Dienstag, 21. März 2017

Der Georgensteinblick

Beim „Georgensteinblick“ handelt es sich gleich um mehrere Aussichtspunkte bei Buchenhain oberhalb des Isartals, von denen man (derzeit) eine freie Sicht auf den Georgenstein hat. Wo sich die Aussichtspunkte ungefähr befinden, kann man sich via diesem Link auf der Karte seiner Wahl ansehen. Informationen über den Georgenstein gibt es in der Wikipedia.

Georgensteinblick

Der Georgenstein ist für uns als Geländemarke für die Grünwalder Römerschanze und für die frühere Römerstraße interessant, die hier die Isar überquerte. Die Römerstraße führte auf der östlichen Isarseite, also auf den Fotos links vom Georgenstein, herunter zur Isar. Die Grünwalder Römerschanze befindet sich links oberhalb des Georgensteins auf auf einem Geländesporn über dem Isartal. Dort befand sich eine römische Wachstation, von der man den Isarübergang überwachen konnte. Heute hat man direkt von der Römerschanze wegen den Bäumen keine gute Sicht in das Isartal. Insofern eignet sich der bequem via Fahrrad, S-Bahn oder Auto erreichbare Georgensteinblick bestens für den Einstieg. Von hier kann man sich einen Überblick über die Lage der ehemaligen Wachstation und den Verlauf der Römerstraße im Gelände verschaffen. Und die kleine Expedition lässt sich beliebig auf der westlichen Isarseite ausdehnen.

Zur Vorbereitung möge man sich im genannten Georgenstein-Artikel in der Wikipedia die Darstellung von Linbrunn von 1764 ansehen, in der die Wälle der Römerschanze und die herunterführende Straße eingezeichnet sind. Weiter sollte man sich unbedingt noch den Verlauf der Römerstraße und die Lage der Römerschanze im Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Die Denkmalnummer der Römerschanze ist D-1-7935-0002

Georgenstein

Die Römerstraße endet im Bayerischen Denkmal-Atlas auf der Westseite der Isar kurz vor, im Osten sogar ein Stück weiter entfernt vor der Isar. Also einen eingezeichneten Übergang gibt es derzeit nicht. Es fällt aber auf, daß etwas flußabwärts - vom eigenen gedanklichen Zusammenführen der Römerstraßenenden vielleicht 400m entfernt - eine römische Brücke eingezeichnet ist (Denkmal D-1-7935-0005). Wer Informationen hat, was da der Stand der Dinge ist, möge vielleicht mal hier kommentieren oder mir eine Mail schicken.

Die angegebene Geokoordinate des Georgensteinblicks sollte so ungefähr auf einem Waldweg liegen. Außer den dort befindlichen Aussichtspunkten gibt es auch etwas entfernt eine Geländeplattform mit Sitzbänken direkt an der Straße. Bewegt man sich auf dem Waldweg zur Straße und dort noch ein Stück die Straße von Buchenhain nach Baierbrunn entlang auf dem Rad/Fußweg, wird man diese Plattform finden. Geht man weiter entlang der Straße bis zu einem nach links abzweigenden Asphaltweg weiter, dann kann man an diesem Asphaltweg einen weiteren Aussichtpunkt mit Blick auf die Stelle finden, wo das Wasser für den hier beginnenden Isar-Kanal abgezweigt wird und wo ein Stück links von der Isar die Römerstraßenmarkierung im Bayerischen Denkmal-Atlas wieder beginnt.

Georgenstein

Nun wieder geistig zurück zum Ausgangspunkt auf dem Waldweg: Bewegt man sich von dieser Geokoordinate statt zur Straße in der Gegenrichtung die Kante hinunter in das Isartal entlang, dann gelangt man bald zu einer Treppe, mittels der man hinunter auf die Waldwege im Isartal kommt und versuchen kann diesen im Denkmal-Atlas markierten Anfang des westlichen Teils der Römerstraße zu finden.

