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Samstag, 24. Dezember 2022

„Theodor Hierneis oder: wie man ehem. Hofkoch wird“

Das Jahr 2022 ist in vielerlei Hinsicht sehr schlecht gelaufen. Die Probleme im engeren Blog-Umfeld sind Vergleich zum stattgefundenen vermeidbaren Leiden in der Welt nicht erwähnenswert. Aber doch vorhanden. Beim Blick nach außen sticht aus der Blog-Perspektive der Manchinger Keltengold-Diebstahl hervor. Dort glaubte man tatsächlich noch etwas in petto zu haben, aber die Hoffnungen haben sich bislang anscheinend nicht erfüllt (siehe den BR-Beitrag „Golddiebstahl von Manching: Keine Bilder von Überwachungskameras“). Und beim Blick nach innen wollte ich dieses Jahr wieder auf eine normalere Blog-Frequenz kommen. Da war wohl nicht soviel davon zu merken.

Ich war zwar immer wieder am Texten, eigentlich sollte etwas Anfang November kommen, das paßt aber jetzt nicht zu Weihnachten. Ich brauche etwas Herauslösendes und empfehle den Film „Theodor Hierneis oder: wie man ehem. Hofkoch wird“ von Hans-Jürgen Syberberg. Der Film wurde im BR an Allerheiligen wiederholt und ist noch bis 26.01.2023 in der Mediathek zugreifbar. Die Wirkung ist natürlich subjektiv, ein in der Wikipedia zitierter Kritiker unterstellte Langatmigkeit. Ich sehe die nicht, ich finde alles gerade richtig und für mich hat er so einen herauslösenden Effekt, auch wenn ich nur ein paar Minuten hineinsehe.

Grundlage des Films sind die Erinnerungen von Theodor Hierneis, einem Hofkoch des bayerischen Königs Ludwig II. Walter Sedlmayr spielt den ehemaligen Hofkoch und führt die Zuschauer zu den einzelnen Stationen seines Berufslebens auf dem Weg zum Hofkoch, wobei man reichlichst die vom eben erwähnten Kritiker festgestellte „Schönheit der Bilder“ zu sehen bekommt. Der Film bringt uns den Mensch König Ludwig II näher und beschreibt die Abläufe, in denen die Essen eingebunden waren. Königstreuen einen bestimmten Essenskanon vorzugeben ist der Film nicht geeignet. Walter Sedlmayr weist als Theodor Hierneis mehrfach auf die Zahnprobleme des Königs hin. Er konnte mit Mitte 20 praktisch nichts mehr abbeißen. Vom König geliebte Gerichte sind mithin unter diesem Aspekt zu sehen.

Der Film wurde ab 1973 öffentlich gezeigt. Die Textvorlagen von Theodor Hierneis erschienen nicht sehr lange zuvor, weil er erst ab 1936 seine Erinnerungen aufgeschrieben haben soll. Im Film erzählt Walter Sedlmayr von in Bereitschaftszeiten gemachten Notizen. So kann das funktioniert haben. Denn die Zeit als Küchenjunge und später als Hofkoch von König Ludwig II lag lange zurück. Hofkoch war Hierneis in den Jahren 1884 bis 1886.

Die Veröffentlichungen kenne ich nicht. Deren Schwerpunkt auf die Gerichte und die Küchenorganisation zur Zeit von Ludwig II zu legen dürfte sich wohl außer wegen den Zahneigenarten des Königs auch deshalb verboten haben, weil in Jahren bis zum Erscheinen der Hierneis-Erinnerungen die Zeit des Wirkens von Auguste_Escoffier lag. Dessen Würdigung im Wikipedia-Artikel betrifft sowohl die Kochkunst als auch Gerichte und die Küchenorganisation. Es gibt einen bisweilen wiederholten Film „Auguste Escoffier. König der Haute-Cuisine“ von 2019, der auch das Heranziehen einer Vielzahl von neuen Köchen in großen renommierten Hotels durch Escoffier und deren Verteilen in führende Küchenpositionen in der Welt beschreibt. Da hatte sich riesig viel getan bis zu den Hierneis-Veröffentlichungen.

Die alten Kochbücher bleiben natürlich trotzdem wegen den damals bekannten Gerichten, den gebräuchlichen Bezeichnungen und den Zutaten interessant. In der Karlsruher Badischen Landesbibliothek gab es 2016 mit so einem Hintergrund eine Ausstellung unter dem Titel „Das Kochbuch in Baden 1770-1950“. Aus dem einleitenden Text über den „Wert historischer Kochbücher“: „Wann tauchen Tomaten oder Artischocken in der badischen Küche auf? Wann verschwinden Singvögel und Flusskrebse daraus? Wann verlor die Kartoffel ihr Image als Armenspeise?“ Eine tolle Ausstellungsidee und man kann sich vorstellen, daß man aus dem Buch eines badischen Hofkochs wie Joseph Willet ableiten kann, was im 19ten Jahrhundert auch bei den bayerischen Hofköchen bekannt war.

Man muß sich vergegenwärtigen, daß man zu der Zeit auch Vorlagen aus der römischen Antike kannte. Ich weiß nichts über die Resonanz zu dem Aspicius zugeschriebenen Buch „Über die Kochkunst“ und die Wikipedia läßt sich darüber auch nicht aus. „Das Gastmahl des Trimalchio“ soll aber nach seiner Wiederentdeckung 1645 und der folgenden Veröffentlichung unter den bedeutendsten Gelehrten der Zeit umstritten gewesen und muß folglich sehr bekannt gewesen sein. Hier wäre wegen dem München-Bezug die literarische Verarbeitung „Trimalchios Fest“ von Belinda Rodik von 2001 zu erwähnen, die in der Folgezeit der Wiederentdeckung spielt. Ich habe es von einem Koch empfohlen bekommen, dem es ganz gut gefallen hat. Eine Kritik aus Historikersicht habe ich jetzt noch nicht gesehen.

Wegen den starken Bezügen zu Gastmählern noch nachdrücklicher zu erwähnen ist die aktuelle Sonderausstellung „Neues Licht aus Pompeji“ in den Münchner Staatlichen Antikensammlungen (die endet Anfang April 2023, wenn sie nicht verlängert wird). Im verlinkten Artikel stellt die LMU-Professorin Ruth Bielfeldt die wichtigste Tagesmahlzeit Cena als etwas vor, zu dem in pompejanischen Familien mehrfach in der Woche geladen wurde. Wo reglementiert war, wer wo lag und was zu sehen war und bei dem Licht als aktiver Gestalter eine Rolle spielte. „Das soziale Leben verdichtete sich im Gastmahl, im Fest. Alles Networking lief über die Cena.“

Und: „.. die römische Cena hatte nichts mit Gemütlichkeit zu tun.“ Nunja, so richtig unangenehm wird es hoffentlich nicht empfunden worden sein. Aber was Walter Sedlmayr als Theodor Hierneis von häufigen einsamen Essen Ludwigs II erzählte, zu denen er nur in seiner Phantasie vorhandene geschichtliche Damen als Gesellschafterinnen empfing, klingt in so einem eventuell stressigen Cena-Zusammenhang dann doch ganz charmant.

Beim Herumhören unter Alleinlebenden, die sich jeden Weihnachtsfeiertag zusammentun oder irgendwo anhängen könnten, wird anscheinend überall mindestens ein freier Tag gewünscht. Anderseits ist das Networking sicher auch eine tolle Sache. Man kann die Gelegenheit nutzen und nach Rezepten und dem Handling von Gerichten fragen, die einem früher gut geschmeckt haben. Oder was bei solchen Events früher immer gut gefallen hat. Wie man bei Ludwig II sieht, gehen sogar fließende Übergänge. Bei manchem wird man zu spät kommen, da bräuchte man eine tatsächlich funktionierende Séance, aber vermutlich dürften etwa wegen dem geänderten Blickwinkel auch vorgestellte Gesprächspartner manchmal ganz anregend sein.

Ich wünsche allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gutes neues Jahr! Und hoffe im nächsten Jahr bewegt sich ganz allgemein alles wieder in besseren Bahnen.

Samstag, 29. September 2018

Etrusker in Karlsruhe

Mitte Mai waren wir in der einen Monat später beendeten Ausstellung „Die Etrusker — Weltkultur im antiken Italien“ des Badischen Landesmuseums im Karlsruher Schloss.

Die letztes Jahr am selben Ort gezeigte Ramses-Ausstellung hatten wir ausgelassen und sind seinerzeit stattdessen in „Amerika nach dem Eis“ im Karlsruher Naturkundemuseum gegangen. Ein Argument gegen die ausgelassene Ramses-Option war, daß ich von dieser Ausstellung nur neue Wissensverästellungen für einen unterproportionierten Stamm befürchtete. Das erklärt sich dadurch, daß ich selbst große ägyptische Spezialthemen wie Ramses nur mit einigem Nachlesen in ihr Umfeld einsortieren kann. Bei einer allgemeinen Etrusker-Ausstellung würde ich das aber wegen der engen Verbandelung mit anderen Kulturen genau andersherum sehen: selbst jemand der sich nur mit Kelten, Griechen oder Römern beschäftigt und keinen besonderen Etrusker-Bezug hat, sollte gewinnbringend in so eine Etrusker-Ausstellung gehen können.

Die Karlsruher Ausstellung entsprach diesen Erwartungen. Bei den in zeitlicher Abfolge aufgebauten Ausstellungsstücken wurde man nahe des Eingangs von einer „Grabstele aus Casale Marittimo, Nekropole von Casa“ begrüßt, die an die keltischen Grabstelen von Hirschlanden oder vom Glauberg erinnerte. Und ziemlich am Schluß — ein wenig über die neuzeitliche Etrusker-Wiederentdeckung folgte noch — sah man das Standbild des Aule Metele. Der sieht wie ein Römer aus, gibt sich aber durch eine Inschrift als waschechter Etrusker zu erkennen. Und zwischen Grabstele und Aule Metele nahm das große Spannungsfeld zwischen etruskischen Eigenständigkeiten, etruskischer Produktion im dominierenden griechischen Stil und griechischen Importen einen breiten Raum ein.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Dieses Spannungsfeld ist ein Klassiker der Etrusker-Rezeption. Ein paar Tage nach der Ausstellung fand ich in einem Münchner Weisser-Rabe-Gebrauchtwarenkaufhaus ein Buch über die „Etruskische Kunst“ von 1969 mit 20 Seiten bebildertem Text und 90 zusätzlichen Seiten mit Fotografien. Dieses Buch arbeitet sich auch schon intensiv an diesem Thema ab. Ich will nicht tiefer auf den Text eingehen, weil darin seinerzeit Belegbares fließend in Vermutungen des Autors über die etruskischen Verbindungen zu den Griechen übergeht. Und bei dem damals nur Vermuteten müßte sich durch die vielen Ausgrabungen der letzten 50 Jahre einiges getan haben. Es ist aber sicher sehr interessant mit solchen Gedankengängen tiefer einzusteigen. Was würde man selber mögen? Das, was als verbleibende etruskische Eigenständigkeit identifiziert wird? Oder die vermutlichen Importvorlieben? Oder das, was sie lieber ausgelassen haben? Karlsruhe hat den „Kopf einer Terrakottastatue des Gottes Hermes/Turms“ für sein Ausstellungsplakat verwendet. Der soll so etwas wie die etruskische Mona Lisa sein. Wo beginnt bei dem die etruskische Eigenständigkeit? Und wenn er einem gefällt - paßte er überhaupt noch zum Stilgefühl der Zeit Aule Meteles?

