Freitag, 20. Januar 2012

Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Das Keltenjahr 2012 der Baden-Württemberger sollte ich dazu nützen, endlich meine im September 2008 gemachten Bilder vom keltischen Oppidum Finsterlohr-Burgstall nachzutragen. Das Oppidum wird meist nach den Orten Burgstall oder Finsterlohr benannt, die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V. nennt es im Langtext einer im Rahmen der Keltenjahr-Veranstaltungen stattfindenden Exkursion „Oppidum von Creglingen-Finsterlohr“. Immer mit dabei ist die Bezeichnung „Oppidum“, obwohl gerade das zweifelhaft ist, wenn man unter „Oppidum“ eine befestigte Keltenstadt versteht. Denn im Innenraum des durch Wälle gesicherten Gebiets wurde keine Siedlung gefunden.

Tauber-Brücke bei Tauberscheckenbach, im Hintergrund führt die Straße hoch zum Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Ich habe im Blog-Eintrag über den Kurzbesuch des Oppidums Heidengraben die mögliche Schutzfunktion für das Umland schon erwähnt, bei der wegen des großen Umfangs des Oppidums neben der Bevölkerung auch die Haustiere hätten unterkommen können. Im Falle Finsterlohr-Burgstall hätte das auch sehr gut funktioniert, denn einerseits umfasst das Oppidum ein sehr großes Gebiet - die Gesellschaft für Archäologie gibt in ihrem Text 112 ha an - anderseits ist es an den meisten Stellen durch stark abfallendes Gelände geschützt. An einer Längs- und einer Schmalseite durch das Taubertal, an den beiden anderen Seiten teilweise durch Bachtäler.

Reste des Keltenwalls und rekonstruierte keltische Pfostenschlitzmauer

Das erste Bild ist im Taubertal bei Tauberscheckenbach aufgenommen. Im Hintergrund geht es die auf dem Bild gerade noch erkennbare Straße hoch zum Oppidum. Sowohl beim Verein Keltisches Oppidum Finsterlohr-Burgstall e.V als auch in der Wikipedia gibt es ein Luftbild, auf dem man diese natürlichen Gegebenheiten an einer Biegung des Taubertals gut nachvollziehen kann.

Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Oben auf dem Gelände des ehemaligen Oppidums spielt sich alles auf einer Teilfläche ab. Auf der ist ein Keltenlehrpfad mit einzelnen, mit Infotafeln versehenen Stationen eingerichtet. Entweder geht es an den Infotafeln um das, was gerade zu sehen ist, oder es werden allgemeine Aspekte des keltischen Lebens erläutert. Zu sehen gab es 2008 vor allem an Westseite des Rundwegs mit den Wallresten etwas. Hier wurde ein Teilstück des Walles als keltische Pfostenschlitzmauer rekonstruiert, außerdem befinden sich an der Nordwestecke des Oppidums die Reste eines keltischen Zangentors (das „Alte Tor“). Die Steinsammlung in vierten Bild habe ich in der Nähe der Rekonstruktion gefunden. Ob sie echt keltisch sind?

Steine in der Nähe der Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion des Oppidums Finsterlohr-Burgstall

Mittlerweile ist mit einem Keltenhaus am Info-Zentrum/Parkplatz des Rundwegs eine weitere Attraktion hinzugekommen. (Wobei ich eine Stunde in der Flachsbrechhütte auch ganz interessant fände, da muß man sich aber vorher anmelden.) Online bin ich relativ selten auf Neuigkeiten vom Oppidum gestoßen. Das änderte sich schlagartig mit dem Bau des Keltenhauses, wobei das Interesse aber vermutlich stärker durch ein Resozialisierungsprojekt für junge Männer als durch die alten Kelten ausgelöst wurde. Der Verein hat eine lange Bildstrecke vom Bau des Keltenhauses eingestellt, darunter sind auch ein paar Bilder von den Fernsehaufnahmen des Bayerischen Rundfunks zu sehen.

Wallabschnitt im Westen des Oppidums Finsterlohr-Burgstall

Der Besuch des Bayerischen Rundfunks soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Oppidum zu Baden-Württemberg gehört. Aber mit der Besonderheit, daß die Grenze zu Bayern ganz knapp um einen großen Teil des Oppidums herum liegt, denn das Taubertal unterhalb des Oppidums ist in diesem Abschnitt noch bayerisch.

Überreste eines keltischen Zangentors

Wir sind seinerzeit von einer Fahrt von Würzburg nach München auf bayerischem Gebiet bei der A7-Ausfahrt Bad Windsheim abgezweigt und erst über hügeliges Ackerland und dann stark abschüssig hinunter ins Taubertal nach Tauberscheckenbach gefahren. Von dort ging es hoch nach Burgstall und auf baden-württembergischer Seite weiter in das nahe Rothenburg ob der Tauber. Bei dem, was es zu sehen gibt, ist Rothenburg verglichen mit den Keltenwällen und dem Keltenhaus des Oppidums natürlich der pure Overkill. Ich werde trotzdem meinen Zeitgrenzen treu bleiben und gebe für Rothenburg-Interessenten an Leo Wirths Blogreiter weiter.

Infozentrum Oppidum Finsterlohr-Burgstall, Flachsbrechhütte und Parkplatz

Die eingangs genannte Exkursion zum Oppidum bringt den Rothenburgern und Creglingern wegen dem Startpunkt in Stuttgart wenig. Die Führung der Tour ist aber ein Beispiel für meine Bemerkung im letzten Blog-Eintrag, in welchem Umfang sich bekannte Namen einbringen.

Rothenburg ob der Tauber

Über Prof. Dieter Planck muß ich nichts schreiben, der hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Zu Dr. Günther Wieland hatte ich mal zwei Artikel verlinkt, die immer noch zugreifbar sind. Er war auch schon mit Dr. Guntram Gassmann und Ausgrabungen bei Neuenbürg in einer Fernsehsendung - man beachte dazu im Keltenjahr-Programm die Veranstaltungen in Neuenbürg. In Bayern sollte er vor allem durch die „Die Ausgrabung in der Viereckschanze 2 von Holzhausen“ bekannt sein, auf die sehr gute und ausführliche Buchbesprechung von Alexa Weyrauch-Pung habe ich im Blog-Eintrag „Die Viereckschanze 2 von Holzhausen“ hingewiesen.

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