeit seinen und zwei weitere kritische Artikel erwähnt und verlinkt, die in der „Jahreschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte Band 96, 2017“ mit einem Vorwort des eben im Zusammenhang mit der Himmelsscheibe von Nebra erwähnten Prof. Harald Meller erschienen sind.

Freitag, 21. August 2020

Imbolc, Groundhogs und Dachstage

In den Gemischten Links vom März ging es um die im Wildschrat-Blog beschriebene zeitliche Imbolc-Bestimmung durch den Beginn der Schneeglöckchenblüte. Ich bin mit jährlich auf dem elterlichen Rasen erscheinenden Schneeglöckchen aufgewachsen und fand diese Zugangsweise ganz reizvoll.

Der von Marcellina im Kommentar genannte und zeitlich zu Imbolc passende Groundhog Day ließ mir allerdings geistig gesehen etwas die Kinnlade herunterhängen. Ich hatte bislang eine totale Groundhog-Lücke. Via „Und täglich grüßt das Murmeltier“ konnte man auch hierzulande etwas vom Groundhog Day mitbekommen, der Film ging aber an mir vorbei. Das Problem war: Wenn es zum Imbolc-Termin einen Groundhog Day gibt und der laut Wikipedia auf einen „Badger Day“ (Dachstag) in der ursprünglichen Heimat der Pennsylvania Dutch rückführbar ist, und das Gebiet aus dem die Pennsylvania Dutch ihre Sprache mitgenommen haben weniger als 20 Kilometer entfernt von meiner alten Heimat auf der anderen Rheinseite beginnt, bin ich dann aus einer Dachstag-Gegend?

Dachse hatte ich bei uns trotz jeder Menge Felder und Wald um das ehemalige Dorf herum nur ausgestopft im Karlsruher Naturkundemuseum gesehen. Es gab auch nie Hinweise von Älteren auf Spuren oder Baue im Wald, Dachse wurden nie erwähnt. Lag es daran, daß es laut Wikipedia bis in die 1970er-Jahre einen dramatischen Dachsrückgang wegen der Begasung der Rotfuchsbauten gegeben hatte? Ich habe meinen Vater gefragt, der hat bei uns auch nie einen Dachs gesehen. Ich habe noch eine kanadische Verwandte mit mennonitischen Vorfahren aus Pennsylvania wegen den Dachsen gefragt. Den Groundhog Day hatte sie sofort parat, aber von einer eventuellen Dachstag-Historie wußte sie nichts.

Man lese bei Interesse den Imbolc-Artikel in der Wikipedia. Die bleibt zwar ähnlich im Diffusen hängen, bietet aber weitere Stichworte, über die man sich bei Gefallen weiterhangeln kann. Außerdem arbeitet sie etwas das nach Omen Ausschau halten als Gemeinsamkeit heraus. Interessant ist auch der längere Teil über die frühere, wesentlich größere Bedeutung des christliche Feiertags Mariä Lichtmess. Dieser Feiertag wurde laut Wikipedia zwar zunächst im östlichen Mittelmeerraum begangen, aber dann unter Einfluß der Westkirche vom 14. auf den 2. Februar verlegt.

Die Sache mit den Schneeglöckchen bleibt für mich ein Gewinn. Ich hätte zuvor nicht sagen können, wann etwa die Schneeglöckchen anfangen zu blühen. Die Google-Bildersuche war bislang schlauer und kannte diese Koppelung. Sucht man nach Imbolc, dann antwortet die Bildersuche mit einem hohen Anteil Schneeglöckchen.

Vom Murmeltier-Film habe ich vermutlich seinerzeit das Filmplakat gesehen und den Film wegen dem Plakat und dem Murmeltier im Titel als Familienfilm oder als Disney-soßig aussortiert. Nach Durchlesen der Handlung finde ich den „Ausschau halten“-Aspekt interessant. Ich habe auf die englische Wikipedia verlinkt, die geht in einem „Concept and original draft“-Teil auf die Entstehung des Films ein. Danach ist die Verbindung von der ursprünglichen Filmidee zum Feiertag eher locker gewesen („picked the next nearest holiday, February 2,“), der „Ausschau halten“-Aspekt („using a groundhog to predict changing seasons“) spielte aber schon eine Rolle. Falls im Film tatsächlich tragend mit Imbolc, Groundhog Day, Dachstag und Mariä Lichtmess gemeinsame Inhalte erfolgreich verarbeitet wurden („become one of the highest-grossing films of 1993“), dann finde ich das schon bemerkenswert.

