Freitag, 23. Dezember 2011

Die Bikini-Mädchen

Zu Weihnachten und der Wende zu den länger werdenden Tagen gibt es von mir die Bikini-Mädchen. Wenn im Zusammenhang mit Archäologie-Touren das Stichwort „Bikini-Mädchen“ fällt, dann sind meistens die von der Villa Romana del Casale gemeint. Die Villa Romana del Casale ist zugleich das noch ausstehende Ziel der Sizilien-Serie, diese Blog-Einträge starteten letztes Jahr mit dem Blog-Eintrag „Sizilien, mit Familienanschluß“.

Bikini-Mädchen in der Villa Romana del Casale

Bikini-Mädchen in der Villa Romana del Casale

Die Bezeichnungen sind etwas unterschiedlich, die Wikipedia nennt neben „Villa Romana del Casale“ auch „Villa del Casale“ und „Villa von Piazza Armerina“. Gemeint ist eine Luxusvilla aus der Römerzeit, die vor allem durch die großflächigen und sehr gut erhaltenen Bodenmosaike bekannt geworden ist. Piazza Armerina ist eigentlich die nahegelegene Stadt, wird aber manchmal wie im Fall einer der erwähnten Begleitreisen zum „Licht des Südens“ ebenfalls für dieses Ziel verwendet (Ich hoffe es ist so, die können ja dort unmöglich die Villa del Casale auslassen).

Straße zur Villa Romana del Casale

Die Besichtigung Villa Romana del Casale könnte man wie im fünften Teil Agrigent beschrieben mit Morgantina und Enna zusammenfassen. Morgantina scheint mir hierzulande etwas zu wenig beachtet zu werden. Damals zum Zeitpunkt des Blog-Eintrags sichtbar an der gerade aktuellen Rückkehr der Aphrodite, die englischsprachig gut präsent und deutschsprachig fast nicht zu finden war. Enna, nach der Wikipedia „Belvedere (Aussichtspunkt) oder aufgrund ihrer strategisch wichtigen, zentralen Lage im Inselinneren Nabel Siziliens genannt“, kam eine wichtige Rolle in den antiken Ausseinandersetzungen auf der Insel zu.

Villa Romana del Casale

Der Wikipedia-Artikel zur Villa del Casale erwähnt eine in 300 Metern Entfernung verlaufende „Fernstraße von Akragas (dem heutigen Agrigent) nach Catania“, das wäre also südlich von Enna. Heute führt die Straße von Agrigento zur nördlich von Enna verlaufenden Autobahn Palermo - Catania. Also wenn man wie wir damals aus der Gegend von Agrigent anfährt, dann leitet einen das Navi vorher von der Strecke Richtung Enna und Catania ab. Wir sind dann abends zurück und bald darauf die Teilstrecke wieder in Richtung Flughafen Catania gefahren. Wir hatten ja unser Häuschen auf dem Lande. Besichtigungstechnisch optimaler wäre eine Übernachtung in der Gegend vor dem Abflugtag in Catania gewesen, dann hätten wir mehr Zeit in der Villa verbringen und am anderen Morgen noch etwas anderes ansehen können.

Villa Romana del Casale

Villa Romana del Casale

Der antiken Eingangsbereich der Villa befindet sich auf der Talsohle, nach hinten zu wirkt die Villa heute in den Berg/Hang hinein gebaut. Für den guten Erhaltungszustand der Mosaiken waren sehr wahrscheinlich die Erdrutsche entscheidend, die sie von der Bergseite aus verschüttet haben. Aber so fehlt mir die Vorstellung, wie das Gelände zur Zeit des Baus der Villa ausgesehen hat. Ist besonders die Villa von Erdrutschen betroffen gewesen, ist das ganze Gelände drumherum abgerutscht und man hat lokal Flächen freigelegt? Jedenfalls führt eine Stichstraße erhöht über der Talsohle hin zur Villa. Vor dem Zugang zur Villa geht ein breiter Abzweig bergseitig auf einen großen Parkplatz und die Straße ist dann im weiteren Verlauf mit Ständen wie im dritten Bild gesäumt. Auf der Hinfahrt haben wir uns auf den letzten Metern der Straße bis zum Parkplatz gerade so zwischen parkenden und manöverierenden Bussen durchgeschlängelt, das sah nach unlösbaren Problemen aus. Mitten in der Einfahrt zum Parkplatz gab ein Mann Kommandos (da hinüber, ein Euro) und vermittelte Sicherheit. Als wir zurückkamen, konnten wir problemlos wieder heimfahren.

Villa Romana del Casale


Über die Problemlösungskompetenz der Sizilianer rätsele ich nicht mehr, die nehme ich einfach hin. Die Stände haben mich gewundert. So ziemlich alles, was man an einem Stand kaufen konnte, konnte man an mehreren anderen Ständen auch kaufen. Es ging dann irgendwann eine Treppe hinunter, rechts ein Gebäude mit WC (kostenlos), Sättigungspizzaeck (3 Euro), Kaffee (1 Euro) und Infostand, links ging es zur Kasse (3 Euro Eintritt) und zur Villa. Die günstigen Preise habe ich mir 2009 notiert.

Villa Romana del Casale

Wie auf den Bildern zu sehen ist, wird außen auch noch richtig gebaut und innen offenbar fortwährend konserviert und vermutlich auch repariert. Die Mosaiken sind weitgehend überdacht, außerdem muß man meist oberhalb der Mosaiken auf Stegen bleiben. So empfindlich scheint der Boden aber nicht zu sein, stellenweise darf man auch direkt auf ihm herumlaufen. Und manche dürfen das überall machen. Wir haben einen vermutlichen Journalisten mit Helferling etwas desorientiert von einem für den Normalbesucher gesperrten Bereich in den nächsten rennen sehen, außerdem auch eine Fotografin, die von einem erklärenden Mann zu bestimmten Punkten geführt wurde. Wegen dem unten herumlaufen können habe ich die nicht so unbedingt beneidet, das funktioniert mit den Stegen schon ganz gut. Leider waren aber hintere Bereiche der Villa ganz gesperrt, da konnten die Normalbesucher selbst über Stege nicht hinein.

Villa Romana del Casale

Villa Romana del Casale

Die Masse der Mosaiken war dennoch erschlagend. Ich hatte am Ende des Durchgangs das Gefühl, noch nichts richtig gesehen zu haben, wozu sicher auch das dauernde Fotografieren beigetragen hat. Ich wäre am liebsten wieder zurück auf den Start, man hätte auch problemlos wieder zurücklaufen können und wahrscheinlich sollte man gleich zwei Durchgänge einplanen. Die Reisegruppen waren wieder viel schneller als wir. Aufbau der Gruppe, Vortrag, dann weiter zum nächsten Station. Vielleicht gab es für die zur Entschädigung nach einem Essen in Piazza Armerina noch einen schönen Stadtspaziergang oder sie haben die antiken Anlagen von Morgantina an dem Tag noch mitgenommen. Naja, beides vermutlich.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Archäologische Staatssammlung im Licht des Südens

Morgen startet in München in der Archäologischen Staatssammlung die Ausstellung „Im Licht des Südens“. Die Ausstellung will sich der „Begegnung und dem Kulturtransfer zwischen dem Mittelmeerraum und Zentraleuropa von der Steinzeit bis in die Zeit der Römer“ widmen und „stellt dazu über 500 einzigartige Exponate aus den berühmtesten Museen Italiens erstmalig prominenten Objekten aus den großen nordalpinen Museen gegenüber“.

Unbedingt zu beachten wäre das Begleitprogramm, da gibt es im Februar und März eine „Vortragsreihe am Donnerstag“. Die Vorträge wären wegen der „Eintrittskarte: 7,50 € inkl. Ausstellungsbesuch an selbst gewähltem Datum“ für die Vollzahler unter den Ausstellungsbesuchern kostenlos. Im Begleitprogramm werden auch die schon in den Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte angekündigten Sizilien-Reisen angeboten, ich hatte darauf im dritten Teil Selinunt hingewiesen. Sie finden nächstes Jahr im März und im Mai statt.

Wie zur Ausstellung „Luxus und Dekadenz — Römisches Leben am Golf von Neapel“ bietet die Archäologische Staatssammlung eine exklusive Abendöffnung inklusive Führung an, zusätzlich ist ein italienisches Catering möglich. Wie „Luxus und Dekadenz“ hat die Ausstellung eine eigene Website, auf der man das alles nachlesen kann, und eine Vorläuferausstellung in einem anderen Museum, das war in diesem Falle die Ausstellung „Le grandi vie delle civiltà“ im Castello del Buonconsiglio, Trient.

