Sonntag, 4. April 2021

Grabhügel zwischen Forsthaus Kasten und Buchendorf

In „Die Preysingsäule im Forst Kasten“ hatte ich berichtet, daß ich die weitere Erkundung eines Grabhügelfeldes zwischen Forsthaus Kasten und Buchendorf (Link zur Reliefansicht der Grabhügelgruppe im BayernAtlas) auf eine Jahreszeit mit Stiefeln und ohne Blätter verschoben hatte. Das mit dem „ohne Blätter“ hat geklappt. Stiefel nicht so, ich bin aber wenigstens am Gründonnerstag nicht mit Sandalen, sondern mit Halbschuhen und Socken hingeradelt und habe mich hinterher mehrfach nach Zecken abgesucht.

Grabhügel zwischen Forsthaus Kasten und Buchendorf

Ohne Blätter war nun deutlich mehr zu sehen. Für schöne Grabhügelfotos ist aber wohl der üppige Bewuchs mit jungen Bäumen trotzdem zu stark. Ich gehe davon aus, daß ich die drei westlichsten der im BayernAtlas dargestellten Grabhügel gesehen habe. Gut erkennbar ist von diesen drei Grabhügeln vor allem der nördlichste Grabhügel, der ist nach Reliefansicht auch der größte Grabhügel der Grabhügelgruppen in diesem Gebiet. Daß sich hier etwas Großes befindet erkennt man selbst im Sommer von dem vorbei führenden geschotterten Waldweg aus gut. Von diesem Waldweg zweigt bei dem Grabhügel ein etwas zugewachsener Weg in den Wald ab, von dem aus die ersten beiden Fotos entstanden.

Grabhügel zwischen Forsthaus Kasten und Buchendorf

Beim mittleren der drei Grabhügel auf dem dritten Foto kann man ebenfalls etwas in den Wald hineinlaufen. Da hatte ich dann den Grabhügel genau vor mir. Zum dritten Grabhügel bei der Wegkreuzung ist es schwerer weiter hinein zu kommen, den habe ich vom Weg aus fotografiert. Man kann ihn im vierten Bild etwas an seiner abfallenden Seitenfläche in der Bildmitte erkennen.

Grabhügel zwischen Forsthaus Kasten und Buchendorf

Wenn man in der Gegend per Automobil vorbeikommt ist das Grabhügelfeld sehr einfach zu erreichen. Geht man im BayernAtlas etwas näher an das Grabhügelfeld heran, dann sieht man links an dem nach Norden vom Grabhügelfeld wegführenden Waldweg bei der Straßeneinmündung eine Parkplatz-Kennzeichnung. Man braucht nur von der Strecke Gauting-Neuried in Richtung Buchendorf abzweigen und dann wäre man bei der ersten ausgeschilderten Parkmöglichkeit auf der linken Seite schon auf dem richtigen Waldweg zu den Grabhügeln.

Grabhügel zwischen Forsthaus Kasten und Buchendorf

Südwestlich vom Grabhügelfeld beginnen großflächige Felder. In dem Gebiet ist die Ost-West-Verbindung für die Fußgänger und Radler blockiert. Das mag eine Ursache dafür sein, daß die Strecke direkt am Grabhügelfeld vorbei relativ belebt ist. Eine andere viel begangene und beradelte Strecke führt vom Forsthaus Kasten direkt nach Süden in Richtung auf die Preysingsäule zu. Nach der Preysingsäule kann man entweder in Richtung Buchendorf/Gauting einschwenken oder wie ich am Gründonnerstag via Hexenhäusl und Achterlacke zurück nach München radeln. Jedenfalls läge das Grabhügelfeld auch relativ nahe zu der belebten Strecke vom Forsthaus Kasten hin zur Preysingsäule. Also wenn man mal einen Hügelgräberlehrpfad einrichten wollte, dann träfe bei dem Grabhügelfeld ein gutes Grabhügelangebot auf rege Verkehrsströme.

Forsthaus Kasten am Gründonnerstag 2021

Abschließend noch ein Foto vom Forsthaus Kasten am Gründonnerstag 2021 um die Mittagszeit. Ich habe jetzt erst gesehen, daß es auf dem Gelände des Forsthauses Adventsmärkte gibt. So etwas wäre ja eine gute Kombination mit einem Grabhügelbesuch in Stiefeln. Ich hoffe solche Veranstaltungen und der Biergartenbetrieb kommen hier bald wieder gut ins Laufen.

Samstag, 6. März 2021

Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Ein Edikt des römischen Kaisers Konstantion aus dem Jahr 321, nach dem künftig auch Juden in Ämter der Kurie und der Stadtverwaltung berufen werden können, ist dieses Jahr Anlass für zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen eines Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Die Anfrage, die zum Edikt führte, stammte aus Köln. Das Dekret gilt als früheste Urkunde zur Existenz von jüdischem Leben nördlich der Alpen. Mehr darüber kann man in einem umfangreichen pdf von „MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier“ nachlesen, aus dem ich eben auch meine Stichworte übernommen habe.

