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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Keltenlinks

Wegen dem anstehenden Halloween gibt es zur Zeit viele Medienbeiträge mit Kelten-Verweisen. Arte hat am letzten Samstag sogar eine neue 90minütige Doku zum Thema „Halloween - Mythos der Kelten“ angeboten. Online ist die Doku noch bis 22. Januar 2026 verfügbar. Bis 13. Dezember 2025 kann man bei Arte zudem noch auf eine vor ein paar Wochen gesendete Doku-Wiederholung über „Die Druiden - Mächtige Priester der Kelten“ zugreifen.

In der Zeit als ich meinen Text über die „Mehrfachschanze im Loh bei Oberhaching“ geschrieben habe, hatte man kurz zuvor die Ausgrabungsergebnisse aus dem Oppidum von Manching vorgestellt. Das Oppidum von Manching müßte in der Keltenschanzenwelt bis zu seinem Niedergang einen politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt dargestellt haben.

Der Pressetext gibt für die Errichtung der Stadtmauer von Manching die Zeit um 140/130 v. Chr. und in der Folge einen allmählichen Niedergang an: „Um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. verlor die Siedlung allmählich ihre Bedeutung. Mit dem schrittweisen Rückzug der Bevölkerung endete das urbane Leben.“ In der Wikipedia ist der Niedergang etwas ausführlicher beschrieben: „Zwar könnte der Marsch der Kimbern und Teutonen gegen 120 v. Chr. zu einer kriegerischen Auseinandersetzung geführt haben. Das Ende von Manching ist jedoch durch den Zusammenbruch der Wirtschaftssysteme ausgelöst worden, der mit den caesarischen Eroberungen in Gallien einherging.“

Wesentlich dramatischer klingt demgegenüber das frei lesbare Intro des Geo-Bezahlartikels „Vom Alltag in der Kelten-Metropole“: Die Mauer ist ein „Symbol der Macht – und der Angst“. „ Doch um 105 v. Chr. ist Manching offenbar derart in Gefahr - vermutlich durch Germanenstämme, die raubend durch Süddeutschland ziehen -, dass die Bewohner eine Fallgrube ausheben, die die Zufahrt fast vollständig versperrt.“

Ohne diese Dramatik kommt dagegen ein an die noch bis 9. November in Iphofen stattfindende Ausstellung „Kelten in Franken“ angelehnter komplett freier Geo-Artikel unter dem Titel „"Von den Germanen aufgesogen": Der schnelle Untergang der Kelten“ aus. Er beschreibt das Verschwinden der Kelten als Assimilationsprozess: „Offenbar lebten zugewanderte Germanen und alteingesessene Kelten zunächst getrennt nebeneinander – und vermischten sich dann.“ Der Niedergang Manchings wird hier wieder als Folge von verlorenen Handelsverbindungen beschrieben.

Bei den Oppida von Manching und Kelheim konnte eine große wirtschaftliche Bedeutung archäologisch belegt werden. Im Fall des Oppidums Finsterlohr-Burgstall wurde keine derart prosperierende Siedlung nachgewiesen. Nebst der Möglichkeit, daß dort eine Keltensiedlung bestanden hat, man die aber nicht mehr auf gewohnte Weise nachweisen kann, kann es auch sein, daß die Befestigungen tatsächlich nur für den Verteidigungsfall entstanden sind.

Ähnlich Finsterlohr-Burgstall kommt mir das flächenmäßig riesige Oppidum Heidengraben vor. Hier konnte man die Siedlung zumindest in einer wesentlich kleineren inneren Befestigung verorten. Ich habe es seit einem Kurzbesuch vor mehr als 15 Jahren nicht mehr auf die Hochfläche des Oppidums geschafft. Mittlerweile wurde aber mit dem Heidengrabenzentrum ein neues Keltenmuseum eröffnet, mit dem sich eine ausstehende Erkundung der Wallanlagen ergänzen ließe.

Heidengraben und Finsterlohr-Burgstall wirken von den Funden her nicht so prickelnd, die Gegend um die Heuneburg aber schon. Für den Keltenfan besticht die Heuneburg schon allein durch ihre ikonischen Befestigungsmauern und die umgebenden Großgrabhügel. Seit meinen hier ebenfalls schon lange zurückliegenden Besuchen wurde die Heuneburg selbst durch verschiedene Maßnahmen wie die Rekonstruktion von Steinfundamenten einer Toranlage weiter aufbereitet und in der nahen Umgebung gab es Sensationsfunde wie die alten Burg bei Langenenslingen.

In der jüngeren Vergangenheit setzten sich die Fundmeldungen aus dem nahen Althayingen und Riedlingen fort. Den großen Knaller soll es allerdings bei der „Heuneburg-Aufbereitung“ geben: das bei der Heuneburg liegende landwirtschaftliche Anwesen Talhof soll nach einem Umbau zum Museum und zur Forschungsstätte Teil der „baden-württembergischen Kelten-Erlebniswelt“ werden: „Der Talhof bei der Heuneburg auf dem Weg zur Kelten-Erlebniswelt“.

Donnerstag, 3. September 2020

Himmelsscheibe von Nebra aus der Eisenzeit?

Im Januar hatte ich einen herumliegenden und in der vorhergehenden Blogpause nicht fertig gewordenen Text erwähnt. Da sollte es wieder um den Bernstorf-Fälschungsverdacht gehen. Es gab zwar keine sensationellen Neuigkeiten, aber seit meinem Hinweis auf den Vortrag von Dr. Wunderlich in Freising im März 2018 sind ein paar Artikel erschienen. Und außerdem wollte ich für die Neulinge unter den Bernstorf-Interessenten kurz auf die wichtigsten Personen eingehen.

Mit Corona habe ich das dann wieder schleifen gelassen. Die Beteiligten, die sich über meinen Text aufregen könnten, sind ja zu einem guten Teil über 60 und die sollten sich um ihre naheliegenderen Probleme kümmern. Aber mittlerweile scheint ja alles einigermaßen zu laufen, da dachte ich könnte wieder die Bernstorf-Datei hervorkramen.

In der Situation kommt nun der Artikel „Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog.Himmelsscheibe von Nebra“ von den Professoren Rupert Gebhard und Rüdiger Krause. Über den heute online publizierten Artikel und den Widerspruch dagegen von Professor Meller hat schon der Mitteldeutschen Rundfunk in „Wissenschaftler zweifeln am Alter der Himmelsscheibe“ berichtet und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine Richtigstellung veröffentlicht.

Die Professoren Rupert Gebhard und Rüdiger Krause gelten als diejenigen, die die Echtheit der strittigen Bernstorf-Funde behaupten. Dr. Wunderlich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt glaubt nicht an die Echtheit. Im Zusammenhang mit dem Hinweis auf Dr. Wunderlichs Vortrag in Freising habe ich seinerzeit seinen und zwei weitere kritische Artikel erwähnt und verlinkt, die in der „Jahreschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte Band 96, 2017“ mit einem Vorwort des eben im Zusammenhang mit der Himmelsscheibe von Nebra erwähnten Prof. Harald Meller erschienen sind.

Samstag, 13. Juli 2019

Das neue Grünwalder Gymnasium

Meine alten Fotos vom Baugelände stammen von 2013, damals dürften gerade die archäologischen Untersuchungen abgeschlossen worden sein. Das neue Gymnasium wurde 2014 eröffnet. Die Fotos vom Gymnasium stammen vom letzten Jahr, als wir nach dem dem Besuch der nahen Grünwalder Urkeltin an der ebenfalls archäologisch relevanten Parkgarage vorbei hoch zum Gymnasium sind.

Gymnasium Grünwald

Glücklicherweise kann man sich die Ergebnisse der damaligen archäologischen Untersuchungen ansehen. Die damit beauftragte Firma hat die Grabungsberichte zu ihren Projekten „Grünwald - Neubau Gymnasium“ und „Grünwald - Parkgarage“ in ihre Referenzen frei zugreifbar eingestellt. Wer reinsieht, kann bei der Gelegenheit auch gleich einen Blick auf das ebenfalls benachbarte Projekt „Grünwald - Haus der Begegnung“ sowie auf die Literaturangaben am Ende der Referenzen werfen.

