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Samstag, 13. Juli 2013

Herxheim, Teil 3 – Anne Reichert und Eckhard Czarnowski

Nach dem Besuch der Dauerausstellung im Museum Herxheim sind wir weiter zum Stand von Eckhard Czarnowski. Eckhard Czarnowski (Bild 1) bietet – siehe seine Website www.steinzeitspur.de – u.a. „Vorführungen zu steinzeitlicher Technologie und Ergologie“ und „Rekonstruktionen steinzeitlicher Werkzeuge und Geräte“ an und war am Internationalen Museumstag 2013 eine der im Internet angekündigten Publikumsattraktionen. Er war einigermaßen regengeschützt im Ausgangsbereich des Museums untergebracht (der „Eingang“ im ersten Bild ist ein abgeschnittener „Kein Eingang“). Im zweiten Bild von Herxheim, Teil 2 war das bei dem großen roten Schirm vor dem rechten Gebäude.

Eckhard Czarnowski hat uns im Schnelldurchlauf die Geräte zum Getreideernten in Bild 2 erklärt. Er hat eine Flamme an eine Kugel Birkenpech gehalten und uns daran riechen lassen. Hat gezeigt wie man einen Stiel glättet (Bild 3) und wie man eine Steinklinge schärft (Bild 4). Witterungsbedingt hat er den Auftritt in Steinzeitkleidung sein gelassen, sonst hätte er uns sicher auch zur Kleidung noch schnell ein paar Besonderheiten gezeigt.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

Ich habe immer die Steinbeile mit Skepsis betrachtet. Mussten die nicht häufig ersetzt oder zumindest repariert werden? Nach Eckhard Czarnowski ist das bei guter Behandlung nicht notwendig gewesen. Dabei sei auch die richtige Herstellung zu beachten. Er hat von einem Versuch erzählt, bei dem Eichen geschlagen wurden und seine manuell erstellte Steinklinge das überstanden hat, während mit der Flex erstellte Klingen kaputt gegangen seien.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

In dem Versuch waren Dechseln im Einsatz. Bei diesen „Querbeilen“ sind die Steine anders geschäftet. So wie bei der kleinen Rekonstruktion, die Eckhard Czarnowski in Bild 1 in der Hand hält. In Neuguinea-Dokumentationen waren solche Beile bisweilen zu sehen, ich habe dazu noch ungefähre Erinnerungen an das in Jugend gelesene Buch „Ich komme aus der Steinzeit“ von Heinrich Harrer. Eckhard Czarnowski muß Orginalbeile kennen. Er hat kurz die Schäftung der dortigen Ureinwohner erwähnt, die er sich zum Vorbild genommen hat.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

Zur „Ergologie“ entnehme ich mal die Definition „Wissenschaft von Arbeitsgeräten und -gebräuchen“ aus dem Netz. Außer zu Fragen nach dem Aufwand für die Erstellung und für die Erhaltung der einzelnen Geräte wird man sich sicher auch Gedanken dazu gemacht haben, in welcher Kombination sie eingesetzt wurden. Die „dicken Eichen“, die in diesem Rekonstruktionsversuch von Bandkeramiker-Langhäusern angedacht sind, wird man vielleicht mit Haustieren zur Baustelle gezogen haben. Das zukünftige Brennholz wird anders ausgesehen haben als der Ster Holz auf dem Foto in der Wikipedia, weil es beim damaligen Arbeitsablauf vorher und nachher keine Säge gegeben hat. Auf dem Foto sind auch der Länge nach aufgespaltene Stämme zu sehen. Ob eine Kombination von schweren Steinhämmern und Steinkeilen damals funktionierte, und ob sie im damaligen Arbeitsablauf sinnvoll war? Und der Wagen für den Weitertransport wurde erst Jahrhunderte nach den Bandkeramikern erfunden, habe ich in der Jungsteinzeit-Ausstellung in Karlsruhe gelernt.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