Der Titel „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wird zum einen etwas kritisiert, weil es Deutschland zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gab. Ich würde empfehlen, Deutschland in dem Fall einfach als geografische Angabe zu lesen, also es geht um Juden „im Gebiet des heutigen Deutschlands“. Zum anderen ist ein Kritikpunkt, daß bei diesem Titel das jüdische Leben vor diesen 1700 Jahren etwas unter den Tisch fällt.

Man muß sich vergegenwärtigen, daß der zuletzt in der Netflix-Barbaren-Serie dargestellte Publius Quinctilius Varus mehr als 300 Jahre vor diesem Edikt hier die Statthalterschaft nach seiner Statthalterschaft in Syrien übertragen bekam. Dort übte er diese zunächst in Zeitgenossenschaft zu König Herodes dem Großen aus und hatte laut Wikipedia eine Kontrollfunktion über dessen Königreich Judäa inne. Nach dessen Tod soll er die Erbauseinandersetzung von dessen drei Söhnen geschlichtet haben und bei Folgekonflikten nach römischen Plünderungen und Zerstörungen für die Kreuzigung von 2000 Juden verantwortlich gewesen sein. Das heißt, daß Vorstellungen von Juden, einem jüdischem Staat und einem jüdischen Glauben bei Leuten vorhanden waren, die vor mehr als 2000 Jahren im heutigen Deutschland herum liefen. Sehr wahrscheinlich wird damals und in den Jahren danach auch einiges Personal neu rekrutiert und hierher mitgenommen worden sein, so daß vermutlich schon zu einer Zeit, in der man noch garnicht an ein Christentum denken konnte, schon Menschen jüdischen Glaubens hier unterwegs waren.

Solche Wahrscheinlichkeiten sind aber keine Belege wie das oben genannte Edikt. Allerdings erinnere ich mich an eine Meldung vor ein paar Jahren, nach der man glaubte aus archäologischen Funden auf eine frühe jüdische Anwesenheit schließen zu können. Wahrscheinlich werden solche archäologischen Erkenntnisse in die entsprechenden Texte zum Festjahr einfließen. Es wäre in dem Zusammenhang auch zu beachten, daß laut „Juden im antiken Augsburg“ vielleicht auch einiges an Funden als christlich vereinnahmt wurde, was einen jüdischen Hintergrund hatte.

„Das Wort Juden“ bezeichnet laut Wikipedia „eine ethnisch-religiöse Gruppe oder Einzelpersonen, die sowohl Teil des jüdischen Volkes als auch Angehörige der jüdischen Religion sein können. Die Benutzung des Wortes oder Begriffs ist im historischen Kontext verschiedener Staaten, auch als dortige religiöse Minderheit, unterschiedlich.“ Laut Wikipedia waren Juden zeitweise missionierend tätig: „Weil zeitweise bis zu zehn Prozent der Bevölkerung des Römischen Reiches dem jüdischen Glauben angehörten, versuchte Kaiser Hadrian, die jüdische Mission zu verbieten.“ „Unter dem Druck des Christentums und des Islams erlosch die jüdische Mission.“

Ich hatte mal in „Besuch am Grab von Siegbert Tarrasch“ einen offenen Punkt bei mir so wiedergegeben: „Es scheint so, als ob eine Gesellschaft, in der es nicht lange zuvor eine Mehrheit an Nichtchristen und Nichtjuden und eine Minderheit an Juden gegeben hat, irgendwie recht schnell in eine Gesellschaft mit einer christlichen Mehrheit und einer jüdischen Minderheit transformiert wurde.“ Man könnte vielleicht auf Basis obiger Wikipedia-Aussagen mit dem späteren christlichen Druck gegen die jüdischen Missionierungen so schließen, daß die späteren jüdischen Bevölkerungsanteile so Pi mal Daumen auf Anteile aus früheren römischen Zeiten zurückgingen und die Christen derweil wie auch immer die Nichtchristen und Nichtjuden zu zusätzlichen Christen missionierten?

Noch ein Zitat aus meinem Tarrasch-Text: Die Vandalen eroberten 439 Karthago und konnten schon spätestens ab 455 damit beginnen ihr Augenmerk auf die Auseinandersetzung mit der konkurrierenden christlichen Glaubensrichtung in ihrem Herrschaftsbereich zu legen. Soweit ich mich an die Karlsruher Ausstellung „Das Königreich der Vandalen“ erinnere, hatten sie aber die örtlichen Juden toleriert.

D.h. während man gegen konkurrierende Christen teilweise massiv vorgeht, gibt es deutliche Bestrebungen, die jüdischen Gemeinden ungestört nebenher laufen zu lassen. Das Muster scheint sich in späteren Jahren zu wiederholen, in denen man regelrechte Kriege gegen abweichende Glaubensrichtungen wie etwa die Katharer führte, während die Juden laut „Jüdisches Leben in der Ottonenzeit“ bei den Karolingern und Ottonen unter kaiserlichem Rechtsschutz standen. Man mag da an eine durch den Verzicht auf Missionierungen unterfütterte friedliche Koexistenz denken, die die Respektierung einer Religion zuließ, der man sich verbunden fühlte.

