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Donnerstag, 24. November 2022

Diebstahl von Manching im BR 2 Tagesgespräch

Den Diebstahl von Manching dürften wohl alle mittlerweile mitbekommen haben, da wurde sehr umfangreich berichtet. Umfassend nicht, das Sicherheitskonzept wurde nicht ausgebreitet. Das macht Hoffnung, daß tatsächlich noch etwas in der Hinterhand vorhanden ist.

Heute Mittag war der Diebstahl das Thema im BR 2 Tagesgespräch: „Jetzt auch noch der Kelten-Schatz: Warum tut Kunstraub so weh?“ Zu Gast war Prof. Rupert Gebhard, Leiter der Archäologischen Staatssammlung. Einen Teil der Sendung konnte auch Guido Limmer begleiten, Vizepräsident des Landeskriminalamtes.

Das Sendungsformat „Tagesgespräch“ wird wesentlich durch die Zuhörer getragen. Anrufende Frauen und Männer jeglichen Alters kommen mit ihren Fragen und Meinungen zu Wort, auch wie im aktuellen Fall ein Kind oder eine frühere Anwohnerin. Ich höre selten rein, aber wenn doch, dann interessiert mich das Thema und die Sendung ist wegen dem durch die Zuhörer aufgemachten breiten Spektrum meist sehr hörenswert.

Da ich normalerweise Tagesgespräche nicht suche, kann ich nichts über die zukünftige Zugreifbarkeit des Beitrags sagen. Derzeit wäre auf der verlinkten Website links oben neben dem rot unterlegten „LIVESTREAM beendet“ das schwarze Dreieck anzuklicken, um zu Prof. Gebhard und Moderator Till Nassif in das Sendestudio zu kommen. Unten auf dieser Website gibt es Verweise auf weitere derzeit zugreifbare BR-Beiträge zum Diebstahl-Thema.

Ansonsten habe ich beim Herumklicken irgendwo „7 Tage“ gesehen. An anderer Stelle Tagesgespräche vom Juli 2022 als Podcast gefunden. Die Sache ist für mich kryptisch und weil ich die öffentlich-rechtliche Löschlogik sowieso mistig finde, habe ich keine Lust da geistig durchsteigen zu wollen. Wenn die Sendung tatsächlich nach 7 Tagen verschwindet, fände ich es schade.

Unter den BR-Beiträgen gibt es auch einen mit dem Titel „Keltengold-Entdecker: "Ich bin entsetzt und schockiert"“, in dem der Entdecker der Münzen Matthias Leicht zu Wort kommt. Da ist aber wenig über die Münzen selbst zu finden. Wer mehr dazu lesen will, möge einer Empfehlung aus einem Tweet von Marjanko Pilekić folgen. Die „Ergebnisse der Ausgrabungen in Manching-Altenfeld 1996-1999“ sind anscheinend nicht frei zugreifbar, „Boische Münzen in Süddeutschland – Fremde Prägungen mit überregionaler Gültigkeit?“ von Bernward Ziegaus schon. Der Leiter der Abteilung Numismatik der Archäologischen Staatssammlung Bernward Ziegaus ist auch in einem aktuellen Kulturwelt-Podcast des BR zur Bedeutung der Münzen hören. Ab Minute 22:20 geht es um Manching, solange der Podcast noch zugreifbar ist.

Freitag, 23. Oktober 2015

Kelten-Links

Stephan Gröschler hat es mit „seinem“ Untersberg in die „Apotheken Umschau 15. Oktober 2015 B“ geschafft. Mit Blick auf die Auflagenzahl der „Apotheken Umschau“ ist das ein großer Erfolg und eine große Anerkennung seiner Leistung!

Ich kenne keine Webadresse auf der auch nur annähernd so viele Besuchsberichte von Keltenschanzen/keltischen Viereckschanzen eingestellt sind wie bei Stephan. Die sind dann noch umfangreich bebildert. Manchmal sogar mit Aufnahmeserien aus unterschiedlichen Jahreszeiten, manchmal mit einem Video. Also wenn wir da jetzt mal eine „gemeinsame Sache“ annehmen, dann hat Stephan dafür eine Riesenmenge gemacht!

Die in zweiwöchigem Abstand erscheinende „Apotheken Umschau“ wird in manchen Apotheken nicht ausliegen und in anderen Apotheken wird das aktuelle Heft mittlerweile vergriffen sein. Der nächste Hinweis ist wohl ebenfalls zeitkritisch: auf die „Betrifft: Geschichte“-Sendungen des ORF kann man anscheinend nur einen Monat lang nach Ausstrahlung zugreifen. Da gab es ab 12. Oktober 2015 fünf Tage lang jeweils eine fünfminütige Sendung über „Die Europäer der Eisenzeit. Die Kelten. Mit Peter Ramsl, Institut für Orientalische und Europäische Archäologie, ÖAW. Gestaltung: Martin Adel“ Sehr informativ und gut gemacht, wer es es noch bis 12. November schafft möge zum Start der Serie zurücknavigieren und sich das unbedingt anhören.

„Die unbekannten Kelten: Die Kelten auf dem Balkan“. Da muß man jetzt nicht viel dazu sagen - auf irgend etwas über die Kelten auf dem Balkan stößt man wirklich selten. Also drauf geklickt und her mit Text und Bildern! Zur Website ist noch anzumerken, daß sich einige solch interessanter und längerer Beiträge auf ihr finden. Also ein schöner Wochenendtipp, mit dem man einige Zeit verbringen kann.

Noch so ein schöner Wochenendtipp ist das „Hafenradio“. Christoph Haffner interviewt eineinhalb sehr kurzweilige Stunden seinen Vater, den pensionierten Professor für Ur- und Frühgeschichte Alfred Haffner, zum Thema „Keltische Ringwälle im Hunsrück“. Zum Interview gibt es von Christoph Haffner noch den Wanderbericht „Vier keltische Ringwälle und ein römischer Grabhügel in zwei Tagen“. Wer jetzt noch nicht geklickt hat und sich unter den keltischen Ringwällen im Hunsrück nichts vorstellen kann: der sehr bekannte Ringwall von Otzenhausen ist da auch dabei. Und wem das Interview gefallen hat, für den gibt es unter dem Titel „Kelten – Römer – Germanen und Archäologen“ ein weiteres mit Alfred Haffner.

