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Donnerstag, 6. November 2025

Burg Grünwald

In der Burg Grünwald waren wir schon länger nicht mehr. Das müßte sich ändern, weil die Burg in unserem Radausflugshorizont liegt und sich im Burgmuseum einiges seit unseren letzten Besuchen getan hat und es auch ab und zu interessante Veranstaltungen und Führungsangebote gibt.

Burg Grünwald

Dr. Harald Schulze bringt die Gründe die Burg zu besuchen in den Heimatgschichtn von München.tv vom 03.11.2025 auf den Punkt. Mitschreiben was er in der kurzen Zeit über die Geschichte der Burg erzählen konnte braucht man eher nicht, die Wikipedia scheint mir ziemlich üppig ausgestattet zu sein. Man kann sich dort einlesen, wenn wieder einmal eine Führung von ihm angeboten wird.

Burg Grünwald

Vor Jahren gab es eine inhaltliche Neugestaltung der Dauerausstellung des Burgmuseums Grünwald hin zum Thema „Burgen in Bayern“. Dieser Ausstellungsteil kommt aber im Video zu kurz. Burgen sind nicht nur ein museales Thema, auch in der Forschung tat sich gerade etwas. Die Universität Tübingen hat gerade ein Zentrum für Burgenforschung eröffnet. Vom SWR gibt es ein Gespräch mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Burgenforschung Dr. Michael Kienzle.

Burg Grünwald

Das Burgmuseum Grünwald ist ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung. Von München.tv gibt es ein älteres Video über einen Besuch der Burg Grünwald von Marion Schieder mit dem Leitenden Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung München Prof. Rupert Gebhardt.

Burg Grünwald

Meine von der westlichen Isarseite aus aufgenommenen Fotos stammen von heute Nachmittag.

Donnerstag, 15. August 2024

Gemischte Links

Im letzten Jahr schrieb Conrad Schormann anläßlich des 80sten Geburtstages des Schachgroßmeisters Dr. Helmut Pfleger über ihn in den Perlen vom Bodensee: „Die breite Öffentlichkeit kannte und kennt ihn vor allem als den Schacherklärer aus dem Fernsehen. Von den frühen 80ern bis Mitte der 2000er war Helmut Pfleger das TV-Gesicht des deutschen Schachs.“

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Meine Fotos stammen von der Einweihung eines neuen großen Bodenschachspiels auf der Kulturinsel vor dem Gasteig-Ausweichquartier HP8 am 17. Juli 2024. Jana Schneider und Svenja Butenandt spielten zwei Schachpartien miteinander und Dr. Helmut Pfleger kommentierte. Es war schön zu sehen, wie Helmut Pfleger trotz des vorgerückten Alters souverän wie früher seine Rolle gemeistert hat. Er könnte nahtlos wieder an seine Fernsehkommentatorenzeit anknüpfen! Zu Jana Schneider, Svenja Butenandt und dem Endergebnis gibt es etwas mehr Informationen vom Schach-Ticker

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Man kann nun selbst beim HP8 Hand an die Schachfiguren legen. Die Ausleihbedingungen findet man auf dem letzten Foto. Vielleicht wäre mit einem elektrisches Verfahren mit App das Ausleihen aus dem Schrank und die Figurenübergabe an andere Spieler eine kleinere Hürde? Das könnte ich nächste Woche am 22.8. die Teilnehmer der Untergiesinger Schachwanderung nicht weit vom HP8 entfernt auf der anderen Isarseite fragen. Bei Interesse beachte man das weiter unten auf der Website verlinkte Plakat mit zwei weiteren Augustterminen und drei im September.

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

In der Münchner Innenstadt läuft derzeit ein Stelenprojekt, bei dem mittels 13 Infostelen Passanten auf bedeutende archäologische Fundstellen aufmerksam gemacht werden. Im Zusammenhang mit dem Stelenprojekt lädt laut Münchner Wochenanzeiger die Archäologische Staatssammlung bis Ende Oktober zu kostenlosen Führungen ein. Die nächsten Termine sind am 21. und 29. August.

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Ende Juli und Anfang August meldete das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege neue Erkenntnisse aus dem Raum München. Zum einen konnten Siedlungsfunde im Ortskern von Neufahrn auf eine Zeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Gemeinde datiert werden. Zum anderen ist man im Oberschleißheimer Ortsteil Neuherberg auf Spuren einer bislang unbekannten mittelalterlichen Siedlung gestoßen. Beim BR ist derzeit noch ein Video vom Neuherberger Ausgrabungsgelände zugreifbar.

Ausleihmodalitäten der Schachfiguren des Bodenschachspiels beim Gasteig HP8

Schließlich noch ein Hinweis auf einen „Kelten-Römer-Tag für die ganze Familie“ in Oberhaching und ein terminüberschneidendes „Keltenwochenende“ in der Archäologischen Staatssamlung. Oberhaching startet schon vor dem Wochenende mit einem Vortrag am 12.9. Am Samstag dem 14.9. kann man dann in der Oberhachinger Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld Mitgliedern historischer Darstellungsgruppen und historischen Handwerkern beim Näherbringen keltisch-römischen Lebens zusehen und es wird eine Fahrradführung zu den weiteren Keltenschanzen Oberhachings angeboten (Der Samstagstermin bei der Keltenschanze wurde wegen schlechter Wettervorhersage abgesagt!! Man bemüht sich um einen Ersatztermin im nächsten Jahr!). Die Archäologische Staatsammlung bietet am 14. und 15.9. Führungen und Mitmachaktionen zu den Kelten an.

Mittwoch, 15. Mai 2024

Keltenhaus Taufkirchen und Wolfschneiderhof

Dieser Blogeintrag über das Keltenhaus Taufkirchen und den Wolfschneiderhof ist der dritte Teil in meiner Hachinger-Bach-Serie, die ich im Februar mit dem „römischen Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger“ begonnen und im März mit dem Heimatmuseum Unterhaching fortgesetzt habe.

Keltenhaus Taufkirchen

Taufkirchen hatte wie Perlach und Unterhaching einen durch den Hachinger Bach bestimmten Dorfvorgänger und um das Keltenhaus Taufkirchen herum soll es nach dem Bayerischem Denkmal-Atlas (Denkmalnummer D-1-7935-0055) eine Siedlung frühen Bronzezeit, der Spätbronze-/Urnenfelderzeit, der Späthallstatt-/Frühlatènezeit, der mittleren bis späten Làtenezeit, eine Villa rustica der römischen Kaiserzeit sowie Körpergräber des Endneolithikums (Glockenbecherkultur) und der frühen Latènezeit gegeben haben. Es trifft also zum einen die römerzeitliche Besiedlung zu, die schon im Perlacher Teil meiner Serie behauptet wurde (die Kette römerzeitlicher Siedlungen entlang des Hachinger Bachs). Zum anderen sind die verschiedenen Siedlungen Beispiele für die im Unterhachinger Teil vorgestellte begehbare Landkarte des Hachinger Baches mit vielen entlang seines Verlaufs eingezeichneten ehemaligen Siedlungsstellen.

Keltenhaus Taufkirchen

Ich will in diesem Zusammenhang zwar wieder sowohl das Unterhachinger Heimatmuseum als auch seine über Unterhaching hinausführende „Hachinger Bach“-App bewerben. Aber der Text zum Gebiet um das Keltenhaus weist schon darauf hin, daß das tatsächliche Szenario mit den vielen Siedlungen noch deutlich komplizierter war. Zu einer 2012 nahe dem Keltenhaus stattgefundenen Ausgrabung der Firma Singularch gibt es einen im Internet frei zugreifbaren Grabungsbericht und darin die folgende Bemerkung:„Da Ansiedlungen meist nach nur wenigen Generationen aufgegeben und in einiger Entfernung neu gegründet wurden, ist in den besonders siedlungsgünstigen Gebieten häufig eine mehrphasige Besiedlung feststellbar.“ Diese „Mehrphasigkeit des besiedelten Areals“ wurde dann auch weiter unten im Singularch-Text im Zusammenhang mit den vorgestellten Befunden angemerkt.

Umweltgarten beim Keltenhaus Taufkirchen

Das Keltenhaus Taufkirchen ist in Folge einer früheren, 1993/94 stattgefundenen Ausgrabung entstanden. Die Ergebnisse der Ausgrabung sind auf der Website der „Freunde des Wolfschneiderhofes in Taufkirchen e.V.“ kurz zusammengefasst. Im Keltenhaus wird laut der Website auf einigen Schautafeln die Archäologie im Hachinger Tal dargestellt. Führungen im Keltenhaus können mit dem Gemeindeheimatpfleger vereinbart werden. Vici.org bietet nebst einer weiteren Zusammenfassung zum Keltenhaus auch eine Lagekarte.

