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Samstag, 24. Dezember 2022

„Theodor Hierneis oder: wie man ehem. Hofkoch wird“

Das Jahr 2022 ist in vielerlei Hinsicht sehr schlecht gelaufen. Die Probleme im engeren Blog-Umfeld sind Vergleich zum stattgefundenen vermeidbaren Leiden in der Welt nicht erwähnenswert. Aber doch vorhanden. Beim Blick nach außen sticht aus der Blog-Perspektive der Manchinger Keltengold-Diebstahl hervor. Dort glaubte man tatsächlich noch etwas in petto zu haben, aber die Hoffnungen haben sich bislang anscheinend nicht erfüllt (siehe den BR-Beitrag „Golddiebstahl von Manching: Keine Bilder von Überwachungskameras“). Und beim Blick nach innen wollte ich dieses Jahr wieder auf eine normalere Blog-Frequenz kommen. Da war wohl nicht soviel davon zu merken.

Ich war zwar immer wieder am Texten, eigentlich sollte etwas Anfang November kommen, das paßt aber jetzt nicht zu Weihnachten. Ich brauche etwas Herauslösendes und empfehle den Film „Theodor Hierneis oder: wie man ehem. Hofkoch wird“ von Hans-Jürgen Syberberg. Der Film wurde im BR an Allerheiligen wiederholt und ist noch bis 26.01.2023 in der Mediathek zugreifbar. Die Wirkung ist natürlich subjektiv, ein in der Wikipedia zitierter Kritiker unterstellte Langatmigkeit. Ich sehe die nicht, ich finde alles gerade richtig und für mich hat er so einen herauslösenden Effekt, auch wenn ich nur ein paar Minuten hineinsehe.

Grundlage des Films sind die Erinnerungen von Theodor Hierneis, einem Hofkoch des bayerischen Königs Ludwig II. Walter Sedlmayr spielt den ehemaligen Hofkoch und führt die Zuschauer zu den einzelnen Stationen seines Berufslebens auf dem Weg zum Hofkoch, wobei man reichlichst die vom eben erwähnten Kritiker festgestellte „Schönheit der Bilder“ zu sehen bekommt. Der Film bringt uns den Mensch König Ludwig II näher und beschreibt die Abläufe, in denen die Essen eingebunden waren. Königstreuen einen bestimmten Essenskanon vorzugeben ist der Film nicht geeignet. Walter Sedlmayr weist als Theodor Hierneis mehrfach auf die Zahnprobleme des Königs hin. Er konnte mit Mitte 20 praktisch nichts mehr abbeißen. Vom König geliebte Gerichte sind mithin unter diesem Aspekt zu sehen.

Der Film wurde ab 1973 öffentlich gezeigt. Die Textvorlagen von Theodor Hierneis erschienen nicht sehr lange zuvor, weil er erst ab 1936 seine Erinnerungen aufgeschrieben haben soll. Im Film erzählt Walter Sedlmayr von in Bereitschaftszeiten gemachten Notizen. So kann das funktioniert haben. Denn die Zeit als Küchenjunge und später als Hofkoch von König Ludwig II lag lange zurück. Hofkoch war Hierneis in den Jahren 1884 bis 1886.

Die Veröffentlichungen kenne ich nicht. Deren Schwerpunkt auf die Gerichte und die Küchenorganisation zur Zeit von Ludwig II zu legen dürfte sich wohl außer wegen den Zahneigenarten des Königs auch deshalb verboten haben, weil in Jahren bis zum Erscheinen der Hierneis-Erinnerungen die Zeit des Wirkens von Auguste_Escoffier lag. Dessen Würdigung im Wikipedia-Artikel betrifft sowohl die Kochkunst als auch Gerichte und die Küchenorganisation. Es gibt einen bisweilen wiederholten Film „Auguste Escoffier. König der Haute-Cuisine“ von 2019, der auch das Heranziehen einer Vielzahl von neuen Köchen in großen renommierten Hotels durch Escoffier und deren Verteilen in führende Küchenpositionen in der Welt beschreibt. Da hatte sich riesig viel getan bis zu den Hierneis-Veröffentlichungen.

