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Freitag, 24. Dezember 2021

Eingeebnete Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung auf der Hirschwiese im Forstenrieder Park

Meine Auszeit ist ziemlich lang geworden. Auslöser war wohl im Juli eine Kniebremsung nach einem Fahrfehler beim Einkurven auf einen Waldweg. Das Knie hatte anfänglich meine volle Aufmerksamkeit. Heilte zwar langsam, aber problemlos. Stellvertretend für die Beteiligten sei hier den Personen gedankt, die im WC beim Pullacher Friedhof für gefüllte Behälter mit Desinfektionsmittel und Seife gesorgt haben. Ich hatte nur einen Fotoapparat für das Isarhochwasser und ein Spray für Reifenpannen in den Satteltaschen. Hinsichtlich dem Blog bin ich damals offenbar aus dem Tritt und nicht wieder hinein gekommen.

Links geht es zum Parkplatz

Die Fotos von der Hirschwiese stammen vom 15. Oktober. Für die näher Wohnenden eignet sich die Hirschwiese in der Zeit zwischen den Jahren für einen Spaziergang. Sie hat sogar einen eigenen Parkplatz, der nach den aktuellen Prognosen in dieser Zeit schneefrei bleiben wird. Zum Parkplatz geht es auf dem ersten Foto links in den Wald hinein. Die am Fotografenstandort vorbeiführende Straße ist die B11 bei Pullach. Wo sich der Parkplatz an der B11 befindet, gibt die silberne Markierung auf der Informationstafel auf dem zweiten Foto wieder. In der Richtung, in der man in den Wald zum Parkplatz gefahren ist, bewegt man sich zum umzäunten Teil des Forstenrieder Parks weiter und gelangt dann bald zur Hirschwiese.

Informationstafel Forstenrieder Park

Über einem großen Teil der Hirschwiese im Forstenrieder Park bis hinein in angrenzende Waldgebiete zeigt der BayernAtlas mit Denkmaldaten eine ausgedehnte Rotfläche mit der Beschreibung „Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung“ an. Deutlich erkennbare Grabhügel habe ich weder auf der Wiese noch im Wald gefunden, aber ich wollte diese Örtlichkeit doch einmal vorstellen, denn die Hirschwiese wäre gut mit dem geheimnisvollen Knick der früher südlich davon vorbeiführenden Römerstraße und einem nördlich von der Hirschwiese befindlichen Grabhügelfeld mit gut sichtbaren Grabhügeln kombinierbar. Zudem wäre die Anfahrt außer per Auto oder Rad wegen der nahe gelegenen Haltestelle Buchenhain auch gut mit der S-Bahn zu bewerkstelligen.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Wenn der oben unterlegte direkte Link zur Örtlichkeit im BayernAtlas mit Denkmaldaten nicht funktioniert, kann man auch den aktuell funktionierenden Weg über die Suche nach „Bayerischer Denkmal-Atlas“ ausprobieren. Aktuell erhält man da eine Website mit dem Titel Bayerischer Denkmal-Atlas - Geoportal Bayern vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege angezeigt. Gegenüber dem direkten Weg zum BayernAtlas hat der Weg über das Denkmalamt den Vorteil, daß man via dem „mehr“ neben dem Suchfeld nach der Denkmalnummer suchen kann. In dem Fall ist das die Nummer D-1-7934-0307 . Zum anderen bekommt man so den BayernAtlas gleich mit Denkmaldaten präsentiert. Zu der größeren BayernAtlas-Oberfläche geht es durch Anklicken des „Zum Bayernatlas“ links oben.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Häufig ist es günstig, zum BayernAtlas noch das „Geländerelief“ dazuzuschalten. Den Vorteil erkennt man bspw. bei dem erwähnten nördlichen Grabhügelfeld mit gut erkennbaren Grabhügeln, die man vorab via dem Geländerelief in der Rotfläche lokalisieren kann. Oder bei den Gruben entlang der Römerstraße. Da scheinen die Gruben einfach nur den Knick zu bestätigen, es ist keine Besonderheit erkennbar. Die Ursache des Knicks scheint in der Zeit vor den Gruben zu liegen. In der PC-Version des BayernAtlas kann man das „Geländerelief“ via dem Unterpunkt „Überlagerungen“ des im linken Bereich befindlichen „Freizeit in Bayern“ finden und dazuschalten. Dann erscheint weiter unten unter „Dargestellte Karten“ „Relief“ als Unterpunkt. Um sich damit vertraut zu machen, sollte man dort einmal an dem Regler „Transparenz“ herumspielen.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Wie gesagt habe ich im Fall der Hirschwiese keine Grabhügel gefunden, die Reliefansicht bringt diesbezüglich wenig. Das dort Herumlaufen hatte aber schon etwas. Weil nichts zu sehen war, habe ich damit angefangen, das Gestrüpp um die Bauminseln auf versteckte Hügelchen zu kontrollieren. Bei so einer Suche bin ich dann zwischen den Bauminseln etwas tiefer zu stehen gekommen und hatte eine leichte Erhebung vor mir und bekam dann doch ein Grabhügelfeeling. Ich habe ein Blatt Papier auf die Erhebung gelegt, um sie auf dem Foto besser sichtbar zu machen.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Vielleicht entsprachen den hier mehrfach zu findenden leichten Erhebungen tatsächlich Grabhügel. Ich hätte jetzt vielleicht die Story irgendwie pointierter aufziehen sollen - erst sind keine Grabhügel zu sehen und dann sieht man sie um sich emporwachsen und fühlt sich schließlich von lauter Grabhügeln umgeben. Ein bisschen war es so. Und ein Wildschwein hat auch noch mit mir geredet. Erst hat es mich ignoriert, ich habe es fotografiert und wieder in anderer Richtung nach den Grabhügeln gesehen. Dann hat es einmal laut gegrunzt und ich habe es noch einmal fotografiert. Also die Hirschwiese hat etwas, wenn auch keine großen Grabhügel.

Hirschwiese im Forstenrieder Park

Ein großes Manko des „BayernAtlas mit Denkmaldaten“ ist wieder die wenig brauchbare Beschreibung zum Bodendenkmal. Irgendwie muß man ja auf das behauptete Bodendenkmal gekommen sein. Die Begründung dazu könnte man hier angeben. Möglicherweise gab es Funde, von denen man Abbildungen zeigen könnte. Wären es herausragende archäologische Funde gewesen, könnte man auf die zugehörige Literatur und das ausstellende Museum verweisen.

