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Donnerstag, 27. Februar 2025

Die westliche Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Informationstafel Oberhachinger Römerstraße

Die westliche Römerstraßenrampe aus dem Gleißental hatte ich im letzten Blogeintrag über den etwa 100 Meter vom Rampenzugang im Gleißental entfernten Nagelfluh-Steinbruch schon eingeführt.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Zum einen zitierte ich von der Informationstafel beim Steinbruch den Hinweis auf die mittelalterliche Nutzung der Rampe für den Gesteinsabtransport. Zum anderen wollte ich das Steinbruch-Interesse etwas durch den Hinweis motivieren, daß die Informationstafel zur Rampe wie auf dem ersten Bild zu sehen ist eher untergeordnet auf die Gleißental-Gegebenheiten eingeht und unter der Überschrift „Die Oberhachinger Römerstraße“ mehr allgemein die Römerstraße behandelt. Schließlich habe ich zum so motivierten Paket Steinbruch und Rampe die nahe Keltenschanze im Laufzorner Holz dazugepackt. Sie ist nicht weit von der Rampe entfernt und die Römerstraße führte im weiteren Verlauf an ihr vorbei und das Schummerungsbild/Geländerelief des BayernAtlasses zeigt in dem Bereich Materialentnahmegruben an, nach denen man suchen kann. Die drei Ziele wären wegen der Nähe des Bahnhofs Oberhaching-Deisenhofen auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Die Sache ist allerdings leicht fieselig. Für die Materialentnahmegruben muß man sich mit dem BayernAtlas vorbereiten oder vor Ort auf ihn zugreifen. Der Zugang zur Rampe ist im Tal eher nicht direkt sichtbar. Als ich letzten November dort war, gab es nur einen auf einen noch grünen Vorhang zulaufenden deutlich ausgeprägten Fußpfad. Schwierig zu finden ist der Zugang nicht, wenn man weiß, daß da einer sein muß. Wenn man durch das Gleißental aus Richtung Deisenhofen/Oberhaching kommt, geht kurz nach dem erwähnten Fußpfad auch ein Schotterweg nach rechts ab, der als Fahrweg das Gleißental hochführt.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Man kann auch an dem Zugang zur Rampe oben vorbeilaufen. Das liegt an einem Parallelweg, von dem man erst etwas nebenraus gehen muß um den unscheinbaren Zugang zur Rampe auf dem sechsten Bild genauer ansehen zu können. Ist auch kein Problem, wenn man weiß, daß sich hier eine Rampe befindet. Die Informationstafeln zur Rampe stehen nicht direkt an der Rampe, sondern am Parallelweg und da auf der von Rampe abgewandten Seite, man hat also die Rampe beim Lesen im Rücken. Dieser Parallelweg führt erst weiter parallel zur Rampe oben am Gleißental entlang und dann via einem Feldweg zur Jägerstraße in Oberhaching-Deisenhofen. Meine BayernAtlas-Markierung habe ich versucht in den Bereich der Tafeln zu setzen.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Fotografiert hatte ich die Bilder 2 bis 5 in Richtung meines Weges als ich das Fahrrad letztes Jahr die Rampe hochgeschoben habe. Nur das letzte Foto war ein Blick zurück. Auf der Rampen-Informationstafel wird wegen der schmalen Sohle und erkennbaren „Geleisen“ spekuliert, ob die ursprüngliche Römerstraße hier nicht breiter war und die Geleisspuren nicht erst durch den Gebrauch im Mittelalter entstanden sind. Über Hohlwege allgemein gibt es ganz tolle Informationen in Lucydas Plejadium „Was ist ein Hohlweg und warum sind Hohlwege interessant?“.

