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Freitag, 24. Dezember 2021

Eingeebnete Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung auf der Hirschwiese im Forstenrieder Park

Meine Auszeit ist ziemlich lang geworden. Auslöser war wohl im Juli eine Kniebremsung nach einem Fahrfehler beim Einkurven auf einen Waldweg. Das Knie hatte anfänglich meine volle Aufmerksamkeit. Heilte zwar langsam, aber problemlos. Stellvertretend für die Beteiligten sei hier den Personen gedankt, die im WC beim Pullacher Friedhof für gefüllte Behälter mit Desinfektionsmittel und Seife gesorgt haben. Ich hatte nur einen Fotoapparat für das Isarhochwasser und ein Spray für Reifenpannen in den Satteltaschen. Hinsichtlich dem Blog bin ich damals offenbar aus dem Tritt und nicht wieder hinein gekommen.

Links geht es zum Parkplatz

Die Fotos von der Hirschwiese stammen vom 15. Oktober. Für die näher Wohnenden eignet sich die Hirschwiese in der Zeit zwischen den Jahren für einen Spaziergang. Sie hat sogar einen eigenen Parkplatz, der nach den aktuellen Prognosen in dieser Zeit schneefrei bleiben wird. Zum Parkplatz geht es auf dem ersten Foto links in den Wald hinein. Die am Fotografenstandort vorbeiführende Straße ist die B11 bei Pullach. Wo sich der Parkplatz an der B11 befindet, gibt die silberne Markierung auf der Informationstafel auf dem zweiten Foto wieder. In der Richtung, in der man in den Wald zum Parkplatz gefahren ist, bewegt man sich zum umzäunten Teil des Forstenrieder Parks weiter und gelangt dann bald zur Hirschwiese.

Informationstafel Forstenrieder Park

Über einem großen Teil der Hirschwiese im Forstenrieder Park bis hinein in angrenzende Waldgebiete zeigt der BayernAtlas mit Denkmaldaten eine ausgedehnte Rotfläche mit der Beschreibung „Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung“ an. Deutlich erkennbare Grabhügel habe ich weder auf der Wiese noch im Wald gefunden, aber ich wollte diese Örtlichkeit doch einmal vorstellen, denn die Hirschwiese wäre gut mit dem geheimnisvollen Knick der früher südlich davon vorbeiführenden Römerstraße und einem nördlich von der Hirschwiese befindlichen Grabhügelfeld mit gut sichtbaren Grabhügeln kombinierbar. Zudem wäre die Anfahrt außer per Auto oder Rad wegen der nahe gelegenen Haltestelle Buchenhain auch gut mit der S-Bahn zu bewerkstelligen.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Wenn der oben unterlegte direkte Link zur Örtlichkeit im BayernAtlas mit Denkmaldaten nicht funktioniert, kann man auch den aktuell funktionierenden Weg über die Suche nach „Bayerischer Denkmal-Atlas“ ausprobieren. Aktuell erhält man da eine Website mit dem Titel Bayerischer Denkmal-Atlas - Geoportal Bayern vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege angezeigt. Gegenüber dem direkten Weg zum BayernAtlas hat der Weg über das Denkmalamt den Vorteil, daß man via dem „mehr“ neben dem Suchfeld nach der Denkmalnummer suchen kann. In dem Fall ist das die Nummer D-1-7934-0307 . Zum anderen bekommt man so den BayernAtlas gleich mit Denkmaldaten präsentiert. Zu der größeren BayernAtlas-Oberfläche geht es durch Anklicken des „Zum Bayernatlas“ links oben.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Häufig ist es günstig, zum BayernAtlas noch das „Geländerelief“ dazuzuschalten. Den Vorteil erkennt man bspw. bei dem erwähnten nördlichen Grabhügelfeld mit gut erkennbaren Grabhügeln, die man vorab via dem Geländerelief in der Rotfläche lokalisieren kann. Oder bei den Gruben entlang der Römerstraße. Da scheinen die Gruben einfach nur den Knick zu bestätigen, es ist keine Besonderheit erkennbar. Die Ursache des Knicks scheint in der Zeit vor den Gruben zu liegen. In der PC-Version des BayernAtlas kann man das „Geländerelief“ via dem Unterpunkt „Überlagerungen“ des im linken Bereich befindlichen „Freizeit in Bayern“ finden und dazuschalten. Dann erscheint weiter unten unter „Dargestellte Karten“ „Relief“ als Unterpunkt. Um sich damit vertraut zu machen, sollte man dort einmal an dem Regler „Transparenz“ herumspielen.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Wie gesagt habe ich im Fall der Hirschwiese keine Grabhügel gefunden, die Reliefansicht bringt diesbezüglich wenig. Das dort Herumlaufen hatte aber schon etwas. Weil nichts zu sehen war, habe ich damit angefangen, das Gestrüpp um die Bauminseln auf versteckte Hügelchen zu kontrollieren. Bei so einer Suche bin ich dann zwischen den Bauminseln etwas tiefer zu stehen gekommen und hatte eine leichte Erhebung vor mir und bekam dann doch ein Grabhügelfeeling. Ich habe ein Blatt Papier auf die Erhebung gelegt, um sie auf dem Foto besser sichtbar zu machen.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Vielleicht entsprachen den hier mehrfach zu findenden leichten Erhebungen tatsächlich Grabhügel. Ich hätte jetzt vielleicht die Story irgendwie pointierter aufziehen sollen - erst sind keine Grabhügel zu sehen und dann sieht man sie um sich emporwachsen und fühlt sich schließlich von lauter Grabhügeln umgeben. Ein bisschen war es so. Und ein Wildschwein hat auch noch mit mir geredet. Erst hat es mich ignoriert, ich habe es fotografiert und wieder in anderer Richtung nach den Grabhügeln gesehen. Dann hat es einmal laut gegrunzt und ich habe es noch einmal fotografiert. Also die Hirschwiese hat etwas, wenn auch keine großen Grabhügel.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Ein großes Manko des „BayernAtlas mit Denkmaldaten“ ist wieder die wenig brauchbare Beschreibung zum Bodendenkmal. Irgendwie muß man ja auf das behauptete Bodendenkmal gekommen sein. Die Begründung dazu könnte man hier angeben. Möglicherweise gab es Funde, von denen man Abbildungen zeigen könnte. Wären es herausragende archäologische Funde gewesen, könnte man auf die zugehörige Literatur und das ausstellende Museum verweisen.

Im Karlsruher Badischen Landesmuseum gibt es mittlerweile auf eine Idee der Museumsdirektor*in hin eine Expothek, in der die Besucher*innen des Museums zu Nutzer*innen werden können. Diese Idee drängt sich eigentlich auf. Man stelle sich einen Schülerausflug in den Forstenrieder Park vor, der mit einem Besuch in einem passenden Depot oder Museum kombiniert wird, in dem man sich die Funde aus besuchten Grabhügelfeldern zeigen und erklären lassen kann.

Mir fällt dazu der Heiligenbuck beim Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden ein. Irgendwann bin ich auf diesen Artikel zu einer Ausstellung in Rastatt gestoßen, darin der Satz: „Dennoch konnten viele Glanzstücke der Region, vor allem aus dem Badischen Landesmuseum, ausgeliehen werden, z. B. die Funde aus dem kleinen Heiligenbuck aus Hügelsheim oder der Spiralarmreif aus der mittleren Bronzezeit aus Elchesheim-Illingen, der vor etwa 1500 Jahren vor Christus kunstvoll hergestellt wurde und den Arm einer Frau zierte.“ Man kann jetzt mit „Heiligenbuck“ und „Elchesheim“ in der Expothek suchen und findet tatsächlich etwas!

Grabhügel im Forstenrieder Park

Mein abschließendes Foto stammt von dem nördlichen Grabhügelfeld D-1-7934-0100 . Ich hatte dieses Grabhügelfeld schon 2011 unter dem Titel „BayernViewer-denkmal und GPS, Teil 3“ im Blog. In diesem alten Beitrag ist auf dem zweiten Bild ein zwischen die Grabhügel führender Weg zu sehen, der dieses Jahr im Oktober ziemlich versumpft war. Ich habe es beim Fotografieren des einen Grabhügels belassen.

Ich wünsche allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gutes neues Jahr! Ich hoffe im nächsten Jahr bewegt sich mein Blog wieder in normaleren Bahnen!

Samstag, 6. April 2019

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Noch bis zum 2.6.2019 findet im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss die Ausstellung „Mykene - Die sagenhafte Welt des Agamemnon“ statt. Laut Ausstellungswebsite präsentiert das Museum mit „über 400 spektakulären Objekten aus den wichtigsten Museen Griechenlands“ „die weltweit größte kulturhistorische Ausstellung über das mykenische Griechenland“.

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

„Konzept, Inhalte und Objektauswahl sind in Kooperation mit dem Ministerium für Kultur und Sport Griechenlands entstanden“. Wie es zu dieser Kooperation kam, erläutert der Karlsruher Museumsleiter Eckart Köhne in einem Deutschlandfunk- Kultur-Gespräch: daß Objekte in Karlsruhe zu sehen sind, die noch nie außerhalb Griechenlands zu sehen waren, sei darauf zurückzuführen, daß es in einem jahrelangen Prozess gelungen sei, das Problem nachweislich gestohlener griechischer Objekte in der Karlsruher Sammlung u.a. durch Rückgabe von Objekten zu beseitigen. Im Zuge dessen sei die Kooperation begonnen worden „mit der Mykene-Ausstellung als Höhepunkt“.

