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Donnerstag, 21. April 2016

Kelten-April-April bei Arte und ZDF?

Am letzten Samstag zeigte Arte eine dreiteilige Terra-X-Serie über „Die Kelten“. Am letzten Sonntag war der erste Teil dieser Serie im ZDF zu sehen. Am 24. April und am 1. Mai folgen im ZDF die nächsten Teile. Online kann man auf die Serie bei Arte (Suche via „Kelten Arte“) noch bis 23.4. zugreifen. Außerdem gibt Arte Wiederholungstermine im Mai an. Die Arte-Version empfiehlt sich, weil sie ein paar Minuten länger als die ZDF-Version ist.

Eine englische BBC-Version ist schon letztes Jahr gelaufen und Terra X hatte letztes Jahr ein paar Bilder der deutschen Version auf Facebook eingestellt. Beides soll zu einiger Kritik geführt haben. Woraufhin László Matthias Simon-Nanko für seinen Blog „Archäologische Phantastereien - Den Fakten auf der Spur“ zwei Experten der „living History“ befragte, die sich an der Diskussion zu den bei Facebook eingestellten Bildern beteiligt hatten. Die Gespräche hat er in zwei Einträgen unter dem Titel „Terra X und die Authentizität: Des Kelten neue Kleider“ veröffentlicht. Teil 1 enthält das Gespräch mit Hans Trauner vom Naturhistorischen Museum Nürnberg, Teil 2 das mit Christian Havenith.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend, ich zitiere mal den ersten Satz von Hans Trauner auf die Frage László Matthias Simon-Nankos was ihn bzw. andere Reenacter an den Bildern besonders gestört hat: „Die tatsächlich völlige Abwesenheit auch nur eines einzigen historisch richtigen oder angenäherten Details“. Ähnliche Vorwürfe gab es in den letzten Jahren immer wieder. Siehe die „Universallegionäre“ in meinem ersten Blogjahr 2009. Da scheint also keine Trendwende in Sicht zu sein.

Den ersten Teil der Serie habe ich angesehen und fand die Spielszenen generell nicht so toll. Unterhalb der feindlichen Mauern im Kreis herumreitende und das Schwert schwingende Keltendarsteller. Andere die derweil mit der Carnyx herumtröten. Brennus kam für mich nie als Führungsfigur rüber. Die Schlacht an der Allia mit einigen 10 herumkämpfenden Römer- und Keltendarstellern. Das alles kann so offensichtlich damals nicht so gewesen sein, daß man schon eine absichtliche Verfremdung vermuten darf? Ein Film-Brennus, den man absichtlich möglichst nicht mit dem richtigen Brennus gleichsetzen sollte? Aber dann hätten die in die Spielszenen eingeschnittene Experteninterviews tragender sein müssen, die sich teilweise auf Schlagwortsätze mit dünner Information beschränkten? Und dazu für Kelten-Neulinge kaum nachvollziehbare Sprünge von der Heuneburg mit den relativ neuen Schmuckfunden aus dem „Fürstinnengrab“ zum Hochdorfer Grabhügel und „Keltenfürsten“-Skelett und dazu ab und zu die Stele vom Glauberg. Aber wenn man das alles groß und breit erklärt hätte, dann hätte die Zeit nicht gereicht und die vielen Details hätte sich auch niemand merken können.

Also was soll's? Muss man den Anspruch nicht tiefer legen und ist es nicht sogar gut, wenn man statt die korrektere Kleidung zu recherchieren lieber Geld gespart hat? Muß man bei dieser Bewertung nicht auch das Umfeld miteinbeziehen? Das Keltenschuh-Foto von Harald Trauner etwa in den „Archäologischen Phantastereien“. Auf welcher Vorlage beruht der Schuh, auf welcher Vorlage die Textilie am Bein? Wenn es sich um eine Ausgrabung handelt, ist die online recherchierbar? Mal als Beispiel die in „Archäologiepark Altmühltal“ erwähnten schönen Fotos inklusive Luftaufnahmen von den Ausgrabungen beim Bau des Main-Donau-Kanals in den Jahren 1976 bis 1991. Hätte man die nicht freigeben und das Internet damit fluten können? Vielleicht gab es ja bei den Ausgrabungen Schuh- und Textilienfunde und zusammen mit den besser in die Köpfe gebrachten Bildern hätten örtliche Läden vielleicht Produkte im Stil „Altmühltal frühe Bronzezeit“ oder „Altmühltal 300 v.Chr.“ anbieten können? Passt demgegenüber das Keltenschuh-Foto von Harald Trauner ohne Angaben zur Vorlage nicht genau zu dem kritisierten Problem, daß Kelten in den Filmen völlig undifferenziert durch Zeit und Ort rübergebracht werden?

