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Samstag, 1. Mai 2021

„Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“

Als ich am 25. März mein Twitter einschaltete, um mir die Archäologie-Nachrichten anzusehen, wurde mir etwas zu spät der folgende Tweet der Staatlichen Antikensammlungen u. Glyptothek angezeigt: „Große Freude! Wir eröffnen heute Abend 19.30 Uhr mit einem #Livestream die #Glyptothek nach zweijähriger Sanierung + die Sonderausstellung 'Bertel #Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische #Bildhauer in bayerischem Auftrag' Livestream auf YouTube:“

Der Livestream war etwas verwirrend, weil ich in einen vorab erstellten abschließenden Teil mit einer kleinen Ausstellungsführung geraten bin. Dabei nebenher auf der Museumswebsite Hilfe zu suchen und ein „Eröffnung so bald wie möglich - 25.07.2021“ zu finden, trug auch nicht zu meiner Erhellung bei.

Nach Ende des Events konnte man den Film ganz vorne am Beginn starten, da war die Mischung aus Konserve und Live schnell erkennbar. Zunächst werden Bilder von der mittlerweile fast abgeschlossenen Sanierung der Glyptothek gezeigt. Dann kommt als Live-Teil die Rede von Dr. Florian Knauß, dem Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München. In diesen Teil sind Grußworte der dänischen Botschafterin Susanne Hyldelund und die Eröffnung durch den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler eingebunden. Schließlich gibt es von Dr. Knauß noch die erwähnte Ausstellungführung.

Münchner Glyptothek am 21. April 2021

Aktuell steht ein „26.03.2021 - 25.07.2021“ auf der Ausstellungswebseite. Wobei man letzte Woche, als ich zum Fotografieren vorbei kam, „bis mindestens Sonntag“ nicht in die Ausstellung hinein durfte. Wegen möglichen späteren Terminen sollte ich mich am besten bei München Ticket informieren.

Die Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag" ist in einen größeren Rahmen von Thorvaldsen-Ausstellungen in Italien, Dänemark und Deutschland anläßlich dessen 250stem Geburtstag am 19.11.2020 eingebunden. Die Münchner Ausstellung liegt da relativ zu den anderen Ausstellungen etwas spät. Ich habe aber keine Ahnung, ob dadurch eine Ausstellungsverlängerung möglich ist oder die Leihgaben im Juli wieder auf die Reise müssen.

Kurfürst Maximilian I. auf dem Wittelsbacher Platz nach einem Modell von Bertel Thorvaldsen

In der Rede von Dr. Knauß und in seiner kurzen Ausstellungsführung wird die Verwobenheit von Thorvaldsens Werk mit der Antike deutlich. Thorvaldsen fungierte als Berater beim Ankauf von Antiken und war als Restaurator und Ergänzer der häufig fragmentarisch überlieferten Teile tätig. Unter diesen Antiken wären hier wegen ihrer herausragenden Bedeutung zuvörderst die Ägineten in der Münchner Glyptothek zu nennen. Die später wieder entfernten Thorvaldsen-Ergänzungen waren 2011 Thema der Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“. In seiner Ausstellungsführung zeigt Florian Knauß aber auch ein Antiken-Beispiel in der Glyptothek, an dem die Thorvaldsen-Ergänzungen erhalten geblieben sind.

Daneben gibt es in der Ausstellung mit einer Spes ein eigenständiges, aber direkt an die Antike anknüpfendes Werk Thorvaldsens zu sehen. Nach Dr. Knauß ist die Spes möglicherweise von Figuren angeregt, die ebenfalls den Tempel der Aphaia auf Ägina geschmückt haben. Näheres zu den von Bertel Thorvaldsen ergänzten Koren des westlichen Firstakroters des Aphaia-Tempels kann man in meinem alten Beitrag „'Spes' von Bertel Thorvaldsen“ nachlesen, der inhaltlich bestens von einem Nachfahren eines seinerzeit beteiligten Bildhauers bestückt wurde.

Replik einer von Bertel Thorvaldsen ergänzten Aphaia-Tempelkore an der Villa Stuck

Die Spes muß Thorvaldsen laut Dr. Knauß sehr wichtig gewesen sein, da er später ein Selbstbildnis mit Spes geschaffen hat. Zwei Jahrzehnte später entstand eine lebensgroße Marmorversion davon, die man nach Abschluß der Außenarbeiten an der Glytothek hoffentlich dann wieder in ihrer Nische in der Ostfassade der Glyptothek sehen kann.

Samstag, 2. Juli 2011

„Spes“ von Bertel Thorvaldsen

Vielleicht kann selbst eine Mehrzahl der Münchner mit dem Begriff „Ägineten“ nicht so viel anfangen. Aber bei einschlägig Interessierten scheint er mit seinen verschiedenen Schreibweisen (Aegineten, Aigineten) als Bezeichnung für die antiken Skulpturen vom Aphaia-Tempel der griechischen Insel Ägina in der Münchner Glyptothek ziemlich bekannt zu sein. Dazu passt auch die Verwendung im Untertitel bei der vor zweieinhalb Monaten eröffneten Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München.“.

Bild 1: Orginalabguß eines von Bertel Thorvaldsen ergänzten Mädchens aus dem Firstakroter des Aphaia-Tempels von Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

In meinem Bericht „Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek“ über einen Vortrag von Prof. Dr. Raimund Wünsche im Dezember 2010 habe ich auch versucht zu erläutern, um was es sich bei den Ägineten handelt und was so besonders an ihnen ist. Im Vordergrund standen - wie üblich, wenn man sich irgend etwas über die Ägineten durchliest - die aus dem Ost- und dem Westgiebel des Tempels stammenden Skulpturengruppen.

Darüber hinaus wurden weitere Skulpturenteile gefunden. Zum einen gab es Verzierungen auf dem Dach und zum anderen glaubt man heute an eine beim Altar aufgestellte Gruppe von Skulpturen. Von diesen Skulpturen ist viel weniger erhalten als von den Skulpturengruppen im Giebel. Man erklärt sich den besseren Erhaltungszustand der Giebelgruppen durch den Schutz durch den bei einen Brand oder einem Erdbeben eingestürzten Tempel. Als Ursache für die Schutzfunktion durch die Tempelsteine lese ich vor allem das Stichwort „Kalkbrennerei“, für das der Marmor geeignet war und die Steine des Tempels nicht.

Bild 2: Gegenüberstellung des von Bertel Thorvaldsen und Ernst Mayer ergänzten Firstakroter mit dem Zustand nach der Purifizierung. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

In der aktuellen Ausstellung sind die Ägineten-Ergänzungen von Bertel Thorvaldsen ein/das Hauptthema, wieder stehen die Kämpfer im Giebel im Mittelpunkt („Kampf um Troja“). Aber auch von den anderen Skulpturenteilen wurden welche ergänzt - im Bild 1 sieht man ein Beispiel einer solchen „Äginetin“, deren Kopf von Bertel Thorvaldsen gestaltet wurde. Der Körper des Originals stammte von einer Verzierung auf dem Giebel des Tempeldaches, dem Firstakroter. Zwei Mädchen (Jungfrauen, Koren) standen dort rechts und links einer Palmette. Bild 2 zeigt den ergänzten Firstakroter, wie er über 100 Jahre in der Glyptothek zu sehen war, und daneben den Zustand nach der „Purifizierung“ 1967.

Bild 3: Kore, Mädchen, Jungfrau vom Firstakroter im Museum beim Aphaia-Tempel auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Die First-Palmetten wurden vom Bildhauer Ernst Mayer ergänzt, dessen Werk wie im Bild 2 zu sehen ebenfalls von der Purifizierung betroffen war. Von seinem Nachfahren Dr. Ernst Theodor Mayer habe ich die grundlegenden Informationen für diesen Blog-Eintrag. Alle Bilder sind ebenfalls von Dr. Ernst Theodor Mayer, der mir die Verwendung in diesem Blog-Eintrag gestattet hat. Bild 2 ist aus seinem Fotobuch über das Werk von Professor Ernst Mayer entnommen, Bild 6 und 7 zeigen die Ostseite des Aphaia-Tempels von Ägina in seinem heutigen Zustand - Dr. Ernst Theodor Mayer hatte ihn dieses Jahr besucht. Die Aufnahmen 3 - 5 stammen aus einem kleinen Museum neben dem Tempel.

Bild 4: Skizze des Firstakroters mit rekonstruierten Teilen im Museum beim Aphaia-Tempel auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Als Vorlage für die Mädchenköpfe verwendete Bertel Thorvaldsen einen ebenfalls beim Aphaia-Tempel gefundenen weiblichen Kopf. Wegen den unterschiedlichen Größen war klar, daß es nicht der Kopf eines der beiden Mädchen gewesen sein konnte. Woher der wirklich stammte, wurde erst 1920 herausgefunden: die schon früh als Greifen ergänzten Eckverzierungen des Aphaia-Tempels (Eckakroter) waren in Wirklichkeit Sphingen, der gefundene weibliche Kopf war der Kopf einer Sphinx.

Bild 5: Skizze des Firstakroters mit rekonstruierten Teilen im Museum beim Aphaia-Tempel auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Im Begleitbuch zur Ausstellung gibt es eine schöne Nebeneinanderstellung des Kopfes der Sphinx und der beiden von Bertel Thorvaldsen gestalteten Köpfe. Prof. Dr. Wünsche schreibt dazu: „In diesen letzten Werken befreit sich Thorvaldsen von den Fesseln des Vorbildes und formt den Sphinxkopf im Gesichtsausdruck zu zwei lieblichen Mädchen um, was den Sinn dieser Figuren entspricht.“ Man kann das nachvollziehen und das Gespür des Meisters bewundern, aber das Lächeln der Sphinx hat auch was. Lächelt sie überhaupt?

Die Mädchen, Jungfrauen, Koren wurden als Fruchtbarkeitssymbole mit einer Granatapfel-Blüte in der Hand ergänzt, und - ich zitiere jetzt aus einer Mail von Dr. Ernst Theodor Mayer - „von Thorvaldsen adäquat in Spes (= Hoffnung auf Nachwuchs) umbenannt“. „Der außerordentlich kernreiche Granatapfel (granae=Körner) hat bei glatter Oberfläche innen mehr gosse Samenkörner als eine Erdbeere kleine auf ihrer Oberfläche. Auch die angeblich viel-brüstige Artemis von Ephesos bekam in Wirklichkeit eine Vielzahl von Hodensäcken umgehängt, die den Opferstieren abgeschnitten worden waren, präsentiert(e) also Millionen von Spermatozoen.“

Bild 6: Teil der Ostseite des Aphaia-Tempels auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Die ergänzten Mädchen hatten noch ein Nachwirken, nicht nur wie im Bild 1 zu sehen als Orginalabguß. Prof. Wünsche zeigt im Ausstellungs-Begleitbuch das Bild einer den Mädchen sehr ähnlichen Spes aus dem Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen. Eine andere, mittlerweile verschollene Spes wurde von Ernst Mayer für das Giebelfeld der Münchner Glyptothek erstellt, ich zitiere noch einmal seinen Nachfahren Dr. Ernst Theodor Mayer: „Die 1830 von Ernst Mayer aus Laaser-(Schlanders)-Marmor gefertigte Spes war etwas kleiner als ihr Vorbild (88,5cm), nämlich 80 cm hoch und überreichte genauso eine Granatapfelblüte, die nach 125 Jahren im Freien etwas verwittert, aber für mich 1959 doch noch erkennbar war.“ Diese Spes von Ernst Mayer wurde von Prof. Dr. Reinhard Lullies (1901-1986), seinerzeit Hauptkonservator der Antikensammlung und ein Amtsvorgänger von Prof. Dr. Wünsche, im Sommer 1959 dem Nachfahren Dr. Ernst Theodor Mayer angeboten (weil sie nicht mehr auf dem bombengeschädigten Dreifuß -links neben der Mittelfigur- im Giebelfeld hätte befestigt werden können) und dann offenbar anderweitig vergeben.

Bild 7: Teil der Ostseite des Aphaia-Tempels auf der Insel Ägina. Die Rechte am Bild liegen bei Dr. Ernst Theodor Mayer, München.

Abschließend noch die Frage: wo steht der im Bild 1 zu sehende Orginalabguß? Es ist ein Münchner Gebäude, aber nicht die Glyptothek. Vermutlich haben schon viele diese Äginetin gesehen, aber nicht so bewußt wahrgenommen, daß sie es jetzt als Lösung parat hätten. Und die es parat hätten, die lesen meine Blog-Einträge nicht oder sie nicht bis zum Ende... Lösungen bitte als Kommentar oder als Mail. Die Auflösung und die Freischaltung eventueller Kommentare kommt mit dem nächsten Blog-Eintrag.

Im Fall der verschollenen Spes aus dem Giebelfeld der Glyptothek wären wir natürlich auch an Hinweisen interessiert. Da wir da keine Ahnung über den Verbleib haben, ist die Einsendefrist auch nicht bis zum nächsten Blogeintrag beschränkt.

Freitag, 18. Februar 2011

Ägineten-Ausstellung in der Glyptothek beginnt am 14. April

Gestern Abend habe ich im Museumsportal München gesehen, daß dort mittlerweile die im Ägineten-Eintrag für das Frühjahr angekündigte Ausstellung in der Münchner Glyptothek unter der Überschrift „Kämpfe um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“ mit dem Beginn 14.4.2011 zu finden ist.

Wer bei „Kämpfe um Troja“ rätselt, der möge meinen Blog-Eintrag zu den Ägineten lesen: die Ägineten teilen sich in zwei, vom Ost- und vom Westgiebel des Aphaia-Tempels der griechischen Insel Ägina stammende Skulpturengruppen, die unterschiedliche Kämpfe um Troja zum Thema haben. Das mit den „200 Jahre Ägineten in München“ haut aus meiner Sicht nicht so richtig hin, weil die Ägineten ja erst 1827 in München aufgestellt wurden und sich zuvor noch im Atelier Thorvaldsen in Rom befanden. Allerdings war der Ausstellungsstart im April wegen der Ausgrabung im April 1811 zu erwarten, zudem hatte Professor Dr. Raimund Wünsche auch noch seinen aktuellen Beitrag in der Zeitschrift Aviso mit dem April 1811 eingeleitet („Der Ägineten neue Kleider. Forschung und Fiktion“, Link zur Zeitschrift Aviso ebenfalls in meinem Blog-Eintrag zu den Ägineten).