Bauplatz des neuen Gymnasiums Grünwald 2013

Parkgarage, Gymnasium und die Ur-Keltin befinden sich nahe beieinander. Wer die Grünwalder Kreuzung kennt, an der sich die aus den vier Himmelsrichtungen heranführenden Straßen treffen: An der Straße aus dem Süden befindet sich in kurzer Entfernung die Urkeltin. Ähnlich nahe ist an der Straße aus dem Osten die Parkgarage zu finden, nur daß diese Straße in Richtung Osten stark ansteigt. Nach der Parkgarage kommt das ursprünglich ziemlich ebene Gelände des Gymnasiums (mittlerweile gibt es da eine tiefergelegte Sportfläche).

Gymnasium Grünwald

Die zugehörige Denkmalnummer D-1-7935-0011 umfasst im Bayerischen Denkmal-Atlas eine ziemlich große Fläche und sehr unterschiedliche geschichtliche Hinterlassenschaften: „Siedlung der späten Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, der Hallstattzeit und der Latènezeit sowie Körpergräber der frühen Bronzezeit, Brand- und Körpergräber der mittleren Bronzezeit, Brandgräber der Hallstattzeit und der Latènezeit und Körpergräber des frühen Mittelalters“. Zum einen kann man hier feststellen, daß man ein informatives Geoinformationssystem differenzierter als den Bayerischen Denkmal-Atlas gestalten müßte. Zum anderen fällt auf, daß man die archäologisch untersuchten Flächen der Parkgarage und des Gymnasiums aus der Rotfläche genommen hat. Also die Flächen, über die man am meisten wüßte, sind draußen. Ich interpretiere das als administrative Aussage: die Fläche ist archäologisch untersucht, die Bodendenkmale sind weg, keine Denkmale mehr für den Denkmal-Atlas da. Das entspricht aber nicht die der Vorstellung, die man von einem vorrangig geschichtlichen Geoinformationssystem hat. Von dem würde man ja erwarten, daß es unabhängig von der späteren Geländeuntersuchung und -überarbeitung den Wissenstand darüber wiedergibt, was sich da mal befunden hat.

Bauplatz des neuen Gymnasiums Grünwald 2013

Die Gemeinde Grünwald engagiert sich sehr für ihr archäologisches Erbe. Ich habe ja mal in „Archäologische Fundstücke kehren an ihren Ursprungsort zurück“ bedauert, daß der vor über 100 Jahren gefundene Schöllbronner Viergötterstein leider nicht in Schöllbronn verblieben ist. Vergleichbar effektiv wie vorher in der alten Kirche ist er nach seinem Auffinden in den Depots verschwunden und die folgenden Generationen von Schöllbronnern haben zu einem guten Teil weder mitbekommen, was ein Viergötterstein ist, noch daß einer in ihrem Ort gefunden wurde. Die Grünwalder Situation ist demgegenüber geradezu goldig. In Grünwald wurden anscheinend schon bei der Planung des neuen Gymnasiums dort Ausstellungsflächen für die lokalen archäologischen Funde vorgesehen.

Parkgarage am Marktplatz Grünwald

Insgesamt ist das ein ziemlich großes Rad, das in Grünwald gedreht wird. Die Webseite der Gemeinde über die Vorgeschichte Grünwalds liefert dazu einige Eindrücke und Stichworte. Tiefer kann man über die in Academia.edu eingestellten „Einblicke in die Vorgeschichte Grünwalds. Ergebnisse eines archäologischen Pilotprojekts“ einsteigen.

Parkgarage am Marktplatz Grünwald

Irritierend ist die fehlende Aufbereitung dieser vielen Informationen durch die Gemeinde. Man würde sich wünschen, daß die Gemeinde die Grabungsberichte oder das obige Academia.edu-pdf und die noch ausstehenden Arbeiten unter ihre Fittiche nimmt und via einem zentralen Anlaufpunkt zugreifbar macht. Ich habe auch seitens der Gemeinde keine näheren Informationen darüber gefunden, was aktuell im Gymnasium ausgestellt wird und wie der Ausstellungsbereich dort aussieht. Das meiste über diese Ausstellung fand ich in den Seiten 14 und 15 im verlinkten Academia.edu-pdf. Das kann es ja nicht sein. Es müßte ja Zeiten geben, an denen die Allgemeinheit die Funde sehen kann, etwa im Rahmen von Führungen, in die die nahen Fundorte eingebunden werden können, und die Gemeinde müßte diese Gelegenheiten bekannt machen.

Sonntag, 14. August 2016

Der Ipf bei Bopfingen

Der Ipf ist ein schöner und markanter Berg sehr nahe bei Bopfingen. Ich habe ihn zum ersten Mal nach dem Abschluß von Wanderungen mit den Limes-Cicerones in natura gesehen. Ich bin vom Hotel in Aalen noch zum Limesmuseum gelaufen und habe mir die „Archäologischen Denkmäler in Baden-Württemberg“ gekauft - mit einem Foto des Ipfs auf dem Titelbild. Am Bahnhof hatte ich immer noch genügend Zeit bis zum gebuchten IC auf der Strecke Ulm - Augsburg - München. Nach Aalen war ich über Ulm gefahren. Zurück wollte ich dann über das Nördlinger Ries nach Augsburg. Und in Bopfingen schaue ich aus dem Zug heraus und da ist ja der Ipf! Also die gute Nachricht für alle Münchner, die bislang vom Ipf noch wenig gehört haben: er ist ziemlich gut von München aus erreichbar. Tagestour per Bahn ginge. Und er liegt auch sehr nahe an der bayerischen Grenzen, falls das Bayern-Ticket-Strategen etwas hilft.

Auf dem Ipf wurden Überreste verschiedener vorgeschichtlicher Wallanlagen gefunden. „Verkauft“ wird er uns nun als frühkeltischer Fürstensitz. Da soll der Ipf als Machtzentrum auch nachweisbar seine beste Zeit gehabt haben - alternative Machtzentren im/am Nördlinger Ries wurden bis dahin heruntergefahren. Es gab auf dem Ipf aber auch viele Hinterlassenschaften der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur. Also wir haben den ganz spannenden Fall, daß sich ein Ort von der Bronzezeit in die frühe Eisenzeit / Zeit der frühen keltischen Kultur weiterentwickelt hat.

Wie die Rolle als Fürstensitz konkret ausgesehen hat, ist unbekannt. Der Begriff „Fürstensitz“ wird dann auch mal als „forschungsgeschichtlich geprägten Terminus technicus“ definiert. Im vorliegenden Fall hat man durch Funde von attischen Scherben - Keramikimporten aus dem antiken Griechenland - im Bereich der „Oberburg“ auf dem Ipf den Hinweis auf relativen Reichtum und kann den auch auf dem Ipf lokalisieren. Man konnte auch Nahrungsmittelreste analysieren und fand u.a., daß man es sich vermutlich leisten konnte Jungtiere auf den Ipf bringen zu lassen und sie dort nicht selbst heranzuziehen.

Wer sich weiter vertiefen will, möge mal via „site:academia.edu ipf“ suchen. Manche der wissenschaftlichen Artikel wurden hochgeladen und sind als pdfs zugreifbar. Es gibt auch touristisch angelegte offizielle Webseiten. Die, die ich gesehen habe, sind wie meist für solche Websites üblich hinsichtlich der zu uns durchgepumpten Information der Wikipedia hoffnungslos unterlegen. Die wissenschaftlichen Artikel sind wiederum zum Teil wesentlich detaillierter und umfangreicher als der Wikipedia-Artikel zum Ipf (siehe etwa der zugreifbare Artikel „Zur Genese und Entwicklung des frühkeltischen Fürstensitzes auf dem Ipf bei Bopfingen (Ostalbkreis, Baden-Württemberg) und seines Umlandes im Nördlinger Ries“).

