Als ich die Links meines Blog-Eintrags
„Keltenjahr 2012“ mit dem Internet Explorer ausprobiert habe, ist er mir auf den Seiten mit den Heuneburg-Einträgen „eingefroren“. Beim Zugriff auf die Seiten tat sich nichts mehr. Um es kurz zu machen: es lag an den Kommentaren. Die Heuneburg-Einträge hatten welche, die anderen verlinkten Einträge von mir nicht. Es war glücklicherweise schnell zu finden und schnell mit einer Änderung an der Kommentar-Anzeige zu beheben. Aber: ich habe vorher nicht an den Einstellungen herumgespielt. Und ich habe ein paar Tage zuvor dieses
Editorial der c't 1/12 gelesen.
Unter dem Titel „Ungleiches Rennen“ geht es um die Konkurrenz der Browser, und in dem Editorial wird ein systematisches Aussperren des Opera-Browsers von neuen Google-Diensten behauptet. Ich habe mich beim Lesen nicht so betroffen gefühlt, ich verwende mit blogger.com zwar einen Google-Dienst zum Bloggen, aber dazu keinen Opera-Browser. Heiß wurde es mir erst durch den Vorfall vorletzte Woche - zum Lesen des Blogs sollte man nicht unbedingt einen Google-genehmen Browser benötigen.
Ich hoffe, daß mein Problemchen ein kleiner Warnschuß bleibt und kein Vorspiel für ein permanentes großes Browser-Problem ist. Ich will aber trotzdem die Gelegenheit nutzen und etwas zur Auswahl meiner Blogsoftware schreiben. Das war kein Ergebnis sorgsamer Evaluation. Eigentlich wäre etwas Größeres notwendig gewesen, als Blogger.com zu bieten hatte (wenn es ganz schnell ganz viele Keltenschanzen-Besuche geworden wären und ich dringend Übersichtsseiten und Übersichtskarten gebraucht hätte, oder wenn sich dauernd Gastblogger beworben hätten u.ä.). Aber für den Anfang reichte die Blogger.com-Klasse, und in der Klasse ist Blogger.com in demselben Sinne ein sehr gutes Angebot gewesen, so wie mancher von uns den Email-Dienst von Google ausgewählt. Beim Email-Dienst wäre das Argument vielleicht das besseres Angebot als die Alternativen, und die Werbung fliegt einem auch nicht so um die Ohren. Beim Blogger-Dienst war der Vorteil, daß man gleich loslegen konnte. Es gab keine Sorgen wegen dem Speicherplatz für die Bilder, der Dienst war immer erreichbar, die Blog-Einträge nie verschwunden. Ich muß mir keine Sorgen um Software-Updates machen.
Von der Mächtigkeit und den Erweiterungsmöglichkeiten her hätte ich seinerzeit Content Management Systeme (CMS) mit Blogerweiterung oben hin gesetzt, dann käme die Wordpress-Klasse auf eigenem Webspace und dann die gehosteten Systeme der Blogger.com-Klasse. Mittlerweile dürfte die ursprüngliche Blogsoftware Wordpress mit ihren Erweiterungen noch weiter in die CMS-Klasse hineingewachsen sein, als sie vor drei Jahren schon war. Zudem kommen laufend leichtgewichtigere Dienste unterhalb der Blogger.com-Klasse dazu, die sich je nach Veröffentlichungsprojekt auch eignen würden. Das Anfangen ist sehr einfach, nur die Sichtbarkeit fehlt.
Übrigens, wenn jemand loslegt und das Projekt zu meinem Themenspektrum passt, kann sie oder er mir gerne mailen und ich baue irgendwann einen Hinweis bei mir ein. Zwischenzeitlich hatte ich mal ein besseres Selbstbewußtsein, was meinen Überblick angeht. Derzeit denke ich, man kann sehr gut im Web untergehen, wenn man keine Werbung für sein Projekt macht. Bei der Suche nach „Keltenschanzen“ findet Google gerade 57.700 Ergebnisse, da braucht es schon einen Extra-Hinweis, um gesehen zu werden.
Zurück zu Blogger.com: Einen großen Denkfehler habe ich gemacht, und da muß ich dem Editorial widersprechen. Ich glaube statt diesem „Ingenieurstraum, dass sich die richtigen Ideen von alleine durchsetzen werden“ gab es schon früher einen Knick in die Richtung „Club“. Als Manko der Blogger.com-Software habe ich die fehlenden
Trackback-Möglichkeiten angesehen. Trackbacks wären ganz gut um anhand der Kommentare sehen zu können, wer sich auf meine Blog-Einträge bezogen hat. Das sieht man bei mir nicht. Umgekehrt muß ich manuell versuchen, Trackbacks auf andere Blogs zu setzen, was je nach Einstellung und Blogsoftware oft nicht funktioniert. Ich war überzeugt, Google wird da über die Zeit aufschließen („Ingenieurstraum“), es tat sich aber nichts. Ich glaube in der ersten Hälfte 2010 habe ich dann Artikel im Sinne Facebook (also ein „Club“) als Bedrohung für Google gelesen, ab da habe ich das Manko im Sinne der Konkurrenz zwischen „Clubs“ interpretiert. Denn die Mehrzahl der Blogger verwendet eine andere Blogsoftware als die von Google, die Unterstützung der Vernetzung der Blogosphäre würde aus dem Google-Club herausführen.
