Posts mit dem Label Social Media werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Social Media werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Social Media Abend in Hamburg, Studioausstellung der ältesten Münchnerin

In einem Blog-Eintrag hatte ich Anfang des Jahres auf einen Social Media Abend in Hamburg hingewiesen. Der war laut „Storify #Ausgegraben mit Podcast und Blogbeiträgen“ ein voller Erfolg: „Dem Aufruf folgten ungefähr 50 Twitterer, Instagramer sowie Blogger“. Nun wird am nächsten Montag wieder so ein Abend angeboten: #EisZeitenHH: Social Media Abend zur Doppelausstellung „EisZeiten“.

Gestern habe ich mal wieder einen Blick auf die Website der Archäologischen Staatssammlung geworfen. Zwar ist dort schon einige Zeit die Ausstellung „wegen Sanierungsarbeiten bis 2020 geschlossen“. Aber wir bewegen uns auf das Jahresende zu, und vielleicht tut sich in Sachen Bernstorf was. Nein, nichts über Bernstorf. Aber via den links unten hingequetschten Menüpunkten unter „Startseite Archäologie in München“ die Information, daß die Archäologische Staatssammlung mit der Studioausstellung „Die älteste Münchnerin. Zur Grabung im Apothekenhof 2014 – und andere Funde“ im Charlottengang der Münchner Residenz zu Gast und derzeit Residenzwoche ist. „Die Ausstellung wird bis Ende 2016 zu sehen sein, während der Residenzwoche finden in der Ausstellung Themenführungen statt.“ Fotos von der ältesten Münchnerin gibt es noch beim BR. Infos über den Charlottengang bei der Freidenkerin.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Bernstorf, Museum, Social Media

In diesem Eintrag soll es wieder um Bernstorf gehen. Ich will einen „Social Media Abend“ erwähnen und schließlich noch auf ein paar passende MOOCs hinweisen.

Ich beginne mit „ #Ausgegraben – Social Media Abend zur Sonderausstellung 'Ausgegraben. Harburg archäologisch.' “ Dieser Social-Media-Abend findet schon am nächsten Montag statt und vielleicht liest hier jemand mit, der die Möglichkeit hat hin zu gehen.

Zu Bernstorf war mein letzter Stand derjenige aus der Kontrovers-Sendung vom 2.12.2015. Die Sendung hatte ich in Bernstorf: „Fälschungsverdacht besteht weiter“ verlinkt und ist unter der dort angegebenen Adresse noch zugreifbar. Nun gab es am 22.1.2016 einen längeren Beitrag von Alexander Binsteiner in Archäologie Online unter dem Titel: „Fälschungsverdacht in Bernstorf – Die Fortsetzung“. Im vorderen Teil nichts Neues gegenüber dem Kontrovers-Beitrag von Anfang Dezember. Also daß es in dieser Angelegenheit schon Ergebnisse gibt/geben müsste, die nicht veröffentlicht werden, und eine Veröffentlichung erst Ende 2016 vorgesehen ist. Weiter hinten im Text von Alexander Binsteiner die für mich neue Aussage, daß Prof. Rupert Gebhard „im Geheimen“ mit Prof. Rüdiger Krause eine wissenschaftliche Publikation plant, mit der „der Verdacht, der schwer auf dem Münchner Museum lastet, mit einem Schlag ausgeräumt werden“ soll.

Beim Nachsuchen finde ich einen Beitrag der Süddeutschen Zeitung vom 28. Dezember 2015. Wegen dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger will ich den nicht verlinken. Der Beitrag der Süddeutschen Zeitung beruft sich auf Prof. Rüdiger Krause. Die Analysen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin zur Echtheit des Goldes lägen noch nicht vor. Und es sei eine eigene umfangreiche Publikation geplant und die Ergebnisse der Bundesanstalt sollen gemeinsam mit „Ergebnissen eigener Recherchen“ „voraussichtlich Ende 2016“ veröffentlicht werden. Im SZ-Beitrag wurde nicht nach den Ergebnissen der englischen Bernstein-Expertin gefragt, die seit letztem Sommer vorliegen sollen.

Auf der Website der Archäologischen Staatssammlung hat sich aktuell nichts in Sachen Bernstorf getan. Die neue Sonderausstellung „Archäologische Staatssammlung - Vergangenheit und Zukunft“ wird morgen eröffnet, das wird die letzte Sonderausstellung vor der Generalsanierung sein. Beim Bronzezeit Bayern Museum gibt es unter „Aktuelles“ die Neuigkeit, daß man in Kürze über die Grabungskampagne 2015 informieren will. Das ist doch eine schöne Nachricht für diejenigen, die an der Sache interessiert sind.

Nun abschließend zu den MOOCs. Ich hatte im letzten Eintrag im Zusammenhang mit den „Zeitschichten“ die Full-Stack-Specialization erwähnt. Ich will jetzt nicht in eine vielen Bloglesern unbekannte Begriffswelt verfallen, aber ich war in dieser anderen Welt in den letzten beiden Jahren an Diskussionen über Einzelthemen der Specialization beteiligt und das Problem bei den Diskussionen war eigentlich immer schnell, daß keiner das Wissen über die ganzen neuen Sachen im Gesamtzusammenhang hatte. Ich weiß jetzt nicht, ob die Social Media Marketing Specialization so etwas Vergleichbares für die Social-Media-Welt liefert. Aber wenn die Specialization gut ist und man sich interessiert, dann sollte diese Investition angesichts des Medienwandels doch ganz lohnend sein können.

Die Coursera-Specializations bestehen jeweils aus mehreren Kursen. Die zahlenden Teilnehmer können/sollten zudem die Kurse der Specialization mit einem Capstone-Projekt abschließen. Einen leichtgewichtigeren Einblick vermitteln einzelne Kurse bei Futurelearn: „Behind the Scenes at the 21st Century Museum“ und „Transmedia Storytelling“. Beide Kurse haben schon in der letzten Woche angefangen. Unter „Transmedia Storytelling“ werden sich viele nicht so viel vorstellen können. Am nächsten Montag wird beim Social-Media-Abend aber alles schon beisammen sein: Social Media, Museum, und von der Ausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch.“ wird mit unterschiedlichen Medien erzählt. Wenn ich mal wieder zu Grabhügeln radele und nur hier im Blog davon erzähle, dann ist das nicht so ein gutes Storytelling wie das von Rainer Steinke, der schon während seiner Tour in verschiedenen Social Media etwas zu den Sachen postet, die er dann im Blog bringt.

MOOCs zu archäologischen Themen gibt es natürlich auch noch, die man empfehlen könnte. Ich mag jetzt nicht die einzelnen Anbieter absuchen und nur bei Futurelearn nachsehen: nächste Woche starten die MOOCs „Shipwrecks and Submerged Worlds: Maritime Archaeology“ und Antiquities Trafficking and Art Crime.

Dienstag, 12. März 2013

Zeitspringer-Blog und Leistungsschutzrecht

Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist mittlerweile wieder ein Stück weitergekommen. Es ist zwar noch mehr „entschärft“ worden gegenüber dem Stand, als ich letztes Jahr über das Leistungsschutzrecht geschrieben habe. Aber dennoch wird jetzt allenthalben gerätselt, was das Leistungsschutzrecht für das eigene Webprojekt zu bedeuten hat. Dankenswerterweise hat Rechtsanwalt Thomas Schwenke schnell einen Beitrag mit „FAQ zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger (für Blogger, Social Media & Journalisten)“ in das Netz gestellt.

Wenn schon so ein Leistungsschutzrecht kommt, dann muß der Gesetzgeber die Auswirkungen im Blick haben. Es düfte nicht sein, daß jetzt Leute, die „eigentlich“ nicht betroffen sein sollten, stundenlang über die rechtlichen Auswirkungen rätseln müssen und zur Sicherheit ihre Aktivitäten einschränken. Ich hatte bei meinem letztjährigen Eintrag zum Leistungsschutzrecht den Verdacht, daß diese Unsicherheit bei Internetaktivitäten gewollt ist: „Also zum einen scheinen sich die Presseverlage durch Eigenprodukte nicht mehr in der Lage zu sehen, ihre frühere Stellung auch in Zeiten des Internets zu erhalten. Zum anderen die - ich habe den Eindruck gewollte - Unsicherheit im Internet. Obwohl eigentlich Verzögerung, Verhinderung und Unsicherheit genau das Falsche für neue Entwicklungen ist.“ Leider hat unsere Regierung nichts getan, um bei mir diesen Verdacht zu entkräften. Es gibt sogar aktuell mit dem Rechtsanwalt Udo Vetter eine prominente Stimme, die genau diese Unsicherheit thematisiert.