Römerstraßenrampe aus dem Gleißental

Freitag, 24. Januar 2025

Der Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Via öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental wegen dem Oberhachinger Bahnhof Deisenhofen aus dem Großraum München sehr gut erreichbar. Eine einfache Lösung ist, sich vom Bahnhof aus noch ein Stück an der Bahnlinie zu halten und sich dann via der Stefanienstraße in Richtung Südwesten zu bewegen und an dem Straßenende den folgenden Waldweg hinunter in das Gleißental zu gehen. Folgt man im Tal diesem Weg immer weiter, kommt man bald an dem auf dem ersten Foto zu sehenden Eingang zum Steinbruch vorbei. Ähnlich günstig zum Bahnhof liegt auch die von mir drei Tage zuvor besuchte Keltenschanze im Laufzorner Holz . In der Keltenschanze hatte ich einen Keltenschanzenfan angetroffen, der zu Fuß vom Bahnhof gekommen war. Unsere längere Unterhaltung makulierte unsere Zeitkalkulationen, sonst wäre ich noch (mit dem Fahrrad) zum Römerstraßenaufstieg aus dem Gleißental weiter. Dessen Zugang im Tal liegt sehr nahe beim Nagelfluh-Steinbruch.

Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Die drei Ziele wären in mehrfacher Hinsicht eine gute Kombination und ich werde deshalb noch etwas ausführlicher auf meine Strecke eingehen. Wie gesagt passen die Ziele durch die kurzen Entfernungen gut zusammen. Zudem bieten sie in einer sonst meist gleichförmig flachen Gegend ein Tal, einen Steinbruch, einen Hohlweg und eine über 2000 Jahre alte Keltenschanze. Und der Aufstieg aus dem Tal ist nicht so anstrengend. Die Steigung haben auch mittelalterliche Gesteinstransporte und römerzeitliche Fuhrwerke geschafft.

Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Das Wichtigste ist für uns natürlich der inhaltliche Zusammenhang zwischen den drei Zielen und da ist die Informationstafel sehr ergiebig. Sie informiert nicht nur über Besonderheiten dieses Nagelfluh-Steinbruchs, etwa daß sich hier das Räuberlager des Films "Das Wirtshaus im Spessart" befand, sondern auch darüber, daß es ein Dutzend weitere Abbaustellen im Gleißental gab und Nagelfluh-Fragmente in römischen Fundstellen entlang des Hachinger Bachs gefunden wurden. „Im großen Stil fand das Gestein v.a. im Mittelalter in Münchner Großbaustellen Verwendung. ... Der Abtransport erfolgte .. über Karren und Schlitten. Die heute so stark in das Gelände eingeschnittene Geländefurche der westlichen Römerstraßenrampe wurde hierbei sicher wieder genutzt.“ D.h. mit diesem geschichtlichen und archäologischen Hintergrund muß man sich sowohl den Steinbruch als auch die nur ein paar Minuten entfernte „Geländefurche der westlichen Römerstraßenrampe“ ansehen, wenn man an einem von beiden interessiert ist. Und die Römerstraßenrampen-Informationstafel behandelt unter der Überschrift „Die Oberhachinger Römerstraße“ mehr allgemein die Römerstraße und geht eher untergeordnet auf die Gleißental-Gegebenheiten ein. Diese allgemeinen Aussagen zur Römerstraße kann man dann auf dem Weg zur Keltenschanze weiter studieren. Die Römerstraße führte ja ausgehend von an der Römerstraßenrampe direkt an der Keltenschanze vorbei.

Mittwoch, 15. Mai 2024

Keltenhaus Taufkirchen und Wolfschneiderhof

Dieser Blogeintrag über das Keltenhaus Taufkirchen und den Wolfschneiderhof ist der dritte Teil in meiner Hachinger-Bach-Serie, die ich im Februar mit dem „römischen Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger“ begonnen und im März mit dem Heimatmuseum Unterhaching fortgesetzt habe.

Keltenhaus Taufkirchen

Taufkirchen hatte wie Perlach und Unterhaching einen durch den Hachinger Bach bestimmten Dorfvorgänger und um das Keltenhaus Taufkirchen herum soll es nach dem Bayerischem Denkmal-Atlas (Denkmalnummer D-1-7935-0055) eine Siedlung frühen Bronzezeit, der Spätbronze-/Urnenfelderzeit, der Späthallstatt-/Frühlatènezeit, der mittleren bis späten Làtenezeit, eine Villa rustica der römischen Kaiserzeit sowie Körpergräber des Endneolithikums (Glockenbecherkultur) und der frühen Latènezeit gegeben haben. Es trifft also zum einen die römerzeitliche Besiedlung zu, die schon im Perlacher Teil meiner Serie behauptet wurde (die Kette römerzeitlicher Siedlungen entlang des Hachinger Bachs). Zum anderen sind die verschiedenen Siedlungen Beispiele für die im Unterhachinger Teil vorgestellte begehbare Landkarte des Hachinger Baches mit vielen entlang seines Verlaufs eingezeichneten ehemaligen Siedlungsstellen.

