Montag, 26. Juni 2017

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Letztes Jahr im Mai wurde ich mit einem Sehnenschaden bei meinen Eltern geparkt und das allerbeste Schatzi von allen fuhr allein mit der Bahn von Karlsruhe zum Bodensee weiter. Dort hat sie mit einer Freundin das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen besucht und die beigefügten Fotos gemacht. In die Pfahlbauten geht es gruppenweise mit einem Führer. Der sei zwar nett gewesen und hätte auch mal auf eine gute Fotoperspektive aus einem Pfahlbau heraus hingewiesen, wollte aber für die Veröffentlichung im Blog keine Innenaufnahmen erlauben.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Ich war vor etwas über 25 Jahren im Pfahlbaumuseum, das war auch mit Führung. Ich glaube, wir haben damals auf den Stegen auf die Führung gewartet. Mittlerweile wartet man in einem Raum mit Ausstellungsstücken, bevor es mit einer zehnminütige medialen Einführung inklusive einem „virtuellen Tauchgang mit 360 Grad Panorama“ losgeht. Danach werden die Pfahlbauten besichtigt, manche Häuser müssen dabei aufgeschlossen werden, die anderen Bereiche können nach Abschluß der Führung alleine noch einmal angesehen werden.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Das Pfahlbaumuseum hat eine glänzende Stellung unter den Museen. Die Wikipedia gibt eine Besucherzahl von knapp 300000 pro Jahr an. Für das eine knappe Autostunde von Unteruhldingen entfernte Freilichtmuseum Heuneburg habe ich dagegen die Zahl von nur 25000 Besuchern für 2014 gefunden. Dieses viel größere Besucherinteresse läßt sich sicher zu einem Teil auf die günstigere Lage Unteruhldingens in einem Urlaubsgebiet ersten Ranges zurückführen. Zwischen Ausflugszielen wie der Basilika Birnau und der Meersburg und gegenüber Zielen wie der Insel Mainau und Konstanz.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Aber um als Museum solche Zahlen zu bewegen, muß man dennoch irgendwie in die Köpfe dieser vielen Menschen kommen. Heute ist Unteruhldingen unter den vielen Museumsalternativen einfach da, ohne auf Schlagzeilen angewiesen zu sein. Speziell wenn es um Pfahlbauten geht, fällt einem vermutlich am ehesten Unteruhldingen ein. Eine Erklärung dafür mag der frühe Eröffnungszeitpunkt 1922 bieten, der früh von dem damaligen „neuen Medium“ Film begleitet wurde. Es sollen schon in 1920er Jahren Spielfilme in Unteruhldingen entstanden sein. Ich würde zusätzlich auf Filmberichte in den Wochenschauen tippen, mit denen die Generation meiner Eltern in den folgenden Jahrzehnten flächendeckend erfasst wurde. Da gab es sicher neben viel Licht auch viel Schatten, siehe die Bemerkungen zum Nationalsozialismus in meinen letzten Abschnitten. Jedenfalls, bis ich dann geboren wurde und in die Schule kam, kannten „alle“ das Pfahlbaumuseum, das Museum war bei der Elterngeneration präsent.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Ein kleiner Schlenker zur eingangs erwähnten Bahn, mittels der der Bodensee in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts den Einwohnern der Anliegerstaaten deutlich näher rückte. Ab da ging für viele ein Tagesausflug an den Bodensee. Ich bin mal anlässlich des Wandertags mit meiner Schulklasse von Karlsruhe via der äußerst interessanten Schwarzwaldbahn-Strecke nach St. Georgen gefahren, bis zum Bodensee fehlt da nicht mehr viel. Mit diesem Zeitvorteil - Stunden gegen Tagesreisen - waren die neuen Bahnverbindungen natürlich eine „disruptive Technologie“. Die österreichische Bahnverbindung nach Bregenz soll durch billiger produzierbares Getreide aus Ungarn den bis dahin prosperierenden Getreideexport aus Oberschwaben und dem Allgäu in die Schweiz beendet haben.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Jedenfalls ist das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen irgendwann in eine nahezu alternativlose Stellung hinsichtlich der „grauen Vorzeit“ gerutscht. Der Bodensee mit den Pfahlbauten war vielen präsent, man konnte Pfahlbauten ja auch bestens in Erinnerung behalten. Das dürfte dann auch oft so verkürzt hängen geblieben sein, daß es einmal in der grauen Vorzeit EINE Pfahlbaukultur gab und Pfahlbaudörfer damals allgemein die bevorzugte Siedlungsform waren. Richtig ist hingegen nach heutigem Stand, daß Pfahlbauten eine Reaktion auf regionale Besonderheiten waren. Als Begründung für den Pfahlbau wird derzeit auf „Wasserstandsschwankungen in Abhängigkeit vom jährlichen Wasserzufluss“ verwiesen. Und es gab nicht eine Pfahlbaukultur, sondern unterschiedliche Pfahlbaukulturen zu unterschiedlichen Zeiten.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Nach den häufigsten Fragen der Besucher des Pfahlbaumuseums sind Pfahlbauten eine Wohnform der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Man unterscheidet bei den Pfahlbauern über einen langen Zeitraum sowohl zeitgleiche als auch nacheinander lebende Kulturgruppen. Deren aufgefundene Siedlungen streuen über ein überraschend großes Gebiet um die Alpen herum, wie man der Karte in der Broschüre „UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen in Baden-Württemberg und Bayern“ entnehmen kann. Nach dieser Broschüre sind mehr als 30 archäologische Kulturgruppen in den Pfahlbauten nachweisbar.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Die verschiedenen Kulturgruppen lieferten die Vorlagen für unterschiedliche Pfahlbaurekonstruktionen des Unteruhldinger Museums. In der Führung wird sowohl auf diese große Zeitspanne zwischen den Kulturgruppen als auch auf die verschiedenen Aspekte ihres Pfahlbauerlebens eingegangen. Die Fischfang ist klar, aber man geht auch von einer landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen am Bodensee und von einem regen Handel aus.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Obwohl Pfahlbaukulturen ein regionales Phänomen waren, sind deren Fundstätten dennoch enorm wichtig um Erkenntnisse über die damalige Zeit zu gewinnen, weil die Hinterlassenschaften der Pfahlbaukulturen verglichen mit anderen zeitgleichen Kulturen wesentlich besser und umfangreicher erhalten sind. Ich zitiere mal aus meinem Bericht von der Jungsteinzeitausstellung in Karlsruhe. Bei der stand mit der Michelsberger Kultur keine Pfahlbauerkultur im Vordergrund, man hat aber dennoch einen Ausstellungsteil mit Hinterlassenschaften der Pfahlbauer bestückt: „Wie schon oben gesagt, haben die Feuchtbodensiedlungen den Vorteil, daß mehr erhalten bleibt. Der folgende Ausstellungsteil wäre also verallgemeinernd zu sehen - so oder so ähnlich kann es auch bei den anderen Jungsteinzeitlern ausgesehen haben: ein Nachbau einer Hauswand auf Basis von am Bodensee gefundenen Lehmresten mit weißer Bemalung und Lehmbrüsten aus der älteren Pfyner Kultur zeigt, daß die Leute nicht mit kahlen Wänden gelebt haben. Mit den Funden kann man auf Bastkleidung und Flechtschuhe und Schmuck aus Bären- Eber- und Hundezähnen rückschließen. Es gibt Sichelklingen, Schaber, Messer, einen Furchenstock, Beilholme, Hacken, Steinbeile und Beispiele für die vielseitige Verwendbarkeit von Hirschgeweih und Birkenrinde zu sehen.“

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Bastkleidung, Sichelklingen und Schmuck aus Bären- Eber- und Hundezähnen ist jetzt nicht viel, aber man kann sich ein wenig eine Vorstellung von dem damaligen Leben machen. In diesem Fall durch den Blick auf zeitgleiche jungsteinzeitliche Pfahlbaukulturgruppen. Darüber hinaus hat man über zeitlich aufeinander folgenden Pfahlbauern die Möglichkeit Entwicklungen nachzuvollziehen. Wann wurde eine bestimmte Technologie zuerst eingesetzt, wann wurde aus einem bestimmten tierischen Material immer weniger Werkzeug angefertigt? In diesen Zusammenhängen muß man die enorme Schutzwürdigkeit der Fundstätten sehen. Und natürlich auch den Gehalt dessen, was man von einem Besuch des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen mitnehmen kann.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

