Posts mit dem Label Ausstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 1. Mai 2021

„Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“

Als ich am 25. März mein Twitter einschaltete, um mir die Archäologie-Nachrichten anzusehen, wurde mir etwas zu spät der folgende Tweet der Staatlichen Antikensammlungen u. Glyptothek angezeigt: „Große Freude! Wir eröffnen heute Abend 19.30 Uhr mit einem #Livestream die #Glyptothek nach zweijähriger Sanierung + die Sonderausstellung 'Bertel #Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische #Bildhauer in bayerischem Auftrag' Livestream auf YouTube:“

Der Livestream war etwas verwirrend, weil ich in einen vorab erstellten abschließenden Teil mit einer kleinen Ausstellungsführung geraten bin. Dabei nebenher auf der Museumswebsite Hilfe zu suchen und ein „Eröffnung so bald wie möglich - 25.07.2021“ zu finden, trug auch nicht zu meiner Erhellung bei.

Nach Ende des Events konnte man den Film ganz vorne am Beginn starten, da war die Mischung aus Konserve und Live schnell erkennbar. Zunächst werden Bilder von der mittlerweile fast abgeschlossenen Sanierung der Glyptothek gezeigt. Dann kommt als Live-Teil die Rede von Dr. Florian Knauß, dem Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München. In diesen Teil sind Grußworte der dänischen Botschafterin Susanne Hyldelund und die Eröffnung durch den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler eingebunden. Schließlich gibt es von Dr. Knauß noch die erwähnte Ausstellungführung.

Münchner Glyptothek am 21. April 2021

Aktuell steht ein „26.03.2021 - 25.07.2021“ auf der Ausstellungswebseite. Wobei man letzte Woche, als ich zum Fotografieren vorbei kam, „bis mindestens Sonntag“ nicht in die Ausstellung hinein durfte. Wegen möglichen späteren Terminen sollte ich mich am besten bei München Ticket informieren.

Die Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag" ist in einen größeren Rahmen von Thorvaldsen-Ausstellungen in Italien, Dänemark und Deutschland anläßlich dessen 250stem Geburtstag am 19.11.2020 eingebunden. Die Münchner Ausstellung liegt da relativ zu den anderen Ausstellungen etwas spät. Ich habe aber keine Ahnung, ob dadurch eine Ausstellungsverlängerung möglich ist oder die Leihgaben im Juli wieder auf die Reise müssen.

Kurfürst Maximilian I. auf dem Wittelsbacher Platz nach einem Modell von Bertel Thorvaldsen

In der Rede von Dr. Knauß und in seiner kurzen Ausstellungsführung wird die Verwobenheit von Thorvaldsens Werk mit der Antike deutlich. Thorvaldsen fungierte als Berater beim Ankauf von Antiken und war als Restaurator und Ergänzer der häufig fragmentarisch überlieferten Teile tätig. Unter diesen Antiken wären hier wegen ihrer herausragenden Bedeutung zuvörderst die Ägineten in der Münchner Glyptothek zu nennen. Die später wieder entfernten Thorvaldsen-Ergänzungen waren 2011 Thema der Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“. In seiner Ausstellungsführung zeigt Florian Knauß aber auch ein Antiken-Beispiel in der Glyptothek, an dem die Thorvaldsen-Ergänzungen erhalten geblieben sind.

Daneben gibt es in der Ausstellung mit einer Spes ein eigenständiges, aber direkt an die Antike anknüpfendes Werk Thorvaldsens zu sehen. Nach Dr. Knauß ist die Spes möglicherweise von Figuren angeregt, die ebenfalls den Tempel der Aphaia auf Ägina geschmückt haben. Näheres zu den von Bertel Thorvaldsen ergänzten Koren des westlichen Firstakroters des Aphaia-Tempels kann man in meinem alten Beitrag „'Spes' von Bertel Thorvaldsen“ nachlesen, der inhaltlich bestens von einem Nachfahren eines seinerzeit beteiligten Bildhauers bestückt wurde.

Replik einer von Bertel Thorvaldsen ergänzten Aphaia-Tempelkore an der Villa Stuck

Die Spes muß Thorvaldsen laut Dr. Knauß sehr wichtig gewesen sein, da er später ein Selbstbildnis mit Spes geschaffen hat. Zwei Jahrzehnte später entstand eine lebensgroße Marmorversion davon, die man nach Abschluß der Außenarbeiten an der Glytothek hoffentlich dann wieder in ihrer Nische in der Ostfassade der Glyptothek sehen kann.

Freitag, 18. Oktober 2019

Gemischte Links

Morgen findet wieder eine „Lange Nacht der Münchner Museen“ statt. Bei Interesse möge man sich im Netz über das Angebot informieren.

Aus Blog-Perspektive lief es zwar bei unserer langen Museumsnacht 2010 erst einmal ziemlich gut, aber wir waren wie seinerzeit beschrieben um 23 Uhr nicht mehr besonders aufnahmebereit und freuten uns in der Glyptothek über dort vorgefunde „gut gepolsterte Hocker“. In späteren Abwägungen hat diese Erfahrung dann schon eine größere Rolle gespielt.

Im Rückblick gesehen steckte ich damals etwas zu sehr in meiner Ablaufliste fest. In der Glyptothek und den Antikensammlungen war dann die Luft draußen. Wir wußten dort erst mal nicht, ob wir noch in weitere Museen gehen, haben dann aber abgebrochen. Programm der Glyptothek war laut meinem Text „Wissenschaftler und Restauratoren erklären zur Langen Nacht weltberühmte Meisterwerke, ....“, in den Antikensammlungen sollten „Archäologen die technischen und inhaltlichen Hintergründe“ der damals ausgestellten „Edlen Gemmen und weißgrundigen Lekythen“ erläutern. Es war wie beschrieben in der Stunde vor Mitternacht nicht viel vom Erklärungsbetrieb zu sehen und wir wollten uns auch nichts mehr groß erklären lassen. Ich bin zwar schon mit einem der freien Kräfte in der Glyptothek über die Beinbemalung des „Paris“ in eine interessante Unterhaltung geraten. Nur bin ich nicht auf die Idee gekommen, generell von „weitere Museen oder Abbruch“ auf „Gespräche“ umzuschalten. Die Gelegenheit war wegen den freien Museumskräften günstig, ich hätte von meinem Blog erzählen und Fragen über den Verlauf des Abends als Einstieg nehmen können.

Liest man den damaligen Text durch, fängt er ja mit den Legionären in der Archäologischen Staatssammlung als möglichen Gesprächspartnern an. Im Ägyptischen Museum hätte man einen der erwähnten Museumsfreunde etwas fragen können. Also an den gebotenen Gelegenheiten lag es nicht. Ich will jetzt aber weniger auf meine Manöverkritik, sondern mehr auf die konzeptionellen Vorzüge der freien „Wissenschaftler und Restauratoren“ und „Archäologen“ in der Glyptothek und den Antikensammlungen hinaus. Die 1:1-Gesprächsmöglichkeit ist im Grunde genommen ein attraktives Angebot, das konnte man schon an den begehrten Legionären sehen. Solche 1:1-Gespräche kann man seitens der Museen mittlerweile auch als Medienarbeit betrachten. Selfies wurden ja erst kurz nach 2010 ein großes Thema. Ich weiß nicht, wann da was zahlenmäßig gekippt ist, aber das Selfie-Phänomen illustriert ganz gut den Sachverhalt, daß viele Leute über Ereignisse mittlerweile über solche Mitteilungen und nicht mehr über klassische Medien Kenntnis bekommen. Den damaligen Legionärs-Event müßte man heutzutage als Medien-Event sehen, selbst wenn kein einziger klassischer Medienvertreter dabei ist.

Umgekehrt sollten Auswertungen solcher 1:1-Gespräche für die Museen sehr interessant sein. Das Chatbot-Thema aus der Museumsberaterecke behandelt finde ich nicht so prickelnd, da denke ich an gefloppte Apps von Kultureinrichtungen. Aber generell, wenn man sich überlegt, daß ein gutes Drumherum eines Chatbots vielleicht mal günstig zu haben ist und das Institutionsspezifische einfach reingefüllt werden muß, könnte ich mir schon eine Welt voll antwortender künstlicher Systeme vorstellen. Man kann bei der Nutzung an die heutzutage vertrauten vorgeschalteten Abfragemenüs denken. Da versucht man auch nicht die Systemintelligenz auszureizen. Ähnlich wäre man froh, wenn man nachts um zwei über sein Assistenzsystem einen Chatbot anrufen könnte und der einem eine wichtige Frage beantwortet. Dafür würde man dann auch seine Frage möglichst computerverständlich formulieren. In dem Sinne wäre es für den Aufbau des institutionsspezifischen Teils schon sehr interessant, was das Museumspublikum so an drängenden Fragen hat.

Aus dem Programm der morgigen Langen Nacht will ich jetzt nur das des Museums für Abgüsse Klassischer Bildwerke herausgreifen, weil dort vorgestern die Ausstellung „Lebendiger Gips – 150 Jahre Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke“ eröffnet wurde. Im Abgussmuseum kann man im einen Lichthof Gips selbst gießen und im anderen Lichthof das Theaterstück „Das Erwachen der Gipse – The last Play of Menander“ ansehen.

Eine weitere Ausstellungseröffnung hat vor einer Woche seitens der Archäologischen Staatssammlung stattgefunden. Deren Museum ist zwar wegen einer umfangreichen Generalsanierung seit August 2016 geschlossen, aber es finden an anderen Orten immer wieder Ausstellungen statt. Seit 12.10. ist die Archäologische Staatssammlung wieder zu Gast in der Residenz, dieses Mal mit der Ausstellung „Kunst in Miniatur - Antike Gemmen aus Bayern“.

In den Mitteilungen 145 des mit der Archäologischen Staatsammlung verbundenen Vereins der Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte ist anläßlich der Ausstellung ein längerer Beitrag von Aaltje Hidding erschienen, der von ihr frei lesbar bei academia.edu eingestellt wurde.

Es gibt die „Antiken Gemmen aus Bayern“ auch als Buch der Autorin Gertrud Platz-Horster. Das Buch ist 2018 als Bd. 42 in der Reihe „Ausstellungskataloge der Archäologischen Staatssammlung hrsg. von Rupert Gebhard“ erschienen. Es gibt zum Buch den Zweittitel „Antike Gemmen aus Bayern in der Archäologischen Staatssammlung München“, der den Inhalt genauer beschreibt. Ob dieses Buch die aktuelle Ausstellung komplett als Ausstellungskatalog abdeckt, weiß ich aktuell nicht.

