Posts mit dem Label Aegineten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Aegineten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. Juni 2021

Wiederherstellungen im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

2011 waren in meinem Blog aus dem Giebelfeld der Münchner Glyptothek verschwundene Skulpturen ein Thema.

Das Verschwinden geschah unter dem Hintergrund von noch heute sichtbaren Kriegsbeschädigungen des Giebelfeldes. Auffallend etwa der fehlende Unterarm der Athene Ergane in der Mitte oder die fehlenden Köpfe der beiden Skulpturen rechts und links von ihr. Weniger auffallend ist die fehlende Spes, die sich früher auf einem Dreifuß im Kniebereich des Tonbildners direkt links neben der Athene befand. Der Tonbildner sollte nicht dauernd die Athene ansehen, sondern sich mit dem Modellieren der Spes beschäftigen. Der jahrzehntelang seltsam leere Bereich dem rechten Ende des Giebelfeldes zu dürfte hingegen schon einigen aufgefallen sein. Aber nur die wenigsten werden gewußt haben, daß hier einst die „Töpferwaren“ Stamnos ( = antikes Vorrats-Gefäß), Lekythos ( = griechische Vase für Olivenöl) und Kylix ( = flache antike Trinkschale mit Handgriffen) standen. Diese „Töpferwaren“ sind im Rahmen der aktuellen Sanierung der Glyptothek wieder im Giebelfeld aufgestellt worden.

Giebelfeld der Münchner Glyptothek 2011

In meinem Blogeintrag von 2011 ging es darum, daß manche Teile erst nach dem Krieg verschwanden. Dr. Ernst Theodor Mayer, auf dessen Angaben mein damaliger Text beruhte, hatte als direkter Nachfahre des Bildhauers Ernst Mayer, der die Spes und die Töpferwaren seinerzeit ausführte, die Spes noch 1959 im Depot gesehen. Die drei Töpferwaren waren sogar noch nach dem Krieg im Giebelfeld aufgestellt und wurden erst später entfernt. Man kann diesen Sachverhalt via dem Foto aus dem Bildarchiv Foto Marburg „Mittelbau, Portikus, kriegszerstört 1946 Bilddatei-Nr. fm202485“ recht gut zu erkennen. An Vorkriegsbildern böte das Bildarchiv etwa das ältere Foto „Aufnahme-Nr. KBB 811“ und das kurz vor dem Krieg entstandene Foto „Aufnahme-Nr. 75.571“

Giebelfeld der Münchner Glyptothek 2021

Mir sind die wieder aufgestellten Töpferwaren anläßlich des in meinem Eintrag zur Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“ erwähnten Tweets aufgefallen. Im dort eingebundenen Video wollte der Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München Dr. Florian Knauß in seiner Rede die Sanierung nicht in den Vordergrund stellen, da die Bauaußenarbeiten noch bis zum Sommer fortgeführt werden.

D.h. die Sanierung wird nach ihrem Abschluß ein Thema werden und bei dieser Gelegenheit wäre es nett auch mehr über die Veränderungen im Giebelfeld erfahren zu können. Die Giebelfeld-Arbeiten sind im engen Kontext zu Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. entstanden, die aktuell in der Glytothek gewürdigt werden. Das Giebelfeld und seine Historie breiter zu thematisieren läge folglich nicht so sehr aus der Welt. Vielleicht erfahren wir dann, ob die neu aufgestellten Teile Repliken sind oder ob es sich um die Orginale handelt. Und das Schicksal der kleinen Spes bleibt natürlich auch spannend. Auf dem Foto von 1938 kann ich sie auch nicht erkennen, also sie muß einiges erlebt haben - mehr als hundert Jahre im Giebelfeld, dann Depot und wo sie sonst noch hingekommen ist.

Samstag, 1. Mai 2021

„Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“

Als ich am 25. März mein Twitter einschaltete, um mir die Archäologie-Nachrichten anzusehen, wurde mir etwas zu spät der folgende Tweet der Staatlichen Antikensammlungen u. Glyptothek angezeigt: „Große Freude! Wir eröffnen heute Abend 19.30 Uhr mit einem #Livestream die #Glyptothek nach zweijähriger Sanierung + die Sonderausstellung 'Bertel #Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische #Bildhauer in bayerischem Auftrag' Livestream auf YouTube:“

Der Livestream war etwas verwirrend, weil ich in einen vorab erstellten abschließenden Teil mit einer kleinen Ausstellungsführung geraten bin. Dabei nebenher auf der Museumswebsite Hilfe zu suchen und ein „Eröffnung so bald wie möglich - 25.07.2021“ zu finden, trug auch nicht zu meiner Erhellung bei.

Nach Ende des Events konnte man den Film ganz vorne am Beginn starten, da war die Mischung aus Konserve und Live schnell erkennbar. Zunächst werden Bilder von der mittlerweile fast abgeschlossenen Sanierung der Glyptothek gezeigt. Dann kommt als Live-Teil die Rede von Dr. Florian Knauß, dem Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München. In diesen Teil sind Grußworte der dänischen Botschafterin Susanne Hyldelund und die Eröffnung durch den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler eingebunden. Schließlich gibt es von Dr. Knauß noch die erwähnte Ausstellungführung.

Münchner Glyptothek am 21. April 2021

Aktuell steht ein „26.03.2021 - 25.07.2021“ auf der Ausstellungswebseite. Wobei man letzte Woche, als ich zum Fotografieren vorbei kam, „bis mindestens Sonntag“ nicht in die Ausstellung hinein durfte. Wegen möglichen späteren Terminen sollte ich mich am besten bei München Ticket informieren.

Die Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag" ist in einen größeren Rahmen von Thorvaldsen-Ausstellungen in Italien, Dänemark und Deutschland anläßlich dessen 250stem Geburtstag am 19.11.2020 eingebunden. Die Münchner Ausstellung liegt da relativ zu den anderen Ausstellungen etwas spät. Ich habe aber keine Ahnung, ob dadurch eine Ausstellungsverlängerung möglich ist oder die Leihgaben im Juli wieder auf die Reise müssen.

Kurfürst Maximilian I. auf dem Wittelsbacher Platz nach einem Modell von Bertel Thorvaldsen

In der Rede von Dr. Knauß und in seiner kurzen Ausstellungsführung wird die Verwobenheit von Thorvaldsens Werk mit der Antike deutlich. Thorvaldsen fungierte als Berater beim Ankauf von Antiken und war als Restaurator und Ergänzer der häufig fragmentarisch überlieferten Teile tätig. Unter diesen Antiken wären hier wegen ihrer herausragenden Bedeutung zuvörderst die Ägineten in der Münchner Glyptothek zu nennen. Die später wieder entfernten Thorvaldsen-Ergänzungen waren 2011 Thema der Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“. In seiner Ausstellungsführung zeigt Florian Knauß aber auch ein Antiken-Beispiel in der Glyptothek, an dem die Thorvaldsen-Ergänzungen erhalten geblieben sind.