Wie aus den FAQs von Thomas Schwenke hervorgeht, werden Blogs durch das Leistungsschutzrecht ebenfalls zum Unsicherheitsfaktor. Ich würde mein Werk eher als Privatblog / Hobbyblog und nicht als „Presseerzeugnis“ einsortieren. Aber wie Thomas Schwenke ausführt, können Blogs die Kriterien für Presseerzeugnisse erfüllen. Und von außen ist man dann nicht sicher, wie mein Blog zu sehen ist.

Mir hat jetzt diese Klarstellung vom Heise Zeitschriften Verlag gut gefallen: In eigener Sache: Der Heise Zeitschriften Verlag und das Leistungsschutzrecht.

Also sofern es für meinen Blog überhaupt relevant ist, übernehme ich die darin zu findenden Aussagen für meinen Blog. Also Links auf und kurze Textausschnitte/Snippets aus meinem Blog sind auch mir weiter höchst willkommen und bedürfen keiner Erlaubnis.

Mittwoch, 8. August 2012

Mixed Links

Am letzten Sonntag fand im Museumshof des Kelheimer Archäologischen Museums das Keltenfest 2012 statt und von Stephan Gröschler gibt es schon einen reich bebilderten Bericht. Seine Impressionen vom Kelheimer Keltenfest 2012 passen gut als aktuelle Fortsetzung zu meiner kleinen Serie über das Kelheimer Museum und den Archäologiepark Altmühltal.

Werner Lang hat auf seiner Limeswanderung seine diesjährigen Etappenziele in Baden-Württemberg durchwandert und mittlerweile Bayern erreicht. Die Fotogalerie auf seiner Limeswanderweg-Website ist mit den neuen Bildern aktualisiert. In seinen News sollte man ebenfalls vorbeisehen. Aktuell berichtet Werner Lang mit mehreren weiterführenden Links von der Neueröffnung eines Römerkanal-Wanderweges zwischen Nettersheim und Köln. Werner Lang beschreibt seine Limeswanderung durch Bilder, für den Text hat schon Rolf Bierwirth in seinem Limeswanderung-Blog gesorgt. Nach dem Nachtrag seiner Etappen am Hadrianswall ist es dort etwas still geworden, nur ein Besuch bei den Kelten auf dem Hausberg bei Butzbach ist in den letzten Monaten hinzugekommen.

Leider kann man die syrischen Hinterlassenschaften des Römischen Reiches derzeit nicht genießen. Die traurige Situation der Menschen dort hat Marcel Schwarzenberger zum Anlaß genommen, einen Reisebericht von 2001 mit aktuellen Ergänzungen unter dem Titel „Krieg im Wunderland“ zu veröffentlichen. Marcel Schwarzenberger erwähnt das fehlende Interesse der Redaktionen an seinem Reisebericht seinerzeit unter dem Hintergrund von 9/11. Auf beschränktem Raum kann nur ein Teil der Wirklichkeit durchgelassen werden, und diese Wirklichkeit muß passen. Daher wieder mein Hinweis auf die Treffen und Veranstaltungen des Euro-Arabischen Freundschaftskreises, gegenüber dem letzten Hinweis mit neuer Website und neuem Versammlungslokal in München.

Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Seit zweieinhalb Wochen kann man in den in den Münchner Antikensammlungen und in der Glyptothek die Ausstellung „Die Unsterblichen – Götter Griechenlands“ ansehen. Wenn sie nicht mittlerweile depubliziert wurden, dann kann man beim Bayerischen Rundfunk eine Radiosendung nachhören und beim Deutschlandfunk ein Interview mit dem Sammlungsdirektor Dr. Florian Knauß unter dem Titel „Woran erkenne ich einen Gott und wofür ist der zuständig?“ nachhören und nachlesen. Den offiziellen Pressetext zur Ausstellung hat dankenswerterweise „L.I.S.A. Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung“ eingestellt.

Wir wollen auf jeden Fall in die Ausstellung und ich hoffe zum Bericht gibt es dann neue Fotos von den Antikensammlungen. Die Bilder in diesem Blogeintrag vom Giebelfeld der Münchner Glyptothek habe ich während des Münchner Marathons 2011 gemacht. Sie sind ein Nachtrag mit einem besser geeigneten Objektiv zum Blogeintrag „Oids G'lump ? - aus dem Glyptothek-Giebelfeld verschwundene Figuren“ und zeigen in einer größeren Aufnahme die Stelle der verschwundenen ersten Spes links neben der Athene (Bild 2) sowie die zweite und dritte Spes.

Im Münchner Flughafen wird derzeit die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ gezeigt. Während man sich für die Unsterblichen noch bis mindestens 7. Juli 2013 Zeit lassen kann, soll diese Ausstellung nur noch bis zum 12. August dauern. Die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ geht auf das Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) zurück. Sie wurde schon in Mainz und Karlsruhe gezeigt, es müßte daher schon einiges im Netz herumschwirren. Hier die von den Mainzern bei Informationsdienst Wissenschaft eingestellte Pressemitteilung und der Link zu Pressebildern und Hintergrundmaterial beim RGZM. Ergänzend ein Text zur Ausstellung bei Archäologie Online, da sollte man noch über die Kommentare drübersehen. Und im DRadio Wissen erklärt Dr. Michael Müller-Karpe vom RGZM, „welch verheerende Folgen der illegale Handel mit Kulturgütern hat“.

Früherer Ort der verschwundenen ersten Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

„Pressemitteilungen“ gehen zwar trotz ihres Namens auch an Fernsehen und Rundfunk, für umfassendere Informationen im Medium Internet werden sie oft nicht genützt. Auf das zusätzliche Material könnte wie im Fall der Mainzer via dem Informationsdienst Wissenschaft (IDW) hingewiesen werden. Beim Informationsdienst Wissenschaft gibt es recht oft Neuigkeiten aus dem Bereicht der Altertumswissenschaften, die wahrscheinlich in der großen Mehrzahl von Nichtjournalisten gelesen werden. Zusätzlich gibt es einen Hinweis auf der Website des RGZM in der „Aktuelles aus dem RGZM“-Rubrik, die zu einem Text zur Ausstellung und einem Flyer führt. Weshalb man die Informationen aufspaltet? Nunja. Aber die Information sind jedenfalls öffentlich zugänglich eingestellt, bei anderen findet man garnichts. Hinsichtlich Aktuelles-Rubrik und Blog habe ich im Eintrag zu den Museumsblogs schon für einen Blog argumentiert. Nimmt man als Beispiel das hochrangig bestückte Pressegespräch am 12. Juli zur Eröffnung der Kriminalarchäologie-Ausstellung (hier der IDW-Link), dann könnte in den Blogs auf den Websites der Beteiligten etwas darüber stehen, warum sie es wichtig finden dort Präsenz zu zeigen, und sie könnten auf die Stimmen der anderen Beteiligten und auf weitere Informationen verweisen.

Vielleicht nerve ich, wenn ich mit den Argumenten Interesse von außen und Medienfunktionalität so lange auf dem Beispiel Pressemitteilungen herumreite. Aber für mich sind solche Überlegungen Teil dieses Hobbys. Andere haben ganz andere Vorstellungen als ich. Bspw. habe ich die Website www.keltenblock.de nie verstanden. Die Website ist schön gemacht und sehr informativ. Man muß sich hinsichtlich der Bewerbung auch etwas gedacht haben. Gleich nach der Bergung des „Keltenblocks“ wurde er mit einer Plane mit der Aufschrift „http://www.keltenblock.de/“ abgedeckt, was wohl auf Fotos in Zeitungen und auf die Fernsehberichte abgezielt hat. Man konnte einen Hinweis auf die Website sogar in einer Planet-Wissen-Sendung platzieren. Interessanterweise hat man aber nicht einmal für einen stärkeren Schulterschluß mit anderen institutionellen Websites gesorgt, nur die Anzahl der Gästebucheinträge ist für die vermutliche Zugriffszahl überproportional.

