Montag, 30. Januar 2012

Zu meiner Blogsoftware

Als ich die Links meines Blog-Eintrags „Keltenjahr 2012“ mit dem Internet Explorer ausprobiert habe, ist er mir auf den Seiten mit den Heuneburg-Einträgen „eingefroren“. Beim Zugriff auf die Seiten tat sich nichts mehr. Um es kurz zu machen: es lag an den Kommentaren. Die Heuneburg-Einträge hatten welche, die anderen verlinkten Einträge von mir nicht. Es war glücklicherweise schnell zu finden und schnell mit einer Änderung an der Kommentar-Anzeige zu beheben. Aber: ich habe vorher nicht an den Einstellungen herumgespielt. Und ich habe ein paar Tage zuvor dieses Editorial der c't 1/12 gelesen.

Unter dem Titel „Ungleiches Rennen“ geht es um die Konkurrenz der Browser, und in dem Editorial wird ein systematisches Aussperren des Opera-Browsers von neuen Google-Diensten behauptet. Ich habe mich beim Lesen nicht so betroffen gefühlt, ich verwende mit blogger.com zwar einen Google-Dienst zum Bloggen, aber dazu keinen Opera-Browser. Heiß wurde es mir erst durch den Vorfall vorletzte Woche - zum Lesen des Blogs sollte man nicht unbedingt einen Google-genehmen Browser benötigen.

Ich hoffe, daß mein Problemchen ein kleiner Warnschuß bleibt und kein Vorspiel für ein permanentes großes Browser-Problem ist. Ich will aber trotzdem die Gelegenheit nutzen und etwas zur Auswahl meiner Blogsoftware schreiben. Das war kein Ergebnis sorgsamer Evaluation. Eigentlich wäre etwas Größeres notwendig gewesen, als Blogger.com zu bieten hatte (wenn es ganz schnell ganz viele Keltenschanzen-Besuche geworden wären und ich dringend Übersichtsseiten und Übersichtskarten gebraucht hätte, oder wenn sich dauernd Gastblogger beworben hätten u.ä.). Aber für den Anfang reichte die Blogger.com-Klasse, und in der Klasse ist Blogger.com in demselben Sinne ein sehr gutes Angebot gewesen, so wie mancher von uns den Email-Dienst von Google ausgewählt. Beim Email-Dienst wäre das Argument vielleicht das besseres Angebot als die Alternativen, und die Werbung fliegt einem auch nicht so um die Ohren. Beim Blogger-Dienst war der Vorteil, daß man gleich loslegen konnte. Es gab keine Sorgen wegen dem Speicherplatz für die Bilder, der Dienst war immer erreichbar, die Blog-Einträge nie verschwunden. Ich muß mir keine Sorgen um Software-Updates machen.

Von der Mächtigkeit und den Erweiterungsmöglichkeiten her hätte ich seinerzeit Content Management Systeme (CMS) mit Blogerweiterung oben hin gesetzt, dann käme die Wordpress-Klasse auf eigenem Webspace und dann die gehosteten Systeme der Blogger.com-Klasse. Mittlerweile dürfte die ursprüngliche Blogsoftware Wordpress mit ihren Erweiterungen noch weiter in die CMS-Klasse hineingewachsen sein, als sie vor drei Jahren schon war. Zudem kommen laufend leichtgewichtigere Dienste unterhalb der Blogger.com-Klasse dazu, die sich je nach Veröffentlichungsprojekt auch eignen würden. Das Anfangen ist sehr einfach, nur die Sichtbarkeit fehlt.

Übrigens, wenn jemand loslegt und das Projekt zu meinem Themenspektrum passt, kann sie oder er mir gerne mailen und ich baue irgendwann einen Hinweis bei mir ein. Zwischenzeitlich hatte ich mal ein besseres Selbstbewußtsein, was meinen Überblick angeht. Derzeit denke ich, man kann sehr gut im Web untergehen, wenn man keine Werbung für sein Projekt macht. Bei der Suche nach „Keltenschanzen“ findet Google gerade 57.700 Ergebnisse, da braucht es schon einen Extra-Hinweis, um gesehen zu werden.

Zurück zu Blogger.com: Einen großen Denkfehler habe ich gemacht, und da muß ich dem Editorial widersprechen. Ich glaube statt diesem „Ingenieurstraum, dass sich die richtigen Ideen von alleine durchsetzen werden“ gab es schon früher einen Knick in die Richtung „Club“. Als Manko der Blogger.com-Software habe ich die fehlenden Trackback-Möglichkeiten angesehen. Trackbacks wären ganz gut um anhand der Kommentare sehen zu können, wer sich auf meine Blog-Einträge bezogen hat. Das sieht man bei mir nicht. Umgekehrt muß ich manuell versuchen, Trackbacks auf andere Blogs zu setzen, was je nach Einstellung und Blogsoftware oft nicht funktioniert. Ich war überzeugt, Google wird da über die Zeit aufschließen („Ingenieurstraum“), es tat sich aber nichts. Ich glaube in der ersten Hälfte 2010 habe ich dann Artikel im Sinne Facebook (also ein „Club“) als Bedrohung für Google gelesen, ab da habe ich das Manko im Sinne der Konkurrenz zwischen „Clubs“ interpretiert. Denn die Mehrzahl der Blogger verwendet eine andere Blogsoftware als die von Google, die Unterstützung der Vernetzung der Blogosphäre würde aus dem Google-Club herausführen.

Bei dieser Gelegenheit auch etwas zu Blog-Zugriffsstatistiken und zu Google Analytics - den Punkt fand mein bei den Kykladen in Karlsruhe erwähnter Freund interessant. Nein, ich kann nicht sehen, ob aus dem Raum Karlsruhe überhaupt Zugriffe kommen. Ich wollte Google Analytics installieren, das habe ich vor mir hergeschoben, und irgendwann hat Google seiner Blogger-Blogsoftware Zugriffsstatistiken spendiert. Die sind verglichen mit den in die Kritik geratenen Möglichkeiten von Analytics sehr rudimentär. Ich rätsele etwas bei den Zahlen herum - Gesamtzugriffe und Zugriffe auf einzelne Posts - aber ich komme derzeit einigermaßen damit hin. Wem das noch unbekannt ist, daß die da gucken wer auf ihre Website zugreift - das kommt in den besten Kreisen vor, gerade ist was vom Informationsdienst Wissenschaft über die Zugriffe auf die Archäologische Objektdatenbank Arachne durchgetickert. Je ernsthafter der Einsatz für eine Website ist, desto wichtiger sind auch die Zugriffsstatistiken (Optimierung des Angebots, Erfolgsnachweis für Geldgeber oder Werbepartner etc.), und bei dieser Software glänzt dann Google genau wie bei der Blogsoftware und dem Email-Dienst mit einem guten kostenlosen Angebot.

Ein Problem des Analytics-Einsatz ist die im verlinkten Wikipedia-Artikel erwähnte potentiell mögliche Verfolgbarkeit der Zugriffe einer bestimmten Person über verschiedene Analytics nutzende Websites hinweg, wobei die Person beim Anmelden an einen Google-Dienst auch noch genauer identifizierbar ist. Diese potentielle Möglichkeit der Datenzusammenführung wäre natürlich auch schon gegeben, wenn man auf einen von Google gehosteten Blog zugreift. Das wäre sozusagen eine Möglichkeit „von unten“, bspw. über die IP-Adresse. Die jetzt vorgesehene, hier von Martin Mißfeldt im tagSeoBlog behandelte Änderung der Google-Datenschutzbestimmungen ist etwas anderes, nämlich eine Zusammenführung der Daten „von oben“, also ausgehend von einer Anmeldung an einen Google-Dienst würden die Daten dieses Dienstes mit den weiteren genutzten Google-Diensten zusammengeführt. Diese offizielle Datenzusammenführung würde nach meinem Verständnis wesentlich weniger Daten zusammenführen als es potentiell möglich ist.

Das größere Analytics-Gedöns ist ja jetzt schon eine Zeitlang her. Damals ist mir dazu eine Menge eingefallen, u.a. meine alte Tante, die in den 90ern die Lösungen von Kreuzworträtseln in Apotheker-, Metzger-Heft und Frauenzeitschrift eingesandt und sich über unerwünschte Werbepost und -Anrufe gewundert hat. Die aktuelle Änderung der Datenschutzbestimmungen begleitet Google dagegen mit folgender Zusicherung: „Ihre persönlichen Daten werden weder von uns verkauft, noch (abgesehen von seltenen Ausnahmefällen wie wirksamen rechtlichen Anfragen) ohne Ihre Genehmigung weitergegeben.“ Die Sache ist natürlich trotzdem ziemlich heiß wegen den vielen Diensten von Google und den viel mehr in die Privatsphäre gehenden Daten, an die Google mittlerweile via Google+ und Android-Smartphones heran kommt.

Das Image der Politik ist hinsichtlich der Internetkompetenz nicht so besonders, siehe die Broschüre „Wie das Internet funktioniert“ von der Digitalen Gesellschaft. Diese Imageprobleme gehen jetzt in die zweite Generation, manche erinnern sich noch an das Modem-Monopol der Deutschen Bundespost (Geschichte des Modems in der Wikipedia). Den Druck auf unsere Politiker durch die Neuerungen von der anderen Seite des großen Teichs finde ich da ganz gut. Mit eigenen Mitteln bin ich sehr sehr skeptisch, wann wir zu so einem Stand wie jetzt gekommen wären. Wobei ich an den deutschen oder europäischen Ingenieuren nicht zweifle. Aber es gibt ja soviele Clubs, deren Interessen gewahrt bleiben müssen.

Ich freue mich also über die Dynamik, die mir unter dem Strich viel gebracht hat. Irgendwas bleibt da aber noch. Ich will mal ein wildes Szenario beschreiben: etwa die Vorstellung, daß das Programmieren irgendwann bspw. durch (ggf. triviale) Softwarepatente - siehe hier die Warnung von Richard Stallman vor dem EU-Einheitspatenten - zum Minenfeld wird. Gleichzeitig wird kontrolliert, was wir auf unseren Rechnern installieren - hier dazu Dr. Oliver Diedrich über UEFI Secure Boot. Dann könnten vielleicht ohne weitere Prüfungen und Beglaubigungen nur Programme aus sauberer Quelle zugelassen werden, also etwa von Firmen mit vielen Patenten und Patentabkommen mit anderen Firmen mit vielen Patenten. Man kann in die Artikel reinsehen und sich andere Dinge ausdenken. Aber unter dem Aspekt hätte es was, eine freie, von einer Community realisierte Blogsoftware zu verwenden, um mehr beteiligt zu sein und solche Entwicklungen immer hautnah mitzubekommen.

Kommentare:

Stephan hat gesagt…

Jürgen, wir hatten (u.a.) dieses Thema bereits. Ich bin der Meinung, dass Du auf Zeitspringer einen ganzen tollen Job machst, der Beachtung verdient hätte. Aber nur wirklich gute und ausführlich Artikel schreiben, reicht einfach nicht mehr. Ich war früher auch der Meinung, dass sich qualitativer Content einfach durchsetzt, aber ich relativiere meine Meinung etwas. Ja, guter Content wird sich immer durchsetzen, aber nur wann. Wer einen Blog betreibt, muss nicht nur gut schreiben können, sondern ihn auch vermarkten können - eben Web 2.0. Dazu gehört neben Twitter, Facebook, Google+ natürlich auch Digg, StumbleUpOn und ein Newsletter (z.B. via Mailchimp).

Ich schreibe und fotografiere einiges, aber in den letzten Monaten habe ich mich sehr mit der Verbreitung meiner Inhalte beschäftigt. Ich bin erstaunt, welche Stellschrauebn man hat, bekannter und populärer zu werden - was Du ohne Frage auch verdient hättest!! Dabei muss nicht unbedingt ein hoher Google Page Rank das Maß der Dinge sein, sondern das, was bei der Arbeit herauskommt. Ich habe mittlerweile gute Kontakte zum Naturpark Altmühltal, dem Archäologiepark Altmühltal und arbeite mit Ihnen zusammen; ich bekomme Anfragen aus dem Ausland wegen meiner Bilder und der Bitte auf Zusammenarbeit. Das bringt Dir nicht unbedingt mehr Besucher, aber Du wirst gut vernetzt und machst Dir einen Namen. Und das ist bei unserer klar umrissenen Zielgruppe ein aus meiner Sicht sehr erstrebenswertes Ziel.