Also Fragen über Fragen. Bevor wir sie uns haben einfallen lassen können, wurde Eckhard Czarnowski vom Museumsleiter Dr. Alexander Gramsch benötigt. Anne Reichert (Bild 5) ist kurz für ihn in die Bresche gesprungen. Aber der halbe Schritt zurück zum Fotografieren hat anderen Museumsbesuchern gereicht, um sie aus der ungeschützten linken Flanke heraus in Beschlag zu nehmen. Zu den Rekonstruktionen von Anne Reichert gibt es eine interessante Webseite zur Sonderausstellung „Bast, Binsen, Brennnessel: textiles Material der Steinzeit im Museum Albersdorf“. Da sollte man einmal durch die einzelnen Beispiele durchklicken. Die über 5000 Jahre alten Vorlagen für den Dolch und die Dolchscheide in Bild 5 sind auf der Seite „Zwirnen und Zwirnbinden“ zu sehen. Rekonstruktionen von Anne Reichert sind schon sehr bekannt geworden: vor einigen Jahren war die im Fernsehen ausgestrahlte Alpenüberquerung in Steinzeit-Ausrüstung von Henning Fenner und Ingo Schuster sehr populär, und von Anne Reichert stammten die auffälligen großen Schuhe („Innengeflecht der 'Ötzi'-Schuhe aus Lindenbast”). Der damals zur Filmserie eingerichtete Blog ist heute noch zugreifbar, siehe hier „Aufstieg im Schnee“: „Die Ötzischuhe bewähren sich: Henning und Ingo sinken damit viel weniger tief ein als wir mit unseren modernen Wanderstiefeln. Außerdem rutschen sie weniger und sind warm! Endlich haben wir den Zweck der Schuhe enträtselt – und können sagen, warum sie so riesig sind!“

Anne Reichert am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

In München hatte ich mir im Internet relativ kurz mögliche Ziele für den Internationalen Museumstag durchgesehen und dabei die Ankündigung von Eckhard Czarnowski mitbekommen. Anne Reichert war eine Überraschung. Ich habe erst im Nachhinein gesehen, daß in Herxheim schon mehrere Workshops (pdf) mit Anne Reichert angeboten wurden. Ich glaube es ist nicht das erste Mal, daß ich eine etwas oberflächliche Vorbereitung erwähne, aber oft entscheiden wir relativ kurzfristig wohin es gehen wird. In dem Fall kam als zu berücksichtigende Rahmenbedingung zum Wetter noch der Muttertag hinzu. Daß wir nach Herxheim gefahren sind, ist dann für uns ganz super gelaufen. Dafür vielen Dank an alle die uns Informationen und ihre Erlaubnis gegeben haben, die Fotos veröffentlichen zu dürfen! Insbesonders auch vielen Dank für die Unterstützung durch den Museumsleiter Dr. Alexander Gramsch!

Beim Nachsurfen habe ich gesehen, daß Dr. Alexander Gramsch Herausgeber von The European Archaeologist ist, dem Newsletter der European Association of Archaeologists. Dr. Gramsch gestaltet ihn als „eine jederzeit lesenswerte und allgemein zugängliche e-Zeitschrift für schnelle Nachrichten und offene peer-to-peer-Kommunikation“. TEA richtet sich an ein Fachpublikum, aber nach der Long-Tail-Theorie müßten sich auch ein paar Nichtarchäologen unter den Leserinnen und Lesern den Newsletter ansehen wollen.

Bei der Nachfrage, ob ich den TEA-Link weitergeben kann, hat mich Dr. Gramsch darauf hingewiesen, daß seine Artikel größtenteils bei Academia.edu zu finden sind. Für den Vollzugriff muss man dort aber Mitglied werden. Zum Projekt Herxheim habe ich von ihm die Information, daß es dieses Jahr noch ein Zusammentreffen und nach der Zusammenstellung der Ergebnisse eine gemeinsame Gesamtpublikation geben soll. Außerdem sind mehrere Dissertationen in Arbeit. Also es bleibt spannend bei den Herxheimer Bandkeramikern. Und hinzu kommen noch die aktuellen Ausgrabungen im Herxheimer Gewerbegebiet – auf der Museumswebsite ist dazu ein römischer Glaskrug aus einem Brandgrab zu sehen.

Dienstag, 28. September 2010

Keltenmuseum Hochdorf

Einen Tag nach der Speyer-Tour vorletzte Woche haben wir eineinhalb Stunden Keltenmuseum in Eberdingen-Hochdorf vor einen anderen Termin gequetscht. Ich weiß, so wird man kein Vorbild als Kulturgenießer. Und für die mangelnde Vorbereitung wurden wir gleich sonderausstellungsmäßig bestraft: Am Aufbau von „Mit Hightech auf den Spuren der Kelten“ wurde gerade gewerkelt, die Ausstellung ging erst am 19.9.2010 mit einem „Keltischen Sonntag“ los (das Programm ist derzeit noch beim Förderverein des Keltenmuseums einsehbar). Das hätte sich organisieren lassen.