Die alten Kochbücher bleiben natürlich trotzdem wegen den damals bekannten Gerichten, den gebräuchlichen Bezeichnungen und den Zutaten interessant. In der Karlsruher Badischen Landesbibliothek gab es 2016 mit so einem Hintergrund eine Ausstellung unter dem Titel „Das Kochbuch in Baden 1770-1950“. Aus dem einleitenden Text über den „Wert historischer Kochbücher“: „Wann tauchen Tomaten oder Artischocken in der badischen Küche auf? Wann verschwinden Singvögel und Flusskrebse daraus? Wann verlor die Kartoffel ihr Image als Armenspeise?“ Eine tolle Ausstellungsidee und man kann sich vorstellen, daß man aus dem Buch eines badischen Hofkochs wie Joseph Willet ableiten kann, was im 19ten Jahrhundert auch bei den bayerischen Hofköchen bekannt war.

Man muß sich vergegenwärtigen, daß man zu der Zeit auch Vorlagen aus der römischen Antike kannte. Ich weiß nichts über die Resonanz zu dem Aspicius zugeschriebenen Buch „Über die Kochkunst“ und die Wikipedia läßt sich darüber auch nicht aus. „Das Gastmahl des Trimalchio“ soll aber nach seiner Wiederentdeckung 1645 und der folgenden Veröffentlichung unter den bedeutendsten Gelehrten der Zeit umstritten gewesen und muß folglich sehr bekannt gewesen sein. Hier wäre wegen dem München-Bezug die literarische Verarbeitung „Trimalchios Fest“ von Belinda Rodik von 2001 zu erwähnen, die in der Folgezeit der Wiederentdeckung spielt. Ich habe es von einem Koch empfohlen bekommen, dem es ganz gut gefallen hat. Eine Kritik aus Historikersicht habe ich jetzt noch nicht gesehen.

Wegen den starken Bezügen zu Gastmählern noch nachdrücklicher zu erwähnen ist die aktuelle Sonderausstellung „Neues Licht aus Pompeji“ in den Münchner Staatlichen Antikensammlungen (die endet Anfang April 2023, wenn sie nicht verlängert wird). Im verlinkten Artikel stellt die LMU-Professorin Ruth Bielfeldt die wichtigste Tagesmahlzeit Cena als etwas vor, zu dem in pompejanischen Familien mehrfach in der Woche geladen wurde. Wo reglementiert war, wer wo lag und was zu sehen war und bei dem Licht als aktiver Gestalter eine Rolle spielte. „Das soziale Leben verdichtete sich im Gastmahl, im Fest. Alles Networking lief über die Cena.“

Und: „.. die römische Cena hatte nichts mit Gemütlichkeit zu tun.“ Nunja, so richtig unangenehm wird es hoffentlich nicht empfunden worden sein. Aber was Walter Sedlmayr als Theodor Hierneis von häufigen einsamen Essen Ludwigs II erzählte, zu denen er nur in seiner Phantasie vorhandene geschichtliche Damen als Gesellschafterinnen empfing, klingt in so einem eventuell stressigen Cena-Zusammenhang dann doch ganz charmant.

Beim Herumhören unter Alleinlebenden, die sich jeden Weihnachtsfeiertag zusammentun oder irgendwo anhängen könnten, wird anscheinend überall mindestens ein freier Tag gewünscht. Anderseits ist das Networking sicher auch eine tolle Sache. Man kann die Gelegenheit nutzen und nach Rezepten und dem Handling von Gerichten fragen, die einem früher gut geschmeckt haben. Oder was bei solchen Events früher immer gut gefallen hat. Wie man bei Ludwig II sieht, gehen sogar fließende Übergänge. Bei manchem wird man zu spät kommen, da bräuchte man eine tatsächlich funktionierende Séance, aber vermutlich dürften etwa wegen dem geänderten Blickwinkel auch vorgestellte Gesprächspartner manchmal ganz anregend sein.

Ich wünsche allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gutes neues Jahr! Und hoffe im nächsten Jahr bewegt sich ganz allgemein alles wieder in besseren Bahnen.

Donnerstag, 3. Juni 2021

Wiederherstellungen im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

2011 waren in meinem Blog aus dem Giebelfeld der Münchner Glyptothek verschwundene Skulpturen ein Thema.