Wolfschneiderhof Taufkirchen

Meine Fotos stammen vom letzten April-Freitag. Das Wetter war nach ungünstigen Tagen ideal zum Radeln. Interessant wären noch Funde aus den Ausgrabungen gewesen, die im Taufkirchener Rathaus in Vitrinen ausgestellt sein sollen. Aber wegen anderer Rahmenbedingungen bin ich erst nach 12 Uhr beim Rathaus angekommen und konnte nur feststellen, daß das Rathaus nach Ablauf seiner Öffnungszeit tatsächlich zu ist.

Backhaus des Wolfschneiderhofs Taufkirchen

Ich bin danach noch ein kleines Stück weiter, um Fotos vom Wolfschneiderhof zu machen. Dieses zu bestimmten Zeiten besuch- und besichtigbare Taufkirchener Heimathaus ist ein gerettetes altes Bauernhaus aus der Zeit des kleinen Bauerndorfes Taufkirchen. Zufällig war gerade ein Mitglied der „Freunde des Wolfschneiderhofes in Taufkirchen e.V.“ anwesend, das mir freundlicherweise erlaubte vom Gelände des Wolfschneiderhofes aus zu fotografieren. Der Wolfschneiderhof sieht schön und heimelig aus. Ein Beitrag von München tv zeigt, was man sich innen noch alles ansehen kann. Das Leben der früheren Bewohner war aber extrem hart, wovon man sich in „Der Wolfschneiderhof und seine letzten Bewohner“ einen Eindruck verschaffen kann.

Wolfschneiderhof Taufkirchen

Am nächsten Sonntag ist der Internationale Museumstag 2024. Laut dem Veranstaltungskalender des Wolfschneiderhofs wird zwischen 14 und 17 Uhr ein besonderes Programm des Gemeindeheimatpflegers angeboten. Ich will zudem noch auf auf die Johannidult am 23. Juni 2024 von 11:00–18:00 Uhr im Garten des Heimathauses hinweisen. In dem Garten war ich von den gezogenen Pflanzen sehr fasziniert. Nicht nur die in dem kleinen eingehegten Bereich, sondern auch die in den Pflanzschalen sahen so gut, gesund und kräftig aus. Wenn das nicht an dem aktuellen Wetter und der Jahreszeit lag, sondern an besonderen Versorgungsfähigkeiten, dann darf man auf die selbstgebackenen Kuchen an Museumstagen und die Schmankerl vom Grill und die reichlichen kühlen Durstlöscher zur Johannidult gespannt sein.

Hachinger Bach beim Wolfschneiderhof Taufkirchen

Abschließend ein Blick nach Oberhaching, das soll die nächste Station auf meiner Tour entlang des Hachinger Bachs werden. Oberhaching feiert dieses Jahr seinen 1275. Geburtstag, und ein Höhepunkt des Festjahres soll die Festwoche vom 29. Mai - 9. Juni sein. Die beinhaltet am 8. Juni eine „Oberhachinger Zeitreise“, einen „Spaziergang durch die Geschichte für die ganze Familie“.

Hachinger Bach beim Wolfschneiderhof Taufkirchen

Dienstag, 26. März 2024

Heimatmuseum Unterhaching

Auf dem ersten Bild ist die Eingangsseite des Unterhachinger Heimatmuseums zu sehen. Drinnen findet man sich zunächst am Ende der Eiszeit und in der Jungsteinzeit wieder und kann sich nach links wendend hufeisenförmig an der Wand entlang in der Zeit voran bewegen. An der Stirnseite des Raumes gelangt man zu dem sensationellen Unterhachinger Gräberfund aus der Zeit um 500, derentwegen es 2010 eine eigene Ausstellung in der Münchner Archäologischen Staatssammlung gegeben hat. An der dem Eingang gegenüberliegenden Wand finden sich viele weitere Informationen bis in die neuere Zeit.

Eingangsseite des Heimatmuseums Unterhaching

Das zweite Bild ist beim gegenüber dem Eingang liegenden Ende des Hufeisens entstanden. Ganz links im Bild der Unterhachinger Heimatpfleger Günter Staudter neben seinem seinerzeit jüngsten Beitrag für das Heimatmuseum, einem von ihm selbst beim Abbruch eines Unterhachinger Jugendstilhauses gerettetem Fenster. Günter Staudter wird nach 20 Jahren Amtszeit Ende März 2024 aus dem Amt scheiden. In der Bildmitte ist Paul Hirschauer zu sehen, der mit einschlägigen Fachkenntnissen jahrelang beim Aufbau des Heimatmuseums mitgeholfen hat. Rechts der an diesem Tag seitens des Trägervereins diensthabende Peter Jenkel. Er hatte als Architekt das Heimatmuseum baulich gestaltet und war zudem derjenige, der durch seinen Anruf 2004 die Ausgrabungen der sensationellen Gräberfunde ausgelöst hat.

Günter Staudter, Paul Hirschauer und Peter Jenkel im Heimatmuseum Unterhaching

Als die drei Herren sich voneinander verabschiedeten fiel mehrfach der Begriff „Zufall“. Ich hatte mich im Wald westlich von Unterhaching verradelt und war nahe am Abbruch. Im Heimatmuseum war mir noch nicht klar, warum ich schlußendlich in dieser Richtung nach Unterhaching gekommen war. Vielleicht war das mein Ticket, um zu dem Treffen der drei Herren dazukommen zu dürfen. Die Innenaufnahmen entstanden letztes Jahr am zweiten Oktobersonntag, da war der Himmel bedeckt und mir half keine Sonne. Die sonnigen Außenaufnahmen entstanden etwas später an Allerheiligen.

Innenbereich des Heimatmuseums Unterhaching

Im Heimatmuseum gab es nicht nur eine zeitliche Orientierung, sondern durch eine begehbare Landkarte des Hachinger Baches auch eine räumliche. Die dominante Bedeutung des Hachinger Bachs erschließt sich schnell über die vielen eingezeichneten ehemaligen Siedlungsstellen entlang seines Verlaufs, wenn man sich den etwa vier Minuten dauernden „Flug über den Hachinger Bach“ ansieht. Dieses Zusammenspiel der Siedlungen mit dem Hachinger Bach ist in Perlach sehr schön mittels dem im Gelände kenntlich gemachten Verlauf eines archäologisch nachgewiesenen römischen Mühlkanals nachvollziehbar. Der Mühlkanal soll zusammen mit einer Mühle zu einem römerzeitlichen Gehöft gehört haben, das in Sichtweite einer Siedlung mit einer weiteren Mühle am Hachinger Bach lag. Und diese beiden Siedlungsstellen sollen wiederum Teil einer ganzen Siedlungskette entlang des Hachinger Bachs gewesen sein.

Innenbereich des Heimatmuseums Unterhaching

Die wertvollen Funde in den Unterhachinger Gräbern stellen eine Momentaufnahme aus der Zeit etwas über 100 Jahre später dar, als bei der zerstörten Mühle in Perlach wieder eine Neubesiedlung nachgewiesen werden konnte. Im Fall der Unterhachinger Gräber wurde als eine Erklärung für die vermutlich sehr hochrangigen Bewohner die Funktion des Hachinger Tals als Nord-Süd-Verbindung herangezogen. Schon die römerzeitliche Siedlungskette hatte sich nahe des nördlichen Ausgangs des Gleißentals mit einer wichtigen römischen Ost-West-Verbindung von Salzburg nach Augsburg gekreuzt.

Innenbereich des Heimatmuseums Unterhaching

In den letzten Jahrzehnten sind die am Hachinger Bach anliegenden Gemeinden extrem gewachsen. Aber bis dahin spielte der Bach sehr lange eine dominierend Rolle. Bild 9 zeigt den Glonnerhof, wo die sensationellen Grabfunde gemacht wurden. Der ist etwas über 100 Meter vom Hachinger Bach entfernt. Bild 10 zeigt einen 2023 errichteten Brunnen, der laut dem von Günter Staudter gestalteten Text an die mittelalterliche Trinkwasserversorgung erinnern soll. Am Standort, dem früheren Kirchgassenplatz, befand sich der Dorfbunnen, der ausschließlich zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung diente. „Zum Waschen, Gießen und zum Viehtränken ging man an den Hachinger Bach“. Beim Fotografieren der Brunnenerinnerung hatte ich den Hachinger Bach etwas über 10 Meter entfernt im Rücken und war vom Glonnerhof etwa 150 Meter weit weg. Auf den Texten der Perlacher Informationstafeln sind übrigens auch entdeckte römerzeitliche Brunnen nahe des Mühlkanals erwähnt. D.h. das Wasser könnte über Jahrtausende ähnlich genutzt worden sein.