Samstag, 10. Dezember 2011

Das Memoro-Projekt

Laut der deutschen Projekt-Beschreibung ist „Memoro - Die Bank der Erinnerungen“ ein Non-Profit-Projekt, das sich der Sammlung von „Video- und Audioclips über Lebenserfahrungen und Erzählungen der Menschen widmet, die vor 1950 geboren sind.“ Damit man sich mehr darunter vorstellen kann, sollte man sich über die Startseite ein Video aussuchen und auch auf der Presse-Seite vorbeisehen. Hier empfehle ich zumindest den Mitschnitt eines Interviews im Deutschlandfunk mit Nikolai Schulz von Memoro Deutschland vom 12.11.2011.

Das Memoro-Projekt mit seinen vielen Zeitzeugenberichten liegt zwar wieder außerhalb meines Horizonts graue Vorzeit bis Spätantike. Aber zum einen hatte ich das Gefühl, daß so etwas im Umfeld von Mitmachweb und Internetökonomie einfach kommen mußte, und wollte das Projekt als beispielhaft erwähnen. Zum anderen lesen hier viele allgemein Geschichtsinteressierte mit und München ist überproportional in den Erinnerungen vertreten - es lohnt sich also ganz besonders zu stöbern. Das Projekt ist zwar international und ursprünglich in Italien entstanden, aber durch den deutschen Vertreter Nikolai Schulz dürfte München hierzulande etwas im Vorteil sein.

Zur Internetökonomie, da hatte ich ja einmal länger den „Long Tail“ in einem Blog-Eintrag („Filme, Filmchen, Videos“) verarbeitet. Grundgedanken sind, daß die Kosten von Bereithaltung und Verteilung gegen Null gehen und die Beschränkung auf eine lokale Kundschaft entfällt. Nikolai Schulz erwähnt dieses weltweite Interesse an seinen Videos in einem der Interviews. Also vermutlich Deutsch verstehende Bewohner ferner Länder, die an diesen Erinnerungen interessiert sind.

Um diese Produkte/Videos zu finden, sind nach Chris Andersons Buch über den „Long Tail“ Filter notwendig. Ein Filter in fernen Ländern wäre etwa ein deutschsprachiges Auswanderermagazin, das auf Memoro hinweist. Oder hierzulande in einer Seniorenwohnanlage Internetkurse gebende Studenten. Die wichtigsten Filter werden wohl Suchmaschinen sein, misst man nach den mit Abstand meisten zugeführten Besuchern. Und nachdem Google noch keinen gesprochenen Text durchsuchbar macht, ist es sinnvoll die Video-Beiträge zu verschlagworten und kleine Zusammenfassungen zu machen. Daß Nikolai Schulz das zu seinen Videos macht, erwähnt er im jüngsten Deutschlandfunk-Mitschnitt.

Das Übersetzungsproblem bleibt. Wir sind z.B. in Sizilien überall auf Gastarbeiter-Geschichten gestoßen. Die waren so vielgestaltig, daß man nicht glauben mag, daß sie von Geschichtswissenschaftlern in Büchern fassbar sind. Die Erinnerungen wären sicher hinsichtlich der von Nikolai Schulz erwähnten Firmengeschichten interessant. Es gibt aber eine Unzahl anderer Kombinationen - ein Aufseher in einem archäologischen Park erzählte uns davon, daß er lange in Rüdesheim gearbeitet hat, das könnte doch für viele Rüdesheim-Touristen interessant sein. Aber vielleicht muß man beim Übersetzungsproblem nur noch wenige Jahre warten. Die Spracherkennung scheint ja ebenfalls Riesenfortschritte zu machen, siehe neues iPhone. Vielleicht kommt bald ein Schlagzeile, daß Google auch den gesprochenen Text in Videos indizieren kann - Weltuntergangsstimmung in Deutschland, die dürfen sowas Schlimmes doch nicht machen - und irgendwann geht bei einfachen Sprechsituationen wie in den Memoro-Erinnerungen ein Zuschalten von automatischen Übersetzungen, die dann als Untertitel mitlaufen.

Im Interview erzählt Nikolai Schulz auch von seinen Schwierigkeiten, Leute zum mitmachen zu bewegen. Mitmachweb darf man sich also nicht so vorstellen, daß die Mitmachwoller kaum einzudämmen sind. Ich tippe zum Beispiel auf eine niedrige dreistellige Zahl von Zugriffen auf meinen Blog pro Kommentar und vermute, daß das „um Sonderfaktoren bereinigt“ bei anderen Blogs ähnlich ist. Ein mit mehr Aufwand als ein Kommentar gemachter Blog-Eintrag ist schwerer im Mitmachweb zu bekommen, ein Tweet bei Twitter ist schneller gemacht und wäre billiger zu haben. So eine nach Aufwand abgestufte Neigung den Hintern hoch zu bekommen ist in der Welt außerhalb des Mitmachswebs natürlich genauso zu beobachten - auf die 1.192 jährlichen Besucher des Archäologischen Museums der Oberpfalz in Amberg (Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung) werden ein paar tausend mehr kommen, die sich nur überlegt haben das Museum zu besuchen. Ich würde auch vermuten, daß mehr als die 1.192 versucht haben, sich im Internet über das Museum zu informieren.

Wie bewegt man also die Leute dazu mitzumachen? Nikolai Schulz hat sie einfach auf der Straße gefragt. Stephan Gröschler macht jetzt eine Weihnachtsverlosung dreier Kalender. Das ist ein sehr gutes Angebot, er betreibt die Fotografie deutlich ambitionierter als wir. Er hat mir erzählt, daß er schon vor Sonnenaufgang zu bestimmten Stellen gefahren ist, um sie in der aufgehenden Sonne fotografieren zu können. Da setzen wir mehr auf Mitnahmeeffekte, also wenn zufällig gerade die Sonne aufgeht, wenn wir nach Frühstück etc. hinkommen, dann fotografieren wir das natürlich auch.

Museumsseitig war auch der Weihnachts-Tweetup vor drei Tagen ein sehr gutes Angebot. Für ein paar Tweets mit den Fachleuten unterwegs sein dürfen, wo kriegt man das sonst noch? In wenigen Jahren, wenn noch mehr mit Smartphones unterwegs sind, wird man das billiger bekommen wollen. Daß man im Museum zwar fotografieren, die Bilder aber nicht in das Internet einstellen darf, wird passé sein. Stattdessen machen die Museen Fotowettbewerbe und bitten ihre Besucher auf ihren Webseiten für Mobilgeräte und auf den Museums-Apps darum, mit Bildern versehene Kommentare in die Sozialen Netze zu stellen.

Abschließend ein Hinweis auf eine Besprechung des Films „Krieg der Götter“ durch Florian Machl bei Huscarl.at. Ich hatte den Film im Blog-Eintrag „Höhlenkunst“ erwähnt. Der Film läuft derzeit in München noch in drei Kinos, wie ich bei artechock sehe.

Und auf den schönen Text von Sam in ihrem Cantharis-Blog. Sie schreibt über den Besuch von Überresten früheren menschlichen Zusammenlebens auf andere Weise, als ich das machen könnte. Bei mir dürfte wohl stärker das Praktische zwischen den Zeilen durchscheinen. Im BayernViewer-denkmal sichten, was da ist, Fotoapparat und Vesper einpacken. „Disteln und das Brombeergestrüpp“? Gut, die Stiefel und die Hosen mit dem festeren Stoff brauche ich auch noch. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit ist es doch viel schöner, stattdessen einen besinnlicheren Text zu lesen. Aber nächstes Jahr geht es wieder los, da brechen wir wieder durch das Unterholz, hmm?

Freitag, 2. Dezember 2011

Weihnachts-Tweetup am 07.12.2011

Am nächsten Mittwoch findet gleichzeitig in München in der Krippensammlung des Bayerischen Nationalmuseums, in Mindelheim im Schwäbischen Krippenmuseum, in der Werkstatt eines Krippenschnitzers, einer Kirche und von einem Weihnachtsmarkt ein Weihnachts-Tweetup statt. Näheres ist beim „aufbruch. museen und web 2.0“ zu finden. Zu den Veranstaltungen in den Museen ist alles klar, Infos zu Krippenschnitzer, Kirche und Weihnachtsmarkt folgen noch.