Das Verschwinden geschah unter dem Hintergrund von noch heute sichtbaren Kriegsbeschädigungen des Giebelfeldes. Auffallend etwa der fehlende Unterarm der Athene Ergane in der Mitte oder die fehlenden Köpfe der beiden Skulpturen rechts und links von ihr. Weniger auffallend ist die fehlende Spes, die sich früher auf einem Dreifuß im Kniebereich des Tonbildners direkt links neben der Athene befand. Der Tonbildner sollte nicht dauernd die Athene ansehen, sondern sich mit dem Modellieren der Spes beschäftigen. Der jahrzehntelang seltsam leere Bereich dem rechten Ende des Giebelfeldes zu dürfte hingegen schon einigen aufgefallen sein. Aber nur die wenigsten werden gewußt haben, daß hier einst die „Töpferwaren“ Stamnos ( = antikes Vorrats-Gefäß), Lekythos ( = griechische Vase für Olivenöl) und Kylix ( = flache antike Trinkschale mit Handgriffen) standen. Diese „Töpferwaren“ sind im Rahmen der aktuellen Sanierung der Glyptothek wieder im Giebelfeld aufgestellt worden.

Giebelfeld der Münchner Glyptothek 2011

In meinem Blogeintrag von 2011 ging es darum, daß manche Teile erst nach dem Krieg verschwanden. Dr. Ernst Theodor Mayer, auf dessen Angaben mein damaliger Text beruhte, hatte als direkter Nachfahre des Bildhauers Ernst Mayer, der die Spes und die Töpferwaren seinerzeit ausführte, die Spes noch 1959 im Depot gesehen. Die drei Töpferwaren waren sogar noch nach dem Krieg im Giebelfeld aufgestellt und wurden erst später entfernt. Man kann diesen Sachverhalt via dem Foto aus dem Bildarchiv Foto Marburg „Mittelbau, Portikus, kriegszerstört 1946 Bilddatei-Nr. fm202485“ recht gut zu erkennen. An Vorkriegsbildern böte das Bildarchiv etwa das ältere Foto „Aufnahme-Nr. KBB 811“ und das kurz vor dem Krieg entstandene Foto „Aufnahme-Nr. 75.571“

Giebelfeld der Münchner Glyptothek 2021

Mir sind die wieder aufgestellten Töpferwaren anläßlich des in meinem Eintrag zur Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“ erwähnten Tweets aufgefallen. Im dort eingebundenen Video wollte der Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München Dr. Florian Knauß in seiner Rede die Sanierung nicht in den Vordergrund stellen, da die Bauaußenarbeiten noch bis zum Sommer fortgeführt werden.

D.h. die Sanierung wird nach ihrem Abschluß ein Thema werden und bei dieser Gelegenheit wäre es nett auch mehr über die Veränderungen im Giebelfeld erfahren zu können. Die Giebelfeld-Arbeiten sind im engen Kontext zu Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. entstanden, die aktuell in der Glytothek gewürdigt werden. Das Giebelfeld und seine Historie breiter zu thematisieren läge folglich nicht so sehr aus der Welt. Vielleicht erfahren wir dann, ob die neu aufgestellten Teile Repliken sind oder ob es sich um die Orginale handelt. Und das Schicksal der kleinen Spes bleibt natürlich auch spannend. Auf dem Foto von 1938 kann ich sie auch nicht erkennen, also sie muß einiges erlebt haben - mehr als hundert Jahre im Giebelfeld, dann Depot und wo sie sonst noch hingekommen ist.

Samstag, 1. Mai 2021

„Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“

Als ich am 25. März mein Twitter einschaltete, um mir die Archäologie-Nachrichten anzusehen, wurde mir etwas zu spät der folgende Tweet der Staatlichen Antikensammlungen u. Glyptothek angezeigt: „Große Freude! Wir eröffnen heute Abend 19.30 Uhr mit einem #Livestream die #Glyptothek nach zweijähriger Sanierung + die Sonderausstellung 'Bertel #Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische #Bildhauer in bayerischem Auftrag' Livestream auf YouTube:“

Der Livestream war etwas verwirrend, weil ich in einen vorab erstellten abschließenden Teil mit einer kleinen Ausstellungsführung geraten bin. Dabei nebenher auf der Museumswebsite Hilfe zu suchen und ein „Eröffnung so bald wie möglich - 25.07.2021“ zu finden, trug auch nicht zu meiner Erhellung bei.