Zur angesprochenen Objekt-Rückgabe findet man einen weiteren Deutschlandfunk-Kultur-Beitrag von 2009. Da geht es um zwei Kykladen-Artefakte. Der Gedanke war seinerzeit „die beiden Kunstwerke aus Landesbesitz an Griechenland zurückzuerstatten und stattdessen auf Kooperation mit dem griechischen Staat zu setzen“. Soweit die Angabe des Museums mit der „weltweit größten kulturhistorische Ausstellung über das mykenische Griechenland“ seine Richtigkeit hat, hat sich der griechische Staat sehr generös gezeigt und die Kooperation ist bestens gelungen.

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Die Ausstellungsstücke sind wirklich auffallend schön. Insbesonders wenn man bedenkt, daß sie über 3000 Jahre alt sind. Ich empfehle sich mal den Besuchsbericht des Münchner Reiseblogs „Reise-Zikaden“ mit viel Text und vielen Fotos von der Ausstellung anzusehen: „Grandios! Unser Besuch der Mykene-Ausstellung in Karlsruhe“. Auf der Website der „Reise-Zikaden“ findet man noch jede Menge weiterer interessanter Reiseberichte, auch eine größere Zahl die zur vorherigen Karlsruher Etrusker-Ausstellung passen.

Der SWR bietet derzeit noch neben einer Bildstrecke Videos und eine interessante dreiviertelstündige Forums-Diskussion über die Mykener an.

Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Mir war schon wichtig, in die Mykene-Ausstellung zu gehen. Wußte aber im Vorfeld schon nicht groß, über was ich schreiben sollte. Über meine Gedanken zur Digitalisierung im Badischen Landesmuseum hatte ich ja schon erschöpfend im Zusammenhang mit der Karlsruher Etrusker-Ausstellung geschrieben. Und Vermittlung finde ich toll, das sollte in diversen Texten von mir auch deutlich geworden sein. Daß das mit den Griechen so gut geklappt hat, ist wirklich super. Daß mit den Reise-Zikaden ein archäologisch interessierter Blog die Möglichkeit bekommen und genutzt hat, so einen langen Beitrag zu machen, ist auch sehr schön. Daß die Digitalisierung neue Möglichkeiten bietet und Digitalisierung im Zusammenhang mit der Vermittlung steht, hatte ich zur Etrusker-Ausstellung auch drin und ist im Grunde banal. Ich denke, daß das Badische Landesmuseum beim Nutzen der Möglichkeiten durch die Digitalisierung schwach und dieser Sachverhalt angesichts der herausragenden Sonderausstellungen des Museums sehr schade ist.

Samstag, 29. September 2018

Etrusker in Karlsruhe

Mitte Mai waren wir in der einen Monat später beendeten Ausstellung „Die Etrusker — Weltkultur im antiken Italien“ des Badischen Landesmuseums im Karlsruher Schloss.

Die letztes Jahr am selben Ort gezeigte Ramses-Ausstellung hatten wir ausgelassen und sind seinerzeit stattdessen in „Amerika nach dem Eis“ im Karlsruher Naturkundemuseum gegangen. Ein Argument gegen die ausgelassene Ramses-Option war, daß ich von dieser Ausstellung nur neue Wissensverästellungen für einen unterproportionierten Stamm befürchtete. Das erklärt sich dadurch, daß ich selbst große ägyptische Spezialthemen wie Ramses nur mit einigem Nachlesen in ihr Umfeld einsortieren kann. Bei einer allgemeinen Etrusker-Ausstellung würde ich das aber wegen der engen Verbandelung mit anderen Kulturen genau andersherum sehen: selbst jemand der sich nur mit Kelten, Griechen oder Römern beschäftigt und keinen besonderen Etrusker-Bezug hat, sollte gewinnbringend in so eine Etrusker-Ausstellung gehen können.

Die Karlsruher Ausstellung entsprach diesen Erwartungen. Bei den in zeitlicher Abfolge aufgebauten Ausstellungsstücken wurde man nahe des Eingangs von einer „Grabstele aus Casale Marittimo, Nekropole von Casa“ begrüßt, die an die keltischen Grabstelen von Hirschlanden oder vom Glauberg erinnerte. Und ziemlich am Schluß — ein wenig über die neuzeitliche Etrusker-Wiederentdeckung folgte noch — sah man das Standbild des Aule Metele. Der sieht wie ein Römer aus, gibt sich aber durch eine Inschrift als waschechter Etrusker zu erkennen. Und zwischen Grabstele und Aule Metele nahm das große Spannungsfeld zwischen etruskischen Eigenständigkeiten, etruskischer Produktion im dominierenden griechischen Stil und griechischen Importen einen breiten Raum ein.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Dieses Spannungsfeld ist ein Klassiker der Etrusker-Rezeption. Ein paar Tage nach der Ausstellung fand ich in einem Münchner Weisser-Rabe-Gebrauchtwarenkaufhaus ein Buch über die „Etruskische Kunst“ von 1969 mit 20 Seiten bebildertem Text und 90 zusätzlichen Seiten mit Fotografien. Dieses Buch arbeitet sich auch schon intensiv an diesem Thema ab. Ich will nicht tiefer auf den Text eingehen, weil darin seinerzeit Belegbares fließend in Vermutungen des Autors über die etruskischen Verbindungen zu den Griechen übergeht. Und bei dem damals nur Vermuteten müßte sich durch die vielen Ausgrabungen der letzten 50 Jahre einiges getan haben. Es ist aber sicher sehr interessant mit solchen Gedankengängen tiefer einzusteigen. Was würde man selber mögen? Das, was als verbleibende etruskische Eigenständigkeit identifiziert wird? Oder die vermutlichen Importvorlieben? Oder das, was sie lieber ausgelassen haben? Karlsruhe hat den „Kopf einer Terrakottastatue des Gottes Hermes/Turms“ für sein Ausstellungsplakat verwendet. Der soll so etwas wie die etruskische Mona Lisa sein. Wo beginnt bei dem die etruskische Eigenständigkeit? Und wenn er einem gefällt - paßte er überhaupt noch zum Stilgefühl der Zeit Aule Meteles?

Etrusker-Ausstellungen gab es aktuell im deutschsprachigen Raum einige. Die des Badischen Landesmuseums wurde als die „seit vielen Jahren größte deutsche Etrusker-Schau“ charakterisiert. Ich weiß nicht, inwieweit das zutreffend ist. Ich kenne auch keinen vergleichenden Artikel über die aktuellen Etrusker-Ausstellungen. Beim Blick in mein altes Etrusker-Buch war dort jedenfalls schon einiges von dem zu sehen, was dann in Karlsruhe ausgestellt wurde. Das Buch hat sogar ebenfalls mit Aule Metele abgeschlossen. Vielleicht konnte man in Karlsruhe mehr Etrusker-Prominenz herbeischaffen als in den anderen Etrusker-Ausstellungsorten, und das Gezeigte wird dann wieder viele Jahre nicht mehr bei uns zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigte schwerpunktmäßig viel Schönes aus den Gräbern der Reichen. Die dafür notwendige Leistung wurde aber von vielen erbracht, von denen in der großen Mehrzahl unbekannt bleibt, wie sie lebten und wie sie begraben wurden. Um an solche Hintergründe zumindest zu erinnern, hat man in einer Ausstellung in der Münchner Archäologischen Staatssammlung — ich vermute es war „Luxus und Dekadenz“ — Vorrichtungen gezeigt, an die Sklaven über Nacht angekettet wurden. Ein umfassenderer Blick auf die Gesellschaft böte vielleicht auch die Möglichkeit nachzuvollziehen, warum sie wie im gegebenen Fall die Etrusker gegenüber den süditalienischen Griechen und den Römern dann so in das Hintertreffen geraten ist.

Fotografieren muß in der Sonderausstellung wieder verboten gewesen zu sein. Ich habe es mittelbar über eine Frau mitbekommen, die eine „Goldene Kammschließe mit plastischer Dekoration“ mit ihrem Smartphone aufnehmen wollte. Sie wurde auch noch von der Vitrine vergrault, um einer Presseführung inklusive einem Fotografen Platz zu machen. Kurz zuvor hatte eine andere Frau die Kammschließe noch unbehelligt fotografieren können, da stand die Aufsicht gerade woanders. Das Fotografierverbot hat sich anscheinend in Zeiten heutiger Smartphone-Gewohnheiten zum Flöhehüten entwickelt, wobei auch das ältere Publikum immer hemmungsloser wird. Einer älteren Besuchergruppe erklärte ihr Führer gerade in die Ohrhörer, daß sie nicht fotografieren dürften, sonst käme die Aufsicht. Dann mußte er selbst hinter zwei im Hintergrund tätig werdenden Teilnehmerinnen herjagen.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Das geschah in dem Bereich, in dem es um etruskische Tempel ging. Via Saaltext konnte man dort erfahren, daß ein bestimmter etruskischer Tempelbezirk als „Begegnungsstätte für Reisende, Seefahrer, Kaufleute und Handwerker aus Griechenland, dem karthagischen Nordafrika und dem Vorderen Orient“ gedient haben mußte. Vielleicht wollten die beiden Damen die Fotos verschicken, vielleicht wollte man sie woanders jemandem auf dem Smartphone zeigen, vielleicht sollten sie zuhause als Inspiration für eigene Gestaltungen dienen. Ich würde überall die durch den Musentempel angeregten Begegnungen sehen - und die versucht man durch das Fotografierverbot auf Null runterzudimmen.