Keltenhaus Taufkirchen

Ich will in diesem Zusammenhang zwar wieder sowohl das Unterhachinger Heimatmuseum als auch seine über Unterhaching hinausführende „Hachinger Bach“-App bewerben. Aber der Text zum Gebiet um das Keltenhaus weist schon darauf hin, daß das tatsächliche Szenario mit den vielen Siedlungen noch deutlich komplizierter war. Zu einer 2012 nahe dem Keltenhaus stattgefundenen Ausgrabung der Firma Singularch gibt es einen im Internet frei zugreifbaren Grabungsbericht und darin die folgende Bemerkung:„Da Ansiedlungen meist nach nur wenigen Generationen aufgegeben und in einiger Entfernung neu gegründet wurden, ist in den besonders siedlungsgünstigen Gebieten häufig eine mehrphasige Besiedlung feststellbar.“ Diese „Mehrphasigkeit des besiedelten Areals“ wurde dann auch weiter unten im Singularch-Text im Zusammenhang mit den vorgestellten Befunden angemerkt.

Umweltgarten beim Keltenhaus Taufkirchen

Das Keltenhaus Taufkirchen ist in Folge einer früheren, 1993/94 stattgefundenen Ausgrabung entstanden. Die Ergebnisse der Ausgrabung sind auf der Website der „Freunde des Wolfschneiderhofes in Taufkirchen e.V.“ kurz zusammengefasst. Im Keltenhaus wird laut der Website auf einigen Schautafeln die Archäologie im Hachinger Tal dargestellt. Führungen im Keltenhaus können mit dem Gemeindeheimatpfleger vereinbart werden. Vici.org bietet nebst einer weiteren Zusammenfassung zum Keltenhaus auch eine Lagekarte.

Wolfschneiderhof Taufkirchen

Meine Fotos stammen vom letzten April-Freitag. Das Wetter war nach ungünstigen Tagen ideal zum Radeln. Interessant wären noch Funde aus den Ausgrabungen gewesen, die im Taufkirchener Rathaus in Vitrinen ausgestellt sein sollen. Aber wegen anderer Rahmenbedingungen bin ich erst nach 12 Uhr beim Rathaus angekommen und konnte nur feststellen, daß das Rathaus nach Ablauf seiner Öffnungszeit tatsächlich zu ist.

Backhaus des Wolfschneiderhofs Taufkirchen

Ich bin danach noch ein kleines Stück weiter, um Fotos vom Wolfschneiderhof zu machen. Dieses zu bestimmten Zeiten besuch- und besichtigbare Taufkirchener Heimathaus ist ein gerettetes altes Bauernhaus aus der Zeit des kleinen Bauerndorfes Taufkirchen. Zufällig war gerade ein Mitglied der „Freunde des Wolfschneiderhofes in Taufkirchen e.V.“ anwesend, das mir freundlicherweise erlaubte vom Gelände des Wolfschneiderhofes aus zu fotografieren. Der Wolfschneiderhof sieht schön und heimelig aus. Ein Beitrag von München tv zeigt, was man sich innen noch alles ansehen kann. Das Leben der früheren Bewohner war aber extrem hart, wovon man sich in „Der Wolfschneiderhof und seine letzten Bewohner“ einen Eindruck verschaffen kann.

Wolfschneiderhof Taufkirchen

Am nächsten Sonntag ist der Internationale Museumstag 2024. Laut dem Veranstaltungskalender des Wolfschneiderhofs wird zwischen 14 und 17 Uhr ein besonderes Programm des Gemeindeheimatpflegers angeboten. Ich will zudem noch auf auf die Johannidult am 23. Juni 2024 von 11:00–18:00 Uhr im Garten des Heimathauses hinweisen. In dem Garten war ich von den gezogenen Pflanzen sehr fasziniert. Nicht nur die in dem kleinen eingehegten Bereich, sondern auch die in den Pflanzschalen sahen so gut, gesund und kräftig aus. Wenn das nicht an dem aktuellen Wetter und der Jahreszeit lag, sondern an besonderen Versorgungsfähigkeiten, dann darf man auf die selbstgebackenen Kuchen an Museumstagen und die Schmankerl vom Grill und die reichlichen kühlen Durstlöscher zur Johannidult gespannt sein.