Im Karlsruher Badischen Landesmuseum gibt es mittlerweile auf eine Idee der Museumsdirektor*in hin eine Expothek, in der die Besucher*innen des Museums zu Nutzer*innen werden können. Diese Idee drängt sich eigentlich auf. Man stelle sich einen Schülerausflug in den Forstenrieder Park vor, der mit einem Besuch in einem passenden Depot oder Museum kombiniert wird, in dem man sich die Funde aus besuchten Grabhügelfeldern zeigen und erklären lassen kann.

Mir fällt dazu der Heiligenbuck beim Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden ein. Irgendwann bin ich auf diesen Artikel zu einer Ausstellung in Rastatt gestoßen, darin der Satz: „Dennoch konnten viele Glanzstücke der Region, vor allem aus dem Badischen Landesmuseum, ausgeliehen werden, z. B. die Funde aus dem kleinen Heiligenbuck aus Hügelsheim oder der Spiralarmreif aus der mittleren Bronzezeit aus Elchesheim-Illingen, der vor etwa 1500 Jahren vor Christus kunstvoll hergestellt wurde und den Arm einer Frau zierte.“ Man kann jetzt mit „Heiligenbuck“ und „Elchesheim“ in der Expothek suchen und findet tatsächlich etwas!

Grabhügel im Forstenrieder Park

Mein abschließendes Foto stammt von dem nördlichen Grabhügelfeld D-1-7934-0100 . Ich hatte dieses Grabhügelfeld schon 2011 unter dem Titel „BayernViewer-denkmal und GPS, Teil 3“ im Blog. In diesem alten Beitrag ist auf dem zweiten Bild ein zwischen die Grabhügel führender Weg zu sehen, der dieses Jahr im Oktober ziemlich versumpft war. Ich habe es beim Fotografieren des einen Grabhügels belassen.

Ich wünsche allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gutes neues Jahr! Ich hoffe im nächsten Jahr bewegt sich mein Blog wieder in normaleren Bahnen!

Freitag, 15. Mai 2020

Römerstraßen-Abstieg und Georgenstein

Die ersten Bilder zeigen die Stelle, von der aus die frühere Römerstraße südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting in das Isartal abgestiegen sein soll. Die lokalen Verhältnisse sieht man sich am besten in der Reliefansicht des BayernAtlas genauer an, ich gebe mal einen Link mit Stecknadel auf diese Stelle weiter. Man erkennt in der Reliefansicht sehr gut die durch den Geländeeinschnitt gegebene Begünstigung dieser Wegführung.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Näher zur Isar hin gibt es wie in „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“ beschrieben mehr Optionen für die Wegführung. Es geistert immer noch der Georgenstein als Brückenpfeiler durch manche Webseite. Daran glaube ich wegen der mit der Talenge verbundenen starken Strömung und den Hochwassergefahren nicht. Die nächste Option liegt etwas weiter flußabwärts zwischen Georgenstein und dem Isarwehr Baierbrunn. Die ergäbe zwar eine etwas geradere Verbindung zwischen dem West- und Ostteil der Römerstraße, würde aber hinsichtlich der Strömung und dem Hochwasser wenig gewinnen.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Mittlerweile ist die offizielle Darstellung im BayernAtlas mit der Römerstraße noch etwas weiter flußabwärts zum Isarwehr gerückt. Die Linie wird hier zwar nicht durchgezogen, aber das westliche und das östliche Ende der Römerstraße legen den Bereich des Isarwehres als Übergang nahe. Aus diesem verzögerten Übergang etwas weiter flußabwärts folgt ein Herumführen der Römerstraße um den Geländesporn mit der Römerschanze. Ich persönlich neige zu einer noch weiter flußabwärts gelegenen Variante. Also wenn es nach mir ginge, würde man die Römerstraße noch weiter um den Geländesporn herumführen. Das wichtigste Argument für mich wäre, daß sich hier die Talsohle deutlich verbreitert. Vielleicht hätte man diesen Bereich sogar die meiste Zeit des Jahres gut als Furt nutzen können. Außerdem ließen sich hier Dienstleistungsbetriebe besser unterbringen. Der Umweg ist gering und wäre für eine Nebenstrecke über Grünwald zu den römischen Siedlungen im Hachinger Tal sogar ein Vorteil.

Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Die verschwundene „Brücke der römischen Kaiserzeit“ mit der Denkmalnummer D-1-7935-0005 wäre ebenfalls ein Argument, falls die einen realen Fundhintergrund hatte und nicht irrtümlich an der Stelle gelandet war. In Vici.org kann man sich aktuell noch die aus BayernViewer-denkmal übernommene Position flußabwärts des Isarwehrs Baierbrunn ansehen. BayernViewer-denkmal wurde 2014 vom Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst, dort wurde die Brücke erst noch angezeigt, ist aber nun seit einiger Zeit verschwunden. Vici.org orientiert sich in dem Bereich mittlerweile gut an der Streckenführung der Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas und BayernAtlas, zieht aber die Römerstraßenlinie wie von diesen Denkmalamtsdaten nahegelegt beim Isarwehr Baierbrunn durch die Isar durch. Im Eintrag zu der Brücke wird bei Vici.org festgestellt, daß die Brückenlage „wenig Sinn im Verhältnis zur Straßenlage rechts und links der Isar“ macht. Wie gesagt, bei meiner favorisierten Option hätte sie einen Sinn, da läge man mit dieser Brücke im für den Übergang interessanten Bereich.

Georgenstein
Isarwehr Baierbrunn

Mithin hätte ich mich auf meiner Tour irgendwann vom Weg hinunter an die Isar und zum Georgenstein lösen und dann zumindest versuchen müssen, auf der vorgeschlagenen Bodendenkmaltrasse zwischen Isar und Römerschanze zu bleiben. Da ich aber noch nie auf der östlichen Isarseite unten beim Georgenstein war und auch sehen wollte, wie das Ufer im weiteren Verlauf aussieht, habe ich auf Touristik umgeschaltet und bin schnurstracks zum Georgenstein weiter. Nach meiner Vorstellung lande ich erst wieder beim Fotografenstandort des vorletzten Bildes bei der Römerstraße. Für mein bisschen dadurch verloren gegangenen Text zur Strecke und die nicht gemachten Fotos kann ich aber den sehr umfangreichen Suchbericht „Sondengänger findet Zeitkapsel“ von Thorsten Straub als Ersatz anbieten. Ich hoffe, er lässt seine Website noch lange online.