Bei einem Tweetup treffen sich Twitterer zum gemeinschaftlichen Twittern. Eingeladen ist, wer ein twitterfähiges Smartphone mitbringt und einen Account bei Twitter hat. Das twitterfähige Smartphone habe ich nicht, also bin ich außen vor. Ich hätte es mir auch stressig vorgestellt, wie im Falle des letzten Tweetups in der Münchner Residenz eine Stunde lang die Residenz zu besichtigen, aufmerksam der Führung zu folgen und gleichzeitig noch zu versuchen geistvolle Kurzmeldungen über Twitter abzugeben. Aber diesen Ängsten hat Tanja Praske im Residenz-Blog widersprochen: „Massives und hoch konzentriertes Multitasking“ war zwar gefragt, es ist aber doch wohl überraschend viel zustande gekommen. In seinem Blog Iliou Melathron schreibt Dr. Christian Gries abstrahierender über das Geschehen in der Residenz. Er transzendiert es sogar etwas - „zwingen aber zur Konzentration, fast Kontemplation“, leuchtende Residenz, das erste Licht König Ludwigs I. - da bedauert man es geradezu nicht dabei gewesen zu sein. Einen ausführlichen Artikel über die Hintergründe des Museumsgezwitschers gibt es zudem noch in den FilmNewsBayern (Seite 6 der pdf-Datei).

Wie bei „aufbruch. museen und web 2.0“ angegeben, sind die Spielregeln beim Tweetup am nächsten Mittwoch etwas geändert. Im Fokus steht nicht das Museum, sondern eine „Weihnachtsgeschichte“, und in der Münchner Krippensammlung läuft man ohne Führung herum. Diese Krippensammlung ist ein echtes Highlight in München und im Bayerischen Nationalmuseum. Und wer selbst nicht so auf Krippen steht, muß die Sammlung natürlich trotzdem für seine passend interessierten München-Besucher kennen.

Ich halte die Tweetup-Idee für ganz gut. Ich könnte mir aber vorstellen, daß es für ihren Erfolg wichtig ist, daß auch genug Leute kommen, die nicht aus der Szene Museumsmitarbeiter/Dienstleister für Museen stammen. Also wer da Interesse hat, aber wackelig ist, möge sich einen Ruck geben und hingehen. In München verträgt sich das Twittern im Nationalmuseum (13 – 14.00 Uhr) übrigens glänzend mit der im letzten Blog-Eintrag erwähnten öffentlichen Führung über die Grabungsfläche am Marienhof um 15 Uhr. Bei der Führung könnte man gleich weitertwittern!

Dienstag, 29. November 2011

Quizzy zeigt uns Neptun

Quizzy zeigt uns im Rahmen des Fotoprojektes zwölf2011 den Neptunbrunnen im Münchner Alten Botanischen Garten. „Nackerter Mo“ klingt allerdings nicht so begeistert. Das war seinerzeit beim Barberinischen Faun anders. Vermutlich weil ein Faun („Faunus, auch als Wolfsgott bekannt, ist der altitalische Gott der freien Natur, der Beschützer der Bauern und Hirten, ihres Viehs und ihrer Äcker“) viel besser zur herrlichen Landschaft Oberbayerns passt als ein Neptun.

Staatliche Antikensammlungen München

Meist liegt der Schnittpunkt zwischen Quizzys und meinen Blog-Einträgen wie im Fall des Barberinischen Fauns beim Königsplatz bzw. der Glyptothek. Ganz früher (Februar 2010) mit einer größeren Differenz zwischen haben und haben wollen - Quizzy hatte schon die Fotos, die ich erst machen wollte. Mittlerweile habe ich enorm nachgerüstet und den Abstand verkürzt - den Hinweis auf die dorischen, ionischen und korinthischen Säulen hatte Quizzy nur zwei Tage vor mir drin („Auf dem Fürstenweg“ vs. „Marathon in München“). Wir hatten aber beide keine Nahaufnahme von den Antikensammlungen mit den korinthischen Säulen im Eintrag, da sei nun eine nachgereicht. Quizzys Hinweis auf die Säulen hätte ich erwähnt, wenn ich ihn gekannt hätte. Aber ich lese Blog-Einträge immer noch nicht mit einem Feedreader wenn sie anstehen, sondern irgendwann später, wenn ich Lust habe vorbeizusurfen.

Im Marathon-Eintrag hatte ich auf ein FAZ-Interview und auf ein Video bei münchen.tv mit Prof. Dr. Raimund Wünsche hingewiesen, dem ehemaligen Direktor von Glyptothek und Antikensammlungen. In dem Video ist das mit den Säulen auch drin. Mittlerweile habe ich mitbekommen, daß es mit Prof. Wünsche auch eine Langfassung der Säulenerläuterung gibt, nämlich in einer dreiteiligen Architektursendung, die derzeit noch via der SWR-Mediathek angesehen werden kann. Die Königsplatz-Säulen sind im ersten Teil drin. Hören kann man Prof. Wünsche in einem längeren BR-Interview vom Juli 2011. BR und SWR löschen Beiträge, ich habe keine Ahnung ob und wann die Löschlogik in diesen beiden Fällen zuschlagen wird. Schließlich noch einmal Prof. Wünsche in der Münchner Abendzeitung. Dort erzählt er, was er am Wochenende so macht.

Sauerkrautkuchen

Und mit was mache ich jetzt weiter? Am besten mit der Erklärung für die Fotos 2 und 3 (2 leider verschwommen), die dürften sonst zu sehr rätseln lassen. Auf Bild 2 ist Sauerkrautkuchen, den hat mein damaliger Gegenüber und Quizzy gegessen. Ich habe vor dem Aufstieg vom Kloster Weltenburg auf den Frauenberg das problemlose Gericht auf Bild 3 vorgezogen.

Schonkost

Jetzt geht es irgendwie nach zeitlicher geteilt durch räumlicher Entfernung weiter. An der Spitze ist da Christian Lauw, der entdeckt hat, daß es das BMW-Logo schon in der Hallstattzeit gegeben hat: „BMW, um 600 vor Christus“. Sein Text über den Besuch von Landau und seinem Archäologiemuseum ist super geschrieben, vermittelt aber leider eine Trostlosigkeit („So ziemlich fast alle Technik im Museum war irgendwie defekt...“), die in auffallendem Gegensatz zu den Angaben auf der Museums-Website steht: „Es zählt heute zu den modernsten Museen in Bayern und wurde 1997 unter 66 Bewerbern bei der Verleihung des Europäischen Museumspreises ausgezeichnet.“

Ein paar hundert Jahre näher liegt das Burgmuseum Grünwald, gemessen an den Ausstellungsstücken aus der Römerzeit, die es bei unserem letzten Besuch im Sommer 2010 dort noch gab. In der Grünwalder Burg soll es Veränderungen geben, berichtete letztes Jahr der Münchner Merkur: „Staatssammlung dehnt Museum in Grünwalder Burg aus“. Ob sich zwischenzeitlich etwas getan hat, wollte ich dieses Jahr via diversen Webseiten (Gemeinde Grünwald, Archäologische Staatssammlung) nachsehen und habe nichts gefunden. Vielleicht gibt es einen Merkur-Artikel mit Informationen, den ich übersehen habe. Oder er wurde nicht online gestellt. Egal, die weitere Beobachtung der Burg würde ich gerne an die Mittelalter- oder Heimatmuseumabteilung abgeben, Römersachen hin oder her. Hier geht es zu den Grünwalder Rittern und hier zu der Vereinigung der Freunde Grünwalds. Und Quizzy berichtet von einer Radtour Isaraufwärts, „vorbei an der Burg Grünwald“ bis zum Kloster Schäftlarn unterhalb der Birg bei Hohenschäftlarn.

Burg Grünwald, Ostseite

Zeitlich sind wir nun beim Mittelalter (bis Neuzeit), die räumliche Entfernung liegt bei wenigen Metern, wenn wir die Entfernung vom Marienplatz aus messen. Diese archäologische Ausgrabung sollte allgemein in München bekannt sein. Man schafft es vermutlich aber trotzdem, die nicht zu kennen. Stephan Gröschler hat sich in seinem Blog dem Marienhof gewidmet. Neben viel Text gibt es auch zahlreiche Bilder. Am 7. Dezember soll es wieder eine öffentliche Führung über die Grabungsfläche am Marienhof geben, Informationen dazu auf der Website der „2. Stammstrecke München“. Stephan interessiert die Ausgrabung sehr und er will dranbleiben.

Burg Grünwald, Ostseite

Ein paar Minuten Fußweg weiter entfernt liegt die Münchner Residenz, und dort wird seit vier Monaten gebloggt. Der Hinweis kommt jetzt etwas spät. Aber dafür kann man sehen, daß nach dem „Unser Blog geht online – was erwartet Euch?“ von Tanja Praske der Anfangsschwung bis heute nicht nachgelassen hat.

Burg Grünwald, Ostseite

Die jüngere Geschichte hat Reinhold beschäftigt. Ein Blog-Eintrag über Georg Elser führte zum Auftrag, ein BBC-Team für eine Dokumentation (die Geschichte der Menschheit in acht Stunden) fast drei Tage zu fahren. Unter dem Titel „London calling“ berichtet er davon.

