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Sonntag, 14. September 2025

Die Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen

Die keltische Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld hatte ich schon im Zusammenhang mit der nahe gelegenen Mehrfachschanze im Loh eingeführt. Dort hatte ich schon die Aussage auf den Informationstafeln erwähnt, daß keltische Mehrfachschanzen selten und in größeren räumlichen Abständen voneinander nachgewiesen wurden. Diese Abstände können vielleicht durch eine besondere Funktion dieser Sonderform der Keltenschanzen begründet gewesen sein. Bei Oberhaching-Deisenhofen befinden sich aber zwei dieser Mehrfachschanzen sehr nahe beieinander. Man weiß nicht, ob die Nutzung der Schanzen gleichzeitig oder nacheinander erfolgte. Es bestünde also die Möglichkeit, daß die Schanzen durch ein zeitliches Aufeinanderfolgen eine Alleinstellung in der Region hatten.

Reste der Innnenschanze der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen

Sehenswert ist das Schummerungsbild/Geländerelief mit den beiden Mehrfachschanzen. Die Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld sollte rechts oben erscheinen. Das Video über die Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld auf der Website der Firma Artron sollte man sich ebenfalls ansehen, um sich die ursprüngliche Mehrfachschanze mit ihren Eingängen vorstellen zu können. Die Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld sieht für mich nicht nur in der Videorekonstruktion sondern auch mit ihren erhaltenen Wallresten gegenüber der Mehrfachschanze im Loh wie ein am Reißbrett entworfener Neubau aus.

Informationstafeln bei der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen
Informationstafeln bei der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen
Informationstafeln bei der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen
Informationstafeln bei der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen

Meine Fotos sind Ende November 2024 entstanden. Ich wollte mir die inneren Schanzen der Mehrfachschanze im Loh ansehen und bin schon beim Hinradeln davon abgekommen, als ich den Restschnee im Wald gesehen habe. Ich habe dann nur die neue Informationstafel dort fotografiert und bin dann weiter zu der Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld.

Reste der Innnenschanze der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen

Die Mehrfachkeltenschanze im Lanzenhaarer Feld ist mit mehreren Informationstafeln ausgestattet, die zunächst übergreifend über die Keltenschanzen/Viereckschanzen informieren. Eine vergleichbar übergreifende Informationsaufgabe haben die Tafeln bei der westlichen Römerstraßenrampe aus dem Gleißental, auf denen es übergreifend um die „Oberhachinger Römerstraße“ geht. Während dort die Sache schnell grenzwertig werden kann, wenn man sich den detailreichen Text nicht bis zum Schluß durchliest, wo dann etwas Römerstraßenrampeninformation kommt, oder wenn man keine Ahnung hat, daß man beim Informationstafellesen die parallel zum eigenen Waldweg verlaufende Rampe gerade im Rücken hat, sollte man dem flüssigen Keltenschanzentext relativ gut bis zur Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld folgen können. Und die kann man vor Ort auch nicht übersehen wie die Römerstraßenrampe.

Reste der Innnenschanze der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen

Hinzu kommt, daß man anscheinend an diesem Ort größere Veranstaltungen durchführen kann. Letztes Jahr sollte hier ein „Kelten-Römer-Tag für die ganze Familie“ stattfinden und die Mehrfachschanze auch Ausgangspunkt einer geführten Radtour zu anderen Schanzen in der Nähe werden. Da wären diese Informationstafeln ein idealer Startplatz gewesen. Leider mußte die Veranstaltung wegen einer sehr ungünstigen Wetterprognose abgesagt werden.

Reste der Innnenschanze der keltischen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching-Deisenhofen

Die Bezeichnung der Schanze im Lanzenhaarer Feld wechselt. Auf der alten Informationstafel lief sie unter der Überschrift „Keltische Viereckschanzen im Lanzenhaarer Feld bei Deisenhofen“. Ich will glauben, daß die „Viereckschanzen“ in der Überschrift wirklich mit der Idee ineinandergeschachtelter Vierecke entstand, aber frage mich, wie weit der Gedanke transportiert werden konnte. Letztes Jahr wurde der Kelten-Römer-Tag für die ganze Familie in mehreren Medien an/in der „Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld“ angekündigt. Auf der neuen Informationstafel läuft die Schanze unter „Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld“. Ob man sich an das „Lanzenhaarer Feld“ nach längerer Abwesenheit noch gut erinnert, ist auch eine Frage. Für den Fall hatte/hat die Schanze aber ein Alleinstellungsmerkmal, über das man sich schnell einigen konnte ob man dieselbe Schanze meinte, nämlich eine Sitzbank auf einem der Wälle. Im letzten eingestellten Bild beim Baum rechts, im vorletzten beim Baum in der Mitte des Walles. Ich hoffe sie blieb trotz der neuen Sitzbank bei der Informationstafel erhalten.

Samstag, 6. September 2025

Die keltische Mehrfachschanze im Loh bei Oberhaching-Deisenhofen

Letztes Jahr hatte ich mich im Blog am Hachinger Bach entlang von Perlach bis zum Oberhachinger Kyberg oberhalb der Bachquelle bewegt. Ab dort sollten die weiteren Einträge dieser Serie etwas "aufpilzen". Ich folgte dabei den neuen geschichtlichen Informationstafeln von Oberhaching, deren durchnummerierte Standorte man sich auf einer Karte auf der Oberhachinger Website „Kelten, Römer, Bajuwaren“ ansehen kann.

Der Kyberg, dort mit der Nummer 2, wäre in dem von mir verwendeten Bild noch am Pilzstiel. Vom Pilzhut haben es die Nummern 4 (die Römerstraßenrampe aus dem Gleißental), 5 (die Keltenschanze im Laufzorner Holz) und 6 (der Steinbruch im Gleißental) schon in den Blog geschafft. Nummer 1 (die Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld) und 3 (die Mehrfachschanze „Im Loh“) sollen nun folgen.

Mehrfachschanze im Loh bei Oberhaching Deisenhofen

Zunächst möge man am besten einen Blick auf das Schummerungsbild/Geländerelief der Mehrfachschanze im Loh werfen. Es fällt auf, daß die innerste Schanze auf zwei Seiten das Gelände am Gleißental als zusätzlichen Schutz verwendet. Vergrößert man den angezeigten Bereich bis zu den Nachbarschanzen im Nordosten, Westen und Südwesten, dann sieht man, daß diese Schanzen auf die Anlehnung an das Gleißental verzichten. Die innerste Schanze der Mehrfachschanze im Loh ähnelt durch das Nutzen der Schutzfunktion dem mehrere hundert Jahre älteren Herrenhof auf dem Kyberg, der ebenfalls so eine Schutzfunktion ausnutzt. Vielleicht hatte die Lage des innersten Teils der Mehrfachschanze auch einen auf das Hachinger Tal gerichteten logistischen Aspekt. Als die Römerstraße quer zu dieser Richtung durch das Gleißental und durch die Schanze gelegt wurde, soll die Mehrfachschanze nicht mehr genutzt worden sein. Aber es kann ja keltische Vorläufer der Ost-West-Verbindung gegeben haben.