Nach Ende des Events konnte man den Film ganz vorne am Beginn starten, da war die Mischung aus Konserve und Live schnell erkennbar. Zunächst werden Bilder von der mittlerweile fast abgeschlossenen Sanierung der Glyptothek gezeigt. Dann kommt als Live-Teil die Rede von Dr. Florian Knauß, dem Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München. In diesen Teil sind Grußworte der dänischen Botschafterin Susanne Hyldelund und die Eröffnung durch den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler eingebunden. Schließlich gibt es von Dr. Knauß noch die erwähnte Ausstellungführung.

Münchner Glyptothek am 21. April 2021

Aktuell steht ein „26.03.2021 - 25.07.2021“ auf der Ausstellungswebseite. Wobei man letzte Woche, als ich zum Fotografieren vorbei kam, „bis mindestens Sonntag“ nicht in die Ausstellung hinein durfte. Wegen möglichen späteren Terminen sollte ich mich am besten bei München Ticket informieren.

Die Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag" ist in einen größeren Rahmen von Thorvaldsen-Ausstellungen in Italien, Dänemark und Deutschland anläßlich dessen 250stem Geburtstag am 19.11.2020 eingebunden. Die Münchner Ausstellung liegt da relativ zu den anderen Ausstellungen etwas spät. Ich habe aber keine Ahnung, ob dadurch eine Ausstellungsverlängerung möglich ist oder die Leihgaben im Juli wieder auf die Reise müssen.

Kurfürst Maximilian I. auf dem Wittelsbacher Platz nach einem Modell von Bertel Thorvaldsen

In der Rede von Dr. Knauß und in seiner kurzen Ausstellungsführung wird die Verwobenheit von Thorvaldsens Werk mit der Antike deutlich. Thorvaldsen fungierte als Berater beim Ankauf von Antiken und war als Restaurator und Ergänzer der häufig fragmentarisch überlieferten Teile tätig. Unter diesen Antiken wären hier wegen ihrer herausragenden Bedeutung zuvörderst die Ägineten in der Münchner Glyptothek zu nennen. Die später wieder entfernten Thorvaldsen-Ergänzungen waren 2011 Thema der Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“. In seiner Ausstellungsführung zeigt Florian Knauß aber auch ein Antiken-Beispiel in der Glyptothek, an dem die Thorvaldsen-Ergänzungen erhalten geblieben sind.

Daneben gibt es in der Ausstellung mit einer Spes ein eigenständiges, aber direkt an die Antike anknüpfendes Werk Thorvaldsens zu sehen. Nach Dr. Knauß ist die Spes möglicherweise von Figuren angeregt, die ebenfalls den Tempel der Aphaia auf Ägina geschmückt haben. Näheres zu den von Bertel Thorvaldsen ergänzten Koren des westlichen Firstakroters des Aphaia-Tempels kann man in meinem alten Beitrag „'Spes' von Bertel Thorvaldsen“ nachlesen, der inhaltlich bestens von einem Nachfahren eines seinerzeit beteiligten Bildhauers bestückt wurde.

Replik einer von Bertel Thorvaldsen ergänzten Aphaia-Tempelkore an der Villa Stuck

Die Spes muß Thorvaldsen laut Dr. Knauß sehr wichtig gewesen sein, da er später ein Selbstbildnis mit Spes geschaffen hat. Zwei Jahrzehnte später entstand eine lebensgroße Marmorversion davon, die man nach Abschluß der Außenarbeiten an der Glytothek hoffentlich dann wieder in ihrer Nische in der Ostfassade der Glyptothek sehen kann.

Dienstag, 1. März 2016

Dr. Christian Köllerers Notizen

„Dr. Christian Köllerers Notizen – Mehr als 2500 Wiener Notizen über Klassiker, Kulturelles und Reisen“ — wer den Blog noch nicht kennt, möge mal reinsehen. Bei der Durchsicht des sehr reichhaltigen, über viele Jahre entstandenen Angebots helfen „Kategorien“. Etwa aus der Perspektive meines Filters „graue Vorzeit bis Spätantike“ die Kategorien „Kategorie Antike (Geschichte)“ oder die „Kategorie Antike (Klassiker)“.