Keltenmuseum Hochdorf

Ich will trotzdem schnell weitermachen und ohne aufwendiges Nachsurfen beschreiben, was wir uns in der Kürze angesehen haben. Das Nachsurfen kommt aber spätestens nach einem weiteren Hochdorf-Termin mit detaillierteren Erkundungen. Die Websuche müßte ich dort fortsetzen, wo ich bei der Heuneburg aufgehört habe. Hochdorf liegt wie die Heuneburg in einem Gebiet mit relativ vielen bekannten Großgrabhügeln. Nur daß bei der Heuneburg die Heuneburg selbst das Zentrum mit den meisten Großgrabhügeln ist, im Fall Hochdorf ist das der Hohenasperg, und das in Hochdorf gefundene Grab liegt ein ganzes Stück vom Hohenasperg entfernt.

Keltenmuseum Hochdorf

Hochdorf ist ja vor allem durch dieses von Grabräubern nicht geplünderte Grab bekannt geworden. Wobei der Grabhügel als solcher nicht mehr zu erkennen war und nur durch herausgepflügte Steine entdeckt wurde. Die Funde waren eine archäologische Sensation, manches wurde in dem Zusammenhang erstmalig entdeckt, manches blieb weltweit einmalig, wie die Kline, auf die der Leichnam gelegt wurde. Außer durch die Funde wurden auch wichtige Erkenntnisse durch den Nachbau mit orginalgetreuem Material in alter Technik gewonnen, die Grabkammer im Keltenmuseum ist auf diese Weise mit Repliken ausgestattet worden.

Grabkammer Keltenmuseum Hochdorf

Die Bewegkraft des Sensationsfunds von 1978 - Ausstellungen in Stuttgart, Köln und Paris mit der Grabkammer als Mittelpunkt sollen zusammen 600000 Besucher gehabt haben - hat zum Bau des 1991 fertiggestellten Museums 400 m vom Fundort entfernt durch die Gemeinde Eberdingen geführt. Die Architektur des Keltenmuseums ist stark auf diesen Grabfund ausgerichtet. Der Metallbogen stellt eine Abstraktion des Grabhügels dar, die Grabkammer ist im Keller in der passenden Position zum gedachten Grabhügel.

Rekonstruktion eines keltischen Gehöfts beim Keltenmuseum Hochdorf

Das Keltenmuseum wurde im Bereich einer früheren keltischen Siedlung gebaut, die durch eine großflächige Grabung erforscht wurde. Die Ergebnisse führten zu dem keltischen Gehöft im Außenbereich des Museums. Rekonstruiert wurde ein Wohnhaus, ein Grubenhaus, ein Speicher, ein Erdkeller und ein Garten.

Keltischer Garten beim Keltenmuseum Hochdorf

Das Grubenhaus ist im vierten Bild rechts vor dem Wohnhaus zu sehen. Der Speicher ist auf diesem Bild ganz links und der Erdkeller befindet sich unter dem Dach zwischen Speicher und Wohnhaus. Grubenhäuser wurden als Werkstätten für Metall- oder Webarbeiten verwendet. Im Garten findet man kurze Stücke Flechtzaun und Palisade, die nach Grabungsbefund auch in der Keltensiedlung zum Schutz vor Tieren verwendet wurden. Die Pflanzen im Garten sollen dort archäobotanisch nachgewiesen sein. Diese Informationen habe ich jetzt aus dem Heft „Daheim bei den Kelten. Dokumentation des Nachbaus eines keltischen Gehöftes in Hochdorf“ (an der Kasse für 2 Euro). Die Angaben zu den Ausstellungen aus dem Heft „Keltenmuseum Hochdorf“ (3,50 Euro).

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Im Museum gibt es Texttafeln zu den außen beispielhaft rekonstruierten Gebäudetypen, außen haben wir aber sehr wenig Text vorgefunden. Nebst dem Texte kaufen oder speichern müssen Sie im Museum auch noch einen Film über den Grabfund ansehen - haben wir auch gemacht, waren angeblich nur 20 Minuten. Nach dem Museum und dem Keltengehöft wären noch zwei Sachen zu besichtigen: Auf jeden Fall der am Fundort wiederaufgeschüttete Grabhügel. Und zuhause habe im Buch „Archäologie erleben“ gesehen, daß es im Hügelgräberfriedhof im nahen „Pfaffenwäldle“ einen Schauhügel gibt.