Isarwehr Baierbrunn
Isarwehr Baierbrunn

Die Fotografenposition des vorletzten Bildes liegt auf der Gegenseite der Fotografenposition der ersten fünf Bilder im „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“. Die Fotos vom „Maiausflug“ stammten vom Maianfang 2019. Die aktuell Gezeigten von der östlichen Seite sind älter, die stammten von Ende Mai 2018. Wie schon an anderer Stelle bemerkt, sieht der westliche Uferbereich, in den der westliche Teil der Römerstraße zur Isar hin ausläuft, ziemlich neuzeitlich überarbeitet aus. Für den Bereich der genannten Fotografenposition auf dem östlichen Ufer wird das genauso zutreffen. Dort gibt es zum Wasser hin einen Schutz, dann ist einige Meter nach hinten alles auffällig gleichmäßig flach, dann kommt ein erhöht liegender Waldweg. Das sah für mich wie eine künstliche Hochwasservorbereitung aus. Ich bin via dem Waldweg in Richtung Grünwald weiter und via dem Gasteig-Geländeeinschnitt im BayernAtlas-Relief hinter der Ur-Keltin mit der Grünwalder Fibel wieder hochgekommen.

Sonntag, 12. April 2020

Karfreitags-Besuch der Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrabe

Pullach kam über die Ausgrabungen und die folgende Veröffentlichung von Julius Naue mit dem Titel „Die Hügelgräber mit dem Fürstengrabe bei Pullach (München)“ 1884 zu einem Fürstengrab.

Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Die zugesprochene Bezeichnung „Fürstengrab“ ist ein Konstrukt, das wenige Jahre vor den Ausgrabungen Naues im Umfeld von Ausgrabungen bei der Heuneburg und beim Asperg entstanden ist. Eine bedeutendere Regentschaft konnte in manchen Fällen vermutet werden. Häufig war es aber einfach nur ein herausragendes Keltengrab ohne besondere Hinweise auf eine Regierungsmacht. Im Sinne des herausragenden Keltengrabes scheint mir die Bezeichnung mittlerweile etabliert zu sein, wenn ich an die ein paar Jahre zurückliegende Ausgrabung einer „Keltenfürstin“ im Heuneburg-Umfeld denke.

Infotafel Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Wobei es dort eine größere Zahl von Großgrabhügeln gab. D.h. das Grab der „Keltenfürstin“ war sicher ein herausragendes Keltengrab, aber vermutlich seinerzeit nicht unter den anderen lokalen Gräbern so hervortretend, wie das Naue für den Pullacher Fall beschreibt. Es ist also vorstellbar, daß in Pullach wirklich ein Chef (w,m,d) begraben lag, der die Macht hatte, sich von einem Kreis untergebener Gemeinden Pferde und Steitwagen stellen zu lassen.

Die Veröffentlichung des später über seine vielen Ausgrabungen promovierten Dr. Julius Naue ist in den „Beiträgen zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns 5“ auf den Seiten 249–273 enthalten. Man kann sich diese Beiträge im Internet Archive ansehen oder sie von dort downloaden. Ich hatte das Internet Archive hier im Blog schon mehrfach verwendet, aber angesichts der aktuell vielfach anfallenden freien Zeit noch der gesonderte Hinweis: Im Internet Archive - manchmal auch einfach als „Archive.org“ bezeichnet - kann man sich ähnlich verlieren wie in der Wikipedia. Die bekannte Wayback Machine, mittels der man sich alte Stände von Webseiten ansehen kann, ist Teil des Internet Archives.

Aussichtspunkt beim Pullacher Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Über das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab hatte ich schon 2011 im ersten Teil meiner damaligen „BayernViewer-denkmal und GPS“-Serie geschrieben. BayernViewer-denkmal wurde mittlerweile durch den Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst. Inhaltlich stecken noch weitgehend die alten Informationen im neuen Denkmal-Atlas. Im vorliegenden Fall ist nur die Rotfläche des Bodendenkmals D-1-7935-0092 mit dem Grabhügelfeld größer geworden und die Kartenansicht scheint mir hinsichtlich der Lage der Grabhügel unbrauchbarer. Aber dafür gibt es jetzt die Reliefansicht des BayernAtlas. Da kann man sowohl einzelne Grabhügel als auch deren Häufung im Bereich des Fürstengrabes besser erkennen, als das seinerzeit mit der Kartenansicht möglich war.

Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Dieser Bereich der Grabhügelhäufung mit der auf den ersten beiden Bildern gezeigten Informationstafel liegt ein paar Schritte von einer vielbefahrenen Radstrecke in den Süden von München entfernt. Da wo die beiden Bänke rechts in Bild 3 zu sehen sind, geht es links in den Wald. Über den Denkmal-Atlas findet man die Stelle gut anhand der Nummer D-1-84-139-12 des im Hintergrund zu sehenden Gabriel-von-Seidl-Denkmals.

Blick auf die Grünwalder Burg und die Grünwalder Isarbrücke

Von den beiden Bänken hat man den auf Bild 5 gezeigten Blick auf die Burg Grünwald, die Isar und die Isarbrücke. Die Alpen habe ich von hier wie auch vom Burgturm auf der anderen Seite noch nie gesehen. Julius Naue damals schon, bei ihm gab es im Sommer auch viel Grün. Man lese seinen Text auf Seite 263: „Traten wir dann aus dem Walde hinaus an das hohe und steile Ufer der grünen Isar, die wie eine frische, kräftige Bergmaid, das grüne, kleine Hütchen auf dem Haupte, fröhlich daherrauscht, schauten hinweg über die hohen Wipfel kräftiger Buchen und schlanker Fichten nach dem gegenüberliegenden Schlosse Grünwald und von da über Wiesen, Felder und Wälder nach den fernen, duftig blauen Alpen, über welche sich der klare Aether emporwölbte, so umgab uns ein Bild mit unsagbarem Reize, eine Landschaft so gross, so schön und so eigenartig gestaltet, wie man sie wohl selten in der Nähe einer großen Stadt findet.“

Zu beachten wäre bei Bild 5 die etwa im Bereich der rechten Seite der Burg durchgehende Sichtachse hinüber zu dem in Grünwald weiter ansteigenden Gelände hoch zum neuen Grünwalder Gymnasium. Sowohl das Gelände des Gymnasiums als auch das ansteigende Gelände davor (Parkgarage) wurden mittlerweile archäologisch untersucht. Eine Basis, auf der die Phantasie Naues noch nicht aufbauen konnte. Ob da die Chefs hüben und drüben sich gegenseitig die Grabhügel ihrer Vorfahren präsentierten oder der Fürstengrabhügel von Pullach einen überregionalen Mittelpunkt darstellte?