Informationstafel der Mehrfachschanze im Loh bei Oberhaching-Deisenhofen

Das Gleißental ist ein Trockental und ihm entspricht tatsächlich ein Geländeeinschnitt. Das Hachinger Tal hingegen ist nördlich des Kybergs ziemlich flach. Das Gebiet oberhalb des Gleißentals ist auf beiden Seiten ebenfalls ziemlich flach. Insofern sehe ich in Richtung Süden keinen Vorteil in der Nutzung des Gleißentals als Verkehrsweg. Aber vielleicht wurde das Gleißental schon in der Keltenzeit lieber als der Hachinger Bach gequert, weil keine Überschwemmungen und Versumpfungen drohten. Jedenfalls mag diese Mehrfachschanze vielleicht zusammen mit einer möglichen Sammelfunktion des Verkehrs aus dem Norden durch das Hachinger Tal und einer Weiterführung nach Süden oberhalb des Gleißentals wie heute auf der Straße nach Oberbiberg bessere Chancen für einen Kreuzungspunkt gehabt haben als die Keltenschanze im Laufzorner Holz, bei der immer meine Erwähnungen der Fernverbindungen reingerutscht sind.

Der Herrenhof auf dem Kyberg entstand in der Hallstattzeit, die als Kelten- oder Viereckschanzen bezeichneten Erdwälle hunderte Jahre später in der Latènezeit. Auf den Kyberg-Informationstafeln wird der Verteidigungsaspekt des Herrenhofs stärker herausgearbeitet. Verglichen dazu muten die drei in einer ebenen Umgebung liegenden Nachbarschanzen der Mehrfachschanze im Loh schon ziemlich pazifistisch an, als ob man keine größeren Angriffe erwartet hat. In der Latènezeit gab es große übergeordnete Zentren, die Oppida, vielleicht wirkten die einerseits beruhigend gegen größere Auseinandersetzungen zwischen den Keltenschanzenbesitzern und boten anderseits in ungünstigen Kriegszeiten eine Zufluchtsmöglichkeit für die Keltenschanzenbevölkerung.

Vor drei Wochen ging das Bild eines kleinen Keltenkriegers aus Bronze durch die Medien. Man hatte auf dem Gebiet des keltischen Oppidums von Manching wieder mehrere Jahre gegraben und Ergebnisse veröffentlicht. Aktuell wurde auch eine Dissertationsschrift „Das Umland von Manching“ von Michèle Eller als Band 22 der Reihe „Die Ausgrabungen in Manching“ vorgestellt, vielleicht kann man dort mehr über die Wechselwirkung zwischen Oppidum und umgebenden Keltenschanzen erfahren.

Das vitale Oppidum von Manching gab es aber schon einige Zeit vor der Ankunft der römischen Soldaten nicht mehr. Der Niedergang muß auch die Keltenschanzenwelt betroffen haben, wobei es anderseits aber auch Hinweise auf noch vorhandene funktionierende keltische Strukturen gibt. Die römische Karriere des Claudius Paternus Clementianus mit keltischen Vorfahren aus dem Bereich des heutigen Epfach wird mit solchen weiterwirkenden Strukturen erklärt.

Über die Mehrfachschanze im Loh scheint man nach der Informationstafel zu wissen, daß sie in der römischen Zeit nicht mehr genutzt wurde. Man kann aber nichts über eine Abfolge oder Gleichzeitigkeit gegenüber der sehr nahen Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld sagen. Eine Abfolge zwischen den Mehrfachschanzen wäre auch deshalb interessant, weil zwischen den sonst seltenen Mehrfachschanzen normalerweise große Abstände bestehen und man deshalb über eine besondere Funktion dieser Mehrfachschanzen spekuliert hat.

Auf mich wirkt die Mehrfachschanze im Loh ziemlich gewachsen, als ob man mit einer normalen Keltenschanze angefangen und danach eine Vorschanze und dann die Umwallung eines wesentlich größeren Gebiets angelegt hätte. Sieht man sich dagegen die Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld im Video auf der Website der Firma Artron an, sieht sie für mich wie ein am Reißbrett entworfener Neubau aus.

Es gibt also mehrere Gründe die Mehrfachschanze im Loh sehr interessant zu finden. Trotzdem habe ich sie trotz ihrer Nähe nicht zu meinem obigen Einsteigerpaket mit den Nummern 4-6 dazugepackt. Hintergrund sind zwei wegen starkem Bewuchs abgebrochene Begehungsversuche der inneren Schanzen in meiner Vorblogzeit und zwischenzeitlich habe ich nur wenig von anderen über die Schanze gesehen. Der Keltenfan, den ich letztes Jahr in der Schanze im Laufzorner Forst getroffen habe, schien auch nicht sehr angetan von ihr gewesen zu sein. Ich wollte zwar letztes Jahr wieder versuchen einen Blick in die inneren Schanzen zu werfen, hatte aber die Nässe von oben und unten nicht auf der Rechnung und den Restschnee erst im Wald auf der östlichen Isarseite gesehen. Ich habe mich deshalb schon auf der Anfahrt mit mir geeinigt nur die gut erreichbare Informationstafel in der äußeren Schanze an der Straße nach Oberbiberg zu fotografieren und dann zur Mehrfachschanze im Lanzenhaarer Feld weiterzuradeln.

Montag, 23. Dezember 2024

Die Keltenschanze im Laufzorner Holz

In diesem Jahr hatte ich mich im Blog in südlicher Richtung den Hachinger Bach entlang bachaufwärts von Altperlach bis zu einer der neuen Informationstafeln auf dem Oberhachinger Kyberg vorgearbeitet. Die Informationstafeln wurden an „verschiedenen historisch bedeutsamen Punkten aufgestellt, die spannende Einblicke in die Geschichte, Archäologie und Entstehung der Region um Oberhaching bieten.“

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Unterhalb des Kybergs befindet sich die Quelle des Hachinger Bachs. Als geologische Besonderheit geht das Hachinger Tal im weiteren Verlauf nach der Bachquelle in das trockene Gleißental über, das in die südliche Richtung weiterführt. Die Keltenschanze im Laufzorner Holz liegt westlich des Gleißentals etwa 2 km Luftlinie von der Quelle des Hachinger Bachs entfernt. Die Museumsapp des Heimatmuseums Unterhaching trägt dem übergreifenden System von Hachinger Tal und Gleißental dadurch Rechnung, daß man das Gleißental zum Hachinger Tal dazuschlägt. Sie ist deshalb auch interessant für Ausflüge in den Bereich des Gleißentals. Daß es im Gleißental eine Skiflugschanze gab, habe ich bspw. nur durch die App mitbekommen. Einen Eindruck für diesen übergreifenden Ansatz der App gibt das Video „Flug über den Hachinger Bach“.