Etrusker-Ausstellungen gab es aktuell im deutschsprachigen Raum einige. Die des Badischen Landesmuseums wurde als die „seit vielen Jahren größte deutsche Etrusker-Schau“ charakterisiert. Ich weiß nicht, inwieweit das zutreffend ist. Ich kenne auch keinen vergleichenden Artikel über die aktuellen Etrusker-Ausstellungen. Beim Blick in mein altes Etrusker-Buch war dort jedenfalls schon einiges von dem zu sehen, was dann in Karlsruhe ausgestellt wurde. Das Buch hat sogar ebenfalls mit Aule Metele abgeschlossen. Vielleicht konnte man in Karlsruhe mehr Etrusker-Prominenz herbeischaffen als in den anderen Etrusker-Ausstellungsorten, und das Gezeigte wird dann wieder viele Jahre nicht mehr bei uns zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigte schwerpunktmäßig viel Schönes aus den Gräbern der Reichen. Die dafür notwendige Leistung wurde aber von vielen erbracht, von denen in der großen Mehrzahl unbekannt bleibt, wie sie lebten und wie sie begraben wurden. Um an solche Hintergründe zumindest zu erinnern, hat man in einer Ausstellung in der Münchner Archäologischen Staatssammlung — ich vermute es war „Luxus und Dekadenz“ — Vorrichtungen gezeigt, an die Sklaven über Nacht angekettet wurden. Ein umfassenderer Blick auf die Gesellschaft böte vielleicht auch die Möglichkeit nachzuvollziehen, warum sie wie im gegebenen Fall die Etrusker gegenüber den süditalienischen Griechen und den Römern dann so in das Hintertreffen geraten ist.

Fotografieren muß in der Sonderausstellung wieder verboten gewesen zu sein. Ich habe es mittelbar über eine Frau mitbekommen, die eine „Goldene Kammschließe mit plastischer Dekoration“ mit ihrem Smartphone aufnehmen wollte. Sie wurde auch noch von der Vitrine vergrault, um einer Presseführung inklusive einem Fotografen Platz zu machen. Kurz zuvor hatte eine andere Frau die Kammschließe noch unbehelligt fotografieren können, da stand die Aufsicht gerade woanders. Das Fotografierverbot hat sich anscheinend in Zeiten heutiger Smartphone-Gewohnheiten zum Flöhehüten entwickelt, wobei auch das ältere Publikum immer hemmungsloser wird. Einer älteren Besuchergruppe erklärte ihr Führer gerade in die Ohrhörer, daß sie nicht fotografieren dürften, sonst käme die Aufsicht. Dann mußte er selbst hinter zwei im Hintergrund tätig werdenden Teilnehmerinnen herjagen.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Das geschah in dem Bereich, in dem es um etruskische Tempel ging. Via Saaltext konnte man dort erfahren, daß ein bestimmter etruskischer Tempelbezirk als „Begegnungsstätte für Reisende, Seefahrer, Kaufleute und Handwerker aus Griechenland, dem karthagischen Nordafrika und dem Vorderen Orient“ gedient haben mußte. Vielleicht wollten die beiden Damen die Fotos verschicken, vielleicht wollte man sie woanders jemandem auf dem Smartphone zeigen, vielleicht sollten sie zuhause als Inspiration für eigene Gestaltungen dienen. Ich würde überall die durch den Musentempel angeregten Begegnungen sehen - und die versucht man durch das Fotografierverbot auf Null runterzudimmen.

Es gibt nachvollziehbare Begründungen für das Verbot, etwa wenn der Leihgeber einfach nicht will, daß sein Ausstellungstück fotografiert wird. In Karlsruhe hatte das Verbot aber eine bemerkenswerte Besonderheit. Auf der mittlerweile in den „Rückblick“ umgehängten Ausstellungswebseite konnte man sich vier Fotos von Ausstellungsstücken ansehen. Mit etwas Nachsuchen fand man aber auch eine mittlerweile nicht mehr zugreifbare Bildergalerie im Presseservice mit 68 qualitativ wesentlich besseren Bilddateien. Auf der Ausstellungswebseite gab es beispielsweise die Aule-Metele-jpg-Datei in einer Größe von 133 kB, der „hochauflösende“ Aule Metele aus dem Pressebereich brachte 2,32 MB auf die Platte. Im Pressebereich war auch die schon genannte Kammschließe mit 2,29 MB und „die etruskische Mona Lisa“ mit 2,03 MB verfügbar. Diese Pressebilder konnten Medien verwenden und auf ihrer Webseite einstellen. Man könnte jetzt denken: wenn schon ein Fotografierverbot sein muß, aber zu einer Vielzahl von Ausstellungsstücken hochqualitative Bilddateien einfach zugänglich sind und verbreitet werden sollen, warum versucht man nicht irgendwie die Besucher vom Fotografieren auf die Verwendung dieses Bildmaterials abzulenken?

Ergänzend soll auch an den Anspruch des Landesmuseums hinsichtlich seines „Digitalen Katalogs“ erinnert werden: „Das Badische Landesmuseum betreibt mit Nachdruck die Digitalisierung seiner Sammlungsbestände...“. Die Idee solche Digitalisate passend zu Ausstellungen bereitzustellen und über die Ausstellung zu promoten wäre naheliegend. Ich habe nichts von Karlsruher Etrusker-Digitalisaten mitbekommen. Gehen tut das Erstellen und Freigeben von Digitalisaten schon, vor ein paar Wochen ging diese Meldung durch die Sozialen Medien: „Hundreds of Classical Sculptures from the Uffizi Gallery Now Digitized & Put Online: Explore a Collection of 3D Interactive Scans“.

Wie das Fotografier- habe ich auch das Katalogproblem schon früher angesprochen. Für mich wäre es im Sinne einer „Arbeitsbibliothek“ am günstigsten, wenn die Karlsruher Kataloge online ausleihbar wären. Ich könnte dann virtuell mal schnell einen alten Katalog aus dem Regal ziehen und irgendetwas nachschlagen. Die Karlsruher Kataloge gibt es aber nur in gedruckter Form. Den neuen Katalog zur im Dezember beginnenden Ausstellung „Mykene: Die sagenhafte Welt des Agamemnon“ sehe ich auch nur in gedruckter Form angekündigt. Man vergleiche mal das Angebot der MetPublications und bedenke die für so ein Angebot vermutlich notwendige Vorlaufzeit.

Etrusker-Ausstellung im Karlsruher Schloss

Irgendwie bin ich dieses Jahr auch gedanklich bei den alten Begleit-CD/DVDs zu den Ausstellungen hängengeblieben, die einige Jahre lang bis etwa 2010 verkauft wurden. Ich fand die im Nachhinein zunehmend ärgerlich, weil ich mal eine oder zwei aus der Münchner Stadtbibliothek ausgeliehen habe und die gegenüber den Internetmöglichkeiten schon in ihrer Entstehungszeit für konzeptionell überholt hielt und auch von der inhaltlichen Substanz nicht überzeugt war. Der zunehmende Ärger beruhte zum einen darauf, daß keine inhaltliche Unterstützung auf dem Level der stärkeren Kataloginhalte erkennbar war. Anderseits war das Badische Landesmuseum mit der „Entwicklung eines virtuellen Museums für die Highlights der Sammlung 'Karlsruher Türkenbeute'“ 2003 beim Thema Digitalisierung und Museum im Internet vergleichsweise sehr weit vorn. Man könnte denken, da muß man dann nur immer einen Schritt vor den anderen setzen und stellt sich dann automatisch konzeptionell viel besser auf.

Ich habe es mir dann so erklärt, daß die Füße nicht die des Landesmuseums waren, auf deren Basis seinerzeit das virtuelle Museum entwickelt wurde. Ich halte es für gut möglich, daß die Begleit-CD/DVDs in überhaupt keinem geistigen Bezug zum virtuellen Museum entstanden sind. Die waren vielleicht nur dazu da, daß die Oma dem Enkel mit Computer etwas mitbringen konnte. Führend blieb der gedruckte Katalog, und auf den CDs bzw. DVDs sollte nichts sein, was diese Führungsrolle ankratzte. In mein Erklärungsmodell habe ich nun schnell noch die frühe App zur Kykladen-Ausstellung 2012 als im Grunde genommen wesensfremd einsortiert. Das erklärt mir etwas meine damalige Feststellung „ich habe in keinem der ausgehängten Presseartikel einen Hinweis auf die App-Neuerung gesehen“ (was ja eigentlich für eine Neuerung ziemlich fatal ist).

Derzeit läuft im Karlsruher ZKM die Ausstellung „Open Codes“. Ich war da schon drin und sehe bislang nur Nullen und Einsen. Ich hoffe das wird besser, dann werde ich hier berichten. Vom Badischen Landesmuseum erhoffe mir eine tolle Mykene-Ausstellung, erwarte aber erst einmal keine Inspirationen zu „digitalen Welten“ oder einer „Welt als Datenfeld“, wenngleich nun sogar ein „MuseumCamp — Ein Forum für Ihre Ideen“ helfen soll, „um die aktuellen Fragen der Gegenwart anzugehen“.

Montag, 16. März 2015

„Klein, aber fein“

Gestern waren wir in „Kykladen - Frühe Kunst in der Ägäis“ in der Münchner Archäologischen Staatssammlung. Das ging mit dem Besuch nun doch ganz flott. Ich hatte erst im letzten Monat auf den Start der Kykladen-Ausstellung hingewiesen. Und vor dem Besuch hatten wir sogar schon eine Rückmeldung per Kykladen-Ansichtskarte bekommen: „Klein, aber fein“.

Archäologische Staatssammlung München

Die Bewertung trifft den Sachverhalt ganz gut. Die Spekulationen über die Bestückung der Ausstellung in meinem oben genannten Eintrag waren überhaupt nicht relevant - die Ausstellung ist verglichen mit der Karlsruher Kykladen-Ausstellung wesentlich kleiner. Dabei wurde nicht nur bei den Exponaten ausgedünnt. Der thematische Bogen ist nun wesentlich weniger breit gespannt.