„Keltische Ringwälle im Hunsrück“ sollte man mit eingebauter Zeitschiene im Kopf anhören. Es gibt die älteren Befestigungen und geht dann hin bis zu den neueren Oppida. Leserinnen und Leser aus dem Raum München können zunächst mit dem Interview die Oppida gedanklich einsortieren und dann einen Tagesausflug nach Manching auf das Gelände des ehemaligen Oppidums einschieben, bevor sie in den Hunsrück starten. Zum Manchinger Museum abschließend zwei diesjährige Besuchsberichte, zum einen von Iris Kauffmann „Das Kelten Römer Museum in Manching“ und zum anderen von Carmen Dietz-Rödel „Manching – Kelten Römer Museum oder Am Ende ist nicht alles Gold, was glänzt.“.

Sonntag, 1. September 2013

Gemischte Links

Am nächsten Sonntag, dem 8. September, ist in Deutschland Tag des Offenen Denkmals 2013. In der Schweiz finden die Europäischen Tage des Denkmals am 7. und 8.9. statt und in Österreich ist der Tag des Denkmals am 29.9. Die Links zum Programm sind dieselben wie beim Denkmaltag 2012. Das Programm kommt mir dieses Jahr etwas dünn vor, speziell aus Münchner Perspektive. Vielleicht wird noch auf den letzten Drücker nachgefüllt. Schon letztes Jahr erwähnt habe ich den Bajuwarenhof Kirchheim und den Archäologischen Park Herrsching. Richtig neu und interessant sieht der Programmpunkt „Warum wird hier nicht gegraben?“ an der Turminsel in Schöngeising aus, der ist aber nur auf eine Stunde angesetzt. „Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz und Kreisheimatpfleger Toni Drexler führen ein Streitgespräch über Sinn und Aufgabe der Bodendenkmalpflege und den praktischen Vollzug des Denkmalschutzgesetzes. Hintergrund ist eine abgelehnte Grabungserlaubnis für den Historischen Verein Fürstenfeldbruck auf der Turminsel Schöngeising zu graben.“

Es wäre schön, wenn der Historische Verein Fürstenfeldbruck einen Veranstaltungsbericht auf seine Website einstellen würde. Aktuell findet sich bei der „Aufstellung über die Grabungen des Historischen Vereins“ eine letzte Grabung von 2010 und darüber ein „Seither konnten keine archäologischen Grabungen mehr durchgeführt werden, da das Landesamt für Denkmalpflege dafür keine Genehmigungen erteilte.“

Wieder ein Hinweis auf bei Coursera startende Online-Kurse: am Montag starten The Ancient Greeks, und wem das zeitlich zu nahe ist, für den gibt es ab Mittwoch Dino 101: Dinosaur Paleobiology. Über ihre Erfahrungen mit einem Online-Kurs hatte Marcellina nach einer Woche „Archaeology’s Dirty Little Secrets“ in ihrem Posting Keep Learning geschrieben.

Vom Euro-Arabischen Freundschaftskreis ist wieder die Vereinszeitschrift bei mir eingetroffen. Ein dünnes DinA5-Heft mit etwas über 30 Seiten mit Veranstaltungshinweisen, kurzen Buchbesprechungen, Vereinsnachrichten, kurzen Reiseberichten, Reisehinweisen, teilweise auch mit längeren Berichten zur Situation in den Ländern. Es geht dabei um die Länder von Marokko im Westen bis Afghanistan/Pakistan im Osten. Wer sich interessiert und mit Leuten zusammentreffen will, die wochenlang in den Ländern unterwegs waren oder dort sogar jahrelang gearbeitet haben: Gäste sind zu den Vereinstreffen mit Vorträgen im Gasthaus Gartenstadt in der Münchner Naupliastraße willkommen, der Eintritt ist frei. Im nächsten Vortrag am 11.9.2013 widmet sich Horst Münzinger der arabischen Seite Siziliens.

Im Januar bin ich auf den Archäologischen Verein Freising zusammen mit dem Bronzezeit-Fundort Bernstorf unter der Überschrift Archäologischer Verein Freising, Bernstorf eingegangen. Ich empfehle wieder in das Meldungsarchiv der Freisinger hinein zusehen. Das Bronzezeit-Bayern-Museum in Kranzberg soll ab Ende 2013 geöffnet sein. Ob das dem aktuellen Stand entspricht und was die Ausgrabungen bislang ergeben haben, das sollte man in zwei Veranstaltungen des Archäologischen Vereins Erding erfahren können: am 23.09.2013 in einem Vortrag im Museum Erding über „Die Mittelbronzezeitliche Höhenbefestigung von Bernstorf, Lkr. Freising“ und am 29.09.2013 bei der Exkursion ab dem Volksfestplatz Erding „Höhenbefestigung von Bernstorf und das archäologische Museum in Kranzberg, Lkr. Freising“.

Ein paar Ausstellungen: die anstehende Ötzi-Ausstellung im Museum Herxheim hatte ich schon erwähnt. Am 15. September gibt es zu „Ötzi - Der Mann aus dem Eis“ eine Vernissage, der Eintritt ist frei, nähere Informationen hier. Die Sammlung Wendel habe sogar auch schon erwähnt, in „3d-Film über die Chauvet-Höhle von Werner Herzog“, nur funktioniert dort der unterlegte Link nicht mehr. Die Sammlung ist Grundlage der Ausstellung „Bilder im Dunkeln – Höhlenkunst der Eiszeit. Die Sammlung Wendel“ ab dem 20.9.2013 in der Münchner Archäologischen Staatssammlung. Man beachte das Rahmenprogramm. Sonntagsführungen mit Museumstaschenlampen, Vorträge, und der Chauvet-Film wird auch einmal gezeigt, wobei ich jetzt aber nichts von 3D sehe. Einen aktuell noch funktionierenden Link zu Informationen über die Ausstellung gibt es auch (mit einer kleinen Bildergalerie).

Am Harzhorn gab es eine Schlacht mit den Römern zu einer Zeit, als man glaubte die Römer wären so tief im Germanenland überhaupt nicht mehr unterwegs gewesen. „Das Harzhorn – Ortstermin an einer Jahrhundertfundstelle“ berichtet von den Fundumständen und der archäologischen Erforschung. Nun gibt es zur Schlacht eine Ausstellung: „Ab dem 1. September 2013 werden die spektakulären Funde des am besten erhaltenen Schlachtfeldes, das wir aus der Antike kennen, erstmalig öffentlich ausgestellt. Das Braunschweigische Landesmuseum präsentiert im Auftrag des Landes Niedersachsen die Landesausstellung 'Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn'“. Weiter Informationen hier.

Das Projekt Zeiteninsel, das „Archäologische Freilichtmuseum Marburger Land“, habe ich letzten November mal erwähnt. Aktuell läuft dort ein Lagerwochenende mit Vorführungen. Über den genauen Ort habe ich gerätselt, aber wenn da etwas los ist ist „am westlichen Ortsrand von Weimar-Argenstein der Gemeinde Weimar an der Lahn“ sicher gut zu finden.

