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Sonntag, 14. August 2016

Der Ipf bei Bopfingen

Der Ipf ist ein schöner und markanter Berg sehr nahe bei Bopfingen. Ich habe ihn zum ersten Mal nach dem Abschluß von Wanderungen mit den Limes-Cicerones in natura gesehen. Ich bin vom Hotel in Aalen noch zum Limesmuseum gelaufen und habe mir die „Archäologischen Denkmäler in Baden-Württemberg“ gekauft - mit einem Foto des Ipfs auf dem Titelbild. Am Bahnhof hatte ich immer noch genügend Zeit bis zum gebuchten IC auf der Strecke Ulm - Augsburg - München. Nach Aalen war ich über Ulm gefahren. Zurück wollte ich dann über das Nördlinger Ries nach Augsburg. Und in Bopfingen schaue ich aus dem Zug heraus und da ist ja der Ipf! Also die gute Nachricht für alle Münchner, die bislang vom Ipf noch wenig gehört haben: er ist ziemlich gut von München aus erreichbar. Tagestour per Bahn ginge. Und er liegt auch sehr nahe an der bayerischen Grenzen, falls das Bayern-Ticket-Strategen etwas hilft.

Auf dem Ipf wurden Überreste verschiedener vorgeschichtlicher Wallanlagen gefunden. „Verkauft“ wird er uns nun als frühkeltischer Fürstensitz. Da soll der Ipf als Machtzentrum auch nachweisbar seine beste Zeit gehabt haben - alternative Machtzentren im/am Nördlinger Ries wurden bis dahin heruntergefahren. Es gab auf dem Ipf aber auch viele Hinterlassenschaften der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur. Also wir haben den ganz spannenden Fall, daß sich ein Ort von der Bronzezeit in die frühe Eisenzeit / Zeit der frühen keltischen Kultur weiterentwickelt hat.

Wie die Rolle als Fürstensitz konkret ausgesehen hat, ist unbekannt. Der Begriff „Fürstensitz“ wird dann auch mal als „forschungsgeschichtlich geprägten Terminus technicus“ definiert. Im vorliegenden Fall hat man durch Funde von attischen Scherben - Keramikimporten aus dem antiken Griechenland - im Bereich der „Oberburg“ auf dem Ipf den Hinweis auf relativen Reichtum und kann den auch auf dem Ipf lokalisieren. Man konnte auch Nahrungsmittelreste analysieren und fand u.a., daß man es sich vermutlich leisten konnte Jungtiere auf den Ipf bringen zu lassen und sie dort nicht selbst heranzuziehen.

Wer sich weiter vertiefen will, möge mal via „site:academia.edu ipf“ suchen. Manche der wissenschaftlichen Artikel wurden hochgeladen und sind als pdfs zugreifbar. Es gibt auch touristisch angelegte offizielle Webseiten. Die, die ich gesehen habe, sind wie meist für solche Websites üblich hinsichtlich der zu uns durchgepumpten Information der Wikipedia hoffnungslos unterlegen. Die wissenschaftlichen Artikel sind wiederum zum Teil wesentlich detaillierter und umfangreicher als der Wikipedia-Artikel zum Ipf (siehe etwa der zugreifbare Artikel „Zur Genese und Entwicklung des frühkeltischen Fürstensitzes auf dem Ipf bei Bopfingen (Ostalbkreis, Baden-Württemberg) und seines Umlandes im Nördlinger Ries“).

Ich möchte betonen, daß wir den hochladenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sehr dankbar sein können. Dieses Zurverfügungstellen hat sich leider noch nicht als Regelfall etabliert! Allerdings sind diese Artikel an andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gerichtet. Also man hat Schwierigkeiten, sich anhand der Artikel dann im Gelände zurecht zu finden, wenn man wirklich mal nach Bopfingen fahren und auf den Ipf marschieren will. Die mögliche Phantasie, die man entwickeln könnte - Geschirr für ein Symposion auf dem Ipf, bestimmte nachgewiesene Getreidesorten - da könnte man sich vielleicht in Bopfingen mit passend belegten Dinkelbroten und einem Fläschchen Wein ausrüsten - da ist auf den offiziellen Seiten nichts da, was so etwas unterfüttern könnte. Aber Ressourcen um eine Keltenmauer mit Betonkern und ein Keltenhaus mit Betonboden hinzustellen, die hat man gehabt. Irgendwas fehlt da dazwischen.