Ich möchte betonen, daß wir den hochladenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sehr dankbar sein können. Dieses Zurverfügungstellen hat sich leider noch nicht als Regelfall etabliert! Allerdings sind diese Artikel an andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gerichtet. Also man hat Schwierigkeiten, sich anhand der Artikel dann im Gelände zurecht zu finden, wenn man wirklich mal nach Bopfingen fahren und auf den Ipf marschieren will. Die mögliche Phantasie, die man entwickeln könnte - Geschirr für ein Symposion auf dem Ipf, bestimmte nachgewiesene Getreidesorten - da könnte man sich vielleicht in Bopfingen mit passend belegten Dinkelbroten und einem Fläschchen Wein ausrüsten - da ist auf den offiziellen Seiten nichts da, was so etwas unterfüttern könnte. Aber Ressourcen um eine Keltenmauer mit Betonkern und ein Keltenhaus mit Betonboden hinzustellen, die hat man gehabt. Irgendwas fehlt da dazwischen.

Zu den Videos: auf das erste Video „Kelten in Bopfingen - KurzGeschichte#30“ bin ich vor zwei Wochen gestoßen. Dieses sehr gut gemachte Video gab mir den Anstoß mal wieder nach dem Ipf zu sehen und diesen Eintrag zu machen. Das Video zeigt die erwähnte 2014 entstandene Keltenmauer und berichtet außer vom Ipf auch aus der Innenperspektive vom Kelten-Reenactment am Ipf. Dieses Kelten-Reenactment fand hier im Blog schon mittelbar über den nachgemachten Keltenschuh Hans Trauners in „Kelten-April-April bei Arte und ZDF?“ Erwähnung. Zum Vergleich der Ipf pur von Stephan Gröschler im zweiten Video. Man beachte den Link in den Informationen zum Video zu Fotos vom und Informationen über den Ipf. Schließlich noch ein Video der Musikgruppe Red Fang. Als ich vorgestern an diesem Eintrag zu tippen anfing habe ich nebenher auch ein paar Musikgruppen des diesjährigen Theatron-MusikSommers gesichtet. Wegen vorgerücktem Alter sagen mir die Namen der Gruppen alle nichts und ich habe drei davon per Youtube angespielt. Das dritte Video lief komplett und danach hat Youtube automatisch auf das Video von Red Fang weitergeschaltet. Die kannte ich vorher auch nicht. Spielen leider nicht im Theatron, musikalisch lägen die mir. Hatten Mittelalter-Reenactment drin. Und nachdem ich auch den Ipf unverhofft zur Ansicht vorgeführt bekommen habe, mußte ich das Reenactment wohl so verstehen, daß ich das Video hier auch aufnehmen soll.

Samstag, 12. März 2016

Gewandetes Wandern 2016 von Schloss Nymphenburg zur Blutenburg

Auch in diesem Jahr soll es wieder am Ostermontag ein Gewandetes Wandern vom Nymphenburger Schloss zur Blutenburg geben. Ostermontag ist dieses Jahr am 28. März. Also es bleibt im Gegensatz zu meinem letztjährigen Hinweis noch genug Zeit, um den Termin einzuplanen. Die diesjährige Startuhrzeit sowie Fotos und ein Video von bisherigen Wanderungen entnehme man dieser Facebook-Seite.

Schloss Nymphenburg

Letztes Jahr hatte ich ganz kurzfristig etwas von der Wanderung mitbekommen und in „Herxheimer Hügelgräber und Nymphenburger Gewandete Wanderer“ darüber geschrieben. Zumindest für eine zusätzliche Zuschauerin konnten wir durch einen mündlichen Hinweis noch sorgen.

Magdalenenklause im Nymphenburger Schlosspark

Letztes Jahr waren meine Nymphenburg-Fotos durch „Ein Sommerschloss im Winter“ im Blog „Quizzy zeigt euch München“ inspiriert und entsprechend winterlich. Für den aktuellen Eintrag habe ich gesucht und Fotos vom 18.3.2012 gefunden, die geben vielleicht eine bessere Orientierung wie es in den nächsten Wochen im Park und im angrenzenden Botanischen Garten bei gutem Wetter aussieht.

Tulpe Early Harvest

Passend zum dem Bekleidungs-Thema gibt es bei Quizzy/Renate einen Eintrag über die mittlerweile beendete Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung in der Münchner Kunsthalle: „Pariser Chic unterm weiß-blauen Himmel“.

Botanischer Garten München

Einleitend hatte ich letztes Jahr auch auf das Projekt „Einstig“ verlinkt. Dort steht aktuell sogar ein Fotoshooting an: „Wir bereiten uns auf das Steampunk-Fotoshooting vor - und das ist umfassender als am Anfang gedacht“. Dieses Steampunk-Fotoshooting soll am 19.03.2016 im Pfälzer Wald stattfinden. Wer sich unter Steampunk nichts vorstellen kann, werfe mal die Bildersuche nach dem Begriff an und lese den Blog-Eintrag. Für nahe Karlsruhe Wohnende („Aktivitäten sind alle im Umkreis (bis ca. 100 km) von Karlsruhe“) könnte ein Blick auf die „Kommenden Aktivitäten“ des Projekt „Einstig“ interessant sein („Im Forum für Aktivitäten ist jeder Willkommen, sich auszutauschen und an Treffen teilzunehmen“). Und die Steampunk-Fans müssen nach dem Fotoshooting mal wegen den Fotos wieder reinsehen.

Gewöhnliche Kuhschelle

Das Projekt Zeiteninsel, „Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land“, hatte ich 2012 und 2013 in kurzen Hinweisen verlinkt. Fünf Zeitstationen von der Mittelsteinzeit über die Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit bis hin zur Römischen Kaiserzeit sollen sich schließlich ringförmig um eine zentrale Insel verteilen. Es sieht nach einem Erfolg dieses ambitionierten Projekts aus! Ich verlinke mal auf das „Das vorweihnachtliche Geschenk“. Da geht es um einen Bewilligungsbescheid des Landes Hessen über 4,78 Mio. Euro. Der zweite Link führt zu einem Besuchsbericht von der Ausstellung „Bärenkult und Schamanenzauber“, die derzeit im Archäologischen Museum Frankfurt angeboten wird.

Münchner Botanischer Garten

Seit mehr als fünf Jahren stellt Werner Lang immer wieder neue „News“ auf limeswanderweg.info ein. Sein aktuell letzter Eintrag enthält 20 sehenswerte Limesturm-Fotos. Auf meinen paar Touren mit den Limes-Cicerones habe ich zwar nur einen wesentlich kürzeren Teil des Limes als Werner Lang gesehen, kann aber seine Turmsammlung um die in meinem Limes-Cicerones-Eintrag an dritter und vierter Stelle gezeigten Türme ergänzen. Die beiden Türme 3 + 4 waren aber sicher nicht als ernsthafte Nachbildungen gedacht. Turm 1 hingegen war eine Rekonstruktion nach Stand der Erkenntnisse. In ihm sollen auch Steine des Orginalturmes verbaut worden sein und er soll richtig Geld gekostet haben. Turm 2 war nach wissenschaftlichem Stand immer schon falsch, man gewinnt aber zumindest eine Vorstellung von der Aussicht, die man von oben hatte. Der Turm ist, sofern ich mich richtig erinnere, günstig durch die Arbeit örtlicher Vereine erstellt worden. 1 + 2 müßten Turm 14 und 15 in der Sammlung von Werner Lang sein.

Große Kaskade im Nymphenburger Schlosspark

Mein Eintrag „Andere Welten oder andere Zeitschichten?“ ist in einer etwas verlängerten Zeit „zwischen den Jahren“ entstanden. Ich habe den Text immer wieder liegen gelassen. In der Zeit stieß ich via Hermines Mitleseblogs auf den Blog Lebenstage / Waldvierteltage und bin dort länger durch die Einträge der letzten Monate und Jahre gescrollt. Häufig mit dem Gedanken, mir diesen oder jenen Eintrag nochmal genauer anzusehen.