Vor ein paar Tagen bekam ein Artikel über „Social inequality in Bronze Age households“ eine große Aufmerksamkeit, der unter Beteiligung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität auf Basis von aus Bronzezeit-Toten aus dem Lechtal nahe Augsburg gewonnenen DNA-Daten und den Informationen über deren Grabbeigaben entstand. Anhand der Grabbeigaben und den ermittelten Geschlechtern und Verwandtschaftsverhältnissen wurde festgestellt, daß es unterschiedliche Klassen gab und das Vermögen der besser ausgestatten Klasse an die Söhne weitergegeben wurde. Aufsehen erregte, daß keine ältere Tochter aus der vermögenden Klasse unter den Toten gefunden wurde. Die Töchter müssen also allesamt früh die Familie verlassen haben. Siehe dazu den über die verschwundenen Töchter aufgemachten Artikel „Why are adult daughters missing from ancient German cemeteries?“. An der Stelle ergänzend der Hinweis auf das Computerspiel Bronzeon, das spielerisch die neuesten archäologischen Erkenntnisse zur Bronzezeit vermitteln soll.

Abschließend will ich wieder die „Reise-Zikaden“ empfehlen. Ich hatte das schon einmal in meinem Eintrag über die Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss gemacht. Aktuell will ich auf die Beiträge „Tirol: Archäologie im Karwendel – Von der Steinzeit bis zum Mittelalter“ und „München: Hügelgräber aus der Bronzezeit in der Garchinger Heide“ verweisen. In „Tirol: Archäologie im Karwendel – Von der Steinzeit bis zum Mittelalter“ geht es um das in meinem Blog schon in den „Alpine Contrasts“ erwähnte und abgesehen vom Winter sehr gut von München aus erreichbare Rißtal.

Samstag, 6. April 2019

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Noch bis zum 2.6.2019 findet im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss die Ausstellung „Mykene - Die sagenhafte Welt des Agamemnon“ statt. Laut Ausstellungswebsite präsentiert das Museum mit „über 400 spektakulären Objekten aus den wichtigsten Museen Griechenlands“ „die weltweit größte kulturhistorische Ausstellung über das mykenische Griechenland“.

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

„Konzept, Inhalte und Objektauswahl sind in Kooperation mit dem Ministerium für Kultur und Sport Griechenlands entstanden“. Wie es zu dieser Kooperation kam, erläutert der Karlsruher Museumsleiter Eckart Köhne in einem Deutschlandfunk- Kultur-Gespräch: daß Objekte in Karlsruhe zu sehen sind, die noch nie außerhalb Griechenlands zu sehen waren, sei darauf zurückzuführen, daß es in einem jahrelangen Prozess gelungen sei, das Problem nachweislich gestohlener griechischer Objekte in der Karlsruher Sammlung u.a. durch Rückgabe von Objekten zu beseitigen. Im Zuge dessen sei die Kooperation begonnen worden „mit der Mykene-Ausstellung als Höhepunkt“.

Zur angesprochenen Objekt-Rückgabe findet man einen weiteren Deutschlandfunk-Kultur-Beitrag von 2009. Da geht es um zwei Kykladen-Artefakte. Der Gedanke war seinerzeit „die beiden Kunstwerke aus Landesbesitz an Griechenland zurückzuerstatten und stattdessen auf Kooperation mit dem griechischen Staat zu setzen“. Soweit die Angabe des Museums mit der „weltweit größten kulturhistorische Ausstellung über das mykenische Griechenland“ seine Richtigkeit hat, hat sich der griechische Staat sehr generös gezeigt und die Kooperation ist bestens gelungen.

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Die Ausstellungsstücke sind wirklich auffallend schön. Insbesonders wenn man bedenkt, daß sie über 3000 Jahre alt sind. Ich empfehle sich mal den Besuchsbericht des Münchner Reiseblogs „Reise-Zikaden“ mit viel Text und vielen Fotos von der Ausstellung anzusehen: „Grandios! Unser Besuch der Mykene-Ausstellung in Karlsruhe“. Auf der Website der „Reise-Zikaden“ findet man noch jede Menge weiterer interessanter Reiseberichte, auch eine größere Zahl die zur vorherigen Karlsruher Etrusker-Ausstellung passen.

Der SWR bietet derzeit noch neben einer Bildstrecke Videos und eine interessante dreiviertelstündige Forums-Diskussion über die Mykener an.

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Mir war schon wichtig, in die Mykene-Ausstellung zu gehen. Wußte aber im Vorfeld schon nicht groß, über was ich schreiben sollte. Über meine Gedanken zur Digitalisierung im Badischen Landesmuseum hatte ich ja schon erschöpfend im Zusammenhang mit der Karlsruher Etrusker-Ausstellung geschrieben. Und Vermittlung finde ich toll, das sollte in diversen Texten von mir auch deutlich geworden sein. Daß das mit den Griechen so gut geklappt hat, ist wirklich super. Daß mit den Reise-Zikaden ein archäologisch interessierter Blog die Möglichkeit bekommen und genutzt hat, so einen langen Beitrag zu machen, ist auch sehr schön. Daß die Digitalisierung neue Möglichkeiten bietet und Digitalisierung im Zusammenhang mit der Vermittlung steht, hatte ich zur Etrusker-Ausstellung auch drin und ist im Grunde banal. Ich denke, daß das Badische Landesmuseum beim Nutzen der Möglichkeiten durch die Digitalisierung schwach und dieser Sachverhalt angesichts der herausragenden Sonderausstellungen des Museums sehr schade ist.

Samstag, 29. September 2018

Etrusker in Karlsruhe

Mitte Mai waren wir in der einen Monat später beendeten Ausstellung „Die Etrusker — Weltkultur im antiken Italien“ des Badischen Landesmuseums im Karlsruher Schloss.

Die letztes Jahr am selben Ort gezeigte Ramses-Ausstellung hatten wir ausgelassen und sind seinerzeit stattdessen in „Amerika nach dem Eis“ im Karlsruher Naturkundemuseum gegangen. Ein Argument gegen die ausgelassene Ramses-Option war, daß ich von dieser Ausstellung nur neue Wissensverästellungen für einen unterproportionierten Stamm befürchtete. Das erklärt sich dadurch, daß ich selbst große ägyptische Spezialthemen wie Ramses nur mit einigem Nachlesen in ihr Umfeld einsortieren kann. Bei einer allgemeinen Etrusker-Ausstellung würde ich das aber wegen der engen Verbandelung mit anderen Kulturen genau andersherum sehen: selbst jemand der sich nur mit Kelten, Griechen oder Römern beschäftigt und keinen besonderen Etrusker-Bezug hat, sollte gewinnbringend in so eine Etrusker-Ausstellung gehen können.

Die Karlsruher Ausstellung entsprach diesen Erwartungen. Bei den in zeitlicher Abfolge aufgebauten Ausstellungsstücken wurde man nahe des Eingangs von einer „Grabstele aus Casale Marittimo, Nekropole von Casa“ begrüßt, die an die keltischen Grabstelen von Hirschlanden oder vom Glauberg erinnerte. Und ziemlich am Schluß — ein wenig über die neuzeitliche Etrusker-Wiederentdeckung folgte noch — sah man das Standbild des Aule Metele. Der sieht wie ein Römer aus, gibt sich aber durch eine Inschrift als waschechter Etrusker zu erkennen. Und zwischen Grabstele und Aule Metele nahm das große Spannungsfeld zwischen etruskischen Eigenständigkeiten, etruskischer Produktion im dominierenden griechischen Stil und griechischen Importen einen breiten Raum ein.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Dieses Spannungsfeld ist ein Klassiker der Etrusker-Rezeption. Ein paar Tage nach der Ausstellung fand ich in einem Münchner Weisser-Rabe-Gebrauchtwarenkaufhaus ein Buch über die „Etruskische Kunst“ von 1969 mit 20 Seiten bebildertem Text und 90 zusätzlichen Seiten mit Fotografien. Dieses Buch arbeitet sich auch schon intensiv an diesem Thema ab. Ich will nicht tiefer auf den Text eingehen, weil darin seinerzeit Belegbares fließend in Vermutungen des Autors über die etruskischen Verbindungen zu den Griechen übergeht. Und bei dem damals nur Vermuteten müßte sich durch die vielen Ausgrabungen der letzten 50 Jahre einiges getan haben. Es ist aber sicher sehr interessant mit solchen Gedankengängen tiefer einzusteigen. Was würde man selber mögen? Das, was als verbleibende etruskische Eigenständigkeit identifiziert wird? Oder die vermutlichen Importvorlieben? Oder das, was sie lieber ausgelassen haben? Karlsruhe hat den „Kopf einer Terrakottastatue des Gottes Hermes/Turms“ für sein Ausstellungsplakat verwendet. Der soll so etwas wie die etruskische Mona Lisa sein. Wo beginnt bei dem die etruskische Eigenständigkeit? Und wenn er einem gefällt - paßte er überhaupt noch zum Stilgefühl der Zeit Aule Meteles?

Etrusker-Ausstellungen gab es aktuell im deutschsprachigen Raum einige. Die des Badischen Landesmuseums wurde als die „seit vielen Jahren größte deutsche Etrusker-Schau“ charakterisiert. Ich weiß nicht, inwieweit das zutreffend ist. Ich kenne auch keinen vergleichenden Artikel über die aktuellen Etrusker-Ausstellungen. Beim Blick in mein altes Etrusker-Buch war dort jedenfalls schon einiges von dem zu sehen, was dann in Karlsruhe ausgestellt wurde. Das Buch hat sogar ebenfalls mit Aule Metele abgeschlossen. Vielleicht konnte man in Karlsruhe mehr Etrusker-Prominenz herbeischaffen als in den anderen Etrusker-Ausstellungsorten, und das Gezeigte wird dann wieder viele Jahre nicht mehr bei uns zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigte schwerpunktmäßig viel Schönes aus den Gräbern der Reichen. Die dafür notwendige Leistung wurde aber von vielen erbracht, von denen in der großen Mehrzahl unbekannt bleibt, wie sie lebten und wie sie begraben wurden. Um an solche Hintergründe zumindest zu erinnern, hat man in einer Ausstellung in der Münchner Archäologischen Staatssammlung — ich vermute es war „Luxus und Dekadenz“ — Vorrichtungen gezeigt, an die Sklaven über Nacht angekettet wurden. Ein umfassenderer Blick auf die Gesellschaft böte vielleicht auch die Möglichkeit nachzuvollziehen, warum sie wie im gegebenen Fall die Etrusker gegenüber den süditalienischen Griechen und den Römern dann so in das Hintertreffen geraten ist.