Archäologische Staatssammlung München

Die griechischen Tannen für die Langboote, ihre Verwendung, ihr Aktionsradius, die Drehscheibenfunktion der Kykladen und die Ablösung durch die gesegelten Schiffe der Minoer - das spielt in der Münchner Ausstellung keine oder kaum eine Rolle. Nun gut, viel davon ist Spekulation auf Basis spärlicher Überreste. Es gab aber eine bessere Vorstellung von der Kraft und Dynamik, die hinter der Kultur steckte.

Archäologische Staatssammlung München

Ich bin in Karlsruhe bei der unbeantworteten Frage nach einem Nachwirken der Kykladen-Kultur bei Minoern und Mykenern hängengeblieben. Ich hatte dort nichts davon mitbekommen, daß sie die „Idole so aufgegriffen und in ihr Schaffen eingebaut hätten wie Pablo Picasso oder Henry Moore.“ Dieses in Karlsruhe dargestellte Aufgreifen durch die Moderne ist in München auch entfallen. Was vielleicht im Blick auf eine Profilbildung gegenüber dem nahen Haus der Kunst ein Versäumnis ist. Ich habe immer noch das Vorurteil, daß dieselbe Ausstellung unter dem Kunstetikett im Haus der Kunst mehr als 10mal soviele Besucher anziehen würde. Anderseits sind wir mit dieser Abstraktion aufgewachsen, was brauchen wir Verweise auf Picasso und Moore? Die wirklich an Kunst Interessierten werden auch so den Weg in die Archäologische Staatssammlung finden.

Archäologische Staatssammlung München

Also noch ein paar Ausstellungsstücke mehr aus der Kykladen-Kultur selbst wären nett gewesen. Platzmäßig wäre das gegangen. In den üblicherweise für Sonderausstellungen genutzten Raum hätte man noch einiges stellen können. Daneben belegt die Kykladen-Ausstellung auch noch im klassischen Dauerausstellungsbereich den geöffneten ebenerdigen Teil. Von der Dauerausstellung ist aktuell nur die Römerzeit im Keller zu sehen. („In den Abteilungen Vorgeschichte, Mittelalter und Neuzeit, der Mittelmeersammlung und Numismatik werden derzeit dringende Renovierungsarbeiten durchgeführt.“)

Archäologische Staatssammlung München

„Klein, aber fein“ - die Ausstellung ist zwar nicht groß, ist aber trotzdem sehr schön und empfehlenswert. Die schönen Exponate und ihre Beschriftungen sind gut zu erkennen und auch inklusive der schon kritisch gewesenen Gesamt- und Objektbeleuchtung angemessen repräsentiert. Und die gesparte Zeit kann man bestens nutzen, in dem man eine Pause mit einem Kaffee von der Museumskasse und einen Spaziergang im Englischen Garten mit einplant.

Archäologische Staatssammlung München

Der Eintrittspreis ist für die Ausstellung okay. Man könnte dafür noch ein paar Exponate im Sonderausstellungsraum haben wollen. Aber wenn man zum für München günstigen Kaffee in der Archäologischen Staatssammlung ein wenig isst, ist man schon im Bereich des Eintrittspreises, und so gesehen wäre ein Nachfordern bei der Ausstellung kleinlich. Die opulente Karlsruher Ausstellung war dann aber schon ein Schnäppchen dagegen. Wer damit Probleme hat, kann aktuell im „Großen Katalogsonderverkauf“ versuchen ebenfalls Schnäppchen zu ergattern. Manches davon sollte es noch zu unseren Lebzeiten im Internet deutlich besser geben. Kataloge mit vielen Seiten relativ klein und schwarz-weiß fotografierter Münzen - die kamen mir nicht in die Tüte. Und generell bin ich skeptisch was die Zukunft dieser Art der gedruckten Kataloge angeht. Wurde dann aber doch mit angeblichem Platz auf dem Regal von fünf mittelgroßen und kleineren Katalogen zu 3 Euro das Stück überzeugt.

Samstag, 8. Februar 2014

„Ötzi 2.0“ in der Archäologischen Staatssammlung

Seit gestern ist in der Münchner Archäologischen Staatssammlung die Ausstellung „Ötzi 2.0 - Neues von der Eismumie“ zu sehen.

„2.0“ oder „3.0“ zeigen als Versionsnummern eine größere Veränderung gegenüber den Vorgängerversionen an als „1.9“ oder „2.9“. Man erwartet da vielleicht schon einen Generationswechsel, was immer das dann für die Produkte bedeuten mag. Speziell die Versionsnummer „2.0“ hat durch das Schlagwort „Web 2.0“ eine große Verbreitung gefunden. Beim Web 2.0 ging das in Richtung „Mitmachweb“, veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internets, das war verglichen mit den sanften Generationswechseln mehr ein Paradigmenwechsel.

Bei der Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung darf man zwar mitmachen - man darf auf „interaktiven Modulen“ herumdrücken und einige Mikroskope stehen für eigene Untersuchungen bereit. Aber die Ergebnisse fließen natürlich nicht in die Ötzi-Forschung ein. Die „2.0“ drückt auch keinen Paradigmenwechsel aus, sondern mehr die aktuelle Generation des Wissens, das man in den zurückliegenden Jahren gewonnen hat. Die „2.0“ ist also mehr die normale Versionsnummer, deren technische Anmutung hat man gerne für die Ausstellung übernommen hat: wie schon in der Karfunkelstein- und Seide-Ausstellung vorgezeichnet, soll die Verbindung von Archäologie und Naturwissenschaften deutlich werden. Zudem gibt die Versionsnummer der Hoffnung Ausdruck, daß es weitere sensationelle Erkenntnisse und mithin irgendwann auch einen Ötzi 3.0 und einen Ötzi 4.0 geben wird.

Mit diesen Erklärungen für „Ötzi 2.0“ kommt man in der Ausstellung fast schon hin. Zu ergänzen wäre noch, daß die Münchner Ausstellung vom Südtiroler Archäologiemuseum Bozen konzipiert wurde (andere gehörte Formulierung: „kompakte Form dessen, was es in Bozen zu sehen gibt“) und daß es in Bozen zum 20. Jahrestag des Ötzifundes 2011 eine „Ötzi20“-Ausstellung gab und daß das in München verkaufte „Ötzi 2.0“-Buch von 2011 ist und von der Bozener Museumschefin Dr. Angelika Fleckinger herausgegeben wurde. Da habe ich das Nachsuchen zur Historie abgebrochen, wie die 20 mit der 2.0 zusammenhängt ist mir unbekannt geblieben.

Bozen ist der aktuelle Aufbewahrungsort von Ötzi. Die Geokoordinaten der Fundstelle von Ötzi und die Diskussionen um die Zuordnung zu Südtirol oder Österreich kann man dem Wikipedia-Artikel zu Ötzi entnehmen. Die Fundstelle ist von München aus nicht so aus der Welt. Nur mit Karte und ohne tiefere Ahnung meinerseits gesagt, wäre die Strecke für einen Ötzi auf vorhandenen Jungsteinzeitpfaden gut machbar gewesen. In das Karwendelgebirge geht es ja außerhalb der Winterzeit noch einfach, das habe ich mal in „Alpine Contrasts“ geschrieben. Von dort rüber in das Inntal und vom Inntal in das Ötztal und dann hoch zum Fundort.

Wie die Situation da oben so in etwa ausgesehen hat, also wo vielleicht die damaligen Verbindungen über die Wasserscheide verliefen und wo Ötzi in das 5000jährige Eis geraten ist, dazu hat mir im Nachhinein ein klassisches Modell gefehlt. Wäre ja nicht schlecht zu sehen, wo und wie sich der Bogenschütze anschleichen konnte, wenn Ötzi tatsächlich da oben durch einen Pfeilschuß getötet wurde. Ansonsten wird in der Ausstellung der Ötzi-Fund aber wie es zu erwarten ist in sehr sehr vielen Facetten ausgeleuchtet. Die Umstände des Fundes, die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Fund, die Abfolge der Erkenntnisse in der Ötzi-Forschung, die orginalgetreu rekonstruierten Ausrüstungsgegenstände Ötzis, die zeitliche Einsortierung Ötzis lange nach den ersten Bauern in Mitteleuropa und vor den großen Pyramiden, das Klima, die Lebensumstände. Man kann in einem interaktiven Modul sehen, wie die einzelnen Kleidungsstücke getragen wurden. Man kann an einer Station Fell und mitgenommene Pilzarten anfassen und das unterschiedliche Gewicht und die unterschiedliche Beschaffenheit der verwendeten Holzarten feststellen. Überhaupt ist die Ausstellung sehr auf dieses Erfahren von Wissenschaft ausgerichtet. In einem vom Hauptraum abgetrennten Bereich sind die genannten Mikroskope aufgebaut und man kann sich dem Erforschen verschiedener Getreidearten, den unterschiedlichen Spuren an Zähnen oder der Untersuchung gebrochener Knochen widmen.

Der große Hauptraum der Ausstellung ist in ein Rechteck und ein an zwei der Rechteckseiten anliegendes größeres L geteilt. Diese beiden Teile sind ziemlich dunkel gehalten. Die meisten Austellungsmodule sind selbstleuchtend, also Schrift auf einer leuchtenden Fläche oder Auswahlfeld hintergrundbeleuchtet und angezeigte Kleidung ebenfalls hintergrundbeleuchtet. In dem Rechteck ist die gegenüber dem Eingang liegende Langseite mit solchen Modulen bestückt, so daß man beim Hineingehen auf ein paar helle Module zuläuft, was mit etwas Deko am Eingang an einen Gletscher denken lassen soll. Wurde mir hinterher gesagt, ich habe irgendwie nur die Module fixiert und das nicht gemerkt. In der Mitte dieses Rechtecks ist im Dunkeln eine Ötzi-Replik aufgebahrt. An der anderen Langseite ein einsamer waagrecht angebrachter Zeitstrahl - wohl in dem Fall ein Horizontal- oder Längsmodul. Der Zeitstrahl reagiert segmentweise mit seiner Beleuchtung auf Annäherung - vielleicht hätte der Zeitstrahl wegen dem dunklen Ötzi davor und den Modulen gegenüber permanent heller leuchten müssen. Etwas komisch fand ich die Aufstellung von zwei interaktiven Modulen im Übergang vom Rechteck in den L-Teil. Passend damit ich etwas zum Anschwärzen sehe, wollte vor mir ein von Dunkelheit umgebener Rollstuhlfahrer durchgeschoben werden, während vor den beiden hellen Modulen jeweils Leute standen. In beiden Raumteilen hätte es noch genug Platz an dunklen Wänden gegeben.