Daneben gibt es in der Ausstellung mit einer Spes ein eigenständiges, aber direkt an die Antike anknüpfendes Werk Thorvaldsens zu sehen. Nach Dr. Knauß ist die Spes möglicherweise von Figuren angeregt, die ebenfalls den Tempel der Aphaia auf Ägina geschmückt haben. Näheres zu den von Bertel Thorvaldsen ergänzten Koren des westlichen Firstakroters des Aphaia-Tempels kann man in meinem alten Beitrag „'Spes' von Bertel Thorvaldsen“ nachlesen, der inhaltlich bestens von einem Nachfahren eines seinerzeit beteiligten Bildhauers bestückt wurde.

Replik einer von Bertel Thorvaldsen ergänzten Aphaia-Tempelkore an der Villa Stuck

Die Spes muß Thorvaldsen laut Dr. Knauß sehr wichtig gewesen sein, da er später ein Selbstbildnis mit Spes geschaffen hat. Zwei Jahrzehnte später entstand eine lebensgroße Marmorversion davon, die man nach Abschluß der Außenarbeiten an der Glytothek hoffentlich dann wieder in ihrer Nische in der Ostfassade der Glyptothek sehen kann.

Montag, 10. Oktober 2011

Marathon in München

Gestern war in München Marathon und wir waren als Zuschauer auf dem Königsplatz dabei. Für die Gesamtstreckenläufer ging es etwa bei Kilometer 34,5 auf den Königsplatz, es kamen aber auch die Läufer vom Staffelmarathon durch.

München Marathon vor der Glyptothek

Die Hauptattraktion auf dem Königsplatz war neben den Läufern eine Gruppe Samba-Trommler (das müßte die Bateria Z gewesen sein). Als wir gingen, hatten sie sich beim Zuschauerinteresse klar gegen die restlichen Läufer durchgesetzt. Seitens Glyptothek und Antikensammlungen war keine besondere Aktion zu sehen, also daß etwa die Fahnen mit den Ausstellungshinweisen kurzfristig durch „Erster Marathonlauf vor 2500 Jahren“ oder so ersetzt worden wären.

München Marathon vor den Propyläen

Nach gegenseitigem Desinteresse in München sah es schon zu Zeiten dieser Linksichtung im August aus. Anderseits hat mit Etsdorf vor einer Woche ein Marathon explizit in Erinnerung des antiken Laufs funktioniert, wenn auch zahlenmäßig verglichen mit München auf sehr kleinem Niveau.

München Marathon vor den Propyläen

Und der ehemalige Chef von Glyptothek und Antikensammlungen, Prof. Dr. Raimund Wünsche, hat im Gespräch mit der FAZ die Sportlichkeit der Griechen erwähnt: „Platon war ein erfolgreicher Ringer! Es gab Politiker, die zuvor Boxgiganten waren. Sport, Geist, Politik gleichwertig nebeneinander ist für uns schwer vorstellbar.“ Ist es vielleicht doch, vielen der Laufteilnehmer gestern würde so ein altgriechisches Lebensgefühl vermutlich nahe liegen.

München Marathon vor den Antikensammlungen

Die Resonanz auf das 2500jährige Schlachtjubiläum war allerdings generell nicht so groß - „dem Ereignis, das in der heutigen Tagespresse relativ unbekannt ist“ schreibt Dr. Jörn Kobes am Jahrestag der Schlacht. Wer mehr Auseinandersetzung mit dem Thema haben will, für den gibt es von ihm im Blog-Eintrag „Marathon – eine Podcast-Serie“ den Link www.marathon2500.org zu einer Vortragsreihe „bekannter Altertumswissenschaftler um Paul Cartledge “, deren Beiträge „(fast) alle“ „als Podcast erreichbar“ sind.

München Marathon vor den Antikensammlungen

Die Fotos vom Königsplatz will ich nutzen einen Hinweis von Dr. Ernst Theodor Mayer weiterzugeben. Er hatte mir anläßlich der Bilder von Glyptothek und Antikensammlungen im Blog-Eintrag „Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek“ empfohlen, unter das eine "ionisch" (e Säulen) und unter das andere "korinthisch" (e Säulen) zu schreiben, sowie unter eine Propyläen-Abbildung "dorisch" (e Säulen) „- Denn viele sehen das nicht“. Raimund Wünsche hat in München TV ebenfalls auf die unterschiedlichen Säulen hingewiesen („nirgends kann man's so leicht lernen wie am Königsplatz“).

München Marathon vor der Glyptothek

Bei einem anderen Punkt, der oft nicht auffällt, den fehlenden Figuren im Giebelfeld der Glyptothek, gab es bislang keine Antworten auf die damals gestellte Frage, ob jemand Kenntnisse über deren Verbleib hat.

München Marathon vor den Propyläen

Abschließend wäre noch auf die Lange Nacht der Münchner Museen am nächsten Samstag hinzuweisen, das Programm gibt es bei www.muenchner.de. Die Glyptothek lockt zur „Kampf um Troja“-Ausstellung mit „Konservatoren und Restauratoren“, die „technische und inhaltliche Fragen der Ergänzungstechnik“ erläutern und „neue Forschungsergebnisse zur Farbigkeit der Skulpturen“ vorstellen.

Sonntag, 7. August 2011

Mixed Links, zweiter Teil

Im Eintrag zu den Stonehenge-Klonen hatte ich die Glyptothek Etsdorf zwar schon erwähnt, aber mich im folgenden Jahr bei meinem Glyptothek-Eintrag an dieses Projekt nicht mehr erinnert. Ich hätte die Glyptothek Etsdorf aber auch nicht in einem Atemzug zusammen mit der Münchner und der Kopenhagener Glyptothek erwähnt, weil dieses Projekt in einer ganz anderen Liga spielen muß.

Die Glyptothek Etsdorf wurde immer noch nicht gebaut. Einen Bauplatz gibt es aber schon, und bei dem wird am 3.10. ein Tempel-Marathon gestartet, der anläßlich des 2500. Jahrestages der Schlacht von Marathon erstmals stattfindet. Ein Schirmherr ist Dr. Florian S. Knauß, Sammlungsleiter der Staatlichen Antikensammlungen und der Glyptothek München. Ich sehe jetzt bei den Veranstaltungen der Münchner Glyptothek keinen Hinweis auf den Etsdorfer Marathonlauf. Auch nicht auf den in München, der eine Woche später am 9.10. stattfindet. Auf der Website der Münchner Marathon-Leute sehe ich beim schnellen Durchklicken wiederum nichts über den 2500. Jahrestag der Schlacht. Die Strecke führt aber wenigstens an der Glyptothek vorbei.