Montag, 31. August 2009

Universallegionäre

Der Begriff ist anscheinend von Alexander Zimmermann eigens für seinen Beitrag „Varus und seine Universallegionäre“ in Archäologie Online erfunden worden, sonst finde ich ihn mit der Suchmaschine nirgends.

Dem mit drastischen Worten geschriebenen Beitrag liegt das Problem zugrunde, daß sich die Ausrüstung der römischen Soldaten über die Jahrhunderte deutlich sichtbar geändert hat. Statt aber bei einer Veranstaltung wie den „Römer- und Germanentagen“ in Kalkriese 2009 auf den aktuellen Forschungsstand zur Legionärs-Ausrüstung in der Zeit der Varus-Niederlage aufzusetzen, kommt aus Sicht von Alexander Zimmermann nur ein „Epochenmix an Ausstattungen“ zum Einsatz.

Die Änderungen im Aussehen der Legionäre lassen sich mittels einer anklickbaren Zeitleiste schön an einzelnen Beispielen des Projekt „GENERATIONES“ von Alexander Zimmermanns „VEX LEG VIII AVG, Interessengemeinschaft für experimentelle Archäologie und Geschichtsdarstellung“ nachvollziehen.

Mehr ist bis 31. Januar 2010 in der Sonderausstellung „GENERATIONES – die Soldaten Roms“ auf der Saalburg zu sehen. Auf der Website des Saalburgmuseums sind die Hintergrundinformationen zu den Ausstellungsmachern, ihrem Projekt „GENERATIONES“ und ihren Intentionen zu empfehlen, da findet man einiges aus dem einleitend genannten Beitrag differenzierter ausgeführt wieder.

Wer noch mehr haben will, der muß sich sputen: Am nächsten Sonntag, dem 6. September 2009, findet auf der Saalburg als Begleitveranstaltung zur Sonderausstellung der Aktionstag „Die Soldaten Roms – Waffentechnik und Alltagsleben über vier Jahrhunderte“ statt.

Dienstag, 21. Juli 2009

Varus' untergegangene Legionen

Ein paar Links zu der im letzten Beitrag empfohlenen Fernsehsendung über die nachgestellte Varusniederlage bei den „Römer- und Germanentagen“ in Kalkriese 2009.

Vielleicht geht es manchem von Ihnen so wie mir, der mal vor Jahren einen Film über die Alpenüberquerung von Marcus Junkelmann und Begleitern in römischer Legionärsausrüstung gesehen und dann nur sehr wenig von der sich entwickelnden Szene mitbekommen hat.

Das mit Marcus Junkelmann lief unter dem Begriff „Experimentelle Archäologie“. Die über die Vorbereitung des Ereignisses in Kalkriese Auskunft gebende Seite von Comitatus verwendet die Bezeichnung „Szenische Kampfdarstellungen“, an der „Reenactmentgruppen“ teilnehmen. Näheres zu Begriffen wie „Reenactment“ (Wiederaufführung, Nachstellung), „Living History“ oder „Histotainment“ wieder in der Wikipedia.

Das umfangreiche Programm an Vorführungen ist auf dieser Seite der „VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land GmbH“ zu finden. Auf derselben Website gibt es auch eine Bilder-Galerie von den „Römer- und Germanentagen“.

Wegen den vielen Teilnehmern dürften sich zahlreiche weitere Bilder im Internet finden lassen. Ich will hier noch auf diejenigen von Jacques Maréchal verweisen (auf die Bilder bin ich via einem Link im Blog „Geschichte und so Zeugs“ von Markus Zwittmeier gekommen).

Wer noch etwas Text zum Event mag, in „chronico – Magazin für Geschichte“ gibt es einen längeren Artikel von Marcel Schwarzenberger. Und weitere Links zum 2000-jährigen Schlachtjubiläum finden sich - nachdem ich den NDR schon erwähnt habe - mindestens genauso üppig hier beim WDR.