Verständlicherweise - man braucht ja noch das Forschungsmaterial für Ötzi 3.0 und 4.0 - ist von der Ötzi-Ausrüstung in der Ausstellung fast nichts im Orginal zu sehen. Nur ein Ahornblatt tief unter Glas, das Ötzi für das Einwickeln von Glut verwendet hat. Und „eine Life-webcam ist direkt mit der Kühlkammer“ des originalen Ötzi „in Bozen verbunden“. Ich habe nichts erkennen können, was ich aber auch nicht schlimm gefunden habe.

Ötzi-Fans müssen natürlich in die Ausstellung, wenn sie nicht lieber gleich nach Bozen fahren. Die Münchner Ausstellung ist nicht als Ersatz, sondern als Werbung für das Südtiroler Archäologische Museum gedacht. Leute mit Forscherdrang dürfen sich an mehreren Stationen endlich einmal selbst mit der Altersbestimmung aus Schädeln und ähnlichem beschäftigen. Eltern mit entsprechend interessierten Kindern sollten Zeit einplanen. Vielleicht wären da auch die angebotenen „Workshops für Erwachsene und Kinder“ eine nette Idee. Außer wegen den Veranstaltungen zur Ötzi-Ausstellung empfiehlt sich auch wegen der Möglichkeit einer Kombination mit der kommenden Sonderausstellung „Die Mumie aus der Inkazeit“ ein Blick auf die Museumswebsite. Diese Ausstellung soll ab 28. Februar in der Archäologischen Staatssammlung starten und dann wie die Ötzi-Ausstellung bis zum 31. August dauern.

Samstag, 11. Januar 2014

„Imperium der Götter“ in Karlsruhe

Im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss ist derzeit die Ausstellung „Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus. Kulte und Religionen im Römischen Reich“ zu sehen. Mit manchen Ausstellungstiteln ist es schon ein Kreuz - die zuletzt besuchte Ausstellung „Pompeji — Leben auf dem Vulkan“ zeigt auch viele Ausstellungsstücke aus der Region um Pompeji herum. Und ob diese Ausstellung das Leben auf dem Vulkan wiedergibt? Der Karlsruher Titel ist, richtig gelesen, genauer: „Imperium der Götter“ - das „Imperium“ bezieht sich auf das römische Reich. „Isis – Mithras – Christus“ - sind Schwerpunkte der Ausstellung. Und das waren „Kulte und Religionen im Römischen Reich“. Es geht nicht um alle Kulte im römischen Reich.

Begrüßt wird man noch von Jupiter und seiner engeren Göttergefolgschaft. Der römische Olymp — die römischen Götter waren schon lange an die griechischen angepasst — ist mit kleinen Götterfiguren illustriert, zwei davon aus dem Schatzfund aus Weißenburg, und man wird ein wenig in das religiöse Leben der Römer eingeführt. Via Bacchus geht es zu den Schwerpunkten, den „sogenannten orientalischen Kulten“ Mithras, Isis, Mater Magna/Kybele und Jupiter Dolichenus und danach zu den den „östlichen Religionen“ Judentum und Christentum. Die Ausstellungsflächen sind ungleich verteilt. Von Jupiter Dolichenus und dem Judentum ist weniger zu sehen, Mithras, Isis und Kybele kommen sehr gut weg.

Die Ausstellung ist teilweise eng gestellt. Man sieht sich zahlreichen kleinen und größeren Götterfiguren gegenüber. Es gibt überraschend viele kleine Tempelmodelle, und dazu noch zwei begehbare 1:1-Rekonstruktionen - die Katakombe der Heiligen Marcellinus und Petrus und das Mithräum von S. Maria Capua Vetere. In diese opulent ausgestattete Ausstellung sollte man viel Zeit mitnehmen oder einen zweiten Besuch miteinplanen.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Um die Ausstattung mal am Beispiel Mithras zu veranschaulichen: Karlsruhe ist mit diesem Gott sowieso schon bestens versorgt. Nun kommen auch noch die Leihgaben hinzu. Fotos von einfarbigen Mithras-Reliefen in Standarddarstellung hat man vielleicht so ungefähr im Kopf. In Karlsruhe gibt es jetzt ein drehbares Relief und eines aus Rom mit gut erkennbaren Farbresten und umfangreicherem Bildprogramm. Es gibt die regionalen Bezüge, auf die Mithräen im nahen Güglingen wird ausführlich eingegangen. Dazu gibt es ein kleines Tempelmodell und noch die erwähnte begehbare Rekonstruktion.

Blick vom Karlsruher Schloss in Richtung Stadtzentrum mit den Türmen von Rathaus und Stadtkirche

Anhand des hochrangigen Bestands des Landesmuseums habe ich schon mal das Problem „Dauer- versus Sonderausstellung“ beschrieben. Da war ich im dauerausgestellten Mithräum unten im Keller ganz allein und zwei Stock obendrüber war die Imperium-Romanum-Ausstellung proppevoll. Nun sieht man bei einem Mithras in der Sonderausstellung wohl auch ein Problem und es gibt dort tatsächlich zwei Hinweise auf die Dauerausstellung. Ich zweifle ob es hilft. Ich habe es nicht kontrollieren können. Ich habe mich vor dem Schloss mit meinem Freund aus der Schulzeit Wintersonne getroffen und bin gleich mit ihm in die Sonderausstellung und nach dem Schlosscafé war es kurz vor Museumsschluß.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Mithras kommt mit seinen Reliefen vielleicht nicht so facettenreich rüber. Demgegenüber kann man in der Wikipedia von mehreren Jupiter-Ausprägungen lesen, die teilweise ihre eigenen Tempel hatten, nebeneinander existierten und vermutlich ihre eigenen Verehrungskonjunkturen hatten. Also man sieht sich nicht nur zahllosen Göttern gegenüber, es gibt von den Göttern auch unterschiedliche Ausprägungen, die je nach Bedarf hervorgehoben und verehrt wurden.

Wie man in Karlsruhe sehen kann, ist Isis ein Beispiel für diese Ausprägungen. Ich hatte im Eintrag über das neue Münchner Ägyptische Museum von einer Führung und meinen Notizen berichtet: Serapis, „eine Art Retortengott der Ptolemäer mit Rauschebart“. Und „Die Ikonografie von Isis + Horus geht nahtlos auf Maria + Jesus über.“ Man kann das in der Karlsruher Ausstellung nachvollziehen. Aber es gibt die Isis auch in anderen, von Maria deutlich unterschiedenen Darstellungsformen.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Wie erwähnt ist die Ausstellung mittels dieser einzelnen Götter/Religionen strukturiert. Diese Teile stehen in der Ausstellung ohne Querbezüge nebeneinander, also man weist bei Isis nicht auf die oben genannten Übernahmen hin. Die Ausnahme ist etwas der Ausstellungsteil zum Christentum, zu dem etwa die von den anderen Kulten übernommenen Feiertage angegeben werden. Querbezüge zwischen den Kulten/Religionen wie die oben angesprochene Ikonografie oder vielleicht die Ausgestaltung einzelner Ausprägungen der Götter dürften aber auch eher normal als ungewöhnlich gewesen sein und damit so zahlreich, daß sie in der Ausstellung nicht eigens angesprochen werden konnten. In dem Zusammenhang ist zu beachten, daß etwa der römische Mithras wegen den zahlreichen Unterschieden zur persischen Vorlage als römische Neuschöpfung gilt. Bei den anderen „orientalischen Kulten“ werden die Einflüsse im Imperium ebenfalls nachhaltig gewesen sein und sie entsprechend zahlreiche Querbezüge aufweisen. Spätestens hier ergibt sich die Frage, wie es derweil den römisch/griechischen Göttern ergangen ist? Auf die Kulte von Demeter und Dionysos-Bacchus als wichtigsten Mysterienkulten der Antike wird kurz hingewiesen, aber unter den Hauptthemen waren sie in dieser Ausstellung nicht.

Ausstellung 'Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus' im Karlsruher Schloss

Also eine sehr opulente Ausstellung, bei der man sicher auf seine Kosten kommt, aber die man bei dieser Göttervielfalt auch mit ihren zwangsläufigen Beschränkungen sehen muß. Es gibt zahlreiche Ausstellungsstücke, von denen man sich regelrecht losreißen muß (hinsichtlich der Marmorskulptur aus dem Isis-Tempel in Pompeji hoffe ich auf 3D-Modelle und -Drucker). Und der Eintrittspreis ist nicht hoch. Vollzahler 8 Euro, mit Bahncard bin ich — die Götter wissen warum — sogar für 6 Euro reingekommen.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Pompeji in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Am 16. November waren wir in „Pompeji — Leben auf dem Vulkan“. Die Ausstellung in der Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung war am Tag zuvor für die Allgemeinheit geöffnet worden und soll dort noch bis zum 23. März 2014 zu sehen sein.

Im Kopf hatte ich noch die Bilder mehrerer Besuche von „Luxus und Dekadenz — Römisches Leben am Golf von Neapel“ 2009 in der Archäologischen Staatssammlung. Hinzu kam ein in der Zeit dieser Wanderausstellung häufig in Phoenix wiederholter Film über die römischen Luxusvillen am Golf von Neapel. Zuvor fanden 2006 ebenfalls in der Archäologischen Staatssammlung „Die letzten Stunden von Herculaneum“ statt. Und als „Vorspann“ gab es 1999 im Münchner Haus der Kunst die Ausstellung „Odysseus — Mythos und Erinnerung“, da spielten die Grotte des Tiberius bei Sperlonga und das Nymphäum des Kaisers Claudius in Baiae eine große Rolle.

Aber die schönen Sachen der alten Römern sieht man ja gern öfters. Eher hätte ich deshalb mit der Pompeji-Ausstellung noch warten können, weil ich etwas in ganz anderer Richtung befürchtete: eine Dramaturgie in der Art „Die letzten Tage von Pompeji“, etwas zum Verfall des heutigen Pompeji (ab und zu stürzt ja dort eine Mauer ein) oder ganz viele Hohlraum-Ausgüsse von Toten. Und das habe ich in dieser Novemberphase nicht gebraucht (jetzt geht es wieder, jetzt brauche ich nichts für den größer werdenden Dezemberstress). Aber ich ging mit und ich fand nichts Herunterziehendes in der Ausstellung. Sie ist „schön“, also so in der Art „Luxus und Dekadenz“ und „Odysseus — Mythos und Erinnerung“. Keine zusammengestürzten Orginalmauern in der Ausstellung, wenig Ausgüsse, und die in einem Raum konzentriert.