Innenbereich des Heimatmuseums Unterhaching

Daher ist der übergreifende Ansatz weit über Unterhaching hinaus sowohl bei der Bachlandkarte als auch bei der App des Heimatmuseums „Hachinger Bach“ sehr gut nachvollziehbar. Man möge sich deshalb bei Interesse nicht nur das umfangreiche Angebot der App zu Unterhaching ansehen, sondern die App auch für Touren zu den Keltenschanzen bei der Römerstraße durch das Gleißental in Erinnerung behalten. Umgekehrt würde ein Besuch im Unterhachinger Heimatmuseum natürlich auch gut zur Perlacher Mühlgraben-Visualisierung oder zu diesjährigen Oberhachinger Festivitäten zum 1275-jährigen Bestehen passen.

Innenbereich des Heimatmuseums Unterhaching

Die ikonische Unterhachinger Scheibenfibel sollte ab der Wiedereröffnung der Archäologischen Staatssammlung in der dortigen Dauerausstellung zu sehen sein. Im aktuellen Vortrag von Dr. Brigitte Haas-Gebhard „Die Welt der Baiuvaren“ kommt sie ab Minute 41:40 vor und ist mit einem Dauerausstellungssternchen markiert. Ich bin etwa ab Mitte der 1990er Jahre auf Museumstouren öfters in der Archäologischen Staatssammlung gelandet. Es war schön sich dort die Dauerausstellung anzusehen und danach noch im Englischen Garten spazieren zu gehen. In Sonderausstellungen der Archäologischen Staatssammlung bin ich nur zufällig geraten. Ich glaube die erste Münchner archäologische Sonderausstellung die ich gezielt angesteuert habe war „Odysseus - Mythos und Erinnerung“ im Haus der Kunst 1999.

Innenbereich des Heimatmuseums Unterhaching

Ich habe damals in kurzer Fußwegentfernung zum Unterhachinger Gebiet in Taufkirchen in einem vermutlich nicht sehr lange zuvor bebauten Gebiet gut erreichbar von der Autobahnausfahrt zu arbeiten begonnen. Untergekommen bin ich im ersten Monat bei einem Freund aus meiner alten Heimat und seiner Familie. Danach wurde wie abgesprochen die Wohnung eines Projektkollegen von ihm im südwestlichen München frei. Ich mußte also weder in einer nahen Unterkunft vorübergehend nächtigen und mir abends die Zeit vertreiben noch in der Gegend nach einer Wohnung suchen. Das obige Verradeln illustriert meine vielen hier weiß gebliebenen Flächen. In dieser Zeit haben mehrere neue Kollegen angefangen, bei denen wäre glaube ich auch ein Einführungspaket mit ein paar Abenden Heimatkunde auf Interesse gestoßen. Und ich hätte die Termine noch nicht mit zuviel Spezialfragen ausgebremst.

Der Glonnerhof in Unterhaching - 2004 Fundort sensationeller Grabfunde

In dem Zusammenhang wäre zunächst das Angebot von Peter Jenkel bei der Begrüßung zu erwähnen: „Wenn Sie Fragen haben..“. Also man kann sich vornehmen erst mal die Ausstellung anzusehen und dann zu fragen. Das Heimatmuseum bietet aber auch auf Wunsch Sonderführungen an. Darauf so ein kleines Paket abzusprechen hätten wir aber damals kommen müssen, wenn es das Heimatmuseum und das Führungsangebot schon gegeben hätte. Über dieses Angebot hinaus findet man bei der Internetrecherche einige Berichte über stattgefundene heimatkundliche Führungen in Unterhaching und Umgebung mit unterschiedlichen Anbietern. Vielleicht wären solche Angebote sogar die modernere Version - man sieht in der Mittagspause etwas und klickts an und hat es gebucht. Aber ich wüßte jetzt nicht wie man gerade Anstehendes schnell findet.

Erinnerung an den ehemaligen Unterhachinger Dorfbrunnen

Zum Abschluß als Beispiel für ein älteres Angebot „Unterhaching Hören“ von der VHS Unterhaching mit einem Audiostück zum Hörpfad „Der Schatz vom Glonner Weg“, in dem sich Gertraud Schubert mit Peter Jenkel über die Entdeckung der dortigen Gräber unterhält. Peter Jenkel ist auch in der Hachinger-Bach-App zu hören. Ich habe jetzt nicht abgeglichen ob die VHS-Hörpfade komplett in der App verbaut wurden, sehe hier jetzt aber auf der VHS-Seite auch keinen prominenten Hinweis auf die App.

Montag, 12. Juli 2021

Kunstareal-Fest 2021

Vom 16. bis zum 21. Juli findet in München wieder ein Kunstareal-Fest statt. Grundsätzlich halte ich Formate wie dieses Kunstareal-Fest und die Lange Nacht der Münchner Museen für ganz sinnvoll, so lange sie sich irgendwie rechnen und von den Besuchern gut angenommen werden. Wenn sie von den Besuchern gut angenommen wurden, dann gab es aber in der Vergangenheit zwangsläufig Zusammenballungen von Besuchern. Seien es bei den Museumsnächten die teilweise proppevollen Shuttle-Busse oder die größeren Gruppen von Wartenden, wenn schubweise eingelassen wurde. Oder im Fall des Kunstareal-Festes 2015 die lange Schlange vor der Essens- und Getränkeausgabe in der Glyptothek oder die vielen Interessierten an der Humanoiden-Vorführung. Man wird das wohl schon mit Voranmeldungen Corona-verträglich hinkriegen, anderseits sollte das auch zu Lasten der Vorteile das Kunstareal-Festes gehen.

Freitag, 18. Juni 2021

Process Mining

Das „Data Mining“ hatte ich schon letztes Jahr in einem Blogeintrag über die Künstliche Intelligenz erwähnt. Die Wikipedia meint, es handelt es sich bei der Bezeichnung um einen „misnomer“, weil es beim Data Mining nicht um den Abbau von Daten, sondern um das Entdecken von Mustern in Daten geht. Ich hatte Anwendungsbeispiele wie die Warenkorbanalyse und die Kundensegmentierung genannt. Bei der Warenkorbanalyse wäre der Klassiker für ein entdecktes Muster die Erkenntnis, daß der Kauf von Artikel X häufig im Zusammenhang mit dem Kauf von Artikel Y steht. Bei der Kundensegmentierung entsprächen den erkannten Mustern die aus den vorhandenen Kundendaten erkannten Kundengruppen und Angaben, mit welchen Merkmalen sich diese Gruppen voneinander abgrenzen lassen.

Die Wikipedia sortiert Data Mining lesenswert in eine größere zeitliche Entwicklung ein. Aus der Formulierung, daß um 1990 die Bezeichnung „Data Mining“ in der „database community“ auftauchte, möge man aber nicht schließen, daß seinerzeit hierzulande schon eine größere Zahl von Datenbankleuten mit dieser Bezeichnung etwas anfangen konnte. Eine „breitere Bekanntheit“ dürfte erst mit einem Artikel wie „Schwarze Magie - Knowledge Discovery: Suche nach verborgenen Schätzen“ in der iX vom August 1997 begonnen haben. Die Bezeichnung „Knowledge Discovery“ wurde in diesem Artikel synonym zu „Data Mining“ verwendet. Im Artikel wurde als Anlaufpunkt im Netz die Website www.kdnuggets.com genannt. Die spielt heute noch eine prominente Rolle. Und die „Nuggets“ bringen auch gut auf den Punkt, was man in den Daten sucht.

Ich hatte letztes Jahr erwähnt, daß bei meinem Erstversuch mit dem Algorithmus für die Warenkorbanalyse ausschließlich uninteressante Regeln herauskamen. Als Testdaten hatte ich aber auch nur wenige hundert Datensätze verwendet. Ein geeigneteres Biotop für solche Algorithmen dürften stattdessen die immensen Mengen von Verkaufsdaten derjenigen Firmen gewesen sein, die damals in großem Umfang versuchten ihre Kundschaft mit Kundenkarten zu beglücken. Man sollte in solchen Firmen auch an das direkte Umfeld um die Datenanalyse herum denken. Es mußten damals Personen involviert gewesen sein, die sich über Änderungen bei den Angeboten Gedanken machten, damit sich die Datenanalysten auch lohnten. Das Management mußte wissen, um was es geht und hinter der Sache stehen. Man kann zu dem großen Rad, das sich damals zu drehen begann, auch die Welt außerhalb der direkt betroffenen Firmen hinzunehmen, die sich mittels Artikeln darüber informierte, was man mit so großen Datenmengen machen kann.