Die Kette von römischen Siedlungen entlang des Hachinger Bachs habe ich in den früheren Einträgen erwähnt. Die Nord-Süd-Verbindung dieser Siedlungen entlang des Hachinger Bachs muß sich irgendwie im Bereich des Übergangs vom Hachinger Tal in das Gleißental mit der römischen Ost-West-Fernverbindung zwischen dem römerzeitlichen Salzburg und Augsburg getroffen haben. Diese Fernverbindung kreuzte seinerzeit aber nicht den Hachinger Bach, sondern verlief durch den nördlichsten Teil des Gleißentals. Und führte nach dem etwa 500 m von der Schanze entfernten westlichen Aufstieg aus dem Gleißental direkt an der Keltenschanze im Laufzorner Holz vorbei, wie auf dem Schummerungsbild in Abbildung 3 der neuen Infotafel zu sehen ist.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Das auf der Informationstafel abgebildete Schummerungsbild kann man sich auch via dem BayernAtlas ansehen. Man beachte hier wieder die begleitenden Materialentnahmegruben. Bewegt man sich im BayernAtlas in Richtung Osten, sieht man die Römerstraßenschleife hinunter in das Gleißental. Die neue Informationstafel befindet sich wie die alte vor der westlichen Ecke der Keltenschanze an einem dort vorbeiführenden Weg. Das erste hier eingestellte Foto zeigt diese vom Weg aus gut sichtbare Ecke.

Von dieser Ost-West-Fernverbindung mußte hier wie gesagt irgendwie eine Verbindung in nördliche Richtung entlang des Hachinger Bachs abzweigen. Vom Zusammenleben der römischen Siedlungen mit dem Hachinger Bach gibt der römische Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger einen guten Eindruck. In der Richtung dieser Kette der römischen Siedlungen entlang des Hachinger Bachs befand sich eine weitere römische Ost-West-Fernstraße, die zu einem Isarübergang bei Oberföhring führte. Die Vermutung liegt nahe, daß die Strecke durch das Hachinger Tal als Querverbindung diente. Die reich ausgestatten Grabfunde von Unterhaching, deren Entdeckung 2010 zur Ausstellung „Karfunkelstein und Seide - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ in der Archäologischen Staatsammlung München führten, könnten sich durch diesen für die damaligen Bedürfnisse verkehrsgünstig gelegenen Standort erklären lassen.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Die neue Informationstafel an der Keltenschanze im Laufzorner Holz enthält in Abbildung 2 zwar eine geophysikalische Prospektion mit Eintragung der Gebäudegrundrisse. Leider ohne weitere Angaben darüber, welche Gebäude man heute in der Schanze vermutet. Die jahrzehntealte Tafel zuvor behaupte, daß Keltenschanzen nicht wie man früher geglaubt hatte befestigte römische Gutshöfe waren, sondern nach außen hin abgegrenzte Kultstätten der Spätkeltenzeit. Ich glaube an Gutshöfe der ländlichen Oberschicht, die als Oberschicht vor Ort auch für das Religiöse und für kultische Handlungen zuständig war.

Die Keltenschanze im Laufzorner Holz hatte ich schon 2010 im Blog. Der Titel „Vernetzte Erdwerke - mit Fotos von der Keltenschanze im Laufzorner Holz“ erklärt sich über eine Projektwebsite zu den „Vernetzten Erdwerke“, die ich damals ganz gut gefunden habe, aber die es heute nicht mehr gibt. Noch ungünstiger war das Verschwinden von Informationen zu lokalen Römerstraßendiskussionen auf einer anderen Website. Den alten Text habe ich wegen diesen verschwundenen Informationen bei einer Überarbeitung 2019 etwas eingedampft.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Ob ich meinen Text zur Keltenschanze im Laufzorner Holz nun wieder über die Vernetzung aufziehen mußte, kann man diskutieren. Mache ich dann ein wenig bei der konkurrierenden östlich am Gleißental anliegenden Mehrfachschanze im Loh, die würde vielleicht besser passen. Aber eine der Schanzen mußte für die Vernetzung mit der Ost-West-Verbindung herhalten und bei der im Laufzorner Holz konnte ich jetzt auf meine eingedampften Vernetzungsbeispiele aus noch viel früheren Zeiten zurückgreifen.

Bei meinen Blogeinträgen hänge ich hinterher. Die lange Pause seit September war wieder nicht gewollt. Und ich bin jetzt ungewollt mit der Keltenschanze im Laufzorner Holz auf Weihnachten zugerutscht. Ich dachte erst kurz daran etwas anderes für Weihnachten vorzuziehen.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Aber im Grunde paßt dieses Vernetzungsthema ideal zur Weihnachtszeit, in der auch gern Verbindungen gepflegt werden. Man möge in dem Sinne bei dieser Pflege noch etwas drauflegen. Siehe die Überlegung zu den reichen Unterhachinger Funden, nach denen die Verbindungen ein wesentlicher Grund für die Standortwahl waren! Und ich versuche bis Weihnachten zumindest diesen Blogeintrag eingestellt zu kriegen..

Ich wünsche allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gutes neues Jahr!

Montag, 23. September 2024

Der Oberhachinger Kyberg

.. ist nicht so bekannt, wenn ich nach einem seit 60 Jahren im Raum München lebenden Freund der Familie gehe. Dem hatte ich am Freitag Grüße vom Oberhachinger Kyberg geschickt. Nach seiner Antwort schickte ich gleich die Entwarnung hinterher: der Kyberg ist nur so hoch wie es auf den beigefügten Fotos aussieht. Die alten Kelten mußten hier aber einen „Herrenhof“ bauen und ich jetzt zu dem Herrenhof die Informationstafel durchlesen.

Blick vom Oberhachinger Kyberg

Tatsächlich wird es vorzeitlich ganz interessant gewesen sein, hier den Geländesporn oberhalb des Hachinger Bachs zu besetzen. Der Geländesporn hat zwei leichter zu verteidigende Seiten. Man sieht was in der Umgebung vor sich geht und man kann besser seinen Herrenhof präsentieren. Es wird aber etwas gekostet haben, denn für die später um den Kyberg herum entstandenen Keltenschanzen brauchte man keinen erhöhten Geländesporn mehr. Und die noch später entstandene Kette der Römersiedlungen entlang des Hachinger Bachs arbeitete sogar sehr eng mit dem Bach zusammen, wie eine in Altperlach im Gelände dokumentierte Ausgrabung eines römischen Mühlkanals belegt.

