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Montag, 16. Januar 2012

Keltenjahr 2012

Im September wird in Stuttgart die große Landesausstellung „Die Welt der Kelten“ eröffnet. Das ist für die Baden-Württemberger der Anlaß, das Jahr 2012 mit einem umfangreichen Begleitprogramm zum Keltenjahr auszurufen.

Von den bekanntesten baden-württembergischen Kelten-Orten hatte ich hier im Blog schon das Keltenmuseum Hochdorf, das Oppidum Heidengraben und zweimal die Heuneburg (Bienenmarkt auf der Heuneburg und etwas zum Sensationsfund). Das Oppidum Finsterlohr-Burgstall ist bei mir gerade noch im Bau.

An diesen Orten finden sowieso immer wieder Veranstaltungen statt. Aber wenn man sich das Veranstaltungsprogramm zum Keltenjahr 2012 ansieht, ist man beeindruckt, was in diesem Jahr angeboten wird.

Freitag, 8. April 2011

Nordschwarzwaldkante

Das soll ein Nachklapp zu den Einträgen zur Historica 2010 in Karlsruhe-Durlach und zur Jungsteinzeit-Ausstellung in Karlsruhe werden.

Wer aus der Gegend kommt oder schon durch den Rheingraben gefahren ist, kennt das Landschaftsbild mit ebenem Rheingraben und an den beiden Seiten des Rheingrabens mehr oder weniger aufragenden Mittelgebirgen. Im Bild ist die im Historica-Eintrag erwähnte Nordschwarzwaldkante zu sehen (Ich hoffe der Begriff „Nordschwarzwaldkante“ ist nicht zu daneben, wenn er meine Schöpfung war - ich sehe ihn bei der Google-Suche jetzt nur bei mir).

Das Panoramabild von dieser Nordschwarzwaldkante wurde von einem Hochhaus in Karlsruhe-Rüppurr aufgenommen. Die erste Erhebung ganz links ist der Turmberg, von dort aus wurden die im Historica-Eintrag eingestellten Bilder gemacht. Etwas links von der Mitte ist etwas Gebogenes mit einem Einschnitt oben zu erkennen, das ist die A8, die in Richtung Pforzheim weiterführt. Rechts im Hintergrund hinter den Häusern von Rüppurr sind auch noch Häuser von Ettlingen zu erkennen. Die Stadt liegt am Ausgang des Albtales. Das Albtal liegt zwischen den beiden Erhebungen, die rechts im Bild zu sehen sind.

Nordschwarzwaldkante im Bereich zwischen Turmberg bei Karlsruhe-Durlach

Unterhalb dieser Kante verlief wie im Historica-Eintrag erwähnt eine Römerstraße. Die im Historica-Eintrag erwähnte Villa rustica von Karlsruhe-Durlach müßte im Bild links am Fuß des Turmbergs liegen. In der Nähe gab es eine Kreuzung mit einer in das Pfinztal im Bild links vom Turmberg hineinführenden römischen Straße. Zwischen Autobahn und Ettlingen hat man Überreste einer weiteren Villa Rustica gefunden. Ettlingen selbst hat eine Geschichte als römische Siedlung. Außerdem war hier eine Straßenkreuzung mit einer Straße, die nach Osten zu den römerzeitlichen Siedlungsvorgängern von Pforzheim an der Enz und Cannstatt am Neckar führte.

In dem Durchgangsgebiet Richtung Osten, das bei Ettlingen beginnt und sich nach Norden fortsetzt, liegen heute neben der erwähnten Autobahn auch die Bahnverbindungen. Das Gebiet wurde nicht nur zum Durchgang genutzt, sondern auch besiedelt.

Vom Turmberg weiter die Kante entlang gelangt man nach etwas mehr als 10 km zum für die Michelsberger Kultur und die derzeitige Jungsteinzeit-Ausstellung in Karlsruhe namensgebenden Michaelsberg bei Untergrombach. Im Bild ist die Entfernung zwischen Turmberg und der Erhebung rechts der Alb bei Ettlingen etwa 10 km. Eine kurzes Stück nordöstlich von Untergrombach liegt Bruchsal mit zwei weiteren Erdwerken, von denen die Funde vom Erdwerk Bruchsal „Aue“ in der Karlsruher Ausstellung eine besondere Rolle spielen. Knapp über 40 km östlich von Bruchsal liegt Heilbronn mit ebenfalls vielen Funden aus der Michelsberger Kultur.

