Sonntag, 18. Januar 2009

Dunkle Zeit in Karlsruhe

Die Daueraustellung des Badischen Landesmuseums im Karlsruher Schloß mit seinen zahlreichen Stücken aus Antike, Ur- und Frühgeschichte ist sicher einen Besuch wert. Zwiespältig sind die Gefühle bei der derzeit bis zum 15. Februar 2009 stattfindenden Sonderausstellung „Zeit der Helden. Die 'dunklen Jahrhunderte' Griechenlands 1200 - 700 v. Chr“.



Dunkel wurde es tatsächlich schon als man durch die Tür in die Ausstellung trat. Rechts auf die Wand wurden ein paar Helden zur Auswahl projiziert (ich glaube u.a. Torwart Kahn, Mutter Theresa, Marie Curie, Achill), links erste Vitrinen, ein Stück weiter hinten an der dunklen Decke Text von Homer, der die gesamte Ausstellung begleitete und wohl den Brückenschlag von der hellen in die dunkle Heldenzeit und zu der Partnerausstellung über Homer in Mannheim bilden sollte.

In diesem ersten Teil fand sich die obligatorische Zeitlinie und einige Vitrinen mit Helden-Ausrüstung - entweder konkret als sichtlich in die Jahre gekommenes Schwert oder als damals angefertigtes Modell eines Streitwagens. Eine Führerin wollte gerade von ihrer kleinen Kindergruppe wissen was für den Helden so besonders wichtig war. Ein Pferd, meinte ein Mädchen. Jaaaa, Pferde waren wichtig, und was hat der Held sonst noch...

Bei der letzten der Vitrinen dieser Reihe schien im umgebenden Dämmer auch noch die Beleuchtung ausgefallen zu sein. Dafür blendete um die Ecke herum eine Deckenlampe, außer man wandte sich den Vitrinen zu, für die diese Lampe zuständig war. Dann hatte man die Lampe im Rücken und die Exponate die man ansehen wollte waren im Schatten.



Das Lichtproblem hatten wir ab der Attraktion „begehbarer Teilnachbau des mächtigen Heroon von Lefkandi, einer mysteriösen Grabstätte auf der Insel Euböa“ hinter uns, dafür gabs ein paar für unser Empfinden zu tiefe Vitrinen, mit darunter angebrachter nicht besonders großer Beschriftung. Oder ein gut lesbarer Text an der Wand berichtete von stadtähnlichen Siedlungen, die „in geometrischer Zeit“ angelegt wurden, nur hatten wir uns bei der Zeitlinie zuvor nicht gemerkt wann die „geometrische Zeit“ gewesen ist.

Nach gefühlter Wirklichkeit nahm ein abschließender Raum zum Thema Zypern und Phönizier mindestens ein fünftel der Ausstellung ein. Zypern soll die Krisenjahre vergleichsweise schnell überwunden haben und wurde als multikulti dargestellt, über das die Helden aus dem Osten etwa von dem phönizischen Alphabet beeinflußt wurden.



Unser Problem: wir dachten, es gäbe in der Ausstellung mehr erhellendes zur „dunklen Zeit“, stattdessen wurde diese ziemlich dünn und im Dunkeln gelassen und drumherum viel angerissen. Neben der Beleuchtung passten dazu auch die Exponate, die anscheinend in der Mehrzahl aus der Zeit vor 1200 v.Chr. oder ab 900 v.Chr. stammten, also nicht aus dem Zentrum der 'dunklen Zeit'. Warum hat man dann die dunkle Zeit in Anführungsstriche gesetzt?

Gibt es auch Gutes über die Ausstellung zu sagen? Es war gut, daß wir mal drüber geredet haben. Wir sind via den späteren Griechen und den Römern kulturell Erben dieser Zeit, und da ist das nix genaues weiß man nicht auch mal in Kauf zu nehmen. Und der kleine Minotaurus war toll, ich glaube aus dem 8ten Jh. v.Chr. Wer mag könnte für den oder nach Wahl für ein anderes schönes Exponat alle zwei Tage in die Ausstellung gehen und davor meditieren (speziell wenn man bspw. über den Oberrheinischen Museumspaß kostenlos reinkommt, für die 8 Euro die wir pro Person bezahlten wäre mir das zu teuer). Außerdem war die Idee super im letzten Raum die Schatten von zwischen Säulen sich unterhaltenden Griechen an die Wand zu projizieren, bei der irritierenden Beleuchtung zuvor konnte man wirklich aus den Augenwinkeln denken das sind Schatten von Mitbesuchern.

Links:

Das Badische Landesmuseum zur Ausstellung: http://www.helden2008.de/

Ein ausführlicher Artikel von Heinrich Speich: http://www.cosmopolis.ch/geschichte/114/zeit_der_helden_griechenland_d0114.htm

1 Kommentar:

Apollonia hat gesagt…

Ich war ebenfalls in der Ausstellung „Zeit der Helden. Die 'dunklen Jahrhunderte' Griechenlands 1200 - 700 v. Chr.“ Den o.g. Beitrag kann ich nur bestätigen. Die Ausstellung war zu dunkel und nur begrenzt informativ. Vielleicht hätte ich auch besser daran getan die Ausstellung Montag bis Donnerstag und nicht am Wochenende zu besuchen, dann wäre sie nicht so überfüllt und der Lärmpegel wohl auch nicht so ausgeprägt gewesen. Mehr archäologische oder geologische (Tsunami, Erdbeben?) Erkenntnisse hätte ich mir zur Erhellung der dunklen Jahrhunderte gewünscht. Ansonsten waren einige sehr schöne Ausstellungstücke vorhanden (Der Minotaurus war auch mein Lieblings –Ausstellungsstück).