Zur Zeit ist Dr. Christian Köllerer auf einer Studienreise durch Mexiko, Guatemala und Honduras, von der er auf Twitter Kurznachrichten und auf seinem Facebook-Album Fotos einstellt. Und vielleicht gibt es von dieser Studienreise auch noch irgendwann einen Bericht wie etwa den von seiner Reise nach Peru und Bolivien: „Wo Jesus Meerschweinchen verspeist“.

Freitag, 13. April 2012

Schlossgarten Schwetzingen - Merkurtempel, Moschee und Minervatempel

Mit den Fotos von Merkurtempel, Moschee und Minervatempel endet die kleine Schwetzingen-Serie. In Teil 1 gab es den Apollotempel und in Teil 2 den Tempel der Botanik und das Wasserkastell.

Die Tempel und die Römische Ruine beziehen sich alle direkt auf die Antike und unter dem Gesichtspunkt wollte ich diese Sammlung im Schwetzinger Schlossgarten auch in den Blog nehmen. Die Moschee fällt zeitlich aus diesem Rahmen, ist aber wunderschön und wir sind dort länger hängengeblieben. Also kommt sie irgendwie mit Wurzeln des Islams in der Spätantike auch herein.

Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten

Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten

Reiher im Schwetzinger Schlossgarten

Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten

Wir haben natürlich nicht nur Ziele angesteuert, die sich den Blog-Grenzen graue Vorzeit bis Spätantike zuordnen lassen. Wir haben auch sonst den schönen Park bewundert, haben eine Schlossführung mitgemacht und sind für einen Imbiss im Schloss-Restaurant gewesen. Nach Internet hat das den Pächter gewechselt, sollte aber jetzt passend zur Spargelzeit wieder eröffnet sein. Die Schlossführung fand ich sehr empfehlenswert. Allerdings war bei uns - Mitte September - alles sehr entspannt. Ich weiß nicht wie das abläuft, wenn tatsächlich viertelstündliche Führungen stattfinden.

Moschee im Schwetzinger Schlossgarten

Moschee im Schwetzinger Schlossgarten

Moschee im Schwetzinger Schlossgarten

Wie zu sehen ist, wurde der Merkurtempel letztes Jahr noch restauriert. Das entspricht dem in der Wikipedia angegebenen Stand von 2010. In der Wikipedia werden zwei Positionen bei der Deutung der Ruine gegenübergestellt, im sehr lesenswerten Text von Sonja Behrens wird nur eine der beiden Positionen erwähnt, dafür aber einige weitere Fragen aufgeworfen. Aber „die eigentliche Bedeutung des Gebäudes ist nicht bekannt.“

Minervatempel im Schwetzinger Schlossgarten

Minervatempel im Schwetzinger Schlossgarten

Minervatempel im Schwetzinger Schlossgarten

Minervatempel im Schwetzinger Schlossgarten

Der Reiher in der Serie der Merkurtempel-Fotos ist von der Brücke im zweiten Bild aufgenommen. Auf der anderen Seite der Brücke sahen einige große Karpfen aus dem Wasser, die eventuell in Zeiten des volleren Parks an eine Fütterung gewöhnt wurden. Wie der zierliche Reiher mit den großen Karpfen zusammenpasst war auch ein Rätsel des Gartens. Beim letzten Bild vom Minervatempel hatte ich das Glück, daß wir von hinten gekommen sind (wären wir sonst um den Tempel herumgegangen?). Das ist der in der Wikipedia erwähnte Zugang zum von Pan regierten Raum unterhalb des Tempels.

Mittwoch, 11. April 2012

Schlossgarten Schwetzingen, Tempel der Botanik und Wasserkastell

Nach dem ersten Teil mit dem Apollotempel folgen nun die Fotos vom Tempel der Botanik (bzw. „Tempel der Waldbotanik“) und dem Römischen Wasserkastell. Beide liegen ganz rechts auf dem Plan im ersten Bild.