1922 eröffnet, gab es eine lange Zeit im Nationalsozialismus. Überraschen wird vielleicht, wie sich manches bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hineingezogen hat. In einem Vortrag habe ich es mal vor ein einigen Jahren so gehört, daß sich viele Personen innerhalb der Archäologie ganz gut mit dem Nationalsozialismus arrangiert hätten. Nach dem Krieg haben diese Personen dann weiter Karriere gemacht, aber Hans Reinerth, der Leiter des Pfahlbaumuseums nach dem Krieg, sei verpönt gewesen. Und mit ihm erst auch mal die Experimentelle Archäologie. Liest man den verlinkten Wikipedia-Eintrag zu Hans Reinerth, wird das noch bizarrer: „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Reinerth Direktor des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, das lange Zeit ein sehr konservatives Bild der Vorgeschichte vermittelte. Er war einer der wenigen nationalsozialistisch belasteten Archäologen, die in der Nachkriegszeit ihre Karriere nicht fortsetzen konnten. 1949 wurde er von Kollegen, unter ihnen mehrere ehemalige SS-Mitglieder wie der ehemalige SS-Obersturmbannführer Herbert Jankuhn, später Professor für Ur- und Frühgeschichte in Göttingen, bei einer Zusammenkunft in Regensburg wegen „unsachlicher und tendenziöser Wissenschaft der Prähistorie“ in einer Resolution aus der Wissenschaftsgemeinde der Ur- und Frühgeschichtler ausgeschlossen“. Zusammen mit der Wikipedia-Vermutung über den NSDAP-Ausschluss von Reinerth im Februar 1945 („Der wirkliche Grund wird der Kompetenzstreit zwischen dem Amt Rosenberg und der SS-Organisation Ahnenerbe gewesen sein, da Reinerth zum Amt Rosenberg gehörte.“) drängt sich der Gedanke auf, daß das Amt Rosenberg und die SS-Organisation Ahnenerbe ihre Auseinandersetzung auch noch nach dem Krieg fortgesetzt hatten.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Wer sich vertiefen möchte, mag auf der Website des Museums weiter herumstöbern. Hier gibt es einige interessante und frei zugreifbaren Texte des Museumdirektors Prof. Dr. Gunter Schöbel. Ich picke jetzt mal die „Geschichte aus dem Papierkorb - zu einem ungewöhnlichen Bilderfund“ mit interessanten Details über die Untersuchung des Großgrabhügel Hohmichele heraus. Über die Zusammenhänge von Hans Reinerth und der Experimentellen Archäologie mit dem „Germanengehöft“, einem Vorläufer des heutigen Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen, mag das Buch „Zurück zu unserem Cheruskerhof!“ von Sylvia Crumbach Auskunft geben. Hier der Link zu einer Besprechung des Buchs.

Sonntag, 4. Juni 2017

Pernicka-Vortragsvideo, Bibliographie zur Archäologie von München

Weil ich mich letzte Woche bei den „versunkenen Städten“ auf Bernstorf bezog, wollte ich noch vor dem Einstellen des Textes nachsehen, ob es in dem in „Bernstorf in der nächsten Runde“ empfohlenen Sucherforum-Thread „Bernstorf-Schatz in Bayern soll Fälschung sein“ etwas neues gibt.

Dadurch habe ich mitbekommen, daß das Kunsthistorische Museum Wien einen Vortrag von Prof. Dr. Ernst Pernicka bei Youtube eingestellt hat („Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles - kleine Kulturgeschichte des Goldes“). Das Sucherforum kann ich weiterhin empfehlen, um in Sachen Bernstorf auf dem laufenden zu bleiben. Die Ausstellung „Das erste Gold“, in deren Rahmen der Vortrag Prof. Pernickas stattfand, ist noch bis 25. Juni 2017 im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen.

Der Vortrag ist wie üblich bei Ernst Pernicka vom Start weg sehr interessant und sehenswert. Nach der 48sten Minute geht es bis zum Vortragsende um das Bernstorfer Gold. Da der Vortrag am 8. Mai in Wien gehalten wurde, hat man hier eine aktuelle längere Stellungnahme Prof. Pernickas nach Erscheinen der von den Professoren Rupert Gebhard und Rüdiger Krause herausgegebenen Publikation „Bernstorf. Archäologisch-naturwissenschaftliche Analysen der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg, Oberbayern“. Die Publikation wurde Mitte Januar 2017 präsentiert.

Prof. Pernicka schließt seinen Vortrag mit der Feststellung, daß bei Authentizitätsprüfungen immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen sei und oft führen sie nicht zu einem eindeutigen Erfolg. Aber im Fall von Bernstorf, denkt er, ist es eindeutig. Dem können Prof. Gebhard und Prof. Krause wohl zustimmen, aber mit einem genau entgegengesetzten Ergebnis.

Die umstrittenen Funde habe ich wie andere Besucher auch in einer Vitrine in der Archäologischen Staatssammlung gesehen. Auf deren Website sehe ich aber weiterhin wie zu Zeiten des „Kontrovers-Nachklapps“ „nur den Hinweis auf die gedruckte Publikation mit Preis und Mailadresse, via der man die Publikation bestellen kann. Kein Dossier Bernstorf, nicht mal einen Link auf den bei Academia.edu zugreifbaren Teil der Publikation.“

Für Interessenten an der Archäologie im Raum München lohnt sich dennoch ein Blick auf die Website. Unterhalb der „Startseite Archäologie in München“ ist bei den „Weiteren Informationen und Links“ eine interessante „Bibliographie zur Archäologie von München“ zu finden, „zusammengestellt von Arno Rettner Stand: Oktober 2016“.

Samstag, 27. Mai 2017

Allenthalben versunkene Städte

Im letzten Abschnitt von „Georgensteinblick II“ hatte ich empfohlen, einen Blick in das von Helmut Karger online gestellte Buch „Illustrirte Geschichte der Stadt München“ von Ferdinand Kronegg von 1903 zu werfen. In diesem Buch ist wie im Zusammenhang mit Bernstorf von einer versunkenen Stadt die Rede. Nur in diesem Fall von einer versunkenen Stadt beim südlich von Pullach gelegenen Baierbrunn. Von Ferdinand Kronegg 1903 noch mit „ay“ statt wie heute mit „ai“ geschrieben.

Georgenstein am Vatertag 2017

Findet man vor Ort jetzt tatsächlich etwas aus alten Zeiten - im Falle Bernstorf ist ja zumindest die bronzezeitliche Wallanlage unbestritten - dann wird so eine „Sage von einer versunkenen Stadt“ wohl gern als Ausgangspunkt der Erkundungen aufgegriffen, da sich damit eine schöne Geschichte bauen lässt. Aber selbst wenn vorzeitliche Funde vorliegen, kommen schnell Zweifel, ob eine mündliche Überlieferung tatsächlich mehrere tausend Jahre vorhält. Man könnte jetzt - Stichwort „Heidenmauer“ - daran denken, daß altertümliche Bauwerke oder Funde eine Sage immer weiter am Leben halten. Aber dann würde man erwarten, daß das Gebiet sehr genau angegeben werden kann, in dem sich die Heidenmauer oder die versunkene Stadt befindet.

Im Falle Baierbrunn zeigt der Bayerische Denkmal-Atlas südwestlich eine „Siedlung vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung“ an, (Denkmalnummer D-1-7934-0305), ein Stück weiter liegen im Wald einige „Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung.“ D.h. für eine verschwundene Siedlung hat man tatsächlich Anhaltspunkte. Ich könnte mir auch vorstellen, daß der Römerstraßenknick im Norden von Buchenhain im Zusammenhang mit einer älteren Keltensiedlung stand, die sich bei dem ausgedehnten Höllriegelskreuther bzw. Pullacher Gräberfeld Denkmalnummer D-1-7935-0092 „Grabhügel mit Bestattungen der Hallstattzeit“ befand. Das wäre ein weiterer Stadt-Kandidat. Aber an irgendeine Verbindung solcher Siedlungen mit der Sage würde ich trotzdem erst glauben, wenn Kronegg etwas in der Art anführen könnte, daß die Baierbrunner beispielsweise für ihren Kirchbau immer behauene Steine aus dem bestimmten Gebiet geholt haben. Das macht er aber nicht. Stattdessen findet er die versunkene Stadt bei Baierbrunn ganz allgemein wegen den vielen Funden in der Gegend plausibel und geht dann fließend zu Funden bei Grünwald über. Also gleich von der anderen Isarseite, was den Gehalt der Sage für Baierbrunn stark relativiert.