Mein Fotografenstandort beim Blick vom Kyberg befand sich ein paar Meter hinter dem Oberhachinger Rathaus. Ich war früher häufiger im Bereich der Oberhachinger/Deisenhofener Keltenschanzen unterwegs, jetzt schon lange nicht mehr. Meine Freitagstour war nur als lockere Vorbereitungsfahrt bis zur Kyberg-Informationstafel für spätere Touren zu meiner Hachinger-Bach-Serie gedacht. Ich wollte an dem Tag nicht noch rechts im ersten Bild runter um nach der Quelle des Hachinger Bachs zu suchen, sondern bin nach links hinten und unter der Haltestelle Deisenhofen durch wieder heimgeradelt.

Informationstafel beim Rathaus auf dem Kyberg in Oberhaching

Die fotografierte Informationstafel wurde zusammen mit einigen weiteren Informationstafeln neu aufgestellt und erst im August breiter publik gemacht. Wer sich für geschichtliche Oberhaching-Touren kundiger machen will, mag sich via dieser Oberhachinger Website, der OHA App oder dem Bayerischen Denkmal-Atlas weiter informieren. Auf der Oberhachinger Website werden die weiteren Standorte der Informationstafeln angegeben.

Informationstafel beim Rathaus auf dem Kyberg in Oberhaching

Die im Zusammenhang mit dem Heimatmuseum Unterhaching erwähnte „Hachinger Bach“-App böte ebenfalls Anregungen, weil sie den Hachinger Bach übergreifend behandelt und weit in das an Oberhaching anschließende Gleißental heineinführt.

Informationstafel beim Rathaus auf dem Kyberg in Oberhaching

In meinen letzten „Gemischten Links“ hatte ich auf einen Kelten-Vortrag in Oberhaching und einen „Kelten-Römer-Tag für die ganze Familie“ bei der Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld hingewiesen. Der Vortrag fand statt, der Kelten-Römer-Tag fiel starkem Regen zum Opfer und soll im nächsten Jahr stattfinden.

Noch ein Hinweis auf den Beginn des kostenlosen openHPI-Kurses „Python – schnell und intensiv Programmieren lernen“ am 2. Oktober. Der Hinweis klingt jetzt vielleicht nicht so zum Zeitspektrum des Blogs passend, aber Python ist beispielsweise für viele Digital-Humanities-Leute schon wichtig und deren Themen passen schon öfters zu meinem engeren Blogbereich.

Donnerstag, 15. August 2024

Gemischte Links

Im letzten Jahr schrieb Conrad Schormann anläßlich des 80sten Geburtstages des Schachgroßmeisters Dr. Helmut Pfleger über ihn in den Perlen vom Bodensee: „Die breite Öffentlichkeit kannte und kennt ihn vor allem als den Schacherklärer aus dem Fernsehen. Von den frühen 80ern bis Mitte der 2000er war Helmut Pfleger das TV-Gesicht des deutschen Schachs.“

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Meine Fotos stammen von der Einweihung eines neuen großen Bodenschachspiels auf der Kulturinsel vor dem Gasteig-Ausweichquartier HP8 am 17. Juli 2024. Jana Schneider und Svenja Butenandt spielten zwei Schachpartien miteinander und Dr. Helmut Pfleger kommentierte. Es war schön zu sehen, wie Helmut Pfleger trotz des vorgerückten Alters souverän wie früher seine Rolle gemeistert hat. Er könnte nahtlos wieder an seine Fernsehkommentatorenzeit anknüpfen! Zu Jana Schneider, Svenja Butenandt und dem Endergebnis gibt es etwas mehr Informationen vom Schach-Ticker

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Man kann nun selbst beim HP8 Hand an die Schachfiguren legen. Die Ausleihbedingungen findet man auf dem letzten Foto. Vielleicht wäre mit einem elektrisches Verfahren mit App das Ausleihen aus dem Schrank und die Figurenübergabe an andere Spieler eine kleinere Hürde? Das könnte ich nächste Woche am 22.8. die Teilnehmer der Untergiesinger Schachwanderung nicht weit vom HP8 entfernt auf der anderen Isarseite fragen. Bei Interesse beachte man das weiter unten auf der Website verlinkte Plakat mit zwei weiteren Augustterminen und drei im September.

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

In der Münchner Innenstadt läuft derzeit ein Stelenprojekt, bei dem mittels 13 Infostelen Passanten auf bedeutende archäologische Fundstellen aufmerksam gemacht werden. Im Zusammenhang mit dem Stelenprojekt lädt laut Münchner Wochenanzeiger die Archäologische Staatssammlung bis Ende Oktober zu kostenlosen Führungen ein. Die nächsten Termine sind am 21. und 29. August.

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Ende Juli und Anfang August meldete das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege neue Erkenntnisse aus dem Raum München. Zum einen konnten Siedlungsfunde im Ortskern von Neufahrn auf eine Zeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Gemeinde datiert werden. Zum anderen ist man im Oberschleißheimer Ortsteil Neuherberg auf Spuren einer bislang unbekannten mittelalterlichen Siedlung gestoßen. Beim BR ist derzeit noch ein Video vom Neuherberger Ausgrabungsgelände zugreifbar.

Ausleihmodalitäten der Schachfiguren des Bodenschachspiels beim Gasteig HP8

Schließlich noch ein Hinweis auf einen „Kelten-Römer-Tag für die ganze Familie“ in Oberhaching und ein terminüberschneidendes „Keltenwochenende“ in der Archäologischen Staatssamlung. Oberhaching startet schon vor dem Wochenende mit einem Vortrag am 12.9. Am Samstag dem 14.9. kann man dann in der Oberhachinger Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld Mitgliedern historischer Darstellungsgruppen und historischen Handwerkern beim Näherbringen keltisch-römischen Lebens zusehen und es wird eine Fahrradführung zu den weiteren Keltenschanzen Oberhachings angeboten (Der Samstagstermin bei der Keltenschanze wurde wegen schlechter Wettervorhersage abgesagt!! Man bemüht sich um einen Ersatztermin im nächsten Jahr!). Die Archäologische Staatsammlung bietet am 14. und 15.9. Führungen und Mitmachaktionen zu den Kelten an.

Donnerstag, 7. September 2023

Denkmaltag, Gilching und Germering

Eigentlich schaue ich gerade über die Isar in Richtung Münchner Südosten. Die Keltenschanzen dort habe ich schon länger nicht mehr besucht. Der Westen mit Gilching und Germering stünden bei mir zwar auch an, aber erst später einmal. Aktuell waren Gilching und Germering aber umfangreicher in den alten Medien, während ich mit meinen eigenen Sachen nachhänge. Also verlinke ich deshalb hier schnell mal auf die Arbeit der Germeringer und Gilchinger.