Mittwoch, 29. Juli 2020

Ettlinger Linie in Reliefansicht

Im Vorspann zur „Preysingsäule im Forst Kasten“ hatte ich wieder ein Loblied auf die Bayernatlas-Reliefansicht gesungen. Deren Vorzüge kann man anhand des verwendeten Grabhügelgruppen-Beispiels gut sehen. Die Bodendenkmalflächen wurden zwar schon vor Jahren im BayernViewer-denkmal angezeigt, mit der Reliefansicht ist diese lokal vermutlich beeindruckendste Grabhügelgruppe innerhalb der Bodendenkmalrotflächen nun aber auch leicht zu finden.

Informationstafel zur Ettlinger Linie

Baden-Württemberg bietet ebenfalls eine Reliefansicht an. Das Geoportal Baden-Württemberg sollte via folgendem Link im zentralen Bereich die Spessarter Redoute anzeigen. Etwas darüber stellen die Zickzacklinien weitere Überbleibsel der Ettlinger Linie dar.

Bei der Ettlinger Linie handelt es sich um eine Anfang des 18. Jahrhunderts sehr weiträumig aus Verhauen und Schanzen angelegte Verteidigungslinie gegen die Franzosen. Man kann sich anhand des in der Wikipedia eingebundenen „Plans der Ettlinger Linie im J: 1734“ mit der Ettlinger Linie vertraut machen. Die Verteidigungslinie setzte sich zwar im Bergland noch eine größere Strecke weiter fort, aber der relevante Abschnitt zwischen Spessart und Schöllbronn ist enthalten: 1734 wurde die Ettlinger Linie nach wenigen Scheinangriffen in der Rheinebene durch einen nächtlichen Angriff im Bergland bei der Spessarter Redoute durchgebrochen.

Spessarter Redoute

Zur Ettlinger Linie gibt es den via Archive.org frei verfügbaren Text „Die Ettlinger Linien und ihre Geschichten“ von Karl Lang von 1907. Ich habe auf die Seite 40 verlinkt, wo es um die französischen Vorbereitungen für den Angriff geht.

Spessarter Redoute

Irritierend die Lockerheit, mit der seinerzeit der schnelle Fall der Verteidigungsanlagen angesichts des zuvor geleisteten riesigen Aufwands an menschlicher Arbeit und Material beschrieben wird. Der Berichterstatter scheint amüsiert, daß die Franzosen ohne Grund vorsichtig geblieben sind und die mögliche Eroberung der Artillerie ausgelassen haben. Daß da offenbar wirklich keine Reserven standen, die die Franzosen hätten zurückwerfen oder ihnen auf dem Weg hinunter nach Ettlingen eine Falle hätten stellen können, wird nicht thematisiert. Stattdessen geht es um die Mahlzeiten des Prinzen Eugenij und wie er danach und dazwischen die Rückzugsbefehle gegeben hat.

Spessarter Redoute

Die baden-württembergische Reliefansicht ist schlechter als die bayerische, außerdem werden die Bodendenkmale nicht angezeigt. Die Daten sind zwar in Baden-Württemberg ebenfalls vorhanden, eventuell ist da alles in ansprechender Weise im ADABweb vereint, sie sind aber dem einfachen Volk nicht frei zugänglich.

Spessarter Redoute

Hinsichtlich dieser Reliefansichten habe ich bislang das Stichwort Lidar ausgelassen. Lucydas Plejadium bietet dazu eine Fülle weiterer Informationen inklusive der Verfügbarkeit solcher Daten in weiteren Bundesländern.

Unsere Fotos mit der damals vor der Redoute herumliegenden Schaufel stammen vom Mai 2010. Es soll in jüngerer Vergangenheit Probleme mit der Spessarter Redoute gegeben haben - ich habe kurz und ungefähr etwas in Richtung Schanzenanbau an die Schanze mitbekommen - diese Schaufel dürfte damit aber vermutlich nichts mehr zu tun gehabt haben.