Georgenstein am Vatertag 2017

Vielleicht sind solche nicht genau verorteten „versunkenen Städte“ aber auch aus genau so einer diffusen Gemengelage heraus entstanden, mit Funden hier und da? Am Vorabend früher Formen der Archäologie. Bevor man tatsächlich raus in das Gelände gegangen ist, nachgegraben und aufgeschrieben hat, was man wo gefunden hat? Ich würde so etwas für denkbar halten. Ein paar Jahrhunderte früher hatte man noch ganz andere Einfälle. Ich erinnere mich da an die Tafel in Ettlingen, nach der Ettlingen von dem Trojaner Phorzys 1111 vor Christus gegründet und von den Römern Neptingen genannt wurde. Hier und da eine versunkene Stadt ist im Vergleich dazu doch moderat? Und vermutlich war in den gebildeten Kreisen des 19. Jahrhunderts ein in das Badische gelangter Trojaner Phorzys schon ziemlich unglaubwürdig. Eine im 19. Jahrhundert schriftlich festgehaltene Sage von einer „versunkenen Stadt“ wird hingegen noch heute gerne von den Medien aufgegriffen.

Man bräuchte mehr Beispiele solcher „versunkenen Städte“, um zumindest die Aussage einer Häufung belegen zu können. Moritz Jacob hat sich die Mühe gemacht, weitere zu suchen und sie in „Deutsche Sagen des 19. Jahrhunderts über versunkene Städte“ zusammengefasst. Ich zitiere aus seinem Abstract: „In der Literatur des 19ten Jahrhunderts gibt es diverse Erwähnungen und selten auch Ausformulierungen von Sagen über versunkene Städte im deutschen Sprachraum. Um diese Art der Legende besser fassen zu können, sind hier einige – jedoch sicher nicht alle – gesammelt. Dadurch soll die textkritische Bewertung der Sage von der versunkenen Stadt bei Bernstorf erleichtert werden.“

Sonntag, 23. April 2017

„Amerika nach dem Eis“ im Karlsruher Naturkundemuseum

In den 1980er Jahren war ich öfters im Karlsruher Naturkundemuseum. Bei damals kostenlosem Eintritt bot sich das verkehrsgünstig in der Karlsruher Innenstadt gelegene Museum als Pausenfüller an. Meist habe ich dann nur mehr oder weniger kurz die Schlangen und Fische im Vivarium besucht. Bei unserem aktuellen Besuch konnte ich mich an die Dioramen im Erdgeschoß noch erinnern. Einiges Ausgestopfte im Obergeschoss müßte auch schon so alt sein. Aber selbst das große, sehr sichtbar in die Jahre gekommene Walross kommt mir nicht mehr bekannt vor.

Das alte Vivarium scheint restlos verschwunden zu sein. Der Raum, in dem man früher in einem Viereck aus einfachen Terrarien und Aquarien ging, ist irgendwie in mehreren Räumen mit teilweise mondäner Ausstattung aufgegangen. Blieb man früher etwas länger in der Ecke mit den Piranhas hängen, gibt es nun ein riesengroßes Becken mit Korallenriff und Hai. Bei den Präparaten scheint wie gesagt vieles noch aus alten Zeiten zu sein, steht aber neben Knallern jüngeren Datums. Also statt zu den Dioramen im Erdgeschoß kann man auch ein paar Schritte daneben die Treppe hoch zum Hatzegopteryx thambema - „weltweit das größte Flugsauriermodell, das in einem Naturkundemuseum gezeigt wird“.

Mittels diesen Sauriern hat sich das Karlsruher Naturkundemuseum vor ein paar Jahren sogar bei mir in München in Erinnerung gerufen. Was, nichts in München mitgekriegt? Hier der Beweis: der Bayerische Rundfunk interviewt Prof. Dr. Eberhard "Dino" Frey, „Paläozoologe Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe“. Wer sich mal für Saurier interessiert hat, möge sich das Interview gönnen. Und das Flugsauriermodell ist vor Ort noch viel schöner als auf den Fotos!

Die Saurier passen zwar schon zu meinem Blog-Zeitbereich graue Vorzeit bis Spätantike, aber mit der seit Anfang April laufenden Sonderausstellung „Amerika nach dem Eis - Mensch und Megafauna in der Neuen Welt“ wird auch etwas zum Thema Archäologie geboten. Man möge dazu den verlinkten Text des Museums über die Sonderausstellung lesen. Von Baden TV gibt es einen kurzen Blick in die Sonderausstellung und kurze ergänzende Interviews.

Ich fand die Sonderausstellung erfrischend und bereichernd. Also nicht neue Wissensverästellungen wie bei der derzeitigen Karlsruher Alternative „Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil“, für die nach meinem Gefühl der Stamm unterproportioniert ist, an den ich das hinhängen kann. Sondern einfach voraussetzungslos in die Ausstellung hinein gehen und etwas fürs Leben mit heraus nehmen. Überall muß man auf den Kontinenten ab einer gewissen Zeit die Megafauna mit dazuschalten. Nach der Karlsruher Sonderausstellung wird man das im Gefühl haben. Allerdings: als Ausstellungsthema ist dieser Spagat zwischen Mensch und Megafauna sicher sehr interessant und berechtigt, hinsichtlich der Beantwortung der im Begleittext aufgeworfenen Fragen sollte man aber angesichts der vielen vielen ungelösten Detailfragen nicht zuviel erwarten.

Wie in dem Ramses-Text bemerkt, haben wir die Entscheidung für das Naturkundemuseum nicht bereut. Ein Naturkundemuseum ist häufig das erste Museum, das man mit Kindern besucht. Insofern war der Altersdurchschnitt der Besucher relativ niedrig. Die Atmosphäre war recht locker. Ich habe im Ramses-Text den Jungen erwähnt, der sich zwischen uns und einen Leguan quetschte, um ein Foto zu machen. Was ich auch schön gefunden habe: einen Raum mit Tischen, umrahmt von größeren Tierpräparaten an der Wand, und an den Tischen Familien, die mitgebrachtes Essen verspeisten. In dem Museum ist Leben. Das alles ist trotz schon vorhandenem Vortragsprogramm, Filmvorführungen etc. noch in einem sehr positiven Sinne ausbaufähig.

Freitag, 21. April 2017

Ramses in Karlsruhe

Letztes Jahr hatte ich die anstehende Ramses-Ausstellung in Karlsruhe in „Ein Göbekli-Tepe-Blog“ erwähnt. Als es auf Weihnachten hin akut wurde, habe ich zwar an die Ausstellung gedacht, hatte aber zu Weihnachten in der alten Heimat anderes im Kopf.

Das hat sich so fortgesetzt. Aber nun knapp vor Ostern habe ich mitbekommen, dass es eine Bloggerreise zur Ramses-Ausstellung gab und daraufhin ein wenig herumgegoogelt. Es gibt reichlich Websites, die Informationen versprechen. Ich habe was vom SWR („Neue Ausstellung im Badischen Landesmuseum“), vom DLF („Ramses-Ausstellung in Karlsruhe“) und den Bericht von dem Blogger-Event in „miris jahrbuch“ durchgelesen. Interessant war, daß für mich die Texte von SWR und DLF wie Kreuzungen aus Wikipedia und Pressemitteilung wirkten - vielleicht sind sie auch zur Gänze auf Basis des Pressematerials entstanden. Ramses wurde ja schon x-mal im Fernsehen durchgenudelt und da hat man einige der Stichworte im Kopf. Miris Bericht wirkt hingegen wirklich frisch und sie kommt ganz ohne die von Ramses gezeugten über 100 Kinder aus.

Trotz Miris Empfehlung sind wir aber am Ostersamstag stattdessen in das Karlsruher Naturkundemuseum gegangen und haben die Entscheidung nicht bereut. Das „Aufgrund der großen Nachfrage“ auf der Landesmuseum-Website hat mich schon eine lange Schlange an der Kasse sehen lassen, und da hätten wir uns dann sowieso nicht angestellt. Kostenmäßig sind wir inklusive einer Kuchen- und Butterbrezel-Zwischenstation noch unterhalb des Ramses-Eintritts geblieben. Obwohl man nicht so denken darf. Ich hatte ja schon erwähnt, die Sonderausstellungen im Karlsruher Landesmuseum sind immer sehr opulent, also die 12 Euro Eintritt für die Vollzahler sind sicher ein Schnäppchen. (Nachdem ich mal die Bahncard-Ermäßigung im Landesmuseum erwähnt habe: die Ermäßigung kriege ich nicht mehr. Bin als Seltennutzer dreimal an Streiktagen mit dem Fernbus gefahren.)