Hachinger Bach beim Wolfschneiderhof Taufkirchen

Abschließend ein Blick nach Oberhaching, das soll die nächste Station auf meiner Tour entlang des Hachinger Bachs werden. Oberhaching feiert dieses Jahr seinen 1275. Geburtstag, und ein Höhepunkt des Festjahres soll die Festwoche vom 29. Mai - 9. Juni sein. Die beinhaltet am 8. Juni eine „Oberhachinger Zeitreise“, einen „Spaziergang durch die Geschichte für die ganze Familie“.

Hachinger Bach beim Wolfschneiderhof Taufkirchen

Montag, 26. Februar 2024

Der römische Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger

Nahe des vom Hachinger Bach durchflossenen Pfanzeltplatzes mit der barocken Pfarrkirche St. Michael, dem Ortsmittelpunkt des 1930 zu München eingemeindeten Dorfes Perlach, gab es in den 1990er Jahren archäologische Ausgrabungen.

Hachinger Bach in Altperlach, im Hintergrund die Kirche St. Michael

Bei den Ausgrabungen konnten Teile eines römerzeitlichen Landgutes nachgewiesen werden. Unter anderem ein 35 Meter langen Mühlkanal und die Pfostenlöcher einer dazugehörigen Wassermühle, Zerstörungsspuren durch Brände und deutlich später Grabstellen einer frühmittelalterlichen Neubesiedlung.

Hachinger Bach beim Altperlacher Krankenhaus

Bei der später auf dem Ausgrabungsgelände erstellten Grünanlage am Perlacher Oberen Hofanger hat man versucht einen Teil der archäologischen Ergebnisse im Gelände darzustellen. Der Mühlkanal wurde mittels einer langen Bodenvertiefung und kurze gemauerte Teile kenntlich gemacht. Jahre später sind 2016 mit ehrenamtlicher Hilfe des Festrings Perlach Erläuterungen auf Informationstafeln hinzugekommen.

Altperlacher Grünanlage am Oberen Hofanger

Ich finde diese Veranschaulichungen mit Informationstafeln sehr gelungen. München-Perlach verschwimmt aus meiner Sicht geschichtlich, Neuperlach etwa gilt als eine der größten deutschen Satellitenstädte. Altperlach hatte über viele Jahrhunderte eine andere Logik, die einer Verbindung mit dem Hachinger Bach gefolgt ist. Diese Veranschaulichungen am Oberen Hofanger vermitteln dieses Leben mit dem Hachinger Bach und zudem auch noch den hohen Stand, den dieses Leben in der Römerzeit hatte. Der römerzeitliche Hof wird auf den Informationstafeln ausdrücklich als Teil einer ganzen Siedlungskette bezeichnet und auf eine ähnliche Mühle in Sichtweite auf dem Gelände des heutigen Südfriedhofs hingewiesen.

Archäologische Informationstafel in der Grünanlage am Oberen Hofanger in München-Perlach

Meine Fotos stammen vom vorletzten Samstag. Drängender stünde eigentlich ein Bericht von meinem letztjährigen Besuch im Heimatmuseum Unterhaching an. Die Ursprünge Unterhachings gehen aber auch auf ein Dorf am Hachinger Bach zurück, der Hachinger Bach wird dort ebenfalls eine herausragende Rolle spielen. Die Verbindung bis in die römische Zeit könnte ich dort aber nur beschreiben, von Perlach habe ich nun die Fotos vom veranschaulichten Mühlkanal. Deshalb schiebe ich die vor dem Heimatmuseum Unterhaching ein, um von dort aus auf den Perlacher Mühlkanal zurückverweisen zu können.

Archäologische Informationstafel in der Grünanlage am Oberen Hofanger in München-Perlach

Im Gegenzug will ich hier schon die „Hachinger Bach“-App des Heimatmuseums Unterhachings empfehlen. Die App geht über das Gebiet Unterhachings hinaus und ist allgemein eine Empfehlung um sich über den Hachinger Bach zu informieren. Wer einen Eindruck gewinnen will mag sich zumindest den etwa vier Minuten dauernden „Flug über den Hachinger Bach“ ansehen.