Auf die Theaterspiele im Innenhof der Glyptothek wird auf der Glyptotheks-Website dagegen schon hingewiesen. Dort kann man noch bis Mitte September die „Die Frösche“ von Aristophanes und „Amphitryon“ von Kleist ansehen.

Es sind noch die schönen Bilder vom Aphaia-Tempel auf der griechischen Insel Ägina auf der Website der Glyptothek Etsdorf zu erwähnen. Zwei Bilder vom Tempel und drei aus dem dortigen Museum von Dr. Ernst Theodor Mayer hatte ich ja auch im Blog („Spes von Bertel Thorvaldsen“).

Passend zum Münchner Wetter wurde heute die Vorstellung im Innenhof der Glyptothek abgesagt. Aber das viele Wasser ist eine gute Überleitung zum Großen Brombachsee, wo Regensburger Studenten Tests mit einem römischen Flusskriegsschiff durchführten und ihre Muskelkraft trainierten, wie in zwei Artikeln der Nürnberger Nachrichten zu lesen ist: „Brombachsee: Studenten rudern wie die Römer“ und „Römer-Kriegsschiff in friedlicher Mission“. Die Online-Artikel kamen ziemlich spät, es wäre interessant gewesen den Schiffsmanövern eine Zeitlang zuzusehen, aber dieses Wochenende ist schon Schluß gewesen. Als Ersatz gibt es wenigstens ein kleines Video zum Text.

Die Terminsachen sind damit durch, die „Archäologie für Kinder“ sollte bei freier Terminvereinbarung buchbar sein. Die Münchnerin Birgit Kahler ist archäologische Fachfrau und bietet Workshops für Kindergärten, Schulen und für Kindergeburtstage.

Der nächste Link ist ziemlich frisch im Geschichtsmagazin Chronico erschienen. Eine Bilder-Serie über eine 22-tägige Trekkingtour in Peru unter dem Titel „Besuch in Tawantinsuyu“ von Michael Schwarzenberger.

Zwei Themen mit hoher Medienresonanz in den letzten Wochen: eines war die Frage, ob der moderne Mensch allein durch zahlenmäßige Überlegenheit die Neandertaler verdrängt hat. Die Resonanz verstand ich nicht so, der Gedanke wurde schon früher geäußert und es liegt jetzt nur eine Auswertung mit kleinen Fundzahlen in einem beschränkten Gebiet zugrunde. Vielleicht ein Medienreflex - Neandertalergeschichten haben immer gezogen und jetzt ist wieder eine da und völlig wurscht wie gehaltvoll die ist, die muß gebracht werden.

Beim anderen Thema ging es um den Fund „unscheinbarer Ritzungen auf Tropfsteinen in der Mäander-Höhle bei Bamberg“, wie Rainer Schreg unter dem Titel „Rotlicht statt Wissenschaft - übereilter Medienrummel um die Mäanderhöhle“ schreibt. Da haben die Medien das Thema nicht nur abgearbeitet, sondern sich richtig kreativ eingebracht. Rainer Schreg nimmt sich dessen an. Interessant ist auch das Drumherum, das durch die Kommentare noch deutlicher wird. Geheimhaltung der Höhle über lange Jahre, Bekanntwerden, Zerstörungen.

Nun zwei Beiträge zum Thema Orakel: Phemios Aoidos hat das Amphiareion von Oropos besucht, und Jörn Kobes hat ein paar Internetquellen zum Orakel von bzw. Apollon-Tempel in Abai zusammengefasst und mit einer erläuternden Einleitung versehen. Zum Thema Orakel will ich auch die von Addi Koch gegebene Buchempfehlung „Das Geheimnis der Orakel“ von Philipp Vandenberg weitergeben.

Nach Addi Koch wäre das ein Forschungs- und Reisebericht. Philipp Vandenberg hat neben Sachbüchern auch Krimis und Romane geschrieben - ich habe mich da gleich kundig gemacht. Daß ich mich kundig machen mußte, wird die Fans historischer Romane vielleicht auf den Gedanken bringen, daß ich auf dem Gebiet nicht sonderlich bewandert bin. Das stimmt, deshalb gab es bisher hier auch keine Buchbesprechungen von historischen Romanen und ich leite zum Zeitensand-Blog weiter, der letzten Station für heute.

Sonntag, 31. Juli 2011

Münchner Glyptothek in münchen.tv

Ein Super-Video über die Münchner Glyptothek kann derzeit noch bei münchen.tv angesehen werden: Christopher Griebel besucht das Museum im Rahmen der Sendung „Münchner Stadtrundgang“ und hat mit dem ehemaligen Direktor Prof. Dr. Raimund Wünsche den besten denkbaren Museumsführer.

Angesprochen und gezeigt wird ziemlich viel von dem, was ich hier schon im Blog hatte: die Geschichte des Hauses, die Ägineten, deren Farbigkeit und die Sprangtechnik des Gewandes des „Paris“, die Ergänzungen von Bertel Thorvaldsen, sogar die ionischen Säulen vor dem Eingang werden erwähnt.

Also unbedingt ansehen, ich hoffe das Video bleibt noch lange verfügbar! Und dranbleiben, es beinhaltet zwei Sendungsteile, man bekommt wirklich etwa 24 Minuten Glytothek vom Feinsten geboten!

Und vielen Dank an Apollonia für diesen Hinweis!!!

Freitag, 15. Juli 2011

Oids G'lump ? - aus dem Glyptothek-Giebelfeld verschwundene Figuren

Wer den letzten Eintrag über die Spes von Bertel Thorvaldsen gelesen und sich auch etwas für die Ägineten aus den Giebelfeldern des Aphaia-Tempels interessiert hat, wird sicher einiges im ersten Bild wiedererkennen: den Mittelakroter, hier ohne Mädchen, auf dem Aphaia-Tempel mit den Mädchen rechts und links. Die beiden Eckakrotere. Und die Athene in der Mitte der Skulpturen im Giebelfeld, wie in den beiden Giebelfeldern des Aphaia-Tempels von Ägina. Darunter noch ionische Säulen, also unzweifelhaft Elemente eines Tempels. In dem Fall ist es ein Musentempel, die Münchner Glyptothek.

