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Mittwoch, 15. Mai 2024

Keltenhaus Taufkirchen und Wolfschneiderhof

Dieser Blogeintrag über das Keltenhaus Taufkirchen und den Wolfschneiderhof ist der dritte Teil in meiner Hachinger-Bach-Serie, die ich im Februar mit dem „römischen Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger“ begonnen und im März mit dem Heimatmuseum Unterhaching fortgesetzt habe.

Keltenhaus Taufkirchen

Taufkirchen hatte wie Perlach und Unterhaching einen durch den Hachinger Bach bestimmten Dorfvorgänger und um das Keltenhaus Taufkirchen herum soll es nach dem Bayerischem Denkmal-Atlas (Denkmalnummer D-1-7935-0055) eine Siedlung frühen Bronzezeit, der Spätbronze-/Urnenfelderzeit, der Späthallstatt-/Frühlatènezeit, der mittleren bis späten Làtenezeit, eine Villa rustica der römischen Kaiserzeit sowie Körpergräber des Endneolithikums (Glockenbecherkultur) und der frühen Latènezeit gegeben haben. Es trifft also zum einen die römerzeitliche Besiedlung zu, die schon im Perlacher Teil meiner Serie behauptet wurde (die Kette römerzeitlicher Siedlungen entlang des Hachinger Bachs). Zum anderen sind die verschiedenen Siedlungen Beispiele für die im Unterhachinger Teil vorgestellte begehbare Landkarte des Hachinger Baches mit vielen entlang seines Verlaufs eingezeichneten ehemaligen Siedlungsstellen.

Keltenhaus Taufkirchen

Ich will in diesem Zusammenhang zwar wieder sowohl das Unterhachinger Heimatmuseum als auch seine über Unterhaching hinausführende „Hachinger Bach“-App bewerben. Aber der Text zum Gebiet um das Keltenhaus weist schon darauf hin, daß das tatsächliche Szenario mit den vielen Siedlungen noch deutlich komplizierter war. Zu einer 2012 nahe dem Keltenhaus stattgefundenen Ausgrabung der Firma Singularch gibt es einen im Internet frei zugreifbaren Grabungsbericht und darin die folgende Bemerkung:„Da Ansiedlungen meist nach nur wenigen Generationen aufgegeben und in einiger Entfernung neu gegründet wurden, ist in den besonders siedlungsgünstigen Gebieten häufig eine mehrphasige Besiedlung feststellbar.“ Diese „Mehrphasigkeit des besiedelten Areals“ wurde dann auch weiter unten im Singularch-Text im Zusammenhang mit den vorgestellten Befunden angemerkt.

Umweltgarten beim Keltenhaus Taufkirchen

Das Keltenhaus Taufkirchen ist in Folge einer früheren, 1993/94 stattgefundenen Ausgrabung entstanden. Die Ergebnisse der Ausgrabung sind auf der Website der „Freunde des Wolfschneiderhofes in Taufkirchen e.V.“ kurz zusammengefasst. Im Keltenhaus wird laut der Website auf einigen Schautafeln die Archäologie im Hachinger Tal dargestellt. Führungen im Keltenhaus können mit dem Gemeindeheimatpfleger vereinbart werden. Vici.org bietet nebst einer weiteren Zusammenfassung zum Keltenhaus auch eine Lagekarte.

Wolfschneiderhof Taufkirchen

Meine Fotos stammen vom letzten April-Freitag. Das Wetter war nach ungünstigen Tagen ideal zum Radeln. Interessant wären noch Funde aus den Ausgrabungen gewesen, die im Taufkirchener Rathaus in Vitrinen ausgestellt sein sollen. Aber wegen anderer Rahmenbedingungen bin ich erst nach 12 Uhr beim Rathaus angekommen und konnte nur feststellen, daß das Rathaus nach Ablauf seiner Öffnungszeit tatsächlich zu ist.