Es gibt nachvollziehbare Begründungen für das Verbot, etwa wenn der Leihgeber einfach nicht will, daß sein Ausstellungstück fotografiert wird. In Karlsruhe hatte das Verbot aber eine bemerkenswerte Besonderheit. Auf der mittlerweile in den „Rückblick“ umgehängten Ausstellungswebseite konnte man sich vier Fotos von Ausstellungsstücken ansehen. Mit etwas Nachsuchen fand man aber auch eine mittlerweile nicht mehr zugreifbare Bildergalerie im Presseservice mit 68 qualitativ wesentlich besseren Bilddateien. Auf der Ausstellungswebseite gab es beispielsweise die Aule-Metele-jpg-Datei in einer Größe von 133 kB, der „hochauflösende“ Aule Metele aus dem Pressebereich brachte 2,32 MB auf die Platte. Im Pressebereich war auch die schon genannte Kammschließe mit 2,29 MB und „die etruskische Mona Lisa“ mit 2,03 MB verfügbar. Diese Pressebilder konnten Medien verwenden und auf ihrer Webseite einstellen. Man könnte jetzt denken: wenn schon ein Fotografierverbot sein muß, aber zu einer Vielzahl von Ausstellungsstücken hochqualitative Bilddateien einfach zugänglich sind und verbreitet werden sollen, warum versucht man nicht irgendwie die Besucher vom Fotografieren auf die Verwendung dieses Bildmaterials abzulenken?

Ergänzend soll auch an den Anspruch des Landesmuseums hinsichtlich seines „Digitalen Katalogs“ erinnert werden: „Das Badische Landesmuseum betreibt mit Nachdruck die Digitalisierung seiner Sammlungsbestände...“. Die Idee solche Digitalisate passend zu Ausstellungen bereitzustellen und über die Ausstellung zu promoten wäre naheliegend. Ich habe nichts von Karlsruher Etrusker-Digitalisaten mitbekommen. Gehen tut das Erstellen und Freigeben von Digitalisaten schon, vor ein paar Wochen ging diese Meldung durch die Sozialen Medien: „Hundreds of Classical Sculptures from the Uffizi Gallery Now Digitized & Put Online: Explore a Collection of 3D Interactive Scans“.

Wie das Fotografier- habe ich auch das Katalogproblem schon früher angesprochen. Für mich wäre es im Sinne einer „Arbeitsbibliothek“ am günstigsten, wenn die Karlsruher Kataloge online ausleihbar wären. Ich könnte dann virtuell mal schnell einen alten Katalog aus dem Regal ziehen und irgendetwas nachschlagen. Die Karlsruher Kataloge gibt es aber nur in gedruckter Form. Den neuen Katalog zur im Dezember beginnenden Ausstellung „Mykene: Die sagenhafte Welt des Agamemnon“ sehe ich auch nur in gedruckter Form angekündigt. Man vergleiche mal das Angebot der MetPublications und bedenke die für so ein Angebot vermutlich notwendige Vorlaufzeit.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Irgendwie bin ich dieses Jahr auch gedanklich bei den alten Begleit-CD/DVDs zu den Ausstellungen hängengeblieben, die einige Jahre lang bis etwa 2010 verkauft wurden. Ich fand die im Nachhinein zunehmend ärgerlich, weil ich mal eine oder zwei aus der Münchner Stadtbibliothek ausgeliehen habe und die gegenüber den Internetmöglichkeiten schon in ihrer Entstehungszeit für konzeptionell überholt hielt und auch von der inhaltlichen Substanz nicht überzeugt war. Der zunehmende Ärger beruhte zum einen darauf, daß keine inhaltliche Unterstützung auf dem Level der stärkeren Kataloginhalte erkennbar war. Anderseits war das Badische Landesmuseum mit der „Entwicklung eines virtuellen Museums für die Highlights der Sammlung 'Karlsruher Türkenbeute'“ 2003 beim Thema Digitalisierung und Museum im Internet vergleichsweise sehr weit vorn. Man könnte denken, da muß man dann nur immer einen Schritt vor den anderen setzen und stellt sich dann automatisch konzeptionell viel besser auf.

Ich habe es mir dann so erklärt, daß die Füße nicht die des Landesmuseums waren, auf deren Basis seinerzeit das virtuelle Museum entwickelt wurde. Ich halte es für gut möglich, daß die Begleit-CD/DVDs in überhaupt keinem geistigen Bezug zum virtuellen Museum entstanden sind. Die waren vielleicht nur dazu da, daß die Oma dem Enkel mit Computer etwas mitbringen konnte. Führend blieb der gedruckte Katalog, und auf den CDs bzw. DVDs sollte nichts sein, was diese Führungsrolle ankratzte. In mein Erklärungsmodell habe ich nun schnell noch die frühe App zur Kykladen-Ausstellung 2012 als im Grunde genommen wesensfremd einsortiert. Das erklärt mir etwas meine damalige Feststellung „ich habe in keinem der ausgehängten Presseartikel einen Hinweis auf die App-Neuerung gesehen“ (was ja eigentlich für eine Neuerung ziemlich fatal ist).

Derzeit läuft im Karlsruher ZKM die Ausstellung „Open Codes“. Ich war da schon drin und sehe bislang nur Nullen und Einsen. Ich hoffe das wird besser, dann werde ich hier berichten. Vom Badischen Landesmuseum erhoffe mir eine tolle Mykene-Ausstellung, erwarte aber erst einmal keine Inspirationen zu „digitalen Welten“ oder einer „Welt als Datenfeld“, wenngleich nun sogar ein „MuseumCamp — Ein Forum für Ihre Ideen“ helfen soll, „um die aktuellen Fragen der Gegenwart anzugehen“.

Freitag, 21. April 2017

Ramses in Karlsruhe

Letztes Jahr hatte ich die anstehende Ramses-Ausstellung in Karlsruhe in „Ein Göbekli-Tepe-Blog“ erwähnt. Als es auf Weihnachten hin akut wurde, habe ich zwar an die Ausstellung gedacht, hatte aber zu Weihnachten in der alten Heimat anderes im Kopf.

Das hat sich so fortgesetzt. Aber nun knapp vor Ostern habe ich mitbekommen, dass es eine Bloggerreise zur Ramses-Ausstellung gab und daraufhin ein wenig herumgegoogelt. Es gibt reichlich Websites, die Informationen versprechen. Ich habe was vom SWR („Neue Ausstellung im Badischen Landesmuseum“), vom DLF („Ramses-Ausstellung in Karlsruhe“) und den Bericht von dem Blogger-Event in „miris jahrbuch“ durchgelesen. Interessant war, daß für mich die Texte von SWR und DLF wie Kreuzungen aus Wikipedia und Pressemitteilung wirkten - vielleicht sind sie auch zur Gänze auf Basis des Pressematerials entstanden. Ramses wurde ja schon x-mal im Fernsehen durchgenudelt und da hat man einige der Stichworte im Kopf. Miris Bericht wirkt hingegen wirklich frisch und sie kommt ganz ohne die von Ramses gezeugten über 100 Kinder aus.

Trotz Miris Empfehlung sind wir aber am Ostersamstag stattdessen in das Karlsruher Naturkundemuseum gegangen und haben die Entscheidung nicht bereut. Das „Aufgrund der großen Nachfrage“ auf der Landesmuseum-Website hat mich schon eine lange Schlange an der Kasse sehen lassen, und da hätten wir uns dann sowieso nicht angestellt. Kostenmäßig sind wir inklusive einer Kuchen- und Butterbrezel-Zwischenstation noch unterhalb des Ramses-Eintritts geblieben. Obwohl man nicht so denken darf. Ich hatte ja schon erwähnt, die Sonderausstellungen im Karlsruher Landesmuseum sind immer sehr opulent, also die 12 Euro Eintritt für die Vollzahler sind sicher ein Schnäppchen. (Nachdem ich mal die Bahncard-Ermäßigung im Landesmuseum erwähnt habe: die Ermäßigung kriege ich nicht mehr. Bin als Seltennutzer dreimal an Streiktagen mit dem Fernbus gefahren.)

In Miris Jahrbuch kann man sehen, was fotomäßig ginge. Ich hatte mich mal in „Kykladen in Karlsruhe“ über das Fotoverbot ausgelassen. Es gab wahrscheinlich früher Gründe für ein Fotografierverbot - warum sollen ein paar Leute fotografieren und die anderen stören? Und solche unkontrollierten Fotos muß man dann noch seinen Leihgebern vermitteln. Aber heute kommt die Fotografiererei ziemlich natürlich rüber. Ein kleiner Junge hat sich im Naturkundemuseum zwischen uns und einen Leguan gequetscht und dann erfreut sein Ergebnis auf dem Smartphone betrachtet. Ein junger Mann hat mit seinem Smartphone die beste Position im Treppenhaus für den großen Flugsaurier an der Decke gesucht.

Das Badische Landesmuseum hätte da bei der Kykladen-Ausstellung 2012 mit seiner Neuerung erstmals eine App zur Ausstellung anzubieten noch ganz vorne mit dabei sein können („Anscheinend nur iPhone, und wer kein iPhone hat kann ein iPad ausleihen“). Man hätte statt das Fotografieren in der Sonderausstellung zu verbieten ausgewählte Objekte freigeben und die Leute schon Selfies davor machen und in die Welt hinaus schicken lassen können, bevor Museums-Selfies überhaupt ein größeres Thema waren.

Meine früheren Ausstellungsberichte liefen von den Zugriffszahlen her sehr gut. Das hing damit zusammen, daß ich bei manchen gebräuchlichen Suchworten vorne auf der ersten Ergebnisseite war. Das änderte sich etwa ab dem „Imperium der Götter“. Da wurde ich außer von den nun besser suchmaschinenoptimierten Online-Ausgaben der Zeitungen auch von Websites mit Veranstaltungshinweisen aus kurzen Text nach hinten verdrängt.