Samstag, 20. Juni 2020

Die Preysingsäule im Forst Kasten

Mein Ziel war eine Gruppe von Grabhügeln zwischen dem Forsthaus Kasten und Buchendorf (Link zur Grabhügelgruppe im BayernAtlas). Dort gab es aber unter alten Bäumen viele junge Laubbäume. An brauchbare Fotos war nicht mehr zu denken. Zeckenhalber habe ich die weitere Erkundung auf eine Jahreszeit ohne Blätter und mit Stiefeln verschoben und bin weiter zur etwa einen halben Kilometer entfernten Preysingsäule ((Link zur Preysingsäule im BayernAtlas - die Stecknadel sitzt etwas neben der Säule, damit man die Beschriftung und die Denkmalmarkierung besser sehen kann).

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Die Grabhügelgruppe ist mir in der BayernAtlas-Reliefansicht beim Erstellen des Hexenhäusl-Blogeintrags aufgefallen. Wir waren hier schon 2009 unterwegs, siehe „Von Forsthaus Kasten nach Buchendorf“. Ich glaube damals waren die drei westlichen Teile der Rotflächen mit der heutigen Denkmalnummer D-1-7934-0335 zusammenhängend und entsprechend größer. Das vierte damals eingestellte Bild dürfte von einem Grabhügel der aktuell anvisierten Grabhügelgruppe stammen, die anderen hatte ich damals nicht gesehen. Wir waren da am selbsterklärten Ende unserer Grabhügelsuche, hatten zuvor mit eher dünnen Ergebnissen das Gebiet nordöstlich abgesucht und wollten nach Buchendorf weiter.

Interessanterweise handelt es sich hier um „Grabhügel mit Bestattungen der Hallstattzeit.“ D.h. man hat mehr Informationen als zu den in nächster Nähe liegenden „Grabhügeln vorgeschichtlicher Zeitstellung“. Man ist aber nicht in der Lage, die ein paar Tastendrücke entfernt liegende Information über Literatur und Funde in dieses Geoinformationssystem zu übernehmen. Wenn die Zuordnung zur Hallstattzeit zutrifft, dann wären die Grabhügel Jahrhunderte vor der Buchendorfer Keltenschanze und etwa zeitgleich mit dem Pullacher Fürstengrab entstanden.

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Die Preysingsäule ist laut Wikipedia 1735 von Kurfürst Karl Albrecht von Bayern aus Dankbarkeit für die Genesung seines Großkanzlers Max Emmanuel von Preysing an der Stelle errichtet worden, an der Preysing bei einer Parforcejagd vom Pferd gestürzt war und einige Zeit bewusstlos liegen blieb.

Ich hatte zur Preysingsäule nie einen sonderlichen Bezug. Der Name Preysing sagte mir als Zugezogener nichts. Und ich bin damit aufgewachsen, daß Waldarbeit ziemlich gefahrgeneigt ist. Die mir bekannten Todesfälle außer Haus standen entweder im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen oder mit der Waldarbeit. Da wirkte die Säule auf mich ziemlich unmotiviert. Außerdem kam noch das Gefühl einer räumlichen Randständigkeit dazu. Die Wegführung ist da wirklich etwas komisch, vermutlich aufgrund der Besitzverhältnisse.

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Die Texte, die ich im Internet über die Preysingsäule gefunden habe, sind allesamt dünn. Vielleicht kann man der Sache näher kommen, wenn man sich die Preysingsäule als Teil einer Möblierung einer riesigen Adelsspielwiese vorstellt. Die Wikipedia erwähnt bspw. „Jagdlusthäuser“ im heutigen Landschaftsschutzgebiet Forstenrieder Park. Ein gelbes, ein blaues, ein rotes und ein grünes Haus, wobei das damalige Gelbe Haus einen mit der Pagodenburg im Nymphenburger Schlosspark vergleichbaren Grundriss gehabt haben soll und von acht Pavillions umgeben war. Die im BayernAtlas als Hintergrund verwendbare historische Karte von 1860 ist gegenüber diesen barocken Forstenrieder-Park-Verhältnissen schon ziemlich modern. Sie zeigt das heutige Gelbe Haus, das 1842 als Diensthütte errichtet wurde. Die Jagdlusthäuser waren aus Holz und das barocke Gelbe Haus soll schon 1746 abgerissen worden sein.