Samstag, 18. März 2017

Kontrovers-Nachklapp

Der in meiner „Hellseherin vom Bernstorfer Berg“ empfohlene Bernstorf-Beitrag im BR-Magazin Kontrovers „Der Schatz von Bernstorf. Zweifel an Echtheit bleiben“ ist tatsächlich noch am selben Tag gesendet und nicht wieder verschoben worden. Zum Glück hatte ich meine „Hellseherin“ zuvor eingestellt. Denn im Fernsehbeitrag wurde auf denselben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege verantworteten Teil in der neuen Gebhard/Krause-Publikation verwiesen, den ich auch erwähnt hatte („Funde und Finder. Zur Aufindungsgeschichte der Gold- und Bernsteinartefakte im Bereich der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf, Gemeinde Kranzberg“). Sogar die Stelle mit dem Aktenvermerk zur „Hellseherin“ wurde gezeigt.

Zu diesen Fundumständen gab es kurze Bemerkungen von Prof. Dr. Ernst Pernicka und ein längeres Interview mit Prof. Dr. Stefan Winghart. In diesem Interview wurde auch die Hellseherin angesprochen. Daneben wurde in dem Kontrovers-Beitrag von Prof. Pernicka der Fälschungsvorwurf aufgrund der Reinheit des Goldes wiederholt. Von Prof. Dr. Harald Meller gab es eine kurze Bemerkung zu den als neuzeitlich nachgewiesenen Lehmummantelungen. Prof. Dr. Rupert Gebhard durfte sich zum Fälschungsverdacht äußern und wurde nach dem nicht in der neuen Publikation erschienenen Bericht der Wissenschaftlerin gefragt, die bei der Tagung der Archäologischen Staatssammlung 2014 die gravierten Bernsteine als Fälschung bezeichnet hat.

In den acht Minuten Fernsehbericht konnte die einzelnen Aspekte zwangsläufig nur kurz angesprochen werden. Es war aber schon auffällig, wie einsam man die Aussagen Prof. Gebhards stehen ließ. Etwa seinen Satz gegen Ende des Berichts, nach dem man automatisch zu dem Schluß kommen soll, daß es eigentlich unmöglich sei, daß es sich um eine Fälschung handeln kann. So wie BR Kontrovers diesen Bericht aufbaute, scheint man nicht so von der Schlüssigkeit der Argumente Prof. Gebhards überzeugt zu sein. Seine Kernaussagen dürften aber in dem Bericht enthalten sein, und das würde man ja auch von einem seriösen Bericht erwarten.

Ich will jetzt mal von dieser Fernsehsendung weg und hin zu dem Aspekt, daß die im Zusammenhang mit Bernstorf immer wieder auftretenden Personen sowohl selbst als Medium auftreten, als „vermittelndes Element“, als auch auf Medien Einfluß nehmen. So haben etwa die Professoren Gebhard, Krause, Pernicka als auch Dr. Moosauer sowohl Vorträge über das Thema Bernstorf gehalten als auch Texte veröffentlicht. Den Vortrag, den Prof. Pernicka in Freising gehalten hat, kann man sich noch via den Medien Video, Internet und Website des Archäologischen Vereins Freising ansehen. Über den Krause-Vortrag vom Dezember 2014 gibt es einen Bericht im Sucherforum, ich hatte das in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnt.

Prof. Gebhard ist, siehe oben, hinsichtlich einer Wissenschaftlerin auf die Gestaltung der von ihm mit Prof. Krause herausgegebenen Publikation angesprochen worden, da ging es also um seinen Einfluß auf ein Medium. Aus dieser Publikation ist, wie in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnt, ein von ihm und Prof. Krause geschriebener Teil (Inhalt, Einleitung, Synthese) via Academia.edu frei zugreifbar. Das Zurverfügungsstellen solcher Texte will ich eigentlich immer loben. Selbst wenn diese Offerte eher an die Fachkollegen als an gleichermaßen interessierte Laien gerichtet ist. Ist ja zumindest ein Anfang.

Im vorliegenden Fall scheint die „Synthese“ dieses frei zugreifbaren Teils der Gebhard/Krause-Publikation aber nicht als Synthese überzeugt zu haben - siehe stattdessen das BR-Kontrovers-Interesse an den Fundumständen - und mithin aus dieser Sicht für die Publikation nicht hinreichend repräsentativ zu sein. Was ist dann die Begründung dafür, daß nur dieser Teil der Publikation frei zugreifbar eingestellt wurde? Analog das in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnte Beispiel Erwin Neumair, der in der „Einleitung“ nur als Vorsitzender des Archäologischen Vereins Freisings vorkommt, in der Angelegenheit Bernstorf aber eine wichtige Rolle als Kreisheimatpfleger spielte. Im vom Denkmalamt verantworteten Teil der Publikation wird er mehrfach korrekt in seiner Rolle als Kreisheimatpfleger erwähnt.