Bei dieser Gelegenheit auch etwas zu Blog-Zugriffsstatistiken und zu
Google Analytics - den Punkt fand mein bei den
Kykladen in Karlsruhe erwähnter Freund interessant. Nein, ich kann nicht sehen, ob aus dem Raum Karlsruhe überhaupt Zugriffe kommen. Ich wollte Google Analytics installieren, das habe ich vor mir hergeschoben, und irgendwann hat Google seiner Blogger-Blogsoftware Zugriffsstatistiken spendiert. Die sind verglichen mit den in die Kritik geratenen Möglichkeiten von Analytics sehr rudimentär. Ich rätsele etwas bei den Zahlen herum - Gesamtzugriffe und Zugriffe auf einzelne Posts - aber ich komme derzeit einigermaßen damit hin. Wem das noch unbekannt ist, daß die da gucken wer auf ihre Website zugreift - das kommt in den besten Kreisen vor, gerade ist was vom
Informationsdienst Wissenschaft über die Zugriffe auf die Archäologische Objektdatenbank Arachne durchgetickert. Je ernsthafter der Einsatz für eine Website ist, desto wichtiger sind auch die Zugriffsstatistiken (Optimierung des Angebots, Erfolgsnachweis für Geldgeber oder Werbepartner etc.), und bei dieser Software glänzt dann Google genau wie bei der Blogsoftware und dem Email-Dienst mit einem guten kostenlosen Angebot.
Ein Problem des Analytics-Einsatz ist die im verlinkten Wikipedia-Artikel erwähnte potentiell mögliche Verfolgbarkeit der Zugriffe einer bestimmten Person über verschiedene Analytics nutzende Websites hinweg, wobei die Person beim Anmelden an einen Google-Dienst auch noch genauer identifizierbar ist. Diese potentielle Möglichkeit der Datenzusammenführung wäre natürlich auch schon gegeben, wenn man auf einen von Google gehosteten Blog zugreift. Das wäre sozusagen eine Möglichkeit „von unten“, bspw. über die IP-Adresse. Die jetzt vorgesehene, hier von Martin Mißfeldt im
tagSeoBlog behandelte Änderung der Google-Datenschutzbestimmungen ist etwas anderes, nämlich eine Zusammenführung der Daten „von oben“, also ausgehend von einer Anmeldung an einen Google-Dienst würden die Daten dieses Dienstes mit den weiteren genutzten Google-Diensten zusammengeführt. Diese offizielle Datenzusammenführung würde nach meinem Verständnis wesentlich weniger Daten zusammenführen als es potentiell möglich ist.
Das größere Analytics-Gedöns ist ja jetzt schon eine Zeitlang her. Damals ist mir dazu eine Menge eingefallen, u.a. meine alte Tante, die in den 90ern die Lösungen von Kreuzworträtseln in Apotheker-, Metzger-Heft und Frauenzeitschrift eingesandt und sich über unerwünschte Werbepost und -Anrufe gewundert hat. Die aktuelle Änderung der Datenschutzbestimmungen begleitet Google dagegen mit folgender Zusicherung: „Ihre persönlichen Daten werden weder von uns verkauft, noch (abgesehen von seltenen Ausnahmefällen wie wirksamen rechtlichen Anfragen) ohne Ihre Genehmigung weitergegeben.“ Die Sache ist natürlich trotzdem ziemlich heiß wegen den vielen Diensten von Google und den viel mehr in die Privatsphäre gehenden Daten, an die Google mittlerweile via Google+ und Android-Smartphones heran kommt.
Das Image der Politik ist hinsichtlich der Internetkompetenz nicht so besonders, siehe die Broschüre „Wie das Internet funktioniert“ von der
Digitalen Gesellschaft. Diese Imageprobleme gehen jetzt in die zweite Generation, manche erinnern sich noch an das Modem-Monopol der Deutschen Bundespost (
Geschichte des Modems in der Wikipedia). Den Druck auf unsere Politiker durch die Neuerungen von der anderen Seite des großen Teichs finde ich da ganz gut. Mit eigenen Mitteln bin ich sehr sehr skeptisch, wann wir zu so einem Stand wie jetzt gekommen wären. Wobei ich an den deutschen oder europäischen Ingenieuren nicht zweifle. Aber es gibt ja soviele Clubs, deren Interessen gewahrt bleiben müssen.
Ich freue mich also über die Dynamik, die mir unter dem Strich viel gebracht hat. Irgendwas bleibt da aber noch. Ich will mal ein wildes Szenario beschreiben: etwa die Vorstellung, daß das Programmieren irgendwann bspw. durch (ggf. triviale) Softwarepatente - siehe hier die
Warnung von Richard Stallman vor dem EU-Einheitspatenten - zum Minenfeld wird. Gleichzeitig wird kontrolliert, was wir auf unseren Rechnern installieren - hier dazu
Dr. Oliver Diedrich über UEFI Secure Boot. Dann könnten vielleicht ohne weitere Prüfungen und Beglaubigungen nur Programme aus sauberer Quelle zugelassen werden, also etwa von Firmen mit vielen Patenten und Patentabkommen mit anderen Firmen mit vielen Patenten. Man kann in die Artikel reinsehen und sich andere Dinge ausdenken. Aber unter dem Aspekt hätte es was, eine freie, von einer Community realisierte Blogsoftware zu verwenden, um mehr beteiligt zu sein und solche Entwicklungen immer hautnah mitzubekommen.