Plan Schlossgarten Schwetzingen

Wenn man etwas herumsurft, findet man in beiden Fällen Unsicherheiten und Unterschiede in den Beschreibungen und bei den Bezeichnungen. Man bekommt den Eindruck, daß es keine Orginalquellen mehr dazu gibt, was man damals im Einzelnen ausdrücken wollte. Man sollte sich vor dem Besuch einlesen und vor Ort seine eigenen Gedanken machen. Wir waren für Heidelberg ausgerüstet und haben kurzfristig umdisponiert. Bereut haben wir das keine Minute. Aber wir wußten nicht, daß wir außen am Tempel der Botanik auf die Ähnlichkeit mit einem Baumstamm (der Rauputz soll Rinde darstellen) und im Tempel auf die abgedeckte Öffnung in der Mitte hätten achten müssen (ein Bild von dieser Abdeckung gibt es hier bei zum.de). Die Ceres habe ich durch die geschlossene Tür wenigstens fotografiert. Ihre Bezeichnung verschwimmt im Netz teilweise zur „Figur der Botanik“. Ich würde das bei der Ceres/Demeter belassen und ergänzend auf das im Agrigent-Eintrag ausgelassene Bild eines Orginal-Altars hinweisen.

Tempel der Botanik im Schwetzinger Schlossgarten

Tempel der Botanik im Schwetzinger Schlossgarten

Ceres/Demeter im Tempel der Botanik

Die Bezeichnung „Römisches Wasserkastell“ ist verwirrend - was soll dafür die Vorlage gewesen sein? Vor Ort ist die Anlage einigermaßen selbsterklärend: ein „Verteilergebäude“, selbst eine Ruine, von dem zwei verfallene Wasserleitungen abgehen. Von hinten führt ein noch funktionierendes Aquädukt Wasser heran, das wohl aufgrund der „Zerstörungen“ durch das „Verteilergebäude“ nach unten läuft. Vorlage für dieses Gebäude, in dem man in den Turm aufsteigen kann, sollen antike Verbindungen von Torbögen und Aquädukten sein. Ursprünglich eher als „Römische Ruine“ entstanden, soll der irreführende Name „Wasserkastell“ erst 50 Jahre nach der Fertigstellung aufgekommen sein.

Römische Ruine im Schwetzinger Schlossgarten

Römische Ruine im Schwetzinger Schlossgarten

Römische Ruine im Schwetzinger Schlossgarten

Römische Ruine im Schwetzinger Schlossgarten

Samstag, 7. April 2012

Schlossgarten Schwetzingen, Apollotempel

Die Fotos sind Mitte September letzten Jahres im Schwetzinger Schlossgarten entstanden. Schwetzingen liegt wenige Kilometer westlich von Heidelberg. Hingefahren sind wir von meinem Zweitausgangspunkt bei Karlsruhe. Mindestens in diesem Radius um das Schwetzinger Schloss brauche ich keine Werbung machen - die meisten sollten davon wissen, und viele waren schon dort. Unbekannt dürfte Schloss und Schlossgarten aber vielen Bayern sein, obwohl es der Garten ihres ehemaligen Landesherren Karl Theodor gewesen ist.

Schloss Schwetzingen

Der bayerische König Ludwig I. ist hier im Blog durch seine im Agrigent-Eintrag beschriebene Griechen-Begeisterung sowie mittelbar durch den Kauf der Ägineten und den Bau von Glyptothek und Antikensammlungen schon öfters präsent gewesen. Nicht zu vergessen das Münchner Oktoberfest, das seinen Ursprung in der Hochzeit das damaligen Kronprinzen hat.

Schwetzinger Schlossgarten

Ludwig I. übernahm die Regentschaft von seinem Vater, Maximilian I., und Maximilian folgte als nächster Verwandter auf Karl Theodor, der unter seinen Nachkommen keinen legitimen Thronfolger hinterließ. Zu den Herrschern und zum Schwetzinger Schloss und Garten gibt es viel Text in der Wikipedia, so daß ich mich mehr auf die Fotografien beschränken will, zunächst vom Apollotempel.