Fotografieren muß in der Sonderausstellung wieder verboten gewesen zu sein. Ich habe es mittelbar über eine Frau mitbekommen, die eine „Goldene Kammschließe mit plastischer Dekoration“ mit ihrem Smartphone aufnehmen wollte. Sie wurde auch noch von der Vitrine vergrault, um einer Presseführung inklusive einem Fotografen Platz zu machen. Kurz zuvor hatte eine andere Frau die Kammschließe noch unbehelligt fotografieren können, da stand die Aufsicht gerade woanders. Das Fotografierverbot hat sich anscheinend in Zeiten heutiger Smartphone-Gewohnheiten zum Flöhehüten entwickelt, wobei auch das ältere Publikum immer hemmungsloser wird. Einer älteren Besuchergruppe erklärte ihr Führer gerade in die Ohrhörer, daß sie nicht fotografieren dürften, sonst käme die Aufsicht. Dann mußte er selbst hinter zwei im Hintergrund tätig werdenden Teilnehmerinnen herjagen.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Das geschah in dem Bereich, in dem es um etruskische Tempel ging. Via Saaltext konnte man dort erfahren, daß ein bestimmter etruskischer Tempelbezirk als „Begegnungsstätte für Reisende, Seefahrer, Kaufleute und Handwerker aus Griechenland, dem karthagischen Nordafrika und dem Vorderen Orient“ gedient haben mußte. Vielleicht wollten die beiden Damen die Fotos verschicken, vielleicht wollte man sie woanders jemandem auf dem Smartphone zeigen, vielleicht sollten sie zuhause als Inspiration für eigene Gestaltungen dienen. Ich würde überall die durch den Musentempel angeregten Begegnungen sehen - und die versucht man durch das Fotografierverbot auf Null runterzudimmen.

Es gibt nachvollziehbare Begründungen für das Verbot, etwa wenn der Leihgeber einfach nicht will, daß sein Ausstellungstück fotografiert wird. In Karlsruhe hatte das Verbot aber eine bemerkenswerte Besonderheit. Auf der mittlerweile in den „Rückblick“ umgehängten Ausstellungswebseite konnte man sich vier Fotos von Ausstellungsstücken ansehen. Mit etwas Nachsuchen fand man aber auch eine mittlerweile nicht mehr zugreifbare Bildergalerie im Presseservice mit 68 qualitativ wesentlich besseren Bilddateien. Auf der Ausstellungswebseite gab es beispielsweise die Aule-Metele-jpg-Datei in einer Größe von 133 kB, der „hochauflösende“ Aule Metele aus dem Pressebereich brachte 2,32 MB auf die Platte. Im Pressebereich war auch die schon genannte Kammschließe mit 2,29 MB und „die etruskische Mona Lisa“ mit 2,03 MB verfügbar. Diese Pressebilder konnten Medien verwenden und auf ihrer Webseite einstellen. Man könnte jetzt denken: wenn schon ein Fotografierverbot sein muß, aber zu einer Vielzahl von Ausstellungsstücken hochqualitative Bilddateien einfach zugänglich sind und verbreitet werden sollen, warum versucht man nicht irgendwie die Besucher vom Fotografieren auf die Verwendung dieses Bildmaterials abzulenken?

Ergänzend soll auch an den Anspruch des Landesmuseums hinsichtlich seines „Digitalen Katalogs“ erinnert werden: „Das Badische Landesmuseum betreibt mit Nachdruck die Digitalisierung seiner Sammlungsbestände...“. Die Idee solche Digitalisate passend zu Ausstellungen bereitzustellen und über die Ausstellung zu promoten wäre naheliegend. Ich habe nichts von Karlsruher Etrusker-Digitalisaten mitbekommen. Gehen tut das Erstellen und Freigeben von Digitalisaten schon, vor ein paar Wochen ging diese Meldung durch die Sozialen Medien: „Hundreds of Classical Sculptures from the Uffizi Gallery Now Digitized & Put Online: Explore a Collection of 3D Interactive Scans“.

Wie das Fotografier- habe ich auch das Katalogproblem schon früher angesprochen. Für mich wäre es im Sinne einer „Arbeitsbibliothek“ am günstigsten, wenn die Karlsruher Kataloge online ausleihbar wären. Ich könnte dann virtuell mal schnell einen alten Katalog aus dem Regal ziehen und irgendetwas nachschlagen. Die Karlsruher Kataloge gibt es aber nur in gedruckter Form. Den neuen Katalog zur im Dezember beginnenden Ausstellung „Mykene: Die sagenhafte Welt des Agamemnon“ sehe ich auch nur in gedruckter Form angekündigt. Man vergleiche mal das Angebot der MetPublications und bedenke die für so ein Angebot vermutlich notwendige Vorlaufzeit.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Irgendwie bin ich dieses Jahr auch gedanklich bei den alten Begleit-CD/DVDs zu den Ausstellungen hängengeblieben, die einige Jahre lang bis etwa 2010 verkauft wurden. Ich fand die im Nachhinein zunehmend ärgerlich, weil ich mal eine oder zwei aus der Münchner Stadtbibliothek ausgeliehen habe und die gegenüber den Internetmöglichkeiten schon in ihrer Entstehungszeit für konzeptionell überholt hielt und auch von der inhaltlichen Substanz nicht überzeugt war. Der zunehmende Ärger beruhte zum einen darauf, daß keine inhaltliche Unterstützung auf dem Level der stärkeren Kataloginhalte erkennbar war. Anderseits war das Badische Landesmuseum mit der „Entwicklung eines virtuellen Museums für die Highlights der Sammlung 'Karlsruher Türkenbeute'“ 2003 beim Thema Digitalisierung und Museum im Internet vergleichsweise sehr weit vorn. Man könnte denken, da muß man dann nur immer einen Schritt vor den anderen setzen und stellt sich dann automatisch konzeptionell viel besser auf.

Ich habe es mir dann so erklärt, daß die Füße nicht die des Landesmuseums waren, auf deren Basis seinerzeit das virtuelle Museum entwickelt wurde. Ich halte es für gut möglich, daß die Begleit-CD/DVDs in überhaupt keinem geistigen Bezug zum virtuellen Museum entstanden sind. Die waren vielleicht nur dazu da, daß die Oma dem Enkel mit Computer etwas mitbringen konnte. Führend blieb der gedruckte Katalog, und auf den CDs bzw. DVDs sollte nichts sein, was diese Führungsrolle ankratzte. In mein Erklärungsmodell habe ich nun schnell noch die frühe App zur Kykladen-Ausstellung 2012 als im Grunde genommen wesensfremd einsortiert. Das erklärt mir etwas meine damalige Feststellung „ich habe in keinem der ausgehängten Presseartikel einen Hinweis auf die App-Neuerung gesehen“ (was ja eigentlich für eine Neuerung ziemlich fatal ist).

Derzeit läuft im Karlsruher ZKM die Ausstellung „Open Codes“. Ich war da schon drin und sehe bislang nur Nullen und Einsen. Ich hoffe das wird besser, dann werde ich hier berichten. Vom Badischen Landesmuseum erhoffe mir eine tolle Mykene-Ausstellung, erwarte aber erst einmal keine Inspirationen zu „digitalen Welten“ oder einer „Welt als Datenfeld“, wenngleich nun sogar ein „MuseumCamp — Ein Forum für Ihre Ideen“ helfen soll, „um die aktuellen Fragen der Gegenwart anzugehen“.

Samstag, 26. August 2017

„Höhlen und Erdställe“-Ausstellung in Schloss Tollet

Gestern Abend bin ich eine Stunde bei einer Sendung des Freien Radios Freistadt über die Ausstellung „Höhlen und Erdställe-die Erforschung des Unterirdischen“ hängen geblieben. Nach dem Text zur Sendung wird die Ausstellung vom Kulturverein „Kulturama“ veranstaltet. „Der Obmann von Kulturama, Konsulent Ernst Martinek, ist zu Gast bei Otto Ruhsam und erzählt über die Ausstellung aber auch über seinen Bezug zu Freistadt. Die Musik zur Sendung stammt von der Gruppe Bilderbuch.“

Die Ausstellung soll noch bis zum 29. Oktober 2017 zu sehen sein. „Schloss Tollet“ hat mir bis gestern nichts gesagt. Hier die Kulturama-Website mit Angaben zur Anfahrt. Die Ausstellung wäre für München nicht aus der Welt. Ganz interessant mag aber auch die Telefonnummer auf dem Ausstellungsplakat und die Aussage im aufgezeichneten Gespräch sein, daß man hinsichtlich Gruppen von Besuchwilligen sehr flexibel wäre. Die sollen halt anrufen. Also vielleicht tourt jemand mit einer Busladung voll Leuten passend durch die Gegend und braucht noch einen Programmpunkt.

Ich hatte schon früh mal was über Erställe in meinem Blog („Erdstall-Ausstellung in Glentleiten“). Aus dem damaligen Text geht hervor, daß Münchner relativ gut an einen Erdstall hin kämen (via S-Bahn und dann ein paar Minuten hinspazieren). Ob sie da hinein kämen, ist eine andere Frage. Die Links meines jüngsten Eintrags zum Thema Erdställe und Schratzellöcher sollten für diesen Zweck ergiebiger sein. Ich sehe gerade auf www.erdstallforschung.de/Aktuelles.html, daß aufgrund der großen Nachfrage Treffen in verschiedenen Regionen Bayerns angeboten werden. Treffen Ost - Oberbayern, Treffen West - Oberbayern, Treffen Niederbayern - also man möge selbst weitersuchen. Meine alten Links funktionieren da anscheinend noch.

Freitag, 30. September 2016

Maya-Ausstellung beginnt am Sonntag in Speyer

Ab Sonntag kann man sich im „Historischen Museum der Pfalz Speyer“ die Ausstellung „Maya - Das Rätsel der Königsstädte“ ansehen.

Vermutlich werden die meisten von uns höchstens den Namen eines Maya-Experten kennen: den des aus zahlreichen Fernsehdokumentationen bekannten Prof. Dr. Nicolai Grube. Laut Pressetext des Museums ist das Ausstellungskonzept, „das auf rund 1.000 Quadratmetern sowohl neueste wissenschaftliche Erkenntnisse als auch rund 250 hochkarätige Exponate präsentiert“, in enger, mehrjähriger Zusammenarbeit mit ihm entstanden. Wenn Nicolai Grube dann noch als sehr informatives Aushängeschild in den Medien dient - hier im heutigen SWR Forum, dann verdoppelt das doch glatt den Appetit auf die Ausstellung. Diese Dreiviertelstunde SWR Forum sollte man sich auf jeden Fall anhören. Hier noch ein weiterer, kürzerer Hinweis des SWR auf die Ausstellung.