Wie im Blog-Eintrag und dem Aviso-Artikel erwähnt, geht es in der Ausstellung um die Ergänzungen des Bildhauers Bertel Thorvaldsen, mit denen die Ägineten über 100 Jahre lang zu sehen waren. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden die Ergänzungen Thorvaldsens wieder entfernt („Purifizierung“). In der Ausstellung wird der Neuaufstellung der Ägineten die alte Aufstellung in Form von Repliken mit den Thorvaldsen-Ergänzungen gegenübergestellt. Das Museumsportal gibt weiter an, daß zur „Deutung der Skulpturen und zur einstigen Farbfassung bahnbrechende neue Vorschläge gemacht“ werden. Ich würde vermuten, daß im Rahmen dieser Deutung der Skulpturen auf das eingegangen wird, was Professor Wünsche Anfang Dezember 2010 vorgetragen hat und über das ich im Blog-Eintrag berichtet habe. Und hinsichtlich der „Farbfassung“ müßte der in Aviso abgebildete „Paris“ mit einem Gewand in Sprangtechnik zu sehen sein.

(Ergänzung 14.4.2011: die Ausstellung sehe ich jetzt überall inklusive dem Museumsportal unter dem Titel „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“. Meinen Text mit der Erklärung der „Kämpfe um Troja“ ändere ich nicht nachträglich um. Im Februar stand nach meinem Screenshot wirklich noch „Kämpfe um Troja“ im Münchner Museumsportal.)

Freitag, 28. Januar 2011

Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek

Als Ägineten werden die Giebelskulpturen bezeichnet, die früher den Aphaia-Tempel der griechischen Insel Ägina geschmückt haben und heute in der Münchner Glyptothek bewundert werden können. Münchner, die von den Ägineten noch nichts gehört und an Giebelskulpturen wenig Interesse haben, müssen jetzt trotzdem weiterlesen, denn die Ägineten sind eine der ganz großen Nummern, die München zu bieten hat.

Warum? Es gibt fast keine vergleichbar erhaltene Giebelskulpturen. Und es gibt die Ägineten gleich in doppelter Ausfertigung in der Münchner Glyptothek - Skulpturen vom Ost- und vom Westgiebel - mit der weiteren Besonderheit, daß beide Skulpturengruppen um 500 v.Chr. in zeitlichem Abstand voneinander entstanden sind und den Übergang von der griechischen Archaik zur Frühklassik dokumentieren. Die Skulpturen des Westgiebels werden der Archaik zugerechnet, die des jüngeren Ostgiebels schon der Frühklassik. Auch ist der Aspekt der „antiken Polychromie“ zu erwähnen. Schon bei der Ausgrabung 1811 wurden Farbreste entdeckt und im 19. Jahrhundert international diskutiert. In jüngerer Vergangenheit ist dieses Thema durch die Ausstellung „Bunte Götter“ wieder aufgelebt, die ausgehend von der Münchner Glyptothek 2003/2004 mit bemalten Repliken von Ägineten weltweit durch namhafte Museen wanderte.

Neben dem Attribut „nicht bunt“ für antike Skulpturen geistert ja auch fälschlicherweise „nur Stein“ in den Köpfen herum. Stattdessen muß es bei den Ägineten teilweise „bleiernes Stirnhaar“ gegeben haben, von dem nur ein Loch zur Befestigung und unterschiedliche Verwitterungsspuren im Marmor geblieben sind, aus denen man ungefähr auf die Frisur rückschließen kann. An anderer Stelle hat man zahlreiche Befestigungslöcher für Bleilocken, von denen noch zwei gefunden werden konnten.

Neben den metallenen sind aber auch die steinernen Bestandteile nicht komplett. Teilweise kann man aus Überresten schließen, wie das früher ausgesehen hat. Etwa auf in die Stirn ragende Fangzähne bei einem Helm in Form eines Löwenkopfes, der statt der Fangzähne nur noch Abbruchstellen hat, oder bei einem anderen Kämpfer auf einen verschwundenen steinernen Helmbusch, weil auf dessen Rücken noch der stabilisierende Verbindungssteg übrig geblieben ist.