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Selbst wenn wir es gewußt hätten, hätte es für beides nicht mehr gereicht. Zum „Pfaffenwäldle“ muß man in die entgegengesetzte Richtung. Zum Großgrabhügel geht es in Richtung Osten um den Friedhof dazwischen herum. Man kann ein paar Meter Fußweg sparen und dort am Friedhofsparkplatz parken. Der Grabhügel ist mit einer informativen Texttafel ausgestattet und frei zugänglich, kann also auch unabhängig vom Museum besucht werden.

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Also auf die Liste: Alles noch mal mit mehr Zeit ansehen. Das „Pfaffenwäldle“ nicht auslassen. Das Landesmuseum Stuttgart besuchen und sehen, was dort an Orginalen aus Hochdorf ausgestellt wird. Den Keltenweg ansehen, ob sich das günstig mit weiteren Zielen, und die Website des Keltenmuseums, ob sich das mit interessanten Terminen verbinden läßt. Und jetzt noch vielen Dank nach Hochdorf an die Museumsleiterin Frau Dr. Simone Stork für die Erlaubnis, meine auf dem Museumsgelände gemachten Fotos in das Internet einzustellen! Und dann Feierabend.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Bienenmarkt auf der Heuneburg

Statt Hinweisen auf Kelten- und Römerfeste eine Empfehlung aufgrund eigener Erfahrung für den 22. Herbertinger Bienenmarkt auf der Heuneburg am nächsten Samstag.

Die Heuneburg habe ich zwei Mal besucht, zuletzt beim Bienenmarkt 2009. Zu den Imkern im rekonstruierten Herrenhaus ging es damals sogar im Eilmarsch, weil mich auf den letzten hundert Metern des archäologischen Rundwanderwegs ein Sommerregen erwischt hatte. Den Kassenstop konnte ich mir sparen - dieses Jahr soll der Eintritt am Bienenmarkt-Tag auch frei sein.

Freilichtmuseum Heuneburg

Das Herrenhaus fungierte als Festhalle und war mit tafelnden Imkerfamilien besetzt, die nebenbei einem Vortrag zuhörten. Aber nicht alle - wegen dem plötzlichen Ansturm der Regenopfer wurden wo noch Platz war neue Bänke aufgeklappt. Bis ich die schnellste Essensquelle sondiert und zwei Stück Kuchen und einem Kaffee hatte, war das schon geschehen.

Für die Keltenpuristen hatte der Bienenmarkt letztes Jahr keine Nachteile. Das Herrenhaus war belegt, aber wie eben gesagt nicht für die Nichtimker blockiert. Im Gegenteil. Und die anderen Rekonstruktionen an der nachgebaute Lehmziegelmauer waren durch die Imker nicht betroffen. Dort habe ich nur miterlebt, wie zwei Führungen das gleiche Gebäude vorstellen wollten. Das Museum in Hundersingen war geöffnet und der archäologische Rundwanderweg, der dieses Museum, das Freilichtmuseum, mehrere Hügelgräber und eine Keltenschanze verbindet, konnte sowieso begangen werden. Da war nur der mittägliche Regenschauer ein Problem.

Grabhügel Lehenbühl bei Hundersingen / der Heuneburg

Bei meinem kurzen Abstecher im März 2005 hatte ich vor allem den Geländesporn mit dem Freilichtmuseum und den Nachbauten im Kopf. Das Freilichtmuseum war zu der Zeit in der Winterpause. Ich habe zuerst über das geschlossene Tor zu den Bauten herübergesehen und bin dann entlang des Steilhangs hinunter bis zu einem dichten Wald gelaufen, der den Weg weiter zur Donau versperrte. Dann von unterhalb der Südostecke mit der Mauerrekonstruktion das Stück weiter zwischen Geländesporn und Wald/Donau bis zur weniger steilen nördlichen Seite.

Den Ausflug habe ich genossen, es war aber eine ziemlich statische Fixierung auf den Geländesporn. Ich habe das an meiner Überraschung gemerkt, als im Herbst 2005 das keltische Kindergrab entdeckt wurde, was dann eine kurze Zeitlang als Sensationsfund durch die Presse ging. Um es kurz zu machen: meine alte Einstellung war die Falsche, hinter dem Stichwort Heuneburg verbirgt sich wesentlich mehr.