Ein paar Vorzüge Speyers hatte ich schon mal anläßlich einer nur von außen besichtigten Amazonen-Ausstellung erwähnt. Das Projekt Einstig beschreibt ausführlich weitere besuchenswerte Sehenswürdigkeiten in Speyer. Sie sind ebenfalls Speyer-Fans: „Wir verließen Speyer mit der Gewissheit, einen tollen Tag verbracht zu haben.“ Der Eintrittspreis in die Maya-Ausstellung ist aber für normalzahlende Erwachsene mit 14,50 € etwas hoch. Grad wo ich es doch in meinem Speyer-Text mit günstigen Preisen hatte. Mal sehen ob es mit dem eigenen Besuch etwas wird - ich tendiere dazu rein zu wollen - und dann mecker ich hier entweder rum oder finde den Preis ok.

Sonntag, 25. September 2016

Wandernde Zinnfigurenlegion, zurzeit in Osterburken

„Wir sind Legion“ - ok ok, Regensburg war mal Legionsstandort, dann mögen die Regensburger gern auch Legion sein. Ich glaube ich habe Hinweise auf diese Ausstellung in Regensburg gesehen, aber nicht weitergeklickt.

Nun bin ich im „Modellversium Online Modellbau Magazin“ via Nachsehen, ob es da den Limes-Eigenbau von Lars und Sven Modrzik noch gibt (diesen Limes-Eigenbau hatte ich 2009 mal erwähnt), auf einen von Gertrud und Wolfgang Hartung reich bebilderten dreiteiligen Bericht von dieser Regensburger Ausstellung gestoßen („Wir sind Legion“ Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Diese Ausstellung ist etwas ganz Besonderes“ - ich zitiere Wolfgang Hartung inklusive seiner Texthervorhebung. „Bereits im ersten Raum zeigt ein Schaukasten die gewaltige Dimension einer Legion in Schlachtordnung, dargestellt mit ca. 5400 1:72er Zinnfiguren, alle sehr detailliert und historisch genau bemalt.“ usf. Also das war sicher eine sehr sehenswerte Ausstellung in Regensburg, die aber Anfang dieses Jahres schon zuende gegangen ist.

Wer die Ausstellung verpasst hat, wer bislang wie ich nicht viel mitbekommen hatte von dieser Ausstellung: dahinter steht ein Projekt, näheres dazu auf der Website von Thomas Kurtz. Den „Referenzen“ auf der Website kann man entnehmen, wo Ausstellungsstücke des Projektes derzeit zu sehen sind oder wo sie noch zu sehen sein werden. Die Zinnfigurenlegion sollte noch bis zum 30.10. in Osterburken stationiert sein.

Samstag, 7. Mai 2016

Ein Göbekli-Tepe-Blog

Wer mit dem Stichwort „Göbekli Tepe“ etwas anfangen kann, dem kommen vermutlich meterhohe T-förmige Steinpfeiler in den Sinn, irgendwo in der Türkei, irgendwas über 10000 Jahre alt. Und mitbekommen hat man das vermutlich schon vor längerer Zeit. Ging uns jedenfalls so. Göbekli Tepe war für uns schon 2007 ein Begriff, als ich mit Bruder und Schwägerin die Karlsruher Ausstellung „Vor 12 000 Jahren in Anatolien - Die ältesten Monumente der Menschheit“ besuchte. Passend zu dieser Erinnerung ist auf der Website der Terra-X-Doku „Jenseits von Eden - Der Jahrtausendfund - Kultstätte in Ostanatolien“ das Jahr 2004 angegeben. Beim ZDF habe ich diese sehenswerte Doku jetzt nicht mehr gefunden, aber das Einstellen auf Youtube scheint man zu tolerieren. Und für aktualisierten Basiskenntnisse über die Verhältnisse vor Ort kann man die Wikipedia bemühen.

Göbekli Tepe scheint also vor 10 Jahren eine bessere Konjunktur gehabt zu haben. Jedenfalls gab es bei mir irgendwann einen Filmriss, eine weiße Fläche, nur irgendwann unterbrochen durch Meldungen vom Tod des Göbekli-Tepe-Ausgräbers Klaus Schmidt. Aber sie graben dort immer noch! Via Jens Notroff bin ich auf den Blog „The Tepe Telegrams - Breaking News from the Göbekli Tepe Research Staff“ gestoßen. Auf der Website sind Jens Notroff und Oliver Dietrich als „Correspondents“ genannt und an die beiden will ich nun in Sachen Göbekli Tepe übergeben. Nicht ohne sicherheitshalber auch auf die Academia.edu-Accounts von Oliver Dietrich und Jens Notroff zu verweisen - mancher Blog führt ja nur ein kurzes reges Leben. Und das „Göbekligate“-Interview erwähne ich hier auch noch: „Göbekligate! Ein verschwörerisches Interview mit Jens Notroff“.

Anläßlich der Münchner Kykladen-Ausstellung hatte ich die Opulenz der Karlsruher Ausstellungen gepriesen. Nun fand ich in einem Nachruf auf Klaus Schmidt in der Berliner Zeitung die Aussage, daß Göbekli Tepe „mit der Ausstellung in der Karlsruher Kunsthalle 2007“ „international berühmt wurde“. Kunsthalle stimmt nicht, die liegt 10 Fußminuten vom Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss entfernt. Aber wenn das mit der internationalen Bedeutung der Karlsruher Ausstellung stimmt, dann ist das natürlich toll. Und da verweise ich gerne auf die Ausstellung „Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil“, die am 17.12.2016 im Badischen Landesmuseum beginnen soll.

Die Karlsruher Ausstellung fand vor meiner Blogger-Zeit statt - keine Notizen, keine Fotos vom Schloss. Travelwriticus Andreas Susana war mir in solchen Fällen schon eine große Hilfe. In „Hannibal ad Portas - Macht und Reichtum Karthagos“ und in „Römer, Christen, Alamannen - Die Spätantike am Oberrhein“ war ich auch und konnte mich mit seiner Hilfe an schon Vergessenes erinnern. Seine Serie ging zwar bis zur „Schönheit im alten Ägypten“, aber dazwischen hat er eine Göbekli-Tepe-Lücke. Dann suchen wir etwas weiter und finden glücklichweise noch bei Spectrum.de einen Ausstellungsbericht: „Jungsteinzeit: Evolution und Revolution“

Samstag, 12. März 2016

Gewandetes Wandern 2016 von Schloss Nymphenburg zur Blutenburg

Auch in diesem Jahr soll es wieder am Ostermontag ein Gewandetes Wandern vom Nymphenburger Schloss zur Blutenburg geben. Ostermontag ist dieses Jahr am 28. März. Also es bleibt im Gegensatz zu meinem letztjährigen Hinweis noch genug Zeit, um den Termin einzuplanen. Die diesjährige Startuhrzeit sowie Fotos und ein Video von bisherigen Wanderungen entnehme man dieser Facebook-Seite.

Schloss Nymphenburg

Letztes Jahr hatte ich ganz kurzfristig etwas von der Wanderung mitbekommen und in „Herxheimer Hügelgräber und Nymphenburger Gewandete Wanderer“ darüber geschrieben. Zumindest für eine zusätzliche Zuschauerin konnten wir durch einen mündlichen Hinweis noch sorgen.

Magdalenenklause im Nymphenburger Schlosspark

Letztes Jahr waren meine Nymphenburg-Fotos durch „Ein Sommerschloss im Winter“ im Blog „Quizzy zeigt euch München“ inspiriert und entsprechend winterlich. Für den aktuellen Eintrag habe ich gesucht und Fotos vom 18.3.2012 gefunden, die geben vielleicht eine bessere Orientierung wie es in den nächsten Wochen im Park und im angrenzenden Botanischen Garten bei gutem Wetter aussieht.

Tulpe Early Harvest

Passend zum dem Bekleidungs-Thema gibt es bei Quizzy/Renate einen Eintrag über die mittlerweile beendete Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung in der Münchner Kunsthalle: „Pariser Chic unterm weiß-blauen Himmel“.

Botanischer Garten München

Einleitend hatte ich letztes Jahr auch auf das Projekt „Einstig“ verlinkt. Dort steht aktuell sogar ein Fotoshooting an: „Wir bereiten uns auf das Steampunk-Fotoshooting vor - und das ist umfassender als am Anfang gedacht“. Dieses Steampunk-Fotoshooting soll am 19.03.2016 im Pfälzer Wald stattfinden. Wer sich unter Steampunk nichts vorstellen kann, werfe mal die Bildersuche nach dem Begriff an und lese den Blog-Eintrag. Für nahe Karlsruhe Wohnende („Aktivitäten sind alle im Umkreis (bis ca. 100 km) von Karlsruhe“) könnte ein Blick auf die „Kommenden Aktivitäten“ des Projekt „Einstig“ interessant sein („Im Forum für Aktivitäten ist jeder Willkommen, sich auszutauschen und an Treffen teilzunehmen“). Und die Steampunk-Fans müssen nach dem Fotoshooting mal wegen den Fotos wieder reinsehen.

Gewöhnliche Kuhschelle

Das Projekt Zeiteninsel, „Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land“, hatte ich 2012 und 2013 in kurzen Hinweisen verlinkt. Fünf Zeitstationen von der Mittelsteinzeit über die Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit bis hin zur Römischen Kaiserzeit sollen sich schließlich ringförmig um eine zentrale Insel verteilen. Es sieht nach einem Erfolg dieses ambitionierten Projekts aus! Ich verlinke mal auf das „Das vorweihnachtliche Geschenk“. Da geht es um einen Bewilligungsbescheid des Landes Hessen über 4,78 Mio. Euro. Der zweite Link führt zu einem Besuchsbericht von der Ausstellung „Bärenkult und Schamanenzauber“, die derzeit im Archäologischen Museum Frankfurt angeboten wird.