Starten will ich wegen der Dringlichkeit mit dem Tag des offenen Denkmals am nächsten Sonntag. Man möge die Angebote am besten selbst über die Website erkunden.

In Gilching ist der Verein Zeitreise Gilching e.V. sehr rege. Auf seiner Website hat er die genannten Medienberichte beim Merkur und der Süddeutschen Zeitung verlinkt. Daneben den Hinweis, daß man sich die Sonderausstellung „Schlacht bei Hoflach“ nur noch am jetzt anstehenden Denkmaltag ansehen kann.

Mit meinen unterlegten Links bin ich von der Vereinswebsite auf die des Museums „SchichtWerk - Zeitreisen im Wersonhaus“ gesprungen. Die Dauerausstellung dieses Museums wurde vom Verein Zeitreise Gilching e. V. in ehrenamtlicher Arbeit aufgebaut und eingerichtet. Man möge aber noch länger die Vereinswebsite erkunden. Da gäbe es bspw. Videos wie das von einem Vortrag von Stefan Kluthe unter dem Titel „Luftbildarchäologie – Geschichte aus der Vogelperspektive“. Auf die Videos kann man auch gesammelt über einen Youtube-Kanal zugreifen. Oder es gibt die äußerst interessante Rubrik „Kulinarische Zeitreise“.

Mitten durch Gilching verläuft die Trasse einer ehemaligen Römerstraße, die dann wenige Kilometer weiter unterhalb der keltischen Fünfeckschanze von Holzhausen vorbeiführt. Das neben Gilching liegende Germering ist zwar von dieser Trasse nicht betroffen, glänzt aber dennoch ebenfalls immer wieder mit neuen Funden. Ende letzten Jahres wurde von der Entdeckung eines bronzezeitlichen Brunnens berichtet.

Nach dem Bericht könnte der Fund „Ende 2023 im Museum der Stadt ausgestellt werden“. Das wäre dann das ZEIT+RAUM Museum am Rathaus, in dem derzeit bis 15. Oktober 2023 die Sonderausstellung „Spuren im Acker - Bodenschätze erzählen Geschichte“ zu sehen ist. Der unterstützende Verein des ZEIT+RAUM Museums am Rathaus ist der Förderverein Stadtmuseum Germering e.V..

Montag, 29. April 2019

Die Keltenschanze Holzhausen 1

Das Umfeld dieser zweiten nach dem Allinger Ortsteil Holzhausen benannten Keltenschanze hatte ich schon unter Verweis auf Stephan Gröschlers Anfahrtsbeschreibungen und seinem Bildmaterial in „Die keltische Fünfeckschanze von Holzhausen“ (da ging es um die Schanze Holzhausen 2) und in „Römerstraße bei Holzhausen“ beschrieben.

Keltenschanze Holzhausen 1
Keltenschanze Holzhausen 1

Von der Fünfeckschanze Holzhausen 2 sind es nur ein paar Fußminuten bis zur Keltenschanze Holzhausen 1. Die genauen Geokoordinaten gibt es wieder von Stephan in „Viereckschanze Holzhausen 1 (Gemeinde Alling)“. Wie schon erwähnt verwirrt bei seinem eingezeichneten Weg die Holzhausen-Nummerierung. Holzhausen 1 ist die südliche und im Bild untere Schanze. Ansonsten stimmt die Zeichnung und die von Stephan zu Holzhausen 1 angegebenen Geokoordinaten passen auch.

Keltenschanze Holzhausen 1

Laut Infotafel gehört Holzhausen 1 zu den am besten erhaltenen Schanzen in ganz Bayern. Die Augustmitte war aber wegen dem starken Bewuchs die falsche Jahreszeit um dies nachvollziehen zu können. Gut von allen Seiten sichtbar war eigentlich nur die Nordseite. Bild 2 zeigt den Anmarschpfad von Westen, von dem aus man ohne Blätter die Keltenschanze hätte sehen können. Der östliche Schanzenbereich war ebenfalls von jungen Buchen bewachsen. Das letzte Bild zeigt den Bewuchs im Bereich der Südostecke der Schanze. Ich bin bis dahin auf der Schanze geblieben, das Drumherumlaufen um die Schanze habe ich sein gelassen. Man genieße Stephans Foto- und Videomaterial.

Keltenschanze Holzhausen 1

Wegen der Häufigkeit der hiesigen Keltenschanzen sollte man ihre absoluten Besuchszahlen nicht unterschätzen. Lokale Anwohner kennen die Schanzen in ihrer Umgebung. Auf dem Waldweg durch die nahe Holzhausener Fünfeckschanze sind zu unserer Besuchszeit mehrere Spaziergänger durchgekommen. Gut erhaltene Schanzen werden gerne in thematisch ganz andere Führungen aufgenommen. So konnten wir mal einen ganz kurzen Halt einer Radlergruppe an der Keltenschanze im Laufzorner Holz miterleben. Die beiden Holzhausener Keltenschanzen sind, wie ich von einer Lehrerin mitbekommen habe, zusammen mit dem Amper-Tal Kandidaten für Schüler-Wandertage.

Keltenschanze Holzhausen 1
Keltenschanze Holzhausen 1

Diejenigen, die darüber hinaus dabei bleiben und eigens für Keltenschanzen eine längere Anfahrt für auf sich nehmen, werden dagegen eine Minderheit sein. Ich wurde aber da auch mal von der Empfehlung der „schönen Holzhausener Schanzen“ einer Münchner Archäologen-Ehefrau überrascht, die in einem ganz anderen Gebiet studiert und dann gearbeitet hat. Also es sind nur Erdwälle, aber wenn man Spass daran hat und es einen hinzieht, sollte man es sich nicht vermiesen lassen.

Keltenschanze Holzhausen 1

Es gibt einen relativ aktuellen Text von Caroline von Nicolai über die „Viereckschanzen in Bayern“, in dem die breite Verteilung der Schanzen im süddeutschen Raum gut veranschaulicht wird. In Bayern kann man mittels dem Bayerischen Denkmal-Atlas nach Schanzen in der Nähe suchen und deren Besuch ggf. noch mit Hügelgräbern oder wie im Holzhausener Fall mit einer ehemaligen Römerstraßen kombinieren. Die Denkmalnummer von Holzhausen 1 ist D-1-7833-0024.

Keltenschanze Holzhausen 1

Wie ich schon erwähnt hatte, gibt es auch zwei nach dem Straßlacher Holzhausen benannte Keltenschanzen und eine der beiden, Holzhausen 2, war Gegenstand von Grabungen, die lange die Diskussion in Richtung einer kultischen Interpretation der Schanzen bestimmte. Näheres dazu ist in „Sakral oder profan? Späteisenzeitliche Einfriedungen in Nordfrankreich und Süddeutschland“ (pdf) von Caroline von Nicolai zu finden.