Backhaus des Wolfschneiderhofs Taufkirchen

Ich bin danach noch ein kleines Stück weiter, um Fotos vom Wolfschneiderhof zu machen. Dieses zu bestimmten Zeiten besuch- und besichtigbare Taufkirchener Heimathaus ist ein gerettetes altes Bauernhaus aus der Zeit des kleinen Bauerndorfes Taufkirchen. Zufällig war gerade ein Mitglied der „Freunde des Wolfschneiderhofes in Taufkirchen e.V.“ anwesend, das mir freundlicherweise erlaubte vom Gelände des Wolfschneiderhofes aus zu fotografieren. Der Wolfschneiderhof sieht schön und heimelig aus. Ein Beitrag von München tv zeigt, was man sich innen noch alles ansehen kann. Das Leben der früheren Bewohner war aber extrem hart, wovon man sich in „Der Wolfschneiderhof und seine letzten Bewohner“ einen Eindruck verschaffen kann.

Wolfschneiderhof Taufkirchen

Am nächsten Sonntag ist der Internationale Museumstag 2024. Laut dem Veranstaltungskalender des Wolfschneiderhofs wird zwischen 14 und 17 Uhr ein besonderes Programm des Gemeindeheimatpflegers angeboten. Ich will zudem noch auf auf die Johannidult am 23. Juni 2024 von 11:00–18:00 Uhr im Garten des Heimathauses hinweisen. In dem Garten war ich von den gezogenen Pflanzen sehr fasziniert. Nicht nur die in dem kleinen eingehegten Bereich, sondern auch die in den Pflanzschalen sahen so gut, gesund und kräftig aus. Wenn das nicht an dem aktuellen Wetter und der Jahreszeit lag, sondern an besonderen Versorgungsfähigkeiten, dann darf man auf die selbstgebackenen Kuchen an Museumstagen und die Schmankerl vom Grill und die reichlichen kühlen Durstlöscher zur Johannidult gespannt sein.

Hachinger Bach beim Wolfschneiderhof Taufkirchen

Abschließend ein Blick nach Oberhaching, das soll die nächste Station auf meiner Tour entlang des Hachinger Bachs werden. Oberhaching feiert dieses Jahr seinen 1275. Geburtstag, und ein Höhepunkt des Festjahres soll die Festwoche vom 29. Mai - 9. Juni sein. Die beinhaltet am 8. Juni eine „Oberhachinger Zeitreise“, einen „Spaziergang durch die Geschichte für die ganze Familie“.

Hachinger Bach beim Wolfschneiderhof Taufkirchen

Montag, 26. Februar 2024

Der römische Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger

Nahe des vom Hachinger Bach durchflossenen Pfanzeltplatzes mit der barocken Pfarrkirche St. Michael, dem Ortsmittelpunkt des 1930 zu München eingemeindeten Dorfes Perlach, gab es in den 1990er Jahren archäologische Ausgrabungen.

Hachinger Bach in Altperlach, im Hintergrund die Kirche St. Michael

Bei den Ausgrabungen konnten Teile eines römerzeitlichen Landgutes nachgewiesen werden. Unter anderem ein 35 Meter langen Mühlkanal und die Pfostenlöcher einer dazugehörigen Wassermühle, Zerstörungsspuren durch Brände und deutlich später Grabstellen einer frühmittelalterlichen Neubesiedlung.

Hachinger Bach beim Altperlacher Krankenhaus

Bei der später auf dem Ausgrabungsgelände erstellten Grünanlage am Perlacher Oberen Hofanger hat man versucht einen Teil der archäologischen Ergebnisse im Gelände darzustellen. Der Mühlkanal wurde mittels einer langen Bodenvertiefung und kurze gemauerte Teile kenntlich gemacht. Jahre später sind 2016 mit ehrenamtlicher Hilfe des Festrings Perlach Erläuterungen auf Informationstafeln hinzugekommen.

Altperlacher Grünanlage am Oberen Hofanger

Ich finde diese Veranschaulichungen mit Informationstafeln sehr gelungen. München-Perlach verschwimmt aus meiner Sicht geschichtlich, Neuperlach etwa gilt als eine der größten deutschen Satellitenstädte. Altperlach hatte über viele Jahrhunderte eine andere Logik, die einer Verbindung mit dem Hachinger Bach gefolgt ist. Diese Veranschaulichungen am Oberen Hofanger vermitteln dieses Leben mit dem Hachinger Bach und zudem auch noch den hohen Stand, den dieses Leben in der Römerzeit hatte. Der römerzeitliche Hof wird auf den Informationstafeln ausdrücklich als Teil einer ganzen Siedlungskette bezeichnet und auf eine ähnliche Mühle in Sichtweite auf dem Gelände des heutigen Südfriedhofs hingewiesen.