Die Zeiteninsel war ein Hinweis für die Hessen. München-näher steht am 15. September das Keltenfest Landersdorf 2013 an. Bei Interesse sollte man bei Stephan gleich noch die anderen Veranstaltungen in der Region durchsehen.

Stephan ist mit seiner Website schnell die Adresse für Ausflugstipps zu Keltenschanzen, Hügelgräbern und Naturdenkmalen in einem immer größer werdenden Radius um einen Mittelpunkt nördlich von München geworden. Rainer Steinke hat seinen Mittelpunkt noch etwas nördlicher und ist mit seinem Blog Kult-Urzeit erst seit diesem Jahr mit dabei. Er muß einen riesigen Fotostapel haben, den er mit einer schnellen Folge von Postings abarbeitet. Aus einer ganz anderen Region kommt Hiltibold. Hinsichtlich dem Newcomer-Fleiß ist er in einem Atemzug mit Rainer zu nennen und man sollte unbedingt mal bei beiden reinsehen, was sich da in den letzten Monaten getan hat.

Tief im Rainer-Land, aber auch Stephan war schon in der Gegend aktiv, hat im Juli die Zeitreisende und Geschichtenerzählerin Petra Gabriel Untergründiges aus Forchheim zutage gefördert. Oder doch nicht ganz, genaueres gibt es erst in ihrem Kurzkrimi. Ein heimisches Revier von Petra Gabriel ist das Dreiländereck Baden, Elsass, Schweiz.

Bei den vielen Entdeckungen in Renates Blog „Quizzy zeigt Euch München“ ist wieder etwas aus meinem Bereich graue Vorzeit bis Spätantike dabei: „Ein jahrtausendalter Brauch“ berichtet von Platten am Münchner Brauerhaus mit Szenen aus dem Gilgamesch-Epos. Als Ergänzung dazu hätte ich den Blick in eine altägyptischen Brauerei zu bieten.

Was viele Münchner Keltenfans nicht so wissen: für Münchner liegt die als keltisches Oppidum gehandelte Fentbachschanze in Kombination mit der S-Bahn in Fahrradreichweite. Ich hatte aber immer nur die Version mit der S-Bahn-Haltestelle Kreuzstraße im Kopf, eine Fußwanderung hätte ich mir ziemlich lang vorgestellt. In Walters Weblog wird die Kombination einer Wanderung mit einer Anfahrt mit der Bayerischen Oberlandbahn in das nähere Darching beschrieben. In Walters Weblog gibt es eine lange Serie solcher Wanderausflüge in das Münchner Umland.

Wir haben gestern wieder die Keltenschanze Buchendorf besucht, Fotos folgen noch. Vorab eines in Christines Blog Strickwerk Verstricktes aus dem Leben und von den Nadeln. Die alte Informationstafel hängt immer noch in Buchendorf, Tempel und Opferschächte und so. Ich meckere dann in meinem neuen Buchendorf-Eintrag darüber herum. Eine aktuelle Sicht der Keltenschanzen kann man in dem sehr gut gemachten pdf zu einer Führung vor fast 4 Jahren zur Keltenschanze Gertholz bei Aach-Linz nachlesen. Aach-Linz liegt etwas über 30 km von der Heuneburg entfernt. Für den Erhalt des dortigen Freilichtmuseums gab es eine Onlinepetition. Zu der ist unter Neuigkeiten die Antwort des Petitionsausschusses des Landtages verlinkt.

So, für alle die brav waren und bis zum Schluß durchgehalten haben, gibt es noch einen Link zu einem neuen Magazin: Kulturas - das Magazin für Natur, Kultur und Geschichte in Portugal und Spanien. Geschrieben in Deutsch. Monatlich. Kostenlos. In der Juni-Juli-Ausgabe 2013 bleiben wir über lange Bildstrecken in der Zeit der Kelten, der Eisenzeit. Es gibt schöne Bilder von den Hinterlassenschaften der Castrokultur. Unbedingt reinsehen!

Samstag, 21. Juli 2012

Archäologiepark Altmühltal

Von den ersten beiden Stationen des Archäologieparks Altmühltal beim Archäologischen Museum Kelheim und auf dem Michelsberg habe ich schon berichtet. Es ist also schon angeklungen, daß der Archäologiepark nicht durch einen Park mit Eingängen, sondern durch solche Stationen repräsentiert wird. Nach dem schon mehrfach zitierten Buch „Archäologiepark Altmühltal - Ein Reiseführer in die Vorzeit. Mit Kurzgeschichten von Ernst W. Heine“ von Michael M. Rind und Ruth Sandner (Verlag Schnell + Steiner, Regensburg, 2008, 14,95 €) umfasst der Archäologiepark „eine Route von 39 km zwischen Kelheim und Dietfurt, auf der an 15 Standorten spannende Geschichten aus der Welt der Neandertaler und Kelten erfahrbar werden“.

Archäologiepark Altmühltal: Nachbau eines Keltentores an der Gronsdorfer Schleuse

Die ersten drei Bilder zeigen die dritte Station des Archäologieparks mit der Nachbildung eines Tores des Oppidums Alkimoennis bei der Gronsdorfer Schleuse. Alle Stationen sind mit einem Hörpunkt ausgestattet (am besten ist er in Bild 5 und 6 zu erkennen), an dem neben Informationen auch eine der Kurzgeschichten des Schriftstellers Ernst W. Heine zu hören ist.

Ausgangspunkt für den Archäologiepark Altmühltal waren die Ausgrabungsergebnisse im Zusammenhang mit dem Bau des Main-Donau-Kanals in den Jahren 1976 bis 1991. Dabei wurde das untere Altmühltal intensiv archäologisch untersucht und man entdeckte zahlreiche bis dahin unbekannte Fundstellen. Klingt unspektakulär, aber wenn man die Stellvertreterrolle der einzelnen Stationen sieht, dann erweitert es die Dimensionen des Archäologieparks enorm.

Archäologiepark Altmühltal: Nachbau eines Keltentores an der Gronsdorfer Schleuse

So richtig aufgezeigt wird das erst mit dem Buch. Es gibt Luftbilder von den damaligen Grabungsflächen, die weit über die Fläche der heutigen Rekonstruktion oder Nachbildung hinausgehen. Neben so einem Luftbild gibt es bspw. zum Grabhügelfeld bei Riedenburg-Emmerthal ein Foto, das den „Hügel 3“ bei der Ausgrabung zeigt. Sein Steinkreis mit der fehlenden Zentralbestattung bildete die Vorlage für die „Opferplattform“ in Bild 5. Die lange Nutzung des Gräberfeldes wird - soweit sie durch Funde bestimmt werden konnte - durch entsprechend markierte Grabhügel auf einer Lagezeichnung deutlich. Im Hinblick auf die Dimensionen wäre auch hinzuzufügen, daß diese Gräber durch Hangrutschungen in den letzten Jahrhunderten überdeckt waren und man nur im Bereich der neuen Straßentrasse einen Teil des Gräberfeldes ausgraben konnte. Also ist in dem Fall die größere räumliche und die zeitliche Dimension des orginalen Gräberfeldes bis heute gegeben.