Eingang Münchner Glyptothek

In den Giebelfeldern des Aphaia-Tempels tobte der Kampf um Troja, bzw. ging gerade zuende, wenn die Interpretation von Prof. Dr. Wünsche zutreffend ist. Hier dagegen ein wesentlich friedlicheres und ruhigeres Bild: in der Mitte Athene als Athena Ergane, Beschützerin der plastischen Künste, an ihren Seiten verschiedene Kunsthandwerker beim Arbeiten. Die Athena Ergane soll eine Vorgabe von Klenze und dem späteren bayerischen König Ludwig I gewesen sein, die seit 1818 Martin von Wagner Entwürfe für das Giebelfeld entwickeln ließen. Für das Giebelfeld des Gebäudes gegenüber war die Vorgabe, die für die heimischen Künste zuständige Bavaria darzustellen. Dieses spätere „Kunst- und Industrie-Ausstellungsgebäude der Förderung der Kunst und des Gewerbes“ beherbergt heute die Antikensammlungen.

Giebelfeld Münchner Glyptothek

Das Giebelfeld wirkt wegen des leeren rechten Bereichs unstimmig. Seit einigen Monaten weiß ich, daß dort wirklich etwas fehlt. Neben dem leeren Bereich rechts und den offensichtlichen Kriegsbeschädigungen gibt es noch eine andere, weniger in das Auge fallende größere Abweichung vom Orginalzustand: der Mann links von der Athene sollte eigentlich nicht an einem Tischchen sitzen und den Hintern der Athene ansehen. Er war als Tonbildner oder Koroplastes beim Modellieren einer sich auf einem Dreifuß befindlichen Spes ausgeführt. Das war die im letzten Blog-Eintrag erwähnte verschollene Spes des Bildhauers Ernst Mayer, die wegen des kriegsbeschädigten Dreifusses in das Depot kam, und dort von Dr. Ernst Theodor Mayer im Sommer 1959 noch gesehen wurde.

Giebelfeld Münchner Glyptothek

Man kann sich die Zustände vor und nach dem Krieg im Bildarchiv Foto Marburg ansehen. Die Fassade der Nachkriegs-Glyptothek mit den Kriegszerstörungen ist besonders interessant, sie wäre mittels der Suchworte „Portikus kriegszerstört 1946“ zu suchen. (Und den im letzten Blog-Eintrag erwähnten Kopf der Sphinx gibt es im Bildarchiv via „Sphinx Mädchenkopf Aigina“.)

Ich vervollständige noch etwas was es dort oben gab bzw. heute noch gibt (die Informationen habe ich wie zum letzten Blog-Eintrag von Dr. Ernst Theodor Mayer): links neben dem Tonbildner / Koroplastes von Ernst Mayer steht ein Toreut mit Hammer und Eisen, auf die 2. Spes-Figur gestützt, von Ernst von Bandel. Der Toreut bearbeitet Metalle durch Ziselieren, Treiben, Punzen und teilweise durch Gießen in Formen. Dann der Ornamentist / Ornamentbildhauer / Steinmetz über ein Korinthisches Kapitel gebeugt von Francesco Sanguinetti und schließlich der Circumlitor / Enkaustes, er trägt in Wachs gebundene Farbpigmente heiß den Marmor-Statuen auf und ist hier beim Bemalen der 3. Spes im Glyptothek-Giebelfeld zu sehen. Eine zweite Figur von Ernst von Bandel, dem späteren Schöpfer des Hermann-Denkmals im Teuteburger Wald. Danach von Ernst Mayer eine liegende Sphinx, eine Amphore mit Lotosblüten-Dekor und ein Würfel mit sitzendem ägyptischem Ehepaar im linken Eck (ebenfalls erst nach dem Krieg abhanden gekommen).

Kopien der von Thorvaldsen ergänzten Mädchen vom Mittelakroter des Aphaia-Tempels von Ägina links und rechts der kapitolinischen Wölfin

Rechts der Athena vom Bildhauer Johannes Leeb der kriegsbeschädigte Statuarius oder Bronzefiguren-Gießer, rechts daneben der Sculptor oder Bildhauer, an eine Herme gelehnt, ehemals mit einem im Krieg verlorenen Kopf (beide von Ernst Mayer, der verlorene Kopf war ein Selbstbildnis), dann der Xyloglyph oder Holzbildhauer von Ludwig von Schwanthaler und der von Ernst Rietschel mit einem Selbstbild-Kopf modellierte und von Johannes Leeb ausgeführte Töpfer. Dann die heute fehlenden „Töpferwaren“ Stamnos ( = antikes Vorrats-Gefäß), Lekythos ( = griechische Vase für Olivenöl)und Kylix ( = flache antikeTrinkschale mit Handgriffen). Nach Dr. Ernst Theodor Mayer standen alle drei der in Laaser Marmor von Ernst Mayer ausgeführte Töpferwaren nach dem Krieg noch im Giebelfeld der Glyptothek (das ist auch im genannten Bild mit den Nachkriegszerstörungen zu sehen), wurden aber etwa Ende der 60-er Jahre an unbekannten Ort verbracht.

Amazone vor der Villa Stuck

Daran schließt sich wieder wie im Falle der Spes von Ernst Mayer im letzten Blog-Eintrag die Frage an, ob jemand Kenntnisse über den Verbleib hat? Einsendeschluß gibt es zu dieser Frage keinen, also wer in zwei Jahren auf diesen Blog-Eintrag stößt und sachdienliche Hinweise geben kann, mag dies bitte tun.

Bei der anderen Frage im letzten Blog-Eintrag, wo die dort abgebildete Kopie der Spes von Bertel Thorvaldsen zu sehen ist, kann ich dagegen jetzt die Lösung verraten: es ist die Villa Stuck. Wie schon etwas befürchtet gibt es keine Kommentare oder Mails mit richtigen Lösungen. Wie im Bild zu sehen ist, stehen dort sogar beide Mädchen, links und rechts der kapitolinischen Wölfin. Für diejenigen, denen die Mädchen zu süßlich sind, noch eine Amazone, auch von der Villa Stuck.

Samstag, 2. Juli 2011

„Spes“ von Bertel Thorvaldsen

Vielleicht kann selbst eine Mehrzahl der Münchner mit dem Begriff „Ägineten“ nicht so viel anfangen. Aber bei einschlägig Interessierten scheint er mit seinen verschiedenen Schreibweisen (Aegineten, Aigineten) als Bezeichnung für die antiken Skulpturen vom Aphaia-Tempel der griechischen Insel Ägina in der Münchner Glyptothek ziemlich bekannt zu sein. Dazu passt auch die Verwendung im Untertitel bei der vor zweieinhalb Monaten eröffneten Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München.“.