Keltenschanze Holzhausen 1

Laut den „Magnetometrischen Untersuchungen an spätkeltischen Viereckschanzen in Bayern“ (pdf) von Karin Berghausen hat die untersuchte Straßlacher Schanze die Denkmalnummer D-1-8035-0021. Hierzu ist festzustellen, daß die Angabe der Denkmalnummer ungewöhnlich ist. Also normalerweise würde da nur auf Holzhausen 2 verwiesen. Passenderweise findet man im Denkmal-Atlas unter dieser Denkmalnummer nur die Beschreibung „Viereckschanze der späten Latènezeit“. D.h. es ist über den Denkmal-Atlas nicht herauszubekommen, daß es sich hier um die vielfach wegen den Ausgrabungen von Klaus Schwarz in der Literatur und auf veralteten Infotafeln erwähnte Schanze Holzhausen 2 handelt.

Keltenschanze Holzhausen 1
Keltenschanze Holzhausen 1

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß man teilweise auch noch veraltete Informationstafeln weiter- und wiederverwendet. Ich war da ja mal 2012 irritiert über eine neu aussehende Tafel bei der Keltenschanze Kreuzpullach. Nach dieser Tafel handelte es sich bei der Schanze um eine „Kultstätte des Volkes der Kelten“. Bis ich gepeilt hatte, daß man die Holzteile erneuert und die alte Informationtafel wiederverwendet hatte, die sich noch auf die sakrale Interpretation von Klaus Schwarz bezog.

Freitag, 19. April 2019

Die keltische Fünfeckschanze von Holzhausen

Die Fotos zeigen die Keltenschanze Holzhausen 2. Eine der beiden Keltenschanzen bei Holzhausen, Ortsteil der Gemeinde Alling im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck, die wir letztes Jahr an Maria Himmelfahrt besucht haben. In „Römerstraße bei Holzhausen“ hatte ich die Tour erwähnt und Bilder vom Beifang „Waldweg so in etwa auf der Trasse der ehemaligen Römerstraße bei Holzhausen“ gezeigt.

Infotafel an der Südwestecke der Keltenschanze Holzhausen 2
Infotafel an der Südwestecke der Keltenschanze Holzhausen 2

Für Keltenschanzen-Neulinge wird verwirrend sein, daß es auch zwei nach dem Ortsteil Holzhausen der oberbayerischen Gemeinde Straßlach-Dingharting im Landkreis München benannte Keltenschanzen gibt. Eine dieser beiden Keltenschanzen, die Keltenschanze Holzhausen 2, wird zudem wegen den 1957 bis 1963 stattgefundenen Grabungen von Klaus Schwarz häufig in der Literatur erwähnt. Manchmal sieht man auch noch Hinweise auf diese Grabung auf Keltenschanzen-Infotafeln.

Westseite der Keltenschanze Holzhausen 2

Im ersten Abschnitt meines Römerstraßeneintrags habe ich auf Stephan Gröschlers „Ausflugstipp: Rund um das Ampertal – eine kraftvolle und mystische Gegend“ verlinkt. Ich will an der Stelle die Empfehlung seiner „Kraftvollen Orte“ mit dem Link auf „Viereckschanze Holzhausen 2 (Gemeinde Alling)“ wiederholen. Man findet bei Stephan eine Anfahrtsbeschreibung, Bildmaterial und Geokoordinaten.

Nordwestliche und nördliche Ecke der Keltenschanze Holzhausen 2

Zwei ergänzende Anmerkungen dazu: man darf nach unserem Stand nicht von Holzhausen aus hoch zur Keltenschanze fahren. Kommt man mit dem Auto, sollte man wie von Stephan beschrieben zwar in den Feldweg hinein, aber dort gleich parken. Und bei seiner kleinen Karte mit eingezeichneter Strecke zwischen der Schanze Holzhausen 1 und Holzhausen 2 sind die Zahlen vertauscht. Die nördlichere ist die Fünfeckschanze Holzhausen 2, nicht Holzhausen 1. Ansonsten passt die Zeichnung. Man geht von Holzhausen hoch bis der Weg durch die Schanze Holzhausen 2 führt. Dann auf dem Weg weiter, bis ein Weg nach links abknickt. Auf diesem abknickenden Weg sollte man bald auf die links am Wegrand stehende Informationstafel der Schanze Holzhausen 1 stoßen.

Nordöstliche und nördliche Ecke der Keltenschanze Holzhausen 2

In meinem oben verlinkten „Römerstraße bei Holzhausen“-Eintrag hatte ich den Bayerischen Denkmal-Atlas erwähnt. Die Denkmalnummer der Fünfeckschanze Holzhausen 2 ist D-1-7833-0081. Der Bayerische Denkmal-Atlas zeigt sehr schön, daß man die Möglichkeit hat die beiden Holzhausener Keltenschanzen mit einer Fußwanderung auf der Trasse der Römerstraße zu den bei Steinlach liegenden Keltenschanzen zu verbinden. Durch die S-Bahn-Linien nach Gilching und in das Ampertal böten sich auch Radtouren in Kombination mit der S-Bahn an. Ggf. kann man sich da auch an Tourenvorschlägen und Führungsangeboten der örtlichen Vereine orientieren. Letztes Jahr hatte ich mich ja wegen eines aktuellen Angebots des Vereins „Zeitreise Gilching“ mit dem Römerstraßen-Eintrag beeilt.

Durch die Keltenschanze Holzhausen 2 führender Weg in Richtung der südwestlichen Ecke

Mittels dem Bayerischen Denkmal-Atlas sieht man schön wie die Fünfeckschanze hin zur Römerstraße liegt - die vorspringende nördliche Ecke zeigt in Richtung der Römerstraße. Zu beachten ist dabei, daß sich die Schanze oberhalb von Holzhausen und der Römerstraße befindet. Denkt man sich den Wald weg, also freier Blick auf die unten liegenden Felder und die Römerstraße, und in die nördliche Ecke der Schanze eine Veranda oder so etwas ähnliches eingebaut, von der man diese Aussicht genießen kann, mutet die Schanze in Kombination mit dem durchführenden Weg in ihrem hinteren Teil ziemlich neuzeitlich an. Die Wirklichkeit wird anders ausgesehen haben. Da hatten vermutlich die höheren Schanzen und Palisaden auch die Funktion die größere Exponiertheit gegenüber dem Wetter auszugleichen.