Heutzutage könnte man vielleicht eine virtuell rekonstruierte alte Adelsspielwiesenschicht anbieten. Mit ins Smartphone ladbaren Geokoordinaten der verschwundenen Adelsspielwiesenmöblierung könnte man den Forstenrieder Park vielleicht für Tagesevents mit Leih-e-Bikes aufbohren. Natürlich müßten dann vor Ort beim Blick durch die Smartphones die Jagdlusthäuser via Augmented Reality erscheinen. Die Preysingsäule wäre weil echt ein absoluter Höhepunkt auf so einer Tour.

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Hinsichtlich der jüngeren bayerischen Geschichte bin ich ziemlich dünn besetzt. Sogar sehr sehr sehr dünn besetzt, wenn ich auf die Bücherlisten sehe, die Josef Maria Wagner zu Monacensia, Bavarica, Historischen Romanen aus München und Bayern, München-Krimis, Bayern-Krimis und Romanen zusammengetragen und kommentiert hat. Ich möchte deshalb abschließend empfehlen, sich diese Bücherliste einmal durchzusehen. Selbst wenn man selbst nicht so interessiert ist, ist vielleicht der eine oder andere gute Geschenktipp dabei.

Freitag, 15. Mai 2020

Römerstraßen-Abstieg und Georgenstein

Die ersten Bilder zeigen die Stelle, von der aus die frühere Römerstraße südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting in das Isartal abgestiegen sein soll. Die lokalen Verhältnisse sieht man sich am besten in der Reliefansicht des BayernAtlas genauer an, ich gebe mal einen Link mit Stecknadel auf diese Stelle weiter. Man erkennt in der Reliefansicht sehr gut die durch den Geländeeinschnitt gegebene Begünstigung dieser Wegführung.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Näher zur Isar hin gibt es wie in „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“ beschrieben mehr Optionen für die Wegführung. Es geistert immer noch der Georgenstein als Brückenpfeiler durch manche Webseite. Daran glaube ich wegen der mit der Talenge verbundenen starken Strömung und den Hochwassergefahren nicht. Die nächste Option liegt etwas weiter flußabwärts zwischen Georgenstein und dem Isarwehr Baierbrunn. Die ergäbe zwar eine etwas geradere Verbindung zwischen dem West- und Ostteil der Römerstraße, würde aber hinsichtlich der Strömung und dem Hochwasser wenig gewinnen.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Mittlerweile ist die offizielle Darstellung im BayernAtlas mit der Römerstraße noch etwas weiter flußabwärts zum Isarwehr gerückt. Die Linie wird hier zwar nicht durchgezogen, aber das westliche und das östliche Ende der Römerstraße legen den Bereich des Isarwehres als Übergang nahe. Aus diesem verzögerten Übergang etwas weiter flußabwärts folgt ein Herumführen der Römerstraße um den Geländesporn mit der Römerschanze. Ich persönlich neige zu einer noch weiter flußabwärts gelegenen Variante. Also wenn es nach mir ginge, würde man die Römerstraße noch weiter um den Geländesporn herumführen. Das wichtigste Argument für mich wäre, daß sich hier die Talsohle deutlich verbreitert. Vielleicht hätte man diesen Bereich sogar die meiste Zeit des Jahres gut als Furt nutzen können. Außerdem ließen sich hier Dienstleistungsbetriebe besser unterbringen. Der Umweg ist gering und wäre für eine Nebenstrecke über Grünwald zu den römischen Siedlungen im Hachinger Tal sogar ein Vorteil.

Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Die verschwundene „Brücke der römischen Kaiserzeit“ mit der Denkmalnummer D-1-7935-0005 wäre ebenfalls ein Argument, falls die einen realen Fundhintergrund hatte und nicht irrtümlich an der Stelle gelandet war. In Vici.org kann man sich aktuell noch die aus BayernViewer-denkmal übernommene Position flußabwärts des Isarwehrs Baierbrunn ansehen. BayernViewer-denkmal wurde 2014 vom Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst, dort wurde die Brücke erst noch angezeigt, ist aber nun seit einiger Zeit verschwunden. Vici.org orientiert sich in dem Bereich mittlerweile gut an der Streckenführung der Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas und BayernAtlas, zieht aber die Römerstraßenlinie wie von diesen Denkmalamtsdaten nahegelegt beim Isarwehr Baierbrunn durch die Isar durch. Im Eintrag zu der Brücke wird bei Vici.org festgestellt, daß die Brückenlage „wenig Sinn im Verhältnis zur Straßenlage rechts und links der Isar“ macht. Wie gesagt, bei meiner favorisierten Option hätte sie einen Sinn, da läge man mit dieser Brücke im für den Übergang interessanten Bereich.