In Miris Jahrbuch kann man sehen, was fotomäßig ginge. Ich hatte mich mal in „Kykladen in Karlsruhe“ über das Fotoverbot ausgelassen. Es gab wahrscheinlich früher Gründe für ein Fotografierverbot - warum sollen ein paar Leute fotografieren und die anderen stören? Und solche unkontrollierten Fotos muß man dann noch seinen Leihgebern vermitteln. Aber heute kommt die Fotografiererei ziemlich natürlich rüber. Ein kleiner Junge hat sich im Naturkundemuseum zwischen uns und einen Leguan gequetscht und dann erfreut sein Ergebnis auf dem Smartphone betrachtet. Ein junger Mann hat mit seinem Smartphone die beste Position im Treppenhaus für den großen Flugsaurier an der Decke gesucht.

Das Badische Landesmuseum hätte da bei der Kykladen-Ausstellung 2012 mit seiner Neuerung erstmals eine App zur Ausstellung anzubieten noch ganz vorne mit dabei sein können („Anscheinend nur iPhone, und wer kein iPhone hat kann ein iPad ausleihen“). Man hätte statt das Fotografieren in der Sonderausstellung zu verbieten ausgewählte Objekte freigeben und die Leute schon Selfies davor machen und in die Welt hinaus schicken lassen können, bevor Museums-Selfies überhaupt ein größeres Thema waren.

Meine früheren Ausstellungsberichte liefen von den Zugriffszahlen her sehr gut. Das hing damit zusammen, daß ich bei manchen gebräuchlichen Suchworten vorne auf der ersten Ergebnisseite war. Das änderte sich etwa ab dem „Imperium der Götter“. Da wurde ich außer von den nun besser suchmaschinenoptimierten Online-Ausgaben der Zeitungen auch von Websites mit Veranstaltungshinweisen aus kurzen Text nach hinten verdrängt.

Es hätte mir geholfen, wenn sich meine früheren höheren Zugriffszahlen auch in mehr Verlinkungen niedergeschlagen hätten. Hat es aber nicht. Und ich war dann auch nicht so motiviert, im Bereich der Zugriffszahlen größer zu versuchen dagegen zu halten. Aktuell habe ich mir nur darüber Gedanken gemacht, wie ich damals ein Stativ für die Nachtaufnahmen hätte mitnehmen können. Und die Texte könnte ich mir mal wegen der Verständlichkeit und obsoleten Links durchsehen.

Jedenfalls war ich dann zu Zeiten der Münchner Kyladenausstellung mit meiner Karlsruher Kykladenausstellung auf Seite drei, wenn ich nach „Kykladen Karlsruhe“ gegoogelt habe. Ganz vorne auf der ersten Seite war damals wie heute eine Fotostrecke (!) einer Stuttgarter Zeitung. Die Quelle „Unbekannt“ vom Bild 2 ist da schon bemerkenswert. Also nicht nur, daß es ein Fotoverbot in der Ausstellung gab, die Profis stellen auch noch ein Foto aus unbekannter Quelle ins Netz?

Wenn man sich auf so einen Kampf um die Zugriffszahlen einlässt, dann könnte ich das als Hobbyist ja mal machen um zu sehen was geht. Die Profis müssen sich für irgendwas entscheiden, die haben ja vielleicht einen super „Qualitätsartikel“, den sie nach vorne bringen könnten. Warum nimmt man so eine aus meiner Sicht nicht so repräsentative Fotostrecke? Vor Jahren wurde mal gesagt, da wird auf die Klickzahlen abgezielt. Ein Artikel bringt vielleicht nur drei Klicks, eine Fotostrecke zehn oder so.

Das mit der Suche ist heute nicht mehr so einfach nachvollziehbar, etwa weil Google den Standort des Suchenden mit einbezieht. Suche ich in München nach „Zeitspringer“, bin ich weiter vorne als im Raum Karlsruhe. Die alte Veranstaltungsseiten-Konkurrenz scheint bei den alten Sachen teilweise verschwunden zu sein. Vielleicht sind sie wirklich nicht mehr aktiv oder meine eigenen späteren Verlinkungen im Blog haben mich da höher gedrückt. Von den Zahlen her relevant sind allerdings die Suchergebnisse bei aktuellen Ausstellungen, und da war aus meiner Sicht spätestens mein „Imperium der Götter“ aus der Zeit gefallen.

Freitag, 7. April 2017

Georgensteinblick II

Im folgenden beziehe ich mich auf die im Georgensteinblick I beschriebenen Örtlichkeiten. Mit dieser Beschreibung sollte klar sein, wo die aktuellen Fotos aufgenommen wurden. Wenn nicht, bitte bei mir beschweren!

Bild 1 zeigt wieder den von einem der Aussichtpunkte des Georgensteinblicks aufgenommenen Georgenstein. Mittlerweile aus meiner dritten Fotoserie vom Georgensteinblick. Ostern und viel Freizeit naht und es wird absehbar noch dauern, bis ich in das Tal hinunter und auf die andere Isarseite komme. Daher noch Bild 2 und Bild 3 für alle, die schon früher starten und die Gegend erkunden wollen. Bild 2 zeigt rechts unten den Georgenstein und gegenüber die oberhalb des Georgensteins liegende Römerschanze. Bild 3 ist rechtwinklig zur Bildrichtung von 2 aufgenommen und zeigt die dazwischenliegende Isar.

Georgenstein

Laut Bayerischem Denkmal-Atlas beginnt die westliche Fortsetzung der Römerstraße ein Stück links von dem in Bild 3 sichtbaren Wehr. Die in Georgenstein I erwähnte mysteriöse Römerbrücke müßte sich in Bild 3 irgendwo weit rechts hinten befunden haben. Vielleicht knapp im schon nicht mehr sichtbaren Bereich? Östlich der Isar beginnt der Abstieg der Römerstraße zur Isar in Bild 2 rechts von der Römerschanze. Es gab/gibt die Idee, daß die Römerstraße bis zum Georgenstein (wie gesagt Bild 2 rechts unten) herunter führte und daß der Georgenstein zur Römerzeit als Brückenpfeiler diente. Wenn es so gewesen war, dann hätte man also rechts unten in Bild 2 noch ein Stück Römerbrücke gesehen. Aus der Perspektive von Bild 3 hätte sich dann die Römerbrücke außerhalb des sichtbaren Bereichs ebenfalls rechts unten befunden.

Römerschanze mit Georgenstein

Man könnte sich aber auch vorstellen, daß die Römerstraße nicht schnell hinunter, sondern nah an der Römerschanze um den Geländesporn herum führte. In dem Fall hätte man in Bild 2 zur Römerzeit oben die römische Wachstation und unterhalb die absteigende Römerstraße gesehen. Auf diese Weise hätte sie bis zu dem mysteriösen Brückenstück im Denkmal-Atlas auf der östlichen Isar-Seite weiterverlaufen und dort erst die Isar überqueren können.

Beginn Isar-Werkkanal bei Buchenhain

Ich würde mich ohne weitere Informationen nicht zu sehr auf eine dieser Positionen versteifen. Aber wenn man sonst nichts Besseres vor hat, kann man sich das ja mal alles aus der Nähe ansehen. Die Strecke von Grünwald hinunter zur Isar und zum Georgenstein, dann hoch und via Römerschanze zurück scheint ein Wander-Klassiker zu sein. Man möge mittels Worten wie „Grünwald Georgenstein Römerschanze Isar“ suchen und sollte von mehreren Anbietern Streckenvorschläge finden.

Die westliche Isareite ist verkehrstechnisch wesentlich besser erschlossen. Wie im Georgensteinblick I erwähnt, kommt man sogar mit der S-Bahn sehr nah an den Georgenstein heran. Es gibt die erwähnte Treppe hinunter. Nördlich gelangt man über die frühere Römerstraße in das Tal. Südlich scheint gleich nach meinem Standort für Bild 3 ebenfalls ein Weg hinunter zu führen.

Wer jetzt noch etwas Zeit hat, dem empfehle ich einen Blick in die „Illustrirte Geschichte der Stadt München“ Ferdinand Kroneggs von 1903 zu werfen. Ringwallbefestigungen hat man damals wohl Kelten und Germanen zugesprochen. Die heute als keltisch angesehene „Viereckschanze (Mehrfachschanze) der späten Latènezeit.“ D-1-7935-0043 sprach man dagegen den Römern zu. Und auf der folgenden Seite findet sich die Behauptung, daß bei „Bayerbrunn“ dereinst eine große Stadt gestanden habe, die dann "versunken" sei. Kennen wir so eine Sage von einer „versunkenen Stadt“ nicht auch im Zusammenhang mit Bernstorf? Gab es damals häufiger versunkene Städte? Hatten die damals Konjunktur?