Anderseits spielten die jüdischen Gemeinden vermutlich auch eine sehr wichtige Rolle für die damalige „Betriebsysteme“. Ich zitiere aus „Jüdisches Leben in der Ottonenzeit“: „Bei der Durchsicht der spärlichen Quellen und der Nachrichten scheint es mir so, das Fernhandel zwischen Europa und den Gebieten des Orients (inkl. Spanien), sogar bis nach Indien und China zu einer jüdischen Angelegenheit geworden war.“ Da geht es zwar um eine andere Zeit und andere Orte als bei den Vandalen, aber vielleicht gab es doch einige Gemeinsamkeiten. Und wenn man z.B. Angaben zur gründlichen Plünderung Roms unter Mitnahme von Handwerkern sieht, dann haben offenbar selbst die Vandalen neben ihrem Impuls die Gesellschaft stramm auf die eigene christliche Richtung auszurichten auch sehr auf den Erhalt eines funktionierenden „Betriebsystems“ geachtet.

Donnerstag, 14. Januar 2021

Geschichte und Geschichten mit Martin Mundorf

Passend zum angefangenen Jahr und Martin Mundorfs Themenfeld beginne ich mit einem Link auf seine Neujahrswünsche vom Römerbrunnen bei Wassenach. Es geht bei Martin Mundorf viel um Linksrheinisches zur Römerzeit irgendwo zwischen Köln und Trier.

Bisweilen landet man bei ihm aber auch direkt in Rom. Ganz interessant fand ich bei seiner Beantwortung von Zuschauerfragen die Erläuterung, wie die Christen anfänglich durch Stiftungen zu ihren Basiliken gekommen sind. Gerade wenn man so Darstellungen vom frühchristlichen Märtyrertum und Missionseifer im Hinterkopf hat, würde man an mehr Eigenleistung denken. Die gab es sicher auch. Aber die ganz großen neuen Räder müssen wohl häufig von außen installiert und angeschoben werden.

Ein paar meiner alten Blogeinträge hätte ich über die drei Bethen verbandeln können. Das betrifft im Umfeld von St. Alto Leutstetten etwa die Karlsburg, die Drei-Bethen-Quelle und „Das Grab der Seherin“. Es gibt die Aussage, daß es lokal um Leutstetten ein gehäuftes Auftreten von Sagen über das Auftreten von drei Frauen gibt und schon deshalb dort irgend etwas mehr an der Sache dran sein könnte. Ich bin nicht so sicher. Ich habe den Verdacht, Geschichten mit drei Frauen hatten mal eine Hochkonjunktur ähnlich wie die zeitweise an vielen Orten vermuteten versunkenen Städte und nur dank Aufnahme in neuzeitliche Führer und Führungsprogramme konnten die drei Bethen um Leutstetten herum gut überleben.

Wie dem auch ist, ich hatte seinerzeit im St.-Alto-Eintrag den möglichen Bezug zu den „Matronen der Kelten“ aus einem Buch von Martin Bernstein zitiert. Und Martin Mundorf erklärt in zwei Videos („von Göttern und Tempeln - Teil 13 - der Matronenkult im Rheinland - Teil 1“,„von Göttern und Tempeln - Teil 13 - der Matronenkult im Rheinland - Teil 2“), was über diesen Matronenkult im Rheinland bekannt ist.

Das Gebiet, in dem die Matronen eine nachweisbar sehr prominente Rolle spielten, deckt sich laut Martin Mundorf in etwa mit dem Gebiet der Ubier, das wären laut Wikipedia Westgermanen, keine Kelten. Ein Beweis dafür, daß es bei den bayerischen Kelten nicht ein ähnliches Gedankengut gegeben hat, ist es aber nicht. Der Matronenkult könnte ja auf gemeinsame Wurzeln der Indoeuropäer zurückgehen oder von zuvor im Ubiergebiet wohnenden oder später zugezogenen Kelten inspiriert sein. In Bayern hat vielleicht vieles einfach nicht die Zeit und die Ressourcen gefunden um sich in etwas später Nachweisbares zu materialisieren.

Martin Mundorf verweist am Ende seiner Videos auf Unterstützungsmöglichkeiten über ein Video-Liken, ein Kanal-Abonnieren oder über seine Patreon- und Paypal-Links. Ich finde das im Prinzip nicht schlecht und habe jetzt wenigstens mal bei einem Amazon-Weihnachtseinkauf nicht vergessen mich an anderer Stelle an einen Partnerlink zu erinnern. Ich befürchte aber, daß bei unseren eher kleinen Zahlengerüsten nicht soviel rüberkommen wird. Ich hoffe, daß Martin Mundorf die gute Werbung für sein Wissen und seine starke Bildschirmpräsenz durch die Videos sieht und trotz eventueller Feedback-Frustrationen mit den Videos weitermacht.