Münchner Botanischer Garten

Seit mehr als fünf Jahren stellt Werner Lang immer wieder neue „News“ auf limeswanderweg.info ein. Sein aktuell letzter Eintrag enthält 20 sehenswerte Limesturm-Fotos. Auf meinen paar Touren mit den Limes-Cicerones habe ich zwar nur einen wesentlich kürzeren Teil des Limes als Werner Lang gesehen, kann aber seine Turmsammlung um die in meinem Limes-Cicerones-Eintrag an dritter und vierter Stelle gezeigten Türme ergänzen. Die beiden Türme 3 + 4 waren aber sicher nicht als ernsthafte Nachbildungen gedacht. Turm 1 hingegen war eine Rekonstruktion nach Stand der Erkenntnisse. In ihm sollen auch Steine des Orginalturmes verbaut worden sein und er soll richtig Geld gekostet haben. Turm 2 war nach wissenschaftlichem Stand immer schon falsch, man gewinnt aber zumindest eine Vorstellung von der Aussicht, die man von oben hatte. Der Turm ist, sofern ich mich richtig erinnere, günstig durch die Arbeit örtlicher Vereine erstellt worden. 1 + 2 müßten Turm 14 und 15 in der Sammlung von Werner Lang sein.

Große Kaskade im Nymphenburger Schlosspark

Mein Eintrag „Andere Welten oder andere Zeitschichten?“ ist in einer etwas verlängerten Zeit „zwischen den Jahren“ entstanden. Ich habe den Text immer wieder liegen gelassen. In der Zeit stieß ich via Hermines Mitleseblogs auf den Blog Lebenstage / Waldvierteltage und bin dort länger durch die Einträge der letzten Monate und Jahre gescrollt. Häufig mit dem Gedanken, mir diesen oder jenen Eintrag nochmal genauer anzusehen.

Montag, 16. März 2015

„Klein, aber fein“

Gestern waren wir in „Kykladen - Frühe Kunst in der Ägäis“ in der Münchner Archäologischen Staatssammlung. Das ging mit dem Besuch nun doch ganz flott. Ich hatte erst im letzten Monat auf den Start der Kykladen-Ausstellung hingewiesen. Und vor dem Besuch hatten wir sogar schon eine Rückmeldung per Kykladen-Ansichtskarte bekommen: „Klein, aber fein“.

Archäologische Staatssammlung München

Die Bewertung trifft den Sachverhalt ganz gut. Die Spekulationen über die Bestückung der Ausstellung in meinem oben genannten Eintrag waren überhaupt nicht relevant - die Ausstellung ist verglichen mit der Karlsruher Kykladen-Ausstellung wesentlich kleiner. Dabei wurde nicht nur bei den Exponaten ausgedünnt. Der thematische Bogen ist nun wesentlich weniger breit gespannt.

Archäologische Staatssammlung München

Die griechischen Tannen für die Langboote, ihre Verwendung, ihr Aktionsradius, die Drehscheibenfunktion der Kykladen und die Ablösung durch die gesegelten Schiffe der Minoer - das spielt in der Münchner Ausstellung keine oder kaum eine Rolle. Nun gut, viel davon ist Spekulation auf Basis spärlicher Überreste. Es gab aber eine bessere Vorstellung von der Kraft und Dynamik, die hinter der Kultur steckte.

Archäologische Staatssammlung München

Ich bin in Karlsruhe bei der unbeantworteten Frage nach einem Nachwirken der Kykladen-Kultur bei Minoern und Mykenern hängengeblieben. Ich hatte dort nichts davon mitbekommen, daß sie die „Idole so aufgegriffen und in ihr Schaffen eingebaut hätten wie Pablo Picasso oder Henry Moore.“ Dieses in Karlsruhe dargestellte Aufgreifen durch die Moderne ist in München auch entfallen. Was vielleicht im Blick auf eine Profilbildung gegenüber dem nahen Haus der Kunst ein Versäumnis ist. Ich habe immer noch das Vorurteil, daß dieselbe Ausstellung unter dem Kunstetikett im Haus der Kunst mehr als 10mal soviele Besucher anziehen würde. Anderseits sind wir mit dieser Abstraktion aufgewachsen, was brauchen wir Verweise auf Picasso und Moore? Die wirklich an Kunst Interessierten werden auch so den Weg in die Archäologische Staatssammlung finden.

Archäologische Staatssammlung München

Also noch ein paar Ausstellungsstücke mehr aus der Kykladen-Kultur selbst wären nett gewesen. Platzmäßig wäre das gegangen. In den üblicherweise für Sonderausstellungen genutzten Raum hätte man noch einiges stellen können. Daneben belegt die Kykladen-Ausstellung auch noch im klassischen Dauerausstellungsbereich den geöffneten ebenerdigen Teil. Von der Dauerausstellung ist aktuell nur die Römerzeit im Keller zu sehen. („In den Abteilungen Vorgeschichte, Mittelalter und Neuzeit, der Mittelmeersammlung und Numismatik werden derzeit dringende Renovierungsarbeiten durchgeführt.“)

Archäologische Staatssammlung München

„Klein, aber fein“ - die Ausstellung ist zwar nicht groß, ist aber trotzdem sehr schön und empfehlenswert. Die schönen Exponate und ihre Beschriftungen sind gut zu erkennen und auch inklusive der schon kritisch gewesenen Gesamt- und Objektbeleuchtung angemessen repräsentiert. Und die gesparte Zeit kann man bestens nutzen, in dem man eine Pause mit einem Kaffee von der Museumskasse und einen Spaziergang im Englischen Garten mit einplant.

Archäologische Staatssammlung München

Der Eintrittspreis ist für die Ausstellung okay. Man könnte dafür noch ein paar Exponate im Sonderausstellungsraum haben wollen. Aber wenn man zum für München günstigen Kaffee in der Archäologischen Staatssammlung ein wenig isst, ist man schon im Bereich des Eintrittspreises, und so gesehen wäre ein Nachfordern bei der Ausstellung kleinlich. Die opulente Karlsruher Ausstellung war dann aber schon ein Schnäppchen dagegen. Wer damit Probleme hat, kann aktuell im „Großen Katalogsonderverkauf“ versuchen ebenfalls Schnäppchen zu ergattern. Manches davon sollte es noch zu unseren Lebzeiten im Internet deutlich besser geben. Kataloge mit vielen Seiten relativ klein und schwarz-weiß fotografierter Münzen - die kamen mir nicht in die Tüte. Und generell bin ich skeptisch was die Zukunft dieser Art der gedruckten Kataloge angeht. Wurde dann aber doch mit angeblichem Platz auf dem Regal von fünf mittelgroßen und kleineren Katalogen zu 3 Euro das Stück überzeugt.

Sonntag, 8. März 2015

Rom-Links

Am Mittwoch beginnt die Forum-Romanum-Ausstellung in der Münchner Glyptothek. Weiterführendes zu Rom gibt es jede Menge im Netz. Ich will jetzt nur als Nachtrag zum letzten Eintrag auf die Website des digitalen forum romanum sowie auf ein paar ganz frische Links verweisen.

Das Berliner Projekt zum „digitalen forum romanum“ erwähnte Dr. Martin Boss in einem der beiden Videos, die ich im letzten Eintrag verlinkt habe. Diese Website und die Videos stehen also in direktem Zusammenhang mit den Holzmodellen, die in der Glyptothek gezeigt werden. Die frischen Links gibt es zum einen auf mehrere Einträge verteilt im Bambooblog Hamburg. Ulrike Hecker berichtet darin von ihrer aktuellen Rom-Reise, auf der sie in einem zentral gelegenen Hotel „unweit vom Bahnhof Roma Termini“ untergekommen ist. Und „wer mit dem Zug anreist, der kommt in Roma Termini (Hauptbahnhof, mitten in Rom) an“, schreibt Claudia-Maria Behling in ihrem archaeologos-Blog. Sie will ebenfalls mehrere Einträge über Rom einstellen, steht aber mit „archaeologos auf Reisen: Rom I – die Basics“ bislang noch ganz am Anfang.

Wie aus den Bemerkungen zu den zwei Holzmodellen des Forum Romanums und aus den Videos schon hervorging, soll es in der Ausstellung auch um Veränderung gehen. Auf der Website „digitales forum romanum“ wird der Aspekt schon besonders deutlich. Zu dem Blickwinkel passt der aktuelle Beitrag von Stefanie Pietkiewicz „Advanced modeling software explores whether Augustus Caesar really transformed Rome“. Und was die Leute zu einem bestimmten Zeitpunkt dort bewegt hat, davon verschafft ein von Hiltibold besprochenes Buch einen Eindruck: „Buch: Briefe an den Bruder Quintus - oder: Römisches Alltags-Allerlei“.

Wie schon häufiger empfehle ich auf den Blogs weiter herumzustöbern. Hiltibold sollte schon bekannt sein, den hatte ich schon früher verlinkt. Im Falle des Bambooblogs sind die Einträge Ulrike Heckers zu Rom zwar schon sehr umfangreich, aber Rom liegt nicht in ihrem Schwerpunkt! Ebenfalls empfehlenswert ist ein Blick auf die von Ulrike Hecker verlinkte Website family4travel. Ich habe da mal den Link auf die ganz frische Zeitreise in das Archäologische Museum von Thessaloniki unterlegt. Bei Claudia-Maria Behling bin ich natürlich gespannt auf die weiteren Rom-Tipps, und die werden wie die von Ulrike Hecker für unsere irgendwann geplante Rom-Reise gesammelt. Daneben bin ich seehr interessiert wie es auf ihrer Technik-Schiene weitergeht. Hier in archaeologos goes eday:15 beschreibt sie ein paar Beispiele, bei denen die heutige Technik in der Archäologie eingesetzt wird. Zu dem Thema auch ein interessanter Artikel bei golem.de: „Drohne, Bodenradar, 3D-Drucker: Nur Geeks können Archäologen sein“

Montag, 2. März 2015

Forum-Romanum-Ausstellung in der Glyptothek

Am 11.3.2015 beginnt in der Münchner Glyptothek die Ausstellung „Im Zentrum der Macht“. Mit der Macht ist das Imperium Romanum gemeint, und dessen Zentrum war das Forum Romanum in Rom. Von dem Forum werden zwei Holzmodelle zu sehen sein. Was es da sonst noch so in der Glyptothek gibt, entnehme man den verlinkten Blogs in meinem alten Eintrag über die Münchner Glyptothek von 2010. Das aktuell angezeigte Foto stammt auch von damals. Die meisten Links funktionieren noch, wenn auch manche ihr Angebot vom Netz genommen haben. Schade.

Glyptothek München

Die Holzmodelle sind unter der Leitung von Dr. Martin Boss an der Universität Erlangen entstanden und zeigen das Forum Romanum in spätrepublikanischer und augusteischer Zeit. Wer sich interessiert möge die folgenden beiden Videos mit Dr. Martin Boss ansehen. Die Videos sind etwas länger, knapp 40 und 60 Minuten, aber sehr kurzweilig und wirklich sehr empfehlenswert. Im ersten Video, „Die Antikensammlung Erlangen in Zeiten von digital humanities“ gibt es zunächst Interessantes darüber zu hören, was man mittels Scans alles herausfinden kann. Später geht Dr. Boss auch auf die Forum-Romanum-Modelle ein. Im zweiten Video „Führung in der Gipsabgusssammlung der FAU mit Dr. Martin Boss“ stehen die Modelle schon nach ein paar Minuten im Mittelpunkt.

