Dienstag, 5. Januar 2010

Karfunkelstein und Seide in der Archäologischen Staatssammlung München

Vom 29. Januar 2010 bis zum 4. Juli 2010 (Update 8.4.2010: verlängert bis 12. September 2010) findet in der Archäologischen Staatsammlung München die Ausstellung „Karfunkelstein und Seide — Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ statt.

Die Ausstellung basiert auf im nahe München gelegenen Unterhaching entdeckten Gräbern, von denen ich Mitte letzten Jahres auf sueddeutsche.de in dem Artikel „Unterhachings China-Connection“ von Hans Kratzer gelesen habe. Während einer gerade stattfindenden „Luxus- und Dekadenz“-Ausstellung war der in diesem Vergleich eher spartanisch wirkende „Sensationsfund“ nicht ganz so sehr bewegend.

Aber zugegebenermaßen hatte das „Römische Leben am Golf von Neapel“ nur sehr mittelbar etwas mit Bayern zu tun, während mit den Unterhachinger Gräbern aus der Zeit zwischen 480 bis 520 einiges Licht auf die hiesigen Verhältnisse zwischen dem Ende des weströmischen Reiches um 476 und den ersten schriftlichen Nennungen der Bajuwaren in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts fällt.

Der Münchner kann sich per Radlausflug die Umgebung der Ausgrabung ansehen. Wenn er das nicht schon gemacht hat — das Gleissental ist heutzutage an arbeitsfreien Sommertagen vermutlich mehr durch Radausflügler aus München belebt wie seinerzeit durch Kelten, Römer und Germanen.

Und die richtigen Bayern können vielleicht etwas über die ersten Bajuwaren erfahren. Bei der Wichtigkeit dieser Frage nach der bajuwarischen Identität, hier im Archäologie-Radio von Markus Tremmel mehrfach gestellt, kann ich als Zugereister garnicht mitreden.

Frau Dr. Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung erläutert in den aktuellen Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte noch differenzierter als der obige Artikel auf sueddeutsche.de die Bedeutung der Ausgrabungen. Ihren Text will ich zur Einstimmung auf die Ausstellung sehr empfehlen.

An einen Sensationsfund mag ich jetzt auch uneingeschränkt glauben, es steht uns mit der Ausstellung sicher ganz was Feines bevor. Beim „archäologischen Jahrhundertfund“ will ich nicht so mitziehen — wir stehen ja erst am Anfang eines Jahrhunderts und da würden wir uns doch sehr über ein paar weitere Funde dieser Größenordnung freuen.

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