Von den Ägineten bin ich letztes Jahr gleich mehrfach angestupst worden. Zunächst via Phemios Aoidos, dessen Bezeichnung „Kronjuwelen der Glyptothek“ ich im Blog-Eintrag über die Münchner Glyptothek zitierte. Später bei der langen Nacht der Münchner Museen. Wir waren zwar etwas erholungsbedürftig und hatten vermieden, uns in der Glyptothek etwas erklären zu lassen, aber doch kurz bei den Ägineten mit einem Herrn mit Namensschild gesprochen, der die Ägineten als „unsere besten Stücke“ bezeichnete. Schließlich hat mir der im zweiten Teil Agrigent erwähnte Herr Dr. Mayer seinen Vorfahren Professor Ernst Mayer auch mit der Bemerkung vorgestellt, daß er die ihm als Mitarbeiter von 1821-1825 im Atelier Thorvaldsen in Rom bekannten Ägineten in München Anfang November 1827 ausgepackt und aufgestellt hat.

Passend wurde am 2. Dezember letzten Jahres ein Vortrag von dem Direktor von Glyptothek und Antikensammlungen, Professor Dr. Raimund Wünsche, mit dem Titel „Die Ägineten - Probleme der Deutung“ angeboten. Da mußte ich hin, die beiden Bilder von der Glyptothek und den Antikensammlungen habe ich an diesem Abend aufgenommen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der regelmäßigen Führungstermine in der Glyptothek und den Antikensammlungen (Donnerstag bzw. Mittwoch) vor Ort bei den Ägineten statt. Es gibt wenig feste Sitzgelegenheiten, aber an der Wand stehen genügend Klappstühle, mit denen man während des Vortrages auch gut in den Nebenraum zu den Skulpturen des anderen Giebels wechseln konnte. Anwesend waren schätzungsweise 30 - 40 Zuhörer. Wir wurden am Eingang mit Funkempfängern mit Ohrhörern ausgerüstet, so daß man dem Vortrag akustisch problemlos folgen konnte.

Münchner Glyptothek


Im Vortrag ging es darum, wer in den Giebelgruppen dargestellt wurde. Was dargestellt wurde ist anscheinend unstrittig: der später fertiggestellte Ostgiebel bezog sich auf den ersten, der ältere Westgiebel auf den zweiten Trojanischen Krieg. Allgemein bekannt durch Illias und Odyssee ist der zweite Trojanische Krieg. Im ersten Trojanischen Krieg töteten Telamon und Herakles den Trojanerkönig Laomedon und seine Söhne, abgesehen von Priamos. Im zweiten Trojanischen Krieg ist der überlebende Priamos König der Trojaner. Wichtig für das Verständnis ist der Bezug zu Ägina: der Telamon aus dem ersten Trojanischen Krieg ist Sohn des Aiakos, einem König von Ägina. Und ein Sohn des Telamon und Enkel des Aiakos nimmt wiederum am zweiten Trojanischen Krieg auf Seiten der Griechen teil, das ist Aias, in anderer Schreibweise Ajax.

Bei den Dargestellten gilt die Göttin Athene als sicher, die jeweils in der Mitte beider Giebelgruppen steht. Außerdem in der Ostgiebelgruppe Herakles wegen des erwähnten Löwenkopfhelms. Aias in der Westgiebelgruppe gilt wegen des noch erkennbaren Schildzeichens als sehr wahrscheinlich identifiziert.

Nach gängiger Interpretation sind die Kämpfer in ausgeglichene Kampfszenen eingebettet. Wenn Herakles als Bogenschütze einen gegnerischen Trojaner niederstreckt, dann muß an anderer Stelle ein Grieche fallen. Wenn Aias als erfolgreicher Kämpfer an prominenter Stelle direkt neben der Athene steht, dann muß der erfolgreiche Kämpfer an ihrer anderen Seite ein Trojaner sein, möglicherweise Hektor. Ich werde das nicht weiter erzählen, Sie können es mittels der am Schluß angegebenen Links nachlesen und sich ansehen.

Professor Wünsche hat dem Abend eine andere Interpretation dagegen gestellt: die Sieger in beiden Kampfszenen sind die Griechen, die Verlierer die Trojaner, wer fällt und stirbt muß folglich ein Trojaner sein, und die beiden am prominentesten dargestellten siegreichen Kämpfer rechts und links der Athene sind in beiden Giebelgruppen Griechen. Bei den beiden Griechen an der Seite der Athene vermutete er bei dem Ostgiebel Telamon und Peleus, beim Westgiebel Achill und Aias. Professor Wünsche erklärte das plausibel mit ihrer Beziehung zur Insel Ägina: alle sind Abkömmlinge des Königs Aiakos, Peleus und Telamon sind seine Söhne und Achilleus und Aias seine Enkel.

Nach dieser Interpretation kann der Bogenschütze vom Westgiebels, dessen bemalte Replik häufig im Zusammenhang mit den „Bunten Göttern“ zu sehen war, nicht mehr der trojanische Königssohn Paris sein. Er wäre dann eher ein skytischer Bogenschütze in Diensten der Griechen. Später ist mir dann der Herakles eingefallen - wenn in der zweiten Reihe Namenlose zugelassen werden und die Bedeutung vor allem auf den beiden hervorragenden Kämpfer rechts und links der Athene liegt, wie paßt das mit dem am Rande knienden Herakles zusammen? Da bin ich ergänzend an einem ausführlicheren Text zu dieser Interpretation interessiert, habe aber noch nichts gefunden.

Jetzt zum gefundenen Lesestoff. Einarbeiten in die Ägineten lohnt sich, denn ab Frühjahr 2011 soll es eine große Ausstellung in der Glyptothek geben, die sich mit den Ägineten-Ergänzungen von Bertel Thorvaldsen von befasst. Ich hatte Sie ja im zweiten Teil Agrigent auf diese Ergänzungen am Beispiel des Barberinischen Fauns hingewiesen und auch den erst kurz zuvor von Herrn Dr. Mayer gelernten Begriff „Purifizierung“ erwähnt. Die Ägineten wurden über 100 Jahre lang mit Ergänzungen von Bertel Thorvaldsen ausgestellt, die 1963 bei der „Purifizierung“ abgenommen wurden.

Staatliche Antikensammlungen München

In der Ausstellung sollen Thorvaldsens Ergänzungen an Kunstmarmorabgüssen der Ägineten zu sehen sein. Außerdem wird auch der „Paris“ neu eingekleidet zu sehen sein, dieses Mal nicht nur angemalt, sondern mit einem Gewand in Sprangtechnik. Lesen Sie dazu mehr in diesem Text von Raimund Wünsche in der Zeitschrift Aviso (ab Seite 20 in der pdf-Datei).

Professor Dr. Raimund Wünsche wurde von Jürgen Martin Möller im Rahmen des Alpha-Forums interviewt, in dem über die Glyptothek und seine frühen Beziehung zur Insel Ägina erzählt. Auf die Museums-Website können Sie ebenfalls einen Blick werfen. Sie sehen da gleich einen fallenden Ägineten aus dem ersten Trojanischen Krieg.

Ich hatte mich vor dem Vortrag mit der Wikipedia und mit der Website von Thomas Gransow kundig gemacht. Außerdem habe ich noch diese Website von Dr. Benno Kuppler mit einem älteren Aviso-Text über die seinerzeitige Münchner Bunte-Götter-Ausstellung gefunden.

Und im Projekt Gutenberg gibt es mehr zum ersten Trojanischen Krieg. Nach dem Vortrag mußte ich mich natürlich über Aiakos informieren, da ist wieder die Wikipedia hilfreich, mit der Sie sich die Söhne entlang über Peleus und Telamon zu Aias und Achill durchhangeln können.

Wenn Sie in den Texten herumstöbern werden Sie Verweise auf Adolf Furtwängler und sein Buch „Die Aegineten der Glyptothek König Ludwigs I. nach den Resultaten der neuen Bayerischen Ausgrabung“ von 1906 finden, das Buch gibt es digitalisiert bei der Universität Heidelberg.

Wie Sie sehen ist die Schreibweise uneinheitlich, mal Ägineten, mal Aegineten, seltener Aigineten, bei einer Suche wäre das zu berücksichtigen. Ich habe mich an der Schreibweise der Glyptothek orientiert.

Die Bleilocken habe ich nicht aus online verfügbaren Texten, sondern aus dem Buch „Glyptothek München. Meisterwerke griechischer und römischer Skulptur“ von Professor Wünsche. Es ist zwar noch die alte Interpretation der Ägineten drin, aber ich kann Ihnen das Buch trotzdem empfehlen. Machen Sie es wie ich: gehen Sie in der Vorweihnachtszeit in einen Vortrag von Herrn Professor Wünsche, kaufen Sie am Eingang ein paar Exemplare und bitten Sie ihn nach dem Vortrag die Exemplare zu signieren. Sparen Sie sich Kaufpanik in der Innenstadt und verwenden die Bücher als Nikolaus- oder Weihnachtsgeschenk und dann leihen Sie sich eines davon aus, um das mit den Bleilocken nachzulesen!

Dienstag, 30. November 2010

Agrigent, zweiter Teil

Das mit der „kurzen“ Unterbrechung meines Sizilien-Reiseberichts durch die „Terminsachen“ ging ziemlich schief. Die nächste Unterbrechung ist absehbar, aber jetzt sollen erst komplett die Einträge zu Agrigent kommen. Für die Sizilien-Fans will ich auf das Sizilien- und den Agrigent-Label unterhalb der zugehörigen Blog-Einträge hinweisen, dort draufklicken und man sieht die Sizilien- und Agrigent-Einträge im Zusammenhang.