Sonntag, 1. September 2013

Gemischte Links

Am nächsten Sonntag, dem 8. September, ist in Deutschland Tag des Offenen Denkmals 2013. In der Schweiz finden die Europäischen Tage des Denkmals am 7. und 8.9. statt und in Österreich ist der Tag des Denkmals am 29.9. Die Links zum Programm sind dieselben wie beim Denkmaltag 2012. Das Programm kommt mir dieses Jahr etwas dünn vor, speziell aus Münchner Perspektive. Vielleicht wird noch auf den letzten Drücker nachgefüllt. Schon letztes Jahr erwähnt habe ich den Bajuwarenhof Kirchheim und den Archäologischen Park Herrsching. Richtig neu und interessant sieht der Programmpunkt „Warum wird hier nicht gegraben?“ an der Turminsel in Schöngeising aus, der ist aber nur auf eine Stunde angesetzt. „Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz und Kreisheimatpfleger Toni Drexler führen ein Streitgespräch über Sinn und Aufgabe der Bodendenkmalpflege und den praktischen Vollzug des Denkmalschutzgesetzes. Hintergrund ist eine abgelehnte Grabungserlaubnis für den Historischen Verein Fürstenfeldbruck auf der Turminsel Schöngeising zu graben.“

Es wäre schön, wenn der Historische Verein Fürstenfeldbruck einen Veranstaltungsbericht auf seine Website einstellen würde. Aktuell findet sich bei der „Aufstellung über die Grabungen des Historischen Vereins“ eine letzte Grabung von 2010 und darüber ein „Seither konnten keine archäologischen Grabungen mehr durchgeführt werden, da das Landesamt für Denkmalpflege dafür keine Genehmigungen erteilte.“

Wieder ein Hinweis auf bei Coursera startende Online-Kurse: am Montag starten The Ancient Greeks, und wem das zeitlich zu nahe ist, für den gibt es ab Mittwoch Dino 101: Dinosaur Paleobiology. Über ihre Erfahrungen mit einem Online-Kurs hatte Marcellina nach einer Woche „Archaeology’s Dirty Little Secrets“ in ihrem Posting Keep Learning geschrieben.

Vom Euro-Arabischen Freundschaftskreis ist wieder die Vereinszeitschrift bei mir eingetroffen. Ein dünnes DinA5-Heft mit etwas über 30 Seiten mit Veranstaltungshinweisen, kurzen Buchbesprechungen, Vereinsnachrichten, kurzen Reiseberichten, Reisehinweisen, teilweise auch mit längeren Berichten zur Situation in den Ländern. Es geht dabei um die Länder von Marokko im Westen bis Afghanistan/Pakistan im Osten. Wer sich interessiert und mit Leuten zusammentreffen will, die wochenlang in den Ländern unterwegs waren oder dort sogar jahrelang gearbeitet haben: Gäste sind zu den Vereinstreffen mit Vorträgen im Gasthaus Gartenstadt in der Münchner Naupliastraße willkommen, der Eintritt ist frei. Im nächsten Vortrag am 11.9.2013 widmet sich Horst Münzinger der arabischen Seite Siziliens.

Im Januar bin ich auf den Archäologischen Verein Freising zusammen mit dem Bronzezeit-Fundort Bernstorf unter der Überschrift Archäologischer Verein Freising, Bernstorf eingegangen. Ich empfehle wieder in das Meldungsarchiv der Freisinger hinein zusehen. Das Bronzezeit-Bayern-Museum in Kranzberg soll ab Ende 2013 geöffnet sein. Ob das dem aktuellen Stand entspricht und was die Ausgrabungen bislang ergeben haben, das sollte man in zwei Veranstaltungen des Archäologischen Vereins Erding erfahren können: am 23.09.2013 in einem Vortrag im Museum Erding über „Die Mittelbronzezeitliche Höhenbefestigung von Bernstorf, Lkr. Freising“ und am 29.09.2013 bei der Exkursion ab dem Volksfestplatz Erding „Höhenbefestigung von Bernstorf und das archäologische Museum in Kranzberg, Lkr. Freising“.

Ein paar Ausstellungen: die anstehende Ötzi-Ausstellung im Museum Herxheim hatte ich schon erwähnt. Am 15. September gibt es zu „Ötzi - Der Mann aus dem Eis“ eine Vernissage, der Eintritt ist frei, nähere Informationen hier. Die Sammlung Wendel habe sogar auch schon erwähnt, in „3d-Film über die Chauvet-Höhle von Werner Herzog“, nur funktioniert dort der unterlegte Link nicht mehr. Die Sammlung ist Grundlage der Ausstellung „Bilder im Dunkeln – Höhlenkunst der Eiszeit. Die Sammlung Wendel“ ab dem 20.9.2013 in der Münchner Archäologischen Staatssammlung. Man beachte das Rahmenprogramm. Sonntagsführungen mit Museumstaschenlampen, Vorträge, und der Chauvet-Film wird auch einmal gezeigt, wobei ich jetzt aber nichts von 3D sehe. Einen aktuell noch funktionierenden Link zu Informationen über die Ausstellung gibt es auch (mit einer kleinen Bildergalerie).

Am Harzhorn gab es eine Schlacht mit den Römern zu einer Zeit, als man glaubte die Römer wären so tief im Germanenland überhaupt nicht mehr unterwegs gewesen. „Das Harzhorn – Ortstermin an einer Jahrhundertfundstelle“ berichtet von den Fundumständen und der archäologischen Erforschung. Nun gibt es zur Schlacht eine Ausstellung: „Ab dem 1. September 2013 werden die spektakulären Funde des am besten erhaltenen Schlachtfeldes, das wir aus der Antike kennen, erstmalig öffentlich ausgestellt. Das Braunschweigische Landesmuseum präsentiert im Auftrag des Landes Niedersachsen die Landesausstellung 'Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn'“. Weiter Informationen hier.

Das Projekt Zeiteninsel, das „Archäologische Freilichtmuseum Marburger Land“, habe ich letzten November mal erwähnt. Aktuell läuft dort ein Lagerwochenende mit Vorführungen. Über den genauen Ort habe ich gerätselt, aber wenn da etwas los ist ist „am westlichen Ortsrand von Weimar-Argenstein der Gemeinde Weimar an der Lahn“ sicher gut zu finden.

Die Zeiteninsel war ein Hinweis für die Hessen. München-näher steht am 15. September das Keltenfest Landersdorf 2013 an. Bei Interesse sollte man bei Stephan gleich noch die anderen Veranstaltungen in der Region durchsehen.

Stephan ist mit seiner Website schnell die Adresse für Ausflugstipps zu Keltenschanzen, Hügelgräbern und Naturdenkmalen in einem immer größer werdenden Radius um einen Mittelpunkt nördlich von München geworden. Rainer Steinke hat seinen Mittelpunkt noch etwas nördlicher und ist mit seinem Blog Kult-Urzeit erst seit diesem Jahr mit dabei. Er muß einen riesigen Fotostapel haben, den er mit einer schnellen Folge von Postings abarbeitet. Aus einer ganz anderen Region kommt Hiltibold. Hinsichtlich dem Newcomer-Fleiß ist er in einem Atemzug mit Rainer zu nennen und man sollte unbedingt mal bei beiden reinsehen, was sich da in den letzten Monaten getan hat.

Tief im Rainer-Land, aber auch Stephan war schon in der Gegend aktiv, hat im Juli die Zeitreisende und Geschichtenerzählerin Petra Gabriel Untergründiges aus Forchheim zutage gefördert. Oder doch nicht ganz, genaueres gibt es erst in ihrem Kurzkrimi. Ein heimisches Revier von Petra Gabriel ist das Dreiländereck Baden, Elsass, Schweiz.

Bei den vielen Entdeckungen in Renates Blog „Quizzy zeigt Euch München“ ist wieder etwas aus meinem Bereich graue Vorzeit bis Spätantike dabei: „Ein jahrtausendalter Brauch“ berichtet von Platten am Münchner Brauerhaus mit Szenen aus dem Gilgamesch-Epos. Als Ergänzung dazu hätte ich den Blick in eine altägyptischen Brauerei zu bieten.

Was viele Münchner Keltenfans nicht so wissen: für Münchner liegt die als keltisches Oppidum gehandelte Fentbachschanze in Kombination mit der S-Bahn in Fahrradreichweite. Ich hatte aber immer nur die Version mit der S-Bahn-Haltestelle Kreuzstraße im Kopf, eine Fußwanderung hätte ich mir ziemlich lang vorgestellt. In Walters Weblog wird die Kombination einer Wanderung mit einer Anfahrt mit der Bayerischen Oberlandbahn in das nähere Darching beschrieben. In Walters Weblog gibt es eine lange Serie solcher Wanderausflüge in das Münchner Umland.

