Samstag, 20. Juni 2020

Die Preysingsäule im Forst Kasten

Mein Ziel war eine Gruppe von Grabhügeln zwischen dem Forsthaus Kasten und Buchendorf (Link zur Grabhügelgruppe im BayernAtlas). Dort gab es aber unter alten Bäumen viele junge Laubbäume. An brauchbare Fotos war nicht mehr zu denken. Zeckenhalber habe ich die weitere Erkundung auf eine Jahreszeit ohne Blätter und mit Stiefeln verschoben und bin weiter zur etwa einen halben Kilometer entfernten Preysingsäule ((Link zur Preysingsäule im BayernAtlas - die Stecknadel sitzt etwas neben der Säule, damit man die Beschriftung und die Denkmalmarkierung besser sehen kann).

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Die Grabhügelgruppe ist mir in der BayernAtlas-Reliefansicht beim Erstellen des Hexenhäusl-Blogeintrags aufgefallen. Wir waren hier schon 2009 unterwegs, siehe „Von Forsthaus Kasten nach Buchendorf“. Ich glaube damals waren die drei westlichen Teile der Rotflächen mit der heutigen Denkmalnummer D-1-7934-0335 zusammenhängend und entsprechend größer. Das vierte damals eingestellte Bild dürfte von einem Grabhügel der aktuell anvisierten Grabhügelgruppe stammen, die anderen hatte ich damals nicht gesehen. Wir waren da am selbsterklärten Ende unserer Grabhügelsuche, hatten zuvor mit eher dünnen Ergebnissen das Gebiet nordöstlich abgesucht und wollten nach Buchendorf weiter.

Interessanterweise handelt es sich hier um „Grabhügel mit Bestattungen der Hallstattzeit.“ D.h. man hat mehr Informationen als zu den in nächster Nähe liegenden „Grabhügeln vorgeschichtlicher Zeitstellung“. Man ist aber nicht in der Lage, die ein paar Tastendrücke entfernt liegende Information über Literatur und Funde in dieses Geoinformationssystem zu übernehmen. Wenn die Zuordnung zur Hallstattzeit zutrifft, dann wären die Grabhügel Jahrhunderte vor der Buchendorfer Keltenschanze und etwa zeitgleich mit dem Pullacher Fürstengrab entstanden.

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Die Preysingsäule ist laut Wikipedia 1735 von Kurfürst Karl Albrecht von Bayern aus Dankbarkeit für die Genesung seines Großkanzlers Max Emmanuel von Preysing an der Stelle errichtet worden, an der Preysing bei einer Parforcejagd vom Pferd gestürzt war und einige Zeit bewusstlos liegen blieb.

Ich hatte zur Preysingsäule nie einen sonderlichen Bezug. Der Name Preysing sagte mir als Zugezogener nichts. Und ich bin damit aufgewachsen, daß Waldarbeit ziemlich gefahrgeneigt ist. Die mir bekannten Todesfälle außer Haus standen entweder im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen oder mit der Waldarbeit. Da wirkte die Säule auf mich ziemlich unmotiviert. Außerdem kam noch das Gefühl einer räumlichen Randständigkeit dazu. Die Wegführung ist da wirklich etwas komisch, vermutlich aufgrund der Besitzverhältnisse.

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Die Texte, die ich im Internet über die Preysingsäule gefunden habe, sind allesamt dünn. Vielleicht kann man der Sache näher kommen, wenn man sich die Preysingsäule als Teil einer Möblierung einer riesigen Adelsspielwiese vorstellt. Die Wikipedia erwähnt bspw. „Jagdlusthäuser“ im heutigen Landschaftsschutzgebiet Forstenrieder Park. Ein gelbes, ein blaues, ein rotes und ein grünes Haus, wobei das damalige Gelbe Haus einen mit der Pagodenburg im Nymphenburger Schlosspark vergleichbaren Grundriss gehabt haben soll und von acht Pavillions umgeben war. Die im BayernAtlas als Hintergrund verwendbare historische Karte von 1860 ist gegenüber diesen barocken Forstenrieder-Park-Verhältnissen schon ziemlich modern. Sie zeigt das heutige Gelbe Haus, das 1842 als Diensthütte errichtet wurde. Die Jagdlusthäuser waren aus Holz und das barocke Gelbe Haus soll schon 1746 abgerissen worden sein.

Heutzutage könnte man vielleicht eine virtuell rekonstruierte alte Adelsspielwiesenschicht anbieten. Mit ins Smartphone ladbaren Geokoordinaten der verschwundenen Adelsspielwiesenmöblierung könnte man den Forstenrieder Park vielleicht für Tagesevents mit Leih-e-Bikes aufbohren. Natürlich müßten dann vor Ort beim Blick durch die Smartphones die Jagdlusthäuser via Augmented Reality erscheinen. Die Preysingsäule wäre weil echt ein absoluter Höhepunkt auf so einer Tour.