Vom Fotografenstandort in Luftlinie nur wenig mehr entfernt als der Michaelsberg liegen nachgewiesene keltische Eisenverhüttunganlagen bei Neuenbürg. Hier die Links zu „Eisenverhüttung zur Zeit der Kelten“ und zu einem Verweis auf den Artikel „Keltische Eisenproduktion bei Neuenbürg im Nordschwarzwald“ in der Zeitschrift „Denkmalpflege in Baden-Württemberg“, dort gibt es auch einen Downloadlink zur betreffenden Zeitschriften-Ausgabe.

Enzabwärts nordöstlich von Neuenbürg im Stadtgebiet von Pforzheim sind römische Siedlungsspuren nachgewiesen und weiter im Enztal nordöstlich bei Pforzheim Reste römischer Gutshöfe. Das Keltenmuseum Hochdorf liegt fast in der Mitte zwischen Pforzheim und Neckar etwa 2 km von der Enz entfernt.

Im Umkreis des Fotografenstandortes dürften in der Römerzeit vor allem Rheinzabern / Tabernae und Baden-Baden / Aquae überregional bekannt gewesen sein. Tabernae wegen seiner Tonlagerstätten und der Terra-Sigillata-Produktion und Aquae wegen seiner Thermalquellen.

Abschließend noch der Hinweis auf die Website Conflict History . So eine Zeitschiene bzw. einen Zeitschieber wie dort hatte ich mir als Verständnishilfe anläßlich der Jungsteinzeit-Ausstellung (wieder) gewünscht. Leider gibt es noch keine generierten Landschaften auf Basis von zeitlich passenden Pollenanalysen, aber zum längeren Herumspielen eignet sich die Webseite auf jeden Fall. Den Link-Tipp habe ich von Daniel Eisenmenger bekommen, hier sein Eintrag zur der Website in seinem Blog Medien im Geschichtsunterricht.

Dienstag, 28. September 2010

Keltenmuseum Hochdorf

Einen Tag nach der Speyer-Tour vorletzte Woche haben wir eineinhalb Stunden Keltenmuseum in Eberdingen-Hochdorf vor einen anderen Termin gequetscht. Ich weiß, so wird man kein Vorbild als Kulturgenießer. Und für die mangelnde Vorbereitung wurden wir gleich sonderausstellungsmäßig bestraft: Am Aufbau von „Mit Hightech auf den Spuren der Kelten“ wurde gerade gewerkelt, die Ausstellung ging erst am 19.9.2010 mit einem „Keltischen Sonntag“ los (das Programm ist derzeit noch beim Förderverein des Keltenmuseums einsehbar). Das hätte sich organisieren lassen.

Keltenmuseum Hochdorf

Ich will trotzdem schnell weitermachen und ohne aufwendiges Nachsurfen beschreiben, was wir uns in der Kürze angesehen haben. Das Nachsurfen kommt aber spätestens nach einem weiteren Hochdorf-Termin mit detaillierteren Erkundungen. Die Websuche müßte ich dort fortsetzen, wo ich bei der Heuneburg aufgehört habe. Hochdorf liegt wie die Heuneburg in einem Gebiet mit relativ vielen bekannten Großgrabhügeln. Nur daß bei der Heuneburg die Heuneburg selbst das Zentrum mit den meisten Großgrabhügeln ist, im Fall Hochdorf ist das der Hohenasperg, und das in Hochdorf gefundene Grab liegt ein ganzes Stück vom Hohenasperg entfernt.

Keltenmuseum Hochdorf

Hochdorf ist ja vor allem durch dieses von Grabräubern nicht geplünderte Grab bekannt geworden. Wobei der Grabhügel als solcher nicht mehr zu erkennen war und nur durch herausgepflügte Steine entdeckt wurde. Die Funde waren eine archäologische Sensation, manches wurde in dem Zusammenhang erstmalig entdeckt, manches blieb weltweit einmalig, wie die Kline, auf die der Leichnam gelegt wurde. Außer durch die Funde wurden auch wichtige Erkenntnisse durch den Nachbau mit orginalgetreuem Material in alter Technik gewonnen, die Grabkammer im Keltenmuseum ist auf diese Weise mit Repliken ausgestattet worden.