Bild 1: Juno-Tempel

Vor dem Start des zweiten Teils empfehle ich noch einen Blick auf den langen Kommentar von Peter Burket zum ersten Blog-Eintrag zu Agrigent. Im Zusammenhang mit diesem Blog-Eintrag habe ich auch Kontakt mit Dr. Ernst Theodor Mayer bekommen, einem direkten Nachfahren des im Kommentar erwähnten Professor Ernst Mayer.

Ein Ergebnis dieses Kontakts mit Herrn Dr. Mayer will ich schon einmal weitergeben: er hat mich auf den Artikel „Grün steht den Göttern gut“ auf Seite 12 der Süddeutschen Zeitung vom 15.11.2010 hingewiesen. Es geht darin um sensationelle Farbdias, die im Nachlass des Hobbyfotografen Joseph Eschenlohr gefunden wurden. Er hatte sie vor den Kriegs- und Nachkriegszerstörungen in der Glyptothek aufgenommen. Die Wände in „verde-antico“, was man dem Namen nach von Baurechnungen kannte, aber von dem man mangels Farbfotos nicht wußte, wie es aussah. Der Artikel in der Süddeutschen ist mit dem Barberinischen Faun vor grünem Hintergrund illustriert.

Bild 2: Concordia-Tempel

Wenn Sie versuchen an den Artikel im WWW heranzukommen, sollten Sie "Grün steht den Göttern gut" in Hochkomma schreiben. Der Nachname von Herrn Eschenlohr ist in der SZ hinten mit „er“ geschrieben, falls Sie es mit dem Namen versuchen und die Suchmaschine das nicht zurechtbiegt. Zum Vorkriegszustand und den Kriegszerstörungen hatte ich im Blog-Eintrag über die Münchner Glyptothek auf die Website www.denkmaeler-muenchen.de hingewiesen.

Eventuell fällt Ihnen auf, daß der Barberinische Faun seinerzeit noch einen linken Arm und einen linken Fuß hatte und heute nicht mehr. Auf der Webseite der Skulpturhalle Basel können Sie den Unterschied sehen. Das führt zum Thema Ergänzungen an den Ausstellungsstücken der Glyptothek, an denen auch der schon erwähnte Professor Ernst Mayer beteiligt war, und deren spätere Entfernung. Den Begriff „Purifizierung“ habe ich in diesen Tagen durch Herrn Dr. Mayer kennengelernt.

Bild 3: Blick vom Concordia-Tempel nach Norden

Ich hoffe, wir werden von ihm zu diesem Thema und vielleicht auch zu den Telamonen/Atlanten noch einiges erfahren. Aber jetzt weiter zu Agrigent. Im Rest dieses Eintrags soll es um die Lage der archäologischen Sehenswürdigkeiten gehen, man kann sich dadurch vielleicht ein klein wenig vorstellen, wie der im ersten Teil erwähnte Pindar die Stadt Akragas gesehen hat.

Eine Besonderheit sind die in einer Reihe angeordneten Tempel bzw. Tempelreste, die man heute im „Parco della Valle dei Templi di Agrigento“ besichtigen kann. Tal der Tempel ist etwas missverständlich, weil die Tempel neben dem tiefer gelegenen „Tal“ meist nahe an einer Felskante stehen. Sehen wir uns dazu neben den Bildern in diesem Blog-Eintrag noch den Lageplan von Agrigent beim Antikefan Bernd Liermann an. Vielleicht können Sie diese Webseite in einer zweiten Registerkarte aufmachen und dann am besten auf den Plan klicken um an die große Version zu kommen. Die zentralen touristischen Anlaufpunkte sind dort durchnummeriert. Eine weitere Registerkarte können Sie der Wikipedia spendieren. Die Karten dort sind wegen dem vom Antikefan ausgelassenen Bereich im Norden interessant, wo vermutlich die Akropolis gelegen hat.

Bild 4: Blick vom Herakles-Tempel nach Norden

Auf meinem ersten Bild sehen Sie etwas herangezoomt wieder den Juno-Tempel, mit dem ich den ersten Teil von Agrigent beendet habe. Beim Antikefan ist das der Kreis mit der Nummer 5 in der südöstlichen Ecke der eingezeichneten früheren Stadtmauer. Die Aufnahme habe ich vom antiken Ekklesiasterion (Versammlungsort) beim Archäologischen Museum Agrigent aus gemacht, das ist ziemlich in der Mitte des Lageplans, wo drei nummerierte Kreise beieinanderliegen (neben dem Museum und Ekklesiasterion auch noch die Kirche San Nicola).

Das zweite Bild zeigt den ebenfalls etwas herangezoomten Concordia-Tempel, beim Antikefan die Nummer 6, im Hintergrund ist das Meer. Das dritte Bild ist beim Concordia-Tempel in Gegenrichtung auf die Stadt aufgenommen. Museum und Kirche San Nicola sind vor der Stadt oben an der Straße in der Bildmitte zu sehen. Rechts ein Hotel, hinsichtlich Tempel und Museum in 1a-Lage (Preise und Qualität sind mir aber unbekannt). Bild 4 ist auch in Richtung auf Agrigento aufgenommen, jetzt vom Herakles- bzw. Herkules-Tempel aus, das ist die Nummer 7 beim Antikefan, der nächste Tempel in der Reihe in Richtung Westen.