Sonntag, 26. März 2017

Rom-Links, Rom-MOOC, Rom in 3D

Die im „Georgensteinblick“ erwähnte Römerstraße führte in westlicher Richtung in das römerzeitliche Gauting. Von Gauting aus sind mehrere weiterführende Römerstraßen belegt. Eine davon kreuzte bei Raisting südlich des Ammersees eine römische Nord-Süd-Verbindung und führte dann in Richtung römerzeitliches Kempten und Bregenz weiter. Marcellina hat Raisting einen Ausflug gewidmet. Ihren Bericht „In Via: Raisting“ finde ich wegen dem für die Römerstraßenfotos gerade passenden Schneebelag ziemlich orginell.

Zusätzliche Infos zu den dortigen Römerstraßen gibt es vom „Arbeitskreis der Heimatforscher des Ammerseegebiets“: „Römerstraßen im Ammermoos“. Und natürlich auch im Bayerischen Denkmal-Atlas, da gibt es in der Gegend ziemlich viele Rot-Markierungen.

2015 hatte ich unter dem Titel „Rom-Links“ auf den Start einer Rom-Serie im Archaeologos-Blog hingewiesen: „archaeologos auf Reisen: Rom I – die Basics“. Im Februar startete mit „Wenn einer eine Reise tut…“ wieder eine Rom-Serie mit umfangreichen Tipps für die Reiseplanung.

Vom Häferlkaffee-Blog habe ich, glaube ich, erst in der jüngeren Vergangenheit etwas mitbekommen. Also „Roma – immer etwas Neues zu entdecken!“ vom Februar dürfte der erste Rom-Beitrag gewesen sein, den ich gesehen habe. An ältere Beiträge kommt man via dem Tag „Rom“. Das ist aber nur ein sehr kleiner Teil des sehr umfangreichen Werks, durch das man zumindest mal durchscrollen sollte. Wenn man schon dabei ist, sollte man das Durchscrollen auch noch mit dem älteren Blog „in via archaeologica“ fortsetzen.

Zum Thema Rom läuft seit vorletztem Montag ein MOOC: „Rome: a Virtual Tour of the Ancient City“: „Take a guided tour around ancient Rome with University of Reading expert, Dr Matthew Nicholls, using his detailed, historically accurate and award-winning, 3D digital model of this awe-inspiring city. Immerse yourself in the architecture and history of Ancient Rome.“ Der Kurs dauert 5 Wochen, es wird ein Aufwand von 3 Stunden pro Woche angegeben und er läuft als „FREE online course“, für den ein „Upgrade available“ ist.

Dienstag, 21. März 2017

Der Georgensteinblick

Beim „Georgensteinblick“ handelt es sich gleich um mehrere Aussichtspunkte bei Buchenhain oberhalb des Isartals, von denen man (derzeit) eine freie Sicht auf den Georgenstein hat. Wo sich die Aussichtspunkte ungefähr befinden, kann man sich via diesem Link auf der Karte seiner Wahl ansehen. Informationen über den Georgenstein gibt es in der Wikipedia.

Georgensteinblick

Der Georgenstein ist für uns als Geländemarke für die Grünwalder Römerschanze und für die frühere Römerstraße interessant, die hier die Isar überquerte. Die Römerstraße führte auf der östlichen Isarseite, also auf den Fotos links vom Georgenstein, herunter zur Isar. Die Grünwalder Römerschanze befindet sich links oberhalb des Georgensteins auf auf einem Geländesporn über dem Isartal. Dort befand sich eine römische Wachstation, von der man den Isarübergang überwachen konnte. Heute hat man direkt von der Römerschanze wegen den Bäumen keine gute Sicht in das Isartal. Insofern eignet sich der bequem via Fahrrad, S-Bahn oder Auto erreichbare Georgensteinblick bestens für den Einstieg. Von hier kann man sich einen Überblick über die Lage der ehemaligen Wachstation und den Verlauf der Römerstraße im Gelände verschaffen. Und die kleine Expedition lässt sich beliebig auf der westlichen Isarseite ausdehnen.

Zur Vorbereitung möge man sich im genannten Georgenstein-Artikel in der Wikipedia die Darstellung von Linbrunn von 1764 ansehen, in der die Wälle der Römerschanze und die herunterführende Straße eingezeichnet sind. Weiter sollte man sich unbedingt noch den Verlauf der Römerstraße und die Lage der Römerschanze im Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Die Denkmalnummer der Römerschanze ist D-1-7935-0002

Georgenstein

Die Römerstraße endet im Bayerischen Denkmal-Atlas auf der Westseite der Isar kurz vor, im Osten sogar ein Stück weiter entfernt vor der Isar. Also einen eingezeichneten Übergang gibt es derzeit nicht. Es fällt aber auf, daß etwas flußabwärts - vom eigenen gedanklichen Zusammenführen der Römerstraßenenden vielleicht 400m entfernt - eine römische Brücke eingezeichnet ist (Denkmal D-1-7935-0005). Wer Informationen hat, was da der Stand der Dinge ist, möge vielleicht mal hier kommentieren oder mir eine Mail schicken.

Die angegebene Geokoordinate des Georgensteinblicks sollte so ungefähr auf einem Waldweg liegen. Außer den dort befindlichen Aussichtspunkten gibt es auch etwas entfernt eine Geländeplattform mit Sitzbänken direkt an der Straße. Bewegt man sich auf dem Waldweg zur Straße und dort noch ein Stück die Straße von Buchenhain nach Baierbrunn entlang auf dem Rad/Fußweg, wird man diese Plattform finden. Geht man weiter entlang der Straße bis zu einem nach links abzweigenden Asphaltweg weiter, dann kann man an diesem Asphaltweg einen weiteren Aussichtpunkt mit Blick auf die Stelle finden, wo das Wasser für den hier beginnenden Isar-Kanal abgezweigt wird und wo ein Stück links von der Isar die Römerstraßenmarkierung im Bayerischen Denkmal-Atlas wieder beginnt.

Georgenstein

Nun wieder geistig zurück zum Ausgangspunkt auf dem Waldweg: Bewegt man sich von dieser Geokoordinate statt zur Straße in der Gegenrichtung die Kante hinunter in das Isartal entlang, dann gelangt man bald zu einer Treppe, mittels der man hinunter auf die Waldwege im Isartal kommt und versuchen kann diesen im Denkmal-Atlas markierten Anfang des westlichen Teils der Römerstraße zu finden.

Samstag, 18. März 2017

Kontrovers-Nachklapp

Der in meiner „Hellseherin vom Bernstorfer Berg“ empfohlene Bernstorf-Beitrag im BR-Magazin Kontrovers „Der Schatz von Bernstorf. Zweifel an Echtheit bleiben“ ist tatsächlich noch am selben Tag gesendet und nicht wieder verschoben worden. Zum Glück hatte ich meine „Hellseherin“ zuvor eingestellt. Denn im Fernsehbeitrag wurde auf denselben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege verantworteten Teil in der neuen Gebhard/Krause-Publikation verwiesen, den ich auch erwähnt hatte („Funde und Finder. Zur Aufindungsgeschichte der Gold- und Bernsteinartefakte im Bereich der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf, Gemeinde Kranzberg“). Sogar die Stelle mit dem Aktenvermerk zur „Hellseherin“ wurde gezeigt.

Zu diesen Fundumständen gab es kurze Bemerkungen von Prof. Dr. Ernst Pernicka und ein längeres Interview mit Prof. Dr. Stefan Winghart. In diesem Interview wurde auch die Hellseherin angesprochen. Daneben wurde in dem Kontrovers-Beitrag von Prof. Pernicka der Fälschungsvorwurf aufgrund der Reinheit des Goldes wiederholt. Von Prof. Dr. Harald Meller gab es eine kurze Bemerkung zu den als neuzeitlich nachgewiesenen Lehmummantelungen. Prof. Dr. Rupert Gebhard durfte sich zum Fälschungsverdacht äußern und wurde nach dem nicht in der neuen Publikation erschienenen Bericht der Wissenschaftlerin gefragt, die bei der Tagung der Archäologischen Staatssammlung 2014 die gravierten Bernsteine als Fälschung bezeichnet hat.

In den acht Minuten Fernsehbericht konnte die einzelnen Aspekte zwangsläufig nur kurz angesprochen werden. Es war aber schon auffällig, wie einsam man die Aussagen Prof. Gebhards stehen ließ. Etwa seinen Satz gegen Ende des Berichts, nach dem man automatisch zu dem Schluß kommen soll, daß es eigentlich unmöglich sei, daß es sich um eine Fälschung handeln kann. So wie BR Kontrovers diesen Bericht aufbaute, scheint man nicht so von der Schlüssigkeit der Argumente Prof. Gebhards überzeugt zu sein. Seine Kernaussagen dürften aber in dem Bericht enthalten sein, und das würde man ja auch von einem seriösen Bericht erwarten.