Georgenstein
Isarwehr Baierbrunn

Mithin hätte ich mich auf meiner Tour irgendwann vom Weg hinunter an die Isar und zum Georgenstein lösen und dann zumindest versuchen müssen, auf der vorgeschlagenen Bodendenkmaltrasse zwischen Isar und Römerschanze zu bleiben. Da ich aber noch nie auf der östlichen Isarseite unten beim Georgenstein war und auch sehen wollte, wie das Ufer im weiteren Verlauf aussieht, habe ich auf Touristik umgeschaltet und bin schnurstracks zum Georgenstein weiter. Nach meiner Vorstellung lande ich erst wieder beim Fotografenstandort des vorletzten Bildes bei der Römerstraße. Für mein bisschen dadurch verloren gegangenen Text zur Strecke und die nicht gemachten Fotos kann ich aber den sehr umfangreichen Suchbericht „Sondengänger findet Zeitkapsel“ von Thorsten Straub als Ersatz anbieten. Ich hoffe, er lässt seine Website noch lange online.

Isarwehr Baierbrunn
Isarwehr Baierbrunn

Die Fotografenposition des vorletzten Bildes liegt auf der Gegenseite der Fotografenposition der ersten fünf Bilder im „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“. Die Fotos vom „Maiausflug“ stammten vom Maianfang 2019. Die aktuell Gezeigten von der östlichen Seite sind älter, die stammten von Ende Mai 2018. Wie schon an anderer Stelle bemerkt, sieht der westliche Uferbereich, in den der westliche Teil der Römerstraße zur Isar hin ausläuft, ziemlich neuzeitlich überarbeitet aus. Für den Bereich der genannten Fotografenposition auf dem östlichen Ufer wird das genauso zutreffen. Dort gibt es zum Wasser hin einen Schutz, dann ist einige Meter nach hinten alles auffällig gleichmäßig flach, dann kommt ein erhöht liegender Waldweg. Das sah für mich wie eine künstliche Hochwasservorbereitung aus. Ich bin via dem Waldweg in Richtung Grünwald weiter und via dem Gasteig-Geländeeinschnitt im BayernAtlas-Relief hinter der Ur-Keltin mit der Grünwalder Fibel wieder hochgekommen.

Samstag, 9. Mai 2020

Hexenhäusl-Foto-Update

Über das Hexenhäusl im Forstenrieder Park hatte ich schon vor zwei Jahren hier im Blog etwas mehr geschrieben. Aktuell geht es nur um einen Foto-Update und einen Hinweis auf eine mögliche Änderung beim Bayerischen Denkmal-Atlas.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Das länger ungenutzt gebliebene Hexenhäusl kam 2017 wegen Vandalismus in die Medien. Das 2017 durchbrochene Dach war ein Jahr später zum Zeitpunkt meiner damaligen Fotos immer noch nicht repariert, sondern nur durch eine Plane abgedeckt. 2018 begann aber schon die Renovierung.

Kleine Diskussion am Haus: Werbung brauche ich keine machen, das Hexenhäusl sei sowieso sehr gut besucht. Anderseits lesen hier ja nicht soooviele mit. Und viel Leben dort ist ja auch gut gegen erneuten Vandalismus.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Zum Thema Forstenrieder Park hatte ich zwischenzeitlich auf zwei Forstenrieder-Park-Filme im BR Fernsehen hingewiesen, die sind immer noch via den angegebenen Links zugreifbar.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Im meinem letzten Blog-Eintrag ging es um das Pullacher Fürstengrab. Zur Lokalisierung der Überbleibsel des dortigen Hügelgräberfeldes (und derjenigen in der Nähe des Hexenhäusls) ist die Reliefansicht des BayernAtlas ganz hilfreich. Ortsfremden hilft die Suche im Bayerischen Denkmal-Atlas mittels der von mir angegebenen Denkmalnummer, das Hügelgräberfeld im Süden von Pullach zu finden. Und mittels der Rotfärbung des Hügelgräberfeldes sehen Ortsfremde und Ortskundige dessen vermutete Ausdehnung.