Archäologiepark Altmühltal: Nachbau eines Keltentores an der Gronsdorfer Schleuse

Die Bilder 6 und 7 stammen von einer Station bei der Schleuse Haidhof. Hier gab es ein hallstattzeitliches Grabhügelfeld aus der Zeit zwischen 700 und 500 v. Chr. Der aufgeschnittene Grabhügel und die Andeutung einer Kinderbestattung mit Beigabe eines Kegelhalsgefäßes sollen hallstattliche Bestattungssitten visualisieren. Das Buch zeigt dazu Bilder von der „Grabungsfläche“ (ich übernehme die Anführungsstriche, weil die Ausgrabung unter extrem widrigen Umständen vonstatten ging), einen Plan des Gräberfeldes, Skizzen der Keramikfunde und ein Foto rekonstruierter Beigaben im Kelheimer Museum.

Altmühl an der Gronsdorfer Schleuse

Der Beitrag zur Station ist also wieder sehr ausgrabungsorientiert. Das Buch bleibt aber nicht bei jüngeren Ausgrabungen hängen, wenn andere Informationen sinnvoller wären. Bei den Klausenhöhlen wird bspw. auf die lange Nutzungs- und Erforschungsgeschichte eingegangen, und welche Funde es trotz Nutzung noch gegeben hat. Zum Keltentor an Station 3 wird sowohl auf die Lage, Länge und Tore der Mauern des Oppidums als auch auf dessen Schürfgrubenfelder und die mögliche Lage der zugehörigen Wohnhäuser eingegangen. Das Schema der Texte zu den einzelnen Stationen ist dabei wie folgt: die Lage der Station wird mit Geo-Koordinaten angegeben. Dann gibt es den erläuternden Text, an dessen Ende auf die Visualisierung eingegangen wird. Darauf folgt die meist eine knappe Seite umfassende Kurzgeschichte. Eingebettet sind die Beiträge zu den einzelnen Stationen in eine kurze Einführung in die „Archäologischen Kulturen im Altmühltal“ und eine Chronologietabelle am Anfang und ein kurzes Glossar, Literaturhinweise und eine Lagezeichnung der Stationen am Schluß des Buches.

Archäologiepark Altmühltal: Bronzezeitliche Opferplattform bei Riedenburg-Emmerthal

Die einzelnen Beiträge sind jeweils mit einem Kürzel des Autoren bzw. der Autorin versehen. Dr. Ruth Sandner und Prof. Dr. Michael Rind haben nach Klappentext Vor- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie studiert, Prof. Dr. Michael Rind ist Leiter der Kreisarchäologie Kelheim. Insofern wird man davon ausgehen können, daß man in dem Buch über die 2008 bekannten archäologischen Sachverhalte bestens informiert wird.

Archäologiepark Altmühltal bei der Schleuse Haidhof: hinten ein aufgeschnittener Grabhügel mit zwei übereinanderliegenden Bestattungen, vorne die Andeutung einer Kinderbestattung mit Beigabe eines Kegelhalsgefäßes

Das Buch gibt auch die Unsicherheiten wieder. Etwa „Da sämtliche organische Bestandteile der Keltenmauer im Laufe der Zeit vergangen sind, lässt sich über das Aussehen mancher Details nur spekulieren“. Ähnlich wird die Funktion des Steinrondells bei Riedenburg-Emmerthal als Opferplatz nur vermutet, diese Funktion ist nicht bewiesen. Die Kurzgeschichten von Ernst W. Heine werden auf noch weniger wissenschaftlichem Boden stehen, sie verführen aber alle zu einem Perspektivwechsel - man sieht die Welt zumindest ein klein wenig aus dem Blickwinkel eines vorzeitlichen Menschen.

Archäologiepark Altmühltal bei der Schleuse Haidhof: aufgeschnittener Grabhügel mit mit der unteren von zwei übereinanderliegenden Bestattungen

Die einzelnen Stationen bieten mehr als Pfostenschlitzmauern und Erinnerungen an ehemalige Grabhügelfelder. Die komplette Liste findet sich auf der Website www.archaeologiepark-altmuehltal.de bzw. deren Weiterleitung. Aber uns ist bei der Tour abends die Zeit davongelaufen. Noch einmal die Empfehlung in „Minas Internetideenbuch“ und den „Kraftvollen Orten“ herumzustöbern, insbesonders auch für über den Archäologiepark hinausführende Ziele. Zum Archäologiepark will ich abschließend Stephans Eintrag zur Opferplattform bei Riedenburg-Emmerthal und den von Hermine zur Kastlhänghöhle herausgreifen.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Der Michelsberg bei Kelheim

Das erste Bild zeigt die Rückseite der Befreiungshalle auf dem Kelheimer Michelsberg. Die Befreiungshalle steht an der Spitze eines Geländesporns, rechts von der Befreiungshalle geht es hinunter zur Donau, links zur Altmühl. Den Ausblick in Richtung Kelheim von der Treppe auf der Vorderseite der Befreiungshalle kann man sich im ersten Bild des Eintrags zum Archäologischen Museum Kelheim ansehen. In der Gegenrichtung aus Kelheim ist die Befreiungshalle auf dem zweiten Bild von der Ausstellung Kunst - Kelten - Kelheim zu sehen.

Befreiungshalle auf dem Michelsberg bei Kelheim

Vom Aufnahmestandort aus gibt es hinter der rechten Schulter einen Aussichtpunkt mit Blick in den Donaudurchbruch (Bild 2). Ein Stück den Weg zurück läuft man an der Rekonstruktion einer frühkeltischen Pfostenschlitzmauer in Bild 3 und 4 vorbei. Die Rekonstruktion orientiert sich nicht an dem größeren Originalzustand, sondern nach der Tafel vor Ort an der „halb zerfallenen frühkeltischen Befestigung des Michelsberges um 400 v. Chr.“. Die Rekonstruktion ist an den verfallenen Orginalwall angebaut, der den Geländesporn in der Bronzezeit und dann wieder ab der frühkeltischen Zeit schützen sollte.