Es hätte mir geholfen, wenn sich meine früheren höheren Zugriffszahlen auch in mehr Verlinkungen niedergeschlagen hätten. Hat es aber nicht. Und ich war dann auch nicht so motiviert, im Bereich der Zugriffszahlen größer zu versuchen dagegen zu halten. Aktuell habe ich mir nur darüber Gedanken gemacht, wie ich damals ein Stativ für die Nachtaufnahmen hätte mitnehmen können. Und die Texte könnte ich mir mal wegen der Verständlichkeit und obsoleten Links durchsehen.

Jedenfalls war ich dann zu Zeiten der Münchner Kyladenausstellung mit meiner Karlsruher Kykladenausstellung auf Seite drei, wenn ich nach „Kykladen Karlsruhe“ gegoogelt habe. Ganz vorne auf der ersten Seite war damals wie heute eine Fotostrecke (!) einer Stuttgarter Zeitung. Die Quelle „Unbekannt“ vom Bild 2 ist da schon bemerkenswert. Also nicht nur, daß es ein Fotoverbot in der Ausstellung gab, die Profis stellen auch noch ein Foto aus unbekannter Quelle ins Netz?

Wenn man sich auf so einen Kampf um die Zugriffszahlen einlässt, dann könnte ich das als Hobbyist ja mal machen um zu sehen was geht. Die Profis müssen sich für irgendwas entscheiden, die haben ja vielleicht einen super „Qualitätsartikel“, den sie nach vorne bringen könnten. Warum nimmt man so eine aus meiner Sicht nicht so repräsentative Fotostrecke? Vor Jahren wurde mal gesagt, da wird auf die Klickzahlen abgezielt. Ein Artikel bringt vielleicht nur drei Klicks, eine Fotostrecke zehn oder so.

Das mit der Suche ist heute nicht mehr so einfach nachvollziehbar, etwa weil Google den Standort des Suchenden mit einbezieht. Suche ich in München nach „Zeitspringer“, bin ich weiter vorne als im Raum Karlsruhe. Die alte Veranstaltungsseiten-Konkurrenz scheint bei den alten Sachen teilweise verschwunden zu sein. Vielleicht sind sie wirklich nicht mehr aktiv oder meine eigenen späteren Verlinkungen im Blog haben mich da höher gedrückt. Von den Zahlen her relevant sind allerdings die Suchergebnisse bei aktuellen Ausstellungen, und da war aus meiner Sicht spätestens mein „Imperium der Götter“ aus der Zeit gefallen.

Samstag, 7. Mai 2016

Ein Göbekli-Tepe-Blog

Wer mit dem Stichwort „Göbekli Tepe“ etwas anfangen kann, dem kommen vermutlich meterhohe T-förmige Steinpfeiler in den Sinn, irgendwo in der Türkei, irgendwas über 10000 Jahre alt. Und mitbekommen hat man das vermutlich schon vor längerer Zeit. Ging uns jedenfalls so. Göbekli Tepe war für uns schon 2007 ein Begriff, als ich mit Bruder und Schwägerin die Karlsruher Ausstellung „Vor 12 000 Jahren in Anatolien - Die ältesten Monumente der Menschheit“ besuchte. Passend zu dieser Erinnerung ist auf der Website der Terra-X-Doku „Jenseits von Eden - Der Jahrtausendfund - Kultstätte in Ostanatolien“ das Jahr 2004 angegeben. Beim ZDF habe ich diese sehenswerte Doku jetzt nicht mehr gefunden, aber das Einstellen auf Youtube scheint man zu tolerieren. Und für aktualisierten Basiskenntnisse über die Verhältnisse vor Ort kann man die Wikipedia bemühen.

Göbekli Tepe scheint also vor 10 Jahren eine bessere Konjunktur gehabt zu haben. Jedenfalls gab es bei mir irgendwann einen Filmriss, eine weiße Fläche, nur irgendwann unterbrochen durch Meldungen vom Tod des Göbekli-Tepe-Ausgräbers Klaus Schmidt. Aber sie graben dort immer noch! Via Jens Notroff bin ich auf den Blog „The Tepe Telegrams - Breaking News from the Göbekli Tepe Research Staff“ gestoßen. Auf der Website sind Jens Notroff und Oliver Dietrich als „Correspondents“ genannt und an die beiden will ich nun in Sachen Göbekli Tepe übergeben. Nicht ohne sicherheitshalber auch auf die Academia.edu-Accounts von Oliver Dietrich und Jens Notroff zu verweisen - mancher Blog führt ja nur ein kurzes reges Leben. Und das „Göbekligate“-Interview erwähne ich hier auch noch: „Göbekligate! Ein verschwörerisches Interview mit Jens Notroff“.

Anläßlich der Münchner Kykladen-Ausstellung hatte ich die Opulenz der Karlsruher Ausstellungen gepriesen. Nun fand ich in einem Nachruf auf Klaus Schmidt in der Berliner Zeitung die Aussage, daß Göbekli Tepe „mit der Ausstellung in der Karlsruher Kunsthalle 2007“ „international berühmt wurde“. Kunsthalle stimmt nicht, die liegt 10 Fußminuten vom Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss entfernt. Aber wenn das mit der internationalen Bedeutung der Karlsruher Ausstellung stimmt, dann ist das natürlich toll. Und da verweise ich gerne auf die Ausstellung „Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil“, die am 17.12.2016 im Badischen Landesmuseum beginnen soll.

Die Karlsruher Ausstellung fand vor meiner Blogger-Zeit statt - keine Notizen, keine Fotos vom Schloss. Travelwriticus Andreas Susana war mir in solchen Fällen schon eine große Hilfe. In „Hannibal ad Portas - Macht und Reichtum Karthagos“ und in „Römer, Christen, Alamannen - Die Spätantike am Oberrhein“ war ich auch und konnte mich mit seiner Hilfe an schon Vergessenes erinnern. Seine Serie ging zwar bis zur „Schönheit im alten Ägypten“, aber dazwischen hat er eine Göbekli-Tepe-Lücke. Dann suchen wir etwas weiter und finden glücklichweise noch bei Spectrum.de einen Ausstellungsbericht: „Jungsteinzeit: Evolution und Revolution“

Freitag, 6. Februar 2015

Kykladen-Ausstellung in München

In einer Woche beginnt die Ausstellung „Kykladen - Frühe Kunst in der Ägäis“ in der Münchner Archäologischen Staatssammlung. „Die Kykladenidole werden im Zentrum einer für Februar 2015 geplanten Sonderausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München stehen, die eine vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe konzipierte Schau aufgreift.“ steht dazu auf der Website. Was immer das auch heißen mag, einen längeren Text über die in Karlsruhe gezeigte Kykladen-Ausstellung hätte ich zu bieten.



Kykladen-Idol (Nachbildung)

Wenn es konkret um den Besuch dieser Zeugnisse der Kykladenkultur in München geht, dann wäre schon interessant wieviel davon letztendlich zu sehen ist. Ich will so oder so rein und freue mich auf ein Wiedersehen. Aber die Ausstellungen, die ich in den letzten Jahren in Karlsruhe besucht habe, waren sehr opulent. Da war das Größenverhältnis zur „Ötzi 2.0“-Austellung in der Archäologischen Staatssammlung gegenüber dem, was man sich von den unterschiedlichen Größen der Städte her vorstellen würde, gerade umgedreht.

Wobei ich zu aufgebahrten Ötzis ob echt oder aus Plastik sowieso nicht so den Bezug habe. Die Tage ist vorbeigetwittert, daß neue Tatoos entdeckt wurden, und ich habe die Links nicht angeklickt, um nicht wieder ein Archivbild des ganzen Ötzi sehen zu müssen. „Die Mumie aus der Inkazeit“ in der Archäologischen Staatssammlung habe ich natürlich ganz sein gelassen. Und ich will auch der Archäologischen Staatssammlung keinen Vorwurf wegen zu geringem Ressourcen-Einsatz machen - ich weiß nicht, wie sie navigieren muß, um uns noch etwas bis zur Sanierung, Erweiterung oder zum Umbau des Museums anbieten zu können.

Auch opulente Karlsruher Ausstellungen können auf Teilflächen dünner besetzt sein, siehe mein Kykladen-Text. „Vielleicht steht das im Zusammenhang mit erwarteten Ausstellungsstücken aus Griechenland, die man aufgrund eines Streits um Raubgrabungen nicht bekommen hat.“ Aber anderen ist das nicht einmal aufgefallen: „In einer kleinen Presseschau im Eingangsbereich des Schlosses wird ein Schaden für die Ausstellung entweder nicht angesprochen oder durch zwei Autoren verneint. Interessanterweise mit demselben Argument, dem großen eigenen Bestand der Karlsruher.“

Wie dem auch gewesen ist, der Knatsch mit den Griechen ist vorbei. Hier Links zum Deutschlandradio („Deutsch-griechische Kulturversöhnung“) und zum SWR (Susanne Kaufmann über die Rückgabe geraubter Kykladenkunst aus Karlsruhe an Griechenland). Also beste Voraussetzungen für München, sei es vom verbliebenen Bestand der Karlsruher oder von ihren Kontakten zu Leihgebern her gesehen.