Die Tage muß es einen Wechsel gegeben haben. Statt im gewohnten Bayerischen Denkmal-Atlas zu landen, werde ich automatisch zum BayernAtlas weitergeleitet. An und für sich ist so eine Zusammenfassung nicht schlecht, wenn man im BayernAtlas wirklich alle Funktionen des Bayerischen Denkmal-Atlas hinzuschalten kann. Mit der Anzeige der Bau- und Bodendenkmäler funktioniert das anscheinend, d.h. man kann sich die genannten Rotflächenausdehnungen auch im BayernAtlas ansehen. Darauf, wie man im BayernAtlas nach den Denkmalnummern sucht, komme ich jetzt gerade nicht.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Hier ein Link auf das Hexenhäusl im BayernAtlas. Das Hexenhäusl ist kein Bau- oder Bodendenkmal. Man muß die Karte etwas vergrößern, dann sieht man mehrere rot gekennzeichnete Grabhügelfelder südlich von Forst Kasten im Westen des Hexenhäusls. Etwas darunter die Buchendorfer Keltenschanze und südlich des Hexenhäusls erstreckt sich die schon im letzten Eintrag erwähnte Römerstraße mit den neuerdings eingezeichneten begleitenden Materialentnahmegruben.

Sonntag, 12. April 2020

Karfreitags-Besuch der Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrabe

Pullach kam über die Ausgrabungen und die folgende Veröffentlichung von Julius Naue mit dem Titel „Die Hügelgräber mit dem Fürstengrabe bei Pullach (München)“ 1884 zu einem Fürstengrab.

Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Die zugesprochene Bezeichnung „Fürstengrab“ ist ein Konstrukt, das wenige Jahre vor den Ausgrabungen Naues im Umfeld von Ausgrabungen bei der Heuneburg und beim Asperg entstanden ist. Eine bedeutendere Regentschaft konnte in manchen Fällen vermutet werden. Häufig war es aber einfach nur ein herausragendes Keltengrab ohne besondere Hinweise auf eine Regierungsmacht. Im Sinne des herausragenden Keltengrabes scheint mir die Bezeichnung mittlerweile etabliert zu sein, wenn ich an die ein paar Jahre zurückliegende Ausgrabung einer „Keltenfürstin“ im Heuneburg-Umfeld denke.

Infotafel Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Wobei es dort eine größere Zahl von Großgrabhügeln gab. D.h. das Grab der „Keltenfürstin“ war sicher ein herausragendes Keltengrab, aber vermutlich seinerzeit nicht unter den anderen lokalen Gräbern so hervortretend, wie das Naue für den Pullacher Fall beschreibt. Es ist also vorstellbar, daß in Pullach wirklich ein Chef (w,m,d) begraben lag, der die Macht hatte, sich von einem Kreis untergebener Gemeinden Pferde und Steitwagen stellen zu lassen.

Die Veröffentlichung des später über seine vielen Ausgrabungen promovierten Dr. Julius Naue ist in den „Beiträgen zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns 5“ auf den Seiten 249–273 enthalten. Man kann sich diese Beiträge im Internet Archive ansehen oder sie von dort downloaden. Ich hatte das Internet Archive hier im Blog schon mehrfach verwendet, aber angesichts der aktuell vielfach anfallenden freien Zeit noch der gesonderte Hinweis: Im Internet Archive - manchmal auch einfach als „Archive.org“ bezeichnet - kann man sich ähnlich verlieren wie in der Wikipedia. Die bekannte Wayback Machine, mittels der man sich alte Stände von Webseiten ansehen kann, ist Teil des Internet Archives.

Aussichtspunkt beim Pullacher Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Über das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab hatte ich schon 2011 im ersten Teil meiner damaligen „BayernViewer-denkmal und GPS“-Serie geschrieben. BayernViewer-denkmal wurde mittlerweile durch den Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst. Inhaltlich stecken noch weitgehend die alten Informationen im neuen Denkmal-Atlas. Im vorliegenden Fall ist nur die Rotfläche des Bodendenkmals D-1-7935-0092 mit dem Grabhügelfeld größer geworden und die Kartenansicht scheint mir hinsichtlich der Lage der Grabhügel unbrauchbarer. Aber dafür gibt es jetzt die Reliefansicht des BayernAtlas. Da kann man sowohl einzelne Grabhügel als auch deren Häufung im Bereich des Fürstengrabes besser erkennen, als das seinerzeit mit der Kartenansicht möglich war.

Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Dieser Bereich der Grabhügelhäufung mit der auf den ersten beiden Bildern gezeigten Informationstafel liegt ein paar Schritte von einer vielbefahrenen Radstrecke in den Süden von München entfernt. Da wo die beiden Bänke rechts in Bild 3 zu sehen sind, geht es links in den Wald. Über den Denkmal-Atlas findet man die Stelle gut anhand der Nummer D-1-84-139-12 des im Hintergrund zu sehenden Gabriel-von-Seidl-Denkmals.

Blick auf die Grünwalder Burg und die Grünwalder Isarbrücke

Von den beiden Bänken hat man den auf Bild 5 gezeigten Blick auf die Burg Grünwald, die Isar und die Isarbrücke. Die Alpen habe ich von hier wie auch vom Burgturm auf der anderen Seite noch nie gesehen. Julius Naue damals schon, bei ihm gab es im Sommer auch viel Grün. Man lese seinen Text auf Seite 263: „Traten wir dann aus dem Walde hinaus an das hohe und steile Ufer der grünen Isar, die wie eine frische, kräftige Bergmaid, das grüne, kleine Hütchen auf dem Haupte, fröhlich daherrauscht, schauten hinweg über die hohen Wipfel kräftiger Buchen und schlanker Fichten nach dem gegenüberliegenden Schlosse Grünwald und von da über Wiesen, Felder und Wälder nach den fernen, duftig blauen Alpen, über welche sich der klare Aether emporwölbte, so umgab uns ein Bild mit unsagbarem Reize, eine Landschaft so gross, so schön und so eigenartig gestaltet, wie man sie wohl selten in der Nähe einer großen Stadt findet.“

Zu beachten wäre bei Bild 5 die etwa im Bereich der rechten Seite der Burg durchgehende Sichtachse hinüber zu dem in Grünwald weiter ansteigenden Gelände hoch zum neuen Grünwalder Gymnasium. Sowohl das Gelände des Gymnasiums als auch das ansteigende Gelände davor (Parkgarage) wurden mittlerweile archäologisch untersucht. Eine Basis, auf der die Phantasie Naues noch nicht aufbauen konnte. Ob da die Chefs hüben und drüben sich gegenseitig die Grabhügel ihrer Vorfahren präsentierten oder der Fürstengrabhügel von Pullach einen überregionalen Mittelpunkt darstellte?

Infotafel 'Verlauf der Römerstraße durch die Isarschlucht'

Die Römerstraße südlich der Grabhügel erwähnt Naue, die war ihm bekannt, auch die an die Römerstraße erinnernden Gedenksteine gab es schon. Bild 6 zeigt die Infotafel oberhalb des Hohlweg hoch aus dem Isartal, Bild 7 den Gedenkstein an der nahen Bundesstraße B11. Der ist über die Denkmalnummer D-1-84-113-6 im Bayerischen Denkmal-Atlas zu finden. Man möge sich einmal den Verlauf der von Westen auf diesen Hohlweg zulaufenden Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Auffällig ist der starke Knick fast am Ende des Forstenrieder Parks, mit dem die Römerstraße in Richtung auf den Hohlweg abbog. Aber es gibt noch weitere leichte Knicks mit folgenden geraden Strecken. Die gerade Linie im Bereich der Autobahn läuft noch direkt auf das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab zu.

Römerstraßen-Gedenkstein an der B11

Einen kleinen Knaller liefert die Reliefansicht. Man kann mit ihr sehr schön den Hohlweg erkennen. Besonders bemerkenswert sind aber die erkennbaren Materialentnahmegruben an der Römerstraßentrasse. Die Römerstraßen-Linie des Bayerische Denkmal-Atlas wurde im beschriebenen Bereich mittlerweile um rote Ausbuchtungen zu einer „Straße der römischen Kaiserzeit mit begleitenden Materialentnahmegruben (Teilstück der Trasse Augsburg-Salzburg).“ ergänzt (Denkmalnummer D-1-7934-0096).