Zu den Videos: auf das erste Video „Kelten in Bopfingen - KurzGeschichte#30“ bin ich vor zwei Wochen gestoßen. Dieses sehr gut gemachte Video gab mir den Anstoß mal wieder nach dem Ipf zu sehen und diesen Eintrag zu machen. Das Video zeigt die erwähnte 2014 entstandene Keltenmauer und berichtet außer vom Ipf auch aus der Innenperspektive vom Kelten-Reenactment am Ipf. Dieses Kelten-Reenactment fand hier im Blog schon mittelbar über den nachgemachten Keltenschuh Hans Trauners in „Kelten-April-April bei Arte und ZDF?“ Erwähnung. Zum Vergleich der Ipf pur von Stephan Gröschler im zweiten Video. Man beachte den Link in den Informationen zum Video zu Fotos vom und Informationen über den Ipf. Schließlich noch ein Video der Musikgruppe Red Fang. Als ich vorgestern an diesem Eintrag zu tippen anfing habe ich nebenher auch ein paar Musikgruppen des diesjährigen Theatron-MusikSommers gesichtet. Wegen vorgerücktem Alter sagen mir die Namen der Gruppen alle nichts und ich habe drei davon per Youtube angespielt. Das dritte Video lief komplett und danach hat Youtube automatisch auf das Video von Red Fang weitergeschaltet. Die kannte ich vorher auch nicht. Spielen leider nicht im Theatron, musikalisch lägen die mir. Hatten Mittelalter-Reenactment drin. Und nachdem ich auch den Ipf unverhofft zur Ansicht vorgeführt bekommen habe, mußte ich das Reenactment wohl so verstehen, daß ich das Video hier auch aufnehmen soll.

Donnerstag, 21. April 2016

Kelten-April-April bei Arte und ZDF?

Am letzten Samstag zeigte Arte eine dreiteilige Terra-X-Serie über „Die Kelten“. Am letzten Sonntag war der erste Teil dieser Serie im ZDF zu sehen. Am 24. April und am 1. Mai folgen im ZDF die nächsten Teile. Online kann man auf die Serie bei Arte (Suche via „Kelten Arte“) noch bis 23.4. zugreifen. Außerdem gibt Arte Wiederholungstermine im Mai an. Die Arte-Version empfiehlt sich, weil sie ein paar Minuten länger als die ZDF-Version ist.

Eine englische BBC-Version ist schon letztes Jahr gelaufen und Terra X hatte letztes Jahr ein paar Bilder der deutschen Version auf Facebook eingestellt. Beides soll zu einiger Kritik geführt haben. Woraufhin László Matthias Simon-Nanko für seinen Blog „Archäologische Phantastereien - Den Fakten auf der Spur“ zwei Experten der „living History“ befragte, die sich an der Diskussion zu den bei Facebook eingestellten Bildern beteiligt hatten. Die Gespräche hat er in zwei Einträgen unter dem Titel „Terra X und die Authentizität: Des Kelten neue Kleider“ veröffentlicht. Teil 1 enthält das Gespräch mit Hans Trauner vom Naturhistorischen Museum Nürnberg, Teil 2 das mit Christian Havenith.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend, ich zitiere mal den ersten Satz von Hans Trauner auf die Frage László Matthias Simon-Nankos was ihn bzw. andere Reenacter an den Bildern besonders gestört hat: „Die tatsächlich völlige Abwesenheit auch nur eines einzigen historisch richtigen oder angenäherten Details“. Ähnliche Vorwürfe gab es in den letzten Jahren immer wieder. Siehe die „Universallegionäre“ in meinem ersten Blogjahr 2009. Da scheint also keine Trendwende in Sicht zu sein.

Den ersten Teil der Serie habe ich angesehen und fand die Spielszenen generell nicht so toll. Unterhalb der feindlichen Mauern im Kreis herumreitende und das Schwert schwingende Keltendarsteller. Andere die derweil mit der Carnyx herumtröten. Brennus kam für mich nie als Führungsfigur rüber. Die Schlacht an der Allia mit einigen 10 herumkämpfenden Römer- und Keltendarstellern. Das alles kann so offensichtlich damals nicht so gewesen sein, daß man schon eine absichtliche Verfremdung vermuten darf? Ein Film-Brennus, den man absichtlich möglichst nicht mit dem richtigen Brennus gleichsetzen sollte? Aber dann hätten die in die Spielszenen eingeschnittene Experteninterviews tragender sein müssen, die sich teilweise auf Schlagwortsätze mit dünner Information beschränkten? Und dazu für Kelten-Neulinge kaum nachvollziehbare Sprünge von der Heuneburg mit den relativ neuen Schmuckfunden aus dem „Fürstinnengrab“ zum Hochdorfer Grabhügel und „Keltenfürsten“-Skelett und dazu ab und zu die Stele vom Glauberg. Aber wenn man das alles groß und breit erklärt hätte, dann hätte die Zeit nicht gereicht und die vielen Details hätte sich auch niemand merken können.