Apollotempel im Schwetzinger Schlossgarten

Apollotempel im Schwetzinger Schlossgarten

Apollotempel im Schwetzinger Schlossgarten

Apollotempel im Schwetzinger Schlossgarten

Apollotempel im Schwetzinger Schlossgarten

Apollotempel im Schwetzinger Schlossgarten

Apollotempel im Schwetzinger Schlossgarten

Freitag, 23. Dezember 2011

Die Bikini-Mädchen

Zu Weihnachten und der Wende zu den länger werdenden Tagen gibt es von mir die Bikini-Mädchen. Wenn im Zusammenhang mit Archäologie-Touren das Stichwort „Bikini-Mädchen“ fällt, dann sind meistens die von der Villa Romana del Casale gemeint. Die Villa Romana del Casale ist zugleich das noch ausstehende Ziel der Sizilien-Serie, diese Blog-Einträge starteten letztes Jahr mit dem Blog-Eintrag „Sizilien, mit Familienanschluß“.

Bikini-Mädchen in der Villa Romana del Casale

Bikini-Mädchen in der Villa Romana del Casale

Die Bezeichnungen sind etwas unterschiedlich, die Wikipedia nennt neben „Villa Romana del Casale“ auch „Villa del Casale“ und „Villa von Piazza Armerina“. Gemeint ist eine Luxusvilla aus der Römerzeit, die vor allem durch die großflächigen und sehr gut erhaltenen Bodenmosaike bekannt geworden ist. Piazza Armerina ist eigentlich die nahegelegene Stadt, wird aber manchmal wie im Fall einer der erwähnten Begleitreisen zum „Licht des Südens“ ebenfalls für dieses Ziel verwendet (Ich hoffe es ist so, die können ja dort unmöglich die Villa del Casale auslassen).

Straße zur Villa Romana del Casale

Die Besichtigung Villa Romana del Casale könnte man wie im fünften Teil Agrigent beschrieben mit Morgantina und Enna zusammenfassen. Morgantina scheint mir hierzulande etwas zu wenig beachtet zu werden. Damals zum Zeitpunkt des Blog-Eintrags sichtbar an der gerade aktuellen Rückkehr der Aphrodite, die englischsprachig gut präsent und deutschsprachig fast nicht zu finden war. Enna, nach der Wikipedia „Belvedere (Aussichtspunkt) oder aufgrund ihrer strategisch wichtigen, zentralen Lage im Inselinneren Nabel Siziliens genannt“, kam eine wichtige Rolle in den antiken Ausseinandersetzungen auf der Insel zu.

Villa Romana del Casale

Der Wikipedia-Artikel zur Villa del Casale erwähnt eine in 300 Metern Entfernung verlaufende „Fernstraße von Akragas (dem heutigen Agrigent) nach Catania“, das wäre also südlich von Enna. Heute führt die Straße von Agrigento zur nördlich von Enna verlaufenden Autobahn Palermo - Catania. Also wenn man wie wir damals aus der Gegend von Agrigent anfährt, dann leitet einen das Navi vorher von der Strecke Richtung Enna und Catania ab. Wir sind dann abends zurück und bald darauf die Teilstrecke wieder in Richtung Flughafen Catania gefahren. Wir hatten ja unser Häuschen auf dem Lande. Besichtigungstechnisch optimaler wäre eine Übernachtung in der Gegend vor dem Abflugtag in Catania gewesen, dann hätten wir mehr Zeit in der Villa verbringen und am anderen Morgen noch etwas anderes ansehen können.