Bild 1: Orginalabguß eines von Bertel Thorvaldsen ergänzten Mädchens aus dem Firstakroter des Aphaia-Tempels von Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

In meinem Bericht „Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek“ über einen Vortrag von Prof. Dr. Raimund Wünsche im Dezember 2010 habe ich auch versucht zu erläutern, um was es sich bei den Ägineten handelt und was so besonders an ihnen ist. Im Vordergrund standen - wie üblich, wenn man sich irgend etwas über die Ägineten durchliest - die aus dem Ost- und dem Westgiebel des Tempels stammenden Skulpturengruppen.

Darüber hinaus wurden weitere Skulpturenteile gefunden. Zum einen gab es Verzierungen auf dem Dach und zum anderen glaubt man heute an eine beim Altar aufgestellte Gruppe von Skulpturen. Von diesen Skulpturen ist viel weniger erhalten als von den Skulpturengruppen im Giebel. Man erklärt sich den besseren Erhaltungszustand der Giebelgruppen durch den Schutz durch den bei einen Brand oder einem Erdbeben eingestürzten Tempel. Als Ursache für die Schutzfunktion durch die Tempelsteine lese ich vor allem das Stichwort „Kalkbrennerei“, für das der Marmor geeignet war und die Steine des Tempels nicht.

Bild 2: Gegenüberstellung des von Bertel Thorvaldsen und Ernst Mayer ergänzten Firstakroter mit dem Zustand nach der Purifizierung. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

In der aktuellen Ausstellung sind die Ägineten-Ergänzungen von Bertel Thorvaldsen ein/das Hauptthema, wieder stehen die Kämpfer im Giebel im Mittelpunkt („Kampf um Troja“). Aber auch von den anderen Skulpturenteilen wurden welche ergänzt - im Bild 1 sieht man ein Beispiel einer solchen „Äginetin“, deren Kopf von Bertel Thorvaldsen gestaltet wurde. Der Körper des Originals stammte von einer Verzierung auf dem Giebel des Tempeldaches, dem Firstakroter. Zwei Mädchen (Jungfrauen, Koren) standen dort rechts und links einer Palmette. Bild 2 zeigt den ergänzten Firstakroter, wie er über 100 Jahre in der Glyptothek zu sehen war, und daneben den Zustand nach der „Purifizierung“ 1967.

Bild 3: Kore, Mädchen, Jungfrau vom Firstakroter im Museum beim Aphaia-Tempel auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Die First-Palmetten wurden vom Bildhauer Ernst Mayer ergänzt, dessen Werk wie im Bild 2 zu sehen ebenfalls von der Purifizierung betroffen war. Von seinem Nachfahren Dr. Ernst Theodor Mayer habe ich die grundlegenden Informationen für diesen Blog-Eintrag. Alle Bilder sind ebenfalls von Dr. Ernst Theodor Mayer, der mir die Verwendung in diesem Blog-Eintrag gestattet hat. Bild 2 ist aus seinem Fotobuch über das Werk von Professor Ernst Mayer entnommen, Bild 6 und 7 zeigen die Ostseite des Aphaia-Tempels von Ägina in seinem heutigen Zustand - Dr. Ernst Theodor Mayer hatte ihn dieses Jahr besucht. Die Aufnahmen 3 - 5 stammen aus einem kleinen Museum neben dem Tempel.

Bild 4: Skizze des Firstakroters mit rekonstruierten Teilen im Museum beim Aphaia-Tempel auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Als Vorlage für die Mädchenköpfe verwendete Bertel Thorvaldsen einen ebenfalls beim Aphaia-Tempel gefundenen weiblichen Kopf. Wegen den unterschiedlichen Größen war klar, daß es nicht der Kopf eines der beiden Mädchen gewesen sein konnte. Woher der wirklich stammte, wurde erst 1920 herausgefunden: die schon früh als Greifen ergänzten Eckverzierungen des Aphaia-Tempels (Eckakroter) waren in Wirklichkeit Sphingen, der gefundene weibliche Kopf war der Kopf einer Sphinx.

Bild 5: Skizze des Firstakroters mit rekonstruierten Teilen im Museum beim Aphaia-Tempel auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Im Begleitbuch zur Ausstellung gibt es eine schöne Nebeneinanderstellung des Kopfes der Sphinx und der beiden von Bertel Thorvaldsen gestalteten Köpfe. Prof. Dr. Wünsche schreibt dazu: „In diesen letzten Werken befreit sich Thorvaldsen von den Fesseln des Vorbildes und formt den Sphinxkopf im Gesichtsausdruck zu zwei lieblichen Mädchen um, was den Sinn dieser Figuren entspricht.“ Man kann das nachvollziehen und das Gespür des Meisters bewundern, aber das Lächeln der Sphinx hat auch was. Lächelt sie überhaupt?

Die Mädchen, Jungfrauen, Koren wurden als Fruchtbarkeitssymbole mit einer Granatapfel-Blüte in der Hand ergänzt, und - ich zitiere jetzt aus einer Mail von Dr. Ernst Theodor Mayer - „von Thorvaldsen adäquat in Spes (= Hoffnung auf Nachwuchs) umbenannt“. „Der außerordentlich kernreiche Granatapfel (granae=Körner) hat bei glatter Oberfläche innen mehr gosse Samenkörner als eine Erdbeere kleine auf ihrer Oberfläche. Auch die angeblich viel-brüstige Artemis von Ephesos bekam in Wirklichkeit eine Vielzahl von Hodensäcken umgehängt, die den Opferstieren abgeschnitten worden waren, präsentiert(e) also Millionen von Spermatozoen.“

Bild 6: Teil der Ostseite des Aphaia-Tempels auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Die ergänzten Mädchen hatten noch ein Nachwirken, nicht nur wie im Bild 1 zu sehen als Orginalabguß. Prof. Wünsche zeigt im Ausstellungs-Begleitbuch das Bild einer den Mädchen sehr ähnlichen Spes aus dem Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen. Eine andere, mittlerweile verschollene Spes wurde von Ernst Mayer für das Giebelfeld der Münchner Glyptothek erstellt, ich zitiere noch einmal seinen Nachfahren Dr. Ernst Theodor Mayer: „Die 1830 von Ernst Mayer aus Laaser-(Schlanders)-Marmor gefertigte Spes war etwas kleiner als ihr Vorbild (88,5cm), nämlich 80 cm hoch und überreichte genauso eine Granatapfelblüte, die nach 125 Jahren im Freien etwas verwittert, aber für mich 1959 doch noch erkennbar war.“ Diese Spes von Ernst Mayer wurde von Prof. Dr. Reinhard Lullies (1901-1986), seinerzeit Hauptkonservator der Antikensammlung und ein Amtsvorgänger von Prof. Dr. Wünsche, im Sommer 1959 dem Nachfahren Dr. Ernst Theodor Mayer angeboten (weil sie nicht mehr auf dem bombengeschädigten Dreifuß -links neben der Mittelfigur- im Giebelfeld hätte befestigt werden können) und dann offenbar anderweitig vergeben.