Ich will jetzt mal von dieser Fernsehsendung weg und hin zu dem Aspekt, daß die im Zusammenhang mit Bernstorf immer wieder auftretenden Personen sowohl selbst als Medium auftreten, als „vermittelndes Element“, als auch auf Medien Einfluß nehmen. So haben etwa die Professoren Gebhard, Krause, Pernicka als auch Dr. Moosauer sowohl Vorträge über das Thema Bernstorf gehalten als auch Texte veröffentlicht. Den Vortrag, den Prof. Pernicka in Freising gehalten hat, kann man sich noch via den Medien Video, Internet und Website des Archäologischen Vereins Freising ansehen. Über den Krause-Vortrag vom Dezember 2014 gibt es einen Bericht im Sucherforum, ich hatte das in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnt.

Prof. Gebhard ist, siehe oben, hinsichtlich einer Wissenschaftlerin auf die Gestaltung der von ihm mit Prof. Krause herausgegebenen Publikation angesprochen worden, da ging es also um seinen Einfluß auf ein Medium. Aus dieser Publikation ist, wie in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnt, ein von ihm und Prof. Krause geschriebener Teil (Inhalt, Einleitung, Synthese) via Academia.edu frei zugreifbar. Das Zurverfügungsstellen solcher Texte will ich eigentlich immer loben. Selbst wenn diese Offerte eher an die Fachkollegen als an gleichermaßen interessierte Laien gerichtet ist. Ist ja zumindest ein Anfang.

Im vorliegenden Fall scheint die „Synthese“ dieses frei zugreifbaren Teils der Gebhard/Krause-Publikation aber nicht als Synthese überzeugt zu haben - siehe stattdessen das BR-Kontrovers-Interesse an den Fundumständen - und mithin aus dieser Sicht für die Publikation nicht hinreichend repräsentativ zu sein. Was ist dann die Begründung dafür, daß nur dieser Teil der Publikation frei zugreifbar eingestellt wurde? Analog das in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnte Beispiel Erwin Neumair, der in der „Einleitung“ nur als Vorsitzender des Archäologischen Vereins Freisings vorkommt, in der Angelegenheit Bernstorf aber eine wichtige Rolle als Kreisheimatpfleger spielte. Im vom Denkmalamt verantworteten Teil der Publikation wird er mehrfach korrekt in seiner Rolle als Kreisheimatpfleger erwähnt.

Ein anderes Argument gegen das nur teilweise frei Verfügbarmachen der Publikation ist der Widerspruch zur bis zur Publikation vorgebrachten Aussage, man wolle alles im Gesamtzusammenhang veröffentlichen. Warum koppelt man dann einen Teil aus? Warum hat man nicht angestrebt, alles als Open-Access-Publikation zu veröffentlichen?

Wie wird das von Archäologen reflektiert? Wenn der DGUF-Newsletter dafür repräsentativ ist, fallen solche Punkte überhaupt nicht auf, obwohl sich die DGUF selbst Open Access auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Auf der Website der Archäologischen Staatssammlung sehe ich weiterhin nur den Hinweis auf die gedruckte Publikation mit Preis und Mailadresse, via der man die Publikation bestellen kann. Kein Dossier Bernstorf, nicht mal einen Link auf den bei Academia.edu zugreifbaren Teil der Publikation.

Wichtiger scheint die über die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ ansprechbare Zielgruppe gewesen zu sein. Dort hatte letztes Jahr Prof. Pernicka einen Artikel veröffentlicht („Echt oder falsch? Ein Zwischenstand zum Disput um die Funde von Bernstorf“). Nun schreibt „Archäologie in Deutschland“, die Zeitschrift hätte Prof. Krause und Prof. Gebhard „gebeten, ein Statement zur Einschätzung von E. Pernicka abzugeben, denn unsere Leser sollten bei einer so interessanten und spannenden Materie keinesfalls ein einseitiges Bild bekommen“. Und prompt wurde den Lesern auch sehr zeitnah zur neuen Publikation die Krause-Gebhard-Sicht in einem Artikel vermittelt.

Vielleicht lag das ja nicht nur an dem Zielgruppe. Vielleicht sind die Informationen auf der Website der Archäologischen Staatssammlung nur deshalb so dünn, weil die Website-Besucher bislang noch nicht wie die Zeitschrift AiD um mehr Informationen gebeten haben?

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Hellseherin vom Bernstorfer Berg

Mein „Bernstorf in der nächsten Runde“ ließ ich mit dem Gedanken enden, dass Major Adolf Kottan mit seinem Team per Zeitsprung nach München kommt, die Angelegenheit Bernstorf umfassend klärt, und bei der Gelegenheit auch herausbekommt, ob tatsächlich eine Hellseherin an den Funden beteiligt war.

Mittlerweile habe ich mitbekommen, daß ein entsprechender Aktenvermerk des Mitarbeiters des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege Dr. Martin Pietsch über eine Hellseherin bzw. eine Frau mit „hellseherischen Fähigkeiten“ in der jüngst vorgestellten Publikation der Professoren Gebhard und Krause enthalten ist: im Teil von „Claudia Rohde unter Mitarbeit von C. Sebastian Sommer, Jochen Haberstroh, Martin Pietsch, Stefan Winghart und Peter Freiberger“: „Funde und Finder. Zur Auffindungsgeschichte der Gold- und Bernsteinartefakte im Bereich der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf, Gemeinde Kranzberg“. Dort ist auf Seite 299 der Aktenvermerk abgedruckt, nach dem Dr. Manfred Moosauer anlässlich einer Nachuntersuchung am Ort der ersten Goldblechfunde mit einer Bekannten erschienen ist, „von der er sagte - sinngemäß - sie habe hellseherische Fähigkeiten. Sie habe das Gefühl, es sei noch etwas zu finden und zeigte auf eine Stelle etwa 5 Meter entfernt von der ersten Fundstelle am Rand der aufgehäuften Baumstümpfe. Innerhalb kürzester Zeit, etwa eine halbe Minute konnte dann exakt an dieser Stelle ein weiteres Goldblech gefunden werden.“

Das BR-Magazin Kontrovers will sich auch wieder dem Thema Bernstorf widmen: „Der Schatz von Bernstorf. Zweifel an Echtheit bleiben.“ Die Aussendung ist aktuell für heute Abend ab 21 Uhr vorgesehen. Die Aussendung sollte schon am letzten Mittwoch stattfinden, wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen.

Samstag, 4. Februar 2017

Bernstorf in der nächsten Runde

Die Bernstorfer Gold- und Bernsteinfunde stehen unter Fälschungsverdacht. Es gab schon früh Zweifel an den Funden, das K.o.-Kriterium schienen aber erst die Goldanalysen von Prof. Dr. Pernicka zu liefern: das Gold erwies sich aus Pernickas Sicht als zu rein, um aus der Bronzezeit stammen zu können. Diesen Stand von 2014 zum Bernstorfer Gold, den Bernsteinen, den Fundumständen und zu den beteiligten Personen kann man sich ganz gut mit dem noch zugreifbaren BR-Video „Goldschatz Bernstorf - Zu rein, um wahr zu sein?“ vergegenwärtigen.

Weitere Untersuchungen von Gold und Bernstein wurden in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse gemeinsam im Rahmen einer Publikation von Prof. Dr. Rupert Gebhard und Prof. Dr. Rüdiger Krause „voraussichtlich Ende 2016“ veröffentlicht werden sollten. Diese Publikation wurde Mitte Januar 2017 vorgestellt: „Bernstorf. Archäologisch-naturwissenschaftliche Analysen der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg, Oberbayern“. Die Publikation ist in Teilen (Inhalt, Einleitung, Synthese) online zugreifbar und widerspricht dem Fälschungsverdacht (siehe das „Fazit“ in der „Synthese“): „Fasst man alle in dieser Arbeit diskutierten Aspekte zusammen, so kann kein einziges stichhaltiges Argument für das Vorliegen einer Fälschung namhaft gemacht werden.“

Manche Medien haben dies so durchgereicht. Der KURIER.at konnte zu dieser Publikation auch Prof. Dr. Pernicka befragen. Und der bleibt „natürlich bei seiner Meinung“. „Solch reines Gold kann man nur mit Elektrolyse herstellen, und die gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts“.

In meinem Blog hatte ich über die Jahre immer wieder ein paar Links zu Bernstorf. Wie ich mittlerweile gesehen habe, stellen meine in größeren Abständen veröffentlichten Hinweise nur eine kleine Untermenge dessen dar, was in einem eigenen Thread zum Thema „Bernstorf-Schatz in Bayern soll Fälschung sein“ im Sucherforum gesammelt wurde. Neben den dort zeitnahe eingestellten Links gibt es auch viele zusätzliche Hintergrundinformationen. Ich empfehle allen Interessierten sich dort einzulesen und im Sucherforum den weiteren Verlauf zu verfolgen.