Vom Südwestrundfunk gibt es jetzt auch eine Kelten-Website. Passend zum anstehenden Höhepunkt des Keltenjahrs 2012, der Kelten-Landesausstellung in Stuttgart, kann man sich hier über die Kelten und über anstehende Fernseh- und Hörfunksendungen informieren. Dem Riesen SWR dürfte die eigene Kraft reichen, um die Website via Linkhinweis nach Keltensendungen bekannt zu machen. Trotz der sehr guten Möglichkeiten, die Website über ein klassisches Medium zu bewerben, wurde sie auch von den Social-Media-Niederlassungen des SWR verbreitet. Der SWR hat gleich mehrere Twitter-Accounts, über einen habe ich den Hinweis auf die Website mitbekommen.

Zweite Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Es ist ein Standardverfahren mit begleitenden Microblogs (ich sortiere Mitteilungen in Twitter, Facebook etc. bei den Microblogs ein) auf Blog-Einträge oder andere Informationsseiten hinzuweisen. Im Falle des Pressegespräch-Beispiels hätte man auf den Termin hinweisen können, wenn er öffentlich ist, oder auf ein Video vom Pressegespräch. Die Ausrüstung für eine Videoaufzeichnung ist günstig zu haben, das Bereitstellen des Videos im Internet kostet nichts, die Kenntnisse dafür sollten bei Profis in den Presseabteilungen vorhanden sein. Hier ein schönes Video von Rainer & Joshua Dornburg von ihrer „Alpenüberquerung 2011 Via Claudia Augusta“. Erst etwa ab der 14. Minute geht es auf die Via Claudia Augusta, aber man wenn man Zeit hat sollte man sich die Tour komplett gönnen.

So ein Video-Link wird sich kaum über exklusive Mitteilungen an die klassischen Medien verbreiten lassen. Zumindest kann man im Nachhinein auf das Video stoßen. Schlecht wäre es, wenn sich statt reinen Veranstaltungen für die Presse Live-Streams allgemein durchsetzen würden, bei denen man vielleicht sogar online Fragen stellen kann. Den Termin würde ja kaum ein Interessent mitbekommen. Vermutlich lassen sich auch Neuerungen wie Smartphone-Apps schwer über klassische Medien verbreiten - zum Umstieg vom früheren Audio-Guide hatte ich in den ausgehängten Zeitungsausschnitten bei der Kykladen-Ausstellung in Karlsruhe nichts gefunden. Vernetzte eigene Blogs/Microblogs wären ein Grundstock. Besser wäre es, die Informationen würden von anderen aufgegriffen und weiterverbreitet. Wenn eine Schulklasse ein Museum besucht und statt Informationen über das Museum nur Fotos vom Monopteros ein paar hundert Meter weiter im Englischen Garten in die Sozialen Netze einstellt, dann ist den Freundeskreisen klar, was dort sehenswert ist.

Für manche Sponsoren sind solche Interessensbekundungen sehr relevant. Man sollte dazu diese Meldung von heise online bis zum Ende durchlesen. Es geht in der Meldung darum, daß soviele auf sozialen Netzwerken vom olympischen Straßenradrennen der Männer berichtet haben, daß durch die Netzüberlastung die Datenweiterleitung der Fahrer-GPS-Sensoren verhindert wurde. Einen ähnlichen Schluß zu den Sponsoren kann man aus „Seinen Leser lieben – ein paar Gedanken zur Zukunft der Zeitung“ von Joachim Braun ziehen. Wo wird ein potentieller Sponsor seine Schwerpunkte setzen wollen, wenn er sich „weitgehend vom Medium Tageszeitung verabschiedet“ hat?

Dritte Spes links neben der Athene im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

Also klar, Microblogger/Blogger sollten schön angefüttert werden, damit das mit der Informationsweitergabe klappt. Nun angenommen, eine Schulklasse kriegt eine Führung auf einer Ausgrabung und wird erfolgreich angeregt zu fotografieren und in den Social Media zu berichten. Wie sollte der Veranstalter mit den Ergebnissen umgehen? Er sollte sie vielleicht in Kurzform in einer Ecke der eigenen Website durchlaufen lassen. Ähnlich wie im Fall des obigen Beispiel-Pressegesprächs. Wenn dort die Institutionen X und Y präsent waren und X einen schönen umfassenden Beitrag darüber geschrieben hat, dann sollte bei Y ein Hinweis darauf zu finden sein. Die eigene Arbeit wird im Beitrag von X hervorgehoben und man muß nicht selbst soviel schreiben.

Dr. Christian Gries erwähnt in seinem „Sturmgeläut – Bloggen in Deutschland“ die Idee eines Gemeinschaftsblogs. Ich hatte das Thema auch schon mal angerissen, ein Gemeinschaftsblog hätte ein paar gewichtige Vorteile. Aber er wäre nicht hinreichend. Beim Beispiel-Pressegespräch gab es Beteiligte, die kaum über ein Gemeinschaftsblog abzudecken sind. Hinreichend wäre eine Einbindetechnik. Wobei nichts gegen eine Kombination von Einbindung und Gemeinschaftsblog spricht, wenn der vermutlich enger zu haltende thematische Fokus nicht verloren geht. Ein aktuelles Beispiel für eine mittels Einbindung gestaltete Website wird hier in „Mercedes-Benz in der Blogosphäre – das neue Social Publish“ vorgestellt.

Die zugrunde liegende Einbindetechnik ist nicht neu, Alfred Platschka verwendet sie bspw. um von seiner Website Lechrain-Geschichte auf seine Beiträge bei myheimat.de zu verweisen. Ich empfehle mit der Durchsicht ganz vorne beim bestens ausgearbeiteten Ipf zu beginnen („Der IPF (bei Bopfingen) - ein frühkeltischer Fürstensitz“), der Beitrag hatte noch viel zuwenig Leser. So eine Einbindetechnik habe ich auch schon früher einmal im Eintrag „Tägliche Nachrichten zu Archäologie und Geschichte“ erwähnt: im Mambra-Blog von Jos Thiel werden schon seit längerem Verweise auf die Nachrichten von Archäologie Online eingebunden. Im Falle des Social Publish von Mercedes-Benz würde kuratiert, das Einbinden geschieht in Absprache. Und wenn man sich nicht berücksichtigt fühlt, dann kann man eine Mail an die Kuratoren schicken und wenn der Beitrag passt, dann setzen sie den Hinweis auf den Beitrag rein.

Abschließend noch eine andere Variante der Einbeziehung: bei @MunichLovesU wird nicht eingebunden, sondern der Account übergeben. Jede Woche twittert ein anderer unter dem Account. Eine Superidee und meist einer der lebendigsten Twitter-Accounts, denen ich folge. München-Interessierte sollten mal durchblättern, wer in den Wochen aktiv war. Letzte Woche war es Heinrich Bruns. Seinen ersten Tag bei MunichLovesU hat er „mit der Erinnerung an ein Gemetzel begonnen. Es geht um die Schlacht von Hohenlinden.“ Hier mehr dazu in seinem Blog Heinrich graut's - Ansichten, Einsichten, Aussichten.

Freitag, 29. Juni 2012

Leistungsschutzrecht

Im vorletzten Eintrag über den ersten Wikipedian in Residence hatte ich einen Schlenker zum Leistungsschutzrecht gemacht: „Angesichts der Diskussion um das anstehende Leistungsschutzrecht für Presseverlage habe ich ja schon die Anzahl der Links auf Online-Presseartikel deutlich gesenkt. Mal sehen, wie das mit den Pressemitteilungen von Museen, Denkmalämtern etc. wird. Darf man aus denen noch zitieren, wenn sie irgendeine Zeitung abgedruckt hat, oder sind sie dann wegen deren Abdruckleistung geschützt?“

Mittlerweile gibt es zu diesen Befürchtungen einen heftig diskutierten Gesetzentwurf: „Viel Kritik an Entwurf für Leistungsschutzrecht“ schrieb heise.de. Eigentlich sollte ich außen vor sein, weil ich nicht gewerblich blogge, aber die Nutzung zu gewerblichen Zwecken ist weit gefasst: „die mittelbar oder unmittelbar der Erzielung von Einnahmen dient sowie jede Nutzung, die in Zusammenhang mit einer Erwerbstätigkeit steht“. Also für mein Verständnis wäre ich schon mit kleinen Einnahmen durch Werbung mit dabei, und wenn ich mich durch den Blog für eine Tätigkeit als Social Media Berater meines späteren Altersheims qualifizieren wollte auch.