Bild 5: Asklepios-Tempel

Touristisch gesehen sind die wichtigen Anlaufpunkte vor allem der Parkplatz, der im Vordergrund des vierten Bildes zu sehen ist, von dem man zu Kassen und dann den Tempeln weitergeht, und der große Parkplatz beim archäologischen Museum. Bemerkenswert ist, daß sich diese Anlaufpunkte nahezu mit den Zentren des täglichen Lebens im antiken Akragas decken. Der untere Marktplatz soll bei dem zu sehenden Parkplatz gelegen haben, der obere Marktplatz beim Museum. Das Haupttor der Stadt, bei den Römern Porta Aurea genannt, soll hier beim Herakles-Tempel gelegen haben. Die antike Zufahrt würde sich also mit dem Durchbruch durch den Felsgrat für die heute von Süden kommende Straße decken, der Durchbruch soll aber erst in byzantinischer Zeit so tief gelegt worden sein.

Wenn auf antike Ansichten eingegangen wird, dann wird meist die nahe der Felskante stehende Tempelreihe hervorgehoben, die vom Meer her kommende Besucher sicher sehr beeindruckt haben muß. Im fünften Bild - aufgenommen aus dem fahrenden Auto direkt beim Asklepios-Tempel unten in der Mitte des Lageplans - sieht man aber, daß von dort auch die Akropolis im Norden gesehen werden konnte. Wegen der modernen Überbauung ist dort nur wenig erhalten. Es muß aber auch dort Tempel gegeben haben, Säulenteile und der Grundbau eines dorischen Tempels sollen in der Kirche Santa Maria dei Greci im Zentrum der heutigen Stadt erkennbar sein. Die Säulen im Bild neben den Asklepios- bzw. Äskulap-Tempel-Resten stammen vom Herakles-Tempel, das braune Bauwerk im Grünen links unterhalb dieser Säulen ist das sogenannte Grabmal des Theron.

Bild 6: Nordwestblick vom Juno-Tempel

Es gibt noch eine weitere interessante Sichtachse. Wie auf dem Lageplan des Antikefans zu sehen ist, stehen die Tempel etwa in Reihe. Es fehlt bei seinen Kreisen noch ein Tempel, nämlich der Vulkan-Tempel westlich neben den Eisenbahngleisen und innerhalb der antiken Befestigungsanlage. Wie man auf dem Plan sieht, geht das nur mit einer Biegung der Tempelreihe nach Norden. Wir sind an den Tempel nicht herangekommen. Im dort gekauften Tal-der-Tempel-Führer ist aber ein westlich und oberhalb des Vulkan-Tempels mit Zoom aufgenommenes Bild, auf dem man sowohl die Reste des Vulkan-Tempels als auch die Tempelreste bei Nummer 9 und 10 sowie den Concordia- und den Juno-Tempel sehen kann. D.h. diese Sicht einer „Prozessionsanordnung“ muß es seinerzeit auch gegeben haben. Von einer gefundenen antiken Prozessionsstraße ist mir nichts bekannt, ich glaube nur irgendwo so eine Bezeichnung für den modernen Touristenweg zu den Tempeln 5-7 gelesen zu haben.

Bild 6 ist in Gegenrichtung zu der genannten Sichtachse aufgenommen, also vom Juno-Tempel. Man sieht den Concordia-Tempel, aber aus dieser Richtung knickt der Felsgrat zusehr ab um von den unterhalb stehenden Resten noch etwas zu erkennen. Zwischen Tempeln und dem heutigen Agrigent senkt sich das Gelände etwas. Ich stelle mir die Topographie des antiken Akragas wie menschliche, mit einem Rock bekleidete Oberschenkel vor. Der rechte Oberschenkel ist etwas aufgestellt und abgespreizt, dort lag die Akropolis und das heutige Agrigento, der linke Oberschenkel ist an den Boden gedrückt, dort befinden sich die Tempel. Der Juno-Tempel noch ein wenig erhöht auf einem Stück Hüftknochen.

Bild 7: Südwestblick vom Juno-Tempel

Das abschließende Bild 7 ist von diesem „Hüftknochen“, also beim Juno-Tempel, in Richtung Südwesten aufgenommen. Die Straße führt nach Porto Empedocle, rechts bei der Straße ist schwach der Asklepios-Tempel zu erkennen. Im Dunst hinten das Meer. Die Landschaft läuft aber nicht flach dorthin aus, sondern es geht auf dem Weg dahin noch einmal eine Stufe herunter.