Bild 7: Teil der Ostseite des Aphaia-Tempels auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Abschließend noch die Frage: wo steht der im Bild 1 zu sehende Orginalabguß? Es ist ein Münchner Gebäude, aber nicht die Glyptothek. Vermutlich haben schon viele diese Äginetin gesehen, aber nicht so bewußt wahrgenommen, daß sie es jetzt als Lösung parat hätten. Und die es parat hätten, die lesen meine Blog-Einträge nicht oder sie nicht bis zum Ende... Lösungen bitte als Kommentar oder als Mail. Die Auflösung und die Freischaltung eventueller Kommentare kommt mit dem nächsten Blog-Eintrag.

Im Fall der verschollenen Spes aus dem Giebelfeld der Glyptothek wären wir natürlich auch an Hinweisen interessiert. Da wir da keine Ahnung über den Verbleib haben, ist die Einsendefrist auch nicht bis zum nächsten Blogeintrag beschränkt.

Mittwoch, 13. April 2011

Römertag Rheinhessen und ein paar weitere Links

Nächsten Samstag startet der IV. Römertag Rheinhessen mit einer Auftaktveranstaltung in Ingelheim. Der richtige Römertag mit vielen Veranstaltungen ist der Sonntag, 17.4.2011. Beim Durchklicken der Website www.roemerroute-rheinhessen.de sehe ich jetzt in Mauchenheim ebenfalls eine Veranstaltung am 16., und in Ingelheim und Mainz gibt es über den 17. hinausgehende Termine. Außerdem am 26.4. eine Bustour auf den Spuren der Römer. Also Interessenten, die am 17. nicht können, sollten trotzdem mal reinsehen.

Vor ein paar Wochen jammerte ich noch von wegen lieber die eigenen Sachen machen und nicht so gern auf von anderen gesetzte Themen aufspringen, und nach Rheinhessen komme ich schon garnicht in absehbarer Zeit - und jetzt habe ich schon wieder Rheinhessen im Titel. Aber nachdem ich jetzt Rheinhessen mehrfach in den letzten Wochen im Blog hatte und das wirklich wie eine besonders mitteilenswerte Veranstaltung aussieht...

Gut, und bei der Gelegenheit noch ein paar andere Links. Im Jammer-Eintrag gab es ja auch welche zur Schatzsuche, so einen habe ich jetzt auch anzubieten: „Er hat die Lizenz zur Schatzsuche“. Es geht um einen amtlich beauftragten Schatzsucher in der Schweiz, ein ganz interessanter Artikel im Tagesspiegel.

Der nächste Link führt zum Blog provinzialroemer.blogspot.com von Marco Hardy, der sich mit der „Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen“ befasst und nach dem Starteintrag vornehmlich dazu dienen soll „Informationen der Studierendenschaft allen Studierenden des Instituts“ (wohl eines in Frankfurt) „öffentlich zugänglich zu machen“.

Ich habe bei ihm ein paarmal in einer Dürrephase vorbeigesehen und dann ewig nicht mehr. Jetzt bin ich wohl gerade auf ein paar „fette Monate“ gestoßen, für die Provinzialrömer-Fans hat er einige interessante Links. Den zur Buchreihe „Forschungen in Augst“ will ich selbst weiterreichen, da gibt es mehrere Bücher als Gratis-Download.

Jetzt wird es ungewohnt peppig, oder wie soll ich es formulieren um nicht wieder aus den Ergebnissen der moderaten Google-Bildersuche zu fallen? SPON hat sich mit Roms Nachtleben befasst, und zu dem hier bei historyoftheancientworld.com sage ich schon garnichts mehr.

Ein anderes heikles Thema, jetzt im Bereich des Essens. Ist Glutamat gut oder böse, und wenn es jemand nicht will, wird es ihm dann als Hefeextrakt reingemogelt? Ich wußte nicht, daß das bei den Römern so beliebte Garum auch in diese Ecke der Geschmacksverstärker einsortiert wird: „How the ancient Romans made Monosodium glutamate (MSG)“.

Übrigens habe ich nach dem im Blog-Eintrag „Grenzenlose Gaumenfreuden“ angerissenen Thema „römische Küche“ tatsächlich schon Schritte in die Praxis gemacht und Pinienkörner und thailändische Fischsauce (Garum-Ersatz) für die Eierverfeinerung eingekauft, was aber nicht so auf Gegenliebe gestoßen ist. Wohl weniger wegen dem Glutamat, sondern mehr wegen der Fischsauce an sich. Ich werde da mal alleine probieren müssen.

Abschließend noch zu den Ägineten. Ich hatte in den Blogeinträgen „Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek“ und „Ägineten-Ausstellung in der Glyptothek beginnt am 14. April“ auf die morgen beginnende Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“ hingewiesen. Dazu habe ich heute zwei Artikel gefunden, einen auf www.sueddeutsche.de und einen bei der Abendzeitung.

Es heißt jetzt wirklich überall „Kampf um Troja“, obwohl ich in meinem zweiten Ägineten-Eintrag mit Verweis auf den ersten so schön die Mehrzahl erläutert habe. Den Text ändere ich jetzt nicht nachträglich um, im Februar stand im Münchner Museumsportal wirklich noch „Kämpfe um Troja“, ich habe sicherheitshalber in meinem Screenshot nachgesehen.

Freitag, 18. Februar 2011

Ägineten-Ausstellung in der Glyptothek beginnt am 14. April

Gestern Abend habe ich im Museumsportal München gesehen, daß dort mittlerweile die im Ägineten-Eintrag für das Frühjahr angekündigte Ausstellung in der Münchner Glyptothek unter der Überschrift „Kämpfe um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“ mit dem Beginn 14.4.2011 zu finden ist.

Wer bei „Kämpfe um Troja“ rätselt, der möge meinen Blog-Eintrag zu den Ägineten lesen: die Ägineten teilen sich in zwei, vom Ost- und vom Westgiebel des Aphaia-Tempels der griechischen Insel Ägina stammende Skulpturengruppen, die unterschiedliche Kämpfe um Troja zum Thema haben. Das mit den „200 Jahre Ägineten in München“ haut aus meiner Sicht nicht so richtig hin, weil die Ägineten ja erst 1827 in München aufgestellt wurden und sich zuvor noch im Atelier Thorvaldsen in Rom befanden. Allerdings war der Ausstellungsstart im April wegen der Ausgrabung im April 1811 zu erwarten, zudem hatte Professor Dr. Raimund Wünsche auch noch seinen aktuellen Beitrag in der Zeitschrift Aviso mit dem April 1811 eingeleitet („Der Ägineten neue Kleider. Forschung und Fiktion“, Link zur Zeitschrift Aviso ebenfalls in meinem Blog-Eintrag zu den Ägineten).