Durch die Keltenschanze Holzhausen 2 führender Weg in Richtung der südöstlichen Ecke und weiter nach Holzhausen

Eine andere Besonderheit der Schanze außer ihrer atypischen Fünfeckform ist, daß sie auf einer Wasserscheide liegt. Richtung Süden geht es ebenfalls abwärts und dort muß sich trotz der letztjährigen langen Trockenheit eine Basis für Stechmücken gehalten haben. Unsere Besuchszeit Mitte August kann ich auch wegen dem starken Bewuchs im Bereich der Schanze Holzhausen 1 nicht empfehlen. Stephan hat es zeitlich wesentlich besser erwischt.

Sonntag, 2. September 2018

Römerstraße bei Holzhausen

An Maria Himmelfahrt haben wir die Keltenschanzen von Holzhausen bei Schöngeising besucht. Bei der Anfahrt orientierten wir uns an den Beschreibungen von Stephan Gröschler, nur daß wir nicht oben bei der Keltenschanze, sondern unten am nach Süden zur Keltenschanze hinführenden Feldweg beim letzten westlichen Haus von Holzhausen geparkt haben. Auf dem Rückweg zum Auto bin ich noch ein Stück in die ehemalige Römerstraße hineingelaufen.

Holzhausen bei Schöngeising

Die Römerstraße war ein schneller Beifang und das war dann auch ein Problem. Ich hatte tags zuvor beim Sammeln für unsere Tour nur kurz in den Bayerischen Denkmal-Atlas hineingesehen. Vor Ort war zwar der richtige Waldweg einfach zu finden, aber ich hatte vom kurzen Denkmal-Atlas-Hineinsehen nur die gerade rote Linie im Kopf und befürchtete etwas im Gelände verrutscht zu sein. Man kann auf der fotografierten Strecke sorgfältiger sein und sich das nebendran noch genauer ansehen, was nach dem Bayerischen Denkmal-Atlas Materialentnahmegruben sind (Denkmal-Nummer D-1-7833-0082, „Straße der römischen Kaiserzeit mit begleitenden Materialentnahmegruben, Teilstück der Trasse Augsburg-Salzburg“).

Römerstraße bei Holzhausen

Am nächsten Sonntag bietet der Verein „Zeitreise Gilching“ am Tag des offenen Denkmals die Möglichkeit, sich auf einer Radtour ganz solide über die örtlichen Römer kundig zu machen. Die Radtour ist auf der Website des Vereins derzeit in der Rubrik „Termine“ zu finden. Vor dem Start kann man schon via Marcellinas Bemerkungen zur Gilchinger Straße „Am Römerstein“ einen Blick nach Gilching werfen.

Mein angekündigter Bericht von den Etruskern im Karlsruher Schloss steht noch aus. Im Rohbau meines Textes befindet sich aktuell ein Schlenker zur Open-Codes-Ausstellung im Karlsruher ZKM. Und das ZKM verweist auf die am nächsten Sonntag endenden Schlosslichtspiele Karlsruhe. Das sei bei dieser Gelegenheit auch noch erwähnt.

Römerstraße bei Holzhausen

Abschließend noch zwei Bemerkungen für die Neulinge in Sachen Keltenschanzen und Römerstraßen: eine Holzhausener Keltenschanze wird wegen dortiger vor 60 Jahren stattgefundenen Grabungen durch Klaus Schwarz häufig erwähnt. Es handelt sich aber in dem Fall um die Keltenschanze von Holzhausen südlich von München. Aufkommende Unklarheiten werden dadurch begünstigt, daß es sowohl bei dem Holzhausen südlich von München als auch beim Holzhausen bei Schöngeising zwei nahe beieinander liegende Keltenschanzen gibt.

Römerstraße bei Holzhausen

Das Römerstraße-Teilstück bei Holzhausen ist Teil der „Via Julia“. Die „Via Julia ist ein Projekt, das sich am Verlauf der Römerstrasse von Günzburg nach Salzburg orientiert“. Man kann zwar so ungefähr mittels der „Via Julia“ den Streckenverlauf der Römerstraße nachvollziehen, was schon eine gute Sache ist. Problematisch sind aber größere Abweichungen von der vermutlichen Orginalstrecke, derer man sich bewußt sein sollte. Der westliche Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein ist beispielsweise zwar ebenso wie der östliche Aufstieg im Bayerischen Denkmal-Atlas verzeichnet, aber nicht Teil der Via Julia, weil die über die neuzeitliche Grünwalder Brücke verläuft und ein Stück daneben hochführt.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Stephan Gröschlers Viereckschanzen im Digital Atlas of the Roman Empire

Mein Vergleich des Bayerischen Denkmal-Atlas mit Vici.org ist ja noch recht frisch und vielleicht haben einige in die beiden Geo-Informationssysteme reingesehen und sich ihre Gedanken darüber gemacht. Das will ich nutzen und gleich noch den Hinweis hinterherschieben, daß Stephan Gröschlers Viereckschanzen in den „Digital Atlas of the Roman Empire“ aufgenommen wurden. Der „Digital Atlas of the Roman Empire“ ist ein weiteres geschichtliches Geo-Informationssystem.

Keltenschanzen bzw. keltische Viereckschanzen sind heutzutage häufig verflachte, manchmal aber auch noch ganz gut in der Landschaft erkennbare keltische Bauwerke, deren Fundgut laut Wikipedia „in die späte Latènezeit datiert“ wird, „in das 2. und 1. vorchristliche Jahrhundert. Dendrochronologische Untersuchungen weisen in die gleiche Zeit.“ Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im süddeutschen Raum.

Meines Wissens gibt es keine Website, auf der auch nur annähernd so viele Besuchsberichte von Keltenschanzen/keltischen Viereckschanzen eingestellt sind, wie auf der von Stephan Gröschler. Die Berichte sind reich mit Fotografien bebildert, manchmal ist ein Video dabei. D.h. man kann sich bei ihm zu vielen Keltenschanzen ansehen, was heute noch vorhanden ist. Die gesammelten Lageinformationen der besuchten Keltenschanzen hat er um die ihm zugänglichen Informationen über die bislang nicht besuchten ergänzt und via Downloadmöglichkeit allgemein verfügbar gemacht.

Die Römer kamen wenige Generationen nach dem Bau der Keltenschanzen in deren Hauptverbreitungsgebiet. Diese Anlagen waren zwar in der Zeit nicht mehr in Mode, müssen aber eine vertraute Erscheinung gewesen sein. Römerstraßen führten an Keltenschanzen vorbei, das kann man bspw. bei der im letzten Blog-Eintrag über den Bayerischen Denkmal-Atlas und Vici.org als Beispiel verwendeten Römerstraße sehen. Westlich des Isar-Übergangs läuft sie auf die Keltenschanze Buchendorf zu und knickt erst bei ihr in Richtung Gauting ab. Östlich führt sie vor der Durchquerung des Gleißentals an der Keltenschanze im Laufzorner Holz vorbei. Es gibt auch nachgewiesene römerzeitliche Nachnutzungen von Keltenschanzen oder römische Siedlungen direkt neben Keltenschanzen, wie im Fall der Perlacher Keltenschanze. Wenn auch das keltische Leben mancherorts ganz zusammengebrochen sein mag, legen doch viele der Keltenschanzen eine Einbindung der alten Keltenwelt in die neue Römerzeit nahe und rechtfertigen eine Aufnahme in einen „Digital Atlas of the Roman Empire“.