Donaudurchbruch zwischen Weltenburg und Kelheim

Bei der Rekonstruktion befindet sich die zweite Station des Archäologieparks Altmühltal - beim Museum in Kelheim ist die erste. Nach dem zugehörigen Buch „Archäologiepark Altmühltal“ von Michael M. Rind und Ruth Sandner gab es durch archäologische Ausgrabungen 1997 Erkenntnisse über mindestens vier Bauphasen des Walls. Eine erste bronzezeitliche Befestigung wurde unter einer Brandschicht gefunden, der Brand wurde auf etwa 1850 v. Chr. datiert. Der Brand erinnert an das Ende der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf. Für den neuen frühkeltischen Wall gibt „Archäologiepark Altmühltal“ einen Bau am Übergang vom 6. zum 5. Jh. v. Chr. an. Später, im 2./1. Jh. v. Chr., war das Gebiet des Michelsbergs Teil des wesentlich großflächigeren Oppidums Alkimoennis.

Frühkeltische Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion auf dem Michelsberg bei Kelheim
Frühkeltische Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion auf dem Michelsberg bei Kelheim

In den Überresten der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf gab es archäologisch äußerst wertvolle Funde. Neben der bronzezeitlichen und frühkeltischen Vergangenheit steht für den Michelsberg auch eine „Akropolis“ des Oppidums Alkimoennis im Raum. Das Buch „Archäologiepark Altmühltal“ ist hinsichtlich möglicher Nachweise aber pessimistisch: „moderne Eingriffe in die Landschaft, vor allem der Bau der Befreiungshalle, dürften die archäologischen Reste der bewehrten Fläche stark dezimiert haben“. Gesichert ist die Zerstörung einer weiteren Befestigung im Bereich der Befreiungshalle durch deren Bau.

Freitag, 20. Januar 2012

Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Das Keltenjahr 2012 der Baden-Württemberger sollte ich dazu nützen, endlich meine im September 2008 gemachten Bilder vom keltischen Oppidum Finsterlohr-Burgstall nachzutragen.

Tauber-Brücke bei Tauberscheckenbach, im Hintergrund führt die Straße hoch zum Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Das Oppidum wird meist nach den Orten Burgstall oder Finsterlohr benannt, die „Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V.“ nennt es im Langtext einer im Rahmen der Keltenjahr-Veranstaltungen stattfindenden Exkursion „Oppidum von Creglingen-Finsterlohr“. Immer mit dabei ist die Bezeichnung „Oppidum“, obwohl gerade das zweifelhaft ist, wenn man unter „Oppidum“ eine befestigte Keltenstadt versteht. Denn in dem durch die Wälle gesicherten Gebiet wurde bislang keine Siedlung gefunden.

Reste des Keltenwalls und rekonstruierte keltische Pfostenschlitzmauer

Ich habe im Blog-Eintrag über den Kurzbesuch des Oppidums Heidengraben die mögliche Schutzfunktion für das Umland schon erwähnt. Außer der Bevölkerung hätten in einem so großen Oppidum auch deren Tiere unterkommen können. Finsterlohr-Burgstall bietet ähnliche Voraussetzungen wie der Heidengraben. Einerseits umfasst das Oppidum ein sehr großes Gebiet - die Gesellschaft für Archäologie gibt in ihrem Text 112 ha an - anderseits ist das Oppidum an den vielen Stellen durch stark abfallendes Gelände geschützt. An einer Längs- und einer Schmalseite durch das Taubertal, an den beiden anderen Seiten teilweise durch Bachtäler.

Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Das erste Bild ist im Taubertal bei Tauberscheckenbach aufgenommen. Im Hintergrund geht es die auf dem Bild gerade noch erkennbare Straße hoch zum Oppidum. Sowohl beim Verein Keltisches Oppidum Finsterlohr-Burgstall e.V als auch in der Wikipedia gibt es ein Luftbild, auf dem man diese natürlichen Gegebenheiten an einer Biegung des Taubertals gut nachvollziehen kann.

Steine in der Nähe der Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion des Oppidums Finsterlohr-Burgstall

Oben auf dem Gelände des ehemaligen Oppidums spielt sich heutzutage alles auf einer Teilfläche ab. Auf der ist ein Keltenlehrpfad mit einzelnen, mit Infotafeln versehenen Stationen eingerichtet. Entweder geht es an den Infotafeln um das, was gerade zu sehen ist, oder es werden allgemeine Aspekte des keltischen Lebens erläutert. Zu sehen gab es 2008 vor allem an der Westseite des Rundwegs mit den Wallresten etwas. Hier wurde ein Teilstück des Walles als keltische Pfostenschlitzmauer rekonstruiert, außerdem befinden sich an der Nordwestecke des Oppidums die Reste eines keltischen Zangentors (das „Alte Tor“). Die Steinsammlung in vierten Bild habe ich in der Nähe der Rekonstruktion gefunden. Ob die Steine echt keltisch sind?

Wallabschnitt im Westen des Oppidums Finsterlohr-Burgstall

Beim Info-Zentrum/Parkplatz des Rundwegs gab es bei unserem Besuch eine interessante Flachsbrechhütte, in man aber nur nach Anmeldung hineingekommen ist. Mittlerweile kam mit dem Keltenhaus eine weitere Attraktion hinzu. Online bin ich bis zum Bau dieses Keltenhauses selten auf Neuigkeiten vom Oppidum gestoßen. Das änderte sich schlagartig, wobei das überregionale Interesse vermutlich stärker durch das Resozialisierungsprojekt für junge Männer als durch das Keltenhaus ausgelöst wurde. Der Verein hat eine lange Bildstrecke vom Bau des Keltenhauses eingestellt. Unter den Bildern sind auch ein paar von den Fernsehaufnahmen des Bayerischen Rundfunks zu sehen.

Überreste eines keltischen Zangentors

Der Besuch des Bayerischen Rundfunks soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Oppidum zu Baden-Württemberg gehört. Aber mit der Besonderheit, daß die Grenze zu Bayern ganz knapp um einen großen Teil des Oppidums herum liegt. Denn das Taubertal unterhalb des Oppidums ist in diesem Abschnitt noch bayerisch.

Infozentrum Oppidum Finsterlohr-Burgstall, Flachsbrechhütte und Parkplatz

Wir sind seinerzeit von einer Fahrt von Würzburg nach München auf bayerischem Gebiet bei der A7-Ausfahrt Bad Windsheim abgezweigt und erst über hügeliges Ackerland und dann stark abschüssig hinunter ins Taubertal nach Tauberscheckenbach gefahren. Von dort ging es hoch nach Burgstall zum Oppidum-Besuch und dann auf baden-württembergischer Seite weiter in das nahe Rothenburg ob der Tauber. Bei dem, was es zu sehen gibt, ist Rothenburg verglichen mit den Keltenwällen und dem Keltenhaus des Oppidums natürlich der pure Overkill.