Turmhügelburg Baumburg bei Hundersingen / der Heuneburg

Vor allem ist das keine archäologisch ausgelutschte Gegend mit musealen Erinnerungen. Stattdessen haben sich in diesen Jahren die vermuteten keltischen Siedlungsflächen immer weiter vermehrt, es wurde kontinuierlich weiter gegraben und es wurden kontinuierlich neue Erkenntnisse über die Welt der damaligen Kelten gewonnen. Das kann man bspw. an dem Artikel von Michael Zick in bild der wissenschaft von 2006 und dem Beitrag auf Archäologie Online vom Herbst 2009 sehen.

Detaillierter lassen sich die archäologischen Ergebnisse auf der Website www.fuerstensitze.de nachvollziehen. Hier findet sich nicht nur unter den Menüpunkten „Heuneburg“ und „Heuneburg - Außensiedlung“ etwas, man sollte auch bei den allgemeineren Überschriften hineinschauen.

Hohmichele bei Hundersingen / der Heuneburg

Letztlich legen diese Erkenntnisse auch Vorstellungen ad acta, die man in Richtung auf eine mittelalterlicher Burg haben könnte. So etwa in der Art, daß der Geländesporn gesichert gewesen ist, und vielleicht unten an der Donau und oben vor dem Geländesporn sich noch Siedlungen befunden haben, deren Bewohner bei Bedarf in die Heuneburg geflüchtet sind. Und die großen Grabhügel in der Umgebung dann als Gräber für die auf dem Geländesporn regierenden Herrscherfamilien.

Stattdessen sieht es danach aus, daß die Lehmziegelmauer nur Teil einer umfassenderen Befestigung gewesen ist - ergänzend zu den entsprechenden Texten unter fuerstensitze.de gibt es speziell zum im Außenbereich ausgegrabenen Tor auch ein Video auf Youtube. Und bei den Großgrabhügeln scheint es nach www.fuerstensitze.de eine Erklärungs-Tendenz weg vom herausragenden Fürstengrab und hin zu Grablegen unterschiedlicher Sippen zu gehen, die teilweise parallel über einen längeren Zeitraum durch Mehrfachbestattungen mit immer weiteren Aufschüttungen entstanden sind.

Heuneburgmuseum Hundersingen

In dem Sinne würde ich für den Heuneburg-Besuch ein möglichst volles Programm empfehlen. Mit dem Besuch des Museums in Hundersingen, in dem die archäologischen Erkenntnisse bis in die jüngere Vergangenheit aufbereitet sind. Das Museum ist textlastig, da kann man zwei Stunden kalkulieren. Für jüngste Forschungsergebnisse und Aktuellem zum Freilichtmuseum wäre eine Führung gut. Der etwa 8 km langen Rundwanderweg eignet sich, um ein Gefühl für die Landschaft zu bekommen. Man könnte sich aber auch die Grabhügel so herauspicken, daß man vom Museum in Hundersingen nur zum Lehenbühl und zur Baumburg läuft, die Gießübel/Talhau-Grabhügel zusammen mit dem Freilichtmuseum besucht und dann noch zum Hohmichele mit der dortigen Keltenschanze und dem Feld kleinerer Grabhügel fährt.

Bei den Webseiten träume ich ja von einer mit Zeitschieber, wo man die Erkenntnisse zu den einzelnen Grabhügeln und Siedlungen und Umbauten der Heuneburg im zeitlichen Zusammenhang sehen kann. Gibt es aber nicht. Ganz gut gemacht ist die vom Landesbildungsserver Baden-Württemberg. Der Wikipedia-Eintrag zur Heuneburg bietet wie gewohnt viele Informationen übersichtlich auf einer Seite an, ist aber nicht mehr so ganz frisch. Lesenswert in jedem Fall der Wikipedia-Artikel zum Hohmichele, dort sind auch dessen Geo-Koordinaten zu finden. Wann die „Führungen durch das Freilichtmuseum“ am nächsten Samstag sind, sehe ich jetzt weder auf der Heuneburg-Webseite noch bei den Imkern. Letztere halten aber die tröstliche Kunde bereit, daß es ab 15.45 Uhr „Fußball für Alle auf der Großbildleinwand“ gibt.

Montag, 4. Januar 2010

Mitmach-Museen

Kurz vor Weihnachten erschien im Portal der WAZ-Mediengruppe „Der Westen“ der Beitrag „Halterns Römermuseum wird zur Baustelle“ von Dieter Decker. Erlebnis-Archäologie sei Zukunft, und die beginnt in diesem Jahr mit einer „Römerbaustelle“, bei der große Teile des ehemaligen Römerlagers in Haltern am See rekonstruiert und von Arbeitern in damaliger Kleidung und mit damaligen Methoden wieder aufgebaut werden sollen. Die Besucher dürfen im Rahmen eines museumspädagogischen Konzeptes mitmachen.