Wir haben gestern wieder die Keltenschanze Buchendorf besucht, Fotos folgen noch. Vorab eines in Christines Blog Strickwerk Verstricktes aus dem Leben und von den Nadeln. Die alte Informationstafel hängt immer noch in Buchendorf, Tempel und Opferschächte und so. Ich meckere dann in meinem neuen Buchendorf-Eintrag darüber herum. Eine aktuelle Sicht der Keltenschanzen kann man in dem sehr gut gemachten pdf zu einer Führung vor fast 4 Jahren zur Keltenschanze Gertholz bei Aach-Linz nachlesen. Aach-Linz liegt etwas über 30 km von der Heuneburg entfernt. Für den Erhalt des dortigen Freilichtmuseums gab es eine Onlinepetition. Zu der ist unter Neuigkeiten die Antwort des Petitionsausschusses des Landtages verlinkt.

So, für alle die brav waren und bis zum Schluß durchgehalten haben, gibt es noch einen Link zu einem neuen Magazin: Kulturas - das Magazin für Natur, Kultur und Geschichte in Portugal und Spanien. Geschrieben in Deutsch. Monatlich. Kostenlos. In der Juni-Juli-Ausgabe 2013 bleiben wir über lange Bildstrecken in der Zeit der Kelten, der Eisenzeit. Es gibt schöne Bilder von den Hinterlassenschaften der Castrokultur. Unbedingt reinsehen!

Samstag, 21. Juli 2012

Archäologiepark Altmühltal

Von den ersten beiden Stationen des Archäologieparks Altmühltal beim Archäologischen Museum Kelheim und auf dem Michelsberg habe ich schon berichtet. Es ist also schon angeklungen, daß der Archäologiepark nicht durch einen Park mit Eingängen, sondern durch solche Stationen repräsentiert wird. Nach dem schon mehrfach zitierten Buch „Archäologiepark Altmühltal - Ein Reiseführer in die Vorzeit. Mit Kurzgeschichten von Ernst W. Heine“ von Michael M. Rind und Ruth Sandner (Verlag Schnell + Steiner, Regensburg, 2008, 14,95 €) umfasst der Archäologiepark „eine Route von 39 km zwischen Kelheim und Dietfurt, auf der an 15 Standorten spannende Geschichten aus der Welt der Neandertaler und Kelten erfahrbar werden“.

Archäologiepark Altmühltal: Nachbau eines Keltentores an der Gronsdorfer Schleuse

Die ersten drei Bilder zeigen die dritte Station des Archäologieparks mit der Nachbildung eines Tores des Oppidums Alkimoennis bei der Gronsdorfer Schleuse. Alle Stationen sind mit einem Hörpunkt ausgestattet (am besten ist er in Bild 5 und 6 zu erkennen), an dem neben Informationen auch eine der Kurzgeschichten des Schriftstellers Ernst W. Heine zu hören ist.

Ausgangspunkt für den Archäologiepark Altmühltal waren die Ausgrabungsergebnisse im Zusammenhang mit dem Bau des Main-Donau-Kanals in den Jahren 1976 bis 1991. Dabei wurde das untere Altmühltal intensiv archäologisch untersucht und man entdeckte zahlreiche bis dahin unbekannte Fundstellen. Klingt unspektakulär, aber wenn man die Stellvertreterrolle der einzelnen Stationen sieht, dann erweitert es die Dimensionen des Archäologieparks enorm.

Archäologiepark Altmühltal: Nachbau eines Keltentores an der Gronsdorfer Schleuse

So richtig aufgezeigt wird das erst mit dem Buch. Es gibt Luftbilder von den damaligen Grabungsflächen, die weit über die Fläche der heutigen Rekonstruktion oder Nachbildung hinausgehen. Neben so einem Luftbild gibt es bspw. zum Grabhügelfeld bei Riedenburg-Emmerthal ein Foto, das den „Hügel 3“ bei der Ausgrabung zeigt. Sein Steinkreis mit der fehlenden Zentralbestattung bildete die Vorlage für die „Opferplattform“ in Bild 5. Die lange Nutzung des Gräberfeldes wird - soweit sie durch Funde bestimmt werden konnte - durch entsprechend markierte Grabhügel auf einer Lagezeichnung deutlich. Im Hinblick auf die Dimensionen wäre auch hinzuzufügen, daß diese Gräber durch Hangrutschungen in den letzten Jahrhunderten überdeckt waren und man nur im Bereich der neuen Straßentrasse einen Teil des Gräberfeldes ausgraben konnte. Also ist in dem Fall die größere räumliche und die zeitliche Dimension des orginalen Gräberfeldes bis heute gegeben.

Archäologiepark Altmühltal: Nachbau eines Keltentores an der Gronsdorfer Schleuse

Die Bilder 6 und 7 stammen von einer Station bei der Schleuse Haidhof. Hier gab es ein hallstattzeitliches Grabhügelfeld aus der Zeit zwischen 700 und 500 v. Chr. Der aufgeschnittene Grabhügel und die Andeutung einer Kinderbestattung mit Beigabe eines Kegelhalsgefäßes sollen hallstattliche Bestattungssitten visualisieren. Das Buch zeigt dazu Bilder von der „Grabungsfläche“ (ich übernehme die Anführungsstriche, weil die Ausgrabung unter extrem widrigen Umständen vonstatten ging), einen Plan des Gräberfeldes, Skizzen der Keramikfunde und ein Foto rekonstruierter Beigaben im Kelheimer Museum.

Altmühl an der Gronsdorfer Schleuse

Der Beitrag zur Station ist also wieder sehr ausgrabungsorientiert. Das Buch bleibt aber nicht bei jüngeren Ausgrabungen hängen, wenn andere Informationen sinnvoller wären. Bei den Klausenhöhlen wird bspw. auf die lange Nutzungs- und Erforschungsgeschichte eingegangen, und welche Funde es trotz Nutzung noch gegeben hat. Zum Keltentor an Station 3 wird sowohl auf die Lage, Länge und Tore der Mauern des Oppidums als auch auf dessen Schürfgrubenfelder und die mögliche Lage der zugehörigen Wohnhäuser eingegangen. Das Schema der Texte zu den einzelnen Stationen ist dabei wie folgt: die Lage der Station wird mit Geo-Koordinaten angegeben. Dann gibt es den erläuternden Text, an dessen Ende auf die Visualisierung eingegangen wird. Darauf folgt die meist eine knappe Seite umfassende Kurzgeschichte. Eingebettet sind die Beiträge zu den einzelnen Stationen in eine kurze Einführung in die „Archäologischen Kulturen im Altmühltal“ und eine Chronologietabelle am Anfang und ein kurzes Glossar, Literaturhinweise und eine Lagezeichnung der Stationen am Schluß des Buches.

Archäologiepark Altmühltal: Bronzezeitliche Opferplattform bei Riedenburg-Emmerthal

Die einzelnen Beiträge sind jeweils mit einem Kürzel des Autoren bzw. der Autorin versehen. Dr. Ruth Sandner und Prof. Dr. Michael Rind haben nach Klappentext Vor- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie studiert, Prof. Dr. Michael Rind ist Leiter der Kreisarchäologie Kelheim. Insofern wird man davon ausgehen können, daß man in dem Buch über die 2008 bekannten archäologischen Sachverhalte bestens informiert wird.

Archäologiepark Altmühltal bei der Schleuse Haidhof: hinten ein aufgeschnittener Grabhügel mit zwei übereinanderliegenden Bestattungen, vorne die Andeutung einer Kinderbestattung mit Beigabe eines Kegelhalsgefäßes

Das Buch gibt auch die Unsicherheiten wieder. Etwa „Da sämtliche organische Bestandteile der Keltenmauer im Laufe der Zeit vergangen sind, lässt sich über das Aussehen mancher Details nur spekulieren“. Ähnlich wird die Funktion des Steinrondells bei Riedenburg-Emmerthal als Opferplatz nur vermutet, diese Funktion ist nicht bewiesen. Die Kurzgeschichten von Ernst W. Heine werden auf noch weniger wissenschaftlichem Boden stehen, sie verführen aber alle zu einem Perspektivwechsel - man sieht die Welt zumindest ein klein wenig aus dem Blickwinkel eines vorzeitlichen Menschen.