Der Schritt vom weiterhin erlaubten Zitat zum zahlungspflichtigen Textausschnitt ist sehr klein, folgt man der im Heise-Artikel verlinkten Analyse von Dr. Till Kreutzer. Näheres zum Zitieren und der Übernahme kleiner Textauszüge findet sich auch bei Christoph Kappes. Egal ist, aus welchen Quellen sich die Leistung speist, also ob sie auf auf kostenlosen Pressemitteilungen beruht oder mehr Eigenleistung im Spiel ist. Also beim eingangs genannte Beispiel gäbe es nun tatsächlich Fallstricke, und eine kleine Linksammlung zu aktuellen Kelten-Artikeln oder so ginge überhaupt nicht, weil da meine Eigenleistung fehlt und das kein ordentliches Zitat wäre.

Wer sich in die Diskussion zum Leistungsschutzrecht tiefer einlesen will, dem empfehle ich für einen Überblick zunächst den Beitrag von Prof. Dr. Thomas Hoeren „Was bleibt vom Urheberrecht im Zeitalter von Filesharing und Facebook?“. Ergänzend dazu ein Interview mit ihm unter dem Titel „Monopolrecht auf Worte“. Weitere Anwaltsstimmen gibt es von Udo Vetter, Tim Hoesmann, Thomas Stadler und Dr. Ralph Oliver Graef. Wikimedia Deutschland fürchtet „Wikipedia demnächst ohne Weblinks?“ und Markus Beckedahl fasst die Reaktion der Deutschen Journalisten-Union bei ver.di (DJU) auf das Leistungsschutzrecht so zusammen: „Wenn die von den Verlegern versprochenen 50% der zu verteilenden Einnahmen an UrheberTM verteilt werden, sind die Kollateralschäden alle in Ordnung.“

Es wird als Vorzug hingestellt, daß Blogger bei Erfüllung bestimmter Kriterien ebenfalls in den Genuss des Leistungsschutzrechts kommen können. Ich kenne keinen Blog, in dem dieser Genuss gewünscht wurde. Zweitens ist offensichtlich, daß auch das zu größerer Unsicherheit führen würde. Ich darf dann auch bei Bezugnahmen in der Blogosphäre über erfüllte Kriterien für das Leistungsschutzrecht und für Zitate rätseln. Eine andere Frage ist die, ob man schon bei kurzen Textausschnitten ohne Verlinkung dabei sein kann, Stichwort Sprachmonopolisierung. Ich könnte ja unwissentlich eine Textsequenz zusammenbauen, die eine Zeitung schon verwendet hat („Sensationsfund in ...“ oder so). Da will ich jetzt garnicht weiter spekulieren. Ich finde es aber sehr bemerkenswert, daß es Jahre hin zu diesem Entwurf gedauert hat und nun selbst der eher positiv zum Leistungsschutzrecht eingestellte Dr. Ralph Oliver Graef von einer notwendigen Nachjustierung spricht.

Michael Budde hat da glaube ich etwas ganz gut auf den Punkt gebracht: „Der Abmahnanwalt ist das deutsche Erfolgsmodell des Internetunternehmers“. Also zum einen scheinen sich die Presseverlage durch Eigenprodukte nicht mehr in der Lage zu sehen, ihre frühere Stellung auch in Zeiten des Internets zu erhalten. Zum anderen die - ich habe den Eindruck gewollte - Unsicherheit im Internet. Obwohl eigentlich Verzögerung, Verhinderung und Unsicherheit genau das Falsche für neue Entwicklungen ist. Wer volkswirtschaftliche Argumente mag, kann mal schnell ein paar große deutsche international bedeutende Internetfirmen aufzählen. Daß das Leistungsschutzrecht direkt über Abmahnanwälte Geld bringen soll, glaube ich aber nicht. Eher als Nebeneffekt, daß die Leute von selbst nach einer Verwertungsgesellschaft und einer Flatrate rufen, um wieder Rechtssicherheit zu bekommen. Vielleicht visiert man aber auch das kleinere Ziel an, daß konkurrierenden Modellen im Internet der Schwung genommen wird bzw. man durch bessere Rechtspositionen mit in das Boot kommen kann.

In Netzgemeinde gibt es Vorstellungen, nach denen die Presseverlage selbst durch die Auswirkungen des Leistungsschutzrechts getroffen wären und irgendwann ihren Fehler einsehen. Christian Sickendieck hat da eine schöne fiktive Geschichte mit Frank Schirrmacher und der FAZ geschrieben, an die ich überhaupt nicht glaube. Wenn so etwas mal in der Welt ist, dann ist es schwer es wieder aus der Welt zu bekommen. Es wird bestmöglichst genutzt und nicht mehr groß nach dem Schaden und dem Nutzen gefragt.

Ich denke da an das Depublizieren bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und den aktuellen Streit um die Tagesschau-App. Ich habe schon ein paarmal auf das Buch „The Long Tail“ von Chris Anderson hingewiesen („Filme, Filmchen, Videos“). Chris Anderson hat einen Beispieljugendlichen Ben beschrieben, der nur noch 2 Stunden in der Woche fern sieht, „natürlich zeitversetzt“, und sich die meiste Zeit im Internet aufhält. Zeitungen erwähnt Chris Anderson nicht einmal. Ben, der die öffentlich-rechtlichen Mediatheken sicher ganz sinnvoll gefunden hätte, diente Chris Anderson zur Veranschaulichung der sich ändernden Ansprüche. Hierzulande wäre Ben vor ein paar Jahren, als das Buch erschienen ist, vermutlich nicht als Trendscout rübergekommen, sondern man hätte ihm vielleicht noch mangelnde Medienkompetenz vorgeworfen und ihn in die Problembär-Ecke gestellt.

Freitag, 2. März 2012

Wissenschaftsblogs

Jetzt lasse ich mich noch einmal von vorherigen Einträgen treiben. Nach den Einträgen zu meiner Blogsoftware und zu den Museumsblogs kommt jetzt einer über Wissenschaftsblogs.

Allgemein zum Blog-Thema noch ein Nachtrag zu den Museumsblogs. Im Blog der Münchner Residenz ruft Tanja Praske zu einer Blog-Parade auf. Man darf auf schöne Beispiele weiterer Museumsblogs hoffen. Ich bin ja fast nicht auf Beispiele eingegangen, allerdings gibt es auch ziemlich wenige deutschsprachige Museumsblogs zum Zeitraum graue Vorzeit bis Spätantike. Die Blog-Parade geht noch bis zum 23.03.2012, danach gibt es im Residenz-Blog einen abschließenden Eintrag.

Bei der Gelegenheit seien die auch die virtuellen Rundgänge in der Schlossanlage Schleißheim erwähnt: „Qualitativ hochwertige 360 Grad-Aufnahmen bieten einen phantastischen Einblick in die Bauwerke der Schlossanlage Schleißheim. Bewegen Sie sich mühelos durch die Säle und Zimmerfluchten des Neuen Schlosses, besichtigen Sie Schloss Lustheim oder wandeln Sie durch den barocken Schlossgarten.“ Den Link dazu habe ich via dem Twitter-Account von Tanja Praske mitbekommen - das wäre ein Beispiel für die im letzten Blog-Eintrag erwähnte „Awareness“ und das Bekanntmachen via anderen Niederlassungen.

Und wer viele dieser Museumsleute nicht nur virtuell treffen will und/oder sich sehr für Museen/Kultur und Web 2.0/Social Media interessiert, dem bietet sich am 20. und 21. April 2012 die „aufbruch“-Tagung und das stARTCamp in der Alten Münze und im Alten Hof in München an.