Die Preysingsäule im Forst Kasten, einem Teil des Landschaftsschutzgebiets Forstenrieder Park

Hinsichtlich der jüngeren bayerischen Geschichte bin ich ziemlich dünn besetzt. Sogar sehr sehr sehr dünn besetzt, wenn ich auf die Bücherlisten sehe, die Josef Maria Wagner zu Monacensia, Bavarica, Historischen Romanen aus München und Bayern, München-Krimis, Bayern-Krimis und Romanen zusammengetragen und kommentiert hat. Ich möchte deshalb abschließend empfehlen, sich diese Bücherliste einmal durchzusehen. Selbst wenn man selbst nicht so interessiert ist, ist vielleicht der eine oder andere gute Geschenktipp dabei.

Freitag, 15. Mai 2020

Römerstraßen-Abstieg und Georgenstein

Die ersten Bilder zeigen die Stelle, von der aus die frühere Römerstraße südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting in das Isartal abgestiegen sein soll. Die lokalen Verhältnisse sieht man sich am besten in der Reliefansicht des BayernAtlas genauer an, ich gebe mal einen Link mit Stecknadel auf diese Stelle weiter. Man erkennt in der Reliefansicht sehr gut die durch den Geländeeinschnitt gegebene Begünstigung dieser Wegführung.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Näher zur Isar hin gibt es wie in „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“ beschrieben mehr Optionen für die Wegführung. Es geistert immer noch der Georgenstein als Brückenpfeiler durch manche Webseite. Daran glaube ich wegen der mit der Talenge verbundenen starken Strömung und den Hochwassergefahren nicht. Die nächste Option liegt etwas weiter flußabwärts zwischen Georgenstein und dem Isarwehr Baierbrunn. Die ergäbe zwar eine etwas geradere Verbindung zwischen dem West- und Ostteil der Römerstraße, würde aber hinsichtlich der Strömung und dem Hochwasser wenig gewinnen.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Mittlerweile ist die offizielle Darstellung im BayernAtlas mit der Römerstraße noch etwas weiter flußabwärts zum Isarwehr gerückt. Die Linie wird hier zwar nicht durchgezogen, aber das westliche und das östliche Ende der Römerstraße legen den Bereich des Isarwehres als Übergang nahe. Aus diesem verzögerten Übergang etwas weiter flußabwärts folgt ein Herumführen der Römerstraße um den Geländesporn mit der Römerschanze. Ich persönlich neige zu einer noch weiter flußabwärts gelegenen Variante. Also wenn es nach mir ginge, würde man die Römerstraße noch weiter um den Geländesporn herumführen. Das wichtigste Argument für mich wäre, daß sich hier die Talsohle deutlich verbreitert. Vielleicht hätte man diesen Bereich sogar die meiste Zeit des Jahres gut als Furt nutzen können. Außerdem ließen sich hier Dienstleistungsbetriebe besser unterbringen. Der Umweg ist gering und wäre für eine Nebenstrecke über Grünwald zu den römischen Siedlungen im Hachinger Tal sogar ein Vorteil.

Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Die verschwundene „Brücke der römischen Kaiserzeit“ mit der Denkmalnummer D-1-7935-0005 wäre ebenfalls ein Argument, falls die einen realen Fundhintergrund hatte und nicht irrtümlich an der Stelle gelandet war. In Vici.org kann man sich aktuell noch die aus BayernViewer-denkmal übernommene Position flußabwärts des Isarwehrs Baierbrunn ansehen. BayernViewer-denkmal wurde 2014 vom Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst, dort wurde die Brücke erst noch angezeigt, ist aber nun seit einiger Zeit verschwunden. Vici.org orientiert sich in dem Bereich mittlerweile gut an der Streckenführung der Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas und BayernAtlas, zieht aber die Römerstraßenlinie wie von diesen Denkmalamtsdaten nahegelegt beim Isarwehr Baierbrunn durch die Isar durch. Im Eintrag zu der Brücke wird bei Vici.org festgestellt, daß die Brückenlage „wenig Sinn im Verhältnis zur Straßenlage rechts und links der Isar“ macht. Wie gesagt, bei meiner favorisierten Option hätte sie einen Sinn, da läge man mit dieser Brücke im für den Übergang interessanten Bereich.