Letztes Jahr ist die Archäologische Staatssammlung wegen dem Bernstorfer Gold und Bernstein in die Medien gekommen. Meine kleine Zusammenstellung dazu Ende Oktober: Bernstorfer Sensationsfunde - zu schön, um echt zu sein?. Es gab dann den Vortrag von Prof. Ernst Pernicka, von dem der Archäologische Verein Freising auf seiner Website zunächst die Zusammenfassung „19.11.2014: Indizien für die Echtheit des Bernstorfer Goldes fehlen - Prof. Pernicka füllt Hörsaal bis auf den letzten Platz“ und dann Videos von Vortrag und der anschließenden Fragerunde eingestellt hat. Die Archäologischen Staatssammlung reagierte auf die Diskussion mit einer pdf-Datei mit „Fragen und Antworten zum Gold von Bernstorf“. Aktuell ist die Datei unten auf der Startseite des Museums nach dem Text „Informationen zur Bernstorf-Forschung“ verlinkt.

Zum Bronzezeit Bayern Museum hatte ich Ende Oktober gefragt, warum es so still ist, „könnte man nicht einen News-Ticker etablieren der alle gefundenen Stimmen verlinkt, auch die kritischen?“. Auf der Museums-Website gibt es mittlerweile unter „Aktuelles“ etwas zum Thema: „Aus Anlass der Medienberichterstattung über neuere Untersuchungen des Bernstorfer Goldfundes möchte die Gemeinde Kranzberg mitteilen: ...“. Näheres lese man bitte dort weiter.

Im oben genannten pdf der Archäologischen Staatssammlung findet sich folgendes zu den Messergebnissen des „Labors von Prof. Pernicka“: „Die Publikation der Mess-Ergebnisse sollte im Rahmen des Gesamt-Projektes nach einer wissenschaftlichen Diskussion erfolgen. Die Herauslösung der Ergebnisse als Vorabpublikation erschwert für die Öffentlichkeit im Augenblick das Gesamtverständnis des Fundes.“ An diese Publikation gelangt man via dieser Zusammenstellung auf der Website der Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH . Bei den verlinkten academia.edu-Artikeln nach „Zur Frage der Echtheit der Bernstorfer Goldfunde“ suchen.

Im Dezember-Programm der Archäologischen Staatssammlung war der Vortrag „Der Bernstorfer Berg im Ampertal, seine außergewöhnlichen Befestigungen und Funde - ein Bayernkrimi?“ von Prof. Rüdiger Krause angekündigt. Keine Ahnung was alles Wichtiges gesagt wurde. Ein Video wie vom Pernicka-Vortrag wäre nett gewesen. Von mir aus könnten solche Videos auch kostenpflichtig sein. Ein oder zwei Euro, wenn sich mal eine Plattform mit einfachem Bezahlmodell etabliert hätte? Der Eintritt in den Krause-Vortrag hatte glaube ich 4 Euro gekostet. Aber was kann man alles verlangen, und wo reichen die Ressourcen nicht mehr aus, um in allen Ecken Einarbeitung in die Technik und dann Erstellung und Wartung zu gewährleisten? Ich möchte an die niedrigen Bearbeitungsstände erinnern, die Prof. Raimund Karl in seinem in „Stonehenge-MOOC hat begonnen“ verlinkten Text angegeben hat.

Ein ganz anderes Thema zum Schluß: „Informatiker fordern uneingeschränkte, starke Verschlüsselung für Jedermann“ meldet heute die Gesellschaft für Informatik. Bei Golem gibt es heute einen Artikel „GnuPG braucht Geld - und bekommt es“. Sehr wenig ist da möglich, verglichen mit dem riesigen Aufwand für das Eindringen und Abhören, aber immerhin. Wer selbst mit dem Email-Verschlüsseln anfangen will: am Montag startet der openHPI-Workshop Sichere Email. In dem Youtube-Video „Sichere Email“ stellt Prof. Christoph Meinel den Kurs vor. Von den Buchempfehlungen sollte man sich nicht abschrecken lassen und stattdessen auf die openHPI-üblichen verständlichen Tutorials vertrauen. Also wer etwa täglich im Büro Emails versendet und das noch nie verschlüsselt gemacht hat, kann hier entsprechende Erfahrungen sammeln und sich die erfolgreiche Teilnahme bestätigen lassen.

Samstag, 11. Januar 2014

„Imperium der Götter“ in Karlsruhe

Im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss ist derzeit die Ausstellung „Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus. Kulte und Religionen im Römischen Reich“ zu sehen. Mit manchen Ausstellungstiteln ist es schon ein Kreuz - die zuletzt besuchte Ausstellung „Pompeji — Leben auf dem Vulkan“ zeigt auch viele Ausstellungsstücke aus der Region um Pompeji herum. Und ob diese Ausstellung das Leben auf dem Vulkan wiedergibt? Der Karlsruher Titel ist, richtig gelesen, genauer: „Imperium der Götter“ - das „Imperium“ bezieht sich auf das römische Reich. „Isis – Mithras – Christus“ - sind Schwerpunkte der Ausstellung. Und das waren „Kulte und Religionen im Römischen Reich“. Es geht nicht um alle Kulte im römischen Reich.

Begrüßt wird man noch von Jupiter und seiner engeren Göttergefolgschaft. Der römische Olymp — die römischen Götter waren schon lange an die griechischen angepasst — ist mit kleinen Götterfiguren illustriert, zwei davon aus dem Schatzfund aus Weißenburg, und man wird ein wenig in das religiöse Leben der Römer eingeführt. Via Bacchus geht es zu den Schwerpunkten, den „sogenannten orientalischen Kulten“ Mithras, Isis, Mater Magna/Kybele und Jupiter Dolichenus und danach zu den den „östlichen Religionen“ Judentum und Christentum. Die Ausstellungsflächen sind ungleich verteilt. Von Jupiter Dolichenus und dem Judentum ist weniger zu sehen, Mithras, Isis und Kybele kommen sehr gut weg.

Die Ausstellung ist teilweise eng gestellt. Man sieht sich zahlreichen kleinen und größeren Götterfiguren gegenüber. Es gibt überraschend viele kleine Tempelmodelle, und dazu noch zwei begehbare 1:1-Rekonstruktionen - die Katakombe der Heiligen Marcellinus und Petrus und das Mithräum von S. Maria Capua Vetere. In diese opulent ausgestattete Ausstellung sollte man viel Zeit mitnehmen oder einen zweiten Besuch miteinplanen.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Um die Ausstattung mal am Beispiel Mithras zu veranschaulichen: Karlsruhe ist mit diesem Gott sowieso schon bestens versorgt. Nun kommen auch noch die Leihgaben hinzu. Fotos von einfarbigen Mithras-Reliefen in Standarddarstellung hat man vielleicht so ungefähr im Kopf. In Karlsruhe gibt es jetzt ein drehbares Relief und eines aus Rom mit gut erkennbaren Farbresten und umfangreicherem Bildprogramm. Es gibt die regionalen Bezüge, auf die Mithräen im nahen Güglingen wird ausführlich eingegangen. Dazu gibt es ein kleines Tempelmodell und noch die erwähnte begehbare Rekonstruktion.

Blick vom Karlsruher Schloss in Richtung Stadtzentrum mit den Türmen von Rathaus und Stadtkirche

Anhand des hochrangigen Bestands des Landesmuseums habe ich schon mal das Problem „Dauer- versus Sonderausstellung“ beschrieben. Da war ich im dauerausgestellten Mithräum unten im Keller ganz allein und zwei Stock obendrüber war die Imperium-Romanum-Ausstellung proppevoll. Nun sieht man bei einem Mithras in der Sonderausstellung wohl auch ein Problem und es gibt dort tatsächlich zwei Hinweise auf die Dauerausstellung. Ich zweifle ob es hilft. Ich habe es nicht kontrollieren können. Ich habe mich vor dem Schloss mit meinem Freund aus der Schulzeit Wintersonne getroffen und bin gleich mit ihm in die Sonderausstellung und nach dem Schlosscafé war es kurz vor Museumsschluß.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Mithras kommt mit seinen Reliefen vielleicht nicht so facettenreich rüber. Demgegenüber kann man in der Wikipedia von mehreren Jupiter-Ausprägungen lesen, die teilweise ihre eigenen Tempel hatten, nebeneinander existierten und vermutlich ihre eigenen Verehrungskonjunkturen hatten. Also man sieht sich nicht nur zahllosen Göttern gegenüber, es gibt von den Göttern auch unterschiedliche Ausprägungen, die je nach Bedarf hervorgehoben und verehrt wurden.