Archäologische Informationstafel in der Grünanlage am Oberen Hofanger in München-Perlach

Die auf den Informationstafeln am Oberen Hofanger erwähnte seinerzeit in Sichtweite gelegene römische Siedlung im Bereich des heutigen Neuen Münchner Südfriedhofs in München-Perlach hatte ich 2015 im Rahmen meines Besuchsberichts von der Keltenschanze auf dem Friedhof in München-Perlach erwähnt, aber da eher den zeitlichen Bogen weiter zurück zu den Kelten und die häufige Verbandelung mit bronzezeitlichen Grabhügeln geschlagen.

Kenntlich gemachte frühmittelalterliche Grabstellen am München-Perlacher Oberen Hofanger

Wer die Mühlkanalmulde am München-Perlacher Oberen Hofanger besuchen möchte, dem böte sich eine Kombination mit dem Südfriedhof und einem Spaziergang entlang des Hachinger Bachs an. Je nach Route käme man da auch beim Festring Perlach mit einem Offene-Tür-Angebot an zweiten Samstagen in den meisten Monaten des Jahres vorbei. Der Park mit dem veranschaulichten Mühlkanal befindet sich westlich der Einmündung der Hofangerstraße nördlich anliegend an der München-Perlacher Schmidbauerstraße. Wenn man mit dem Bayerischen Denkmal-Atlas gut zurecht kommt, findet man die Stelle schnell via Umstellen des Suchfeldes auf die Denkmalnummer und der Suche nach der Denkmalnummer D-1-7835-0448 Die Keltenschanze auf dem Friedhof hat die Denkmalnummer D-1-7935-0112 Die danebenliegende „Siedlung mit Mühlen und Werkplatz der mittleren und späten römischen Kaiserzeit“ die Denkmalnummer D-1-7935-0262

Grünanlage am München-Perlacher Oberen Hofanger mit kenntlich gemachtem römerzeitlichen Mühlkanal

Folgt man dem beschriebenen Gedanken der Siedlungsketten, dann wären natürlich auch Kombinationen mit entfernteren Besuchszielen entlang des Hachinger Bachs interessant. Etwa das erwähnte Unterhachinger Heimatmuseum oder das Taufkirchener Keltenhaus, in dessen Umfeld sich eine Villa rustica befand. Oder die bei Deisenhofen durchlaufende römische Verbindungsstraße zwischen Augsburg (Augusta Vindelicorum) und Salzburg (Iuvavum) mit besser als auf dem Perlacher Friedhof erhaltenen Keltenschanzen. Im Bereich Deisenhofen wäre etwaigen Ausflugsinteressenten auf jeden Fall zu empfehlen auch die diesjährigen Angebote Oberhachings zum 1275. Geburtstag im Auge zur behalten.

Mittwoch, 7. April 2010

Karfunkelstein und Seide verlängert

Wie ich auf der Website der Gemeinde Unterhaching sehe, wurde die Ausstellung „Karfunkelstein und Seide — Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ in der Archäologischen Staatssammlung München wegen des „großen Erfolgs“ bis zum 12. September 2010 verlängert.

Das ist schön zu lesen. Die Ausstellung fand ich auch sehr ansehenswert, und zum Gedanken einer „Bayerischen Leistungsschau“ hat die kürzere Ausstellungsdauer nicht recht gepasst.

Ich habe gleich im neuen Münchner Museumsportal wegen der Änderung nachgesehen. Dort ist zur Stunde noch das alte Ausstellungsende 4.7.2010 drin, ebenso auf der Website der Archäologischen Staatssammlung und auf www.muenchen.de.

Mittwoch, 10. März 2010

Bayerische Leistungsschau

Ende Januar 2010 wurde die Sonderausstellung „Karfunkelstein und Seide - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ in der Archäologischen Staatsammlung München eröffnet. Wie schon in meinem Ausstellungshinweis geschrieben, basiert die Ausstellung auf im nahe München gelegenen Unterhaching entdeckten Gräbern aus der Zeit zwischen den Jahren 480 bis 520 n. Chr.

Über diesen Teil der bayerischen Geschichte nach Ende des weströmischen Reiches und vor der ersten Erwähnung der Bajuwaren ist wenig bekannt. Man hätte wohl eher mit Zeichen von Chaos und Entvölkerung gerechnet als mit so gut ausgestatteten Gräbern. Noch dazu im Hachinger Tal und nicht im Umfeld befestigter Städte wie Augsburg und Regensburg. Insofern erklärt sich auch der hohe archäologische Wert der Funde.

Die „gute Ausstattung“ ist im Vergleich mit den anderen Gräbern dieser Zeit zu sehen. Der Katalog nennt bspw. ein mit Goldfäden durchwirktes Kleidungsstück am Kopf des etwa drei Jahre alte Mädchen im Kindergrab, und daß derartige Stirnbänder oder Schleier um 500 n. Chr. nur Frauen der obersten Gesellschaftsschicht vorbehalten waren.

Wenn ich das laienhaft versuche auf den Punkt zu bringen: die Auflistung der Funde klingt so, als wenn sie in einem einzigen Umzugskarton Platz hätten. Aber viele der Funde sind ähnlich wie das mit Goldfäden durchwirkte Kleidungsstück des Mädchens. Ob das die einzige Waffe ist, die im Gräberfeld gefunden wurde, die aber in ihrer Verarbeitung ganz besonders ist. Oder der Seidenstoff. Oder die „normalen Fibeln“ bis hin zu den jetzt prominent herausgestellten Scheibenfibeln. Sie bedingen jeweils Expertenwissen, ziehen viele Fragen nach sich, bringen neue Erkenntnisse, ergeben letztlich eine eigene Geschichte.

Die Ausstellung scheint mir dieser Vorgabe zu folgen. Sie stellt die Gräber in den Mittelpunkt, reichert die Grabfunde mit anderen Funden an und entwickelt von Grabfunden ausgehend einzelne Geschichten immer weiter. In Langfassungen sind diese Geschichten dann im Katalog zu finden. Da gibt es einen Aufsatz über die anthropologische Untersuchung der Skelettfunde, einen über die Textilien aus den Gräbern, einen über den Seidenhandel zwischen Ost und West, einen über den Karfunkelstein ( = Granat ), einen über den „Unterhaching-Code - Das Geheimnis der Sachen und Bilder“, der sich mit der Bedeutung der einzelnen Grabbeigaben befaßt, besonders der Interpretation der Scheibenfibeln.

Die Ausstellung ist verhältnismäßig klein. Man wird zunächst mit dem Ort vertrauter gemacht - das Hachinger Tal in Fortsetzung des Gleissentals als Nord-Süd-Verbindung, die sich ein kurzes Stück südlich der Fundstelle mit der römischen Straße von Salzburg nach Augsburg als Ost-West-Verbindung kreuzt.

Aus dem Gleissental hochführende ehemalige Römerstraße Salzburg-Augsburg

Es folgt ein Nebenraum, in dem ein Film in sehr guter Qualität über Seide, Karfunkelstein und nicht zu vergessen die Arbeit der Restauratoren zu sehen ist. Die Themen fächern sich wie in der Ausstellung auf.

Der zentrale Raum der Ausstellung ist den Gräbern gewidmet. Jeweils einem Grab ist eine Vitrine zugeordnet. Die Lage des Skelettes steht einem als beleuchtete Skizze „auf Augenhöhe“ gegenüber, wobei die Funde am Skelett markiert sind. Diese genaue Angabe ist beispielsweise wichtig, um rückschließen zu können, welcher der seinerzeit vorherrschenden Kleidungssitten gefolgt wurde, wie ein Aufsatz im Katalog anhand gefundener Bügelfibeln im Becken statt an der Schulter zeigt.

Nach dieser Gegenüberstellung folgt die „Schatzkammer“ mit den Scheibenfibeln und verschiedenen Vergleichsobjekten. Dann ein Raum, in dem man selbst Hand anlegen kann - an verschiedene Seidenstoffe, an ein auf Basis von Metallresten rekonstruiertes Kästchen, oder an zwei Magnetplatten mit großen Scheibenfibel-Puzzles. Eine Werkbank mit Werkzeug veranschaulicht die Utensilien, mit denen die Scheibenfibeln hergestellt wurden.

Außerhalb der Ausstellung wird das Ausstellungsthema im Museum-Shop mit angebotenem Granat in verschiedenster Form und dem dort erhältlichen Ausstellungskatalog weitergeführt. Neben der Sonderausstellung sind auch Teile der Dauerausstellung geöffnet. Im Saal 3 sind etwa zwischen Vitrinen mit anderen Bronzezeitobjekten die unlängst erwähnten Bernstorfer Funde zu sehen. Das ursprünglich für 2010 angekündigte eigene Bronzezeit-Bayern Museum Kranzberg ist mittlerweile auf Anfang 2011 verschoben.

Noch zum Katalog: er wurde schon mit einem Detektivroman verglichen, weil in den Aufsätzen vieles so spannend aus seinen Hintergründen heraus entwickelt wird. Da ist vieles spannend geschrieben geworden und das auch noch von verschiedenen Autoren und in einer Situation, in der vieles unsicher und unbeantwortet bleiben muß. Aber auch die Gründe dafür wurden erläutert. Ich halte diese Offenheit für eine große Stärke des Buchs.

Diese gute Darstellung unterschiedlicher Tätigkeitsfelder leitet über zu dem Gedanken einer „bayerischen Leistungsschau“. Im Zusammenhang mit den Funden sind ja schon einige Begriffe verwendet worden: „Sensationsfund“, „archäologischer Jahrhundertfund“, Unterhachings „China-Connection“ (wegen der gefundenen Seide), oder der „Unterhaching-Code“ (wegen der oben genannten Entschlüsselung der Sachen und Bilder, speziell der christlichen Ikongrafie der beiden gefundenen Scheibenfibeln).

„Bayerische Leistungsschau“ sollte für die Ausstellung und den Katalog passen. Frau Dr. Brigitte Haas-Gebhard, die Kuratorin der Ausstellung, formuliert das im Katalog nämlich so: wegen dem überschaubaren Fundmaterial hätten die „Dienststellenleiter von Staatssammlung und Landesamt (L. Wamser, S. Sommer) sich nämlich dazu entschlossen, einmal ein exemplarisches Projekt zu verwirklichen, nämlich ein Gräberfeld nach allen Regeln der archäologischen Kunst zu untersuchen, d.h. alle möglichen Erfolg versprechenden Untersuchungsmethoden anzuwenden.“ Die Arbeit der Restauratoren schließt sie im nächsten Abschnitt mit ein, da sie in enger Abstimmung mit den Wissenschaftlern arbeiteten und Restauration nicht mehr nur bedeutet, die Funde „schön zum Anschauen wieder herzurichten“, „... sondern sie im Sinne historischer Objekte zu behandeln, die eine Vielzahl von Informationen ... bereithalten“.

Offiziell eine Ausstellung der Archäologischen Staatssammlung in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, sind für weitere Aufgaben die Anthropologische Staatssammlung München und Spezialisten weiterer Institutionen miteinbezogen worden. Der Katalog gibt hierzu ausführlich Auskunft.

Zur Einstimmung auf die Ausstellung empfehle ich wie in meinem Ausstellungshinweis vom Januaranfang den Beitrag von Frau Dr. Brigitte Haas-Gebhard in den Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte Nr. 126 vom 10. Dezember 2009.

Die Daten für den Katalog sind:

Titel: „Karfunkelstein und Seide. Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit.“
Herausgeber: Ludwig Wamser.
Verlag Friedrich Pustet, 2010, 196 S., zahlr. Ill., 22 x 23 cm
Preis 25 €, ISBN 978-3-7917-2242-9

Dienstag, 5. Januar 2010

Karfunkelstein und Seide in der Archäologischen Staatssammlung München

Vom 29. Januar 2010 bis zum 4. Juli 2010 (Update 8.4.2010: verlängert bis 12. September 2010) findet in der Münchner Archäologischen Staatsammlung die Ausstellung „Karfunkelstein und Seide — Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ statt.

Zentrales Thema der Ausstellung sind Funde aus Gräbern aus der Zeit zwischen den Jahren 480 bis 520 n. Chr., die 2004 im südwestlich von München gelegenen Unterhaching entdeckt wurden.

Frau Dr. Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung erläutert in den aktuellen Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte ausführlich die Bedeutung der Ausgrabungen. Ihren Text will ich zur Einstimmung auf die Ausstellung sehr empfehlen.