Rothenburg ob der Tauber

Montag, 16. Januar 2012

Keltenjahr 2012

Im September wird in Stuttgart die große Landesausstellung „Die Welt der Kelten“ eröffnet. Das ist für die Baden-Württemberger der Anlaß, das Jahr 2012 mit einem umfangreichen Begleitprogramm zum Keltenjahr auszurufen.

Von den bekanntesten baden-württembergischen Kelten-Orten hatte ich hier im Blog schon das Keltenmuseum Hochdorf, das Oppidum Heidengraben und zweimal die Heuneburg (Bienenmarkt auf der Heuneburg und etwas zum Sensationsfund). Das Oppidum Finsterlohr-Burgstall ist bei mir gerade noch im Bau.

An diesen Orten finden sowieso immer wieder Veranstaltungen statt. Aber wenn man sich das Veranstaltungsprogramm zum Keltenjahr 2012 ansieht, ist man beeindruckt, was in diesem Jahr angeboten wird.

Freitag, 26. August 2011

Oppidum Manching

Von München ist die Fahrt per Auto nach Manching eine einfache Sache. A 9, Ausfahrt Manching, Richtung Manching auf der B 16, dann ist man schon im Gebiet des ehemaligen Oppidums. Von der B 16 nach rechts abfahren, da sieht man eine Kreuzung und es geht eine 180°-Rechtskurve ab. Durch die Rechtskurve und über eine Brücke über die B 16, dann ist man in Manching und kommt zum „kelten römer museum manching“. Und wenn man am Museum vorbeifährt, dann geht es weiter in das Zentrum mit Rathaus und Kirche, wo das frühere Westtor des Oppidums vermutet wird.

Oppidum Manching Bild 1: Kulisse des Osttores

Kritisch für das Verständnis der in diesem Blog-Eintrag behandelten Orte ist die Kreuzung nach der Abfahrt von der B 16. Wir sind ja über den Umweg nach Oberstimm dorthin gekommen. Nach Oberstimm fährt man ab der Autobahnausfahrt ein kurzes Stück auf der B 16 in die entgegengesetzte Richtung. Nach dem Kurzbesuch sind wir wieder zurück, an der Autobahnausfahrt vorbei, um an der nächsten Ausfahrt der B 16 herauszufahren und zu dieser Kreuzung zu kommen.

Oppidum Manching Bild 2: Infotafeln bei der Kulisse des Osttores

Wir sind dann nicht auf der 180°-Kurve nach rechts zum Keltenmuseum weitergefahren, sondern geradeaus über die Kreuzung in Richtung Geisenfeld zum 2003 etwas „enttäuschenden Sperrholztor an einem staubigen Parkplatz“ aus dem Blog-Eintrag „Wege zu den Kelten“. Den Zustand des Tors am letzten Sonntag kann man sich in Bild 1 ansehen.

Oppidum Manching Bild 3: Infotafel zum Osttor

Soweit es die schlechte Auflösung zuläßt, kann man sich mit dem „Ortsplan“ des Manchinger Museums einen Überblick verschaffen. Das Tor ist dort die Nr. 11, die „Kulisse des Osttores“. Den Plan gab es in brauchbarer Auflösung an anderer Stelle, ich hatte darauf in den „Wegen zu den Kelten“ hingewiesen, aber der Link funktioniert nicht mehr.

Oppidum Manching Bild 4: Das keltische Oppidum bei Manching

Auf dem Bild 1 sieht doch alles ganz adrett aus. Ich weiß nicht, was uns 2003 alles missfallen hat, das fehlende Torhaus war es nicht. Heute noch nachvollziehbar ist der damalige Frust über das 2003 in Manching sehr spärliche Angebot zum Oppidum. Und in so einem Umfeld dann das Sperrholztor im Kontrast mit dem schicken EADS-Gebäude um die Ecke. Heute gibt es diesen Kontrast so nicht mehr, es gibt ja seit 2006 ein schickes Museum. Außerdem passte auch noch die damalige Infotafel zur schlechten Stimmung. Wobei die Tafel in Bild 4 auch irritiert, da ist das neue Museum noch nicht darauf. Vielleicht ist die Tafel zwischen 2003 und 2006 entstanden? Von EADS haben wir übrigens letzten Sonntag nichts mehr gesehen, nur noch Cassidian, das ist aber nach Handelsblatt ein Teil von EADS.

Oppidum Manching Bild 5: Archäologischer Wanderweg auf den Resten des Oppidum-Walls

Wieder zurück zum Ausgangspunkt bei der Kreuzung. Also geradeaus nach Geisenfeld geht es zur „Kulisse“. Nach links geht es in eine nach Osten führende gewundene Straße, die an Cassidian/EADS vorbeiführt und mal innerhalb und mal außerhalb des Oppidums entlang verläuft. Auf dem Ortsplan ist das die Nummer 10, der Weg zum Osttor. Den fährt man bis es an einer Schranke für den Normalunberechtigten nicht mehr weiter geht lang, dort geht es links hinein zum ehemaligen Osttor in Bild 7 (auf dem „Ortsplan“ die Nummer 9). Die Texttafel dort hatte ich schon in den „Wegen zu den Kelten“, sie ist dieselbe wie die in Bild 3 bei der „Kulisse des Osttor“. Die Bilder in den „Wegen zu den Kelten“ stammten von 2007, damals war ich im neuen Museum und am Osttor, aber nicht bei der „Kulisse“ und nicht in Oberstimm.

Oppidum Manching Bild 6: Fortsetzung des archäologischen Wanderwegs entlang des Cassidian-Zauns?

Noch einmal zurück zur Kreuzung. Direkt auf der anderen Seite der Kreuzung, bevor es nach links auf den Parkplatz geht, kann man sich auf der rechten Seite in eine Straße einfädeln, auf der es zu einer Keltenschanze geht. Näheres bei Stephan Gröschler, er hat die Schanze besucht. Nach dem Buch „Manching - Die Keltenstadt“ von Susanne Sievers (2. Aufl. von 2007) gibt es drei Kelten- bzw. Viereckschanzen nahe Manching, zwei Anlagen liegen östlich und sind nur über Luftbilder auszumachen, die von Stephan Gröschler beschriebene ist „im Gelände noch sehr gut sichtbar“. In allen Fällen gäbe es noch keine „umfassenden Grabungen“, um Aussagen über die Bedeutung dieser Anlagen in Bezug auf das Oppidum machen zu können.