Burg Grünwald, Westseite

Bei den letzten Links geht es räumlich in die Ferne, dafür gibt es aber dort etwas zu meinem eigentlichen Zeitspektrum graue Vorzeit bis Spätantike: Das Museum für Völkerkunde Hamburg hat passend zur neuen Sonderausstellung „Brisante Begegnungen - Nomaden in einer sesshaften Welt“ seit November auch einen Blog. Und Phemios Aoidos berichtet, wie er sich Pompeji annähert und nach den römischen Villen von Stabiae sucht.

Mittwoch, 23. November 2011

Der Frauenberg oberhalb des Klosters Weltenburg

Weltenburg liegt sehr nahe bei Eining, ein Besuch des Klosters Weltenburg wäre ganz gut mit dem des Kastells Eining / Abusina zu verbinden. Es ginge die Kombination der beiden Ziele mit einem Besuch des kelten römer museum manching und notfalls auch noch eine Überfahrt vom Kloster zur Westseite des ehemaligen Oppidums Alkimoennis am gegenüberliegenden Donauufer. Aber dann nur unter der Voraussetzung, daß man sich vor Ort nirgends lange aufhält. Als Erstbesuch etwa, und wo es einem besonders gefällt fährt man dann einmal einen ganzen Tag hin.

Straße zum Kloster Weltenburg

Klosterkirche Weltenburg

Donaudurchbruch beim Kloster Weltenburg

Links das Kloster Weltenburg, rechts die Westecke des ehemaligen Oppidums Alkimoennis auf der gegenüberliegenden Donauseite

Frauenbergkirche beim Kloster Weltenburg

Beim Kloster werden Schiffsfahrten durch den Donaudurchbruch angeboten. In der Gaststätte kann man das Weltenburger Bier probieren. Neben der Klosterkirche des ältesten Kloster Bayerns kann man die Frauenbergkirche besuchen. Noch ein Stück höher auf dem Frauenberg, direkt an der Felskante hinunter zur Donau (Bild 9), findet sich die steinerne Hinterlassenschaft auf den Bildern 6 und 8. Nach der Ende Oktober 2007 fotografierten Informationstafel war das noch ein spätrömisches Kleinkastell. Weiter auf dem Frauenberg bietet die Erkundung des Wolfgangswalls und die Suche nach den Befestigungen östlich davon an.

Ehemaliges Kleinkastell oder ehemaliger Palas auf dem Frauenberg beim Kloster Weltenburg

Kleinkastell-Infotafel auf dem Frauenberg beim Kloster Weltenburg 2007

Ehemaliges Kleinkastell oder ehemaliger Palas auf dem Frauenberg beim Kloster Weltenburg

Blick vom ehemaligen Kleinkastell oder Palas auf dem Frauenberg beim Kloster Weltenburg hinunter zur Donau

Wolfgangswall auf dem Frauenberg beim Kloster Weltenburg

Zur Geschichte des Frauenbergs empfehle ich den gut bebilderten Text von Prof. Dr. Michael M. Rind bei der Regensburger Stadtzeitung (pdf-Datei) und die Wikipedia. Nach Prof. Rind wäre das Kleinkastell kein Kleinkastell, sondern der Palas einer bischöflichen Burg. Die Wikipedia führt ihren Artikel noch unter dem Titel „Kleinkastell Weltenburg-Frauenberg“ und stellt die Positionen gegenüber, da sieht es also nicht nach einer Übereinkunft aus. BayernViewer-denkmal ist auf die Sichtweise von Prof. Rind umgestellt, dort lautet die Beschreibung zum Bodendenkmal D-2-7136-0054 „Rechteckiger Saalbau vermutlich des 9. und 10. Jhs. n.Chr.“ (BayernViewer-denkmal-Benutzungshinweise hier bei mir). Zu Touren auf den Frauenberg und zu den Befestigungen auf beiden Seiten des Donaudurchbruchs gibt es den „Ausflugstipp: Rund um den Donaudurchbruch“ von Stephan Gröschler, Fotos von Geländemodellen mit den Wällen auf beiden Seiten des Donaudurchbruchs beim Verein Keltenwelten.

Mittwoch, 16. November 2011

Höhlenkunst

Im Februar hatte ich den Chauvet-Film von Werner Herzog im Blog, den er seinerzeit auf der Berlinale vorgestellte. Der Film war zwischenzeitlich in Sonderaufführungen zu sehen und ist mittlerweile unter dem Titel „Die Höhle der vergessenen Träume“ regulär in die Kinos gekommen. Nach Daniel Bernsen, bei dem auch aktuelle Trailer zu finden sind, seit 3. November. Wie ich gerade sehe läuft der Film aktuell noch in vier Münchner Kinos (Monopol, Kinos Münchner Freiheit, Neues Rex, Rio Palast), ich hoffe da wird er den wöchentlichen Programmwechsel in irgendeinem Kino noch überleben. Eine längere Besprechung des Films gibt es u.a. bei Susanne Popp, ein aktuelles Interview mit Professor Harald Floss allgemein zur Höhlenkunst bei Welt Online. Hintergrund des Interviews waren 15000 Jahre alte symetrische Verzierungen auf einem Stein, der im Schelklinger Hohlen Fels gefunden wurde (dazu hier die Südwest Presse).

Höhlenkunst

Kinofans mit Neigung zu grauer Vorzeit bis Spätantike haben derzeit sogar die Wahl. Der Film von Werner Herzog wird nicht jeden ansprechen. Den anderen gefällt vielleicht Krieg der Götter - Immortals - statt Hintergrundgedudel fetzt es da so richtig aus den Kinolautsprechern. Der Trailer erinnert schon beim ersten Speerwurf an 300. Und richtig, da wird „Von den Machern von 300“ eingeblendet. Und die computergenerierten Massen vor der großen Mauer hat man im „Herr der Ringe“-Film von Peter Jackson schon einmal gesehen. Soll ich dann noch diesen Film gehen? Er ist in 3D, die anderen waren es nicht? Und 300 habe ich auch zweieinhalb mal angesehen?

Die Höhlenkunst auf dem Foto gehört mir, die ist für meine Wohnhöhle. Obwohl es so aussehen mag, habe ich die nicht auf einer meiner Touren ausgesägt. Erst die Platten aufzubauen und danach zu bemalen ist eine Idee meines Bruders. Eigentlich war ich gar nicht so begeistert. Es ist ein Geschenk zum Geburtstag 2009, das erst jüngst fertig geworden ist. Ich dachte seinerzeit, mein Bruder macht das mit Airbrush weniger aufwendig auf dickem Papier und ich wünsche mir dann immer zum Geburtstag und zu Weihnachten ein neues Höhlenbild. Dann hätte ich Ende 2011 schon sechs. Darunter vielleicht auch die Pech-Merle-Pferdchen. Mein Bruder meinte, ich hätte ja jetzt schon vier Bilder. Das wollte ich aber überhaupt nicht gelten lassen. Mittlerweile finde ich seine Idee mit den Platten aber doch ganz gut. An der Wand wäre Airbrush auf Papier wahrscheinlich langweiliger. Aber wie komme ich jetzt in endlicher Zeit zu meinen Pech-Merle-Pferdchen???

Dienstag, 15. November 2011

10 Jahre Rezensionsjournal sehepunkte

Das Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften sehepunkte ist „epochenübergreifend und interdisziplinär angelegt“ und als „Internetrezensionsjournal mit zwölf - jeweils zur Monatsmitte erscheinenden und im kostenlosen Abonnement erhältlichen - Ausgaben pro Jahr konzipiert“. Das klingt doch super und da klicken wir doch gleich mal in das Archiv, Kategorie Altertum. Da finden sich sich aktuell 45 Seiten mit je 20 Rezensionen, macht 900 Buchbesprechungen!

„Das Rezensionsjournal sehepunkte erscheint seit 15. November 2001“, wurde also heute 10 Jahre alt. Gefeiert wird der 10. Geburtstag am 17. November 2011 „mit einem Festakt und einem Empfang in der Ludwig-Maximilians-Universität München. Alle Leserinnen und Leser sind herzlich zum Mitfeiern eingeladen!“. Hier das Programm am Donnerstagabend mit Vorträgen von Prof. Dr. Hubertus Kohle, Thomas May und Florian Rötzer und einem anschließenden Empfang.

Montag, 14. November 2011

Nachweis der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertz vor 125 Jahren

Dieser Zeitsprung geht weit neben die in Blog-Beschreibungen versprochene „graue Vorzeit bis Spätantike“. Aber ich hatte die passende „Konserve“ - das bei einem Stadtspaziergang in Karlsruhe aufgenommene Denkmal. Leider ist besonders die als kleine Entschädigung gedachte Pallas Athene an dem bedeckten Septemberspätnachmittag im ohnehin meist beschatteten Südteil des Ehrenhofs der früheren Karlsruher Universität (TH) ziemlich dunkel geraten. Zu Zeiten als das Denkmal 1925 entstand und in den Jahren als Heinrich Herz die elektromagnetischen Wellen entdeckte war das hier die Technische Hochschule Karlsruhe. Und heute liegt der Ehrenhof auf dem Gelände des Campus Süd des Karlsruher Instituts für Technologie, abgekürzt KIT.