Archäologiepark Altmühltal bei der Schleuse Haidhof: aufgeschnittener Grabhügel mit mit der unteren von zwei übereinanderliegenden Bestattungen

Die einzelnen Stationen bieten mehr als Pfostenschlitzmauern und Erinnerungen an ehemalige Grabhügelfelder. Die komplette Liste findet sich auf der Website www.archaeologiepark-altmuehltal.de bzw. deren Weiterleitung. Aber uns ist bei der Tour abends die Zeit davongelaufen. Noch einmal die Empfehlung in „Minas Internetideenbuch“ und den „Kraftvollen Orten“ herumzustöbern, insbesonders auch für über den Archäologiepark hinausführende Ziele. Zum Archäologiepark will ich abschließend Stephans Eintrag zur Opferplattform bei Riedenburg-Emmerthal und den von Hermine zur Kastlhänghöhle herausgreifen.

Dienstag, 20. März 2012

Keltenschanze Kreuzpullach

Die Keltenschanze bzw. keltische Viereckschanze Kreuzpullach liegt nahe dem Römerstraßen-Hohlweg aus dem Gleißental vom letzten Blog-Eintrag und der Keltenschanze im Laufzorner Holz.

Keltenschanze bzw. keltische Viereckschanze Kreuzpullach

Im zweitgenannten Blog-Eintrag ging es mit dem Ausgangspunkt der nördlich der Keltenschanze Kreuzpullach verlaufenden Römerstraße ganz allgemein um „Vernetzte Erdwerke“ (Keltenschanzen, bronzezeitliche Befestigungen, Jungsteinzeitliche Erdwerke im Braunschweiger Land). In dem Zusammenhang gab es den Gedanken, ob die bronzezeitlichen Befestigungen Sunderburg und Bernstorf zeitgleich existiert haben. Und „wenn die Anlagen zeitgleich bestanden haben, dann könnte man daraus vielleicht Rückschlüsse über deren Anzahl und Verteilung ziehen.“ Wer Spaß an solchen Fragen hat, möge sich den Artikel „Landschaftsarchäologische Analysen im Bergischen Land“ von Irmela Herzog ansehen. Den Hinweis verdanke ich Armin Volkmann. Der arbeitet auch an einem GIS-Projekt (GIS = Geographisches Informationssystem), seine „Archäo-Informatischen Studien zu Siedlungsraum-Transformationen von der Antike zum Mittelalter in Nordbayern“ wären auch einen Blick wert.

Informationstafel zur Keltenschanze bzw. keltische Viereckschanze Kreuzpullach

Von der Sunderburg gibt es mittlerweile Besuchsberichte von Marcellina und Stephan Gröschler. Und um auf Kreuzpullach zurückzukommen, diese Schanze hat Stephan auch schon auf seinen Listen. Neben Bildern und einem Video gibt es bei ihm auch Bilder von den bei der Schanze liegenden Hügelgräbern. Seine Anfahrtsbeschreibung sollte man sich merken. Wichtig wäre aus Richtung Deisenhofen die „sehr deutliche Bodenwelle“ (man sieht nicht über sie drüber), nach deren Überwindung es rechts in den Waldweg hineingeht. Und die „leichte S-Kurve“ auf dem in westliche Richtung von der Keltenschanze wegführenden Waldweg, bei der die Grabhügel liegen. Letzten Donnerstag gab es noch die prägnante Markierung in Bild 10, südlich von ihr liegen die beiden Hügelgräber in Bild 11 bis 14.

Eingang der Keltenschanze bzw. keltischen Viereckschanze Kreuzpullach

Man sollte sich die Situation auch mit dem BayernViewer-denkmal ansehen (Denkmalnummer D-1-8035-0036). Der an die Keltenschanze südlich heranführende Strich gibt brauchbar den Waldweg von der Straße her wider. Wer auf dem Feldweg von Kreuzpullach her wandern oder radeln will sieht, daß der Waldweg etwa dort auf diesen Feldweg trifft, wo dieser am Waldrand anlangt. Und schließlich sieht man auch die Hügelgräber bei der Keltenschanze liegen (Denkmalnummern D-1-8035-0038 und D-1-8035-0039).

Panoramabild vom Eingang in die Keltenschanze Kreuzpullach

Bild 5 ist in Richtung der nordöstlichen „Vorgeschichtlichen Grabhügel“ aufgenommen (Denkmalnummer D-1-8035-0038). Die Beschreibung gibt „Funde der Bronzezeit, Hallstattzeit und römischen Kaiserzeit“ an. Ich bin an einem Zaun gelandet und habe nichts von den Grabhügeln gesehen. Das umzäunte Gelände dient glaube ich der Münchner Wasserversorgung. Von den Hügelgräber von Denkmalnummer D-1-8035-0039 („Grabhügel vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung.“) habe ich nur zwei via dem typischen Ausgrabungsloch oben drin identifizieren können, allerdings bin ich letzten Donnerstag auch ohne GPS unterwegs gewesen.

Blick in nordöstliche Richtung von der Nordostecke der Keltenschanze Kreuzpullach

Die Zeichnung auf der veralteten Infotafel zeigt nur die Grabhügel D-1-8035-0039, wobei sie deren Lage falsch wieder gibt. Die Hügelgräber müßten etwas nach links versetzt werden. Falls der rote Fleck die Infotafel darstellen soll, dann ist das auch falsch. Die steht mehr zur Mitte am Waldwegknick und nicht an der Südostecke der Schanze. Die Parkbucht ist mir nicht aufgefallen. Und das mit der Kultstätte und den tiefreichenden Schächten bezieht sich auf die mit der Ausgrabung von Klaus Schwarz um 1950 aufgekommene Sichtweise. Das Thema hatten wir schon bei der von ihm ausgegrabenen Viereckschanze 2 von Holzhausen.

Panoramabild vom Nordwall über die Keltenschanze Kreuzpullach

Wie im ersten Bild zu sehen ist, liegt die Keltenschanze direkt am Weg. Man kann also hinter der Informationstafel über den Wall klettern. Alternativ finden sich die Reste eines Wegs, der von dem bei der Tafel abknickenden Waldweg parallel zum Keltenschanzen-Südwall nach Osten abgeht und nach ein paar Meter eine Linkskurve macht und nach Norden auf den Zaun zuführt. Von dem kann man dann wieder nach links zum Eingang der Keltenschanze auf deren Ostseite in Bild 3 abbiegen.

Aufnahme in der Keltenschanze Kreuzpullach

Zu diesem Weg wäre zu sagen, daß ich vor ein paar Jahren Ende Mai bei hohem Gras mit meinem Bruder da durch bin. Ich schneller voraus und er langsam hinterher und er glaubte, daß danach drei Zecken auf ihm herumgekrabbelt sind. Er hat die schnell abgewedelt. Also ganz sicher ist das vielleicht nicht. Ich will jetzt auch nicht spekulieren, ob es etwas hilft an kritischen Stellen schnell durchzugehen, ob man lieber geschlossene Schuhe und Strümpfe anhat, statt ohne Strümpfen in Sandalen zu gehen usw. Es ist aber sicher sinnvoll sich über Zecken und eventuelle Vorteile einer Impfung zu informieren und nach solchen Touren zu kontrollieren ob eine durchgekommen ist. Ganz aktuell zum Thema Zecken: 1. Süddeutscher Zeckenkongress: „Zecke ist das gefährlichste Tier Deutschlands“

Aufnahme in der Keltenschanze Kreuzpullach

Soweit ich mich erinnere, hat es mich in den letzten fünf Jahren drei Mal erwischt und das war immer auf Sitzbänken. Zweimal festgebissen an der Wade und einmal noch krabbelnd am Arm. Also nach derzeitigem Stand würde ich eine Sitzbank mit heranreichendem Gras, Ästen etc. in Bereichen mit viel Besucherverkehr (inkl. Hunden) wesentlich riskanter finden als eine Keltenschanze. Ich würde aber auch bei Keltenschanzen möglichst nicht besonders tief mit dem Oberkörper durchs Gesträuch gehen, also lieber außen herum als unten durch. Die Zecken sollen ja nicht so hoch angesiedelt sein und Hosen, Schuhe, Beine kann man sich notfalls alleine vor Ort noch schnell durchsehen.