Also was soll's? Muss man den Anspruch nicht tiefer legen und ist es nicht sogar gut, wenn man statt die korrektere Kleidung zu recherchieren lieber Geld gespart hat? Muß man bei dieser Bewertung nicht auch das Umfeld miteinbeziehen? Das Keltenschuh-Foto von Harald Trauner etwa in den „Archäologischen Phantastereien“. Auf welcher Vorlage beruht der Schuh, auf welcher Vorlage die Textilie am Bein? Wenn es sich um eine Ausgrabung handelt, ist die online recherchierbar? Mal als Beispiel die in „Archäologiepark Altmühltal“ erwähnten schönen Fotos inklusive Luftaufnahmen von den Ausgrabungen beim Bau des Main-Donau-Kanals in den Jahren 1976 bis 1991. Hätte man die nicht freigeben und das Internet damit fluten können? Vielleicht gab es ja bei den Ausgrabungen Schuh- und Textilienfunde und zusammen mit den besser in die Köpfe gebrachten Bildern hätten örtliche Läden vielleicht Produkte im Stil „Altmühltal frühe Bronzezeit“ oder „Altmühltal 300 v.Chr.“ anbieten können? Passt demgegenüber das Keltenschuh-Foto von Harald Trauner ohne Angaben zur Vorlage nicht genau zu dem kritisierten Problem, daß Kelten in den Filmen völlig undifferenziert durch Zeit und Ort rübergebracht werden?

Montag, 4. Januar 2010

Mitmach-Museen

Kurz vor Weihnachten erschien im Portal der WAZ-Mediengruppe „Der Westen“ der Beitrag „Halterns Römermuseum wird zur Baustelle“ von Dieter Decker. Erlebnis-Archäologie sei Zukunft, und die beginnt in diesem Jahr mit einer „Römerbaustelle“, bei der große Teile des ehemaligen Römerlagers in Haltern am See rekonstruiert und von Arbeitern in damaliger Kleidung und mit damaligen Methoden wieder aufgebaut werden sollen. Die Besucher dürfen im Rahmen eines museumspädagogischen Konzeptes mitmachen.

Mitmachen dürfen ist im Museum keineswegs neu. Ich hatte ja den Bastelraum für Kinder in meinem Bericht von der Karlsruher Vandalen-Ausstellung erwähnt. Und wenn ich bei meinem Ausflug mit den Limes-Cicerones im Aalener Limesmuseum richtig gesehen habe, dann ist das dortige Museum baulich schon deutlich besser als das in Karlsruhe auf so ein museumspädagogisches Begleitprogramm hin ausgelegt, wofür auch die im Web zu findenden Aalener Angebote „Museumspädagogik und Ferienprogramme“ und „Kindergeburtstag feiern im Limesmuseum“ sprechen. D.h. solche Ideen muß es schon seit einigen Jahren geben.

Und viele Erwachsene finden ein Betätigungsfeld bei „Reenactment“, „Living History“ oder „Histotainment“. Wenn Ihnen diese Begriffe nicht viel sagen, dann haben Sie so wie ich die starke Entwicklung dieser Szene nicht mitbekommen.

Trotz solcher Mitmach-Möglichkeiten hält der „Der Westen“ das Haltener Vorhaben immer noch für „ein deutschlandweit einmaliges kulturelles Projekt“. Das mag sogar so sein, aber etwas sehr ähnliches gibt es schon einige Jahre in Frankreich.

In der Ausgabe 1/2010 der Zeitschrift Epoc berichtet Hans-Peter Frick in seinem Beitrag „Mit Muskelkraft und Pferdestärken - Burgenbau wie vor 800 Jahren“ vom 1997 begonnenen Bauprojekt der Burg von Guédelon mit den Techniken und Materialien des 13. Jahrhunderts. Kinder und Jugendliche können nach dem Besuch selbst zu Hammer und Meisel greifen oder sich beim Korbflechten üben.