Denkmal für Heinrich Hertz im Ehrenhof des Karlsruher Instituts für Technologie

Nach dem Zitat des emeritierten Professors am KIT und Vorsitzenden der Heinrich-Hertz-Gesellschaft Volker Krebs im Pressetext des KIT war „Die Suche nach elektromagnetischen Wellen ... für das ausgehende 19. Jahrhundert das, was für uns heute die Suche nach der Dunklen Materie oder der Neutrinomasse ist“. Heinrich Hertz gelang der Nachweis der elektromagnetischen Wellen in dem später nach ihm benannten Hörsaal, an dessen Seite sich heute das Denkmal befindet.

Als Datum wird im Pressetext der 11. November 1886 angegeben. Im Web findet sich auch das Datum 13. November 1886, z.B. hier bei Karl H. P. Bienek. Karl H. P. Bienek erwähnt auch die Umbenennung der Hertzstraße in der Berliner Siemensstadt in „Grammestraße“ 1938, weil Hertz jüdische Vorfahren hatte. Gudrun Wolfschmidt berichtet in ihrem Buch „Von Hertz zum Handy - Entwicklung der Kommunikation“ davon, daß das Heinrich-Hertz-Madaillon im Hamburger Rathaus abgeschlagen und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erneuert wurde. In Karlsruhe hat das Denkmal die Zeit des Nationalsozialismus überstanden. Mehr zur jüdischen Herkunft und den Folgen findet sich im Artikel „Juden wider Willen. Wie es den Nachkommen des Physikers Heinrich Hertz im NS-Wissenschaftsbetrieb erging“ von Stefan Wolff.

Pallas Athene im Ehrenhof des Karlsruher Instituts für Technologie

Nach Karl H. P. Bienek wurde die Einheit für die Frequenz weiterhin nach Hertz benannt. Stefan Wolff schreibt: „Einige Physiker schlugen 1939 ernsthaft vor, sie unter Beibehaltung der Abkürzung „Hz“ in „Helmholtz“ umzubenennen“. Er geht also wohl auch davon aus, daß die Einheit nicht umbenannt wurde. Vermutlich stimmt das. Anderseits wurde mir erzählt, daß an der örtlichen Gewerbeschule den Elektrikerlehrlingen gegen Kriegsende statt Hertz die Bezeichnung Helmholtz gelehrt wurde. Dieser Erzählung glaube ich auch. Nur rätsele ich, wie das damals vonstatten ging.

Freitag, 11. November 2011

Zu Gauting/Buchendorf bis Villa rustica Leutstetten

Zum letzten Eintrag über Gauting und seinen Brandopferplatz müßte es jetzt noch einen Eintrag zur Kelten- bzw. keltischen Viereckschanze bei Buchendorf geben. Aber da ich die schon x-mal im Blog hatte, belasse ich es bei der Schanzenecke in Bild 3 und zwei Links zu älteren Beiträgen. In diesem Blog-Eintrag soll es stattdessen um ergänzende Tourhinweise von Gauting/Buchendorf bis zur Villa rustica Leutstetten gehen.

Beginn des Rad- und Fußwegs Richtung Starnberg, Leutstetten und Buchendorf am Ende der Maxhofstraße in München-Fürstenried

Zuvor aber im Nachklapp zum letzten Eintrag ein Hinweis auf den Brandopferplatz beim Bergisel in Marcellinas Blog-Eintrag „Pagans In Tirol: Bergisel“. Ich hatte zum Brandopferplatz bei Gauting die fehlende Information vor Ort und die dünne Information im Web bemängelt. Marcellina vergleicht die Situation mit dem Brandopferplatz beim Bergisel. Man könnte jetzt noch streiten wer mehr meckern darf. In Bayern haben wir BayernViewer-denkmal, zwar mit dünnen Texten, aber trotzdem oft super verwendbar für solche Touren. Anderseits ist der ausführlichste mir bekannte Text zum Brandopferplatz Gauting im Netz aus einem für Vereinsmitglieder vorgesehenen 27 Jahre alten Mitteilungsblatt. Und daß die letzten beiden Ausgaben dieses Mitteilungsblatts nicht mehr eingestellt wurden, läßt befürchten, daß selbst der Sinn dieser Minimaldarreichungen nicht mehr gesehen wird. Dagegen ist beim Bergisel mit dem Artikel „Der Bergisel bei Innsbruck - "Schicksalsberg" der Tiroler Archäologie“ des österreichischen Denkmalamtes ein offizieller Mitteilungswillen deutlich erkennbar.

Nach all der Meckerei muß ich im Gegenzug auch erwähnen, wie schön ordentlich gepflegt alles vor Ort aussieht. Die Keltenschanze Buchendorf und die Villa rustica Leutstetten werden relativ häufig besucht und ich habe da noch nie Müll herumliegen sehen. Das ist nicht selbstverständlich. Beeindruckender fand ich das noch bei der Bethenquelle, dem Grab der Seherin und dem Karlsberg. Die Bethenquelle ist kein offizielles Denkmal, das Grab der Seherin dürfte etwas aus der Denkmalpflege herausgerutscht sein und der Karlsberg würde sich sehr gut für ein schönes Picknick oder einen gemeinsamen Umtrunk eignen, bei dem man hinterher seine Reste unbeobachtet liegen lassen könnte. Ich weiß nicht, wie das dort in Ordnung gehalten wird. Bei der Bethenquelle wurde im „depublizierten“ BR-Beitrag eine Frau erwähnt, die überhand nehmende Bändchen wieder abmontiert. Das wurde zwar von manchen Interviewpartnern kritisiert, klingt aber zumindest nach einer funktionierenden Selbstorganisation. Beim Grab der Seherin und beim Karlsberg würde ich auch auf so etwas tippen.

Kreuzung zwischen Via Julia und Rad-/Fußweg von Maxhof/München-Fürstenried im Forstenrieder Park

Zu den Tourhinweisen. Die Stationen Villa rustica bis Gauting sollten über direkte Hinweise oder indirekt über BayernViewer-denkmal oder die Wikipedia (mit Geo-Koordinaten) gut auf der Karte lokalisierbar gewesen sein. Also wären manche Tourhinweise banal. Weiter habe ich Lücken, bin also bestimmte Strecken noch nie gelaufen/gefahren und kenne dafür die Strecken besser, auf denen ich schon öfters in das Würmtal unterwegs war. Die aber wieder für viele uninteressant sein werden. Ich werde versuchen dadurch hilfreich zu sein, daß ich neben den Strecken, auf der wir aktuell gefahren sind, noch ein paar andere Touren skizziere und bei der Gelegenheit auf schon gegebene Streckenhinweise hinweise und ein paar Anmerkungen einbaue.

Beginnen will ich mit der von Peter Müller geführten Volkshochschul-Radtour (erwähnt im Blog-Eintrag „Via Julia für Anfänger“), die von der S-Bahnhaltestelle Höllriegelskreuth die Via Julia entlang nach Buchendorf führte. Dort haben wir die St. Michael-Kirche in Bild 4 und die Keltenschanze besucht, dann ging es zu einer Kirche in Gauting weiter und dann auf dem Rad- und Fußweg östlich entlang der Würm (Bild 4) wie schon beschrieben bis zur Straßenüberquerung beim Forsthaus Mühltal, dann weiter bis zur Würm-Brücke im ersten Bild des Blog-Eintrags über den Karlsberg. Auf dem Rad- und Fußweg westlich der Würm an der Bethenquelle vorbei und dann wieder auf die östliche Seite der Würm zur Kirche St. Alto Leutstetten. Abschluß der Tour war im Biergarten der Schloßgaststätte Leutstetten.

Links abbiegende Via Julia, im Hintergrund beim Wäldchen Keltenschanze Buchendorf

Wenn in den Ausschreibungen nichts anderes dabeisteht, braucht man nach meiner Erfahrung für diese VHS-Touren kein geübter Sportler zu sein. Rennrad ist sowieso auf der Strecke östlich der Würm ungünstig und Mountain-Bike wäre für die Anforderungen überdimensioniert. Die relativ lange Anfahrt von Höllriegelskreuth über den „Zubringer“ Via Julia in das Würmtal funktioniert relativ gut, weil die Strecke ziemlich flach ist.