Anlaß noch speziell auf die Wissenschaftsblogs einzugehen ist der Telepolis-Artikel „Bloggen für die Wissenschaft“. Der Artikel ist ein kleiner Anlaß, denn vieles daraus kennt man in der einen oder anderen Form schon und wird in irgendeiner Form irgendwann wieder diskutiert. Der im Interview befragte Professor für Wissenschaftsjournalismus Holger Wormer spricht das
indirekt bei der Antwort auf die Frage nach Wissenschaftlern an, „deren Karriere einen Knacks bekommen hat, weil sie sich an die Öffentlichkeit gewandt haben“: „Die Frage wurde schon vor 20, 30 Jahren gerne aufgeworfen und damals hatte sie sicherlich ihre Berechtigung...“.

Aber diese Problematik ist offensichtlich ein Dauerbrenner. Etwas unverständlich für „die Öffentlichkeit“ - warum sollten Wissenschaftler sich nicht an uns wenden dürfen? Ich glaube, man kann diese Problematik auch im Zusammenhang mit Museen/Museumsblogs wiederfinden, und da wird es noch unverständlicher. Prof. Holger Wormer spricht davon, daß Wissenschaftler in vielen mit Drittmitteln finanzierten Projekten sogar verpflichtet werden, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse einem breiten Publikum vorzustellen. Für Museen müßte dieses Interesse am breiten Publikum eigentlich selbstverständlich sein. Ich glaube der Konflikt wird dann gut von außen sichtbar, wenn Forschung und Museum unter einem Dach vereint sind. Früher hätte ich nicht gedacht, wie in solchen Fällen der Aufwand für Mitteilungen an das breite Publikum und der Aufwand für Fachpublikationen auseinanderklaffen kann.

Leider scheint ein niedriges Interesse an Mitteilungen für das breite Publikum oft mit geringem Interesse für Open Access einher zu gehen. Obwohl das eine tolle und zeitgemäße Sache ist - der Wissenschaftsblogger kann seine wissenschaftliche Publikation im Blog verlinken. Ein Museumsblog hätte den Zusatzvorteil, daß damit ein Ausstellungsstück oder eine ganze Ausstellung vertieft erläutert und aufgewertet werden kann. Daß die „mühevolle und kompetente Arbeit in großen und kleinen Verlagen“, die Prof. Uwe Walter in diesem Chatprotokoll von „Wikipedia trifft Geschichtswissenschaft“ erwähnt, irgendwie entlohnt werden muß, halte ich für stichhaltig. Aber es muß heutzutage nicht mehr die teuere Buchform oder die gedruckte Zeitschrift sein. Insbesonders wenn selbst Studenten nach fachübergreifenden Aussagen empfohlene Literatur in Buchform immer weniger lesen.

Kostenlos sollte Open Access nicht sein, da müßte es faire Lösungen für die Plattformbetreiber geben. Aber wenn die Forschung mit Steuergeldern bezahlt wird und online verfügbar gemacht werden muß, dann könnte man das auch noch mit Steuergeldern bezahlen und die Publikation für alle frei verfügbar machen. Das ist wohl oft noch Wunschdenken. Wer sich für ein aktuelles Gegenbild dazu interessiert, das sich richtig unschön aus den Denkweisen der alten Zeit entwickelt hat, der mag hier im Blog-Eintrag „Boykottiert Elsevier! Ich boykottiere Elsevier!“ von Prof. Günter M. Ziegler weiterlesen oder bei Telepolis nach „Elsevier“ suchen.

Ein Publikationsproblem gibt es auch bei der „Gesellschaft für Archäologie und Geschichte - Oberes Würmtal“. Die Süddeutsche berichtete, daß sich die Hoffnung auf neue Räume in Gauting zerschlagen hat. Bei der Gelegenheit wird erwähnt, daß Sponsoren für die wissenschaftlichen Publikationen fehlen. Dreht es sich nur um Druckkostenzuschüsse? Wenn man ohnehin keinen Gewinn mit den Publikationen macht, dann könnte man die ja auch kostenlos in das Netz stellen. Und für diejenigen, die ein richtiges Buch wollen, irgendeine Book-on-Demand-Lösung zum Selbstkostenpreis anbieten. Ich würde auf die Publikation inklusive Sponsor hinweisen, wenn mir dann jemand vom Verein einen Hinweis schickt! Vielleicht machen andere Bloggerinnen und Blogger mit, dann wäre das sogar ein Zusatzargument für die Sponsoren.

Den Verein hatte ich übrigens schon anläßlich der Villa rustica Leutstetten erwähnt. Ich glaubte, daß der Verein dort die Führungen veranstaltet, so wie das jetzt auch im Artikel steht, habe das aber auf dessen Website nicht gefunden und deshalb die „unterstützt“-Formulierung aus dem pdf der Stadt Starnberg übernommen.

Zurück zu den Wissenschaftsblogs. Der Wissenschaftsschaftsbetrieb ist ja hierarchisch strukturiert. Man suche da im verlinkten Text die Stelle, wo Prof. Holger Wormer formuliert, daß man sich in einem intakten Team abstimmen sollte. Ich habe aus einem Gespräch über Urheberrechtsfragen die Erinnerung, daß die Professoren gern die grundlegenden Ideen für sich reklamieren. Ich weiß nicht, in welcher Form solche Probleme in Teams von Altertumswissenschaftlern auftreten. Irgendjemand bloggt immer unautorisiert mit dem Smartphone von der Ausgrabung, wenn etwas gefunden wurde. Wäre lustig. Aber ich könnte mir vorstellen, daß bei es bei Teams günstiger ist, wenn der oder die Leitende bloggt oder ein Wissenschaftsblogger autorisiert eine Stellvertreterrolle für das Team einnimmt.

Die Blogosphäre ist nicht gut geeignet, die hierarchische Struktur des Wissenschaftsbetriebs abzubilden. Zwei Historiker können nebeneinander her bloggen, der eine ist im Netz gut sichtbar, spielt aber im Wissenschaftsbetrieb keine Rolle. Bei dem anderen ist das gerade umgekehrt. Eine andere Sache ist die, daß die Wissenschaftler, die im Netz in Erscheinung treten, bislang nur einen sehr kleinen Anteil darstellen. Beides macht die Antwort von Prof. Walter auf die Frage nach der wissenschaftlichen Kommunikation im Netz verständlich: „kann ... für die mir bekannten Formate nicht erkennen, dass hier eine wissenschaftliche Kommunikation im engeren Sinne stattfindet...“. Die „wissenschaftliche Kommunikation im engeren Sinne“ mögen die Wissenschaftler unter sich aushandeln. Das breite Publikum sollte sich über mehr Wissenschaftsvermittlung freuen, und da stört die Sorge der Wissenschaftler um einen möglichen Karriereknacks nur.

Anderer Meinung als Prof. Walter bin ich bei der Kommentarfunktion. Das mit den „Meinungsejakulationen“ halte ich für ziemlich daneben gegriffen. Bei den Online-Ablegern mancher Zeitungen scheint es wirklich so zu sein, daß es Leser gibt, die querbeet in so einem Sinne alles durchkommentieren und dabei auch so herbe Sachen online gestellt werden, die der normale Blogger sofort löschen würde. Aber nach eigener Erfahrung sieht es eher so aus, daß es zwar einerseits einen mit möglichst wenig Aufwand erstellten Spam gibt, anderseits aber in die meisten ernsthaften Kommentare Lesezeit, Nachdenken und Tippzeit investiert worden ist. Solche Kommentare sind bezogen auf die Anzahl der Blog-Zugriffe ziemlich selten, ich bin darauf im Eintrag über das Memoro-Projekt eingegangen. Die Kommentare sollte man wertschätzen. Prof. Walter müßte das wissen, seine Kommentarquote ist trotz Bekanntheit als Professor und der FAZ im Rücken nicht so besonders.

Sonntag, 26. Februar 2012

Museumsblogs

Nach meinem Eintrag über meine Blogsoftware habe ich gesehen, daß Michael Müller ein paar Tage zuvor über Museumsblogs gebloggt hatte. Ich will die Gelegenheit nutzen und in Fortsetzung die in meinem Eintrag und in seinen beiden Kommentaren gefallenen Stichworte zu Hintergründen und Drumherum des Bloggens für ein paar Anmerkungen zum Thema Museumsblogs nutzen.