Wie man in Karlsruhe sehen kann, ist Isis ein Beispiel für diese Ausprägungen. Ich hatte im Eintrag über das neue Münchner Ägyptische Museum von einer Führung und meinen Notizen berichtet: Serapis, „eine Art Retortengott der Ptolemäer mit Rauschebart“. Und „Die Ikonografie von Isis + Horus geht nahtlos auf Maria + Jesus über.“ Man kann das in der Karlsruher Ausstellung nachvollziehen. Aber es gibt die Isis auch in anderen, von Maria deutlich unterschiedenen Darstellungsformen.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Wie erwähnt ist die Ausstellung mittels dieser einzelnen Götter/Religionen strukturiert. Diese Teile stehen in der Ausstellung ohne Querbezüge nebeneinander, also man weist bei Isis nicht auf die oben genannten Übernahmen hin. Die Ausnahme ist etwas der Ausstellungsteil zum Christentum, zu dem etwa die von den anderen Kulten übernommenen Feiertage angegeben werden. Querbezüge zwischen den Kulten/Religionen wie die oben angesprochene Ikonografie oder vielleicht die Ausgestaltung einzelner Ausprägungen der Götter dürften aber auch eher normal als ungewöhnlich gewesen sein und damit so zahlreich, daß sie in der Ausstellung nicht eigens angesprochen werden konnten. In dem Zusammenhang ist zu beachten, daß etwa der römische Mithras wegen den zahlreichen Unterschieden zur persischen Vorlage als römische Neuschöpfung gilt. Bei den anderen „orientalischen Kulten“ werden die Einflüsse im Imperium ebenfalls nachhaltig gewesen sein und sie entsprechend zahlreiche Querbezüge aufweisen. Spätestens hier ergibt sich die Frage, wie es derweil den römisch/griechischen Göttern ergangen ist? Auf die Kulte von Demeter und Dionysos-Bacchus als wichtigsten Mysterienkulten der Antike wird kurz hingewiesen, aber unter den Hauptthemen waren sie in dieser Ausstellung nicht.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Also eine sehr opulente Ausstellung, bei der man sicher auf seine Kosten kommt, aber die man bei dieser Göttervielfalt auch mit ihren zwangsläufigen Beschränkungen sehen muß. Es gibt zahlreiche Ausstellungsstücke, von denen man sich regelrecht losreißen muß (hinsichtlich der Marmorskulptur aus dem Isis-Tempel in Pompeji hoffe ich auf 3D-Modelle und -Drucker). Und der Eintrittspreis ist nicht hoch. Vollzahler 8 Euro, mit Bahncard bin ich — die Götter wissen warum — sogar für 6 Euro reingekommen.

Mittwoch, 8. August 2012

Mixed Links

Am letzten Sonntag fand im Museumshof des Kelheimer Archäologischen Museums das Keltenfest 2012 statt und von Stephan Gröschler gibt es schon einen reich bebilderten Bericht. Seine Impressionen vom Kelheimer Keltenfest 2012 passen gut als aktuelle Fortsetzung zu meiner kleinen Serie über das Kelheimer Museum und den Archäologiepark Altmühltal.

Werner Lang hat auf seiner Limeswanderung seine diesjährigen Etappenziele in Baden-Württemberg durchwandert und mittlerweile Bayern erreicht. Die Fotogalerie auf seiner Limeswanderweg-Website ist mit den neuen Bildern aktualisiert. In seinen News sollte man ebenfalls vorbeisehen. Aktuell berichtet Werner Lang mit mehreren weiterführenden Links von der Neueröffnung eines Römerkanal-Wanderweges zwischen Nettersheim und Köln. Werner Lang beschreibt seine Limeswanderung durch Bilder, für den Text hat schon Rolf Bierwirth in seinem Limeswanderung-Blog gesorgt. Nach dem Nachtrag seiner Etappen am Hadrianswall ist es dort etwas still geworden, nur ein Besuch bei den Kelten auf dem Hausberg bei Butzbach ist in den letzten Monaten hinzugekommen.

Leider kann man die syrischen Hinterlassenschaften des Römischen Reiches derzeit nicht genießen. Die traurige Situation der Menschen dort hat Marcel Schwarzenberger zum Anlaß genommen, einen Reisebericht von 2001 mit aktuellen Ergänzungen unter dem Titel „Krieg im Wunderland“ zu veröffentlichen. Marcel Schwarzenberger erwähnt das fehlende Interesse der Redaktionen an seinem Reisebericht seinerzeit unter dem Hintergrund von 9/11. Auf beschränktem Raum kann nur ein Teil der Wirklichkeit durchgelassen werden, und diese Wirklichkeit muß passen. Daher wieder mein Hinweis auf die Treffen und Veranstaltungen des Euro-Arabischen Freundschaftskreises, gegenüber dem letzten Hinweis mit neuer Website und neuem Versammlungslokal in München.

Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Seit zweieinhalb Wochen kann man in den in den Münchner Antikensammlungen und in der Glyptothek die Ausstellung „Die Unsterblichen – Götter Griechenlands“ ansehen. Wenn sie nicht mittlerweile depubliziert wurden, dann kann man beim Bayerischen Rundfunk eine Radiosendung nachhören und beim Deutschlandfunk ein Interview mit dem Sammlungsdirektor Dr. Florian Knauß unter dem Titel „Woran erkenne ich einen Gott und wofür ist der zuständig?“ nachhören und nachlesen. Den offiziellen Pressetext zur Ausstellung hat dankenswerterweise „L.I.S.A. Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung“ eingestellt.

Wir wollen auf jeden Fall in die Ausstellung und ich hoffe zum Bericht gibt es dann neue Fotos von den Antikensammlungen. Die Bilder in diesem Blogeintrag vom Giebelfeld der Münchner Glyptothek habe ich während des Münchner Marathons 2011 gemacht. Sie sind ein Nachtrag mit einem besser geeigneten Objektiv zum Blogeintrag „Oids G'lump ? - aus dem Glyptothek-Giebelfeld verschwundene Figuren“ und zeigen in einer größeren Aufnahme die Stelle der verschwundenen ersten Spes links neben der Athene (Bild 2) sowie die zweite und dritte Spes.

Im Münchner Flughafen wird derzeit die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ gezeigt. Während man sich für die Unsterblichen noch bis mindestens 7. Juli 2013 Zeit lassen kann, soll diese Ausstellung nur noch bis zum 12. August dauern. Die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ geht auf das Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) zurück. Sie wurde schon in Mainz und Karlsruhe gezeigt, es müßte daher schon einiges im Netz herumschwirren. Hier die von den Mainzern bei Informationsdienst Wissenschaft eingestellte Pressemitteilung und der Link zu Pressebildern und Hintergrundmaterial beim RGZM. Ergänzend ein Text zur Ausstellung bei Archäologie Online, da sollte man noch über die Kommentare drübersehen. Und im DRadio Wissen erklärt Dr. Michael Müller-Karpe vom RGZM, „welch verheerende Folgen der illegale Handel mit Kulturgütern hat“.

Früherer Ort der verschwundenen ersten Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

„Pressemitteilungen“ gehen zwar trotz ihres Namens auch an Fernsehen und Rundfunk, für umfassendere Informationen im Medium Internet werden sie oft nicht genützt. Auf das zusätzliche Material könnte wie im Fall der Mainzer via dem Informationsdienst Wissenschaft (IDW) hingewiesen werden. Beim Informationsdienst Wissenschaft gibt es recht oft Neuigkeiten aus dem Bereicht der Altertumswissenschaften, die wahrscheinlich in der großen Mehrzahl von Nichtjournalisten gelesen werden. Zusätzlich gibt es einen Hinweis auf der Website des RGZM in der „Aktuelles aus dem RGZM“-Rubrik, die zu einem Text zur Ausstellung und einem Flyer führt. Weshalb man die Informationen aufspaltet? Nunja. Aber die Information sind jedenfalls öffentlich zugänglich eingestellt, bei anderen findet man garnichts. Hinsichtlich Aktuelles-Rubrik und Blog habe ich im Eintrag zu den Museumsblogs schon für einen Blog argumentiert. Nimmt man als Beispiel das hochrangig bestückte Pressegespräch am 12. Juli zur Eröffnung der Kriminalarchäologie-Ausstellung (hier der IDW-Link), dann könnte in den Blogs auf den Websites der Beteiligten etwas darüber stehen, warum sie es wichtig finden dort Präsenz zu zeigen, und sie könnten auf die Stimmen der anderen Beteiligten und auf weitere Informationen verweisen.

Vielleicht nerve ich, wenn ich mit den Argumenten Interesse von außen und Medienfunktionalität so lange auf dem Beispiel Pressemitteilungen herumreite. Aber für mich sind solche Überlegungen Teil dieses Hobbys. Andere haben ganz andere Vorstellungen als ich. Bspw. habe ich die Website www.keltenblock.de nie verstanden. Die Website ist schön gemacht und sehr informativ. Man muß sich hinsichtlich der Bewerbung auch etwas gedacht haben. Gleich nach der Bergung des „Keltenblocks“ wurde er mit einer Plane mit der Aufschrift „http://www.keltenblock.de/“ abgedeckt, was wohl auf Fotos in Zeitungen und auf die Fernsehberichte abgezielt hat. Man konnte einen Hinweis auf die Website sogar in einer Planet-Wissen-Sendung platzieren. Interessanterweise hat man aber nicht einmal für einen stärkeren Schulterschluß mit anderen institutionellen Websites gesorgt, nur die Anzahl der Gästebucheinträge ist für die vermutliche Zugriffszahl überproportional.

Vom Südwestrundfunk gibt es jetzt auch eine Kelten-Website. Passend zum anstehenden Höhepunkt des Keltenjahrs 2012, der Kelten-Landesausstellung in Stuttgart, kann man sich hier über die Kelten und über anstehende Fernseh- und Hörfunksendungen informieren. Dem Riesen SWR dürfte die eigene Kraft reichen, um die Website via Linkhinweis nach Keltensendungen bekannt zu machen. Trotz der sehr guten Möglichkeiten, die Website über ein klassisches Medium zu bewerben, wurde sie auch von den Social-Media-Niederlassungen des SWR verbreitet. Der SWR hat gleich mehrere Twitter-Accounts, über einen habe ich den Hinweis auf die Website mitbekommen.