In Bild 3 biegt die Via Julia vor der Keltenschanze Buchendorf nach links ab. Der Feldweg ist am Aufnahmeort des Fotos schon ein paar Meter von der Strecke der ehemaligen Römerstraße abgewichen. Die verlief weiter oben bis vor zur Keltenschanze (in der Bildmitte rechts beim Wäldchen) und ist dann nach links abgeknickt. Wenn man heute im Bild 3 nach rechts abbiegt findet man als Verbindung zur Keltenschanze einen schmalen Pfad am Rande eines Ackers. Ich vermute der geht auf Kosten des Ackerbesitzers, also wenn man den verwendet sollte man versuchen nicht auch noch in seine Anpfanzungen daneben zu treten.

St. Michael Buchendorf

Die Via Julia führt an der Kirche in Bild 4 und der Mariensäule in Bild 5 vorbei. Nun kann man entweder direkt nach Gauting radeln (schnellste Version) oder auf der Via Julia bleiben, um im ersten Bild im Blog-Eintrag „Buchendorf am Vatertag“ wieder auf die Römerstraße zu treffen (kleiner Umweg). Zur Keltenschanze Buchendorf müßte man von dort ein Stück in die Gegenrichtung der ehemaligen Römerstraße. Wegen des Umwegs dürfte ein Teil der Radler von der Via Julia direkt nach Gauting weiterradeln. Der Feldweg auf der ehemaligen Römerstraße ist bei Buchendorf aber nach meinen Erfahrungen dennoch gut befahren. Viele der Radler kommen aus dem bzw. fahren in das nördlich liegende Waldstück im Blog-Eintrag „Von Forsthaus Kasten nach Buchendorf“. Das wäre die Strecke nach Neuried. Die Strecke entlang der Würm von Gauting bis Pasing kenne ich nicht. Ich kann jetzt nur spekulieren, daß viele der Radler auf der Strecke Richtung Neuried aus den nordöstlich an Neuried angrenzenden Münchner Stadtteilen stammen.

Wie im Blog-Eintrag über die Villa Rustica Leutstetten erwähnt, geht statt einer Anfahrt mit dem Rad auch eine Rad- oder Wandertour mit einer Anfahrt mit der S-Bahn und den Start- oder Endpunkten in Gauting oder Starnberg. Der Bahnhof in Gauting liegt „oben“. Um zum Brandopferplatz und an den schönen Abschnitt an der Würm von Gauting bis zum Karlsberg zu kommen, muß man herunter, zur Keltenschanze Buchendorf sogar wieder auf der anderen Talseite hoch. Wenn man aber Gauting als Start- und Endpunkt verwendet oder nur das Hügelgräberfeld beim Grab der Seherin erkunden will, wäre die Verbindung westlich der Bahnlinie interessant, das habe ich aber nie ausprobiert.

Mariensäule Buchendorf

Nicht erwähnt habe ich die Option, im weiteren Verlauf dieser westlichen Seite zum Gut Rieden zu fahren oder zu laufen. Von dort hat man noch eine bessere Aussicht als von dem im Karlsberg/Karlsburg-Eintrag vorgestellten Punkt oberhalb Leutstettens. Martin Bernstein führt in seiner Tour „Petersbrunn im Mühltal“ im besprochenen Buch „Römerstraßen und Kultplätze — Archäologische Wanderungen“ von Gut Rieden über die dortige Bahnüberquerung hinunter nach Petersbrunn. Diese Option könnte man also auch berücksichtigen, wenn man seine eigenen Schleifen durch das Gelände legt.

Beim Eintrag über Gauting war ich schon dabei einen Abschnitt in der Art „die Geschichte Gautings endete nicht mit den Römern“ zu bauen und zu erwähnen, was uns Peter Müller in der Kirche gezeigt hat. Ich habe das wegen dem wachsenden Umfang des Blog-Eintrags sein gelassen und stattdessen massiv BayernViewer-denkmal verwendet und die zahlreichen Rotflächen erwähnt. Ich hoffe das hat zum weiteren Herumklicken in Gauting und zum Nachsurfen angeregt. Wer alte Wallanlagen im Wald vorzieht, da habe ich den Schlossberg ausgelassen. Nach meinem Stand geht es dahin links im Bild 6 hoch. Auf der Strecke würmaufwärts kommt dieser Rastplatz direkt am Ende eines langen Lattenzauns, der bei einem Eingang zum „Reit- und Fahrverein Gauting“ beginnt.

Rastplatz an der Würm zwischen Gauting und Karlsberg unterhalb des Schlossbergs

Zur Strecke S-Bahnhof Gauting, Keltenschanze Buchendorf bis Villa rustica Leutstetten gab es eine VHS-Tour, die von dem im letzten Blog-Eintrag erwähnten Reinhard Falter geführt wurde. Vielleicht wird die wieder im nächsten Sommersemester angeboten. Von 2007 habe ich eine Notiz zu einer ebenfalls von Reinhard Falter geführten, „wasserorientierten“ Tour, die mit dem Startpunkt Gauting erst entlang der Würm bis zur Bethenquelle und von dort nach Widdersberg führte (kelto-romanischen Grabstein und Quellen). Dann weiter nach Andechs mit der Elisabethquelle (hier ein Blog-Eintrag über Andechs von Marcellina) und hinunter „zum südlichen Ende des Ammersees ins Vogelschutzgebiet, wo die Ammer in den See läuft“. In Herrsching kann man bei dieser Variante wieder in die S-Bahn einsteigen.

Jetzt noch zu unserer/meiner Tour. Wir sind Ende August den am Ende der Maxhofstraße in München-Fürstenried (Bild 1) beginnenden langen, meist geraden und flachen und gut ausgebauten Waldweg bis zu der östlich von Leutstetten wegführenden Straße geradelt, dann weiter zur Villa rustica, von dort zur Leutstettener St. Alto-Kirche und zum Hügelgräberfeld mit dem Grab der Seherin. Wir sind dann auf dem Rad- und Fußweg östlich der Würm nach Gauting gefahren und dort hoch nach Buchendorf und zurück. Ich bin Anfang Oktober via Maxhof wieder auf die lange gerade Waldstrecke, aber am Schnittpunkt mit der Via Julia in Bild 2 nach Buchendorf abgebogen. Von dort zum „Mittelpunkt des römischen Gauting“, dem Brandopferplatz, dann östlich entlang der Würm bis zur oben erwähnten Brücke über die Würm, Bethenquelle, Petersbrunn, wieder an der Bethenquelle vorbei zurück zum Aufstieg auf den Karlsberg. Vom Karlsberg aus habe ich die im Blog-Eintrag beschriebene Möglichkeit genutzt, zur östlich von Leutstetten wegführenden Straße zu radeln. Von der Straße bin ich dann wieder in den Waldweg zum Maxhof eingebogen. In diesen Waldweg habe ich an der Straße keinen Hinweisschild gesehen. Sofern die Beschilderung so bleibt, kann man sich daran orientieren, daß es am links hineinführenden Waldweg zuvor einen Schild „Buchendorf“ gibt. Außerdem sollte man an dem Waldweg nach kurzer Strecke links eine Sitzbank und die Informationstafel in Bild 7 sehen. Die Standortmarkierung am linken Rand der Karte kann man in Bild 7 erkennen.

Informationstafel über den Forstenrieder Park am Weg in Richtung Maxhof/München-Fürstenried

Wenn man auf der Straße weiterfährt, kommt man an eine Parallelstraße zur Autobahn, auf der ich ein paarmal zurück in Richtung München gefahren bin. Der Nachteil gegenüber dem Waldweg zum Maxhof ist, daß die Straße bis zur Autobahn öfters auf und ab führt und zudem relativ schmal und unübersichtlich ist und Autos auf ihr fahren. An der Stelle wäre noch die Möglichkeit zu erwähnen, daß man bei Oberdill die Autobahn unterqueren kann und durch den eingezäunten Teil des Forstenrieder Parks hinüber nach Baierbrunn oder Pullach kommt.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Gauting / Bratananium mit Brandopferplatz

Auf der letzten Station entlang der Würm wurde ja beim Grab der Seherin mit den „Grabhügeln der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“ und der dort durch und in das nahe Gauting weiterführenden Römerstraße schon so in etwa das Zeitspektrum des Blogs „graue Vorzeit bis Spätantike“ abgedeckt. Die zuletzt geprägten römischen Münzen, die in Gauting (oder auf dem Brandopferplatz?) gefunden worden sind, sollen von 403-404 gewesen sein, habe ich mir in einem Vortrag von Reinhard Falter in der Volkshochschule notiert.