Michael Müller leitet seinen Text mit einem Verweis auf eine Feststellung im Jahresrückblick von Sebastian Hartmann ein: den „Return of the Blog“. Eine „Reihe von neuen Museumsblogs erblickten das Licht der Welt“. In der Feststellung des „Returns“ ist enthalten, daß Blogs schon eine ältere Angelegenheit sind. Beim Dateien ausmisten habe ich einen Vortragshinweis von 2005 gefunden, da ging es um das Publizieren im Internet und Online-Marketing für kleinere Firmen und der Referent wollte demonstrieren, wie schnell eine kostengünstige Lösung mit Blog, Content-Management-System (CMS) und Newsfeed möglich ist. (Experimental-)Archäologie-Blogs wie „Als Ötzi über die Alpen“ von 2006/2007 und über die Pfahlbauer von Pfyn von 2007 dürften in einer Zeit enstanden sein, in der man durch einen Blog noch ein innovatives Image bekommen konnte.

Für Blogs, Wikis und Angebote in der Art von Twitter und Facebook wurden die Stichworte Web 2.0 und Mitmachweb gefunden. Für die Anwendung solcher Software in Unternehmen folgte der Begriff Enterprise 2.0. Ich habe 2008 ein Buch universitärer Autoren über Enterprise 2.0 gelesen und das ging nach meinem Eindruck stark von den Möglichkeiten der Systeme selbst aus. Also ich habe eine Software für Kurznachrichten wie Twitter oder eine Wiki-Software, was mache mit der? Die Vorschläge klangen manchmal sehr gesucht, bei Twitter wurde bspw. mit „Awareness“ herumgeeiert. Tatsächlich fanden Wikis sehr schnell Eingang in die projektbegleitende Dokumentation, als Infoquelle für Neueinsteiger o.ä., während ich von innerbetrieblichen Anwendungen der Kategorie Twitterartige nichts gehört habe.

Ich glaube durch die Entwicklung bedingt - Blogs, Wikis etc. waren neu auf dem Markt - sind bei Web 2.0 und Mitmachweb die Foren etwas unter den Tisch gerutscht. Mitmachweb in Foren gab es nämlich schon im Web 1.0, was den klaren Schnitt zum Mitmachweb 2.0 unterläuft. Und vor den Foren gab es schon die Newsgroups, außerdem wären noch die Mailinglisten zu erwähnen. In unserer Szene müssen die Foren auf jeden Fall beachtet werden. Es gibt noch Geschichts- und Archäologieforen aus der Web-1.0-Zeit - Archäologie Online mit seinem Forum dürfte die meistbesuchteste deutschsprachige Archäologie-Website sein. Zudem werden Foren heutzutage zahlreich in den Sozialen Netzwerken angelegt, sie bleiben also hochaktuell.

Nach dem Begriff „Web 2.0“ ist der Begriff „Social Media“ aufgekommen. Social Media frägt eher: was will ich nach draußen tragen und mit welchen Mitteln erreiche ich wen? Im sinnvollen Verbund sieht das mit der „Awareness“ mittels einem Dienst wie Twitter dann plötzlich ganz plausibel aus, bspw. wenn Museumsmitarbeiter und -dienstleister via Kurzmitteilungen ihre Erreichbarkeit oder Neuigkeiten ihres Museums anzeigen (etwa durch einen Link auf den aktuellen Eintrag im Museumsblog). Stephan Gröschler hat so einen verbundenen Ansatz in seinem Kommentar auch angerissen - ein Kernprojekt mit Blog und das via Twitter, Google+, Facebook etc. bekannt machen bzw. dort für Kommunikationswünsche bereitstehen. Es gibt Beispiele, wo selbst relativ kleine Handwerksbetriebe ein derartiges Schema schon einige Zeit erfolgreich umsetzen.

Technisch sind Websites mit Blog den Websites mit „Aktuelles“-Rubrik im Stil der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts mindestens so überlegen wie 3d-Farbfernseher Schwarzweißgeräten. Website-Besucher haben keine Lust, eine ganze Website auf Änderungen zu durchsuchen. Also sollten sich alle Neuigkeiten in einer Rubrik „Aktuelles“ niederschlagen. Läßt man nur wenige Neuigkeiten in der Rubrik, muß man die alten Texte schnell wieder rauswerfen. Läßt man die Neuigkeiten lange in der Rubrik, kann man wegen der Übersichtlichkeit nur kurze Texte reinschreiben. Die aus der Rubrik rausgeworfenen Texte sind ganz weg. Man wird deshalb von außen vermeiden wollen auf „Aktuelles“ zu verlinken, es ist ja sowieso bald obsolet.

Bei einem Blog bleiben die alten Neuigkeiten erhalten und wandern bei neuen Neuigkeiten automatisch nach hinten. Man kann sich über „Ältere Posts“ o.ä. nach hinten hangeln oder es gibt eine Übersicht, über die man direkt zu den alten Einträgen springen kann. Jeder Eintrag bekommt einen Link generiert, auf den man sich von außen beziehen kann. Man kann alle Einträge zu einem bestimmten Thema einfach mit einem Label/Tag versehen und über dieses Label dann alle Einträge ansehen (so wie etwa meine über mehr als ein Jahr verteilten Sizilien-Einträge). Allen neueren Schnickschnack gibt es für Blogs und nichts davon für die „Aktuelles“-Rubriken. Via Feeds kann man per Feedreader sehen, ob es irgendwo Neuigkeiten gibt, man muß die interessierenden Blogs nicht einzeln abklappern. Es gibt eine Kommentarfunktion. Es gibt die Möglichkeit automatisiert in Sozialen Medien wie Twitter und Facebook mitzuteilen, daß man gebloggt hat.

Gibt es technisch bessere Möglichkeiten als Blogs, die sind ja auch schon in die Jahre gekommen? Ich glaube nicht, wenn man viele Neuigkeiten hat und dazu etwas mehr schreiben will. Man kann durch gute Organisation der Website und schnelle Aktualisierungen viel ausgleichen, aber nicht so richtig druckvoll Themen setzen und das Spiel machen. Wie zu der Kykladen-Ausstellung geschrieben, habe ich in den Presseartikeln nichts über die recht wagemutige Umstellung auf eine Ausstellungs-App und die Ausleihmöglichkeit eines iPads gelesen. Mit einem Blog könnte man so eine Umstellung von den Anfängen an begleiten. Ähnlich ist das mit anderen Themen, etwa dem neuen Jugendklub des Museums, wie entwickelt sich der? Gibt es irgendwelche sonstige Projekte, über die berichtet werden könnte? Das reiche Programm im Karlsruher Landesmuseum konnte man selbst in den besten Zeiten der alten Medien nicht durch diesen Engpass bringen. Jetzt hätte man die Chance, direkt die Leute zu erreichen. Sogar mit Rückkanal, was meinen die Leute zur iPhone-App, hätte man angesichts der vielen Studenten in Karlsruhe auch noch eine App für die billigeren Androiden bereitstellen sollen?

Aber warum gab es so schnell und nahezu flächendeckend Museumswebsites, während es mit den Museumsblogs zögerlich voran geht? Zum einen ist der Aufwand für eine Website im alten Stil relativ gering, wenn man wenig ändert, während für einen Blog und die Kommunikation in Sozialen Netzen viel mehr Zeit notwendig ist. Zum anderen kann die Ursache darin liegen, wie Museen mit Informationen umgehen. In einer Kommentarantwort zu seinem sehr lesenswerten Interview im Kulturmarketingblog schrieb Jörn Borchert: „Alle Schriftstücke müssen meist über mehrere Schreibtische wandern, bis sie versandt werden dürfen. Das macht etwa das Bloggen natürlich etwas schwierig.“

Bei Websites alten Stils mag so etwas noch halbwegs funktionieren. Aber man darf wohl nicht zu sehr auf die sich ändernde Welt draußen eingehen - ich rätsele, ob manch schlechte und veraltete Linksammlung mit solchen Genehmigungsverfahren erklärbar ist. Solche Strukturen begünstigen vermutlich, daß man Zeitungsartikel als qualitätsvolle Referenz ansieht, selbst wenn sie wie vom eigenen Museum in die Feder diktiert oder aus seinen Pressemitteilungen zusammengebastelt wirken. Möglicherweise kann man am Jahresende nur Erwähnungen in den klassischen Medien nach oben weiterreichen. Wenn Zeitungen in ihren Online-Versionen oft nicht einmal Links auf das Museum angeben, ist das dann egal. Und die Aktivitäten irgendwelcher Unbekannter stören höchstens. Wäre zumindest ein Erklärungsmodell für Stephan Gröschlers enttäuschende Erfahrungen mit Museen. Der Kommentar von Thomas Gampfer überrascht mich nicht: „Wie allgemein bekannt, sind die Grenzen im www von seriös und dubios schlecht einzuschätzen. Aus diesem Grund stehen solche öffentlichen Einrichtungen Websites und den Menschen dahinter erst einmal mit natürlicher Skepsis gegenüber.“ Die Erfahrungen von Stephan allerdings überraschen mich schon eher - ich hätte nicht gedacht, daß es noch so schlimm ist.