Zumal die Aufnahme der Schanzen in den „Digital Atlas of the Roman Empire“ elegant als zuschaltbare Option realisiert wurde. Auf der Startseite ist derzeit unter den Neuerungen zu lesen: „New overlay of Celtic Viereckschanzen in Southern Germany using the Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns by Klaus Schwarz (1959), the web site Kraftvolle Orte by Stefan Gröschler and the Bayerischer Denkmal-Atlas. Load the layer Viereckschanzen, keltische Viereckschanzen in Bayern und Baden-Württemberg and move the center of the map to Augusta Vindelicum, modern Augsburg. This far more than 200 sites are compiled with evidence in the Monuments Atlas and the book by Schwarz.“

Den Hinweis auf Stephans viele Keltenschanzenbesuchsberichte hatte ich anläßlich eines Artikels über ihn in der „Apotheken Umschau“ schon mal im Oktober 2015 im Blog. Damals unter der Überschrift „Kelten-Links“ zusammen mit weiteren Links zu „Hafenradio“-Podcasts von Christoph Haffner und seinem Vater, dem pensionierten Professor für Ur- und Frühgeschichte Alfred Haffner sowie zum Manchinger Museum. In beiden Fällen gibt es auch wieder Neues: es gibt einen ganz neuen Podcast über das keltische Bronzepferdchen von Freisen und in Manching soll dieses Jahr eine „hochkarätige“ Sonderausstellung über die Bilderwelt der Kelten eröffnet werden, die nach Ausstellungsende von Manching in das Keltenmuseum von Bibracte und dann weiter in das Schweizer Laténium wandern soll. Zu dieser neuen Manchinger Ausstellung finde ich aber derzeit noch keine weiteren Informationen im Netz.

Samstag, 21. Oktober 2017

Auf der Keltenschanze Buchendorf mittags um halb eins

Vorgestern mittag war ich um halb eins tatsächlich auf den Wällen der Keltenschanze Buchendorf und wollte das wegen dem gestern noch feststellbaren „aktuell schönen Wetter“ auch schnell rausdrücken. Vielleicht hätte es die eine oder den anderen inspiriert selbst rauszugehen. Aber heute morgen höre ich Regen vor dem Fenster. Nach der Wettervorhersage sieht es wenigstens nur durchwachsen für das Wochenende aus.

Keltenschanze Buchendorf

Ich bin vorgestern wie bei der „Achterlacke und Königseichen im Forstenrieder Park“-Tour über Fürstenried West und die Maxhofstraße angefahren. Dann weiter bis zur Kreuzung mit dem Waldweg auf der Trasse der ehemaligen Römerstraße nahe dem Eichelgarten. Auf dem Waldweg weiter in Richtung Buchendorf und dort via der im gestrigen Blogeintrag beschriebenen „Via Julia“-Streckenführung durch Buchendorf durch bis zum Ortsausgang in Richtung Neuried. Von dort dann via Keltenschanze und Pfad entlang eines Ackers auf den Rückweg.

Keltenschanze Buchendorf

Zum Vergleich mit den Fotos von vorgestern mein Blogeintrag über die Keltenschanze Buchendorf von 2013. Der Schild mit dem Hund fehlt, die schon lange veraltete Infotafel gibt es immer noch.

Keltenschanze Buchendorf

Das Hundeschild vor der Keltenschanze fand ich damals orginell. Allerdings waren dieses Mal während meines kurzen Besuchs im Bereich der Keltenschanze zwei Frauen mit drei Hunden unterwegs, da kann also schon etwas zusammenkommen. Ich habe auch mal bei einem früheren Besuch der Keltenschanze unabsichtlich zwei Frauen aufgescheucht, die vor und in der Schanze im Gras gelegen und gelesen haben. Ein längeres Verweilen an diesem Ort sollte schon berücksichtigt werden. Aktuell war die Keltenschanze frisch gemäht und sah schön gepflegt aus. Beim Fahrradparken vor der Keltenschanze habe ich aber eine unerklärliche Häufung von gebrauchten Papiertaschentüchern gesehen. Scheint da wieder ein Schild notwendig zu werden?

Keltenschanze Buchendorf

Über Keltenschanzen im allgemeinen habe ich in dem oben verlinkten Blogeintrag mehr zusammengetragen. Zur lokalen Keltenschanze kann man mal die Phantasie spielen lassen und die Sache aus der Ponderosa-Perspektive sehen. Also auch mit dem latenten Wasserproblemen mit dem sich die Cartwrights und andere Farmer auseinanderzusetzen hatten. Hier war die Situation goldig. Es ist von der Entfernung her gut vorstellbar, daß Herden von den großen Flächen hier oben zur Tränke hinunter an die Würm geführt wurden. In der Keltenschanze mag dann nicht nur wie bei den Cartwrights eine Familie mit viel Landbesitz gewohnt haben. Sie hat vielleicht auch die weltliche und sakrale Macht über die lokale Bevölkerung gehabt. So eine Unterscheidung wird aber vermutlich in einer eisenzeitlichen Sklavenhaltergesellschaft für die meisten Leute nicht so besonders relevant gewesen sein.

Keltenschanze Buchendorf

Wie in „Römerstraße bei Buchendorf“ geschrieben, führte die römerzeitliche Straße direkt an der Keltenschanze vorbei. Bei dieser Streckenführung ist anzunehmen, daß die Keltenschanze in das spätere römerzeitliche Leben eingebunden war. Ein vergleichbares Beispiel bietet die Perlacher Keltenschanze, neben der sich laut Bayerischem Denkmal-Atlas eine „Siedlung mit Mühlen und Werkplatz der mittleren und späten römischen Kaiserzeit“ befunden haben soll.

Keltenschanze Buchendorf

Keltenschanzen müssen ein vertrautes Phänomen gewesen sein. Wenn auch keines, das von den römerzeitlichen Eliten angestrebt wurde. Ich glaube, man hat römerzeitliche Bauten in Keltenschanzen gefunden, also es gibt archäologisch belegte Nachnutzungen. Aber man fand meines Wissens nach nie eine Villa Rustica im Keltenschanzenstil. Ob man zur Römerzeit überhaupt noch wußte, warum die Kelten einmal die Keltenschanzen über ein großes räumliches Gebiet verteilt weitgehend gleichartig gebaut hatten?