Wie im Blog-Eintrag und dem Aviso-Artikel erwähnt, geht es in der Ausstellung um die Ergänzungen des Bildhauers Bertel Thorvaldsen, mit denen die Ägineten über 100 Jahre lang zu sehen waren. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden die Ergänzungen Thorvaldsens wieder entfernt („Purifizierung“). In der Ausstellung wird der Neuaufstellung der Ägineten die alte Aufstellung in Form von Repliken mit den Thorvaldsen-Ergänzungen gegenübergestellt. Das Museumsportal gibt weiter an, daß zur „Deutung der Skulpturen und zur einstigen Farbfassung bahnbrechende neue Vorschläge gemacht“ werden. Ich würde vermuten, daß im Rahmen dieser Deutung der Skulpturen auf das eingegangen wird, was Professor Wünsche Anfang Dezember 2010 vorgetragen hat und über das ich im Blog-Eintrag berichtet habe. Und hinsichtlich der „Farbfassung“ müßte der in Aviso abgebildete „Paris“ mit einem Gewand in Sprangtechnik zu sehen sein.

(Ergänzung 14.4.2011: die Ausstellung sehe ich jetzt überall inklusive dem Museumsportal unter dem Titel „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“. Meinen Text mit der Erklärung der „Kämpfe um Troja“ ändere ich nicht nachträglich um. Im Februar stand nach meinem Screenshot wirklich noch „Kämpfe um Troja“ im Münchner Museumsportal.)

Freitag, 28. Januar 2011

Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek

Als Ägineten werden die Giebelskulpturen bezeichnet, die früher den Aphaia-Tempel der griechischen Insel Ägina geschmückt haben und heute in der Münchner Glyptothek bewundert werden können. Münchner, die von den Ägineten noch nichts gehört und an Giebelskulpturen wenig Interesse haben, müssen jetzt trotzdem weiterlesen, denn die Ägineten sind eine der ganz großen Nummern, die München zu bieten hat.

Warum? Es gibt fast keine vergleichbar erhaltene Giebelskulpturen. Und es gibt die Ägineten gleich in doppelter Ausfertigung in der Münchner Glyptothek - Skulpturen vom Ost- und vom Westgiebel - mit der weiteren Besonderheit, daß beide Skulpturengruppen um 500 v.Chr. in zeitlichem Abstand voneinander entstanden sind und den Übergang von der griechischen Archaik zur Frühklassik dokumentieren. Die Skulpturen des Westgiebels werden der Archaik zugerechnet, die des jüngeren Ostgiebels schon der Frühklassik. Auch ist der Aspekt der „antiken Polychromie“ zu erwähnen. Schon bei der Ausgrabung 1811 wurden Farbreste entdeckt und im 19. Jahrhundert international diskutiert. In jüngerer Vergangenheit ist dieses Thema durch die Ausstellung „Bunte Götter“ wieder aufgelebt, die ausgehend von der Münchner Glyptothek 2003/2004 mit bemalten Repliken von Ägineten weltweit durch namhafte Museen wanderte.

Neben dem Attribut „nicht bunt“ für antike Skulpturen geistert ja auch fälschlicherweise „nur Stein“ in den Köpfen herum. Stattdessen muß es bei den Ägineten teilweise „bleiernes Stirnhaar“ gegeben haben, von dem nur ein Loch zur Befestigung und unterschiedliche Verwitterungsspuren im Marmor geblieben sind, aus denen man ungefähr auf die Frisur rückschließen kann. An anderer Stelle hat man zahlreiche Befestigungslöcher für Bleilocken, von denen noch zwei gefunden werden konnten.

Neben den metallenen sind aber auch die steinernen Bestandteile nicht komplett. Teilweise kann man aus Überresten schließen, wie das früher ausgesehen hat. Etwa auf in die Stirn ragende Fangzähne bei einem Helm in Form eines Löwenkopfes, der statt der Fangzähne nur noch Abbruchstellen hat, oder bei einem anderen Kämpfer auf einen verschwundenen steinernen Helmbusch, weil auf dessen Rücken noch der stabilisierende Verbindungssteg übrig geblieben ist.

Von den Ägineten bin ich letztes Jahr gleich mehrfach angestupst worden. Zunächst via Phemios Aoidos, dessen Bezeichnung „Kronjuwelen der Glyptothek“ ich im Blog-Eintrag über die Münchner Glyptothek zitierte. Später bei der langen Nacht der Münchner Museen. Wir waren zwar etwas erholungsbedürftig und hatten vermieden, uns in der Glyptothek etwas erklären zu lassen, aber doch kurz bei den Ägineten mit einem Herrn mit Namensschild gesprochen, der die Ägineten als „unsere besten Stücke“ bezeichnete. Schließlich hat mir der im zweiten Teil Agrigent erwähnte Herr Dr. Mayer seinen Vorfahren Professor Ernst Mayer auch mit der Bemerkung vorgestellt, daß er die ihm als Mitarbeiter von 1821-1825 im Atelier Thorvaldsen in Rom bekannten Ägineten in München Anfang November 1827 ausgepackt und aufgestellt hat.

Passend wurde am 2. Dezember letzten Jahres ein Vortrag von dem Direktor von Glyptothek und Antikensammlungen, Professor Dr. Raimund Wünsche, mit dem Titel „Die Ägineten - Probleme der Deutung“ angeboten. Da mußte ich hin, die beiden Bilder von der Glyptothek und den Antikensammlungen habe ich an diesem Abend aufgenommen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der regelmäßigen Führungstermine in der Glyptothek und den Antikensammlungen (Donnerstag bzw. Mittwoch) vor Ort bei den Ägineten statt. Es gibt wenig feste Sitzgelegenheiten, aber an der Wand stehen genügend Klappstühle, mit denen man während des Vortrages auch gut in den Nebenraum zu den Skulpturen des anderen Giebels wechseln konnte. Anwesend waren schätzungsweise 30 - 40 Zuhörer. Wir wurden am Eingang mit Funkempfängern mit Ohrhörern ausgerüstet, so daß man dem Vortrag akustisch problemlos folgen konnte.