Im ersten Video sind auch Münzen ein prominenteres Thema, im zweiten Video werden sie erwähnt. Für die Münz-Interessierten als Zugabe der noch frische Link auf die „Innovations in Roman Coinage“. Wer sich in römischer Architektur vertiefen will, möge sich bei dem noch bis 5. Mai laufenden MOOC Roman Architecture anmelden. Ich hatte den Kurs zusammen mit dem Stonehenge-MOOC erwähnt.

Normalerweise schaue ich schon noch bisschen herum, was gerade sonst noch angeboten wird, wenn ich die MOOCs als Hauptthema habe. Werde mich aber im Januar auf Iversity, edx und Coursera beschränkt haben und dadurch ist mir der Start des Portus-MOOCs völlig entgangen: „Archaeology of Portus: Exploring the Lost Harbour of Ancient Rome“, der ist mittlerweile in Week 6 of 6. Auf der Website der University of Southampton gibt es noch interessante Zusatzinformationen About Our MOOC.

Freitag, 6. Februar 2015

Kykladen-Ausstellung in München

In einer Woche beginnt die Ausstellung „Kykladen - Frühe Kunst in der Ägäis“ in der Münchner Archäologischen Staatssammlung. „Die Kykladenidole werden im Zentrum einer für Februar 2015 geplanten Sonderausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München stehen, die eine vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe konzipierte Schau aufgreift.“ steht dazu auf der Website. Was immer das auch heißen mag, einen längeren Text über die in Karlsruhe gezeigte Kykladen-Ausstellung hätte ich zu bieten.



Kykladen-Idol (Nachbildung)

Wenn es konkret um den Besuch dieser Zeugnisse der Kykladenkultur in München geht, dann wäre schon interessant wieviel davon letztendlich zu sehen ist. Ich will so oder so rein und freue mich auf ein Wiedersehen. Aber die Ausstellungen, die ich in den letzten Jahren in Karlsruhe besucht habe, waren sehr opulent. Da war das Größenverhältnis zur „Ötzi 2.0“-Austellung in der Archäologischen Staatssammlung gegenüber dem, was man sich von den unterschiedlichen Größen der Städte her vorstellen würde, gerade umgedreht.

Wobei ich zu aufgebahrten Ötzis ob echt oder aus Plastik sowieso nicht so den Bezug habe. Die Tage ist vorbeigetwittert, daß neue Tatoos entdeckt wurden, und ich habe die Links nicht angeklickt, um nicht wieder ein Archivbild des ganzen Ötzi sehen zu müssen. „Die Mumie aus der Inkazeit“ in der Archäologischen Staatssammlung habe ich natürlich ganz sein gelassen. Und ich will auch der Archäologischen Staatssammlung keinen Vorwurf wegen zu geringem Ressourcen-Einsatz machen - ich weiß nicht, wie sie navigieren muß, um uns noch etwas bis zur Sanierung, Erweiterung oder zum Umbau des Museums anbieten zu können.

Auch opulente Karlsruher Ausstellungen können auf Teilflächen dünner besetzt sein, siehe mein Kykladen-Text. „Vielleicht steht das im Zusammenhang mit erwarteten Ausstellungsstücken aus Griechenland, die man aufgrund eines Streits um Raubgrabungen nicht bekommen hat.“ Aber anderen ist das nicht einmal aufgefallen: „In einer kleinen Presseschau im Eingangsbereich des Schlosses wird ein Schaden für die Ausstellung entweder nicht angesprochen oder durch zwei Autoren verneint. Interessanterweise mit demselben Argument, dem großen eigenen Bestand der Karlsruher.“

Wie dem auch gewesen ist, der Knatsch mit den Griechen ist vorbei. Hier Links zum Deutschlandradio („Deutsch-griechische Kulturversöhnung“) und zum SWR (Susanne Kaufmann über die Rückgabe geraubter Kykladenkunst aus Karlsruhe an Griechenland). Also beste Voraussetzungen für München, sei es vom verbliebenen Bestand der Karlsruher oder von ihren Kontakten zu Leihgebern her gesehen.

Letztes Jahr ist die Archäologische Staatssammlung wegen dem Bernstorfer Gold und Bernstein in die Medien gekommen. Meine kleine Zusammenstellung dazu Ende Oktober: Bernstorfer Sensationsfunde - zu schön, um echt zu sein?. Es gab dann den Vortrag von Prof. Ernst Pernicka, von dem der Archäologische Verein Freising auf seiner Website zunächst die Zusammenfassung „19.11.2014: Indizien für die Echtheit des Bernstorfer Goldes fehlen - Prof. Pernicka füllt Hörsaal bis auf den letzten Platz“ und dann Videos von Vortrag und der anschließenden Fragerunde eingestellt hat. Die Archäologischen Staatssammlung reagierte auf die Diskussion mit einer pdf-Datei mit „Fragen und Antworten zum Gold von Bernstorf“. Aktuell ist die Datei unten auf der Startseite des Museums nach dem Text „Informationen zur Bernstorf-Forschung“ verlinkt.

Zum Bronzezeit Bayern Museum hatte ich Ende Oktober gefragt, warum es so still ist, „könnte man nicht einen News-Ticker etablieren der alle gefundenen Stimmen verlinkt, auch die kritischen?“. Auf der Museums-Website gibt es mittlerweile unter „Aktuelles“ etwas zum Thema: „Aus Anlass der Medienberichterstattung über neuere Untersuchungen des Bernstorfer Goldfundes möchte die Gemeinde Kranzberg mitteilen: ...“. Näheres lese man bitte dort weiter.

Im oben genannten pdf der Archäologischen Staatssammlung findet sich folgendes zu den Messergebnissen des „Labors von Prof. Pernicka“: „Die Publikation der Mess-Ergebnisse sollte im Rahmen des Gesamt-Projektes nach einer wissenschaftlichen Diskussion erfolgen. Die Herauslösung der Ergebnisse als Vorabpublikation erschwert für die Öffentlichkeit im Augenblick das Gesamtverständnis des Fundes.“ An diese Publikation gelangt man via dieser Zusammenstellung auf der Website der Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH . Bei den verlinkten academia.edu-Artikeln nach „Zur Frage der Echtheit der Bernstorfer Goldfunde“ suchen.

Im Dezember-Programm der Archäologischen Staatssammlung war der Vortrag „Der Bernstorfer Berg im Ampertal, seine außergewöhnlichen Befestigungen und Funde - ein Bayernkrimi?“ von Prof. Rüdiger Krause angekündigt. Keine Ahnung was alles Wichtiges gesagt wurde. Ein Video wie vom Pernicka-Vortrag wäre nett gewesen. Von mir aus könnten solche Videos auch kostenpflichtig sein. Ein oder zwei Euro, wenn sich mal eine Plattform mit einfachem Bezahlmodell etabliert hätte? Der Eintritt in den Krause-Vortrag hatte glaube ich 4 Euro gekostet. Aber was kann man alles verlangen, und wo reichen die Ressourcen nicht mehr aus, um in allen Ecken Einarbeitung in die Technik und dann Erstellung und Wartung zu gewährleisten? Ich möchte an die niedrigen Bearbeitungsstände erinnern, die Prof. Raimund Karl in seinem in „Stonehenge-MOOC hat begonnen“ verlinkten Text angegeben hat.

Ein ganz anderes Thema zum Schluß: „Informatiker fordern uneingeschränkte, starke Verschlüsselung für Jedermann“ meldet heute die Gesellschaft für Informatik. Bei Golem gibt es heute einen Artikel „GnuPG braucht Geld - und bekommt es“. Sehr wenig ist da möglich, verglichen mit dem riesigen Aufwand für das Eindringen und Abhören, aber immerhin. Wer selbst mit dem Email-Verschlüsseln anfangen will: am Montag startet der openHPI-Workshop Sichere Email. In dem Youtube-Video „Sichere Email“ stellt Prof. Christoph Meinel den Kurs vor. Von den Buchempfehlungen sollte man sich nicht abschrecken lassen und stattdessen auf die openHPI-üblichen verständlichen Tutorials vertrauen. Also wer etwa täglich im Büro Emails versendet und das noch nie verschlüsselt gemacht hat, kann hier entsprechende Erfahrungen sammeln und sich die erfolgreiche Teilnahme bestätigen lassen.

Samstag, 8. Februar 2014

„Ötzi 2.0“ in der Archäologischen Staatssammlung

Seit gestern ist in der Münchner Archäologischen Staatssammlung die Ausstellung „Ötzi 2.0 - Neues von der Eismumie“ zu sehen.

„2.0“ oder „3.0“ zeigen als Versionsnummern eine größere Veränderung gegenüber den Vorgängerversionen an als „1.9“ oder „2.9“. Man erwartet da vielleicht schon einen Generationswechsel, was immer das dann für die Produkte bedeuten mag. Speziell die Versionsnummer „2.0“ hat durch das Schlagwort „Web 2.0“ eine große Verbreitung gefunden. Beim Web 2.0 ging das in Richtung „Mitmachweb“, veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internets, das war verglichen mit den sanften Generationswechseln mehr ein Paradigmenwechsel.

Bei der Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung darf man zwar mitmachen - man darf auf „interaktiven Modulen“ herumdrücken und einige Mikroskope stehen für eigene Untersuchungen bereit. Aber die Ergebnisse fließen natürlich nicht in die Ötzi-Forschung ein. Die „2.0“ drückt auch keinen Paradigmenwechsel aus, sondern mehr die aktuelle Generation des Wissens, das man in den zurückliegenden Jahren gewonnen hat. Die „2.0“ ist also mehr die normale Versionsnummer, deren technische Anmutung hat man gerne für die Ausstellung übernommen hat: wie schon in der Karfunkelstein- und Seide-Ausstellung vorgezeichnet, soll die Verbindung von Archäologie und Naturwissenschaften deutlich werden. Zudem gibt die Versionsnummer der Hoffnung Ausdruck, daß es weitere sensationelle Erkenntnisse und mithin irgendwann auch einen Ötzi 3.0 und einen Ötzi 4.0 geben wird.