Wie auch schon erwähnt, ist der Einstieg in das Data Mining aber relativ einfach. Damals schon hatte ich eine Demodiskette mitbekommen, bald darauf konnte man ganze Anwendungspakete herunterladen. Ich könnte mir vorstellen, daß man bei passender Datenlage selbst mit schnell erworbenen Data-Mining-Fähigkeiten Anfangserfolge erzielen kann. Man hat ja professionelle Algrorithmen zur Verfügung. Für einen substanzielleren Schritt in die Zukunft müßte aber aus meiner Sicht schon ein irgendwie ausgestaltetes größeres Rad gedreht werden. Ich weiß nicht, wie da die Aussichten in meinem bebloggten Bereich sind. Hinsichtlich dem Interesse drumherum ist für mich ein frühes virtuelles Museum ein Menetekel. Man könnte auf eine Vorreiterrolle stolz sein und versuchen darauf aufzubauen, aber dieses virtuelle Museum hing schon vor Jahren in den Seilen, momentan ist es anscheinend gar nicht mehr erreichbar. Vor Jahren hatte ich schon das Gefühl, daß dieses Projekt niemand mehr von dem Museum, dem es zugeordnet war, kannte. In diesem Sinne fände ich jedenfalls ganz interessant, etwas über die Resonanz von anderen Museen auf ein Projekt des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) mit dem Museum Barberini zu erfahren. Es gibt zum Projekt einen sehr hörenswerten Podcast „Wie Museumserlebnisse dank Daten-Analysen verbessert werden können“. Das Museum Barberini hatte hier zwar gegenüber anderen Museen den Vorteil des kompetenten und sehr arbeitsstundenintensiven Anschubs durch das Hasso-Plattner-Institut (HPI). Anderseits sind die Ergebnisse auf Github offen gelegt. Andere Museen könnten da reinsehen und darauf aufbauen.

Ab Minute 7:37 geht es im verlinkten Podcast um die Museumsapp des Museums Barberini, die auch als Audioguide nutzbar ist und mit der man dann sehen kann, wie die Leute durch das Museum laufen und wie lange sie wo stehen bleiben. Abstrahiert gesagt erhält man durch die Museumsapp ein Event-Log und kann dieses mittels Process-Mining-Algorithmen auswerten. Wesentlich ist da die Orientierung an dem Prozess, für dessen Event-Log man ggf. auf unterschiedliche Quellen zugreifen muß. Im Falle des Prozesses „Museumsbesuch“ reichen die über die Museumsapp erhaltenen Daten. Bei einem Geschäftsprozess, der mit einem Posteingang beginnt und mit einer Sachbearbeitung weitergeht und zu einem Antwortschreiben oder einer weiteren Bearbeitung führt, müßte man auf unterschiedliche Quellen zugreifen. Man kann dann aus dem Event-Log wie für die Museumsapp beschrieben verfolgen, wie sich der Prozess in der Praxis abspielt. Je nach Gegebenheiten kann damit Unterschiedliches entdeckt werden. Man wird sich meist vorab überlegt haben, wie die Prozesse verlaufen werden. Durch Auswertungen könnte sich das bestätigen, man könnte nicht planbare Ergänzungen wie etwa Zahlenverteilungen zum Geplanten finden, man könnte aber auch wesentliche Abweichungen entdecken.

Zum Process Mining wird schon länger ein MOOC bei Coursera angeboten. Eventuell ist dieser Kurs in jüngerer Vergangenheit nicht mehr upgedatet worden, denn Wil van der Aalst ist laut Wikipedia nun Professor an der RWTH Aachen und war früher Professor an der Technischen Universität Eindhoven, während Coursera noch die Universität Eindhoven angibt.

Anlaß für diesen Blogeintrag über das Process Mining war aber nun der neue OpenHPI-Kurs „A Step-by-Step Introduction to Process Mining“ von Prof. Mathias Weske und Prof. Henrik Leopold. In den wollte ich aber erst selbst hineinsehen, bevor ich etwas über ihn schreibe. Das habe ich inklusive der Hausarbeiten erst auf den letzten Drücker geschafft. D.h. der Kurs ist seit ein paar Wochen zuende. Das Kursmaterial steht aber weiterhin kostenlos für ein Selbststudium verfügbar.

Den Kurs von Prof. van der Aalst dürfte, falls fehlende Aktualisierungen keine zu großen Schwierigkeiten machen, aus mehreren Gründen die interessantere Option sein: zum einen ist der Lehrumfang deutlich umfangreicher als beim OpenHPI-Kurs (deutlich mehr Lehrmaterial pro Woche und vier statt zwei Wochen Kursdauer). Zum anderen gibt es von Prof. van der Aalst ein Lehrbuch, das auch im OpenHPI-Kurs empfohlen wird.

Hinsichtlich dem OpenHPI-Kurs ist noch seine Nähe zu der Spezifikationssprachen für Geschäftsprozesse „Business Process Model and Notation“ (BPMN) zu erwähnen. Prozesse kann man auf unterschiedliche Weise darstellen. Der Aufwand, sich in die Darstellungsform einzuarbeiten, hält sich für Kurszwecke üblicherweise in Grenzen. Der OpenHPI-Kurs ist bei der Sprache auf BPMN hin orientiert und ergänzt damit eine Reihe von BPMN-Kursen von Prof. Weske, die in den vergangenen Jahren von OpenHPI angeboten wurden und noch für das Selbststudium zur Verfügung stehen.

Donnerstag, 3. Juni 2021

Wiederherstellungen im Giebelfeld der Münchner Glyptothek

2011 waren in meinem Blog aus dem Giebelfeld der Münchner Glyptothek verschwundene Skulpturen ein Thema.

Das Verschwinden geschah unter dem Hintergrund von noch heute sichtbaren Kriegsbeschädigungen des Giebelfeldes. Auffallend etwa der fehlende Unterarm der Athene Ergane in der Mitte oder die fehlenden Köpfe der beiden Skulpturen rechts und links von ihr. Weniger auffallend ist die fehlende Spes, die sich früher auf einem Dreifuß im Kniebereich des Tonbildners direkt links neben der Athene befand. Der Tonbildner sollte nicht dauernd die Athene ansehen, sondern sich mit dem Modellieren der Spes beschäftigen. Der jahrzehntelang seltsam leere Bereich dem rechten Ende des Giebelfeldes zu dürfte hingegen schon einigen aufgefallen sein. Aber nur die wenigsten werden gewußt haben, daß hier einst die „Töpferwaren“ Stamnos ( = antikes Vorrats-Gefäß), Lekythos ( = griechische Vase für Olivenöl) und Kylix ( = flache antike Trinkschale mit Handgriffen) standen. Diese „Töpferwaren“ sind im Rahmen der aktuellen Sanierung der Glyptothek wieder im Giebelfeld aufgestellt worden.

Giebelfeld der Münchner Glyptothek 2011

In meinem Blogeintrag von 2011 ging es darum, daß manche Teile erst nach dem Krieg verschwanden. Dr. Ernst Theodor Mayer, auf dessen Angaben mein damaliger Text beruhte, hatte als direkter Nachfahre des Bildhauers Ernst Mayer, der die Spes und die Töpferwaren seinerzeit ausführte, die Spes noch 1959 im Depot gesehen. Die drei Töpferwaren waren sogar noch nach dem Krieg im Giebelfeld aufgestellt und wurden erst später entfernt. Man kann diesen Sachverhalt via dem Foto aus dem Bildarchiv Foto Marburg „Mittelbau, Portikus, kriegszerstört 1946 Bilddatei-Nr. fm202485“ recht gut zu erkennen. An Vorkriegsbildern böte das Bildarchiv etwa das ältere Foto „Aufnahme-Nr. KBB 811“ und das kurz vor dem Krieg entstandene Foto „Aufnahme-Nr. 75.571“

Giebelfeld der Münchner Glyptothek 2021

Mir sind die wieder aufgestellten Töpferwaren anläßlich des in meinem Eintrag zur Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“ erwähnten Tweets aufgefallen. Im dort eingebundenen Video wollte der Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München Dr. Florian Knauß in seiner Rede die Sanierung nicht in den Vordergrund stellen, da die Bauaußenarbeiten noch bis zum Sommer fortgeführt werden.