Oppidum Manching Bild 7: Ehemaliges Osttor nach Ausgrabung und Wiederherstellung

Sowohl nach dem Plan auf Bild 4 als auch nach dem Buch von Susanne Sievers gibt es einen Wanderweg, der bei der Kulisse des Osttores beginnt und zum früheren Osttor führt. Hinter der Kulisse befindet sich aber nur ein Pfad, der ein Stück auf dem Wall verläuft, bis der weitere Verlauf des Walls durch einen Zaun abgesperrt wird. Mittlerweile mit einer verschlossenen Tür, ich glaube die gab es 2003 noch nicht. Vielleicht geht es tatsächlich am Zaun entlang weiter (Bild 6). Vielleicht kommt man so weiter durch, bis man irgendwann auf dem komfortablen Weg entlang des Walls auf Bild 10 beim Osttor landet. Wir haben es vor Ort nicht weiter untersucht, ich weiß also auch nicht ob man an das Südtor (Nummer 12) hinlaufen kann.

Oppidum Manching Bild 8: Ehemaliges Osttor nach Ausgrabung und Wiederherstellung

Oppidum Manching Bild 9: Ehemaliges Osttor nach Ausgrabung und Wiederherstellung

In Bild 7 würde man auf dem Fußweg entlang des Walls in Bild 10 von links zum Osttor kommen, rechts geht es wegen einem „Militärischen Sicherheitsbereich“ nicht mehr weiter. Leider nur undeutlich ist der Manchinger Kirchturm in Bild 7 zu erkennen. Wegen dem dort vermuteten Westtor markiert er die Ausdehnung des Oppidums. Das Südtor soll nach Susanne Sievers noch nicht ausgegraben worden sein, das Osttor wurde nach der Ausgrabung „in seiner Grundform wiederhergestellt“, also die Baumstämme in Bild 8 und 9 sollten von der Wiederherstellung stammen. „Der aufmerksame Besucher kann einige Pfostenstellungen und eine Andeutung der Mauerfront am Orginalstandort entdecken; sie erleichtern den Vergleich mit der Schautafel.“

Oppidum Manching Bild 10: Weg entlang des Walls beim ehemaligen Osttor

Allgemein über Oppida habe ich im Beitrag über das Oppidum Heidengraben etwas geschrieben. Dort findet sich auch schon ein Link auf den Wikipedia-Artikel zum Oppidum Manching. Beim aktuellen Herumsurfen habe ich noch einen längeren Text über das Oppidum Manching von C. Laschinski bei Archeoworld gefunden. Auf Simon Kahnerts Buchvorstellung von „Keltenstädte aus der Luft“ hatte ich schon im Blog-Eintrag „Rätselhafte Täfelchen in Manching“ hingewiesen.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Rätselhafte Täfelchen in Manching

Heute soll es ja überall regnen. Wer nicht raus will, hat vielleicht Zeit für den längeren Beitrag im Kulturkanal von Radio IN über die aktuelle Sonderausstellung „Aenigma - der rätselhafte Code der Bronzezeit. 'Brotlaibidole' als Medium europäischer Kommunikation vor mehr als 3500 Jahren.“ im Kelten-Römer-Museum Manching.

Die Ausstellung soll noch bis zum 13.11.2011 dauern. Während dieser Zeit wird laut Museumswebsite ein paarmal im Familien- und Schulprogramm „Aenigma - Knack den Code!" gezeigt, „wie man Zuhause im Garten mit einfachen Mitteln Keramik brennen kann“. Wie Dr. Rainer Schreg in seinem Archaeologik-Blog schreibt, stellen neuzeitliche Replikate von Feuersteinwerkzeugen mittlerweile ein echtes Problem dar. Ich hoffe, die Experten können die neuzeitlichen Täfelchen locker von den bronzezeitlichen unterscheiden.

Zum Buchbestellen für heute ist es etwas zu spät, aber im Zusammenhang mit dem früheren keltischen Oppidum Manching, auf dessen Gelände sich das heutige Kelten-Römer-Museum befindet, muß ich hier gleich noch Simon Kahnerts Buchvorstellung von „Keltenstädte aus der Luft“ erwähnen.

DVDs ausleihen ginge für manchen heute noch, Fernsehen sowieso. Auf die Fernsehtipps von Archäologie-Online hatte ich im Blog schon hingewiesen. Zum aktuellen Programm gibt es einen Kommentar von ungewohnter Seite, nämlich von Prof. Uwe Walter in seinem Antike-und-Abendland-Blog. Und um auf die DVDs zurückzukommen: Filmkritiken fanden sich bei Uwe Walter auch schon, unter den letzten Blogeinträgen mit „Centurion“ und „Ben Hur“ gleich zwei.

Schließlich noch ein Hinweis auf den Führungswechsel in der Münchner Glyptothek und den Antikensammlungen. Florian S. Knauß löst Raimund Wünsche als Direktor ab. Im Interview mit Simone Dattenberger spricht Florian S. Knauß über seine Aufgaben und Ziele: „Er erklärt, wer Zeus und Hera sind“.

Dienstag, 9. Februar 2010

Museum Manching eröffnet neue Sonderausstellung

Im Manchinger Kelten- und Römermuseum kann seit letztem Wochenende bis zum 7. November 2010 die Sonderausstellung „Ursprung der keltischen Archäologie: Die Brücke von La Tène - ein Schauplatz grausamer Menschenopfer?“ besucht werden.

Wer sich unter dem Begriff „Kelten“ etwas vorstellen kann, bei „La-Tène“ aber nichts: La-Tène ist ein berühmter archäologischer Fundort am Neuenburgersee in der Schweiz. Der Fundort war namensgebend für die La-Tène-Kultur.

Träger der La-Tène-Kultur waren die Kelten, die im süddeutschen Raum die Oppida und die Keltenschanzen (oder Viereckschanzen) erbaut haben. Der berühmte Keltenfürst von Hochdorf stammt hingegen aus der vor der La-Tène-Zeit liegenden Hallstattzeit.

Auf die Oppida bin ich in meinem Blog schon anläßlich meines Kurzbesuchs des Oppidums Heidengraben allgemeiner eingegangen, bei den Keltenschanzen (oder Viereckschanzen) hätte ich hier Buchendorf, Holzhausen und Endlhausen zu bieten.

Der oben verlinkte Ausstellungstext auf der Museums-Website differenziert auch noch zwischen der „La-Tène-Zeit (ca. 450 vor Chr. bis etwa 20/15 vor Chr.)“ als „Zeitabschnitt der jüngeren Eisenzeit Europas nördlich der antiken Welt“ und dem La-Tène-Stil und der La-Tène-Kultur, die „sich im wesentlichen auf den Kelten zugewiesene archäologische Hinterlassenschaften beziehen“.