Mit diesen Erklärungen für „Ötzi 2.0“ kommt man in der Ausstellung fast schon hin. Zu ergänzen wäre noch, daß die Münchner Ausstellung vom Südtiroler Archäologiemuseum Bozen konzipiert wurde (andere gehörte Formulierung: „kompakte Form dessen, was es in Bozen zu sehen gibt“) und daß es in Bozen zum 20. Jahrestag des Ötzifundes 2011 eine „Ötzi20“-Ausstellung gab und daß das in München verkaufte „Ötzi 2.0“-Buch von 2011 ist und von der Bozener Museumschefin Dr. Angelika Fleckinger herausgegeben wurde. Da habe ich das Nachsuchen zur Historie abgebrochen, wie die 20 mit der 2.0 zusammenhängt ist mir unbekannt geblieben.

Bozen ist der aktuelle Aufbewahrungsort von Ötzi. Die Geokoordinaten der Fundstelle von Ötzi und die Diskussionen um die Zuordnung zu Südtirol oder Österreich kann man dem Wikipedia-Artikel zu Ötzi entnehmen. Die Fundstelle ist von München aus nicht so aus der Welt. Nur mit Karte und ohne tiefere Ahnung meinerseits gesagt, wäre die Strecke für einen Ötzi auf vorhandenen Jungsteinzeitpfaden gut machbar gewesen. In das Karwendelgebirge geht es ja außerhalb der Winterzeit noch einfach, das habe ich mal in „Alpine Contrasts“ geschrieben. Von dort rüber in das Inntal und vom Inntal in das Ötztal und dann hoch zum Fundort.

Wie die Situation da oben so in etwa ausgesehen hat, also wo vielleicht die damaligen Verbindungen über die Wasserscheide verliefen und wo Ötzi in das 5000jährige Eis geraten ist, dazu hat mir im Nachhinein ein klassisches Modell gefehlt. Wäre ja nicht schlecht zu sehen, wo und wie sich der Bogenschütze anschleichen konnte, wenn Ötzi tatsächlich da oben durch einen Pfeilschuß getötet wurde. Ansonsten wird in der Ausstellung der Ötzi-Fund aber wie es zu erwarten ist in sehr sehr vielen Facetten ausgeleuchtet. Die Umstände des Fundes, die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Fund, die Abfolge der Erkenntnisse in der Ötzi-Forschung, die orginalgetreu rekonstruierten Ausrüstungsgegenstände Ötzis, die zeitliche Einsortierung Ötzis lange nach den ersten Bauern in Mitteleuropa und vor den großen Pyramiden, das Klima, die Lebensumstände. Man kann in einem interaktiven Modul sehen, wie die einzelnen Kleidungsstücke getragen wurden. Man kann an einer Station Fell und mitgenommene Pilzarten anfassen und das unterschiedliche Gewicht und die unterschiedliche Beschaffenheit der verwendeten Holzarten feststellen. Überhaupt ist die Ausstellung sehr auf dieses Erfahren von Wissenschaft ausgerichtet. In einem vom Hauptraum abgetrennten Bereich sind die genannten Mikroskope aufgebaut und man kann sich dem Erforschen verschiedener Getreidearten, den unterschiedlichen Spuren an Zähnen oder der Untersuchung gebrochener Knochen widmen.

Der große Hauptraum der Ausstellung ist in ein Rechteck und ein an zwei der Rechteckseiten anliegendes größeres L geteilt. Diese beiden Teile sind ziemlich dunkel gehalten. Die meisten Austellungsmodule sind selbstleuchtend, also Schrift auf einer leuchtenden Fläche oder Auswahlfeld hintergrundbeleuchtet und angezeigte Kleidung ebenfalls hintergrundbeleuchtet. In dem Rechteck ist die gegenüber dem Eingang liegende Langseite mit solchen Modulen bestückt, so daß man beim Hineingehen auf ein paar helle Module zuläuft, was mit etwas Deko am Eingang an einen Gletscher denken lassen soll. Wurde mir hinterher gesagt, ich habe irgendwie nur die Module fixiert und das nicht gemerkt. In der Mitte dieses Rechtecks ist im Dunkeln eine Ötzi-Replik aufgebahrt. An der anderen Langseite ein einsamer waagrecht angebrachter Zeitstrahl - wohl in dem Fall ein Horizontal- oder Längsmodul. Der Zeitstrahl reagiert segmentweise mit seiner Beleuchtung auf Annäherung - vielleicht hätte der Zeitstrahl wegen dem dunklen Ötzi davor und den Modulen gegenüber permanent heller leuchten müssen. Etwas komisch fand ich die Aufstellung von zwei interaktiven Modulen im Übergang vom Rechteck in den L-Teil. Passend damit ich etwas zum Anschwärzen sehe, wollte vor mir ein von Dunkelheit umgebener Rollstuhlfahrer durchgeschoben werden, während vor den beiden hellen Modulen jeweils Leute standen. In beiden Raumteilen hätte es noch genug Platz an dunklen Wänden gegeben.

Verständlicherweise - man braucht ja noch das Forschungsmaterial für Ötzi 3.0 und 4.0 - ist von der Ötzi-Ausrüstung in der Ausstellung fast nichts im Orginal zu sehen. Nur ein Ahornblatt tief unter Glas, das Ötzi für das Einwickeln von Glut verwendet hat. Und „eine Life-webcam ist direkt mit der Kühlkammer“ des originalen Ötzi „in Bozen verbunden“. Ich habe nichts erkennen können, was ich aber auch nicht schlimm gefunden habe.

Ötzi-Fans müssen natürlich in die Ausstellung, wenn sie nicht lieber gleich nach Bozen fahren. Die Münchner Ausstellung ist nicht als Ersatz, sondern als Werbung für das Südtiroler Archäologische Museum gedacht. Leute mit Forscherdrang dürfen sich an mehreren Stationen endlich einmal selbst mit der Altersbestimmung aus Schädeln und ähnlichem beschäftigen. Eltern mit entsprechend interessierten Kindern sollten Zeit einplanen. Vielleicht wären da auch die angebotenen „Workshops für Erwachsene und Kinder“ eine nette Idee. Außer wegen den Veranstaltungen zur Ötzi-Ausstellung empfiehlt sich auch wegen der Möglichkeit einer Kombination mit der kommenden Sonderausstellung „Die Mumie aus der Inkazeit“ ein Blick auf die Museumswebsite. Diese Ausstellung soll ab 28. Februar in der Archäologischen Staatssammlung starten und dann wie die Ötzi-Ausstellung bis zum 31. August dauern.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Pompeji in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Am 16. November waren wir in „Pompeji — Leben auf dem Vulkan“. Die Ausstellung in der Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung war am Tag zuvor für die Allgemeinheit geöffnet worden und soll dort noch bis zum 23. März 2014 zu sehen sein.

Im Kopf hatte ich noch die Bilder mehrerer Besuche von „Luxus und Dekadenz — Römisches Leben am Golf von Neapel“ 2009 in der Archäologischen Staatssammlung. Hinzu kam ein in der Zeit dieser Wanderausstellung häufig in Phoenix wiederholter Film über die römischen Luxusvillen am Golf von Neapel. Zuvor fanden 2006 ebenfalls in der Archäologischen Staatssammlung „Die letzten Stunden von Herculaneum“ statt. Und als „Vorspann“ gab es 1999 im Münchner Haus der Kunst die Ausstellung „Odysseus — Mythos und Erinnerung“, da spielten die Grotte des Tiberius bei Sperlonga und das Nymphäum des Kaisers Claudius in Baiae eine große Rolle.

Aber die schönen Sachen der alten Römern sieht man ja gern öfters. Eher hätte ich deshalb mit der Pompeji-Ausstellung noch warten können, weil ich etwas in ganz anderer Richtung befürchtete: eine Dramaturgie in der Art „Die letzten Tage von Pompeji“, etwas zum Verfall des heutigen Pompeji (ab und zu stürzt ja dort eine Mauer ein) oder ganz viele Hohlraum-Ausgüsse von Toten. Und das habe ich in dieser Novemberphase nicht gebraucht (jetzt geht es wieder, jetzt brauche ich nichts für den größer werdenden Dezemberstress). Aber ich ging mit und ich fand nichts Herunterziehendes in der Ausstellung. Sie ist „schön“, also so in der Art „Luxus und Dekadenz“ und „Odysseus — Mythos und Erinnerung“. Keine zusammengestürzten Orginalmauern in der Ausstellung, wenig Ausgüsse, und die in einem Raum konzentriert.

Die ausgestellten Mosaiken und Wandmalereien sind museal, also schon für die Ausstellung in Museen aufbereitet. Es wird hochrangigstes Kunsthandwerk gezeigt. Die Ausstellung wird auch Kunstausstellungsinteressierte ansprechen, die es nicht so mit den alten Römern haben. Hinsichtlich der Kunst will ich nicht über die Feinheiten spekulieren, etwa ob die räumlichen Voraussetzungen oder die Erfahrung mit Kunstausstellungen eine stärkere Rolle spielten, aber die Sammlung Gladiatorenhelme fand ich für archäologische Objekte fast schon zu eindrücklich. Die blieben in einem ebenfalls zum Gladiatoren-Thema gestalteten kleinen Raum der Luxus-Ausstellung einfach nur archäologische Ausstellungsstücke.

Eingangs der Pompeji-Ausstellung steht die Archäologie noch merklicher mit im Vordergrund. Da werden Zeugnisse früherer Vesuv-Ausbrüche gezeigt und die zeitliche Dimension spielt auch eine größere Rolle — man hat bronzezeitliche und eisenzeitliche Katastrophen nachweisen können. Auf der Website der Hypo-Kulturstiftung ist eine „Fußspur in der Ascheschicht eines vorgeschichtlichen Vesuvausbruches“ aus dem Eingangsbereich zu sehen. Aber schon dieser Eingangsbereich wird dominiert von „schönen“ kaiserzeitlichen Werken. Im ersten Raum etwa das wie ein Tafelbild gehängte „Mosaik mit der Darstellung eines Skeletts“ und das Bild „Bacchus und der Vesuv“ (beide sind ebenfalls auf der Website zu sehen).

Wie bildet man das „Leben auf dem Vulkan“ einer ganzen Stadt ab? Man interpretiert den Ausstellungstitel etwas frei und geht bei den ausgestellten Stücken sogar über Pompeji hinaus, zeigt also Ausstellungstücke aus der Region mit Schwerpunkt auf Pompeji. Und das Leben stellt man durch ausgewählte Beispiele dar. Also z.B. der erwähnte Raum mit Ausstellungsstücken aus einer Gladiatorenkaserne, ein Raum zum „Haus des Menander“. Auf dem Weg zum Haus des Menander ist ein Teilbereich des Raumes dem „Haus der arbeitenden Maler“ gewidmet. Später Gartenmalereien aus dem „Haus des Goldenen Armreifs“, ein Teil der Mosaikwand des Nymphäums von Massa Lubrense und Exponate aus dem Augusteum von Herculaneum.