Georgenstein
Isarwehr Baierbrunn

Mithin hätte ich mich auf meiner Tour irgendwann vom Weg hinunter an die Isar und zum Georgenstein lösen und dann zumindest versuchen müssen, auf der vorgeschlagenen Bodendenkmaltrasse zwischen Isar und Römerschanze zu bleiben. Da ich aber noch nie auf der östlichen Isarseite unten beim Georgenstein war und auch sehen wollte, wie das Ufer im weiteren Verlauf aussieht, habe ich auf Touristik umgeschaltet und bin schnurstracks zum Georgenstein weiter. Nach meiner Vorstellung lande ich erst wieder beim Fotografenstandort des vorletzten Bildes bei der Römerstraße. Für mein bisschen dadurch verloren gegangenen Text zur Strecke und die nicht gemachten Fotos kann ich aber den sehr umfangreichen Suchbericht „Sondengänger findet Zeitkapsel“ von Thorsten Straub als Ersatz anbieten. Ich hoffe, er lässt seine Website noch lange online.

Isarwehr Baierbrunn
Isarwehr Baierbrunn

Die Fotografenposition des vorletzten Bildes liegt auf der Gegenseite der Fotografenposition der ersten fünf Bilder im „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“. Die Fotos vom „Maiausflug“ stammten vom Maianfang 2019. Die aktuell Gezeigten von der östlichen Seite sind älter, die stammten von Ende Mai 2018. Wie schon an anderer Stelle bemerkt, sieht der westliche Uferbereich, in den der westliche Teil der Römerstraße zur Isar hin ausläuft, ziemlich neuzeitlich überarbeitet aus. Für den Bereich der genannten Fotografenposition auf dem östlichen Ufer wird das genauso zutreffen. Dort gibt es zum Wasser hin einen Schutz, dann ist einige Meter nach hinten alles auffällig gleichmäßig flach, dann kommt ein erhöht liegender Waldweg. Das sah für mich wie eine künstliche Hochwasservorbereitung aus. Ich bin via dem Waldweg in Richtung Grünwald weiter und via dem Gasteig-Geländeeinschnitt im BayernAtlas-Relief hinter der Ur-Keltin mit der Grünwalder Fibel wieder hochgekommen.

Samstag, 9. Mai 2020

Hexenhäusl-Foto-Update

Über das Hexenhäusl im Forstenrieder Park hatte ich schon vor zwei Jahren hier im Blog etwas mehr geschrieben. Aktuell geht es nur um einen Foto-Update und einen Hinweis auf eine mögliche Änderung beim Bayerischen Denkmal-Atlas.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Das länger ungenutzt gebliebene Hexenhäusl kam 2017 wegen Vandalismus in die Medien. Das 2017 durchbrochene Dach war ein Jahr später zum Zeitpunkt meiner damaligen Fotos immer noch nicht repariert, sondern nur durch eine Plane abgedeckt. 2018 begann aber schon die Renovierung.

Kleine Diskussion am Haus: Werbung brauche ich keine machen, das Hexenhäusl sei sowieso sehr gut besucht. Anderseits lesen hier ja nicht soooviele mit. Und viel Leben dort ist ja auch gut gegen erneuten Vandalismus.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Zum Thema Forstenrieder Park hatte ich zwischenzeitlich auf zwei Forstenrieder-Park-Filme im BR Fernsehen hingewiesen, die sind immer noch via den angegebenen Links zugreifbar.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Im meinem letzten Blog-Eintrag ging es um das Pullacher Fürstengrab. Zur Lokalisierung der Überbleibsel des dortigen Hügelgräberfeldes (und derjenigen in der Nähe des Hexenhäusls) ist die Reliefansicht des BayernAtlas ganz hilfreich. Ortsfremden hilft die Suche im Bayerischen Denkmal-Atlas mittels der von mir angegebenen Denkmalnummer, das Hügelgräberfeld im Süden von Pullach zu finden. Und mittels der Rotfärbung des Hügelgräberfeldes sehen Ortsfremde und Ortskundige dessen vermutete Ausdehnung.

Die Tage muß es einen Wechsel gegeben haben. Statt im gewohnten Bayerischen Denkmal-Atlas zu landen, werde ich automatisch zum BayernAtlas weitergeleitet. An und für sich ist so eine Zusammenfassung nicht schlecht, wenn man im BayernAtlas wirklich alle Funktionen des Bayerischen Denkmal-Atlas hinzuschalten kann. Mit der Anzeige der Bau- und Bodendenkmäler funktioniert das anscheinend, d.h. man kann sich die genannten Rotflächenausdehnungen auch im BayernAtlas ansehen. Darauf, wie man im BayernAtlas nach den Denkmalnummern sucht, komme ich jetzt gerade nicht.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Hier ein Link auf das Hexenhäusl im BayernAtlas. Das Hexenhäusl ist kein Bau- oder Bodendenkmal. Man muß die Karte etwas vergrößern, dann sieht man mehrere rot gekennzeichnete Grabhügelfelder südlich von Forst Kasten im Westen des Hexenhäusls. Etwas darunter die Buchendorfer Keltenschanze und südlich des Hexenhäusls erstreckt sich die schon im letzten Eintrag erwähnte Römerstraße mit den neuerdings eingezeichneten begleitenden Materialentnahmegruben.