Ein anderes Argument gegen das nur teilweise frei Verfügbarmachen der Publikation ist der Widerspruch zur bis zur Publikation vorgebrachten Aussage, man wolle alles im Gesamtzusammenhang veröffentlichen. Warum koppelt man dann einen Teil aus? Warum hat man nicht angestrebt, alles als Open-Access-Publikation zu veröffentlichen?

Wie wird das von Archäologen reflektiert? Wenn der DGUF-Newsletter dafür repräsentativ ist, fallen solche Punkte überhaupt nicht auf, obwohl sich die DGUF selbst Open Access auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Auf der Website der Archäologischen Staatssammlung sehe ich weiterhin nur den Hinweis auf die gedruckte Publikation mit Preis und Mailadresse, via der man die Publikation bestellen kann. Kein Dossier Bernstorf, nicht mal einen Link auf den bei Academia.edu zugreifbaren Teil der Publikation.

Wichtiger scheint die über die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ ansprechbare Zielgruppe gewesen zu sein. Dort hatte letztes Jahr Prof. Pernicka einen Artikel veröffentlicht („Echt oder falsch? Ein Zwischenstand zum Disput um die Funde von Bernstorf“). Nun schreibt „Archäologie in Deutschland“, die Zeitschrift hätte Prof. Krause und Prof. Gebhard „gebeten, ein Statement zur Einschätzung von E. Pernicka abzugeben, denn unsere Leser sollten bei einer so interessanten und spannenden Materie keinesfalls ein einseitiges Bild bekommen“. Und prompt wurde den Lesern auch sehr zeitnah zur neuen Publikation die Krause-Gebhard-Sicht in einem Artikel vermittelt.

Vielleicht lag das ja nicht nur an dem Zielgruppe. Vielleicht sind die Informationen auf der Website der Archäologischen Staatssammlung nur deshalb so dünn, weil die Website-Besucher bislang noch nicht wie die Zeitschrift AiD um mehr Informationen gebeten haben?

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Hellseherin vom Bernstorfer Berg

Mein „Bernstorf in der nächsten Runde“ ließ ich mit dem Gedanken enden, dass Major Adolf Kottan mit seinem Team per Zeitsprung nach München kommt, die Angelegenheit Bernstorf umfassend klärt, und bei der Gelegenheit auch herausbekommt, ob tatsächlich eine Hellseherin an den Funden beteiligt war.

Mittlerweile habe ich mitbekommen, daß ein entsprechender Aktenvermerk des Mitarbeiters des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege Dr. Martin Pietsch über eine Hellseherin bzw. eine Frau mit „hellseherischen Fähigkeiten“ in der jüngst vorgestellten Publikation der Professoren Gebhard und Krause enthalten ist: im Teil von „Claudia Rohde unter Mitarbeit von C. Sebastian Sommer, Jochen Haberstroh, Martin Pietsch, Stefan Winghart und Peter Freiberger“: „Funde und Finder. Zur Auffindungsgeschichte der Gold- und Bernsteinartefakte im Bereich der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf, Gemeinde Kranzberg“. Dort ist auf Seite 299 der Aktenvermerk abgedruckt, nach dem Dr. Manfred Moosauer anlässlich einer Nachuntersuchung am Ort der ersten Goldblechfunde mit einer Bekannten erschienen ist, „von der er sagte - sinngemäß - sie habe hellseherische Fähigkeiten. Sie habe das Gefühl, es sei noch etwas zu finden und zeigte auf eine Stelle etwa 5 Meter entfernt von der ersten Fundstelle am Rand der aufgehäuften Baumstümpfe. Innerhalb kürzester Zeit, etwa eine halbe Minute konnte dann exakt an dieser Stelle ein weiteres Goldblech gefunden werden.“

Das BR-Magazin Kontrovers will sich auch wieder dem Thema Bernstorf widmen: „Der Schatz von Bernstorf. Zweifel an Echtheit bleiben.“ Die Aussendung ist aktuell für heute Abend ab 21 Uhr vorgesehen. Die Aussendung sollte schon am letzten Mittwoch stattfinden, wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen.