Montag, 5. Oktober 2009

Die Viereckschanze 2 von Holzhausen

Die mit „Keltenschanze“, „Viereckschanze“ oder „keltische Viereckschanze“ bezeichneten Anlagen sind in einem Gebiet von Böhmen bis Frankreich gefunden worden, besonders viele in Süddeutschland zwischen Alpen und Main, und hier ist vor allem der Raum südöstlich von München besonders gesegnet. Bspw. kann man aus München heraus zum S-Bahnhof Deisenhofen fahren und auf einer Fußwanderung bequem gleich mehrere Keltenschanzen besuchen.

Ein Stück südlich von Deisenhofen liegt der Ortsteil Holzhausen von Straßlach-Dingharting mit zwei Viereckschanzen, und eine davon ist ziemlich berühmt geworden. (Wobei der weitverbreitete Namen Holzhausen zur Verwirrung führen kann, im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es noch ein Holzhausen mit einer keltischen Viereckschanze.)


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Martin Kuckenburg beschreibt in seinem Buch „Die Kelten in Mitteleuropa“ den Sachverhalt so: Friedrich Drexel habe 1931 mit dem Argument der Ähnlichkeit der Keltenschanzen (meist quadratische oder rechteckige Einfriedungen aus Erdwall und Graben) eine Deutung als „Heiligtümer“ oder „sakrale Anlagen“ vorgeschlagen, denn nur so war seiner Ansicht nach die „weitgehende Standardisierung“ dieser Anlagen erklärbar. Dieser religiöse Deutungsansatz sei dann lange Zeit eine unbedeutende Außenseitermeinung gewesen, bis der Archäologe Klaus Schwarz die Viereckschanze von Holzhausen untersucht hat.

Einige seiner Befunde brachten ihn zur Überzeugung, daß eine kultische Nutzung vorlag. Solche Befunde gab es in der Folge auch in anderen Keltenschanzen, so daß sich in den 1960er Jahren eine Deutung der Anlagen als keltische Kultstätten durchgesetzt hat.

Keltenschanze Holzhausen

Spätere Grabungen brachten eine Wende, die vorher vermuteten Opferschächte erwiesen sich als Brunnen, darin vermutete Kultpfähle wurden nun als Schwingbalken von Stangenziehbrunnen interpretiert usf. Zudem konnte man für einzelne Schanzen das komplette Fundspektrum nachweisen, „das man bei ländlichen Siedlungen der Spätlatènezeit erwarten würde“. Der aktuelle Deutungsansatz geht deshalb in Richtung begüterter Bauernhof, in einer zeichnerischen Rekonstruktion der Keltenschanze von Bopfingen steht sie durch die Einfriedung herausgehoben innerhalb einer Dorfsiedlung.

Bei dieser Deutung als herausgehobenes bäuerliches Anwesen ist aber durchaus denkbar, daß ein möglicherweise in der Schanze residierendes weltliches Oberhaupt der Gemeinde auch das geistliche Oberhaupt gewesen ist und in der Schanze Kulthandlungen stattfanden, oder daß manche Keltenschanzen gänzlich nur sakralen Zwecken gewidmet waren.

Die pauschale Deklarierung als Kultstätten unter Bezug auf die alten Ausgrabungen von Holzhausen, wie sie leider bei einigen Keltenschanzen im Münchner Raum zu finden ist - siehe die Fotografie der Informationstafel bei der Keltenschanze Buchendorf - ist aber nach aktuellem Stand falsch.

Viereckschanze Holzhausen

Die Bilder im heutigen Eintrag sind vom letzten Samstag und zeigen die östliche der beiden Viereckschanzen in Holzhausen. Betrachtet man die oberste Fotografie, dann sieht man hinten ganz links ein weißes Haus. Die westliche Schanze liegt im Bereich der Bäume rechts neben diesem Haus. Sehr gut zur örtlichen Orientierung ist hier auch der BayernViewer Denkmal verwendbar.

Die Befunde wurden in der Schanze „Holzhausen 2“ bzw. der „Viereckschanze 2 in Holzhausen“ ergraben. Der Bayern-Viewer-Denkmal sagt mir nicht, welche der beiden die „Viereckschanze 2“ ist. In einem früheren Blog-Eintrag hatte ich meine nicht so gute Meinung von den Denkmalinformationen schon mal dargestellt.

Nachdem der Bayern-Viewer-Denkmal mich hier auch im Stich gelassen hat, habe ich erfolglos fast 2 Stunden im WWW nach einer offizielle Seite gesucht, die erläutert welche der beiden Schanzen „Holzhausen 2“ ist. Wenn die glauben ich werde deswegen in die Bibliothek laufen - ich verlasse mich jetzt auf den „Archäologieführer Deutschland“ von Hermann Bierl, und der sagt die östliche Schanze und demnach die im Bild ist „Holzhausen 2“.

Viereckschanze Strasslach-Dingharting

Wer mehr über das Thema wissen will, dem empfehle ich nachdrücklich Alexa Weyrauch-Pungs Rezension des 2005 erschienen Buches „Die Ausgrabung in der Viereckschanze 2 von Holzhausen“ mit den von Günther Wieland zusammengestellten und kommentierten Grabungsberichten von Klaus Schwarz. Alexa Weyrauch-Pung hat die Rezension in ihr „Radiolarium“ eingestellt. Eine kurze Inhaltsangabe und das Inhaltsverzeichnis des Buchs kann beim VML Verlag angesehen werden.

Weiter ist der ausführliche Artikel in der Wikipedia über Viereckschanzen empfehlenswert. In der Wikipedia gibt es auch eine Liste bayerischer Viereckschanzen. Der Text aus dem Archäologieführer Deutschland zur Viereckschanze ist bei Pointoo zu finden.

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