Wenn man dem Artikel glauben kann, dann werden damit sowohl mittelalterliche Arbeitstechniken erforscht als auch eine hohe Besucherzahl erreicht, der Artikel nennt 250000 pro Jahr, und dadurch würde das Projekt mittlerweile fast ohne öffentliche Mittel auskommen.

Eigentlich beste Aussichten für Haltern. In Haltern kann sogar neben der experimentellen Archäologie, also der Erforschung alter Arbeitstechniken wie in Guédelon, auch noch ganz klassisch das alte Römerlager ausgegraben werden. Das sorgt für Nachschub für das Museum und zusätzliches Medieninteresse.

Es kommt jetzt nur noch auf eine gute Umsetzung dieser Projektidee an.

Montag, 31. August 2009

Universallegionäre

Der Begriff ist anscheinend von Alexander Zimmermann eigens für seinen Beitrag „Varus und seine Universallegionäre“ in Archäologie Online erfunden worden, sonst finde ich ihn mit der Suchmaschine nirgends.

Dem mit drastischen Worten geschriebenen Beitrag liegt das Problem zugrunde, daß sich die Ausrüstung der römischen Soldaten über die Jahrhunderte deutlich sichtbar geändert hat. Statt aber bei einer Veranstaltung wie den „Römer- und Germanentagen“ in Kalkriese 2009 auf den aktuellen Forschungsstand zur Legionärs-Ausrüstung in der Zeit der Varus-Niederlage aufzusetzen, kommt aus Sicht von Alexander Zimmermann nur ein „Epochenmix an Ausstattungen“ zum Einsatz.

Die Änderungen im Aussehen der Legionäre lassen sich mittels einer anklickbaren Zeitleiste schön an einzelnen Beispielen des Projekt „GENERATIONES“ von Alexander Zimmermanns „VEX LEG VIII AVG, Interessengemeinschaft für experimentelle Archäologie und Geschichtsdarstellung“ nachvollziehen.

Mehr ist bis 31. Januar 2010 in der Sonderausstellung „GENERATIONES – die Soldaten Roms“ auf der Saalburg zu sehen. Auf der Website des Saalburgmuseums sind die Hintergrundinformationen zu den Ausstellungsmachern, ihrem Projekt „GENERATIONES“ und ihren Intentionen zu empfehlen, da findet man einiges aus dem einleitend genannten Beitrag differenzierter ausgeführt wieder.

Wer noch mehr haben will, der muß sich sputen: Am nächsten Sonntag, dem 6. September 2009, findet auf der Saalburg als Begleitveranstaltung zur Sonderausstellung der Aktionstag „Die Soldaten Roms – Waffentechnik und Alltagsleben über vier Jahrhunderte“ statt.

Dienstag, 21. Juli 2009

Varus' untergegangene Legionen

Ein paar Links zu der im letzten Beitrag empfohlenen Fernsehsendung über die nachgestellte Varusniederlage bei den „Römer- und Germanentagen“ in Kalkriese 2009.

Vielleicht geht es manchem von Ihnen so wie mir, der mal vor Jahren einen Film über die Alpenüberquerung von Marcus Junkelmann und Begleitern in römischer Legionärsausrüstung gesehen und dann nur sehr wenig von der sich entwickelnden Szene mitbekommen hat.

Das mit Marcus Junkelmann lief unter dem Begriff „Experimentelle Archäologie“. Die über die Vorbereitung des Ereignisses in Kalkriese Auskunft gebende Seite von Comitatus verwendet die Bezeichnung „Szenische Kampfdarstellungen“, an der „Reenactmentgruppen“ teilnehmen. Näheres zu Begriffen wie „Reenactment“ (Wiederaufführung, Nachstellung), „Living History“ oder „Histotainment“ wieder in der Wikipedia.

Das umfangreiche Programm an Vorführungen ist auf dieser Seite der „VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land GmbH“ zu finden. Auf derselben Website gibt es auch eine Bilder-Galerie von den „Römer- und Germanentagen“.

Wegen den vielen Teilnehmern dürften sich zahlreiche weitere Bilder im Internet finden lassen. Ich will hier noch auf diejenigen von Jacques Maréchal verweisen (auf die Bilder bin ich via einem Link im Blog „Geschichte und so Zeugs“ von Markus Zwittmeier gekommen).

Wer noch etwas Text zum Event mag, in „chronico – Magazin für Geschichte“ gibt es einen längeren Artikel von Marcel Schwarzenberger. Und weitere Links zum 2000-jährigen Schlachtjubiläum finden sich - nachdem ich den NDR schon erwähnt habe - mindestens genauso üppig hier beim WDR.