Die ausgestellten Mosaiken und Wandmalereien sind museal, also schon für die Ausstellung in Museen aufbereitet. Es wird hochrangigstes Kunsthandwerk gezeigt. Die Ausstellung wird auch Kunstausstellungsinteressierte ansprechen, die es nicht so mit den alten Römern haben. Hinsichtlich der Kunst will ich nicht über die Feinheiten spekulieren, etwa ob die räumlichen Voraussetzungen oder die Erfahrung mit Kunstausstellungen eine stärkere Rolle spielten, aber die Sammlung Gladiatorenhelme fand ich für archäologische Objekte fast schon zu eindrücklich. Die blieben in einem ebenfalls zum Gladiatoren-Thema gestalteten kleinen Raum der Luxus-Ausstellung einfach nur archäologische Ausstellungsstücke.

Eingangs der Pompeji-Ausstellung steht die Archäologie noch merklicher mit im Vordergrund. Da werden Zeugnisse früherer Vesuv-Ausbrüche gezeigt und die zeitliche Dimension spielt auch eine größere Rolle — man hat bronzezeitliche und eisenzeitliche Katastrophen nachweisen können. Auf der Website der Hypo-Kulturstiftung ist eine „Fußspur in der Ascheschicht eines vorgeschichtlichen Vesuvausbruches“ aus dem Eingangsbereich zu sehen. Aber schon dieser Eingangsbereich wird dominiert von „schönen“ kaiserzeitlichen Werken. Im ersten Raum etwa das wie ein Tafelbild gehängte „Mosaik mit der Darstellung eines Skeletts“ und das Bild „Bacchus und der Vesuv“ (beide sind ebenfalls auf der Website zu sehen).

Wie bildet man das „Leben auf dem Vulkan“ einer ganzen Stadt ab? Man interpretiert den Ausstellungstitel etwas frei und geht bei den ausgestellten Stücken sogar über Pompeji hinaus, zeigt also Ausstellungstücke aus der Region mit Schwerpunkt auf Pompeji. Und das Leben stellt man durch ausgewählte Beispiele dar. Also z.B. der erwähnte Raum mit Ausstellungsstücken aus einer Gladiatorenkaserne, ein Raum zum „Haus des Menander“. Auf dem Weg zum Haus des Menander ist ein Teilbereich des Raumes dem „Haus der arbeitenden Maler“ gewidmet. Später Gartenmalereien aus dem „Haus des Goldenen Armreifs“, ein Teil der Mosaikwand des Nymphäums von Massa Lubrense und Exponate aus dem Augusteum von Herculaneum.

Das „Haus der arbeitenden Maler“ ist wirklich nach den zur Zeit der Katastrophe in dem Haus arbeitenden Malern benannt. Da kann man den Malern in ihre Farbtöpfe sehen. Sonst ist wie gesagt unter den Ausstellungsstücken viel hochrangigstes Kunsthandwerk, welches sicher nicht so direkt etwas mit dem Leben auf dem Vulkan der Mehrzahl der Bevölkerung zu tun hatte. Sehr viel wird aber doch in Facetten, Texten, Zwischentönen mitgegeben. Das ist auch nicht neu, in der Luxus-Ausstellung konnte man eine eiserne Fußfessel sehen. Aber in der Pompeji-Ausstellung kam mir das Schema ausgeprägter vor.

Das „Haus des Menander“ bekam seinen Namen durch ein dort vorgefundenes Wandbild des griechischen Dichters Menander. In ihm lebte eine wohlhabende Familie mit Dienstpersonal. Im Text wird die Fundsituation der Toten im Haus beschrieben, mittelbar bekommt man also eine Vorstellung von den unterschiedlichen Schichten der Stadtbevölkerung. Ein Modell zeigt die Einbindung des Hauses in den lokalen Häuserblock mit zahlreichen wesentlich kleineren Einheiten (Läden, Wohnräume?). An der Wand ist ein großformatiges Foto von der Ausgrabung und ein eher schönes Bild vom heutigen Zustand mit Schutzdach (Bild „Peristyl im Haus des Menander“) zu sehen. Also man bekommt mittelbar mit, daß das heutige Pompeji nicht einfach so aus der Schale gepellt wurde, sondern auch ein neuzeitliches Produkt ist. (Aber es gäbe auch farblich trostlosere Bilder vom heutigen Pompeji, auf denen die Mauern nach abgenommenen Wandgemälden aussehen).

Zu den Gladiatorenhelmen ist in der Ausstellung zu lesen, daß es einen nicht lange zurückliegenden Gladiatorenaufstand gegeben hat und man alle Angriffswaffen nur in einem Raum fand. Was vermuten lässt, daß dieser Raum abgeschlossen und bewacht war. Bei einer kleinen technischen Facette in der Begrenzung vor dem angedeuteten Becken vor der „Mosaikwand des Nymphäums von Massa Lubrense“ bin ich eine Weile hängen geblieben. In einem verglasten Bereich kann man ein Stück Wasserverteiler mit Ventil aus Blei/Bronze sehen. Solche Ventile hatte ich nur aus Fernsehfilmen über die Nemi-Schiffe von Kaiser Caligula in der Erinnerung.

Also man kann außer über die schönen Dingen, die der kleine wohlhabende Teil der Bevölkerung besessen hat, auch manches über das „Leben auf dem Vulkan“ mitbekommen. Und gut, in meine Novemberstimmung hat das Abrücken in das Schöne und in Richtung Kunstausstellung gepasst. Ein anderer möglicher Kritikpunkt wären die ähnlichen Ausstellungen, die nur wenige Jahre zuvor in München stattgefunden haben. Die „Herme mit dem Portrait des Lucius Caecillus Felix“ habe ich im Katalog der Luxus-Ausstellung wiedergefunden, und im oben verlinkten Bericht von der Herculaneum-Ausstellung ist noch mehr Bekanntes zu sehen.

Fotografieren ist in der Pompeji-Ausstellung verboten, glaube ich. Ich habe gesehen, wie ein Aufseher einem klickenden Handy nachgejagt ist. In einem anderen Raum hat es einmal vom Personal unbemerkt neben mir geklickt. Wenn man an die vielen Leute mit Smartphone in der Hand in der U-Bahn denkt, muß man mittlerweile an einen Kampf gegen eingebaute Reflexe denken. Früher wären einem umständehalber nur handschriftliche Notizen in den Sinn gekommen (oder man hätte auf den Katalog gehofft). Heute gibt es einen digitalen Workflow. Man sortiert die Erinnerungsstücke zuhause geeignet mit dem größeren Rechner ein oder gibt sie gleich vom Smartphone mit einem Kommentar über das Mobilfunknetz weiter. Beim Vergleich von alten und neuen Medien sollte man immer dieses Umfeld miteinbeziehen.

Mich wundert deshalb das Festhalten an den klassischen gedruckten Ausstellungskatalogen. Es gibt sicher eine Idylle mit dem Katalog auf der Wohnzimmercouch. Man kann aber nur schlecht damit am PC arbeiten (selbst beim Spezialthema des Katalogs findet man manchmal schneller etwas im Internet, und man kann im Katalog nicht schnell ein paar Wörter markieren und danach im Internet suchen, man kann auch nicht einfach Textstellen für die Stoffsammlung übernehmen, sondern muß alles abtippen). Ich zweifle auch, ob sich eine zierliche ältere Dame beim häufig vertretenen Katalogtyp „dicke Schwarte“ so sehr nach der haptischen Erfahrung sehnt. Hinzu kommt, daß viele Erwerbstätige nur kleine Wohnungen haben und trotzdem wenig Ersparnisse, da müßte die Tendenz eigentlich später zu den noch kleineren Raumeinheiten um das Haus des Menander herum gehen. Flächendeckendes WLAN, ein Tablet-Computer und allgemein verfügbare Ausstellungsstücke in 3D würden dazu passen. Den Text dazu kann man sogar vergrößern und braucht keine Brille aufziehen. Als frisches Beispiel für so ein 3D-Projekt kann man sich einmal Smithsonian X 3D ansehen. Für die dort eingestellten Objekte braucht man einen WebGL-fähigen Browser, wobei WebGL ggf. im Browser eigens aktiviert werden muß.

Nach den Schätzen Pompejis und Herculaneums wurde schon im 18. Jahrhundert in größerem Umfang gegraben. Ein abschließender Raum widmet sich den Nachwirkungen der Funde. In Bayern sollte das von Ludwig I. in Auftrag gegebene Pompejanum bekannt sein, das nach dem Vorbild eines pompejanischen Hauses erbaut wurde. In der Ausstellung war die Büste Ludwigs von Bertel Thorvaldsen aufgestellt. Ich weiß zwar jetzt nicht, was die Büste mit Pompeji zu tun hatte, aber es war ein nettes Wiedersehen. Bertel Thorvaldsen hatte ich mit seiner Spes schon im Blog. Den erwähnten Klick neben mir gab es beim „Liebesmarkt“ nach einem Fresko in Stabiae. Das Motiv muß zeitweise ein ziemlicher Renner gewesen sein. Verständlich angesichts der langweiligen Engel, die uns jetzt wieder bevorstehen. In der Ausstellung war zu dem Motiv ein Bild, eine Vase und ein Tafelaufsatz zu sehen. Wir kannten das Motiv nur als „Amorettenverkäuferin“ von Joseph-Marie Vien. Im Web ist das Orginalbild via „woman selling cupids“ zu finden.

So einen abschließenden Blick auf die Nachwirkungen gab es auch schon häufiger. Travelwriticus etwa berichtet davon aus der Karlsruher Karthago-Ausstellung 2004. Ich finde solche Bezüge gut, ich glaube sogar man sollte das ausbauen, aber in angepasster Weise. Es wurde schon an anderer Stelle in einem Museumsleiter-Interview das Schwinden des Bildungsbürgers festgestellt, welches durch mehr Erklärungen ausgeglichen werden müsse. Die von Travelwriticus erwähnten Salammbô und Flaubert müßten also so rübergebracht werden, daß auch diejenigen in der Ausstellung stehen bleiben, die die beiden bislang nicht kannten. Anderseits wird es immer normaler, daß sich die Leute in höchster Geschwindigkeit in früher ungeahnte Informationsverästelungen bewegen. Das wird noch mehr werden, da ist kein Ende abzusehen. Es sollte eigentlich ein Netzcheck auf die Einstiegspunkte zu den Ausstellungsinhalten üblich werden. Was gibt es dazu im Internet? Könnte man nicht selbst etwas dazu reinstellen (wenn man nur um die Ecke herum eine wichtige weiterführende Information / ein Bild findet)? Kann man das, was im Netz frei verfügbar ist, auf einfache Weise an andere weitergeben (also damit über die Ausstellung kommunizieren)?

