Donnerstag, 27. Februar 2025

Die westliche Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Informationstafel Oberhachinger Römerstraße

Die westliche Römerstraßenrampe aus dem Gleißental hatte ich im letzten Blogeintrag über den etwa 100 Meter vom Rampenzugang im Gleißental entfernten Nagelfluh-Steinbruch schon eingeführt.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Zum einen zitierte ich von der Informationstafel beim Steinbruch den Hinweis auf die mittelalterliche Nutzung der Rampe für den Gesteinsabtransport. Zum anderen wollte ich das Steinbruch-Interesse etwas durch den Hinweis motivieren, daß die Informationstafel zur Rampe wie auf dem ersten Bild zu sehen ist eher untergeordnet auf die Gleißental-Gegebenheiten eingeht und unter der Überschrift „Die Oberhachinger Römerstraße“ mehr allgemein die Römerstraße behandelt. Schließlich habe ich zum so motivierten Paket Steinbruch und Rampe die nahe Keltenschanze im Laufzorner Holz dazugepackt. Sie ist nicht weit von der Rampe entfernt und die Römerstraße führte im weiteren Verlauf an ihr vorbei und das Schummerungsbild/Geländerelief des BayernAtlasses zeigt in dem Bereich Materialentnahmegruben an, nach denen man suchen kann. Die drei Ziele wären wegen der Nähe des Bahnhofs Oberhaching-Deisenhofen auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Die Sache ist allerdings leicht fieselig. Für die Materialentnahmegruben muß man sich mit dem BayernAtlas vorbereiten oder vor Ort auf ihn zugreifen. Der Zugang zur Rampe ist im Tal eher nicht direkt sichtbar. Als ich letzten November dort war, gab es nur einen auf einen noch grünen Vorhang zulaufenden deutlich ausgeprägten Fußpfad. Schwierig zu finden ist der Zugang nicht, wenn man weiß, daß da einer sein muß. Wenn man durch das Gleißental aus Richtung Deisenhofen/Oberhaching kommt, geht kurz nach dem erwähnten Fußpfad auch ein Schotterweg nach rechts ab, der als Fahrweg das Gleißental hochführt.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Man kann auch an dem Zugang zur Rampe oben vorbeilaufen. Das liegt an einem Parallelweg, von dem man erst etwas nebenraus gehen muß um den unscheinbaren Zugang zur Rampe auf dem sechsten Bild genauer ansehen zu können. Ist auch kein Problem, wenn man weiß, daß sich hier eine Rampe befindet. Die Informationstafeln zur Rampe stehen nicht direkt an der Rampe, sondern am Parallelweg und da auf der von Rampe abgewandten Seite, man hat also die Rampe beim Lesen im Rücken. Dieser Parallelweg führt erst weiter parallel zur Rampe oben am Gleißental entlang und dann via einem Feldweg zur Jägerstraße in Oberhaching-Deisenhofen. Meine BayernAtlas-Markierung habe ich versucht in den Bereich der Tafeln zu setzen.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Fotografiert hatte ich die Bilder 2 bis 5 in Richtung meines Weges als ich das Fahrrad letztes Jahr die Rampe hochgeschoben habe. Nur das letzte Foto war ein Blick zurück. Auf der Rampen-Informationstafel wird wegen der schmalen Sohle und erkennbaren „Geleisen“ spekuliert, ob die ursprüngliche Römerstraße hier nicht breiter war und die Geleisspuren nicht erst durch den Gebrauch im Mittelalter entstanden sind. Über Hohlwege allgemein gibt es ganz tolle Informationen in Lucydas Plejadium „Was ist ein Hohlweg und warum sind Hohlwege interessant?“.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Freitag, 24. Januar 2025

Der Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Via öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental wegen dem Oberhachinger Bahnhof Deisenhofen aus dem Großraum München sehr gut erreichbar. Eine einfache Lösung ist, sich vom Bahnhof aus noch ein Stück an der Bahnlinie zu halten und sich dann via der Stefanienstraße in Richtung Südwesten zu bewegen und an dem Straßenende den folgenden Waldweg hinunter in das Gleißental zu gehen. Folgt man im Tal diesem Weg immer weiter, kommt man bald an dem auf dem ersten Foto zu sehenden Eingang zum Steinbruch vorbei. Ähnlich günstig zum Bahnhof liegt auch die von mir drei Tage zuvor besuchte Keltenschanze im Laufzorner Holz . In der Keltenschanze hatte ich einen Keltenschanzenfan angetroffen, der zu Fuß vom Bahnhof gekommen war. Unsere längere Unterhaltung makulierte unsere Zeitkalkulationen, sonst wäre ich noch (mit dem Fahrrad) zum Römerstraßenaufstieg aus dem Gleißental weiter. Dessen Zugang im Tal liegt sehr nahe beim Nagelfluh-Steinbruch.

Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Die drei Ziele wären in mehrfacher Hinsicht eine gute Kombination und ich werde deshalb noch etwas ausführlicher auf meine Strecke eingehen. Wie gesagt passen die Ziele durch die kurzen Entfernungen gut zusammen. Zudem bieten sie in einer sonst meist gleichförmig flachen Gegend ein Tal, einen Steinbruch, einen Hohlweg und eine über 2000 Jahre alte Keltenschanze. Und der Aufstieg aus dem Tal ist nicht so anstrengend. Die Steigung haben auch mittelalterliche Gesteinstransporte und römerzeitliche Fuhrwerke geschafft.

Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Das Wichtigste ist für uns natürlich der inhaltliche Zusammenhang zwischen den drei Zielen und da ist die Informationstafel sehr ergiebig. Sie informiert nicht nur über Besonderheiten dieses Nagelfluh-Steinbruchs, etwa daß sich hier das Räuberlager des Films "Das Wirtshaus im Spessart" befand, sondern auch darüber, daß es ein Dutzend weitere Abbaustellen im Gleißental gab und Nagelfluh-Fragmente in römischen Fundstellen entlang des Hachinger Bachs gefunden wurden. „Im großen Stil fand das Gestein v.a. im Mittelalter in Münchner Großbaustellen Verwendung. ... Der Abtransport erfolgte .. über Karren und Schlitten. Die heute so stark in das Gelände eingeschnittene Geländefurche der westlichen Römerstraßenrampe wurde hierbei sicher wieder genutzt.“ D.h. mit diesem geschichtlichen und archäologischen Hintergrund muß man sich sowohl den Steinbruch als auch die nur ein paar Minuten entfernte „Geländefurche der westlichen Römerstraßenrampe“ ansehen, wenn man an einem von beiden interessiert ist. Und die Römerstraßenrampen-Informationstafel behandelt unter der Überschrift „Die Oberhachinger Römerstraße“ mehr allgemein die Römerstraße und geht eher untergeordnet auf die Gleißental-Gegebenheiten ein. Diese allgemeinen Aussagen zur Römerstraße kann man dann auf dem Weg zur Keltenschanze weiter studieren. Die Römerstraße führte ja ausgehend von an der Römerstraßenrampe direkt an der Keltenschanze vorbei.

Donnerstag, 16. Januar 2025

Der umgestürzte Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Im Münchner Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst befindet sich ein teilweise antiker Obelisk. Eine Replik dieses Obelisken wurde zur Jahresmitte 2024 hin umgestürzt und die zerbrochenen Teile dieser Replik als Kunstinstallation auf die Treppe hinunter zum Eingang des Museums gelegt.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Von dem originalen Obelisken im Ägyptischen Museum ist nur der Mittelteil antik. Wobei dieser Mittelteil nicht einmal zu Zeiten der Alten Ägypter sondern erst unter römischer Herrschaft entstanden ist. Dieser antike Teil wurde lange Zeit nach seiner Entstehung mit einem neuen Fuß und einer neuen Spitze ergänzt. Zudem hatte man den Obelisken mit weiteren Hieroglyphen beschriftet. Die ergänzten Hieroglyphen ergeben keinen Sinn, da zum damaligen Zeitpunkt das Wissen über sie verloren war und man die Hieroglyphen noch nicht wieder übersetzen konnte.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Das Ägyptische Museum informiert auf seiner Webseite „Der umgestürzte Obelisk - Eine Kunstinstallation“ über die Aktion und verlinkt Weiterführendes zum Obelisken. Bei Interesse möge man sich zumindest das pdf mit dem Beitrag „Der umgestürzte Obelisk“ in MAAT 33 durchlesen.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Die späteren Ergänzungen des Obelisken und das Auseinanderbrechen erinnern mich an die Ende der 1960er Jahre von Skulpturen in der wenige Gehminuten entfernten Glyptothek abgenommenen Ergänzungen. Das Vorher-Nachher-Bild vom Apoll Barberini aus dem Wikipedia-Artikel über den Bildhauer Ernst Mayer illustriert sehr gut was vor der Abnahme solcher Ergänzungen zu sehen war und nun ohne die Ergänzung in der Glyptothek zu sehen ist.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Ein anderes Beispiel aus der Glyptothek ist „die sinnlichste Statue der Welt“, der Barberinische Faun. Dem hat man ein hinzugefügtes Bein belassen und andere Teile abgenommen. Man suche bei Interesse nach „Harald Schulze: Die sinnlichste Statue der Welt“ bis man ein zugreifbares pdf mit dem äußerst lesenswerten Artikel findet.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Das Anfügen geschah beim Barberinischen Faun wie beim Obelisken schon durch die italienischen Vorbesitzer. Im Fall des Apolls und bei den Ägineten, den „Kronjuwelen“ der Glyptothek, wurden die Ergänzungen erst nach ihrem Ankauf von Ludwig I in Auftrag gegeben.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Die Münchner Ägineten sind aufgefundene Teile von Giebelskulpturen des Aphaiatempels auf der griechischen Insel Ägina. Ein wesentlicher Teil ihres hohen Wertes ergibt sich dadurch, daß die um 500 v.Chr. in zeitlichem Abstand voneinander entstandenen Skulpturengruppen den Übergang von der griechischen Archaik zur Frühklassik dokumentieren. Jede neugewonnene Information zur ursprünglichen Aufstellung der Skulpturen und deren wahrscheinlichem Aussehen muß daher auf die Goldwaage und die von König Ludwig I in Auftrag gegebenen Ergänzungen waren gegenüber diesen gewonnenen Erkenntnissen nicht mehr zeitgemäß.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

2011 gab es in der Münchner Glyptothek die Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“, bei der man wie früher aufgestellte ergänzte Repliken der Skulpturenfunde der heutigen Äginetenaufstellung gegenüberstellte. Der Begleitband zur damaligen Ausstellung beschäftigt sich detailliert mit den umfangreichen Bemühungen um an Informationen über das Aussehen der Skulpturen und deren tatsächliche Aufstellung zu gelangen und begründet die heutige Lösung.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Während man bei den Ägineten den Gewinn durch die Abnahme der Ergänzungen nachvollziehen kann, wäre die Wirkung des Barberinischen Fauns vermutlich zerstört, wenn man ihm auch noch das ergänzte rechte Bein abnehmen würde. Man hat keine Informationen darüber, wie er tatsächlich ausgesehen hat und in welchem Kontext er aufgestellt war. Mit seinem ergänzten rechten Bein wird er aber vermutlich seinen zahlreichen Fans ein realistischeres Bild seiner früheren Wirkung geben, als wenn man ihm alle Ergänzungen abgenommen hätte.