Freitag, 27. März 2020

Auch was zu Corona

Bei so einem Anlaß will ich etwas allgemein Nützliches an den Anfang stellen und weise auf die BR-Webseiten „Corona-Hilfe: Wichtige Social Media-Gruppen bei Ihnen vor Ort“ und „Auf diesen Plattformen vernetzt sich ganz Bayern zu praktischer Nachbarschaftshilfe“ hin.

Die aktuelle Situation führte in den letzten Tagen sowohl zu vielen Hinweisen auf bestehende online nutzbare Möglichkeiten als auch zu sehr vielen anläßlich Corona neu aufgelegten und in der Regel befristeten Angeboten. Viviane Diederich sammelt derzeit „Links zu Online-Bibliotheken“ und im Weblog Netbib findet man „Kostenlose zusätzliche Kulturangebote“.

Man möge die genannten Links als beispielhaft ansehen und ggf. selbst weiter suchen. Es gibt natürlich eine Vielzahl von Corona-Links, die ich auch in den ersten Abschnitt hätte packen können. Und es gibt auch mittlerweile einige solcher Sammelseiten wie die im zweiten Abschnitt genannten. Und eine Vielzahl von Angeboten, die nicht auf so einer Sammelseite erfasst wurden.

Viviane Diederichs Archäologie-Blog war sowieso schon ein Kandidat für meine „Gemischten Links“. Neben einem Ausgrabungsprojekt im Ackerbürgerhaus in Bärnau ist der Blog der Wechselwirkung von sozialen Medien in der Wissenschaftskommunikation von archäologischer Forschung gewidmet. Man möge bei Interesse dort vorbeisehen und wird dann wegen dieser Wechselwirkung auch gleich Teil des Ganzen werden.

Am letzten Wochenende bin ich der etwas abknickenden Kurve des Robert Koch-Instituts aufgesessen. So ein „Wochenend-Effekt“ mit verzögert eintreffenden Daten war zwar als Erklärung naheliegend, ich wollte aber in so einer brisanten Situation erst einmal nicht daran glauben. Mittlerweile verweist man in der Darstellung auf einen „Übermittlungsverzug“ und zeigt den „Stand gestern“ und die „neu berichteten“ Fälle der vergangenen Tage farblich getrennt an.

Für die fehlenden Datenlieferungen kann der auf der Website genannte Softwarehersteller von Geoinformationssystemen (GIS) Esri nichts. Das ArcGIS im Domain-Namen der Website ist der Oberbegriff für Geoinformationssystem-Softwareprodukte des Unternehmens. ArcGIS kostet, das in meinen letzten „Gemischten Links“ erwähnte QGIS ist eine freie Geoinformationssystemssoftware. Der Risklayer Explorer verweist auf Mapbox und OpenStreetMap. Bei Mapbox wird es etwas kompliziert. Das ist laut Wikipedia „an American provider of custom online maps for websites and applications“ und „the creator of, or a significant contributor to, some open source mapping libraries and applications“. Noch komplizierter war für mich der ArcGIS-Kosmos, als ich mir deren Produktpalette mal anläßlich einer seinerzeit neu angebotenen Coursera-Spezialisierung angesehen habe.

Idealerweise findet man statt mir irgendwo einen GIS-Experten, der einem die Vor- und Nachteile der einzelnen Produktwelten auseinander fieselt. Vermuten können wird man aber schon, daß für eine Nebenher-Beschäftigung ohne besondere Refinanzierungs-Perspektive eine weit verbreitete kostenlose Variante zumindest für den Anfang ganz interessant sein könnte. Im Falle QGIS scheint sich das auch mit der Verwendung in unserem Archäologiesystem zu treffen - siehe die QGIS-Rezensionsangebote der DGUF, die ich in den „Gemischten Links“ erwähnt habe, oder das kostenlose iDAI.tutorial, das die „Pressestelle des Deutschen Archäologischen Instituts“ vor einer Woche angepriesen hat.

Abschließend noch der Hinweis auf den am 2. April beginnenden „zweiten Lauf des MOOC 'Discovering Greek&Roman Cities'“. Der „erste Lauf“ begann im September letzten Jahres, vielleicht findet man Erfahrungsberichte. Ich hatte in seinerzeitigen „Gemischten Links“ auf den MOOC hingewiesen.