Aus meiner fernen Sicht auf Bernstorf habe ich mittlerweile den Eindruck eines nicht so konstruktiven Hickhacks auf unterer Ebene, von nicht so konstruktiven einseitig informationsreduzierten Darstellungen gewonnen. Ich hatte hier im Blog schon auf die ohne Angabe von Datum und Verfasser im November 2014 auf der Website der Archäologischen Staatssammlung eingestellten „Fragen und Antworten zum Gold von Bernstorf“ hingewiesen. Via Sucherforum habe ich nun mitbekommen, daß Prof. Dr. Pernicka es notwendig fand dazu eine umfangreiche Stellungnahme mit Richtigstellungen und Nachträgen zu verfassen. Ebenfalls aus dem Sucherforum kann einem Bericht von einem Vortrag von Prof. Krause in der Archäologischen Staatssammlung im Dezember 2014 entnommen werden, daß Prof. Pernicka dort anwesend war. Also man hatte immer den Kontakt, man hätte sozusagen bei den „nicht kriegsentscheidenden Basics“ eine übereinstimmende Darstellung erzielen können, wenn man einen Sinn darin gesehen hätte.

Man beachte auch im oben verlinkten BR-Video die „vermutlich im Auftrag eines anderen“-Aussage von Dr. Moosauer. Mit dem „anderen“ dürfte Erwin Neumair gemeint sein. Der mußte nach meinem Verständnis als Kreisheimatpfleger seine Zweifel am Bernstorf-Projekt von Traudl Bachmaier und Dr. Manfred Moosauer äußern dürfen, um seinem Amt gerecht zu werden. Anderseits war er als Vorsitzender des Archäologischen Vereins im Landkreis Freising mit gegenläufigen Museumsinteressen Partei. Ich weiß nicht, was sich da in den Jahren angehäuft hat, aber man sollte vielleicht dennoch versuchen, den Personen und den Sachverhalten gerecht zu werden. In so einer Situation wird dann tatsächlich wie im Sucherforum bemerkt in der Einleitung der Gebhard/Krause-Publikation konsequent der Name Neumair falsch geschrieben.

Ich selbst habe zunächst die Version von der Fundkritik kennengelernt, nach der die Funde deshalb kritisiert wurden, weil sie von Hobbyarchäologen gemacht wurden. Was soll daran schlimm sein, wenn Gold und Bernstein von Hobbyarchäologen gefunden wurden, dachte ich? Später habe ich nach und nach mehr von den Fundumständen erfahren und mich veräppelt gefühlt. Vielleicht kann man nicht anders, aber möglicherweise richtet man so auch für die eigene Sache mehr Schaden als Nutzen an.

Die Frage nach der „versunkenen Stadt“, dem Ausgangspunkt der Suche von Traudl Bachmaier und Dr. Manfred Moosauer, scheint derzeit in den Hintergrund zu treten. Man hat auf dem Bernstorfer Berg bislang keine große bronzezeitliche Siedlung gefunden und beruft sich als Beweis für die besondere Rolle von Bernstorf stattdessen auf die „größte Befestigung nördlich der Alpen“, siehe dazu das Interview von Prof. Krause in münchen.tv. Doch obwohl Bernstorf nach Bernstein und Amper nach Amber klingt, scheint man Bernstorf und die Amper-Route noch nicht in die klassischen Bernsteinstraßen-Darstellungen aufgenommen haben. Auf Bernhard Schwades Altwege-Website sehe ich als näheste Strecke die für mich wesentlich vernünftiger klingende Inn-Route. Es gibt nach dieser Darstellung sogar eine „griechische Bernsteinstraße“, und die liegt noch wesentlich entfernter: „Die griechische Bernsteinroute verlief vom Weichseldelta entlang der Weichsel und Dnjestr bis zur Mündung in das Schwarze Meer und von dort auf dem Seeweg bis nach Santorin und Mykene.“

Zu den Websites: ab und zu sehe ich Bemerkungen, nach denen für das Kranzberger Museum mehr Werbung gemacht werden soll. Und ein erster Anlaufpunkt ist für viele mittlerweile die Website ihres Ausflugsziels. Dort sehe ich nicht, daß man das Museum über Berichte von den lokalen Ausgrabungen interessant machen will. Das Museum heißt „Bronzezeit Bayern Museum“. Man könnte für das „Bronzezeit Bayern“-Image etwas tun, in dem man darüber hinaus über laufende bayerische Bronzezeit-Projekte informiert. Das Minimum sollten aber Hinweise sein, wie man vom Museum zum Bernstorfer Berg kommt. Warum fährt man sonst nach Kranzberg? „Aura des Originals“ und so?! Irgendein Rundweg, auf dem man diese Lage oberhalb der Amper besichtigen kann. Da finde ich auf der Website nichts.

Bei der Website der Archäologischen Staatssammlung muß man sich an die eingestellten „Fragen und Antworten“ erinnern, mit denen auf die Zweifel von Prof. Pernicka und Prof. Meller und die folgende Medien-Berichterstattung reagiert wurde. Da hat man die Möglichkeiten einer eigenen Website durchaus erkannt. Derzeit sieht man auf der Website den Hinweis, daß die Dauerausstellung am 1.8.2016 schließt und das Foyer bis 20.1.2017 geöffnet bleibt. Unter „Aktuelles“ wird über die erschienene Gebhard/Krause-Publikation informiert, ohne aber auf den oben verlinkten Auszug hinzuweisen.

Die Website der Archäologischen Staatssammlung war mal verglichen mit anderen Museen sehr ambitioniert. Man kann die Website via Wayback Machine bis in das Jahr 2002 zurück verfolgen und dort nachlesen: „Diese Website entstand als Abschlussprojekt der Teilnehmer des Lehrgangs "Online-Journalismus" an der Journalistenakademie Dr. Hooffacker & Partner in München“. Man konnte zu dieser Zeit die alten Mitteilungsblätter der „Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte e.V.“ einsehen, die dann auch fortlaufend bis zur Neugestaltung der Website 2013 weiter eingestellt wurden. Jetzt gibt es nur noch wenige Beispiele der Mitteilungsblätter. Ich hatte wegen dem Wegfall herumgemeckert, weil sie sich auf viele Sachverhalte der bayerischen Vor- und Frühgeschichte bezogen, die man sonst nirgends online in dieser Qualität und Detailiertheit nachlesen konnte. Ein Beispiel waren die Informationen zu dem von mir besuchten Gautinger Brandopferplatz.

Mir schien, daß bis 2013 zumindest versucht wurde, den Rahmen von 2002 auszufüllen. Die neue Website hat dann manches übernommen, wie etwa die „Presseinformationen“, aber das nicht mehr ausgefüllt (eine letzte Pressemitteilung von 2015). Sicher gab es 2002 explizite Konzepte für die Website, die man statt „ausfüllen“ auch „annehmen“ gekonnt hätte, sowohl von seiten der Archäologischen Staatssammlung als auch den Nutzern der Website. So sind die alten Mitteilungsblätter zwar öfters von außen verlinkt worden. Aber es gab nie eine Resonanz auf mein Gemecker, daß man sie weggenommen hat. Okay, wenn es allen in und außerhalb der Archäologischen Staatssammlung egal ist!?

Ich denke, die Archäologischen Staatssammlung hätte weiter gute Möglichkeiten. Ich hatte die Hamburger „Social Media Abende“ erwähnt, wo man an die 50 Twitterer und Facebooker zusammengebracht hat. Ich finde das gut. Vielleicht könnte man sowas mit Mitgliedern des eigenen Freundeskreises üben. Ab und zu ein Termin von der Baustelle, um im Internet bis zur Neueröffnung des Hauses präsent zu bleiben und bspw. Rückmeldungen zum eigenen Webauftritt zu bekommen. Aber mir fehlt der Glaube, daß jemand in und außerhalb der Archäologischen Staatssammlung so etwas wichtig findet.

Hinsichtlich dem Fälschungsverdacht erwähnt Prof. Dr. Gebhard am Ende des oben verlinkten BR-Video noch die Option Kriminalermittler. Aktuell werden alte „Kottan ermittelt“-Filme in ORF eins wiederholt. Am Ende des zweiten Films „Der Geburtstag“ dachte ich, das wär's. Das Team von Adolf Kottan (Major Kottan passend zu obiger egal-etc.-Kette am besten von Peter Vogel dargestellt) müßte mal locker aus so einer Feier heraus zeitsprungmäßig nach München kommen und die Sache aufklären. Im Falle einer Fälschung würden sie das sicher feststellen. Im Falle der Echtheit würde ihnen die Welt glauben, daß alles echt ist. Und nebenbei würde sicher auch geklärt, ob wirklich eine Hellseherin mal auf dem Bernstorfer Berg war und dort einen Gold- oder Bernsteinknödel gefunden hat.