Infotafel 'Verlauf der Römerstraße durch die Isarschlucht'

Die Römerstraße südlich der Grabhügel erwähnt Naue, die war ihm bekannt, auch die an die Römerstraße erinnernden Gedenksteine gab es schon. Bild 6 zeigt die Infotafel oberhalb des Hohlweg hoch aus dem Isartal, Bild 7 den Gedenkstein an der nahen Bundesstraße B11. Der ist über die Denkmalnummer D-1-84-113-6 im Bayerischen Denkmal-Atlas zu finden. Man möge sich einmal den Verlauf der von Westen auf diesen Hohlweg zulaufenden Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Auffällig ist der starke Knick fast am Ende des Forstenrieder Parks, mit dem die Römerstraße in Richtung auf den Hohlweg abbog. Aber es gibt noch weitere leichte Knicks mit folgenden geraden Strecken. Die gerade Linie im Bereich der Autobahn läuft noch direkt auf das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab zu.

Römerstraßen-Gedenkstein an der B11

Einen kleinen Knaller liefert die Reliefansicht. Man kann mit ihr sehr schön den Hohlweg erkennen. Besonders bemerkenswert sind aber die erkennbaren Materialentnahmegruben an der Römerstraßentrasse. Die Römerstraßen-Linie des Bayerische Denkmal-Atlas wurde im beschriebenen Bereich mittlerweile um rote Ausbuchtungen zu einer „Straße der römischen Kaiserzeit mit begleitenden Materialentnahmegruben (Teilstück der Trasse Augsburg-Salzburg).“ ergänzt (Denkmalnummer D-1-7934-0096).

Samstag, 22. Juni 2019

Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke

Südlich Grünwald, an der Grünwalder Römerschanze vorbei, verlief eine wichtige römische Ost-West-Verbindung. Wo diese Straße östlich und westlich der Isar von der Schotterebene in das Tal hinabstieg scheint klar zu sein. Auf der westlichen Seite sind hohlwegartige Strukturen erkennbar - man mag glauben, daß die so alt sind. Auf der östlichen Seite geht es bei einem Geländeinschnitt abwärts - der sieht in seinem Bereich noch alternativloser aus.

Isar bei der mittlerweile aus dem Denkmal-Atlas verschwundenen Römerbrücke

Während also oben alles klar zu sein scheint, ist unten je nach Quelle nicht einmal eine Brücke belegt. Es kann also auch nur eine Furt gewesen sein. Die Idee mit dem Georgenstein als römischem Brückenpfeiler bleibt zwar gut im Kopf hängen, paßt aber vermutlich nur gut zu den versunkenen Städten, die im 19ten Jahrhundert Konjunktur hatten. Anders gesagt: man bräuchte so eine Stadt, um eine Brücke an dieser Stelle zu unterhalten, und so eine Stadt wurde bislang noch nicht gefunden. Die Isar biegt im Bereich des Georgensteins selbst heutzutage mit einer ziemlichen Energie um die Ecke. Und damals konnte ein Hochwasser noch nicht mit dem Sylvensteinspeicher heruntergedimmt werden und führte bisweilen Baumstämme mit sich.

Isar bei der mittlerweile aus dem Denkmal-Atlas verschwundenen Römerbrücke

Verbindet man die unstrittigen östlichen und westlichen Teile der Römerstraße irgendwie, dann würde die Georgensteinvariante einen Schlenker in südwestlicher Richtung bedeuten. Unter meinem westliche-Seite-Link findet sich man eine abfotografierte Informationstafel, auf deren Skizze die Linie stattdessen einfach so ohne Schlenker durchgezogen wird. Nach meiner Vermutung ohne fachliche Grundlage, aber da ist man jetzt weiter flußabwärts zwischen Georgenstein und Stauwehr und hat die Ecke hinter sich.

Isar bei der mittlerweile aus dem Denkmal-Atlas verschwundenen Römerbrücke

Der Bayerische Denkmal-Atlas als Vertreter der offiziellen Sichtweise hält sich hinsichtlich der genauen Übergangsstelle zurück, d.h. er lässt bei der Isardurchquerung eine Lücke. Die östliche Straßenseite schwenkt aber im Denkmal-Atlas vor der Isardurchquerung relativ stark nach Nordosten ein. Also tendiert zu einem Schlenker in der Gegenrichtung zum Georgenstein, das ist noch weiter flußabwärts. Geht man bei den roten Straßenenden über die Isar, dann wäre das fast beim Stauwehr.

Isar bei der mittlerweile aus dem Denkmal-Atlas verschwundenen Römerbrücke

Das Gelände wird mittlerweile im Bayerischen Denkmal-Atlas sehr gut angezeigt, man sollte sich das dort mal genauer ansehen. Als Einstieg bietet sich die Suche nach der Denkmalnummer D-1-7935-0002 der oberhalb des östlichen Straßenteils befindlichen Römerschanze an.

Isar bei der mittlerweile aus dem Denkmal-Atlas verschwundenen Römerbrücke

Neben der Römerstraße stach im Bayerischen Denkmal-Atlas jahrelang eine mittlerweile gelöschte „Brücke der römischen Kaiserzeit“ mit der Denkmalnummer D-1-7935-0005 heraus, die ein kleines Stück flußabwärts vom Stauwehr angezeigt wurde. Die Fotos 1 - 5 habe ich im Bereich der Brücke aufgenommen. Wobei hier aber durch das Stauwehr und den Isarkanal auch in diesem naturnäheren Teil der Isar alles bis in den Wald auf der östlichen Seite hinein neuzeitlich überarbeitet wurde. Jedenfalls, die Brücke der römischen Kaiserzeit ergab in dem kurzen Abstand zur Straße eigentlich keinen Sinn, sofern die Straße tatsächlich noch oberhalb des Stauwehrs die Isar über- oder durchquerte. Zur Zeit als ich den oben verlinkten westliche-Seite-Eintrag geschrieben habe, gab es die Brücke im Bayerischen Denkmal-Atlas noch. Mittlerweile ist sie weg, die Stelle wurde aber zuvor von Vici.org übernommen. Ich gebe hier mal die google-baren Koordinaten an: 48.028500,11.507797 Man beachte die Hochspannungsleitungen und den kleinen Wasserlauf, die man vor Ort oder auf Karten/Fotos zur besseren Orientierung verwenden kann.

Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth

Vici.org hat mittlerweile seine im Römerschanzen-Bereich etwas bizarre Streckenführung an diejenige des Denkmal-Atlasses angepasst. Geht ohne Begründung sogar darüber hinaus und verbindet die beiden Endpunkte, legt sich also derzeit auf einen Übergang beim Stauwehr fest. Es kann sein, daß das so ganz gut passt und sich der Denkmal-Atlas nur aus administrativen Gründen zurückhält, eben weil dieses Gebiet baulich schon total überarbeitet wurde und für die Archäologie nichts mehr zu holen ist. Anderseits gäbe es auch Argumente dafür, den Schlenker bis hin zur früher eingezeichneten Brücke auszudehnen und erst da über die Isar zu gehen. Das Tal ist hier deutlich verbreitert, das Hochwasserproblem vermindert sich. Seitens der westlichen Straße wäre so eine Änderung neutral zu bewerkstelligen. Der Hohlweg läuft in einen überarbeiteten Bereich ein kleines Stück oberhalb der Isar aus, von dem man mit gleicher Entfernung in verschiedene Richtungen wegknicken kann. Die mehreren hundert Meter zusätzlicher Weg kämen bei der östlichen Straße dazu. Um dieselbe Entfernung würde aber dafür der Weg von Grünwald herunter kürzer. Man beachte im Denkmal-Atlas die Rotfärbung zwischen Perlach und Oberhaching. Die könnte eine viel Verkehr liefernde Querverbindung über Grünwald in das Hachinger Tal nahelegen. Wenn dem so gewesen ist und es hier durch die Isartalverbreiterung eine gut nutzbare Furt gegeben hat, dann müßte man das alles vielleicht sowieso etwas lockerer sehen. Also den einen Übergang gab es vielleicht garnicht, sondern mehrere, sich zeitweise ändernde östliche Einstiegspunkte. Und an einer Stelle hat man vielleicht etwas gebaut, was dann als Brücke im Denkmal-Atlas gelandet ist. Vielleicht wird es hier unten noch ein Haus für überwachende Soldaten aus der Römerschanze gegeben haben. Vielleicht konnte man hier unten noch Verpflegung kaufen und Ochsen mieten, um sich auf der anderen Seite hochziehen zu lassen.

Burg und Schlosshotel Grünwald

Für diejenigen die sich die Sache vor Ort ansehen wollen: das ist eine gute Idee, durch die Isar ist es da unten meist interessanter als oben auf der Schotterebene. Aber man kann Sonnenanbeter, Brutvögel und Wurzeln stören. Die Kiesbank wird von Sonnenanbetern genützt. Ich bin am 2. Mai hin, um möglichst wenige mit der Kamera zu stören. Das hat gut geklappt. Es gibt Bereiche, wo man wegen Brutvögeln nicht hinsoll. Letztes Jahr habe ich auf der gegenüberliegenden Seite ein umgekipptes Warnschild gefunden. Eine Infotafel, die hinsichtlich der Brutvögel über die Zeiten informiert, wo man dort nicht aufkreuzen soll, habe ich nirgends gesehen. Hin zum Georgenstein gibt es auf der gegenüberliegenden Seite Bereiche, in denen man zum Schutz der Baumwurzeln sein Rad schieben soll. Die Beschilderung erschien mir aber inkonsistent. Also erst mal absteigen, als kein Problem zu sehen war. Da kamen mir dann Radler entgegen. Später angesichts der Wurzeln nochmal ein Absteigschild.

Samstag, 9. September 2017

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Dieser Blog-Eintrag gehört zu einer mit „Der Georgensteinblick“ begonnenen kleinen Serie. Die wurde fortgesetzt mit „Georgensteinblick II“. Und in „Allenthalben versunkene Städte“ gibt es auch ein paar Bemerkungen zu diesem engen geografischen Bereich.

Informationstafel: Verlauf der Römerstraße durch die Isarschlucht

Die jetzt verwendeten Fotos sind vom Mai. Ich wollte eigentlich erst noch zusätzliche Fotos vom Bereich unterhalb der ehemaligen Römerstraße machen, daraus wurde aber bislang nichts. Also vermittle ich so mal einen Eindruck, damit es mit der Sache weitergeht. Der 4. Brillenschaftag im Burghof Grünwald steht ja auch am 8. Oktober an und vielleicht will jemand die Gelegenheit nutzen und sich die Römerstraße genauer ansehen.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

„Römerstraßenaufstieg“ versus „unterhalb der ehemaligen Römerstraße“, da fehlt also noch was. Der obere Teil des Aufstiegs gilt sowohl nach der abfotografierten Informationstafel als auch dem Bayerischen Denkmal-Atlas als Teil der ehemaligen Römerstraße. Im unteren Teil entspricht die durchgezogene Linie über die Isar auf der Informationstafel aber nicht dem Bayerischen Denkmal-Atlas, der läßt hier eine Lücke. Zudem verwirrte der Bayerische Denkmal-Atlas durch eine „Brücke der römischen Kaiserzeit“ ein Stück flußabwärts (Denkmal D-1-7935-0005). Die Brücke war beim Start meiner kleinen Serie noch vorhanden, mittlerweile sehe ich sie nicht mehr im Bayerischen Denkmal-Atlas eingezeichnet. Aber bei Vici.org kann man sich die Lage der Brücke derzeit noch ansehen. Wenn die Brückenerkenntnis nicht mittlerweile revidiert wurde, wäre es also denkbar, daß die Römerstraße von der östlichen Seite nicht so wie auf der Informationstafel gezeigt direkt herüber über die Isar geführt hat. Die Straße könnte stattdessen zunächst unterhalb der dort befindlichen Römerschanze der Isar bis zu dieser Brücke gefolgt sein.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Geht man diesen oberen Teil der ehemaligen Römerstraße auf der westlichen Isarseite hinunter, dann kommt man schnell auf einen wirklich alt aussehenden Hohlweg. Aber dieser Hohlweg endet ein Stück oberhalb der Isar. Man trifft auf den Isar-nähesten öffentlichen Weg der westlich der Isar parallel zur Isar verläuft. Im Grunde sieht ab hier alles nicht mehr alt sondern überarbeitet aus. Weiter unten befindet sich der Isar-Kanal, für den sicher umfangreiche Erdarbeiten vorgenommen wurden. Den Abzweig vom Isar-Parallelwegs zur Römerstraße zeigen Bild 9 und Bild 10. Der Parallelweg führt dann zwar schnell weiter hinunter bis fast auf Isar-Höhe. Diese Strecke passt auch zur roten Linie auf der Tafel. Aber der Weg ist kein Hohlweg mehr. Also von diesem Augenschein her könnte ab dem überarbeiteten Bereich auch alles anders gewesen und die Römerstraße ein Biegung hin zu der mysteriösen Brücke gemacht haben. Allerdings ergäbe das schon eine recht große Schleife, die aber möglicherweise durch Gründe wie die Talverbreiterung und eine dadurch weniger reißende Isar in Kauf genommen wurde.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Daß der Bayerische Denkmal-Atlas im Kanalbereich keine genaueren Angaben macht, muß nicht bedeuten, daß hier keine archäologischen Erkenntnisse über den Verlauf der Römerstraße gewonnen wurden. Nach meiner Vorstellung ist der Bayerische Denkmal-Atlas nämlich kein Informationssystem in der Art, daß er uns mitteilen will, daß an einem bestimmten Ort irgendwann einmal ein bronzezeitlicher Grabhügel stand. Der Bayerische Denkmalatlas zeigt aktuell vermutete Grabhügel an, so flach die auch mittlerweile sein mögen. Wenn die Fläche aber archäologisch ausgeräumt und überbaut ist, dann verschwindet auch der Grabhügel im Bayerischen Denkmal-Atlas. Nach dieser Logik mag die fehlende Information im Kanalbereich einfach bedeuten, daß niemand mehr glaubt, daß hier noch archäologisch etwas zu holen ist.