Jedenfalls würde ich hier den eigentlichen Knackpunkt sehen, nicht bei der Technik. Dieser Knackpunkt wäre etwas Größeres, aber man könnte ja mal anfangen zu lernen. Übrigens war ich bei meiner Beantwortung von Stephans Kommentar zu meinem Blogsoftware-Eintrag etwas zu flapsig bei der „Refinanzierung“ meiner Aktivitäten: neben dem Spaß an der Sache sollte auch der praktische Erfahrungsgewinn zu einem Rückfluß beitragen (und neben diesen beiden großen Gründen vielleicht noch ein paar Gründe mehr). Also ich versuche hier auch zu lernen, und das war schon beim Start vor drei Jahren so gedacht.

Bei der Technik neige ich, wie in meinem Eintrag zu meiner Blogsoftware deutlich wurde, zu einer eigenen Domain mit einer eigenen Installation eines Content-Management-Systems. Das würde ich auch für ein Museum ideal finden. Es geht darum, sowohl die Webseiten der klassischen Homepage als auch den Blog auf einer Website unterzubringen. Blog und eigentliche Museums-Website gemeinsam zu realisieren würde ich u.a. wegen dem hohen Marketingaufwand für sinnvoll halten. Den hatte ich schon erwähnt, und im Fall von Museumsblogs wären das ja keine Hobbyblogs mehr, die müßten beworben werden. Mit Niederlassungen des Museums bei Twitter, Google+ und Facebook zwecks Bekanntmachen, Rückmeldungen einsammeln, „Awareness“ und so. Von dort lenkt man alles auf seine Museumswebsite mit Blog und die steht auch auf der Visitenkarte und auf dem Ausstellungsplakat.

Daß das Universalmuseum Joanneum jetzt auch bloggt finde ich demnach zwar ganz toll. Bei der B-Note hätte ich aber herumzumeckern, daß das Joanneum dieselbe Blogsoftware wie ich verwendet und als Adresse die von blogspot.com beibehält.

Die Blogsoftware sollte mehrere Autoren ermöglichen, auf Gründe bin ich schon eingegangen (Aufwandsteilung, Abdeckung). Es ermöglicht auch die Profilierung einzelner Autorinnen und Autoren, die halte ich sinnvoll und gut für den Blog und das Museum. Michael Müller erwähnt die Möglichkeit die Blogsoftware Wordpress „nahtlos in die Website des Museums einzubinden, auch wenn diese mit einem anderen CMS betrieben wird“. Mit solchen Optionen könnte man getrennte Anforderungslisten für Blogsoftware und CMS machen und die dann zusammenstöpseln. Wobei der „Marktführer“ Wordpress ja mehrere Vorteile bietet, u.a. daß dort zügig neue Entwicklungen realisiert werden (ich warte ja noch immer auf die Trackbacks bei Blogger.com). Der Nachteil wäre, daß irgendjemand zwei Softwaresysteme beherrschen muß. Das wäre auch ein Grund, generell nicht auf zuvielen Hochzeiten mittanzen zu wollen. Bei Beratern ist die Situation anders, die sollten ja die Systeme kennen, über die sie reden.

Hinsichtlich den CMS-Fähigkeiten wäre zu prüfen, ob das Museum ein Forum betreiben will. Wie schon im anderen Blogeintrag erwähnt, ist die Blogsoftware Wordpress in die CMS-Klasse reingewachsen, während es CMS gibt, die eher von der Forums-Ecke kommen und denen dann Blogsoftware angewachsen ist. (Ist das bei Drupal so? Rätsele gerade über die Vor-/Nachteile von Wordpress + Drupal wenn man Blogs mit mehreren Autoren und ein Forum betreiben will.)
Eventuell wäre aber für Foren wegen der notwendigen „kritischen Masse“ ein vom Museum unterstütztes Museumsportal der geeignetere Ort. Ein Museumsportal würde sich übrigens sehr gut mit Museumsblogs vertragen. Es könnte Anrisstexte der jüngsten Einträge seiner Museen auf seiner Startseite zeigen, das würde für mehr Leben im Museumsportal und vermutlich auch für mehr Besucher sorgen.

Die von mir skizzierte technische Aufstellung klingt für mich plausibel und wird oft angewandt. Es könnte natürlich schon besseres geben. Wie gesagt würde ich aber die Überarbeitung der inneren Museumsstrukturen für wichtiger halten. Reaktionsfähigkeit auf Anfragen von außen, Wertschätzung von substanzvollen Äußerungen über das Museum im Web usf. Zwischen diesen Erkenntnissen über optimierbare Strukturen und Verfahren und der technischen Aufstellung müßte es dann ein Konzept geben, in dem gewisse Dinge als wünschenswert festgelegt werden. Bspw. jeder der Lust hat und zum Museum gehört darf bloggen, muß aber bestimmte Richtlinien einhalten, jeder der eine Ausstellung gestaltet muß ein paar Einträge darüber bloggen, Werbeaktivitäten sollten möglichst nachhaltig sein, ein Forum wäre für dies oder das nicht schlecht usw., und via dieser konzeptuellen Ebene wäre dann die technische Umsetzung zu bewerten und anzupassen.

Samstag, 10. Dezember 2011

Das Memoro-Projekt

Laut der deutschen Projekt-Beschreibung ist „Memoro - Die Bank der Erinnerungen“ ein Non-Profit-Projekt, das sich der Sammlung von „Video- und Audioclips über Lebenserfahrungen und Erzählungen der Menschen widmet, die vor 1950 geboren sind.“ Damit man sich mehr darunter vorstellen kann, sollte man sich über die Startseite ein Video aussuchen und auch auf der Presse-Seite vorbeisehen. Hier empfehle ich zumindest den Mitschnitt eines Interviews im Deutschlandfunk mit Nikolai Schulz von Memoro Deutschland vom 12.11.2011.

Das Memoro-Projekt mit seinen vielen Zeitzeugenberichten liegt zwar wieder außerhalb meines Horizonts graue Vorzeit bis Spätantike. Aber zum einen hatte ich das Gefühl, daß so etwas im Umfeld von Mitmachweb und Internetökonomie einfach kommen mußte, und wollte das Projekt als beispielhaft erwähnen. Zum anderen lesen hier viele allgemein Geschichtsinteressierte mit und München ist überproportional in den Erinnerungen vertreten - es lohnt sich also ganz besonders zu stöbern. Das Projekt ist zwar international und ursprünglich in Italien entstanden, aber durch den deutschen Vertreter Nikolai Schulz dürfte München hierzulande etwas im Vorteil sein.

Zur Internetökonomie, da hatte ich ja einmal länger den „Long Tail“ in einem Blog-Eintrag („Filme, Filmchen, Videos“) verarbeitet. Grundgedanken sind, daß die Kosten von Bereithaltung und Verteilung gegen Null gehen und die Beschränkung auf eine lokale Kundschaft entfällt. Nikolai Schulz erwähnt dieses weltweite Interesse an seinen Videos in einem der Interviews. Also vermutlich Deutsch verstehende Bewohner ferner Länder, die an diesen Erinnerungen interessiert sind.

Um diese Produkte/Videos zu finden, sind nach Chris Andersons Buch über den „Long Tail“ Filter notwendig. Ein Filter in fernen Ländern wäre etwa ein deutschsprachiges Auswanderermagazin, das auf Memoro hinweist. Oder hierzulande in einer Seniorenwohnanlage Internetkurse gebende Studenten. Die wichtigsten Filter werden wohl Suchmaschinen sein, misst man nach den mit Abstand meisten zugeführten Besuchern. Und nachdem Google noch keinen gesprochenen Text durchsuchbar macht, ist es sinnvoll die Video-Beiträge zu verschlagworten und kleine Zusammenfassungen zu machen. Daß Nikolai Schulz das zu seinen Videos macht, erwähnt er im jüngsten Deutschlandfunk-Mitschnitt.