Aufnahme in der Keltenschanze Kreuzpullach

Die Keltenschanze Kreuzpullach sieht sehr gut erhalten aus. In Bild 3 kann man sogar noch Reste des Grabens vor dem Eingang erkennen. Ich rätsele, wie sich so etwas über mehr als 2000 Jahre hält. Weil hier ziemlich viel für die Wasserversorgung unterirdisch liegen muß und es oberirdisch teilweise lange Sichtlinien gibt, habe ich schon früher mal gerätselt, ob man bei der Gelegenheit mal nachgearbeitet hat. Vermutlich tue ich aber Unrecht und die Denkmäler hier werden und wurden sorgsam beschützt. Das nicht abgeräumten Holz könnte darauf hindeuten, mit dem ließen sich ein paar Wohnungen über den Winter bringen.

Wegmarkierung Grabhügelfeld bei der Keltenschanze Kreuzpullach

Daß ich mich hier nicht nur dem Keltenschanzen-Genuß pur hingegeben, sondern auch wieder das Haar in der Suppe gesucht habe, dafür wurde ich schon bestraft: in der Zeit bevor ich den BayernViewer denkmal kannte, bin ich der falschen Zeichnung auf der Infotafel aufgesessen und habe die Hügelgräber an der falschen Stelle gesucht.

Grabhügel 1 bei der Keltenschanze Kreuzpullach

Oberseite des Grabhügels 1 bei der Keltenschanze Kreuzpullach

Im Nachhinein ärgert mich das nicht. Komischerweise war es es letzte Woche schon ein kleiner Aufreger, als ich glaubte eine komplett neue falsche Informationstafel vor mir zu haben. Das Dach ist tatsächlich erneuert und das hatte ich verrottet in Erinnerung. Zuhause habe ich mittels einem Foto von 2008 gemerkt, daß die Tafel nur teilerneuert wurde und die alte Platte mit Text und Bild erhalten geblieben ist.

Grabhügel 2 bei der Keltenschanze Kreuzpullach

Oberseite des Grabhügels 2 bei der Keltenschanze Kreuzpullach

Wie man sieht, soll die Zeichnung 1988 entstanden sein. Daraus könnte sich die Orientierung vieler Keltenschanzen-Informationstafeln im Münchner Raum an der Ausgrabung um 1950 von Klaus Schwarz erklären. Nach der Wikipedia sollen Rüdiger Krause und Günther Wieland die Viereckschanze bei Bopfingen 1989 und 1992 großflächig untersucht haben. Vielleicht hat sich erst durch diese und in den 90er Jahren folgende Ausgrabungen die Interpretation der Schanzen in eine andere Richtung gedreht.

Montag, 24. Oktober 2011

Grab der Seherin

Zum Grabhügelfeld mit dem „Grab der Seherin“ geht es die im ersten Bild des letzten Blog-Eintrags gezeigte Abzweigung von der Straße Gauting - Starnberg hoch zum stillgelegten Bahnhof Mühltal. Die Asphaltstraße unterquert da oben die Bahnlinie, und direkt nach der Unterquerung biegt man rechts in einen Schotterweg zum Grabhügelfeld ein, während die Asphaltstraße eine Linksbiegung macht und sich dann in die Richtungen Gut Rieden und Hanfeld teilt.

Der in den Wald ansteigende Schotterweg verläuft zunächst parallel zur Bahnstrecke und macht dann eine 90°-Linksbiegung. Zum „Grab der Seherin“ muß man kurz darauf in einen Weg nach rechts einbiegen, die 90° sind wieder korrigiert und man ist so in etwa wieder parallel mit der Bahnstrecke, die jetzt ein wenig weiter rechts entfernt verläuft. Auf diesem Weg kommt man an einem umzäunten Gelände vorbei, via Google Maps ist es als Freifläche im Wald erkennbar. Dann sieht man links und rechts neben dem Weg Grabhügel, den großen Grabhügel in Bild 1 - 3 gleich links nach dem Zaun. Wenn man den Weg weitergeht - es geht jetzt schon wieder abwärts - gelangt man zu einer Weggabelung. Vor dieser Gabelung muß man zum „Grab der Seherin“ rechts in den Wald hinein. Vom Weg ist schon der ausgetretene Fußpfad und die Dekoration zu sehen, das Grab ist also kaum zu verfehlen. Zudem könnte man sich noch an der sehr nah vorbeiführenden Bahnlinie orientieren - in Bild 8 sind links oben waagrechte Drähte zu erkennen, das sind die Stromleitungen. Wenn es im Bild rechts oben nicht so hell wäre, könnte man da die Drähte vermutlich auch sehen.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Man sollte sich das alles noch im BayernViewer-Denkmal ansehen (Verwendungshinweise gibt es im Blog-Eintrag BayernViewer-denkmal und GPS). Der Hügelgräberfriedhof ist dort zwar nur eine rot eingefärbte Fläche mit der Angabe „Grabhügel der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“, Denkmalnummer D-1-7934-0273, aber man sieht in etwa die Ausdehnung. Vor allem ist bemerkenswert, daß man schon nach der Unterquerung der Bahnlinie auf eine ehemalige Römerstraße stößt, und daß man dieser Strecke auf dem Parallelweg zur Bahnlinie folgt. Wobei die weiteren Markierungen der Straße dann eher verwirrend wirken. Wie dem auch ist, irgendwo da verlief die Römerstraße. Der Text im BayernViewer-Denkmal ist „Straße der römischen Kaiserzeit, Teilstück der Trasse Gauting-Kempten“, die Nummern sind D-1-7934-0146 und D-1-7934-0147.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Die Mulden oben in den Hügeln gehen vermutlich auf Dr. Julius Naue zurück, der hier im 19. Jahrhundert als Ausgräber tätig war. Es gibt Beschreibungen seiner Ausgrabungen, die sind zum Teil in seinem Buch Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee. Geöffnet, untersucht und beschrieben von Dr. Julius Naue. zu finden, das man bei archive.org als pdf-Datei herunterladen kann. Dort sind aber nach Titel, Karte und Durchblättern nur Ausgrabungen andernorts beschrieben. Vielleicht ist die Beschreibung der Ausgrabung dieses Hügelgräberfeld in seinem Buch „Die Bronzezeit in Oberbayern“ enthalten.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Hinsichtlich der „Seherin“ scheint der Grabungsbericht von Dr. Julius Naue die einzige noch vorhandene archäologische Basis zu sein. Von Julius Naue muß es zwei Zeichnungen geben, die ich glaube einmal als durchgereichte Kopien gesehen zu haben. Die eine Zeichnung zeigte glaube ich Skelett, erhaltene Metallteile der Kleidung und erhaltene Beigaben in der Fundsituation. Zudem gab es wohl eine Rekonstruktionszeichnung, die man sich Dank Itzá hier im Flower of Life Forum ansehen kann. Nach meiner sicher nicht fotografischen Erinnerung gab es eine rockartig aufgespreizte, getrennte Anordnung von Metallstreifen in der Fundzeichnung, die in der Rekonstruktionszeichnung unten dicht aneinander an dem Kleidungsstück befestigt sind.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Die damaligen Funde sollen heute nicht mehr verfügbar sein. Nach einer gehörten Version sind die Funde in Berlin, nach einer anderen sind sie in der Archäologischen Staatssammlung ausgebombt worden. Eine Dame im Hörteil des im Blog-Eintrag über die Mühltal- oder Bethenquelle verlinkten BR-Online-Beitrages brachte das zusammen: nach Berlin zur Untersuchung gebracht und dort im Bombenhagel verschwunden.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Itzá zitiert aus einer nicht mehr zugreifbaren pdf-Datei einen „vierspeichiger Bronzeradschmuck oder Bronzering mit Mittelkreuz“ unter der „rechten Handfläche der Seherin“, der nicht nur bei ihr Anlaß zu weiter reichenden Interpretationen gibt. Dr. Julius Naue stellt in dem herunterladbaren Buch „Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee“ auf Seite 189ff. dagegen „bronzene Kopfringe“ in den Vordergrund: „In besonderen Ehren scheinen die Frauen gestanden zu sein; da über ihren Grabstätten häufig hohe Grabhügel errichtet wurden; auch bevorzugte Stellen und Würden müssen ihnen geworden sein, da wir jene bronzenen Kopfringe, die sicher als Würdenabzeichen aufzufassen sind, nur bei weiblichen Skeletten, oder mit anderen weiblichen Schmuckstücken in Brandgräbern gefunden haben.“ Und jemand, der mir erzählt hat, daß die Bethenquelle genau in der Mitte zwischen dem Grab der Seherin, dem Karlsberg und St. Alto in Leutstetten liegt, hat mir erzählt, daß die nördliche Lage des Hügelgrabes im Gräberfeld allein schon die besondere Stellung des Grabes ausweisen würde, weil der Norden früher immer eine besondere Bedeutung gehabt hat.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Nach meinem Stand ist es ein bronzezeitliches Grab, da paßt ja dann auch der oben genannte Schmuck dazu. Sicher bin ich mir nicht - mein vorliegender Text hat eine umfangreiche Literaturliste ohne Julius Naue, der Autor hat also vermutlich nur bei jemand abgeschrieben, der vielleicht das Orginal gelesen hat. Das wäre also eine Supergelegenheit für BayernViewer-denkmal um statt „Grabhügel der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“ Stärke zu zeigen und das große Interesse zu nutzen, um den Leuten etwas über den Unterschied zwischen Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit und deren Grabsitten beizubringen.