Die Ausstellung hat uns pro Person 12 Euro gekostet. Der Preis ist ok. Ich war vor ein paar Wochen in einem ähnlich teuren Kinofilm, an den ich mich weniger erinnern werde. Die Eintrittspreise zu den Ausstellungen damals in der Archäologischen Staatssammlung waren dagegen natürlich Schnäppchen. Aber man kann die Kosten der Pompeji-Ausstellung senken bzw. kostenlose Zugaben bekommen: halbe Eintrittspreise an Montagen, die nicht auf einen Feiertag fallen, kostenlose Themenführungen an manchen Dienstagen, wenn man ab 17 Uhr eine Karte bekommt, ein paar Vorträge, für die man kostenlos Karten bekommen kann, wenn man eine Eintrittskarte zur Ausstellung kauft. Es empfiehlt sich ein genauerer Blick auf die Website.

Nun noch ein Hinweis auf den kostenlosen Coursera-Online-Kurs Roman Architecture. Der Kurs startet im Januar 2014 und dauert 15 Wochen. Thema in der dritten Woche ist der „Lifestyles of the Rich and Famous: Houses and Villas at Pompeii“ und „Habitats at Herculaneum and Early Roman Interior Decoration“. In der Woche 4 geht es um „Special Subjects on Pompeian Walls“. Architekturfreaks mit viel Zeit können diesen Kurs mit dem ebenfalls im Januar startenden Blick auf die „Early Renaissance Architecture in Italy: from Alberti to Bramante“ ergänzen. Eine römische Villa kann man sich jetzt schon ausführlich im Internet ansehen. Die liegt zwar nicht im Pompeji, ist aber dafür kaiserlich: hier die Website des „Digital Hadrian's Villa Project“. Zum Einstieg sollte man sich das zugehörige Video ansehen. Eventuell nun verschnupften Katalogliebhabern kann ich in dem Zusammenhang auch noch etwas bieten: Phemios Aoidos hat über ein paar Katalogreisen geschrieben - also Reisen per gekauftem Katalog - und berichtete im August über seine Katalogreise zur Villa Adriana.

Freitag, 2. September 2011

kelten römer museum manching

Nach dem Besuch von Oberstimm, der „Kulisse des Osttores“ und dem ehemaligen Osttor des Oppidums Manching sind wir weiter in das „kelten römer museum manching“.

kelten römer museum manching

Bevor ich mehr zum Museum schreibe, will ich auf den Eintrag zum Oppidum Manching zurückverweisen. Stephan Gröschler hat einen längeren Kommentar mit ergänzenden Informationen zur aktuellen Situation verfasst, außerdem gibt es jetzt in seinem Blog eine dreiteilige Serie über das Oppidum Manching, hier der Start mit dem Titel „Die Kelten und das Oppidum Manching“.

Ich bin nur auf die aktuelle Situation aus der Sicht des ferner wohnenden Archäologie-Touristen eingegangen, dem auf dem Wall ein Firmenzaun den weiteren Weg versperrt und der darüber rätselt, was auf der Strecke von der „Kulisse des Osttores“ zum ehemaligen Osttor bei soviel Firmengelände zugänglich ist. Ab dem ehemaligen Osttor kommt dann der „Militärischen Sicherheitsbereich“, wo es nicht mehr weitergeht. Stephan hat die Situation mit seinem letzten Kommentar-Abschnitt ja glänzend illustriert. Man denke jetzt im Vergleich zu den Manchinger Gegebenheiten an den Rundwanderweg, der bei der Heuneburg das Freilichtmuseum, die großen Grabhügel und das Museum in Hundersingen verbindet.

kelten römer museum manching

Zum Museum: das ähnelt in der Struktur etwas dem Keltenmuseum Hochdorf. Es gibt die Räume für die Ausstellung, einen Filmsaal und verschiedene Rekonstruktionen im Außenbereich. Allerdings hat Manching wesentlich mehr Ausstellungsfläche im Museum, während der Freilichtbereich in Manching ein wenig hinten runterfällt. Er ist im Gegensatz zu Hochdorf zwar frei zugänglich, liegt aber etwas im Schatten der Zugänge zum Museum. Zudem sind es kleinere Teilrekonstruktionen, während Hochdorf komplette Häuser und einen Garten zu bieten hat.

Das Manchinger Museum hat ein großes Foyer, von dem ich beim ersten Besuch wegen der ungenutzten Fläche dachte, da wird noch irgend etwas eingebaut. Das Foyer erinnert aber auch an die Archäologische Staatssammlung München, deren Zweigmuseum das Manchinger Museum ist. Dort wird das Foyer bei besonderen Veranstaltungen genutzt, etwa zum Legionärsaufmarsch bei der letztjährigen langen Münchner Museumsnacht, und für manche Veranstaltungen auch bestuhlt.



Das große Foyer ist für Shop-Interessierte etwas tückisch. Der Shop zieht sich etwas hin, von der Auslage an der Theke um die Kasse über einen Buchständer bis über die Foyerwand zur Dauerausstellung, in der weitere Bücher und interessante kleine Repliken untergebracht sind. Da muß man schön alles absuchen. Außerdem gab es vorletzten Sonntag noch einen Tisch mit ausgelegter Literatur, etwa den Mitteilungen der Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte Nr. 130 für 1,80 Euro mit einem Text des Museumsleiters Dr. Wolfgang David zur aktuellen Sonderausstellung „Aenigma - der rätselhafte Code der Bronzezeit. "Brotlaibidole" als Medium europäischer Kommunikation vor mehr als 3500 Jahren.“.

In meinem Hinweis auf die Ausstellung („Rätselhafte Täfelchen in Manching“) gibt es noch einen funktionierenden Link zu einem längeren Interview mit Dr. Wolfgang David zur Ausstellung. Die Mitteilungsblätter der Vor- und Frühgeschichtsfreunde sind normalerweise auf der Website der Archäologischen Staatssammlung eingestellt, hier weiter zum Menüpunkt „Mitteilungsblatt“. Dieses Mitteilungsblatt Nr. 130 ist allerdings noch nicht da, ich hoffe das kommt noch.

Als kleine Besonderheit gab es eine Liste, mittels der man den Katalog zur Ausstellung bestellen konnte. Erscheinungsdatum soll Ende September / Anfang Oktober sein. Die Ausstellung begann am 27.5. und geht noch bis zum 13.11.2011, das Mitteilungsblatt Nr. 130 ist „vom 10. August 2011“. Dazu noch der Aspekt, daß diese „Brotlaibidole“ erstmals im Mittelpunkt einer Sonderausstellung stehen, also vielleicht nicht so die publikumswirksamen oder wissenschaftlichen Knaller sind. Vielleicht hätte man da einmal die gewohnten Pfade verlassen und die Buch- und den Mitteilungsartikel zeitnah in das Internet einstellen können.

Rekonstruktion eines Schöpfbrunnens beim kelten römer museum manching

Die Aenigma-Ausstellung ist in einem eigenen Raum gegenüber dem Eingang zur Dauerausstellung untergebracht. Unterhalb des Foyers und des Kelten-Teils der Dauerausstellung ist ein größerer, für den Normalbesucher nicht vorgesehener Museumsbereich, in dem die Fachleute arbeiten können.

Die Aenigma-Ausstellung wird über die Rätselhaftigkeit verkauft (enigmatisch = rätselhaft, „rätselhafter Code der Bronzezeit“) - ich habe nicht so sonderlich vorab über dieses Rätsel nachgedacht. In der Ausstellung war das dann anders. Sie ist so aufgebaut, daß die aus unterschiedlichen Ecken Europas zusammengetragenen Brotlaibidole zusammen mit örtlichen Begleitfunden präsentiert werden. Dazu jeweils Informationen über den Fundort mit Fotos, Zeichnungen, Karte. Sehr schön gemacht. Was mich besonders beeindruckt hat und auch miträtseln ließ, waren die räumlich weit verbreiteten Brotlaibidole mit Einschnitten in genau gleichen Abständen und gleichartigen Vertiefungen bei den Einschnitten. Das sah wie ein Hilfsmittel aus, mit dem man etwas Fortlaufendes markieren kann. Allerdings weichen viele der anderen Brotlaibidole von dem Schema ab, haben etwa nicht die Vertiefungen. Vielleicht wurden bei ihnen keine Markierungsstöpsel verwendet, sondern eine Markierungsschnur? Andere unterscheiden sich noch mehr. Waren es spezialisierte Varianten? Oder es gab verschiedene Typen für unterschiedliche Ereignisse?

Baustelle eines Keltenhauses mit unterschiedlichen Bautechniken beim kelten römer museum manching

Zur Dauerausstellung will ich jetzt nicht mehr soviel sagen. Von meiner Seite nur noch der Hinweis, daß die Dauerausstellung klimatisiert ist - das war an dem schwülwarmen vorletzten Sonntag ganz gut. Außerdem sollte man den Audio-Guide mitnehmen, er wurde uns von der freundlichen Dame an der Kasse nachdrücklich empfohlen („kostet auch nichts“). Ich kannte das System nicht, es ist relativ klein, schön gestylt, und um die nächste Portion zu hören peilt man damit den Sensor in der nächsten Vitrine an.

Was in der Dauerstellung geboten wird, darüber gibt Museumswebsite Auskunft, ich verlinke auf die Seite zur Aenigma-Ausstellung. Außerdem gibt es verschiedene Besuchsberichte im Netz, bspw. den in den „Wegen zu den Kelten“ verlinkten Bericht von Reinhold in seinem Blog Taxi München. Beim aktuellen Surfen habe ich diesen Bericht gefunden. Ist zwar älter, aber man kann sich neben dem Manchinger Museum und dem Museumsleiter Dr. David auch Augsburger Bilder ansehen (Links zu Augsburg-Infomaterial gab es in „Museum, Mercateum, Mithräum Königsbrunn“).

Weiter gibt es ein Video mit Birgit Jaeckel über ihr Buch „Die Druidin“. Im Video sind neben Aufnahmen aus dem ehemaligen Oppidum bei Kehlheim Alkimoennis auch die "Kulisse des Osttores" und Szenen aus dem Manchinger Museum zu sehen.

Aufbau einer gallischen Mauer (murus gallicus) beim kelten römer museum manching. Der Wall des Oppidums Manching war in der ersten Ausbaustufe ein murus gallicus.

Mit dem „historischen Buch“ von Birgit Jaeckel will ich das Thema „kelten römer museum manching“ in diesem Blog-Eintrag beenden und überleiten zu historischen Büchern. Zunächst zu Stefan Nowicki, dessen "Kreuzfahrerin" nächste Woche in die Buchhandlungen kommen soll. Nach der Kurzbeschreibung startet das Werk zwar im Jahr 1096 und liegt damit außerhalb meines üblichen Zeitbereichs, aber Stefan Nowicki wohnt in Landsberg am Lech, da lassen wir die Nachbarschaft zu München für die Erwähnung den Ausschlag geben.