Das Übersetzungsproblem bleibt. Wir sind z.B. in Sizilien überall auf Gastarbeiter-Geschichten gestoßen. Die waren so vielgestaltig, daß man nicht glauben mag, daß sie von Geschichtswissenschaftlern in Büchern fassbar sind. Die Erinnerungen wären sicher hinsichtlich der von Nikolai Schulz erwähnten Firmengeschichten interessant. Es gibt aber eine Unzahl anderer Kombinationen - ein Aufseher in einem archäologischen Park erzählte uns davon, daß er lange in Rüdesheim gearbeitet hat, das könnte doch für viele Rüdesheim-Touristen interessant sein. Aber vielleicht muß man beim Übersetzungsproblem nur noch wenige Jahre warten. Die Spracherkennung scheint ja ebenfalls Riesenfortschritte zu machen, siehe neues iPhone. Vielleicht kommt bald ein Schlagzeile, daß Google auch den gesprochenen Text in Videos indizieren kann - Weltuntergangsstimmung in Deutschland, die dürfen sowas Schlimmes doch nicht machen - und irgendwann geht bei einfachen Sprechsituationen wie in den Memoro-Erinnerungen ein Zuschalten von automatischen Übersetzungen, die dann als Untertitel mitlaufen.

Im Interview erzählt Nikolai Schulz auch von seinen Schwierigkeiten, Leute zum mitmachen zu bewegen. Mitmachweb darf man sich also nicht so vorstellen, daß die Mitmachwoller kaum einzudämmen sind. Ich tippe zum Beispiel auf eine niedrige dreistellige Zahl von Zugriffen auf meinen Blog pro Kommentar und vermute, daß das „um Sonderfaktoren bereinigt“ bei anderen Blogs ähnlich ist. Ein mit mehr Aufwand als ein Kommentar gemachter Blog-Eintrag ist schwerer im Mitmachweb zu bekommen, ein Tweet bei Twitter ist schneller gemacht und wäre billiger zu haben. So eine nach Aufwand abgestufte Neigung den Hintern hoch zu bekommen ist in der Welt außerhalb des Mitmachswebs natürlich genauso zu beobachten - auf die 1.192 jährlichen Besucher des Archäologischen Museums der Oberpfalz in Amberg (Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung) werden ein paar tausend mehr kommen, die sich nur überlegt haben das Museum zu besuchen. Ich würde auch vermuten, daß mehr als die 1.192 versucht haben, sich im Internet über das Museum zu informieren.

Wie bewegt man also die Leute dazu mitzumachen? Nikolai Schulz hat sie einfach auf der Straße gefragt. Stephan Gröschler macht jetzt eine Weihnachtsverlosung dreier Kalender. Das ist ein sehr gutes Angebot, er betreibt die Fotografie deutlich ambitionierter als wir. Er hat mir erzählt, daß er schon vor Sonnenaufgang zu bestimmten Stellen gefahren ist, um sie in der aufgehenden Sonne fotografieren zu können. Da setzen wir mehr auf Mitnahmeeffekte, also wenn zufällig gerade die Sonne aufgeht, wenn wir nach Frühstück etc. hinkommen, dann fotografieren wir das natürlich auch.

Museumsseitig war auch der Weihnachts-Tweetup vor drei Tagen ein sehr gutes Angebot. Für ein paar Tweets mit den Fachleuten unterwegs sein dürfen, wo kriegt man das sonst noch? In wenigen Jahren, wenn noch mehr mit Smartphones unterwegs sind, wird man das billiger bekommen wollen. Daß man im Museum zwar fotografieren, die Bilder aber nicht in das Internet einstellen darf, wird passé sein. Stattdessen machen die Museen Fotowettbewerbe und bitten ihre Besucher auf ihren Webseiten für Mobilgeräte und auf den Museums-Apps darum, mit Bildern versehene Kommentare in die Sozialen Netze zu stellen.

Abschließend ein Hinweis auf eine Besprechung des Films „Krieg der Götter“ durch Florian Machl bei Huscarl.at. Ich hatte den Film im Blog-Eintrag „Höhlenkunst“ erwähnt. Der Film läuft derzeit in München noch in drei Kinos, wie ich bei artechock sehe.

Und auf den schönen Text von Sam in ihrem Cantharis-Blog. Sie schreibt über den Besuch von Überresten früheren menschlichen Zusammenlebens auf andere Weise, als ich das machen könnte. Bei mir dürfte wohl stärker das Praktische zwischen den Zeilen durchscheinen. Im BayernViewer-denkmal sichten, was da ist, Fotoapparat und Vesper einpacken. „Disteln und das Brombeergestrüpp“? Gut, die Stiefel und die Hosen mit dem festeren Stoff brauche ich auch noch. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit ist es doch viel schöner, stattdessen einen besinnlicheren Text zu lesen. Aber nächstes Jahr geht es wieder los, da brechen wir wieder durch das Unterholz, hmm?

Freitag, 2. Dezember 2011

Weihnachts-Tweetup am 07.12.2011

Am nächsten Mittwoch findet gleichzeitig in München in der Krippensammlung des Bayerischen Nationalmuseums, in Mindelheim im Schwäbischen Krippenmuseum, in der Werkstatt eines Krippenschnitzers, einer Kirche und von einem Weihnachtsmarkt ein Weihnachts-Tweetup statt. Näheres ist beim „aufbruch. museen und web 2.0“ zu finden. Zu den Veranstaltungen in den Museen ist alles klar, Infos zu Krippenschnitzer, Kirche und Weihnachtsmarkt folgen noch.

Bei einem Tweetup treffen sich Twitterer zum gemeinschaftlichen Twittern. Eingeladen ist, wer ein twitterfähiges Smartphone mitbringt und einen Account bei Twitter hat. Das twitterfähige Smartphone habe ich nicht, also bin ich außen vor. Ich hätte es mir auch stressig vorgestellt, wie im Falle des letzten Tweetups in der Münchner Residenz eine Stunde lang die Residenz zu besichtigen, aufmerksam der Führung zu folgen und gleichzeitig noch zu versuchen geistvolle Kurzmeldungen über Twitter abzugeben. Aber diesen Ängsten hat Tanja Praske im Residenz-Blog widersprochen: „Massives und hoch konzentriertes Multitasking“ war zwar gefragt, es ist aber doch wohl überraschend viel zustande gekommen. In seinem Blog Iliou Melathron schreibt Dr. Christian Gries abstrahierender über das Geschehen in der Residenz. Er transzendiert es sogar etwas - „zwingen aber zur Konzentration, fast Kontemplation“, leuchtende Residenz, das erste Licht König Ludwigs I. - da bedauert man es geradezu nicht dabei gewesen zu sein. Einen ausführlichen Artikel über die Hintergründe des Museumsgezwitschers gibt es zudem noch in den FilmNewsBayern (Seite 6 der pdf-Datei).

Wie bei „aufbruch. museen und web 2.0“ angegeben, sind die Spielregeln beim Tweetup am nächsten Mittwoch etwas geändert. Im Fokus steht nicht das Museum, sondern eine „Weihnachtsgeschichte“, und in der Münchner Krippensammlung läuft man ohne Führung herum. Diese Krippensammlung ist ein echtes Highlight in München und im Bayerischen Nationalmuseum. Und wer selbst nicht so auf Krippen steht, muß die Sammlung natürlich trotzdem für seine passend interessierten München-Besucher kennen.

Ich halte die Tweetup-Idee für ganz gut. Ich könnte mir aber vorstellen, daß es für ihren Erfolg wichtig ist, daß auch genug Leute kommen, die nicht aus der Szene Museumsmitarbeiter/Dienstleister für Museen stammen. Also wer da Interesse hat, aber wackelig ist, möge sich einen Ruck geben und hingehen. In München verträgt sich das Twittern im Nationalmuseum (13 – 14.00 Uhr) übrigens glänzend mit der im letzten Blog-Eintrag erwähnten öffentlichen Führung über die Grabungsfläche am Marienhof um 15 Uhr. Bei der Führung könnte man gleich weitertwittern!