Einmündung der Buchendorfer in die Münchner Straße in Gauting

Ein sehr gutes Hilfsmittel zum Erkunden dieser überaus reichen Vergangenheit ist wieder BayernViewer-denkmal (Hinweise zur Benutzung im Blog-Eintrag BayernViewer-denkmal und GPS). Gauting ist dort mit zahlreichen unterschiedlichen Rotflächen bedeckt. Der Schild mit dem Text „Hier war der Mittelpunkt des römischen Gauting Bratananio um 20-350 nChrGeb“ in Bild 4 ist an der Einmündung des Reismühler Wegs in die Reismühler Straße zu finden (Bild 3), im BayernViewer-denkmal befindet sich die Stelle in der oberen Ecke von Denkmal D-1-7934-0002 ( „Siedlung der Bronzezeit, der späten Latènezeit und vermutlich der Hallstattzeit sowie Vicus der römischen Kaiserzeit.“). Die vom Hügelgräberfeld kommende römische Straße hat hier die Denkmalnummer D-1-7934-0193, ihr Verlauf deckt in dem Bereich mit der heutigen Reismühler Straße. Weiter nördlich trifft diese Straße auf die von West nach Ost führenden „Straße der römischen Kaiserzeit, Teilstück der Trasse Augsburg-Salzburg“ D-1-7934-0006.

Leutstettener Straße in Gauting, Abzweigung zum Steg über die Würm

Zu diesem Treffpunkt der Römerstraßen geht es in Bild 1 geradeaus weiter über die Würm-Brücke. Das Bild ist von der Einmündung der Buchendorfer Straße in die Münchner Straße aufgenommen. Diese Strecke über die Würm mag ich mit dem Fahrrad überhaupt nicht und biege deshalb vorne links, wo gerade das Auto herauskommt, in die Leutstettener Straße ein. Diese Leutstettener Straße geht in den Rad- und Fußweg über, der östlich entlang der Würm bis zum Forsthaus Mühltal und dann auf der anderen Seite der Straße Gauting-Starnberg bis zu der Stelle im ersten Bild im Blog-Eintrag über den Karlsberg führt.

Einmündung des Reismühler Wegs (links) in die Reismühler Straße

Zum „Mittelpunkt des römischen Gautings“ und zum Brandopferplatz muß man aber einen Abstecher auf die Westseite der Würm machen. Hinüber kommt man über eine Holzbrücke für Fußgänger, der hinführende Weg liegt passenderweise an der Straße „Am Steg“. Man kann in die Straße beim Schild in Bild 2 einbiegen, man kann aber auch noch ein Stück weiter auf der Leutstettener Straße bleiben und in den dort schon beginnenden Weg einbiegen. In diesem Bereich rechts der Leutstettener Straße gab es übrigens eine „Villa rustica der römischen Kaiserzeit“, Denkmalnummer D-1-7934-0205. In der Karte von Google Maps ist der Weg nicht eingezeichnet, im Satellitenbild kann man ihn gut erkennen. Nach der Brücke / dem Steg kommt man an der Einmündung des Reismühler Wegs in Bild 3 heraus.

Hier war der Mittelpunkt des römischen Gauting Bratanio um 20-350 nChrGeb

Einlesen in die Geschichte von Gautings kann man sich in der Wikipedia und bei der Gemeinde Gauting. Bei der Gemeinde Gauting sind mehrere Seiten über die örtliche Geschichte zu finden. Obwohl sie mehr Stoff bietet nenne ich die Website an zweiter Stelle, weil darunter auch eine Seite über die östlich von Gauting liegende Keltenschanze Buchendorf mit einem passend zur Informationstafel vor Ort veralteten Text ist. Dem Text kann man es nicht vorwerfen, der ist laut Quellenangabe von 1985. Ich hatte diese unterschiedliche Deutung der Keltenschanzen bzw. keltischen Viereckschanzen im Blog-Eintrag „Die Viereckschanze 2 von Holzhausen“. Aber mittlerweile haben wir 2011, und selbst wenn man gern selbst an die kultische Verwendung der Schanzen glaubt und gerne ein „Heiligtum“ bei Buchendorf haben will, könnte man ja den aktuellen Deutungsansatz in Richtung begüterter Bauernhof zumindest erwähnen. Persönlich neige ich ja zu der Ansicht, daß zwischen politischer und religiöser Macht immer eine Anziehungskraft bestand und auf unterer Ebene die in der Keltenschanze residierende Familie die religiösen Oberhäupter für ihre lokalen Untertanen stellte. Also ich könnte mich auf Keltenschanzen als Bauernhöfe mit Herrgottswinkel für die kultischen Aufgaben einigen.

Reismühle an der Würm bei Gauting

Interessant ist, daß man auf der Website der Gemeinde Gauting bei der Keltenschanze auf einer kultischen Verwendung besteht, der Brandopferplatz südlich der Reismühle aber nur eine kurze Erwähnung findet. Der wäre nach den Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte Nr. 32 vom Oktober 1984 sogar ein in Bayern relativ seltener Fund. Der Text ist mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen, aber da finde ich leider keinen aktuellen Stand im Web. Das ist sehr bedauerlich, man vergleiche die Website Goldbichl.at für den Brandopferplatz am Goldbichl, auf die Marcellina hingewiesen hat. Richtig traurig fand ich, daß auch vor Ort nichts an den Brandopferplatz erinnert.

Gebiet des keltisch-römischen Brandopferplatzes an der Straße von Gauting nach Starnberg

Zum Brandopferplatz (Denkmalnummer D-1-7934-0008, Beschreibung „Siedlung der Latènezeit, Brandopferplätze der Latènezeit und der römischen Kaiserzeit.“) geht es in Bild 3 entweder links den Reismühler Weg oder rechts die Reismühler Straße weiter. Ziel ist die Reismühle. Im Falle des Reismühler Wegs erreicht man die, in dem man am Straßenende bei der Berengariastraße den Fußweg in Richtung Reismühle nimmt. Von dort geht es den von den Gebäuden bei der Reismühle nach Süden wegführenden Feldweg weiter. Dann ein Stück durch den Wald und man ist da. Mit dem Auto hätte man es in dem Fall einfacher - das Gelände liegt direkt an der Straße nach Starnberg. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen war alles für Pferde unterteilt, es waren aber keine Pferde da. Auf einem schmaleren Stichweg kommt man weiter zu einer Würmbrücke, über das Gelände auf der anderen Seite der Würm darf man aber nicht zum Rad- und Fußweg. Dazu muß man dann wieder zurück zur Reismühle und dort über die Brücke.

Gebiet des keltisch-römischen Brandopferplatzes an der Straße von Gauting nach Starnberg

Zur Reismühle gibt es wie zur Karlsburg eine Legende, nach der Karl der Große hier geboren ist. Dazu noch einmal die Website von Gauting: Bertha, die Mutter Karls des Großen, wäre hier im Wald herumgeirrt und hätte dann in der Mühle Zuflucht gefunden. Vermutlich ist diese Legende wie im Fall der Karlsburg auf den karolingischen Grundbesitz zurückzuführen. Der Name „Reismühle“ soll nicht von einer Mühle für Reis, sondern von „Reichsmühle“ abgeleitet sein.

Im verlinkten Text zum Brandopferplatz steht ja nichts, wem hier geopfert wurde. Wer gewagte Konstruktionen mag, hier eine Notiz aus dem eingangs genannten Vortrag von Reinhard Falter, ich hoffe die wurde beim Notieren nicht noch gewagter: angenommen, es wurde einer Muttergottheit am Brandopferplatz gehuldigt, die Rhea als Mutter des Jupiter entspräche der Frau Holle, die entspräche der Berchta/Perchta/Bertha, und Bertha hat die Mutter von Karl dem Großen geheißen.

Gebiet des keltisch-römischen Brandopferplatzes an der Straße von Gauting nach Starnberg

Abschließend noch ein Link zum Beitrag „BR.de-Relaunch: schön, aber mit Schönheitsfehlern“ von Bernd Oswald bei onlinejournalismus.de. Ich hatte am Donnerstag gemerkt, daß der im Blog-Eintrag über die Bethenquelle verlinkte "Weitwinkel"-Beitrag auf der BR-Website nicht mehr zugreifbar ist (über den Google-Cache käme man noch an den Text). Da kam gerade ein Hinweis auf diesen Beitrag in onlinejournalismus.de vorbeigetwittert, den habe ich dann kommentiert. Ich hoffe, ich war nicht zu emotional. Normalerweise sind die Sachen dort ziemlich gut, insbesonders auch das, was über Bernd Oswald herein kommt. Und wenn ich sonst vorbeischaue freue ich mich als stiller Zaungast die Worte der Meister lesen zu dürfen. Aber in dem Fall...

Montag, 24. Oktober 2011

Grab der Seherin

Zum Grabhügelfeld mit dem „Grab der Seherin“ geht es die im ersten Bild des letzten Blog-Eintrags gezeigte Abzweigung von der Straße Gauting - Starnberg hoch zum stillgelegten Bahnhof Mühltal. Die Asphaltstraße unterquert da oben die Bahnlinie, und direkt nach der Unterquerung biegt man rechts in einen Schotterweg zum Grabhügelfeld ein, während die Asphaltstraße eine Linksbiegung macht und sich dann in die Richtungen Gut Rieden und Hanfeld teilt.