Beim Autorenkreis Quo Vadis steht die diesjährige Historica vom 11.-13. November 2011 in Singen mit öffentlichen Lesungen bevor. Die Gefahr ist gering, daß ich wieder wie letztes Jahr zur Historica 2010 in Karlsruhe-Durlach nach einem Hinweis im letzten Abschnitt Fotos aufstöbere und einen eigenen Blog-Eintrag dazu mache. Zwar habe ich vor mehr als 20 Jahren vom Hohentwiel herunter fotografiert, aber mit einem Dia-Film. Und ich glaube das war der Film, der nach dem Wegschicken zum Entwickeln nie wieder aufgetaucht ist. Heute hat man solche Probleme nicht mehr, nur Speicherkartenfehler, wie am Ende meiner ersten Tour auf den Michaelsberg...

Dienstag, 11. Januar 2011

Grenzenlose Gaumenfreuden

Es geht jetzt gleich um „Grenzenlose Gaumenfreuden. Römische Küche in einer germanischen Provinz“. Für bei diesem Thema abwinkende Münchner will ich aber noch schnell den dringenden Hinweis auf die dicht gedrängten Vortragstermine loswerden, welche die Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. zusammengetragen hat. Heute geht es schon mit zwei Vorträgen los.

So, jetzt zum Thema „Grenzenlose Gaumenfreuden“. Und da sind Neusser im Vorteil, denn in ihrem Clemens-Sels-Museum findet noch bis nächsten Sonntag, 16.1.2011, eine Ausstellung unter diesem Titel statt. Interessieren täte mich die Ausstellung schon sehr, aber der Weg ist doch zu weit.

Es gibt auch ein gleichnamiges Begleitbuch, das ist zum Glück sehr gut unabhängig von der Ausstellung lesbar. D.h. es ist kein Katalog zur Ausstellung, es macht keine Bezüge, für die man die Ausstellung kennen müßte. Verständlich wird dies mit dem Vorwort, aus dem hervorgeht, daß Buch und Ausstellung ursprünglich eigenständige Ideen waren, die dann in Zusammenarbeit umgesetzt wurden.

Das Buch war ein „Impulskauf“ gegen Ende letzten Jahres. Ich hatte schon „Das römische Kochbuch des Apicius“ (herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Robert Maier, Reclam-Verlag, 1991, 7 Euro) seit der Zeit, als es nur 6,60 Euro kostete. Das Buch ist sehr gut, und Robert Maier hat auch die etwas „sperrigen“ Orginalrezepte durch seine Kommentare und durch Mengenangaben zu einigen Rezepten teilweise „gebrauchsfertig“ gemacht. Trotzdem ist das Buch für Koch-Experimente ungenutzt geblieben.

Ein neuer Versuch war das „Römer Kochbuch“ von Edgar Comes (2. Auflage 2010, Verlag Fel!x AG, 14,95 Euro), und bei dieser Gelegenheit habe ich auch „Grenzenlose Gaumenfreuden: Römische Küche in einer germanischen Provinz“ angeklickt (Jutta Meurers-Balke/Tünde Kaszab-Olschewski (Hrsg.), Verlag Philipp von Zabern, 2010, 29,90 Euro). Das Buch von Edgar Comes hat einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht, die Rezepte sind noch „gebrauchsfertiger“ und zudem lecker bebildert und machen Lust endlich loszulegen. Aber etwas nachgekocht habe ich nicht - ich rede mich noch damit heraus, daß ich vor Weihnachten zeitlich ziemlich am Untergehen gewesen bin.

Wegen der fehlenden Praxis will ich deshalb zur Verwendbarkeit der beiden Bücher in der eigenen Küche nichts sagen. Nur noch soviel, daß ich das Buch von Edgar Comes wegen Empfehlungen via dem Twitter-Account von Chronico gekauft habe („das Römerkochbuch ist echt klasse“, „Edgar Comes von der Milites Bedenses, der Ultra-Koch der Szene“).

Den Kauf der „Grenzenlosen Gaumenfreuden“ habe ich auch nicht bereut. Das Buch liefert umfangreiche Informationen über die Küche der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln und Umland). Wie wurde gegessen, wer kochte, wie wurde gekocht, was wurde vermutlich vor den Römern gegessen, wie änderte sich das nach den Römern. Dann die einzelnen Gemüse- und Salatpflanzen, Obst, Nüsse, Fleisch, Geflügel, Eier, Fische, Meeresfrüchte, Gewürze, Getränke.

Das Buch ist umfangreich, überraschend umfangreich, aber natürlich nicht umfassend, weil vieles noch unbekannt geblieben ist und auch einiges keinen Platz im Buch gefunden hätte. Und es ist ja auch oft wie bei der Hydra - wenn man eine Frage beantwortet bekommt, dann fallen einem zwei neue ein.

Jetzt bin ich ganz zufrieden mit meiner Aufstellung. Edgar Comes verweist bei seinen Interpretationen genau auf die Apicius-Orginalrezepte, die kann ich dann gleich bei Apicius nachschlagen. Apicius würde ich auch dann behalten wollen, wenn ich nur bei der Theorie bleiben würde. Rezepte aus seinem Buch illustrieren die Zutaten-Beschreibungen in den „Gaumenfreuden“. Da ist es bei dem günstigen Preis ganz gut, das komplett und kommentiert zu haben. Wenn auch Apicius nicht die einzige Rezepte-Quelle ist, wie die „Gaumenfreuden“ darlegen. Und das Buch von Edgar Comes geht auch nicht nur auf die Praxis ein, sondern hat auch einen Theorie-Teil, der allerdings von den viel umfangreicheren „Gaumenfreuden“ überdeckt wird. Also sein Buch wird als dauernde Mahnung im Bücherregal stehen, mich endlich in die Praxis zu begeben.

Auf etwas will ich noch hinweisen. Ich finde jetzt im „Gaumenfreuden“-Buch beim Durchblättern nur einen einzigen Link, und der ist vorne im Impressum im Satz „detailliertere bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.“ Es ist ein schönes Buch, das mit seinen Verweisen „klassisch“ funktioniert und seinen Preis wert ist, das ist keine Frage. Nur bedeutet in dem Fall das klassische Funktionieren der Verweise, daß man sich in der Literaturliste einem Mix von gut und von nur sehr schwer zugänglicher Literatur gegenübersieht. Das müßte man ja einfacher haben können, man könnte ja das häufig zitierte Preisedikt des Kaisers Diokletian (wichtig um die damaligen Kosten der Nahrungsmittel einschätzen zu können) zumindest in brauchbaren Auszügen in ein kontrolliertes Wiki stellen und darauf verweisen. Oder man hört ja ab und zu von Digitalisierungsprojekten der Bibliotheken, ist da noch nichts brauchbares da, mit dem man die Literaturangaben ergänzen könnte? Vielleicht weil nur eine „Auswahl“ der „verwendeten Literatur dargestellt“ werden konnte? Vielleicht gibt es das in der „ausführlichen Literaturliste“, die auf der „Homepage des Labors für Archäobotanik des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln“ zu finden sein soll. Link steht leider nicht dabei. Na dann suchen Sie mal!

Montag, 6. September 2010

Nachschlag zur bayerischen Leistungsschau

Am nächsten Sonntag geht in der Münchner Archäologischen Staatssammlung die bis zum 12.9. verlängerte Ausstellung „Karfunkelstein und Seide - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ zuende. Ich hatte im März unter dem Titel „Bayerische Leistungsschau“ über die Ausstellung geschrieben und im April auf die Ausstellungsverlängerung hingewiesen.

Die Verlängerung dieser Ausstellung verlief für mich sehr befremdlich. Was einerseits daran lag, daß die Staatssammlung stark in meinem Fokus war - bei anderen Museen hätte ich diese Zwischenschritte gar nicht mitgekriegt - und daß ich zudem eigene Erwartungen hinein phantasiert hatte und das was dann wirklich passierte damit abglich.

Von dem vom 4.7. auf den 12.9.2010 verschobenen Ende las ich im April auf der Website der Gemeinde Unterhaching. Auf dem Gebiet der Gemeinde Unterhaching wurden die Funde gemacht, die jetzt im Mittelpunkt der Ausstellung stehen. Die Ausstellungsverlängerung habe ich dann im Blog-Eintrag „Karfunkelstein und Seide verlängert“ weiter gegeben. Toll, passt, dachte ich mir. Die Erinnerungen an die Medienberichte zur Ausstellungseröffnung Ende Januar waren ja noch frisch, daran läßt sich mit einer breiten Streuung dieser Verlängerung wegen des „großen Erfolgs“ anknüpfen. Und aus dem Katalog hatte ich ausdrücklich kenntlich gemachte offene Punkte in Erinnerung, zu denen man vielleicht zur Jahresmitte Ergebnisse nachreichen könnte um das Interesse wachzuhalten.

Eigentlich war mein Gedanke nicht so falsch, nach Irmtraut Heitmeiers „Rezension von Karfunkelstein und Seide. Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte soll „eine wissenschaftliche Publikation“ „nach Abschluss der Bearbeitung noch 2010 folgen“. Nur habe ich bislang nicht mitbekommen, daß man versucht hätte mit solchen Nachlieferungen das Ausstellungsinteresse wach zu halten.

Irritierend war aber vor allem, daß sich hinsichtlich der Information über die Verlängerung nichts tat. Die einzigen Webseiten mit dem neuen Ausstellungsende blieben die von Unterhaching und mir. Ich habe dann von einer notwendigen und noch ausstehenden „Genehmigung“ gehört, ohne deren Vorlage möglicherweise Unterhaching vorgeprescht ist. Wie ich mitbekommen habe lag die aber dann vor, ohne daß sich daraufhin gleich etwas im Internet tat.

Die ersten Änderungen bei anderen Webseiten hinsichtlich der Ausstellungsverlängerung habe ich am 2.7.2010 mitbekommen, zwei Tage vor dem ursprünglichen Ausstellungsende! Da hatte ich auch noch zuviel Phantasie: ich habe mir gedacht, wenn sie damit bis zum letzten Drücker warten, dann kommt ein großer Schlag, alle Webseiten mit Ausstellungsdaten kriegen eine Nachricht und stellen alle gemeinsam um.

So wie ich das gesehen habe lief das aber so ab, daß erst die Daten im Münchner Museumsportal und auf der Website der Archäologischen Staatssammlung geändert wurden und andere Webseiten nach und nach nachzogen. Manche auch nicht, www.muenchen.de hat immer noch den 4.7. als Ausstellungsende drin, www.munichx.de glaubt „Diese Veranstaltung ist leider schon vorbei!“ und wer bei www.kulturpur.de via „Karfunkelstein“ nach der Veranstaltung sucht, der kriegt unter den Ausstellungslink ein „bereits abgelaufen“.