Münchner Glyptothek


Im Vortrag ging es darum, wer in den Giebelgruppen dargestellt wurde. Was dargestellt wurde ist anscheinend unstrittig: der später fertiggestellte Ostgiebel bezog sich auf den ersten, der ältere Westgiebel auf den zweiten Trojanischen Krieg. Allgemein bekannt durch Illias und Odyssee ist der zweite Trojanische Krieg. Im ersten Trojanischen Krieg töteten Telamon und Herakles den Trojanerkönig Laomedon und seine Söhne, abgesehen von Priamos. Im zweiten Trojanischen Krieg ist der überlebende Priamos König der Trojaner. Wichtig für das Verständnis ist der Bezug zu Ägina: der Telamon aus dem ersten Trojanischen Krieg ist Sohn des Aiakos, einem König von Ägina. Und ein Sohn des Telamon und Enkel des Aiakos nimmt wiederum am zweiten Trojanischen Krieg auf Seiten der Griechen teil, das ist Aias, in anderer Schreibweise Ajax.

Bei den Dargestellten gilt die Göttin Athene als sicher, die jeweils in der Mitte beider Giebelgruppen steht. Außerdem in der Ostgiebelgruppe Herakles wegen des erwähnten Löwenkopfhelms. Aias in der Westgiebelgruppe gilt wegen des noch erkennbaren Schildzeichens als sehr wahrscheinlich identifiziert.

Nach gängiger Interpretation sind die Kämpfer in ausgeglichene Kampfszenen eingebettet. Wenn Herakles als Bogenschütze einen gegnerischen Trojaner niederstreckt, dann muß an anderer Stelle ein Grieche fallen. Wenn Aias als erfolgreicher Kämpfer an prominenter Stelle direkt neben der Athene steht, dann muß der erfolgreiche Kämpfer an ihrer anderen Seite ein Trojaner sein, möglicherweise Hektor. Ich werde das nicht weiter erzählen, Sie können es mittels der am Schluß angegebenen Links nachlesen und sich ansehen.

Professor Wünsche hat dem Abend eine andere Interpretation dagegen gestellt: die Sieger in beiden Kampfszenen sind die Griechen, die Verlierer die Trojaner, wer fällt und stirbt muß folglich ein Trojaner sein, und die beiden am prominentesten dargestellten siegreichen Kämpfer rechts und links der Athene sind in beiden Giebelgruppen Griechen. Bei den beiden Griechen an der Seite der Athene vermutete er bei dem Ostgiebel Telamon und Peleus, beim Westgiebel Achill und Aias. Professor Wünsche erklärte das plausibel mit ihrer Beziehung zur Insel Ägina: alle sind Abkömmlinge des Königs Aiakos, Peleus und Telamon sind seine Söhne und Achilleus und Aias seine Enkel.

Nach dieser Interpretation kann der Bogenschütze vom Westgiebels, dessen bemalte Replik häufig im Zusammenhang mit den „Bunten Göttern“ zu sehen war, nicht mehr der trojanische Königssohn Paris sein. Er wäre dann eher ein skytischer Bogenschütze in Diensten der Griechen. Später ist mir dann der Herakles eingefallen - wenn in der zweiten Reihe Namenlose zugelassen werden und die Bedeutung vor allem auf den beiden hervorragenden Kämpfer rechts und links der Athene liegt, wie paßt das mit dem am Rande knienden Herakles zusammen? Da bin ich ergänzend an einem ausführlicheren Text zu dieser Interpretation interessiert, habe aber noch nichts gefunden.

Jetzt zum gefundenen Lesestoff. Einarbeiten in die Ägineten lohnt sich, denn ab Frühjahr 2011 soll es eine große Ausstellung in der Glyptothek geben, die sich mit den Ägineten-Ergänzungen von Bertel Thorvaldsen von befasst. Ich hatte Sie ja im zweiten Teil Agrigent auf diese Ergänzungen am Beispiel des Barberinischen Fauns hingewiesen und auch den erst kurz zuvor von Herrn Dr. Mayer gelernten Begriff „Purifizierung“ erwähnt. Die Ägineten wurden über 100 Jahre lang mit Ergänzungen von Bertel Thorvaldsen ausgestellt, die 1963 bei der „Purifizierung“ abgenommen wurden.

Staatliche Antikensammlungen München

In der Ausstellung sollen Thorvaldsens Ergänzungen an Kunstmarmorabgüssen der Ägineten zu sehen sein. Außerdem wird auch der „Paris“ neu eingekleidet zu sehen sein, dieses Mal nicht nur angemalt, sondern mit einem Gewand in Sprangtechnik. Lesen Sie dazu mehr in diesem Text von Raimund Wünsche in der Zeitschrift Aviso (ab Seite 20 in der pdf-Datei).

Professor Dr. Raimund Wünsche wurde von Jürgen Martin Möller im Rahmen des Alpha-Forums interviewt, in dem über die Glyptothek und seine frühen Beziehung zur Insel Ägina erzählt. Auf die Museums-Website können Sie ebenfalls einen Blick werfen. Sie sehen da gleich einen fallenden Ägineten aus dem ersten Trojanischen Krieg.

Ich hatte mich vor dem Vortrag mit der Wikipedia und mit der Website von Thomas Gransow kundig gemacht. Außerdem habe ich noch diese Website von Dr. Benno Kuppler mit einem älteren Aviso-Text über die seinerzeitige Münchner Bunte-Götter-Ausstellung gefunden.

Und im Projekt Gutenberg gibt es mehr zum ersten Trojanischen Krieg. Nach dem Vortrag mußte ich mich natürlich über Aiakos informieren, da ist wieder die Wikipedia hilfreich, mit der Sie sich die Söhne entlang über Peleus und Telamon zu Aias und Achill durchhangeln können.

Wenn Sie in den Texten herumstöbern werden Sie Verweise auf Adolf Furtwängler und sein Buch „Die Aegineten der Glyptothek König Ludwigs I. nach den Resultaten der neuen Bayerischen Ausgrabung“ von 1906 finden, das Buch gibt es digitalisiert bei der Universität Heidelberg.

Wie Sie sehen ist die Schreibweise uneinheitlich, mal Ägineten, mal Aegineten, seltener Aigineten, bei einer Suche wäre das zu berücksichtigen. Ich habe mich an der Schreibweise der Glyptothek orientiert.

Die Bleilocken habe ich nicht aus online verfügbaren Texten, sondern aus dem Buch „Glyptothek München. Meisterwerke griechischer und römischer Skulptur“ von Professor Wünsche. Es ist zwar noch die alte Interpretation der Ägineten drin, aber ich kann Ihnen das Buch trotzdem empfehlen. Machen Sie es wie ich: gehen Sie in der Vorweihnachtszeit in einen Vortrag von Herrn Professor Wünsche, kaufen Sie am Eingang ein paar Exemplare und bitten Sie ihn nach dem Vortrag die Exemplare zu signieren. Sparen Sie sich Kaufpanik in der Innenstadt und verwenden die Bücher als Nikolaus- oder Weihnachtsgeschenk und dann leihen Sie sich eines davon aus, um das mit den Bleilocken nachzulesen!