„Grab der Seherin“ im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Das Interesse konzentriert sich im Hügelgräberfeld vor allem auf das Grab der Seherin, wenngleich ich es dort eher nicht so schön finde. Die Erde des Hügels ist um die Mulde herum schon ziemlich gleichmäßig festgetreten. Die Mulde wirkt etwas muffelig feucht, nicht so beeindruckend wie die Mulde des Grabes oben in den ersten drei Bildern und nicht so kuschelig wie die Mulde des letzten Grabes in diesem Blog-Eintrag. Zudem bricht in ein eventuelles Versinken in andere Welten gleich wieder eine vorbeifahrende Bahn hinein. Ich hätte trotzdem gedacht, daß sich das Interesse hauptsächlich auf dieses Grab bezieht und die anderen Gräber ziemlich nichts abbekommen, aber Nusas Beobachtung, die er im Blog von Massive Squad beschrieben hat, ist eine andere.

„Grab der Seherin“ im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Anzumerken wäre noch, daß wir neben Hügelgrabintressenten auf der Strecke entlang des „Grabes der Seherin“ auch „normale“ Radfahrer und Spaziergänger gesehen haben. Also zum einen ist vermutlich eine passable Verbindung westlich der Bahnlinie in nördliche Richtung gegeben - ich bin ja immer von Osten aus dem Mühltal hochgekommen. Zum anderen ist der „Unheimlichkeitsfaktor“ hier vielleicht nicht so hoch wie bei dem unübersichtlicheren Karlsberg.

Die Bahnlinie soll extra wegen den Hügelgräben eine Kurve machen, hatte ich auch schon gehört. Anderseits orientiert sich die Bahnlinie m.A. nach so viel besser an den Höhenlinien, als wenn sie durch das aktuell im BayernViewer-denkmal ausgezeichnete Hügelgräberfeld führen würde. So oder so können Hügelgräber über die Zeit hinweg verloren gegangen sein, die Einfärbung im BayernViewer geht ja nördlich auch ein Stück über das „Grab der Seherin“ hinaus. Anregender als Lageüberlegungen zu einem bestimmten Grab ist vielleicht die Frage nach der zugehörigen Siedlung. Julius Naue vermutete auf S. 188 die Niederlassungen der vorgeschichtlichen Bewohner in unmittelbaren Nähe der Grabhügel.

Sonntag, 27. Februar 2011

Zum Sensationsfund bei der Heuneburg

Kurz vor Jahresende ging die Blockbergung eines Keltengrabes in der Nähe der Heuneburg durch die Medien. Der Fund soll das Ergebnis einer Nachsuche gewesen sein, welche durch ein im Herbst 2005 entdecktes keltisches Kindergrab ausgelöst wurde.

Ich hatte dieses Kindergrab in meinem Besuchsbericht von der Heuneburg erwähnt und dann mit der etwas flapsigen Aussage fortgesetzt, daß es sich hier um keine „archäologisch ausgelutschte Gegend“ handelt. Dem lag keine archäologische Hellsichtigkeit zugrunde. Ich wußte ja, daß weiter gegraben wurde, und daß deshalb wegen den vermuteten keltischen Siedlungsflächen und den Verteidigungsanlagen um die Heuneburg dann und wann immer wieder Meldungen über Funde zu erwarten waren. Die Funde hätte ich in dieser Größenordnung vermutet und kein sogenanntes Fürsten- bzw. Fürstinnengrab.

Ausblick von der Heuneburg in Richtung Nordosten

Besonders phantasievoll war ich auch nicht. Wo das Kindergrab genau gefunden wurde, hat mich nicht interessiert. Vielleicht hätte man mir das auch nicht gesagt, ich wußte zwar, daß es „unten“ auf den Feldern gefunden wurde, kann mich nicht erinnern, daß irgendwo das Gräberfeld Bettelbühl erwähnt wurde. Wenn Sie im Wikipedia-Artikel über das Gräberfeld Bettelbühl die Geo-Koordinaten rechts oben anklicken und auf der dann erscheinenden Webseite das Satelliten-Bild von Google auswählen, dann zeigt die Pfeilspitze auf den für das Gräberfeld namensgebenden Grabhügel Bettelbühl. Die aktuelle Grabungsstelle ist dem Luftbild entnehmbar, das der Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart beigefügt wurde. Das Luftbild wurde von nordwestlich der Ausgrabungsstelle aufgenommen, im Bild ist etwa in Richtung zwei Uhr von der Ausgrabungsstelle als leichte Erhebung der Bettelbühl zu sehen, auch erkennbar durch den in der Wikipedia erwähnten daneben liegenden Bettelbühl-Bach.

Ausblick von der Heuneburg in Richtung Osten

Noch zu „oben“ und „unten“: meine drei beigefügten Fotos sind von „oben“ aufgenommen, sie sind ein Ausblick von der Heuneburg etwa in Richtung Nordosten, nach Osten und nach Südosten. Das Gräberfeld Bettelbühl liegt nahe Herbertingen zwischen Herbertingen und der Heuneburg. Diese Linie müßte in dem dritten Bild in Richtung Südosten abgedeckt sein. Der Weg von Herbertingen zur Heuneburg führt über das zu Herbertingen gehörende Hundersingen. Dort macht die von Westen kommende Donau einen fast-90-Grad Knick in fast nördliche Richtung. Hundersingen liegt in dem fast-90-Grad-Knick. Nachdem man die Donau überquert hat, geht es in Hundersingen hoch, oben befindet sich das Museum in der früheren Zehntscheuer des Klosters Heiligkreuztal. Von Hundersingen geht es dann per Straße oder archäologischem Rundwanderweg weiter zur oberhalb der Donau liegenden Heuneburg.

Ausblick von der Heuneburg in Richtung Südosten

Es wird derzeit noch davon ausgegangen, daß das Grab nicht ausgeraubt wurde. Außerdem schließt man aus den bisherigen Funden, daß es ein sehr herausragendes Grab ist und eine Frau bestattet wurde. Damit hätte die Region außer ihrer einzigartigen Heuneburg und der Perspektive langfristig durch Ausgrabungen weitere archäologische Erkenntnisse und Schlagzeilen liefern zu können auch noch ein „Fürstinnengrab“. Es wird dann vielleicht eine Lösung wie beim Keltenmuseum Hochdorf geben, bei der Fundreplikate für eine nachgestellte Grabkammer an die Region zurückgegeben werden?

In der der oben verlinkten Pressemitteilung wurde statt Fürstinnen- bzw. Fürstengrab der Begriff „Prunkgrab“ verwendet. Besonders wenn man an die Fürsten-Bezeichnung gedanklich eine Regentschaft des ganzen Gebiets koppelt, wird „Prunkgrab“ vermutlich korrekter sein. Ich hatte ja in meinem Blog-Eintrag zur Heuneburg erwähnt, daß es bei den Großgrabhügeln eine Erklärungs-Tendenz weg vom herausragenden Fürstengrab und hin zu Grablegen unterschiedlicher Sippen gibt. Wobei ich mich aber gerne von neuen Funden und neuen Erkenntnissen überraschen lasse.