Was ich mir gegenwärtig vorstelle (ist vielleicht auch falsch?): die Beteiligten von der Archäologischen Staatssammlung sind hinsichtlich dem Internet ziemlich unambitioniert. Mit der richtigen Litfaßsäule wäre man vielleicht ganz gut informiert gewesen. Gestern bin ich an einer mit einem auf das Ausstellungsplakat aufgeklebten Verlängerungshinweis vorbei geradelt.

Dienstag, 9. Februar 2010

Museum Manching eröffnet neue Sonderausstellung

Im Manchinger Kelten- und Römermuseum kann seit letztem Wochenende bis zum 7. November 2010 die Sonderausstellung „Ursprung der keltischen Archäologie: Die Brücke von La Tène - ein Schauplatz grausamer Menschenopfer?“ besucht werden.

Wer sich unter dem Begriff „Kelten“ etwas vorstellen kann, bei „La-Tène“ aber nichts: La-Tène ist ein berühmter archäologischer Fundort am Neuenburgersee in der Schweiz. Der Fundort war namensgebend für die La-Tène-Kultur.

Träger der La-Tène-Kultur waren die Kelten, die im süddeutschen Raum die Oppida und die Keltenschanzen (oder Viereckschanzen) erbaut haben. Der berühmte Keltenfürst von Hochdorf stammt hingegen aus der vor der La-Tène-Zeit liegenden Hallstattzeit.

Auf die Oppida bin ich in meinem Blog schon anläßlich meines Kurzbesuchs des Oppidums Heidengraben allgemeiner eingegangen, bei den Keltenschanzen (oder Viereckschanzen) hätte ich hier Buchendorf, Holzhausen und Endlhausen zu bieten.

Der oben verlinkte Ausstellungstext auf der Museums-Website differenziert auch noch zwischen der „La-Tène-Zeit (ca. 450 vor Chr. bis etwa 20/15 vor Chr.)“ als „Zeitabschnitt der jüngeren Eisenzeit Europas nördlich der antiken Welt“ und dem La-Tène-Stil und der La-Tène-Kultur, die „sich im wesentlichen auf den Kelten zugewiesene archäologische Hinterlassenschaften beziehen“.

Wie man dem Ausstellungstext und dem Ausstellungsbericht im Donaukurier unter dem Titel Die Kriminalakte "La Tène" entnehmen kann, stehen im Falle der Sonderausstellung von Manching die Funde von La-Tène im Vordergrund.

Dienstag, 5. Januar 2010

Karfunkelstein und Seide in der Archäologischen Staatssammlung München

Vom 29. Januar 2010 bis zum 4. Juli 2010 (Update 8.4.2010: verlängert bis 12. September 2010) findet in der Münchner Archäologischen Staatsammlung die Ausstellung „Karfunkelstein und Seide — Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ statt.

Zentrales Thema der Ausstellung sind Funde aus Gräbern aus der Zeit zwischen den Jahren 480 bis 520 n. Chr., die 2004 im südwestlich von München gelegenen Unterhaching entdeckt wurden.

Frau Dr. Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung erläutert in den aktuellen Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte ausführlich die Bedeutung der Ausgrabungen. Ihren Text will ich zur Einstimmung auf die Ausstellung sehr empfehlen.

Sonntag, 22. November 2009

Wikinger in Frankfurt, Kelten in Konstanz

Am gestrigen Samstag, 21.11.2009, begann im Archäologischen Museum Frankfurt die Sonderausstellung „Die letzten Wikinger - Der Teppich von Bayeux und die Archäologie“. Diese Ausstellung endet am 14. März 2010.

Die Eroberung Englands 1066 durch den Normannenherzog Wilhelm gilt nach Ausstellungs-Faltblatt als der „letzte Wikingerzug“. Das Faltblatt als pdf-Datei und weitere Verweise zu ergänzenden Informationen sind auf dem „Bildungsserver Hessen“ zu finden.

Gut, wenn man die Normannen den Wikingern zuschlägt, dann schlage ich die geschlagenen Angelsachsen der Spätantike zu und dann paßt der Hinweis auf die Ausstellung zum Zeitspektrum meines Blogs.

Weiter ist der Umzug der Wanderausstellung „Bevor die Römer kamen – Späte Kelten am Bodensee“ von Bregenz nach Konstanz nachzutragen. Die Ausstellung hat in der Außenstelle Konstanz des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg am 24.10.2009 begonnen und kann dort noch bis 25.04.2010 besichtigt werden. Auf das Ende der Wanderausstellung im Vorarlberger Landesmuseum hatte ich in einem früheren Blog-Eintrag hingewiesen.

Als zusätzliche Motivation für einen Museumsbesuch in Konstanz gibt es seit heute wieder die Sonderausstellung für Kinder „Archäologie und Playmobil“. Diese Sonderschau endet am 14.2.2010.

Mittwoch, 18. November 2009

Dauer- versus Sonderausstellung

Von Ausstellungen bekannter Großkünstler kennt man schon seit längerem Besucherschlangen vor dem Museum. In natura habe ich so eine Schlange Anfang letzten Jahres beim abgebrochenen Versuch gesehen, die Grünewald-Ausstellung in der Staatlichen Karlsruher Kunsthalle zu besuchen.

Vom Museumseingang den Gehweg entlang bis um die Hausecke mindestens 30 Meter, und das werktags. Beim Besuch der Dauerausstellung am Jahresende hielten sich dagegen Aufsichtspersonal und Besucher zahlenmäßig die Waage. Trotz vieler Gemälde, die bei Sonderausstellungen locker als „hochkarätige Exponate“ durchgehen würden.

Man kann sich viele Gründe für dieses Übergewicht bei den Sonderausstellungen einfallen lassen, und vermutlich wird das Übergewicht auch wirklich auf vielen für die Sonderausstellung sprechenden Gründen basieren.

Bezogen auf die Exponate ist aber schon ein starker irrationaler Aspekt dabei. Ich will das anhand meiner Erfahrung bei der Sonderausstellung „Imperium Romanum. Römer, Christen, Alamannen - Die Spätantike am Oberrhein“ im Badischen Landesmuseum weiter veranschaulichen. Dort gab es zwar keine Riesenschlangen vor der Kasse, aber die Ausstellung war proppevoll.

Diese Ausstellung fand seinerzeit im ersten Obergeschoß in der Westhälfte des Karlsruher Schlosses statt. Das Landesmuseum hat soviel Platz, daß die Daueraustellung nahezu unbeeinträchtigt weiterlaufen kann. Deshalb hätte man zusätzlich zwei Stock tiefer im Keller die Römer am Oberrhein besichtigen können. Das wäre nicht viel mehr Weg gewesen, weil man zum Ausgang über eine Treppe in das Erdgeschoß geführt wurde, die man nur noch ein Stockwerk tiefer hätte gehen müssen.

Karlsruher Schloss

Aber dort war ich ganz allein. Wie gesagt, oben proppevoll, diese Dauerausstellung hätte thematisch zur Sonderausstellung gepasst und zumindest von den auswärtigen Besuchern sollten viele die Dauerausstellung nicht kennen, aber unten war leer. Das war auch schon bei der Sonderausstellung „Hannibal ad portas“ so, die ebenfalls im Westteil stattfand, aber beim „Imperium Romanum“ ist mir das besonders aufgefallen.

Ich gehe sowieso immer noch gerne beim Mithräum in der Römer-Dauerausstellung vorbei. Aber jetzt mit eingebautem Besucherzähler - und beim Mithräum ist nie jemand da.

In der Sonderausstellung „Zeit der Helden. Die 'dunklen Jahrhunderte' Griechenlands 1200 - 700 v. Chr“, die im Erdgeschoß in der Osthälfte des Schlosses stattfand, waren vielleicht gerade über hundert Besucher, als wir heraus gingen. Bei den oberrheinischen Römern im Keller auf der Westseite dann wie gesagt niemand, und bei den „Antiken Kulturen“ auf der Westseite im Erdgeschoß mit sehr schönen Exponaten aus den hellen Jahrhunderten des antiken Griechenlands zwei Personen.

Jetzt bei der Vandalen-Ausstellung an einem Freitagmittag ca. 80 Besucher gleichzeitig in der Sonderausstellung auf der Ostseite, niemand bei den Römern im Keller und niemand bei den Oströmern/Byzantinern im Erdgeschoß-Westflügel des Schlosses, obwohl in die Dauerausstellung freitags ab 14 Uhr der Eintritt sogar frei gewesen wäre („Happy Friday“, ich glaube das gilt nur für die Dauerausstellung und nicht für die Sonderausstellung.).

Also ich hoffe die Irrationalität hinsichtlich der Exponate ausreichend begründet zu haben. Bezogen auf die Exponate müßte der Anteil der Besucher in der Dauerausstellung viel höher sein. Vielleicht ist das so: viele Gründe sprechen für die Sonderausstellung, und der Herdentrieb führt zu irrational wirkenden Randerscheinungen, das Soziale sticht mehr als die Exponate.

Das will ich nicht negativ bewerten, vermutlich hat sich diese Strategie entwicklungsgeschichtlich als optimal herausgestellt. Man kann den Witz mit dem Kind nehmen, das seinen Papa frägt: „Wenn im Wald ein Baum umfällt und das Fernsehen war nicht dabei, ist der Baum dann wirklich umgefallen?“ und das umformulieren hin zu dem Gedanken, wieso man sich um einen umgefallenen Baum im Wald kümmern soll, wenn der es nicht in die Medien geschafft hat. Zu prüfen wäre natürlich bei der gewaltigen Besucherdifferenz eine größere Verpflichtung derjenigen, die die Medieninhalte bestimmen, also man hätte vielleicht das eine oder andere Medium (Schild) zusätzlich in der Sonderausstellung für die Besucherführung spendieren können, so in der Art „zu dem Thema haben wir noch... in unserer Dauerausstellung“.

Wenn Sie jetzt noch Zeit haben, stöbern Sie doch mal auf dem Blog Mittagstische in Karlsruhe herum, selbst wenn Sie absehbar kein Ernährungsproblem in Karlsruhe haben werden. Die Blog-Idee ist sehr gut, die anfallenden Kosten sind überschaubar und die Texte sehr kurzweilig geschrieben. Blog-systemisch sind die vielen Kommentare als zusätzliches Plus zu betrachten. Die Angaben zu den Stadtteilen werden dem Auswärtigen nicht soviel sagen, aber mit einem Klick auf die Geokoordinaten rechts unter dem Blog-Posting ist das Lokal leicht zu finden.

Den Stadteil Durlach könnten sich Interessenten am historischen Roman allerdings merken. Der Autorenkreis Historischer Roman Quo vadis will in Durlach nächstes Jahr vom 12. bis zum 14. November die Historica 2010 veranstalten. Auf die Historica 2009 in Hamburg-Bergedorf hatte ich hingewiesen. Nachberichte von der Veranstaltung gibt es auf der Website von Quo Vadis und bei der Büchereule.