Isar-Stauwehr bei Buchenhain/Baierbrunn

Der Einstieg von oben in den Hohlweg wird durch die Informationstafel in Bild 1 markiert. Man kann die Stelle via diesem Link auf einer Karte seiner Wahl ansehen. Im Bereich oberhalb des Isarkanals stößt der Weg wie gesagt auf den westlichen Parallelweg zur Isar. Dort sind zeitweise zahlreich Spaziergänger, Jogger, Wanderer und Radler unterwegs, deren ganz andere Ziele sich gut mit einem kurzen Blick in diesen uralten Hohlweg verbinden ließen.

Samstag, 27. Mai 2017

Allenthalben versunkene Städte

Im letzten Abschnitt von „Georgensteinblick II“ hatte ich empfohlen, einen Blick in das von Helmut Karger online gestellte Buch „Illustrirte Geschichte der Stadt München“ von Ferdinand Kronegg von 1903 zu werfen. In diesem Buch ist wie im Zusammenhang mit Bernstorf von einer versunkenen Stadt die Rede. Nur in diesem Fall von einer versunkenen Stadt beim südlich von Pullach gelegenen Baierbrunn. Von Ferdinand Kronegg 1903 noch mit „ay“ statt wie heute mit „ai“ geschrieben.

Georgenstein am Vatertag 2017

Findet man vor Ort jetzt tatsächlich etwas aus alten Zeiten - im Falle Bernstorf ist ja zumindest die bronzezeitliche Wallanlage unbestritten - dann wird so eine „Sage von einer versunkenen Stadt“ wohl gern als Ausgangspunkt der Erkundungen aufgegriffen, da sich damit eine schöne Geschichte bauen lässt. Aber selbst wenn vorzeitliche Funde vorliegen, kommen schnell Zweifel, ob eine mündliche Überlieferung tatsächlich mehrere tausend Jahre vorhält. Man könnte jetzt - Stichwort „Heidenmauer“ - daran denken, daß altertümliche Bauwerke oder Funde eine Sage immer weiter am Leben halten. Aber dann würde man erwarten, daß das Gebiet sehr genau angegeben werden kann, in dem sich die Heidenmauer oder die versunkene Stadt befindet.

Im Falle Baierbrunn zeigt der Bayerische Denkmal-Atlas südwestlich eine „Siedlung vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung“ an, (Denkmalnummer D-1-7934-0305), ein Stück weiter liegen im Wald einige „Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung.“ D.h. für eine verschwundene Siedlung hat man tatsächlich Anhaltspunkte. Ich könnte mir auch vorstellen, daß der Römerstraßenknick im Norden von Buchenhain im Zusammenhang mit einer älteren Keltensiedlung stand, die sich bei dem ausgedehnten Höllriegelskreuther bzw. Pullacher Gräberfeld Denkmalnummer D-1-7935-0092 „Grabhügel mit Bestattungen der Hallstattzeit“ befand. Das wäre ein weiterer Stadt-Kandidat. Aber an irgendeine Verbindung solcher Siedlungen mit der Sage würde ich trotzdem erst glauben, wenn Kronegg etwas in der Art anführen könnte, daß die Baierbrunner beispielsweise für ihren Kirchbau immer behauene Steine aus dem bestimmten Gebiet geholt haben. Das macht er aber nicht. Stattdessen findet er die versunkene Stadt bei Baierbrunn ganz allgemein wegen den vielen Funden in der Gegend plausibel und geht dann fließend zu Funden bei Grünwald über. Also gleich von der anderen Isarseite, was den Gehalt der Sage für Baierbrunn stark relativiert.

Georgenstein am Vatertag 2017

Vielleicht sind solche nicht genau verorteten „versunkenen Städte“ aber auch aus genau so einer diffusen Gemengelage heraus entstanden, mit Funden hier und da? Am Vorabend früher Formen der Archäologie. Bevor man tatsächlich raus in das Gelände gegangen ist, nachgegraben und aufgeschrieben hat, was man wo gefunden hat? Ich würde so etwas für denkbar halten. Ein paar Jahrhunderte früher hatte man noch ganz andere Einfälle. Ich erinnere mich da an die Tafel in Ettlingen, nach der Ettlingen von dem Trojaner Phorzys 1111 vor Christus gegründet und von den Römern Neptingen genannt wurde. Hier und da eine versunkene Stadt ist im Vergleich dazu doch moderat? Und vermutlich war in den gebildeten Kreisen des 19. Jahrhunderts ein in das Badische gelangter Trojaner Phorzys schon ziemlich unglaubwürdig. Eine im 19. Jahrhundert schriftlich festgehaltene Sage von einer „versunkenen Stadt“ wird hingegen noch heute gerne von den Medien aufgegriffen.

Man bräuchte mehr Beispiele solcher „versunkenen Städte“, um zumindest die Aussage einer Häufung belegen zu können. Moritz Jacob hat sich die Mühe gemacht, weitere zu suchen und sie in „Deutsche Sagen des 19. Jahrhunderts über versunkene Städte“ zusammengefasst. Ich zitiere aus seinem Abstract: „In der Literatur des 19ten Jahrhunderts gibt es diverse Erwähnungen und selten auch Ausformulierungen von Sagen über versunkene Städte im deutschen Sprachraum. Um diese Art der Legende besser fassen zu können, sind hier einige – jedoch sicher nicht alle – gesammelt. Dadurch soll die textkritische Bewertung der Sage von der versunkenen Stadt bei Bernstorf erleichtert werden.“

Donnerstag, 14. November 2013

Burg Grünwald

Letzten Sonntag vor drei Wochen waren wir in der Burg Grünwald. Burg und Burgmuseum befinden sich in einer Phase von Umbauten und in einer Neupositionierung. Beim unserem vorletzten Besuch wirkte die Ausstellung auf uns ein wenig wie ein Sammelsurium ohne rechten Fokus. Nun ist ein Fokus erkennbar - die „inhaltliche Neugestaltung der Dauerausstellung unter dem Motto "Burgen in Bayern"“ - aber die Ausstellungsinhalte sind noch dünn.