Ich mache Dir noch mal das Angebot, Dir bei Portierung von Blogger auf einen eigenen Blog zu helfen. Das bringt einfach mehr, weil Du Dein eigener Herr bist. Du kannst die Seite und Funktionen nach Deinen eigenen Wünschen gestalten und dank professionellen Trackings (Piwik, Analytics) auch perfekt controllen.

Treffen wir uns bald mal wieder und ich erläutere Dir das gerne ausführlicher!

LG,
Stephan

Jürgen hat gesagt…

@Stephan

Vielen Dank für Dein Angebot und Deine ergänzenden Hinweise, was hinsichtlich Werbung zum eigentlichen Bloggen hinzukommen könnte/sollte!

Bei meiner Werbung habe ich Facebook und Google+ schleifen lassen, die ist wirklich nicht mehr State of the Art. Hinsichtlich der Blogsoftware war der Text aber nicht als ein "Holt mich hier raus!" gedacht, sondern mehr als "es ist nicht alles eitel Sonnenschein". Eine Mitteilung meiner gegenwärtigen Befindlichkeit.

Aber wenn man eins und eins zusammenzählt, läuft es schon irgendwann auf einen Umzug hinaus. Wegen dem Aufwand müßte sich das aber irgendwie refinanzieren, also in meinem Fall Spaß machen, also warte ich bis ich Lust habe mit nem entsprechenden CMS entsprechend zu spielen. Bei technischen Teil helfen lassen will ich mir da nicht. Es wäre aber schon interessant, was Du dazu meinst, wenn ich mal ein Umzugskonzept habe.

Zu den Stichworten für die Mitleser noch in Langfassung: ich habe mir mal vor 20 Jahren notiert, daß 50% der Ausgaben für Kinofilme auf die Werbung entfallen. Mittlerweile sollten die Werte für die Werbung deutlich höher sein. Solche Verhältnisse wird aber kaum noch einer notieren, sondern sie sind via minimalen Herstellkosten für Turnschuhe, Textilien etc. mit riesigen Werbetats allgemein bekannt.

Sollte man also mindestens zwei Tage Werbung machen, wenn man ein Wochenende lang an einem Blog-Eintrag gebastelt hat? Es liegt nahe, macht aber vermutlich kaum jemand. Eher machen viele nahezu nichts. Ich könnte mir vorstellen, daß es so eine qualitative Komponente hat. Also bspw. statt nicht so besonders großem Interesse im engen Umkreis findet man via Internet ein ggf. kleines, aber sehr interessiertes Publikum, dem man seine Sachen vorstellt, und das reicht.

Anderseits, wenn man schon mehr in Werbung investiert hat - und ich habe mich ja in Blogverzeichnisse eingetragen, Niederlassungen in Twitter und Bookmarkdiensten gegründet - dann sollte man diese Aktivitäten auch aktuell halten. Ist schon richtig. Ächz.

Jo, das Aufwandsproblem. Was ich so mit den "Gastautoren" in den Text reingejubelt habe: eine Sache ist die, daß selbst eine mittelprächtig beworbene Plattform wie meine verhältnismäßig schwer zu bespielen ist. Eigentlich sollte man dann kontinuierlich Blog-Einträge bringen und keine großen Lücken entstehen lassen. Die Abdeckung von Themen könnte größer sein. Ein bekannterer Blog böte Autorinnen und Autoren eine Möglichkeit, für die die Bekanntheit wichtig ist, die aber nicht selbst Werbung oder kontinuierliche Beiträge für einen eigenen Blog machen wollen.

Schließlich noch die Anmerkung, daß auch andere Aufwände anfallen. Bspw. habe ich einige Zeit damit verbracht mir Texte über Rechtsfragen durchzulesen. Ich halte die manchmal unverhältnismäßig hoch wirkenden Internet-Rechtsrisiken für einen Treibanker der Entwicklung. Wenn es die nicht gäbe, wäre aus meiner Sicht schon viel mehr viel schneller in das Internet abgewandert.

Und noch zu Stephan: sei nicht so selbstlos, nachher sind Deine bisherigen Aktivitäten schon das Zünglein an der Waage und ich habe nen höheren Pagerank als Du (wobei der wirklich nicht soviel aussagt). Und treffen tue ich mich sehr gerne mit Dir, werde mich aber vorher noch etwas in die Werbung reinhängen müssen, sonst ziehst Du mir nur die Ohren lang!

Viele Grüße

Jürgen