Villa Romana del Casale

Villa Romana del Casale

Der antiken Eingangsbereich der Villa befindet sich auf der Talsohle, nach hinten zu wirkt die Villa heute in den Berg/Hang hinein gebaut. Für den guten Erhaltungszustand der Mosaiken waren sehr wahrscheinlich die Erdrutsche entscheidend, die sie von der Bergseite aus verschüttet haben. Aber so fehlt mir die Vorstellung, wie das Gelände zur Zeit des Baus der Villa ausgesehen hat. Ist besonders die Villa von Erdrutschen betroffen gewesen, ist das ganze Gelände drumherum abgerutscht und man hat lokal Flächen freigelegt? Jedenfalls führt eine Stichstraße erhöht über der Talsohle hin zur Villa. Vor dem Zugang zur Villa geht ein breiter Abzweig bergseitig auf einen großen Parkplatz und die Straße ist dann im weiteren Verlauf mit Ständen wie im dritten Bild gesäumt. Auf der Hinfahrt haben wir uns auf den letzten Metern der Straße bis zum Parkplatz gerade so zwischen parkenden und manöverierenden Bussen durchgeschlängelt, das sah nach unlösbaren Problemen aus. Mitten in der Einfahrt zum Parkplatz gab ein Mann Kommandos (da hinüber, ein Euro) und vermittelte Sicherheit. Als wir zurückkamen, konnten wir problemlos wieder heimfahren.

Villa Romana del Casale


Über die Problemlösungskompetenz der Sizilianer rätsele ich nicht mehr, die nehme ich einfach hin. Die Stände haben mich gewundert. So ziemlich alles, was man an einem Stand kaufen konnte, konnte man an mehreren anderen Ständen auch kaufen. Es ging dann irgendwann eine Treppe hinunter, rechts ein Gebäude mit WC (kostenlos), Sättigungspizzaeck (3 Euro), Kaffee (1 Euro) und Infostand, links ging es zur Kasse (3 Euro Eintritt) und zur Villa. Die günstigen Preise habe ich mir 2009 notiert.

Villa Romana del Casale

Wie auf den Bildern zu sehen ist, wird außen auch noch richtig gebaut und innen offenbar fortwährend konserviert und vermutlich auch repariert. Die Mosaiken sind weitgehend überdacht, außerdem muß man meist oberhalb der Mosaiken auf Stegen bleiben. So empfindlich scheint der Boden aber nicht zu sein, stellenweise darf man auch direkt auf ihm herumlaufen. Und manche dürfen das überall machen. Wir haben einen vermutlichen Journalisten mit Helferling etwas desorientiert von einem für den Normalbesucher gesperrten Bereich in den nächsten rennen sehen, außerdem auch eine Fotografin, die von einem erklärenden Mann zu bestimmten Punkten geführt wurde. Wegen dem unten herumlaufen können habe ich die nicht so unbedingt beneidet, das funktioniert mit den Stegen schon ganz gut. Leider waren aber hintere Bereiche der Villa ganz gesperrt, da konnten die Normalbesucher selbst über Stege nicht hinein.

Villa Romana del Casale

Villa Romana del Casale

Die Masse der Mosaiken war dennoch erschlagend. Ich hatte am Ende des Durchgangs das Gefühl, noch nichts richtig gesehen zu haben, wozu sicher auch das dauernde Fotografieren beigetragen hat. Ich wäre am liebsten wieder zurück auf den Start, man hätte auch problemlos wieder zurücklaufen können und wahrscheinlich sollte man gleich zwei Durchgänge einplanen. Die Reisegruppen waren wieder viel schneller als wir. Aufbau der Gruppe, Vortrag, dann weiter zum nächsten Station. Vielleicht gab es für die zur Entschädigung nach einem Essen in Piazza Armerina noch einen schönen Stadtspaziergang oder sie haben die antiken Anlagen von Morgantina an dem Tag noch mitgenommen. Naja, beides vermutlich.

Donnerstag, 22. September 2011

Bilder vom Oktoberfest

Ein paar heute aufgenommene Bilder vom Oktoberfest. Den Bezug des Oktoberfestes zu meinen Blog-Grenzen graue Vorzeit bis Spätantike kriegen wir doch locker irgendwie über Ludwig I. und seine Antiken-Begeisterung hin, siehe Agrigent, erster Teil. Die Hochzeit Ludwigs gab ja den Anlaß für das Oktoberfest. Und steht hier nicht immer noch Ludwigs Bavaria über allem, nach der Wikipedia seit der Antike die erste Kolossalstatue ganz aus gegossener Bronze?

Münchner Oktoberfest 2011 Münchner Oktoberfest 2011 Münchner Oktoberfest 2011 Münchner Oktoberfest 2011 Münchner Oktoberfest 2011 Münchner Oktoberfest 2011 Münchner Oktoberfest 2011 Münchner Oktoberfest 2011