Samstag, 21. Januar 2017

Pasinger Reiter mit Fußvolk

Im Münchner Stadtteil Pasing wurde Mitte letzten Jahres an der Josef-Retzer-Straße Ecke Georg-Jais-Straße ein Teil eines frühmittelalterlichen Friedhofs freigelegt. Die Gelegenheit für die Ausgrabung ergab sich durch den Neubau eines Wohnhauses. Meine Fotos stammen vom letzten Dezember. Ich dachte, bei der neuzeitlichen Baugeschwindigkeit wird das Haus jetzt schon trockengewohnt. Die Bauarbeiter standen aber noch auf dem Kellergeschoss.

Pasinger Reiter mit Fußvolk 2

Vom BR gibt es zwei kurze, sehenswerte und online noch zugreifbare Videos über die Ausgrabung. Beide sind mit dem 30.06.2016 datiert. Da die Videos wahrscheinlich irgendwann auf Grund irgendwelcher schlauer Depublizieregeln in die Tonne getreten werden, texte ich ein bissel mehr und nehme die Links gegebenenfalls raus, wenn es soweit ist. Ist schade drum, weil es im zweiten Video schöne Luftaufnahmen gibt.

Pasinger Reiter mit Fußvolk 2

Im zweiminütigen Video „Reiter aus ferner Vergangenheit“ geht es vor allem um das für hiesige Verhältnisse ungewöhnliche Reitergrab und es wird die Vermutung erwähnt, daß der Reiter aus dem Rheinland stammen könnte. Insgesamt ist dieses frühe Gräberfeld wohl deshalb besonders bedeutungsvoll, weil man sich Hinweise auf die Entstehung der Bajuwaren erhofft. Das Stichwort Multi-Kulti fällt, es ist die Rede von einem Bevölkerungsgemisch unterschiedlichster Herkunft. Also die Bajuwaren sind demnach nicht als geschlossener Stamm eingewandert, sondern hier in Bayern aus einem Völkergemisch entstanden.

Pasinger Reiter mit Fußvolk 3

Der Verweis von Dr. Jochen Haberstroh vom Denkmalamt in diesem Video auf die damalige hohe Bevölkerungsdichte erinnert an den Gräberfund von Unterhaching. Dort ließ die gute Ausstattung der Toten einen hohen Rang und einen entsprechend intakten Bevölkerungshintergrund vermuten, den man nach Abzug der Römer hier nicht mehr erwartet hätte.

Pasinger Reiter mit Fußvolk 4

Im zweiten, sechsminütigen Video „Bajuwarengrab in Pasing entdeckt“ erläutert Mathias Pfeil vom Denkmalamt noch einmal die Bedeutung des Gräberfeldes für die Erforschung dieser frühen Bajuwarenzeit. Darüberhinaus wird hier an der Ausrichtung der Gräber christliches Gedankengut erkennbar. Während es anderseits noch vorchristliche Grabbeilagen gibt, die allerdings zu einem großen Teil schon im Frühmittelalter geraubt wurden. Multi-Kulti ist wieder ein Thema und die Ausstattung des Reiters. Im Video sind Luftaufnahmen der Ausgrabungsfläche an der Josef-Retzer-Straße zu sehen und es wird auf die anliegende Garage und die Kreuzung der Josef-Retzer-Straße mit der Georg-Jais-Straße hingewiesen, unter der weitere Gräber erwartet werden.

Sonntag, 8. Januar 2017

Die Punktwolken des Wettergotttempels von Aleppo

Die Augmented Reality hatte ich mal 2012 im Blog. Das Thema Augmented Reality war damals wegen dem Projekt Google Glass sehr präsent. Die revolutionären Vorstellungen, die im Raum standen, konnte diese Augmented-Reality-Brille aber nie erfüllen. In der Folge ist es stiller um das Thema Augmented Reality geworden. Zwischenzeitlich rückte dafür die Virtual Reality stark in den Vordergrund. Mittels einer mit Papphalter und eigenem Smartphone gebastelten Virtual-Reality-Brille kann jeder mitmachen. Eine „höhere Intensität der Immersion“ versprechen laufend neu auf den Markt kommende VR-Headsets. Ein Foto mit einem Saal voll Leuten mit VR-Headset ging durch alle Medien. Die meisten von uns werden sich erinnern. Im letzten Jahr rutschte nun wieder die Augmented Reality mit dem Erfolg von Pokémon Go ganz in den Vordergrund. Wobei man sehen konnte, daß die Technologie Augmented Reality kaum noch thematisiert wurde. Also 3D-Scans, Virtual Reality und selbst die den meisten nicht so präsente Augmented Reality scheinen schon ziemlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Zumindest im Smartphone-nutzenden Teil.

Im Archäologie-Bereich sieht man die genannten Stichworte derzeit oft im Zusammenhang mit den aktuellen traurigen Kriegsereignissen. Kann man zerstörte Kulturgüter mittels 3D-Modellen aus vorhandenem Bildmaterial oder aus schnell gemachten 3D-Scans wieder virtuell entstehen lassen? Reichen die vorhandenen Daten als Grundlage für eine physische Rekonstruktion? Siehe etwa hier den aktuellen Artikel in der New York Times „Damaged by War, Syria’s Cultural Sites Rise Anew in France“.

Ich weiß nicht, wie weit aus der Not heraus mit aktuellen Drohnen erstellte Datenmengen mit den Ergebnissen stationärer älterer Scanner aus der Zeit vor den Kämpfen vergleichbar sind. Vielleicht sind die Datenmengen - Punktwolken im Interview - des Wettergotttempels von Aleppo wesentlich umfangreicher, aber wie Prof. Thomas Bremer sagt noch ohne Farbe. Jedenfalls toll, daß wir die Daten haben. Man möge in dem vor zweieinhalb Wochen erschienenen Artikel von Eva Götting mit eingebundenen Videos „Archäologie durch die virtuelle Brille“ unbedingt das erste Video mit dem Interview mit Prof. Dr. Thomas Bremer ansehen. Die Umgebung, in der dieser Tempel des Wettergottes eingebunden war - ziemlich viel davon dürfte jetzt zerstört sein - ist in einem Video auf der Webseite Virtual Archaeology der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zu sehen.

Der Artikel von Eva Götting informiert mit seinen Videos zwar nicht auf der Ebene der verwendeten Techniken, vermittelt aber dennoch bemerkenswert tiefgründig Probleme und Gedanken im Zusammenhang mit dem Projekt. Siehe etwa die Idee der „Virtual Reality als Publikationsformat“. Und den im Video geäußerten Gedanken, mittels der Virtual Reality eine „Varianz von Hypothesen“ darzustellen. Also nicht so im Sinne: so hat die Mauer des Tempels des Wettergottes vermutlich ausgesehen. Sondern: die Mauer könnte aus diesen Gründen so und aus jenen Gründen so ausgesehen haben. Das klingt natürlich sinnvoll für die Diskussion unter Wissenschaftlern. Für den Laien wäre das ungewöhnlicher, sollte aber im Grunde genommen auch seine Informationsbasis darstellen.

In dem Interview mit Thomas Bremer fiel mit den Annotationen ein Stichwort, das ich im letzten Eintrag in der Formulierung „allgemein lesbare Annotationen zu Multimedia-Daten wie etwa den MOOC-Videos“ verwendet hatte. Beim Durchlesen meines Eintrages hatte ich überlegt, ob ich das „allgemein lesbar“ so schreiben kann. Es war ja in der Konstellation primär für den Rechner gedacht, damit er verschiedene Medien verbandeln kann. Aber es ist wirklich mit ein paar eckigen Klammern und reservierten Wörtern und Zeichen gut für Menschen les- und schreibbar. Also stimmt das mit dem „allgemein lesbar“. Beim Wettergotttempel geht um Anmerkungen zu den Objekten/verwendeten Symbolen im Tempel.

Im verlinkten Eintrag hatte ich auch den Hinweis auf den am 16. Januar bei Coursera startenden „Archaeoastronomy“-MOOC. Der MOOC mag für neu gewonnene Wettergotttempel-Fans ganz interessant sein. Prof. Thomas Bremer erwähnt, daß die Konstellation der Sterne und die Sonnensituation für den Tempel des Wettergottes eine Rolle spielte.