D.h. die Sanierung wird nach ihrem Abschluß ein Thema werden und bei dieser Gelegenheit wäre es nett auch mehr über die Veränderungen im Giebelfeld erfahren zu können. Die Giebelfeld-Arbeiten sind im engen Kontext zu Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. entstanden, die aktuell in der Glytothek gewürdigt werden. Das Giebelfeld und seine Historie breiter zu thematisieren läge folglich nicht so sehr aus der Welt. Vielleicht erfahren wir dann, ob die neu aufgestellten Teile Repliken sind oder ob es sich um die Orginale handelt. Und das Schicksal der kleinen Spes bleibt natürlich auch spannend. Auf dem Foto von 1938 kann ich sie auch nicht erkennen, also sie muß einiges erlebt haben - mehr als hundert Jahre im Giebelfeld, dann Depot und wo sie sonst noch hingekommen ist.

Samstag, 1. Mai 2021

„Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag“

Als ich am 25. März mein Twitter einschaltete, um mir die Archäologie-Nachrichten anzusehen, wurde mir etwas zu spät der folgende Tweet der Staatlichen Antikensammlungen u. Glyptothek angezeigt: „Große Freude! Wir eröffnen heute Abend 19.30 Uhr mit einem #Livestream die #Glyptothek nach zweijähriger Sanierung + die Sonderausstellung 'Bertel #Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische #Bildhauer in bayerischem Auftrag' Livestream auf YouTube:“

Der Livestream war etwas verwirrend, weil ich in einen vorab erstellten abschließenden Teil mit einer kleinen Ausstellungsführung geraten bin. Dabei nebenher auf der Museumswebsite Hilfe zu suchen und ein „Eröffnung so bald wie möglich - 25.07.2021“ zu finden, trug auch nicht zu meiner Erhellung bei.

Nach Ende des Events konnte man den Film ganz vorne am Beginn starten, da war die Mischung aus Konserve und Live schnell erkennbar. Zunächst werden Bilder von der mittlerweile fast abgeschlossenen Sanierung der Glyptothek gezeigt. Dann kommt als Live-Teil die Rede von Dr. Florian Knauß, dem Sammlungsdirektor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München. In diesen Teil sind Grußworte der dänischen Botschafterin Susanne Hyldelund und die Eröffnung durch den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler eingebunden. Schließlich gibt es von Dr. Knauß noch die erwähnte Ausstellungführung.

Münchner Glyptothek am 21. April 2021

Aktuell steht ein „26.03.2021 - 25.07.2021“ auf der Ausstellungswebseite. Wobei man letzte Woche, als ich zum Fotografieren vorbei kam, „bis mindestens Sonntag“ nicht in die Ausstellung hinein durfte. Wegen möglichen späteren Terminen sollte ich mich am besten bei München Ticket informieren.

Die Ausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische Bildhauer in bayerischem Auftrag" ist in einen größeren Rahmen von Thorvaldsen-Ausstellungen in Italien, Dänemark und Deutschland anläßlich dessen 250stem Geburtstag am 19.11.2020 eingebunden. Die Münchner Ausstellung liegt da relativ zu den anderen Ausstellungen etwas spät. Ich habe aber keine Ahnung, ob dadurch eine Ausstellungsverlängerung möglich ist oder die Leihgaben im Juli wieder auf die Reise müssen.

Kurfürst Maximilian I. auf dem Wittelsbacher Platz nach einem Modell von Bertel Thorvaldsen

In der Rede von Dr. Knauß und in seiner kurzen Ausstellungsführung wird die Verwobenheit von Thorvaldsens Werk mit der Antike deutlich. Thorvaldsen fungierte als Berater beim Ankauf von Antiken und war als Restaurator und Ergänzer der häufig fragmentarisch überlieferten Teile tätig. Unter diesen Antiken wären hier wegen ihrer herausragenden Bedeutung zuvörderst die Ägineten in der Münchner Glyptothek zu nennen. Die später wieder entfernten Thorvaldsen-Ergänzungen waren 2011 Thema der Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“. In seiner Ausstellungsführung zeigt Florian Knauß aber auch ein Antiken-Beispiel in der Glyptothek, an dem die Thorvaldsen-Ergänzungen erhalten geblieben sind.

Daneben gibt es in der Ausstellung mit einer Spes ein eigenständiges, aber direkt an die Antike anknüpfendes Werk Thorvaldsens zu sehen. Nach Dr. Knauß ist die Spes möglicherweise von Figuren angeregt, die ebenfalls den Tempel der Aphaia auf Ägina geschmückt haben. Näheres zu den von Bertel Thorvaldsen ergänzten Koren des westlichen Firstakroters des Aphaia-Tempels kann man in meinem alten Beitrag „'Spes' von Bertel Thorvaldsen“ nachlesen, der inhaltlich bestens von einem Nachfahren eines seinerzeit beteiligten Bildhauers bestückt wurde.

Replik einer von Bertel Thorvaldsen ergänzten Aphaia-Tempelkore an der Villa Stuck

Die Spes muß Thorvaldsen laut Dr. Knauß sehr wichtig gewesen sein, da er später ein Selbstbildnis mit Spes geschaffen hat. Zwei Jahrzehnte später entstand eine lebensgroße Marmorversion davon, die man nach Abschluß der Außenarbeiten an der Glytothek hoffentlich dann wieder in ihrer Nische in der Ostfassade der Glyptothek sehen kann.

Freitag, 18. Oktober 2019

Gemischte Links

Morgen findet wieder eine „Lange Nacht der Münchner Museen“ statt. Bei Interesse möge man sich im Netz über das Angebot informieren.

Aus Blog-Perspektive lief es zwar bei unserer langen Museumsnacht 2010 erst einmal ziemlich gut, aber wir waren wie seinerzeit beschrieben um 23 Uhr nicht mehr besonders aufnahmebereit und freuten uns in der Glyptothek über dort vorgefunde „gut gepolsterte Hocker“. In späteren Abwägungen hat diese Erfahrung dann schon eine größere Rolle gespielt.

Im Rückblick gesehen steckte ich damals etwas zu sehr in meiner Ablaufliste fest. In der Glyptothek und den Antikensammlungen war dann die Luft draußen. Wir wußten dort erst mal nicht, ob wir noch in weitere Museen gehen, haben dann aber abgebrochen. Programm der Glyptothek war laut meinem Text „Wissenschaftler und Restauratoren erklären zur Langen Nacht weltberühmte Meisterwerke, ....“, in den Antikensammlungen sollten „Archäologen die technischen und inhaltlichen Hintergründe“ der damals ausgestellten „Edlen Gemmen und weißgrundigen Lekythen“ erläutern. Es war wie beschrieben in der Stunde vor Mitternacht nicht viel vom Erklärungsbetrieb zu sehen und wir wollten uns auch nichts mehr groß erklären lassen. Ich bin zwar schon mit einem der freien Kräfte in der Glyptothek über die Beinbemalung des „Paris“ in eine interessante Unterhaltung geraten. Nur bin ich nicht auf die Idee gekommen, generell von „weitere Museen oder Abbruch“ auf „Gespräche“ umzuschalten. Die Gelegenheit war wegen den freien Museumskräften günstig, ich hätte von meinem Blog erzählen und Fragen über den Verlauf des Abends als Einstieg nehmen können.

Liest man den damaligen Text durch, fängt er ja mit den Legionären in der Archäologischen Staatssammlung als möglichen Gesprächspartnern an. Im Ägyptischen Museum hätte man einen der erwähnten Museumsfreunde etwas fragen können. Also an den gebotenen Gelegenheiten lag es nicht. Ich will jetzt aber weniger auf meine Manöverkritik, sondern mehr auf die konzeptionellen Vorzüge der freien „Wissenschaftler und Restauratoren“ und „Archäologen“ in der Glyptothek und den Antikensammlungen hinaus. Die 1:1-Gesprächsmöglichkeit ist im Grunde genommen ein attraktives Angebot, das konnte man schon an den begehrten Legionären sehen. Solche 1:1-Gespräche kann man seitens der Museen mittlerweile auch als Medienarbeit betrachten. Selfies wurden ja erst kurz nach 2010 ein großes Thema. Ich weiß nicht, wann da was zahlenmäßig gekippt ist, aber das Selfie-Phänomen illustriert ganz gut den Sachverhalt, daß viele Leute über Ereignisse mittlerweile über solche Mitteilungen und nicht mehr über klassische Medien Kenntnis bekommen. Den damaligen Legionärs-Event müßte man heutzutage als Medien-Event sehen, selbst wenn kein einziger klassischer Medienvertreter dabei ist.