Beim vorletzten Besuch war schon ein Raum mit dem großen Modell der mittelalterlicher Burg eingerichtet. Daneben war noch einiges zu den Römern und zur jüngeren Geschichte der Grünwalder Burg da. Von letzterem hat mich das meiste nicht interessiert und den irgendwie motivierten Teil mit medizinischen Anschauungsmodellen wollte ich überhaupt nicht ansehen.

Isartal nördlich der Großhesseloher Brücke

Nun haben wir die Ausstellungsfläche verkleinert vorgefunden. Die verkleinerte Fläche ist teilweise noch frei von Ausstellungsobjekten. So wie ich mal gelesen habe, sollten aber zur alten Fläche sogar noch neue Räume hinzukommen. Der neue gestaltete große Eingangsbereich ist zumindest schon da. Wir haben da die letzten beiden Stücke Marmorkuchen erworben und uns an einen der neuen Tische im Innenhof gesetzt. Inzwischen ist Winterpause und das Museum soll in den Winterpausen weiter umgebaut werden. Also freuen uns mal auf nach und nach in Dienst gestellte und bestückte neue Räume.

Der Fokus auf die Burgen in Bayern bietet sich bei den Grünwalder Voraussetzungen an. Die Burgen sind zwar nicht mein bevorzugter Zeitbereich, aber das Museum haben wir dieses Mal in besserer Stimmung verlassen als beim vorletzten Besuch. Wenn man das alles gut umsetzt, dann könnten die Perspektiven doch auch ganz gut sein: ich wußte als Kind lange nicht was Römer und Kelten sind, hatte aber zwei Ritterburgen inklusive einer größeren Zahl Ritter in allen möglichen Kleinformaten. Also wenn das heute halbwegs noch so ist und man das Interesse auf den Münchner Großraum mit 2 Millionen Einwohnern hochrechnet...

Isartal südlich der Großhesseloher Brücke

Der Hang vor der mittelalterlichen Burg zur Isar hinunter ist mit der Zeit abgerutscht, so daß wichtige Teile der ursprünglichen Burg abgerissen werden mußten. Zudem gab es in den zurückliegenden Jahrhunderten Umbauten. Es gibt aber wohl Vorstellungen, wie die Burg in den verschiedenen Zeiten ausgesehen hat, und als ideale Ergänzung zum mittelalterlichen Burgmodell in der Ausstellung auch Führungen über das Gelände, mittels denen man die alte Burg besser vor dem inneren Auge entstehen lassen kann. An dieser Stelle zwei Links: den zu den Wanderschreibern hatte ich schon im Blog. Da geht es um ein Buch über „Burgen in und um München“. Der andere Link führt zu einem ganz frischen Beitrag im Burgerbe-Blog: „Wie sahen Burgen im Mittelalter aus? Virtuelle Modelle helfen weiter“. Da sollte man sich unbedingt mal die tollen Videos ansehen.

Bei dem neu in der Grünwalder Ausstellung Vorgefundenen hat mir eine Serie von drei Modellen besonders gefallen. In den Modellen werden typische Teile einer Höhenburg, einer Turmhügelburg (Motte, Hausberg) und einer Höhenbefestigung des 9./10. Jahrhunderts dargestellt. Die Höhenburg wird teilweise durch die Elemente der Spielzeugburgen abgedeckt, von Turmhügelburgen hatte ich in dem Alter genau so wenig Ahnung wie von Römern und Kelten. Es muß aber ein sehr häufig anzutreffender Burgentyp gewesen sein. Keltische Großgrabhügel wurden teilweise als Grundlage für Turmhügelburgen verwendet. Bei der Baumburg am archäologischen Heuneburg-Wanderweg wird von einem frühkeltischen Großgrabhügel ausgegangen, der im Hochmittelalter zu einer kleinen Burganlage umgestaltet wurde.

Isartal bei Pullach

Das Modell der Höhenbefestigung des 9./10. Jahrhunderts ähnelt etwas der Struktur der nahe Grünwald gelegenen Römerschanze und der Birg bei Hohenschäftlarn. Die heute sichtbaren großen Wälle werden in die Zeit der Ungarneinfälle datiert, bei der Birg sind noch die Reste von Reiter-Annäherungshindernissen erkennbar.

Eine Attraktion der Burg Grünwald ist ihr Turm. An den Tagen an denen ich hochklettere grundsätzlich ohne Alpenpanorama. Der Turm war zwischenzeitlich mal gesperrt, sieht aber holztreppenmäßig noch wie früher aus. Die Stufen erfordern eine gewisse Trittsicherheit, aber man kann sich am Geländer festhalten und langsam hoch- und runterbewegen. Für Schwindelspezialisten und Außeratemkommer: die einzelnen Treppenabschnitte führen schnell auf das nächste Stockwerk im Turm. Man muß beim Auf- und Abstieg nicht innerhalb des Turms ganz in die Tiefe blicken und man kann sich ausruhen, ohne daß welche auf der Treppe hinterherdrängeln.

Grünwalder Brücke

Das Mindestangebot oben ist ein toller Ausblick in das Isartal, an diesem Tag sogar in Herbstfarben. Die Dame an der Museumskasse konnte mir aber nicht sagen, ob ich die Fotos in das Internet einstellen darf. Vielleicht bin auch der einzige, der wegen den Fotos vom Turm frägt. Generell ist im Museum Fotografieren ohne Blitz erlaubt. Aber ob man die Fotos in das Internet einstellen darf, muß man die Archäologische Staatssammlung fragen. (Das Burgmuseum Grünwald ist ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung.) Ich habe stattdessen mehrere Fotos von einer Radtour auf der anderen Isarseite zwei Tage später hier eingestellt. Was für schöne Beiträge mit Fotos aus dem Museum zustande kommen können, dazu zwei aktuelle Beispiele vom „Tag der offenen Tür im Archäologiemuseum von Schloss Eggenberg“ im Blog von Hiltibold und „Salve! – Die lange Römer-Nacht im Braunschweigischen Landesmuseum“ im Kulturblog 38.

Die Grünwalder Burg war bei unserem Besuch ziemlich belebt. Vorab habe ich im Veranstaltungsticker auf der Website der Gemeinde Grünwald eine von der Volkshochschule veranstaltete Führung gefunden, die um 14 Uhr beginnen sollte. Vor Ort gab es eine weitere Führungsankündigung für 15 Uhr, von der ich auf keiner Website etwas mitbekommen habe. Die 15-Uhr-Führung haben wir bei unserem Marmorkuchen im Schlosshof gesehen, da ist eine größere Gruppe durch die Burg gezogen. Ich weiß nicht, ob die Gruppe über ein mir unbekanntes Medium oder aufgrund der Ankündigung vor Ort eingesammelt wurde. Es herrschten an dem Tag Sonderbedingungen: Sonntag, schönes Wetter, und das Burgmuseum war an einer Neuerung der vorausgehenden Langen Nacht der Münchner Museen beteiligt, nach der man mit der Karte am folgenden Sonntag einige Museen des Umlandes kostenlos besuchen konnte.