Das „Haus der arbeitenden Maler“ ist wirklich nach den zur Zeit der Katastrophe in dem Haus arbeitenden Malern benannt. Da kann man den Malern in ihre Farbtöpfe sehen. Sonst ist wie gesagt unter den Ausstellungsstücken viel hochrangigstes Kunsthandwerk, welches sicher nicht so direkt etwas mit dem Leben auf dem Vulkan der Mehrzahl der Bevölkerung zu tun hatte. Sehr viel wird aber doch in Facetten, Texten, Zwischentönen mitgegeben. Das ist auch nicht neu, in der Luxus-Ausstellung konnte man eine eiserne Fußfessel sehen. Aber in der Pompeji-Ausstellung kam mir das Schema ausgeprägter vor.

Das „Haus des Menander“ bekam seinen Namen durch ein dort vorgefundenes Wandbild des griechischen Dichters Menander. In ihm lebte eine wohlhabende Familie mit Dienstpersonal. Im Text wird die Fundsituation der Toten im Haus beschrieben, mittelbar bekommt man also eine Vorstellung von den unterschiedlichen Schichten der Stadtbevölkerung. Ein Modell zeigt die Einbindung des Hauses in den lokalen Häuserblock mit zahlreichen wesentlich kleineren Einheiten (Läden, Wohnräume?). An der Wand ist ein großformatiges Foto von der Ausgrabung und ein eher schönes Bild vom heutigen Zustand mit Schutzdach (Bild „Peristyl im Haus des Menander“) zu sehen. Also man bekommt mittelbar mit, daß das heutige Pompeji nicht einfach so aus der Schale gepellt wurde, sondern auch ein neuzeitliches Produkt ist. (Aber es gäbe auch farblich trostlosere Bilder vom heutigen Pompeji, auf denen die Mauern nach abgenommenen Wandgemälden aussehen).

Zu den Gladiatorenhelmen ist in der Ausstellung zu lesen, daß es einen nicht lange zurückliegenden Gladiatorenaufstand gegeben hat und man alle Angriffswaffen nur in einem Raum fand. Was vermuten lässt, daß dieser Raum abgeschlossen und bewacht war. Bei einer kleinen technischen Facette in der Begrenzung vor dem angedeuteten Becken vor der „Mosaikwand des Nymphäums von Massa Lubrense“ bin ich eine Weile hängen geblieben. In einem verglasten Bereich kann man ein Stück Wasserverteiler mit Ventil aus Blei/Bronze sehen. Solche Ventile hatte ich nur aus Fernsehfilmen über die Nemi-Schiffe von Kaiser Caligula in der Erinnerung.

Also man kann außer über die schönen Dingen, die der kleine wohlhabende Teil der Bevölkerung besessen hat, auch manches über das „Leben auf dem Vulkan“ mitbekommen. Und gut, in meine Novemberstimmung hat das Abrücken in das Schöne und in Richtung Kunstausstellung gepasst. Ein anderer möglicher Kritikpunkt wären die ähnlichen Ausstellungen, die nur wenige Jahre zuvor in München stattgefunden haben. Die „Herme mit dem Portrait des Lucius Caecillus Felix“ habe ich im Katalog der Luxus-Ausstellung wiedergefunden, und im oben verlinkten Bericht von der Herculaneum-Ausstellung ist noch mehr Bekanntes zu sehen.

Fotografieren ist in der Pompeji-Ausstellung verboten, glaube ich. Ich habe gesehen, wie ein Aufseher einem klickenden Handy nachgejagt ist. In einem anderen Raum hat es einmal vom Personal unbemerkt neben mir geklickt. Wenn man an die vielen Leute mit Smartphone in der Hand in der U-Bahn denkt, muß man mittlerweile an einen Kampf gegen eingebaute Reflexe denken. Früher wären einem umständehalber nur handschriftliche Notizen in den Sinn gekommen (oder man hätte auf den Katalog gehofft). Heute gibt es einen digitalen Workflow. Man sortiert die Erinnerungsstücke zuhause geeignet mit dem größeren Rechner ein oder gibt sie gleich vom Smartphone mit einem Kommentar über das Mobilfunknetz weiter. Beim Vergleich von alten und neuen Medien sollte man immer dieses Umfeld miteinbeziehen.

Mich wundert deshalb das Festhalten an den klassischen gedruckten Ausstellungskatalogen. Es gibt sicher eine Idylle mit dem Katalog auf der Wohnzimmercouch. Man kann aber nur schlecht damit am PC arbeiten (selbst beim Spezialthema des Katalogs findet man manchmal schneller etwas im Internet, und man kann im Katalog nicht schnell ein paar Wörter markieren und danach im Internet suchen, man kann auch nicht einfach Textstellen für die Stoffsammlung übernehmen, sondern muß alles abtippen). Ich zweifle auch, ob sich eine zierliche ältere Dame beim häufig vertretenen Katalogtyp „dicke Schwarte“ so sehr nach der haptischen Erfahrung sehnt. Hinzu kommt, daß viele Erwerbstätige nur kleine Wohnungen haben und trotzdem wenig Ersparnisse, da müßte die Tendenz eigentlich später zu den noch kleineren Raumeinheiten um das Haus des Menander herum gehen. Flächendeckendes WLAN, ein Tablet-Computer und allgemein verfügbare Ausstellungsstücke in 3D würden dazu passen. Den Text dazu kann man sogar vergrößern und braucht keine Brille aufziehen. Als frisches Beispiel für so ein 3D-Projekt kann man sich einmal Smithsonian X 3D ansehen. Für die dort eingestellten Objekte braucht man einen WebGL-fähigen Browser, wobei WebGL ggf. im Browser eigens aktiviert werden muß.

Nach den Schätzen Pompejis und Herculaneums wurde schon im 18. Jahrhundert in größerem Umfang gegraben. Ein abschließender Raum widmet sich den Nachwirkungen der Funde. In Bayern sollte das von Ludwig I. in Auftrag gegebene Pompejanum bekannt sein, das nach dem Vorbild eines pompejanischen Hauses erbaut wurde. In der Ausstellung war die Büste Ludwigs von Bertel Thorvaldsen aufgestellt. Ich weiß zwar jetzt nicht, was die Büste mit Pompeji zu tun hatte, aber es war ein nettes Wiedersehen. Bertel Thorvaldsen hatte ich mit seiner Spes schon im Blog. Den erwähnten Klick neben mir gab es beim „Liebesmarkt“ nach einem Fresko in Stabiae. Das Motiv muß zeitweise ein ziemlicher Renner gewesen sein. Verständlich angesichts der langweiligen Engel, die uns jetzt wieder bevorstehen. In der Ausstellung war zu dem Motiv ein Bild, eine Vase und ein Tafelaufsatz zu sehen. Wir kannten das Motiv nur als „Amorettenverkäuferin“ von Joseph-Marie Vien. Im Web ist das Orginalbild via „woman selling cupids“ zu finden.

So einen abschließenden Blick auf die Nachwirkungen gab es auch schon häufiger. Travelwriticus etwa berichtet davon aus der Karlsruher Karthago-Ausstellung 2004. Ich finde solche Bezüge gut, ich glaube sogar man sollte das ausbauen, aber in angepasster Weise. Es wurde schon an anderer Stelle in einem Museumsleiter-Interview das Schwinden des Bildungsbürgers festgestellt, welches durch mehr Erklärungen ausgeglichen werden müsse. Die von Travelwriticus erwähnten Salammbô und Flaubert müßten also so rübergebracht werden, daß auch diejenigen in der Ausstellung stehen bleiben, die die beiden bislang nicht kannten. Anderseits wird es immer normaler, daß sich die Leute in höchster Geschwindigkeit in früher ungeahnte Informationsverästelungen bewegen. Das wird noch mehr werden, da ist kein Ende abzusehen. Es sollte eigentlich ein Netzcheck auf die Einstiegspunkte zu den Ausstellungsinhalten üblich werden. Was gibt es dazu im Internet? Könnte man nicht selbst etwas dazu reinstellen (wenn man nur um die Ecke herum eine wichtige weiterführende Information / ein Bild findet)? Kann man das, was im Netz frei verfügbar ist, auf einfache Weise an andere weitergeben (also damit über die Ausstellung kommunizieren)?

Die Ausstellung hat uns pro Person 12 Euro gekostet. Der Preis ist ok. Ich war vor ein paar Wochen in einem ähnlich teuren Kinofilm, an den ich mich weniger erinnern werde. Die Eintrittspreise zu den Ausstellungen damals in der Archäologischen Staatssammlung waren dagegen natürlich Schnäppchen. Aber man kann die Kosten der Pompeji-Ausstellung senken bzw. kostenlose Zugaben bekommen: halbe Eintrittspreise an Montagen, die nicht auf einen Feiertag fallen, kostenlose Themenführungen an manchen Dienstagen, wenn man ab 17 Uhr eine Karte bekommt, ein paar Vorträge, für die man kostenlos Karten bekommen kann, wenn man eine Eintrittskarte zur Ausstellung kauft. Es empfiehlt sich ein genauerer Blick auf die Website.

Nun noch ein Hinweis auf den kostenlosen Coursera-Online-Kurs Roman Architecture. Der Kurs startet im Januar 2014 und dauert 15 Wochen. Thema in der dritten Woche ist der „Lifestyles of the Rich and Famous: Houses and Villas at Pompeii“ und „Habitats at Herculaneum and Early Roman Interior Decoration“. In der Woche 4 geht es um „Special Subjects on Pompeian Walls“. Architekturfreaks mit viel Zeit können diesen Kurs mit dem ebenfalls im Januar startenden Blick auf die „Early Renaissance Architecture in Italy: from Alberti to Bramante“ ergänzen. Eine römische Villa kann man sich jetzt schon ausführlich im Internet ansehen. Die liegt zwar nicht im Pompeji, ist aber dafür kaiserlich: hier die Website des „Digital Hadrian's Villa Project“. Zum Einstieg sollte man sich das zugehörige Video ansehen. Eventuell nun verschnupften Katalogliebhabern kann ich in dem Zusammenhang auch noch etwas bieten: Phemios Aoidos hat über ein paar Katalogreisen geschrieben - also Reisen per gekauftem Katalog - und berichtete im August über seine Katalogreise zur Villa Adriana.