Umgekehrt sollten Auswertungen solcher 1:1-Gespräche für die Museen sehr interessant sein. Das Chatbot-Thema aus der Museumsberaterecke behandelt finde ich nicht so prickelnd, da denke ich an gefloppte Apps von Kultureinrichtungen. Aber generell, wenn man sich überlegt, daß ein gutes Drumherum eines Chatbots vielleicht mal günstig zu haben ist und das Institutionsspezifische einfach reingefüllt werden muß, könnte ich mir schon eine Welt voll antwortender künstlicher Systeme vorstellen. Man kann bei der Nutzung an die heutzutage vertrauten vorgeschalteten Abfragemenüs denken. Da versucht man auch nicht die Systemintelligenz auszureizen. Ähnlich wäre man froh, wenn man nachts um zwei über sein Assistenzsystem einen Chatbot anrufen könnte und der einem eine wichtige Frage beantwortet. Dafür würde man dann auch seine Frage möglichst computerverständlich formulieren. In dem Sinne wäre es für den Aufbau des institutionsspezifischen Teils schon sehr interessant, was das Museumspublikum so an drängenden Fragen hat.

Aus dem Programm der morgigen Langen Nacht will ich jetzt nur das des Museums für Abgüsse Klassischer Bildwerke herausgreifen, weil dort vorgestern die Ausstellung „Lebendiger Gips – 150 Jahre Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke“ eröffnet wurde. Im Abgussmuseum kann man im einen Lichthof Gips selbst gießen und im anderen Lichthof das Theaterstück „Das Erwachen der Gipse – The last Play of Menander“ ansehen.

Eine weitere Ausstellungseröffnung hat vor einer Woche seitens der Archäologischen Staatssammlung stattgefunden. Deren Museum ist zwar wegen einer umfangreichen Generalsanierung seit August 2016 geschlossen, aber es finden an anderen Orten immer wieder Ausstellungen statt. Seit 12.10. ist die Archäologische Staatssammlung wieder zu Gast in der Residenz, dieses Mal mit der Ausstellung „Kunst in Miniatur - Antike Gemmen aus Bayern“.

In den Mitteilungen 145 des mit der Archäologischen Staatsammlung verbundenen Vereins der Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte ist anläßlich der Ausstellung ein längerer Beitrag von Aaltje Hidding erschienen, der von ihr frei lesbar bei academia.edu eingestellt wurde.

Es gibt die „Antiken Gemmen aus Bayern“ auch als Buch der Autorin Gertrud Platz-Horster. Das Buch ist 2018 als Bd. 42 in der Reihe „Ausstellungskataloge der Archäologischen Staatssammlung hrsg. von Rupert Gebhard“ erschienen. Es gibt zum Buch den Zweittitel „Antike Gemmen aus Bayern in der Archäologischen Staatssammlung München“, der den Inhalt genauer beschreibt. Ob dieses Buch die aktuelle Ausstellung komplett als Ausstellungskatalog abdeckt, weiß ich aktuell nicht.

Vor ein paar Tagen bekam ein Artikel über „Social inequality in Bronze Age households“ eine große Aufmerksamkeit, der unter Beteiligung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität auf Basis von aus Bronzezeit-Toten aus dem Lechtal nahe Augsburg gewonnenen DNA-Daten und den Informationen über deren Grabbeigaben entstand. Anhand der Grabbeigaben und den ermittelten Geschlechtern und Verwandtschaftsverhältnissen wurde festgestellt, daß es unterschiedliche Klassen gab und das Vermögen der besser ausgestatten Klasse an die Söhne weitergegeben wurde. Aufsehen erregte, daß keine ältere Tochter aus der vermögenden Klasse unter den Toten gefunden wurde. Die Töchter müssen also allesamt früh die Familie verlassen haben. Siehe dazu den über die verschwundenen Töchter aufgemachten Artikel „Why are adult daughters missing from ancient German cemeteries?“. An der Stelle ergänzend der Hinweis auf das Computerspiel Bronzeon, das spielerisch die neuesten archäologischen Erkenntnisse zur Bronzezeit vermitteln soll.

Abschließend will ich wieder die „Reise-Zikaden“ empfehlen. Ich hatte das schon einmal in meinem Eintrag über die Mykene-Ausstellung im Karlsruher Schloss gemacht. Aktuell will ich auf die Beiträge „Tirol: Archäologie im Karwendel – Von der Steinzeit bis zum Mittelalter“ und „München: Hügelgräber aus der Bronzezeit in der Garchinger Heide“ verweisen. In „Tirol: Archäologie im Karwendel – Von der Steinzeit bis zum Mittelalter“ geht es um das in meinem Blog schon in den „Alpine Contrasts“ erwähnte und abgesehen vom Winter sehr gut von München aus erreichbare Rißtal.

Donnerstag, 21. März 2019

„Lust der Täuschung“ in der Münchner Kunsthalle

In der Kunsthalle München fand vom 17. August 2018 bis zum 13. Januar 2019 die Ausstellung „Lust der Täuschung. Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality“ statt. So ein Thema ist schon interessant und vorgestellte Täuschungen sind meist Hingucker. Anderseits sind Täuschungen auch alltäglich. Unter so einem Täuschungs-Blickwinkel hätte man auch vor dem Museum bleiben und dort umfangreich fündig werden können. Ich mußte also nicht nicht unbedingt in die Ausstellung, aber kurz vor dem Ausstellungsende sind wir doch noch hinein.

Nach meinem letzten Besuch der Münchner Kunsthalle („Pompeji in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung“) hatte ich über die Kunsthalle selbst nicht viel geschrieben. Mittlerweile ging es bei mir darum, daß archäologische Funde an ihren Fundort zurückkehrten und mir ist jemand aus dem ehemaligen Dorf mit dem im Blog-Eintrag erwähnten Viergötterstein eingefallen, der mir in den 1980ern Kupfernes auf dem Wohnzimmerschrank zeigte, das er für ein dann nie entstandenes Heimatmuseum gesammelt hatte.

Die Zahl der Museen muß sich in diesen Jahren in Deutschland trotzdem verdoppelt haben und ich weiß nicht, ob solche Heimatmuseumsträume heute noch groß verfolgt werden. Anderseits wäre es nicht schlecht, den Leuten solche Sammlungen oder die archäologischen Fundstücke aus der Gegend zu zeigen. Bei Todesfällen gehen häufig viele Erinnerungsstücke verloren, beispielsweise alte Fotosammlungen. Würde man aus noch vorhandenen Beständen Stücke aussuchen und damit Wechselausstellungen gestalten, würden solche Bestände aufgewertet und der eine oder die andere würde solche Sachen weniger schnell wegwerfen. Ein an dem Schema der Kunsthalle orientierter, an die lokalen Verhältnisse angepasster Raum erscheint mir für solche Zwecke besser geeignet als ein Heimatmuseum mit eigenem Sammlungsbestand.

Die Kunsthalle hat keine eigene Sammlung, sondern bietet jährlich mehrere Wechselausstellungen mit geliehenen Ausstellungsstücken an. Sie befindet sich in sehr zentraler Lage - vom Zentrum Münchens ein paar Fußminuten entfernt - hat mithin auch eine sehr gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und verfügt über eine verglichen mit anderen Museen deutlich leistungsfähigere Gastronomie. Das wäre dann alles irgendwie auf die dörflichen Verhältnisse zu übertragen. Dort vielleicht statt der Gastronomie ein naher Backwarenverkauf mit Imbissmöglichkeit und viel Laufkundschaft.

Die einleitende Bemerkung über die alltägliche Täuschung sollte nicht herabsetzend gegenüber den von der Kunsthalle ausgewählten Kunstwerken verstanden werden. Die waren wahrscheinlich abgesehen von den Virtual-Reality-Stationen für kleine Museen unerreichbar. Verlustfrei vervielfältigbare Virtual-Reality-Stationen könnte man hingegen auch eine Zeitlang in einer Kleinformat-Kunsthalle aufstellen und deren Vermittlung wäre dort vielleicht sogar besser organisierbar gewesen. Die Münchner Kunsthalle hat an dem Freitag, an dem wir dort waren, etwas nach 11 Uhr angefangen den Besucherstrom zu steuern, in dem versucht wurde, den Verkauf der Eintrittskarten an die Zahl der aus der Ausstellung Kommenden anzupassen. Soweit so gut, im Falle der Pompeji-Ausstellung hätte das wohl funktioniert. Bei der „Lust der Täuschung“ gab es aber mehrere dieser genannten Virtual-Reality-Stationen und an jeder Station wieder eine eigene Warteschlange. Das wirkte auf mich dann schon wie ein ausstellungskonzeptionelles Problem. Wir haben alle VR-Stationen ausgelassen.