Zweite Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Es ist ein Standardverfahren mit begleitenden Microblogs (ich sortiere Mitteilungen in Twitter, Facebook etc. bei den Microblogs ein) auf Blog-Einträge oder andere Informationsseiten hinzuweisen. Im Falle des Pressegespräch-Beispiels hätte man auf den Termin hinweisen können, wenn er öffentlich ist, oder auf ein Video vom Pressegespräch. Die Ausrüstung für eine Videoaufzeichnung ist günstig zu haben, das Bereitstellen des Videos im Internet kostet nichts, die Kenntnisse dafür sollten bei Profis in den Presseabteilungen vorhanden sein. Hier ein schönes Video von Rainer & Joshua Dornburg von ihrer „Alpenüberquerung 2011 Via Claudia Augusta“. Erst etwa ab der 14. Minute geht es auf die Via Claudia Augusta, aber man wenn man Zeit hat sollte man sich die Tour komplett gönnen.

So ein Video-Link wird sich kaum über exklusive Mitteilungen an die klassischen Medien verbreiten lassen. Zumindest kann man im Nachhinein auf das Video stoßen. Schlecht wäre es, wenn sich statt reinen Veranstaltungen für die Presse Live-Streams allgemein durchsetzen würden, bei denen man vielleicht sogar online Fragen stellen kann. Den Termin würde ja kaum ein Interessent mitbekommen. Vermutlich lassen sich auch Neuerungen wie Smartphone-Apps schwer über klassische Medien verbreiten - zum Umstieg vom früheren Audio-Guide hatte ich in den ausgehängten Zeitungsausschnitten bei der Kykladen-Ausstellung in Karlsruhe nichts gefunden. Vernetzte eigene Blogs/Microblogs wären ein Grundstock. Besser wäre es, die Informationen würden von anderen aufgegriffen und weiterverbreitet. Wenn eine Schulklasse ein Museum besucht und statt Informationen über das Museum nur Fotos vom Monopteros ein paar hundert Meter weiter im Englischen Garten in die Sozialen Netze einstellt, dann ist den Freundeskreisen klar, was dort sehenswert ist.

Für manche Sponsoren sind solche Interessensbekundungen sehr relevant. Man sollte dazu diese Meldung von heise online bis zum Ende durchlesen. Es geht in der Meldung darum, daß soviele auf sozialen Netzwerken vom olympischen Straßenradrennen der Männer berichtet haben, daß durch die Netzüberlastung die Datenweiterleitung der Fahrer-GPS-Sensoren verhindert wurde. Einen ähnlichen Schluß zu den Sponsoren kann man aus „Seinen Leser lieben – ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung“ von Joachim Braun ziehen. Wo wird ein potentieller Sponsor seine Schwerpunkte setzen wollen, wenn er sich „weitgehend vom Medium Tageszeitung verabschiedet“ hat?

Dritte Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Also klar, Microblogger/Blogger sollten schön angefüttert werden, damit das mit der Informationsweitergabe klappt. Nun angenommen, eine Schulklasse kriegt eine Führung auf einer Ausgrabung und wird erfolgreich angeregt zu fotografieren und in den Social Media zu berichten. Wie sollte der Veranstalter mit den Ergebnissen umgehen? Er sollte sie vielleicht in Kurzform in einer Ecke der eigenen Website durchlaufen lassen. Ähnlich wie im Fall des obigen Beispiel-Pressegesprächs. Wenn dort die Institutionen X und Y präsent waren und X einen schönen umfassenden Beitrag darüber geschrieben hat, dann sollte bei Y ein Hinweis darauf zu finden sein. Die eigene Arbeit wird im Beitrag von X hervorgehoben und man muß nicht selbst soviel schreiben.

Dr. Christian Gries erwähnt in seinem „Sturmgeläut – Bloggen in Deutschland“ die Idee eines Gemeinschaftsblogs. Ich hatte das Thema auch schon mal angerissen, ein Gemeinschaftsblog hätte ein paar gewichtige Vorteile. Aber er wäre nicht hinreichend. Beim Beispiel-Pressegespräch gab es Beteiligte, die kaum über ein Gemeinschaftsblog abzudecken sind. Hinreichend wäre eine Einbindetechnik. Wobei nichts gegen eine Kombination von Einbindung und Gemeinschaftsblog spricht, wenn der vermutlich enger zu haltende thematische Fokus nicht verloren geht. Ein aktuelles Beispiel für eine mittels Einbindung gestaltete Website wird hier in „Mercedes-Benz in der Blogosphäre – das neue Social Publish“ vorgestellt.

Die zugrunde liegende Einbindetechnik ist nicht neu, Alfred Platschka verwendet sie bspw. um von seiner Website Lechrain-Geschichte auf seine Beiträge bei myheimat.de zu verweisen. Ich empfehle mit der Durchsicht ganz vorne beim bestens ausgearbeiteten Ipf zu beginnen („Der IPF (bei Bopfingen) - ein frühkeltischer Fürstensitz“), der Beitrag hatte noch viel zuwenig Leser. So eine Einbindetechnik habe ich auch schon früher einmal im Eintrag „Tägliche Nachrichten zu Archäologie und Geschichte“ erwähnt: im Mambra-Blog von Jos Thiel werden schon seit längerem Verweise auf die Nachrichten von Archäologie Online eingebunden. Im Falle des Social Publish von Mercedes-Benz würde kuratiert, das Einbinden geschieht in Absprache. Und wenn man sich nicht berücksichtigt fühlt, dann kann man eine Mail an die Kuratoren schicken und wenn der Beitrag passt, dann setzen sie den Hinweis auf den Beitrag rein.

Abschließend noch eine andere Variante der Einbeziehung: bei @MunichLovesU wird nicht eingebunden, sondern der Account übergeben. Jede Woche twittert ein anderer unter dem Account. Eine Superidee und meist einer der lebendigsten Twitter-Accounts, denen ich folge. München-Interessierte sollten mal durchblättern, wer in den Wochen aktiv war. Letzte Woche war es Heinrich Bruns. Seinen ersten Tag bei MunichLovesU hat er „mit der Erinnerung an ein Gemetzel begonnen. Es geht um die Schlacht von Hohenlinden.“ Hier mehr dazu in seinem Blog Heinrich graut's - Ansichten, Einsichten, Aussichten.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Kykladen in Karlsruhe

Mit den „Kykladen. Lebenswelten einer frühgriechischen Kultur“ führt uns das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss nach dem Jungsteinzeit-Intermezzo vor einem Jahr wieder wie in den Ausstellungen über die Vandalen und die dunklen Jahrhunderte Griechenlands an das Mittelmeer.

Karlsruher Schloss (Rückseite)

Ohne Karte kann man sich mittels der Worterklärung für „Kykladen“ - von kyklos, Kreis, „da die Inseln kreisförmig um Delos, die heilige Insel des Apollon, angeordnet sind“ - und dem in der Ausstellung verwendeten Bild einer „Drehscheibe zwischen griechischem Festland, Kreta und Anatolien“ die Lage der Inseln vorstellen. Von dem Gebiet mit vielen Inseln, das man jetzt vielleicht in den Kopf bekommt, der linke Bereich, also nicht die Inseln rechts direkt vor dem anatolischen Festland, dann passt das so in etwa.

Bei der Kykladen-Kultur geht es um eine Kultur der Bronzezeit, als deren Zeugnisse sind aber vor allem steinerne Hinterlassenschaften bekannt, und zwar besonders Idole wie im fünften Bild (im Museums-Shop gekaufte Nachbildung). Wie im Eingangsszenario der Ausstellung beschrieben, wurde diesen Funden aber bei den ersten Ausgrabungen im 19. Jahrhundert wenig Bedeutung zugemessen. Man hatte seinerzeit einen soliden Hintergrund durch die Texte antiker Autoren, das Ideal war klassisch-griechisch in der Tradition Winckelmanns - ich hatte das Thema Griechenbegeisterung im ersten Teil Agrigent - und Herodot hatte die Kykladen als von kleinasiatischen Karern besiedelt beschrieben, deren Hinterlassenschaften konnten also nicht bedeutend sein.

Kykladen-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Erst später trat gegenüber dem angelesenen Wissen der Wert der archäologischen Funde und des archäologischen Fundzusammenhangs stärker hervor. Für die große Bekanntheit der kykladischen Idole bzw. zumindest für ein gewisses „habe ich schon einmal gesehen“-Gefühl sorgten dann aber erst moderne Künstler wie Pablo Picasso, Henry Moore, Hans Arp und Alexander Archipenko, die sich von der „elementaren Einfachheit“ und „bloßen Form“ inspirieren liessen. Am Ende der Ausstellung sind einige Werke zu sehen, eingangs der Ausstellung dient Henry Moore dazu diese Entwicklung zu skizzieren.

Die Ausstellung geht nach dem Eingangsszenario zunächst auf die Lebenswelten dieser frühgriechischen Kultur ein. Das geschieht eher mittelbar über die Gegebenheiten der Inseln. Ein Modell zeigt deren Lage. Es wird beschrieben welche Schätze die Inseln zu bieten hatten - den vor allem in der Steinzeit wichtigen Obsidian von der Insel Melos, Marmor von den Inseln Paros und Naxos, das Schleifmittel Bimsstein von Thera, Silber und Blei von Siphnos, Kupfer zusammen mit den in Kupferlagerstätten zu findenden Färbemitteln Azurit und Malachit auf Kythnos, Seriphos, Siphnos und Kea. Landwirtschaftlich waren die Inseln nur schlecht nutzbar, für den Fischfang und speziell den Thunfischfang aber sehr gut.

