Hat am letzten Samstag wirklich zum ersten Mal in diesem Jahr Wetter und Wochenende zusammengepasst? Alle Fahrradbesitzer schienen draußen mit uns herumzuradeln. Wir haben uns als Ziel die Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld östlich des Ortsteils von Oberhaching Deisenhofen ausgesucht.

Vom Viereck der Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld sind noch zwei beachtliche Seiten zu sehen. Die zwei anderen Seiten sind bis auf Reste eingeebnet, die als Stummel an einer der übriggebliebenen Seiten hängen. Eine schöne Keltenschanze, sie wirkt gut gepflegt, ist gut zugänglich und hat sogar ein romantisches Sitzbänkchen auf einem der Wälle.
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Sie ist auf den ersten Blick unspektakulär. Über die Besonderheit gibt erst die Informationstafel Auskunft: diese Anlage hatte ein „Vorwerk“ mit 500 m Seitenlänge. Das erklärt die Erhebung, über die wir auf dem Weg vom Waldrand her geradelt sind.

In der Zeichnung auf der Infotafel sind benachbarte Keltenschanzen zu sehen. Die nächstliegenden ebenfalls mit Vorwerk und den zusätzlichen Besonderheiten, daß durch das Vorwerk die ehemalige Römerstraße geht und sich dort eine Doppelschanze befindet.

Diese Schanzen befinden sich noch oberhalb des Gleißentals. Die von Salzburg kommende Römerstraße führte dort das Gleißental hinunter und dann gleich wieder durch einen heute noch sichtbaren Hohlweg hinauf, an der Keltenschanze im Laufzorner Holz vorbei und dann weiter nach Westen, um bei der Römerschanze bei Grünwald die Isar zu überqueren und vor Gauting noch einen Schlenker zur Keltenschanze bei Buchendorf zu machen.

Ein Foto des Hohlwegs ist bei meinem Bericht von der Ausstellung „Karfunkelstein und Seide“ eingestellt. Der Fundort der Gräber in Unterhaching, die dieser Ausstellung zugrunde liegen, ist nach Google-Maps etwa 6 km in nördlicher Richtung von der Keltenschanze / Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld entfernt.

Südlich von der Schanze verlief die römische Ost-West-Verbindung, westlich die Nord-Süd-Verbindung durch das Hachinger Tal. Man kann also davon ausgehen, daß die Schanzen noch lange nachdem sie gebaut wurden für die Anwohner und die Reisenden ein gewohnter Anblick gewesen sind.

Wie schon bei der Keltenschanze Buchendorf angemerkt, ist die auf der Tafel beschriebene Interpretation als keltischer Kultbezirk obsolet. Näheres dazu in meinem Eintrag zur Keltenschanze Holzhausen.

Wer sich nach weiteren Bodendenkmalen in der Gegend umsehen will, dem empfehle ich den Bayerischer Denkmal-Atlas. Mit dem „Mehr“ neben dem Suchfeld auf die Denkmalnummer umschalten und im Suchfeld D-1-7935-0042 eingeben. Man landet dann auf der Rotfläche einer „Viereckschanze (Mehrfachschanze) der späten Latènezeit.“ und kann sich anhand der umliegenden Rotflächen über weitere Denkmale orientieren.
1 Kommentar:
Hallo Jürgen, an Pfingsten sind wir auch an diese Keltenschanze geradelt. Mit deinen Erklärungen und der tollen Wegbeschreibung haben wir einen sehr schönen Tag verbracht. Vielen Dank für diesen tollen Blog. Viele Grüße Brigitte & Co
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