Die Ausstellung war im Gegensatz zu vielen archäologischen Ausstellungen nicht chronologisch aufgestellt. Im Hinblick auf die Virtual-Reality-Stationen war das ganz gut, weil sich so ihre Warteschlangen über mehrere Räume verteilten. Der Untertitel der Ausstellung „Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality“ war auch nicht als irgendwie geartete Gegenüberstellung oder Schwerpunktsetzung zu verstehen. Es wurde zwar ein römisches Wandmalerei-Beispiel nach dem „4. Stil: Phantasiestil“ gezeigt oder das sich auf den Pygmalion-Mythos beziehende „Self-Portrait with Sculpture“ von John De Andrea. Im wesentlichen stammten die Ausstellungsstücke so wie das „Self-Portrait“ aber aus den letzten Jahrhunderten.

Täuschungen sind wie gesagt alltäglich. Es soll eine Entwicklungsstufe bei kleinen Kindern geben, ab der sie einem erzählen können, daß der hinter ihnen versteckte Bruder oder die Schwester sich gar nicht hinter ihnen befindet, sondern ganz woanders ist. Schon zuvor wissen sie, daß gemalte oder auf dem Tischtuch aufgedruckte Äpfel keine richtigen Äpfel sind. Eigene und fremde Selbsttäuschungen werden sie dann bis zum Lebensende begleiten. Heute schwer nachvollziehbare Rituale werden vielleicht geholfen haben, nicht ausschließlich dem harten Alltag verhaftet zu sein oder sich nicht immer mehr in ein schlimmes Schicksal hineinzusteigern. Und die Option diverse Stimmungsaufheller zu benützen, um dem Alltag sonnigere Aspekte abzugewinnen, möchte ich für die folgenden archäologischen Links auch noch erwähnen.

Nach der Wikipedia fand sich die römische Wandmalerei, von der in der Ausstellung ein Beispiel gezeigt wurde, „in den Wohnungen der Reichen, aber auch in kleinen Wohnbauten in der tiefsten Provinz“. Wie man dem Wikipedia-Artikel über die römische Malerei weiter entnehmen kann, hatten die Römer neben Hochzeitsgesellschaften, Hafenpanoramen und Ringern auch gemalte Nischen und Mauerdurchbrüche auf den Wänden. Einfachere Wanddekorationen konnte man schon bei den Jungsteinzeitlern nachweisen, siehe die im Eintrag „Jungsteinzeit in Karlsruhe“ erwähnten Lehmreste mit weißer Bemalung und Lehmbrüsten. Bei den steinzeitlichen Jägern kann man davon ausgehen, daß sie im Gegensatz zu uns gewohnheitsmäßige Täuscher waren, daß Täuschung zur täglichen Arbeit gehört hat. Von Marc Azéma gab es die Idee, daß sie absichtlich durch sich überlagernden Umrisse in prähistorisch Höhlenzeichnungen via Fackellicht animierte Bilder erzeugten, im Blog-Eintrag über das römische Baden-Baden hatte ich ein paar Links angegeben.

Oliver Dietrich, Laura Dietrich und Jens Notroff haben ihre Ansichten zum Kult aus Göbekli-Tepe-Perspektive unter die Überschrift „Cult as a Driving Force of Human History“ gestellt. Zum Alkohol bin ich schon früher auf ähnliche Überlegungen gestoßen. Die Sache ist heikel, weil diese Idee einerseits gern mit Augenzwinkern behandelt wird und anderseits der Missbrauch diverser Stimmungsaufheller ein großes Problem darstellt. Aber die Archäologie würde auch einen wichtigen Beitrag zur Drogen-Diskussion liefern, wenn der Gebrauch von Drogen tatsächlich schon Jahrtausende lang eine große Rolle für die menschliche Kultur gespielt hat. Die Alkohol-Überlegung stützt sich darauf, daß man erst glaubte, der frühe menschliche Getreideanbau erfolgte um das geerntete Getreide zu essen, Bier sei erst als Folgeprodukt aus übrig gebliebenen Getreide bzw. Brot entstanden. Nun stützen immer mehr Funde die Vermutung, daß die Alkoholgewinnung aus Getreide schon vor der eigentlichen Sesshaftwerdung erfolgte. Mehr dazu gibt es beim „Steinzeitbier-Projekt“ einer Arbeitsgruppe des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck nachzulesen.

Zurück zur Kunstausstellung mit exquisiten Ausstellungsobjekten, wie etwa dem „Self-Portrait with Sculpture“ von John De Andrea von 1980. Der Pygmalion-Mythos ist zeitlos, und John de Andrea hat sich irgendwie mit seinem Werk in die Diskussion über diesen zeitlosen Mythos eingereiht. In diesen 1980er Jahren war schon einmal die Künstliche Intelligenz ein größeres Thema. Von der damals häufiger geäußerten Körper-Geist-Problematik habe ich aktuell schon lange nichts mehr gehört. Die religiöse Mutter eines Informatikers meinte damals mir gegenüber, sie glaube nicht an den Erfolg der KI, weil ab einer gewissen Stufe Geist notwendig ist und den hat eine Maschine nicht. Zur zeitlosen Frage nach dem möglichen Bewußtsein einer Künstlichen Intelligenz konnte ich Ende der 1980er einmal die sehr kurze Antwort eines vortragenden KI-Wissenschaftler miterleben, der meinte, der Fragesteller könne ja seinem KI-Programm die Antwort „Ja“ einprogrammieren, wenn jemand danach frägt, ob es Bewußtsein hat.

ELIZA war damals zumindest in diesen Kreisen bekannt, wobei aber vermutlich kaum jemand dieses Programm wirklich im Quelltext oder gar in Aktion gesehen hat. Es soll schon 1966 entwickelt worden sein und so eine Art „verstehendes Gespräch“ geführt haben. Also ich sage „ich bin traurig“ und das Programm versteht im Grunde nichts, interessiert sich auch nicht dafür was ich da genau sage, aber es dreht mir den Satz herum und frägt, warum ich traurig bin, und ich glaube dann das Programm interessiert sich für mich und halte es dann erst einmal für einen angenehmen Gesprächspartner. Ich glaube nicht an die beschriebene Leistungsfähigkeit von ELIZA 1966, kann mir aber sehr gut vorstellen, daß das Grundprinzip in gewissem Umfang funktioniert. Also man hat ein relativ dummes System, das uns durch diverse Täuschungen, auf die wir gut ansprechen, besser über diverse Klippen manöveriert. Was heute noch die angenehme Automatenstimme ist, die einen auf „Eins“ „Zwei“ oder „Drei“ am Telefon mit dem richtigen Menschen verbindet, ist morgen der sympathisch designte Krankenhaus- oder Haushaltsroboter.

Fiktional ist das über die Jahre reichhaltig begleitet worden. Zum Thema Täuschung drängt sich mir die 2016 erschienene erste Staffel der Westworld-Serie auf. Touristen können in der Serie so wie im Westworld-Film von 1973 einen mit Androiden bevölkerten Wildwest-Aufenthalt buchen. Die Menschen können mit ihren Revolvern die vom Aussehen und den Bewegungen her nicht vom Menschen unterscheidbaren Androiden erschießen, die Androiden umgekehrt den Menschen nichts anhaben, soweit alles wie gedacht funktioniert. Das „geistige“ Innenleben der Androiden wird in der Serie wesentlich komplexer als im Film von 1973 geschildert. Die Androiden sind via diversen Skalen auf ein bestimmtes Reaktionsverhalten festlegbar und können zudem durch offene Skripte gesteuert werden, in die sich andere Androiden oder menschliche Westworld-Gäste einklinken können. Die Ranchertochter Dolores etwa hat per Einstellung ein sonniges Gemüt und reitet regelmäßig nach ihrem Neuaufsetzen in die Stadt zum Einkaufen, wobei ihr beim Packen der Satteltaschen immer etwas unbeachtet herunterfällt, was dann einen anderen Androiden oder einen menschlichen Westworld-Gast zum Aufheben und zur Kontaktaufnahme animiert. Dolores hält sich derweil für ganz normal, ihr ist ihre Skript- und Skalensteuerung nicht bewußt, sie glaubt Ranchertochter zu sein und verabschiedet sich nach jedem Neuaufsetzen zum Einkauf von ihrem vor dem Haus sitzenden Vater, der im Verlauf der Serie wegen Störungen des ersten Androiden durch ein anderes, anders aussehendes Modell ersetzt wird.

Beim Neuaufsetzen werden Teile der Erinnerung gelöscht bzw. geändert. Das funktioniert bei einigen der Androiden nicht richtig, die können ungewollt auf Erinnerungssplitter aus früheren Einsätzen zugreifen. Für eine Prostituierte wird das besonders bizarr, weil sie vor ihren Prostituierten-Einsätzen eine Mutter mit Kind darstellte. Der ungebundenen Prostituierten kommen so immer Erinnerungen aus einem Überfallszenario in den Sinn, in dem sie um das Leben einer Tochter kämpft. Das aktuell einprogrammierte Androiden-Selbstbild gerät dadurch gehörig ins Wanken.