Der in den Wald ansteigende Schotterweg verläuft zunächst parallel zur Bahnstrecke und macht dann eine 90°-Linksbiegung. Zum „Grab der Seherin“ muß man kurz darauf in einen Weg nach rechts einbiegen, die 90° sind wieder korrigiert und man ist so in etwa wieder parallel mit der Bahnstrecke, die jetzt ein wenig weiter rechts entfernt verläuft. Auf diesem Weg kommt man an einem umzäunten Gelände vorbei, via Google Maps ist es als Freifläche im Wald erkennbar. Dann sieht man links und rechts neben dem Weg Grabhügel, den großen Grabhügel in Bild 1 - 3 gleich links nach dem Zaun. Wenn man den Weg weitergeht - es geht jetzt schon wieder abwärts - gelangt man zu einer Weggabelung. Vor dieser Gabelung muß man zum „Grab der Seherin“ rechts in den Wald hinein. Vom Weg ist schon der ausgetretene Fußpfad und die Dekoration zu sehen, das Grab ist also kaum zu verfehlen. Zudem könnte man sich noch an der sehr nah vorbeiführenden Bahnlinie orientieren - in Bild 8 sind links oben waagrechte Drähte zu erkennen, das sind die Stromleitungen. Wenn es im Bild rechts oben nicht so hell wäre, könnte man da die Drähte vermutlich auch sehen.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Man sollte sich das alles noch im BayernViewer-Denkmal ansehen (Verwendungshinweise gibt es im Blog-Eintrag BayernViewer-denkmal und GPS). Der Hügelgräberfriedhof ist dort zwar nur eine rot eingefärbte Fläche mit der Angabe „Grabhügel der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“, Denkmalnummer D-1-7934-0273, aber man sieht in etwa die Ausdehnung. Vor allem ist bemerkenswert, daß man schon nach der Unterquerung der Bahnlinie auf eine ehemalige Römerstraße stößt, und daß man dieser Strecke auf dem Parallelweg zur Bahnlinie folgt. Wobei die weiteren Markierungen der Straße dann eher verwirrend wirken. Wie dem auch ist, irgendwo da verlief die Römerstraße. Der Text im BayernViewer-Denkmal ist „Straße der römischen Kaiserzeit, Teilstück der Trasse Gauting-Kempten“, die Nummern sind D-1-7934-0146 und D-1-7934-0147.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Die Mulden oben in den Hügeln gehen vermutlich auf Dr. Julius Naue zurück, der hier im 19. Jahrhundert als Ausgräber tätig war. Es gibt Beschreibungen seiner Ausgrabungen, die sind zum Teil in seinem Buch Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee. Geöffnet, untersucht und beschrieben von Dr. Julius Naue. zu finden, das man bei archive.org als pdf-Datei herunterladen kann. Dort sind aber nach Titel, Karte und Durchblättern nur Ausgrabungen andernorts beschrieben. Vielleicht ist die Beschreibung der Ausgrabung dieses Hügelgräberfeld in seinem Buch „Die Bronzezeit in Oberbayern“ enthalten.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Hinsichtlich der „Seherin“ scheint der Grabungsbericht von Dr. Julius Naue die einzige noch vorhandene archäologische Basis zu sein. Von Julius Naue muß es zwei Zeichnungen geben, die ich glaube einmal als durchgereichte Kopien gesehen zu haben. Die eine Zeichnung zeigte glaube ich Skelett, erhaltene Metallteile der Kleidung und erhaltene Beigaben in der Fundsituation. Zudem gab es wohl eine Rekonstruktionszeichnung, die man sich Dank Itzá hier im Flower of Life Forum ansehen kann. Nach meiner sicher nicht fotografischen Erinnerung gab es eine rockartig aufgespreizte, getrennte Anordnung von Metallstreifen in der Fundzeichnung, die in der Rekonstruktionszeichnung unten dicht aneinander an dem Kleidungsstück befestigt sind.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Die damaligen Funde sollen heute nicht mehr verfügbar sein. Nach einer gehörten Version sind die Funde in Berlin, nach einer anderen sind sie in der Archäologischen Staatssammlung ausgebombt worden. Eine Dame im Hörteil des im Blog-Eintrag über die Mühltal- oder Bethenquelle verlinkten BR-Online-Beitrages brachte das zusammen: nach Berlin zur Untersuchung gebracht und dort im Bombenhagel verschwunden.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Itzá zitiert aus einer nicht mehr zugreifbaren pdf-Datei einen „vierspeichiger Bronzeradschmuck oder Bronzering mit Mittelkreuz“ unter der „rechten Handfläche der Seherin“, der nicht nur bei ihr Anlaß zu weiter reichenden Interpretationen gibt. Dr. Julius Naue stellt in dem herunterladbaren Buch „Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee“ auf Seite 189ff. dagegen „bronzene Kopfringe“ in den Vordergrund: „In besonderen Ehren scheinen die Frauen gestanden zu sein; da über ihren Grabstätten häufig hohe Grabhügel errichtet wurden; auch bevorzugte Stellen und Würden müssen ihnen geworden sein, da wir jene bronzenen Kopfringe, die sicher als Würdenabzeichen aufzufassen sind, nur bei weiblichen Skeletten, oder mit anderen weiblichen Schmuckstücken in Brandgräbern gefunden haben.“ Und jemand, der mir erzählt hat, daß die Bethenquelle genau in der Mitte zwischen dem Grab der Seherin, dem Karlsberg und St. Alto in Leutstetten liegt, hat mir erzählt, daß die nördliche Lage des Hügelgrabes im Gräberfeld allein schon die besondere Stellung des Grabes ausweisen würde, weil der Norden früher immer eine besondere Bedeutung gehabt hat.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Nach meinem Stand ist es ein bronzezeitliches Grab, da paßt ja dann auch der oben genannte Schmuck dazu. Sicher bin ich mir nicht - mein vorliegender Text hat eine umfangreiche Literaturliste ohne Julius Naue, der Autor hat also vermutlich nur bei jemand abgeschrieben, der vielleicht das Orginal gelesen hat. Das wäre also eine Supergelegenheit für BayernViewer-denkmal um statt „Grabhügel der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“ Stärke zu zeigen und das große Interesse zu nutzen, um den Leuten etwas über den Unterschied zwischen Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit und deren Grabsitten beizubringen.

„Grab der Seherin“ im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Das Interesse konzentriert sich im Hügelgräberfeld vor allem auf das Grab der Seherin, wenngleich ich es dort eher nicht so schön finde. Die Erde des Hügels ist um die Mulde herum schon ziemlich gleichmäßig festgetreten. Die Mulde wirkt etwas muffelig feucht, nicht so beeindruckend wie die Mulde des Grabes oben in den ersten drei Bildern und nicht so kuschelig wie die Mulde des letzten Grabes in diesem Blog-Eintrag. Zudem bricht in ein eventuelles Versinken in andere Welten gleich wieder eine vorbeifahrende Bahn hinein. Ich hätte trotzdem gedacht, daß sich das Interesse hauptsächlich auf dieses Grab bezieht und die anderen Gräber ziemlich nichts abbekommen, aber Nusas Beobachtung, die er im Blog von Massive Squad beschrieben hat, ist eine andere.

„Grab der Seherin“ im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Anzumerken wäre noch, daß wir neben Hügelgrabintressenten auf der Strecke entlang des „Grabes der Seherin“ auch „normale“ Radfahrer und Spaziergänger gesehen haben. Also zum einen ist vermutlich eine passable Verbindung westlich der Bahnlinie in nördliche Richtung gegeben - ich bin ja immer von Osten aus dem Mühltal hochgekommen. Zum anderen ist der „Unheimlichkeitsfaktor“ hier vielleicht nicht so hoch wie bei dem unübersichtlicheren Karlsberg.

Die Bahnlinie soll extra wegen den Hügelgräben eine Kurve machen, hatte ich auch schon gehört. Anderseits orientiert sich die Bahnlinie m.A. nach so viel besser an den Höhenlinien, als wenn sie durch das aktuell im BayernViewer-denkmal ausgezeichnete Hügelgräberfeld führen würde. So oder so können Hügelgräber über die Zeit hinweg verloren gegangen sein, die Einfärbung im BayernViewer geht ja nördlich auch ein Stück über das „Grab der Seherin“ hinaus. Anregender als Lageüberlegungen zu einem bestimmten Grab ist vielleicht die Frage nach der zugehörigen Siedlung. Julius Naue vermutete auf S. 188 die Niederlassungen der vorgeschichtlichen Bewohner in unmittelbaren Nähe der Grabhügel.