Burg Grünwald

Allgemein betrachtet sollte der Grünwalder Veranstaltungsticker eine Steigerung von Teilnehmerzahlen und Umsatz bringen. Es gibt sicher noch andere wünschenswerte Vorteile des Tickers - entsprechende Interessenten gehen hin und lernen sich kennen, die Grünwalder denken es wird etwas in Grünwald geboten usf. Aber man könnte zumindest ein wenig bei einfachen Kosten-Nutzen-Überlegungen bleiben, und daß gegebene Informationen direkt zu mehr Einnahmen führen können. Eventuell geht der Aufwand für die Information über die Volkshochschul-Führung durch die Burg „gegen Null“, um eine für die Informationsbereitstellung im Internet sehr verbreitete Formulierung zu übernehmen, wenn die Daten von der Volkhochschule automatisch in Tickerdaten umgewandelt werden könnten. Das „gegen Null“ gilt meistens dann, wenn man das Material dafür „schon hat“. Wenn man Zugriff auf die Volkhochschuldaten hat und deren Bedeutung hinsichtlich Grünwald für ein Computerprogramm eindeutig verständlich wäre, „dann hätte man die Daten“. Wenn es nur so realisiert werden kann, daß ein Mensch die Daten sichten und kopieren muß, dann sollten die Kosten nicht gegen Null gehen. Und man hat eine Ausrede dafür, daß man die Informationen nicht bringt - rentiert sich ja nicht bei dem Aufwand.

Hätte man die Daten von archäologischen Funden, Fundort und Verbleib des gefundenen Objekts, dann müßte man die Daten über die Denkmalnummer eindeutig und ohne menschliche Hilfe mit den Geo-Daten des BayernViewer-denkmal bzw. Bayern-Atlas verknüpfen können. Der Aufwand würde pro Verknüpfung gegen Null gehen. Lokale Funde werden wohl schon gern als Ausstellungsattraktion für ein lokales Publikum angesehen, im Gegensatz dazu ist es aber überraschend schwierig, ihren Verbleib zu recherchieren. Beispielsweise habe ich im Zusammenhang mit dem Heiligenbuck einen Hinweis auf ausgestellte Funde aus dem „kleinen Heiligenbuck“ in der Rastatter Ausstellung „Spuren früher Zeiten - Ärchaologische Funde in den Kreisen Rastatt und Baden-Baden von der Steinzeit bis in frühe Mittelalter“ gefunden. In dem Zusammenhang ist sogar das ausleihende Badische Landesmuseum angegeben. Aber sind diese Funde im Badischen Landesmuseum üblicherweise in der Dauerstellung zu sehen? Im Fall des Schicksals der originalen Gilchinger Meilensäule hilft einem keine offizielle Seite weiter, sondern die Information vor Ort. Wo die Funde aus dem Pullacher „Fürstengrab“ auf der gegenüber der Grünwalder Burg liegenden Pullacher Seite des Isartals geblieben sind? Keine Ahnung.

Burg Grünwald

Jetzt mecker ich noch ein bisschen weiter: die Sonderausstellung „Karfunkelstein und Seide - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ in der Archäologischen Staatssammlung fand ich toll - vorher wußte man über den Zeitraum nichts bzw. hatte Annahmen, nach denen man Gräber wie die in Unterhaching nicht vermutet hätte. Den Ausstellungskatalog / das Buch zur Ausstellung habe ich seinerzeit gekauft und auch ganz gut gefunden. Außer zu den Funden vermittelt das Buch auch Informationen darüber, auf welch verschiedenen Wegen man mittlerweile etwas herausfinden kann.

Aber nun gibt es von der Archäologischen Staatssammlung ein weiteres Buch zu dem Fund: „Unterhaching. Eine Grabgruppe der Zeit um 500 n. Chr. bei München.“ für 49 Euro. Aus dem Beschreibungstext der Archäologischen Staatssammlung ersehe ich nicht, ob es wichtige neue Erkenntnisse gibt, und wie die Stellung dieses neuen Buches gegenüber dem damaligen Begleitbuch ist. Nun ist es zwar normal, daß Museen keine Mitteilungen über spätere Veröffentlichungen zu ihren früheren Ausstellungen machen (warum eigentlich nicht?). Aber in dem Fall ist alles in einer Hand - die Funde gingen an die Archäologische Staatssammlung, bei ihr fand die Ausstellung statt und sie gibt nun diese Publikation heraus. Vielleicht wäre ein kurze frei zugängliche Zusammenfassung von wichtigen neuen Erkenntnissen unter Bezugnahme auf die damals im Begleitbuch und in der Ausstellung gemachten Aussagen fair gegenüber den damaligen Ausstellungsbesuchern und Buchkäufern?

Burg Grünwald

Wer jetzt auf der Website der Archäologischen Staatssammlung nachgesehen hat, wird feststellen, daß sich die Website gewandelt hat. Das muß irgendwann zwischen meinem Reinsehen vor dreieinhalb Wochen und letzter Woche passiert sein. Leider finde ich jetzt nur noch drei „Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte e.V.“. Wenn es so bleibt - und so wie ich die Archäologische Staatssammlung einschätze bleibt das so - finde ich das schlecht. Grottenschlecht sogar, weil es zu vielen Informationen in den Mitteilungen keine Alternativen im Netz gibt. In den Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte Nr. 32 gab es z.B. einen ausführlichen Text zum Gautinger Brandopferplatz. Der BayernViewer-denkmal hat zwar den Brandopferplatz drin, aber natürlich keinen Verweis auf gedruckte Literatur dazu (warum eigentlich nicht?). Man kann einem Verein nicht vorschreiben, daß er seine internen Mitteilungen veröffentlicht. Aber ziemlich viele der über hundert Mitteilungen waren ähnlich informativ wie die über den Gautinger Brandopferplatz und wurden nicht nur von mir verlinkt.

Frei zugängliche Texte und verknüpfbare Daten sind übrigens auch nicht nur von mir, sondern sogar „von oben“ gewollt. Siehe den Wikipedia-Artikel über die Europeana, das Video „Linked Open Data. Was ist das eigentlich?“ oder die Haltung der EU zu Open Access. Egal, wie das im einzelnen zu bewerten ist, es zeigt aus meiner Sicht hinsichtlich der Verfügbarkeit von Daten in die richtige Richtung. Und es zeigt auch einen Anspruch, mit der Entwicklung Schritt halten zu wollen.