Die Westword-Staffel ist wirklich sehr fiktiv und weit von realen Möglichkeiten entfernt gebaut. Aber allein auf Basis von Software läßt sich heute schon viel erreichen. Man könnte etwa in Partnersuch-Apps gezeigte Präferenzen auswerten und damit Computerprofile generieren, die der Mensch lieber kennenlernen will als richtige Menschen. Generierte Fotos und Stimmen gehen schon, an den echt wirkenden Chatbot glaube ich noch nicht. Mit Daten wäre er aber schon bestens bestückbar. Jedenfalls wäre man verglichen mit dem Pygmalion-Mythos auf einer verfeinerten Ebene. Aus der „Lust der Täuschung“ fällt mir passend dazu nur „Young Self: Portrait of the Artist as He Was (Not)“ und „Old Self: Portrait of the Artist as He Will (Not) Be“ von Evan Penny ein. Ob die VR-Stationen noch etwas zu meinen letzten Textabschnitten boten, haben wir wie gesagt wegen den Warteschlangen nicht feststellen wollen.

Donnerstag, 31. Januar 2019

6 Montagsvorträge ab 11. Februar 2019 und andere Münchner Veranstaltungen

Ab 11. Februar 2019 bietet das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege wieder Montagsvorträge an. Der Eintritt ist zwar frei, es ist aber eine Anmeldung über die Münchner Volkshochschule unter Nennung der Kursnummer erforderlich. Die Themen der Vorträge und die genauen Modalitäten entnehme man einem aktuell auf der Startseite des Landesamts für Denkmalpflege verlinkten pdf.

Diese Woche habe ich mal meine alten Einträge von Anfang 2010 gesichtet. Zu den Montagsvorträgen gab seinerzeit auch schon ein pdf, das habe ich an meinem nicht mehr funktionierenden Link gemerkt. Der Link tief zu den Veranstaltungshinweisen der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e. V. funktionierte ebenfalls nicht mehr. Die Gesellschaft für Archäologie wies damals laut meinem Text sowohl auf die Landesamt-Montagsvorträge als auch auf „weitere Veranstaltungen übersichtlich nach bayerischen Regionen geordnet auf ihrer Website hin“.

Bei der Gesellschaft für Archäologie finde ich aber aktuell fast nichts für den Münchner Raum, vielleicht legen die noch nach. Ich erinnere mich u.a. an damals aufgelistete Universitätsvorträge, und in den letzten Wochen sind Hinweise auf solche Vorträge auch an mir vorbeigetwittert. Seinerzeit habe ich mal länger erfolglos auf den Webseiten mehrerer Universitätsinstitute nach den genauen Modalitäten gesucht. Sind externe Besucher überhaupt erwünscht? Aktuell bin ich auf dasselbe Problem gestoßen, auf die Kürze war da nichts zu sehen und nach meinen damaligen Erfahrungen wollte ich mir das weitere Nachsuchen sparen. Das Aufschreiben von Modalitäten ist ja eigentlich eine sehr einfache Übung, siehe das Landesamt, wenn die universitären Angaben da sparsam sind wird es eine Ursache haben.

2010 habe ich Anfang März noch ziemlich massiv mit Veranstaltungshinweisen nachgelegt, den größten Teil hatte ich aus dem Münchner Volkshochschulprogramm herausgepickt. Dieses Programm durchzusehen kann ich weiterhin empfehlen. „Das neue Gesamtprogramm Frühjahr/Sommer 2019 erscheint am 1. Februar – online und gedruckt“. Damals hatte ich auch die Empfehlung drin, ggf. bei den angrenzenden Volkshochschulen nachzusehen. Und das damals neue Museumsportal München ist ebenfalls eine Empfehlung geblieben. Man spart sich für die Veranstaltungen der Münchner Museen das Abklappern der einzelnen Museumswebsites.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Archäologisches Museum Pforzheim

Wie in „Villa Rustica Enzberg“ beschrieben, sind wir nach dem Besuch des 360° Panorama „ROM 312“ im Gasometer Pforzheim entlang der Enz weiter zum Archäologischen Museum gelaufen.

Archäologisches Museum Pforzheim

Zur Orientierung wieder die Geo-Koordinaten unseres Ziels. Die interessantere Lageinformation bietet aber das zweite hier abgebildete Foto. Ich hatte im „Villa Rustica Enzberg“-Teil dieser dreiteiligen Serie die römische Straße von Ettlingen über Pforzheim und Rutesheim nach Bad Cannstadt erwähnt. Auf dem Foto sieht man den Enz-Übergang dieser Römerstraße und das heutige Museum neben der Römerstraße eingezeichnet. Die Lage des Museums ist deshalb bedeutsam, weil das Museum in Folge archäologischer Grabungen an diesem Ort entstand. Wie auf der Museumswebseite zu lesen ist, wurden die „angetroffenen Baureste, soweit möglich, in ihrem Originalzustand belassen“. Man möge die Webseite nach unten scrollen, den dort unterlegten Link in Anspruch nehmen und sich das Museum mal „im Panorama“ anschauen.

Archäologisches Museum Pforzheim

Neben diesen römischen und mittelalterlichen Orginalgrundmauern sind in diesem Museumsbereich auch Rekonstruktionen zu sehen. Ergänzt von einer größeren Zahl aufgestellter römischer Steindenkmälern, Pforzheim soll eine der größten Sammlungen in Deutschlands besitzen. Neben diesem Bereich gibt es, wie das genannte Panorama ebenfalls zeigt, noch einen klassischen Museumsteil, der über die Geschichte von Pforzheim und der Gegend informiert.

Archäologisches Museum Pforzheim

Ein kleiner Schlenker zum keine 10 Kilometer entfernten Remchingen: dort gibt es ein Römermuseum mit einem überaus regen Leiter Jeff Klotz. Ich habe das vor ein paar Jahren mitbekommen. Noch früher bin ich öfters nahe am zukünftigen Museum bei A8-Umfahrungen ab Pforzheim West vorbeigekommen. Ich hatte mir schon bei regionalen Fahrten Schleifen über Remchingen überlegt oder wollte via einem Museumsbesuch Richtung München auf die A8 fahren. Wenn ich wieder dran gedacht habe, hat es aber gerade nicht gepasst. Über mein Scheitern an möglicherweise recht kleinen Unbequemlichkeiten möge man 10 Sekunden nachdenken und dann einen Blick auf die Anzahl der Ehrenamtlichen auf der verlinkten Museumsseite werfen. Da ticken ja sicher viele ähnlich wie ich und da ist es schon eine gewaltige Nummer, soviele Leute in Bewegung zu versetzen.

Archäologisches Museum Pforzheim

Wir gehen also in das Pforzheimer Archäologische Museum und da begrüßt uns ein junger Mann, stellt sich als der Kurator des Museums vor, drückt uns ein Heft „RMR aktuell Geschichte und Archäologie im Enzkreis“ in die Hand und bietet uns an, uns noch etwas über die Ausstellung zu erzählen. Das wollte ich nach Villa Rustica und Gasometer nicht, da hätte ich kaum noch folgen und mir etwas merken können. Angesichts des jungen Mannes dachte ich aber an den Remchinger Museumsleiter, die können hier doch nicht gleich zwei von dieser Sorte hervorgebracht haben? War tatsächlich nicht der Fall, das war Jeff Klotz, der mittlerweile auch Kurator des Pforzheimer Museums ist.

Archäologisches Museum Pforzheim

Bis wir unsere Runde Ausgrabungsteil hinter uns hatten, war er gegangen. Als wir gingen, habe ich seiner verbliebenen Kollegin im Museum obige Surf-Vorgeschichte kurz erzählt. Sie meinte, Jeff Klotz würde auch Gasometer-Führungen anbieten und manche Leute wollten nur von ihm geführt werden. Außerdem bekamen wir noch ein Programmheft mit dem Titel „Unterwegs mit dem J.S.Klotz Verlagshaus - Kunst und Kulturreisen 2017/2018“ (der Verlag im Web: www.klotz-verlagshaus.de).

Archäologisches Museum Pforzheim

Abschließend noch der Hinweis auf den Bericht von einer Weiterbildung der Limes-Cicerones: „Portus - zwischen Rhein und Limes: Weiterbildung VdLC“. Da ging es geführt von Jeff Klotz vom Remchinger zum Pforzheimer Museum und dann weiter zum Gasometer.