Mitmachen dürfen ist im Museum keineswegs neu. Ich hatte ja den Bastelraum für Kinder in meinem Bericht von der Karlsruher Vandalen-Ausstellung erwähnt. Und wenn ich bei meinem Ausflug mit den Limes-Cicerones im Aalener Limesmuseum richtig gesehen habe, dann ist das dortige Museum baulich schon deutlich besser als das in Karlsruhe auf so ein museumspädagogisches Begleitprogramm hin ausgelegt, wofür auch die im Web zu findenden Aalener Angebote „Museumspädagogik und Ferienprogramme“ und „Kindergeburtstag feiern im Limesmuseum“ sprechen. D.h. solche Ideen muß es schon seit einigen Jahren geben.

Und viele Erwachsene finden ein Betätigungsfeld bei „Reenactment“, „Living History“ oder „Histotainment“. Wenn Ihnen diese Begriffe nicht viel sagen, dann haben Sie so wie ich die starke Entwicklung dieser Szene nicht mitbekommen.

Trotz solcher Mitmach-Möglichkeiten hält der „Der Westen“ das Haltener Vorhaben immer noch für „ein deutschlandweit einmaliges kulturelles Projekt“. Das mag sogar so sein, aber etwas sehr ähnliches gibt es schon einige Jahre in Frankreich.

In der Ausgabe 1/2010 der Zeitschrift Epoc berichtet Hans-Peter Frick in seinem Beitrag „Mit Muskelkraft und Pferdestärken - Burgenbau wie vor 800 Jahren“ vom 1997 begonnenen Bauprojekt der Burg von Guédelon mit den Techniken und Materialien des 13. Jahrhunderts. Kinder und Jugendliche können nach dem Besuch selbst zu Hammer und Meisel greifen oder sich beim Korbflechten üben.

Wenn man dem Artikel glauben kann, dann werden damit sowohl mittelalterliche Arbeitstechniken erforscht als auch eine hohe Besucherzahl erreicht, der Artikel nennt 250000 pro Jahr, und dadurch würde das Projekt mittlerweile fast ohne öffentliche Mittel auskommen.

Eigentlich beste Aussichten für Haltern. In Haltern kann sogar neben der experimentellen Archäologie, also der Erforschung alter Arbeitstechniken wie in Guédelon, auch noch ganz klassisch das alte Römerlager ausgegraben werden. Das sorgt für Nachschub für das Museum und zusätzliches Medieninteresse.

Es kommt jetzt nur noch auf eine gute Umsetzung dieser Projektidee an.

Freitag, 11. September 2009

Neues vom Forum Romanum im Deutschlandfunk

Im heutigen „Kultur-Heute“-Beitrag „Finanzen und Glückspiel im alten Rom - Neue Erkenntnisse zum Forum Romanum“ von Peter Meisenberg berichtete Klaus Stefan Freyberger vom Deutschen Archäologischen Institut in Rom von den Ergebnissen seines Forscherteams.

Im Beitrag dreht es sich vor allem um die Basilica Aemilia. Mehr Text zu der Basilika gibt es beim Deutschen Archäologisches Institut und in der Wikipedia, dort mit den Artikeln zur Basilica Aemilia und zum Forum Romanum.

Weitere Bilder vom heutigen Aussehen der Basilica Aemilia und dem Forum Romanum finden sich auf der Website Roma Antiqua. Dort gibt es auch einen interaktiven Übersichtsplan vom Forum, in dem man sich den im DLF-Beitrag genannten Bereich zwischen „Via Sacra und den Portiken der Basilica Aemilia“ ansehen kann.

Vom früheren Forum Romanum gibt es mehrere Rekonstruktionen im Netz. Die Wikipedia nennt zwei Beispiele, zum einen die Bilder eines von Robert Garbisch gebauten Modells, zum anderen das Digital Roman Forum von der University of California, Los Angeles.

Eine weitere Rekonstruktion gibt es auf der Website „Ewiges Rom“, ein aus einer Projektarbeit im Fach „Mediengestaltung“ an der TU Chemnitz hervorgegangenes mittlerweile privates Projekt. Und wenn man sich dann da überall schon auskennt und mehr von der Stadt sehen will bei „Rome reborn“, nach dem Spiegel-Online-Artikel „Digitales Stadtmodell: Zeitreise zu den alten Römern“ die bisher „größte und vollständigste Simulation einen historischen Stadt“.