Wie man dem Ausstellungstext und dem Ausstellungsbericht im Donaukurier unter dem Titel Die Kriminalakte "La Tène" entnehmen kann, stehen im Falle der Sonderausstellung von Manching die Funde von La-Tène im Vordergrund.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Kurzbesuch des Oppidums Heidengraben

Der Begriff „Oppidum“ wird auf Cäsar zurückgeführt, der so in seiner Beschreibung des „Gallischen Kriegs“ die befestigten Städte seiner Gegner bezeichnet hat. Wie bei einer eng innerhalb der Mauern bebauten mittelalterlichen Stadt darf man sich das den süddeutschen Oppida nicht vorstellen. Beim ausgiebig untersuchten Oppidum Manching war offenbar viel mehr Raum durch Mauern und Wälle gesichert als für die Siedlung benötigt wurde.

Grabhügel am Burrenhof

Und im nahe Rothenburg gelegenen Oppidum Finsterlohr hat man innerhalb der großen Verteidigungsanlage anscheinend noch überhaupt keine nennenswerte Siedlung gefunden. Das legt den Gedanken besonders nahe, daß die Sicherungsfunktion für das ganze Umland gedacht war, deren Bevölkerung inklusive Haustieren bei Gefahr in das Oppidum flüchten konnte.

Das Oppidum Heidengraben stellt hinsichtlich der Größe des gesicherten Gebietes ein Extrem dar. Dr. Thomas Knopf von der Universität Tübingen gibt in dem im letzten Eintrag besprochenen Buch „Archäologie erleben“ für den Heidengraben 1700 ha an. Dank der halbinselartigen Lage am Rande der Schwäbischen Alb mit steil abfallenden Hängen mußten dafür nur Teilabschnitte mit Befestigungswerken gesichert werden.


Größere Kartenansicht

Vielleicht war das Gebiet für manche denkbaren Verteidigungsfälle doch zu groß, jedenfalls gab es innerhalb des gesicherten Gebietes eine weitere Umwallung, die sogenannte „Elsachstadt“. Die Wälle sollen etwa 130 v.Chr. entstanden sein. In der nach „Archäologie erleben“ 160 ha großen Elsachstadt fanden sich sowohl Siedlungsreste aus dieser spätkeltischen Zeit, als auch Reste einer unbefestigten, mehrere Jahrhunderte älteren keltischen Siedlung.

Das Oppidum Heidengraben liegt nahe Bad Urach und Metzingen und ist weniger als 20 Kilometer von der Ausfahrt der A 8 bei Kirchheim/Teck entfernt. Ich bin Anfang Juli an einem Sonntagnachmittag mit stetem Wechsel von Regen und einigen regenfreien Minuten von Bad Urach hochgefahren, auf dem Beifahrersitz neben dem Fotoapparat „Archäologie erleben“ und den Führer „Archäologische Denkmäler in Baden-Württemberg“.

Parkplatz am Wall der Elsachstadt

Für den vorgesehenen und vom Wetter nicht anders gewünschten Kurzbesuch erwies sich „Archäologie erleben“ passender, neben dem Museum Grabenstetten und den wiederaufgeschütteten Grabhügeln am Burrenhof habe ich den im Buch empfohlenen Parkplatz an der Straße Grabenstetten-Burrenhof am Wall der „Elsachstadt“ angesteuert.

„Archäologische Denkmäler in Baden-Württemberg“ empfiehlt dagegen einen Parkplatz vor Erkenbrechtsweiler und schickt den Leser von dort auf einen fast vier Seiten lang beschriebenen archäologischen Wanderweg mit 15 Stationen. Dieser etwas angejahrte Führer von 2002 gefällt mir eigentlich sehr gut und dürfte für den Wanderfreund mit genügend Zeit in diesem Fall die bessere Wahl sein. Wenn ich auch im Buch die Gesamtlänge der Tour nicht gefunden habe, die wird auf einer Schautafel für den archäologischen Wanderweg mit 27 Kilometern angegeben.

Museum Grabenstetten

Ein paar Links zum weiteren Erkunden der Gegend: die Website des Fördervereins Heidengraben e.V., diejenige der Uni Tübingen und die Info-Seite zum keltischen Heidengraben von Achim Lehmkuhl.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Situlen-Ausstellung in Manching

Bis zum 15. November 2009 findet im „kelten römer museum manching“ noch die Ausstellung „Situlen - Bilderwelten zwischen Etruskern und Kelten auf antikem Weingeschirr“ statt. Situla (lat. „Eimer“) ist nach der Wikipedia ein metallener Gefäßtyp der Bronze- und frühen Eisenzeit im etruskisch-italischen Gebiet sowie in der Hallstattkultur. Die Situlenkunst ist eine der wichtigsten Quellen für diese schriftlosen Kulturen. Zudem ist es natürlich an sich schon eindrücklich, 2300 bis 2600 Jahre altem Kunstschaffen gegenüber zu stehen.

kelten roemer museum manching

Möglicherweise ist die Manchinger Ausstellung stark auf die Kelten bezogen gestaltet worden, das müßte man sich ansehen, generell ist die Situlenkunst aber nicht so an die Kelten gekoppelt wie das der Bericht auf hallertau.info nahelegt. Da sollte man vielleicht das „zwischen“ im Ausstellungstitel im Kopf behalten.

Wenn ich die pdf-Datei mit Vortragszusammenfassungen einer dieses Jahr durchgeführten Veranstaltung zum Thema „Situlen in Archäologie und Kulturgeschichte“ überfliege, dann findet sich zum Vortrag von Leonie Carola Koch von der Ruhr-Universität Bochum die Aussage: „Die figürliche Verzierung der Situlenkunst ist losgelöst von den etruskischen Vorbildern nicht zu verstehen. Die Verbreitung der Denkmäler der Situlenkunst verbindet so unterschiedliche Regionen wie Slowenien, Istrien und das Ostalpengebiet über Este und der Etruria Padana mit der etruskischen Kultur. Eine entscheidende Vermittlerrolle wurde von je her in Bologna gesehen, der etruskischen Metropole nördlich des Apennin.“

Wenn man das gut über die Autobahn München-Nürnberg erreichbare Museum besuchen will, dann sollte man vorher noch einen Blick auf den Terminkalender des Museums werfen. In den nächsten Wochen gibt es eine Buchpremiere - Birgit Jaeckel liest aus ihrem neuen Roman „Der Fluch der Druidin“, einen Vortrag von Prof. Dr. Otto-Hermann Frey über die Situlen-Bilderwelten und ein Konzert der Gruppe ADAS im Foyer des kelten römer museums.

Osttor Oppidum Manching

Auch noch wichtig wäre ein Spaziergang am Wall des früheren Oppidums Manching, etwa zum früheren Osttor. Für den auf der Museumswebsite gefundene Plan bräuchte ich zur Orientierung die Lupe. Besser ist die größere Version auf der Webseite des „Manchinger Hofs“. Dort das pdf „kelten roemer museum manching - Wegweiser“.