Grabkammer Keltenmuseum Hochdorf

Die Bewegkraft des Sensationsfunds von 1978 - Ausstellungen in Stuttgart, Köln und Paris mit der Grabkammer als Mittelpunkt sollen zusammen 600000 Besucher gehabt haben - hat zum Bau des 1991 fertiggestellten Museums 400 m vom Fundort entfernt durch die Gemeinde Eberdingen geführt. Die Architektur des Keltenmuseums ist stark auf diesen Grabfund ausgerichtet. Der Metallbogen stellt eine Abstraktion des Grabhügels dar, die Grabkammer ist im Keller in der passenden Position zum gedachten Grabhügel.

Rekonstruktion eines keltischen Gehöfts beim Keltenmuseum Hochdorf

Das Keltenmuseum wurde im Bereich einer früheren keltischen Siedlung gebaut, die durch eine großflächige Grabung erforscht wurde. Die Ergebnisse führten zu dem keltischen Gehöft im Außenbereich des Museums. Rekonstruiert wurde ein Wohnhaus, ein Grubenhaus, ein Speicher, ein Erdkeller und ein Garten.

Keltischer Garten beim Keltenmuseum Hochdorf

Das Grubenhaus ist im vierten Bild rechts vor dem Wohnhaus zu sehen. Der Speicher ist auf diesem Bild ganz links und der Erdkeller befindet sich unter dem Dach zwischen Speicher und Wohnhaus. Grubenhäuser wurden als Werkstätten für Metall- oder Webarbeiten verwendet. Im Garten findet man kurze Stücke Flechtzaun und Palisade, die nach Grabungsbefund auch in der Keltensiedlung zum Schutz vor Tieren verwendet wurden. Die Pflanzen im Garten sollen dort archäobotanisch nachgewiesen sein. Diese Informationen habe ich jetzt aus dem Heft „Daheim bei den Kelten. Dokumentation des Nachbaus eines keltischen Gehöftes in Hochdorf“ (an der Kasse für 2 Euro). Die Angaben zu den Ausstellungen aus dem Heft „Keltenmuseum Hochdorf“ (3,50 Euro).

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Im Museum gibt es Texttafeln zu den außen beispielhaft rekonstruierten Gebäudetypen, außen haben wir aber sehr wenig Text vorgefunden. Nebst dem Texte kaufen oder speichern müssen Sie im Museum auch noch einen Film über den Grabfund ansehen - haben wir auch gemacht, waren angeblich nur 20 Minuten. Nach dem Museum und dem Keltengehöft wären noch zwei Sachen zu besichtigen: Auf jeden Fall der am Fundort wiederaufgeschüttete Grabhügel. Und zuhause habe im Buch „Archäologie erleben“ gesehen, daß es im Hügelgräberfriedhof im nahen „Pfaffenwäldle“ einen Schauhügel gibt.

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Selbst wenn wir es gewußt hätten, hätte es für beides nicht mehr gereicht. Zum „Pfaffenwäldle“ muß man in die entgegengesetzte Richtung. Zum Großgrabhügel geht es in Richtung Osten um den Friedhof dazwischen herum. Man kann ein paar Meter Fußweg sparen und dort am Friedhofsparkplatz parken. Der Grabhügel ist mit einer informativen Texttafel ausgestattet und frei zugänglich, kann also auch unabhängig vom Museum besucht werden.

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Also auf die Liste: Alles noch mal mit mehr Zeit ansehen. Das „Pfaffenwäldle“ nicht auslassen. Das Landesmuseum Stuttgart besuchen und sehen, was dort an Orginalen aus Hochdorf ausgestellt wird. Den Keltenweg ansehen, ob sich das günstig mit weiteren Zielen, und die Website des Keltenmuseums, ob sich das mit interessanten Terminen verbinden läßt. Und jetzt noch vielen Dank nach Hochdorf an die Museumsleiterin Frau Dr. Simone Stork für die Erlaubnis, meine auf dem Museumsgelände gemachten Fotos in das Internet einzustellen! Und dann Feierabend.