Kykladen-Ausstellung im Karlsruher Schloss

In diesem Ausstellungsbereich findet sich auch das angekündigte „rekonstruierte Modell eines kykladischen Langbootes“. Nicht groß, es hätte auf einem Wohnzimmertisch Platz. Es ist - so zumindest mein Eindruck in der Ausstellung - einer der wichtigen Dreh- und Angelpunkte bei der Interpretation der Leistungsfähigkeit und des Niedergangs der kykladischen Kultur. Gegen Ende der Ausstellung wird noch einmal ausführlicher auf die Langboote eingegangen. Vorlage für die Boote sind Ritzzeichnungen, man stellt sie sich als gepaddelte Einbäume vergleichbar derjenigen der Maoris und und den Indianerstämmen der Haida an der Nordwestküste Amerikas vor. Man vergleicht deren Aktionsradien mit den Gegebenheiten der griechischen Inselwelt und kommt zu dem Schluß, daß neben der genannten Drehscheibenfunktion zwischen griechischem Festland, Kreta und Anatolien - in dieser Inselwelt soll bei guter Sicht immer eine Landmarke zur Navigation zu sehen gewesen sein - sogar der Bosporus im Aktionsradius gelegen haben müßte.

Gegenüber gesegelten Schiffen ergab sich der Vorteil, daß man nicht auf günstige Winde für die Befahrung des Bosporus warten mußte. Allerdings ergeben sich auch einige Nachteile: Als geeignete Baumart wurde die griechische Tanne identifiziert. Durch deren Verwendung würde sich mit der Zeit ein Ressourcenengpaß ergeben. Zudem verrottet sie eher als das Holz, aus dem die Planken der minoischen Schiffe gemacht wurden, und die Langboote haben eine geringere Transportkapazität als die gesegelten Schiffe der Minoer.

Kykladen-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Anderseits wird auf einer anderen Infotafel auch eine Klimaänderung als möglicher Grund für einen abrupten Wandel um 2250 v. Chr. angeführt, von dem zudem auch das Festland betroffen war, nur auf Kreta hätte es diesen Einbruch nicht gegeben. Die Kykladen sind dadurch zunächst in den Schatten der Minoer und später der Mykener geraten.

Aber zurück zum ersten Teil der Ausstellung mit dem Langboot-Modell. Dort findet sich auch ein Siedlungsmodell mit auffallend viel Befestigungsmauern für relativ wenige Wohnhäuser. Die Siedlungen seien erhöht in Sichtkontakt zueinander angelegt worden, wenige hundert Bewohner bei kleiner Grundfläche. Das passt zu dem Analogieschluß mit Maoris und Haida, nach dem diese Langboote mit vielen Paddlern auch gut für Überfälle geeignet waren. Anderseits wurde der daraus folgende räuberische Aspekt der Kykladen-Kultur in der Ausstellung nicht weiter ausgeführt und belegt.

Kykladen-Idol (Nachbildung)

Stattdessen ist man im weiteren Verlauf der Ausstellung beeindruckt von Gefäßen aus Marmor. Sie „imitieren Tongefäße“ und „verleihen durch das lichtdurchlässige Material Marmor hohen optischen Reiz“. Es gibt „Kykladenpfannen“ mit einem Dekor aus ineinander verwobenen Spiralen, Bronzedolche und natürlich viele Idole, die wohl nach einzelnen Grabstätten typisiert werden und sich in Plastizität, Proportion etc. unterscheiden.

Die Idole waren nicht marmorweiß, sondern bunt bemalt. Da hätte man also eine vergleichbare Situation wie bei den Ägineten, nur daß die wegen zusätzlichen Accessoires wie bemalten Bleilocken vielleicht noch mehr von unseren heutigen Vorstellungen entfernt ausgesehen haben. Im Laufe der Zeit wurden manche Idole mehrfach übermalt, Spuren der früheren Bemalung blieben teilweise erhalten. Eine Projektion zeigt solch unterschiedliche Bemalungen.

Kykladen-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Ab dem Bereich mit der Projektion geht die Ausstellung räumlich gedrängter über in die genannten Teile mit den Langboot-Analogieschlüssen und der Reflektion durch moderne Künstler. Eine umfangreichere Ausstellungsfläche davor erscheint verglichen zu früheren Ausstellungen deutlich lockerer besetzt. Vielleicht steht das im Zusammenhang mit erwarteten Ausstellungsstücken aus Griechenland, die man aufgrund eines Streits um Raubgrabungen nicht bekommen hat. Das ist aber jetzt reine Spekulation. Bei dem Streit um Raubgrabungen dreht es sich um zwei Idole, die man vor einer Zeitgrenze erworben hat, für die Deutschland rückwirkend entsprechende Verfahrensregeln der Unesco anerkannt hat.

In einer kleinen Presseschau im Eingangsbereich des Schlosses wird ein Schaden für die Ausstellung entweder nicht angesprochen oder durch zwei Autoren verneint. Interessanterweise mit demselben Argument, dem großen eigenen Bestand der Karlsruher. Das Problem der Raubgrabungen wird in der Ausstellung allgemein thematisiert, ebenfalls im gedrängten letzten Teil. Es geht dabei um die zeitliche Zuordnung, die ohne den Fundzusammenhang nicht mehr möglich ist, und um das Problem zahlreicher Fälschungen, die mit dem steigenden Interesse an den Idolen aufgetaucht sind.

Kykladen-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Die eigenständige Blütezeit der Kykladen-Kultur müßte nach meinem Verständnis vom Wechsel Steinzeit zur Bronzezeit um 3000 v.Chr. bis zu der oben genannten Zeit um 2250 v.Chr. gegangen sein. Zahlreiche Ausstellungsstücke sind entsprechend datiert - 3200-2900 und 2700-2400. Die in der Ausstellung genannte eigentlich klare Abfolge kann ich jetzt nur schwer mittels der Wikipedia nachvollziehen. Also vielleicht sollte man hier bei stärkerem Interesse an den Daten und den Übergängen den Ausstellungskatalog in das Auge fassen. Ich habe darin im Shop nur angefangen zu blättern und dann schon meinen Schulfreund im Foyer gesehen, mit dem ich die Ausstellung besuchen wollte (Wintersonne im „Mitglieder“-Bereich rechts oben). Die Presseabteilung könnte natürlich auch versuchen die Wikipedia zu aktualisieren oder eifrigen Wikipedianern Kataloge zukommen zu lassen. Mehr Leser als einzelne Presseartikel zur Ausstellung werden diese Kykladen-Artikel in der Wikipedia sehr wahrscheinlich haben.

Was wir in der Ausstellung beide vermisst haben - vielleicht ist da auch etwas dazu im Buch - waren Einflüsse der Kykladen-Kultur auf die Nachbarkulturen. Es gab offenbar durch die Kultur geprägte Siedlungen auf dem griechischen Festland und auf Kreta und einzelne Objektfunde außerhalb. Aber in der Ausstellung war kein Nachwirken in dem Sinne zu sehen, daß Minoer oder Mykener Idole so aufgegriffen und in ihr Schaffen eingebaut hätten wie Pablo Picasso oder Henry Moore.

Kykladen-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Zum Multimedia-Guide: erstmalig gibt es im Karlsruher Landesmuseum eine App zur Ausstellung. Anscheinend nur iPhone, und wer kein iPhone hat kann ein iPad ausleihen. Zum Fotografierverbot: war glaube ich in den Karlsruher Sonderausstellungen immer so. In den Dauerausstellungen darf man laut Info an der Kasse fotografieren, die Bilder aber nur mit Erlaubnis der Presseabteilung in das Internet stellen. Ich will das jetzt nicht ausdiskutieren (ich habe nie versucht, in Karlsruhe die Erlaubnis für Innenaufnahmen zu bekommen, es gibt schon relativ viele Bilder beim Landesmuseum, sogar ein digitaler Katalog ist im Bau, es gibt Bilder beim Landesbildungsserver Baden-Württemberg u.ä.. Das Fotografieren stört in gutbesuchten Ausstellungen, und die Sonderausstellungen sind oft sehr gut besucht. Viele der Texte in der Ausstellung braucht man nicht fotografieren, um sich Notizen zu sparen, man kann sie von der Museumswebsite herunterladen. Die generelle Fotografiererlaubnis würde vielleicht gegenüber den Leihgebern Probleme bereiten. An eine Kannibalisierung des Katalogverkaufs glaube ich dagegen nicht, mit dem Argument müßten bei den vielen Tierpark-Sendungen im Fernsehen alle Zoos mittlerweile unter massivem Besucherschwund leiden. Und zur Preisliste beim Digitalen Katalog würde mich wie bei anderen derartigen Bilderdiensten mal eine Gegenüberstellung des zusätzlichen Aufwands gegenüber dem Ertrag und den entgangenen Vorteilen beim Museums-Marketing interessieren).

Aber aus meiner Sicht beisst sich App und iPhone mit dem Fotografierverbot. Das Fotografierverbot ist mit dem iPhone in der Hand nicht kontrollierbar und es holpert auch bei der Kommunizierbarkeit. Für Veranstaltungen wie die Tweetups wäre so ein Fotografierverbot schon eine Einschränkung. Meinen Gedanken zum Tweetup, daß auch genug Leute kommen sollten, die nicht aus der Szene Museumsmitarbeiter/Dienstleister kommen, sehe ich da in anderem Licht. Vielleicht wäre es gerade für die Museumsleute gut, so etwas mal mitzumachen. Die klassischen Medien sind beschränkt, ich habe in keinem der ausgehängten Presseartikel einen Hinweis auf die App-Neuerung gesehen. Zwangsläufig fallen auch viele andere Dinge unter den Tisch, ich gehe ja jetzt auch nicht mehr auf das sehr interessante Begleitprogramm ein (auf der Museumswebsite im herunterladbaren Flyer ). Mittels sozialen Medien könnten die Besucher/Teilnehmer angeregt werden, selbst Werbung für das zu machen, was ihnen gefallen hat.