Archäologische Informationstafel in der Grünanlage am Oberen Hofanger in München-Perlach

Meine Fotos stammen vom vorletzten Samstag. Drängender stünde eigentlich ein Bericht von meinem letztjährigen Besuch im Heimatmuseum Unterhaching an. Die Ursprünge Unterhachings gehen aber auch auf ein Dorf am Hachinger Bach zurück, der Hachinger Bach wird dort ebenfalls eine herausragende Rolle spielen. Die Verbindung bis in die römische Zeit könnte ich dort aber nur beschreiben, von Perlach habe ich nun die Fotos vom veranschaulichten Mühlkanal. Deshalb schiebe ich die vor dem Heimatmuseum Unterhaching ein, um von dort aus auf den Perlacher Mühlkanal zurückverweisen zu können.

Archäologische Informationstafel in der Grünanlage am Oberen Hofanger in München-Perlach

Im Gegenzug will ich hier schon die „Hachinger Bach“-App des Heimatmuseums Unterhachings empfehlen. Die App geht über das Gebiet Unterhachings hinaus und ist allgemein eine Empfehlung um sich über den Hachinger Bach zu informieren. Wer einen Eindruck gewinnen will mag sich zumindest den etwa vier Minuten dauernden „Flug über den Hachinger Bach“ ansehen.

Archäologische Informationstafel in der Grünanlage am Oberen Hofanger in München-Perlach

Die auf den Informationstafeln am Oberen Hofanger erwähnte seinerzeit in Sichtweite gelegene römische Siedlung im Bereich des heutigen Neuen Münchner Südfriedhofs in München-Perlach hatte ich 2015 im Rahmen meines Besuchsberichts von der Keltenschanze auf dem Friedhof in München-Perlach erwähnt, aber da eher den zeitlichen Bogen weiter zurück zu den Kelten und die häufige Verbandelung mit bronzezeitlichen Grabhügeln geschlagen.

Kenntlich gemachte frühmittelalterliche Grabstellen am München-Perlacher Oberen Hofanger

Wer die Mühlkanalmulde am München-Perlacher Oberen Hofanger besuchen möchte, dem böte sich eine Kombination mit dem Südfriedhof und einem Spaziergang entlang des Hachinger Bachs an. Je nach Route käme man da auch beim Festring Perlach mit einem Offene-Tür-Angebot an zweiten Samstagen in den meisten Monaten des Jahres vorbei. Der Park mit dem veranschaulichten Mühlkanal befindet sich westlich der Einmündung der Hofangerstraße nördlich anliegend an der München-Perlacher Schmidbauerstraße. Wenn man mit dem Bayerischen Denkmal-Atlas gut zurecht kommt, findet man die Stelle schnell via Umstellen des Suchfeldes auf die Denkmalnummer und der Suche nach der Denkmalnummer D-1-7835-0448 Die Keltenschanze auf dem Friedhof hat die Denkmalnummer D-1-7935-0112 Die danebenliegende „Siedlung mit Mühlen und Werkplatz der mittleren und späten römischen Kaiserzeit“ die Denkmalnummer D-1-7935-0262

Grünanlage am München-Perlacher Oberen Hofanger mit kenntlich gemachtem römerzeitlichen Mühlkanal

Folgt man dem beschriebenen Gedanken der Siedlungsketten, dann wären natürlich auch Kombinationen mit entfernteren Besuchszielen entlang des Hachinger Bachs interessant. Etwa das erwähnte Unterhachinger Heimatmuseum oder das Taufkirchener Keltenhaus, in dessen Umfeld sich eine Villa rustica befand. Oder die bei Deisenhofen durchlaufende römische Verbindungsstraße zwischen Augsburg (Augusta Vindelicorum) und Salzburg (Iuvavum) mit besser als auf dem Perlacher Friedhof erhaltenen Keltenschanzen. Im Bereich Deisenhofen wäre etwaigen Ausflugsinteressenten auf jeden Fall zu empfehlen auch die diesjährigen Angebote Oberhachings zum 1275. Geburtstag im Auge zur behalten.

Samstag, 8. Oktober 2016

Herbst-MOOCs

In diesen Wochen starten wieder einige MOOCs. Ein paar Coursera-Beispiele: „Roman Art and Archaeology“ hat am Montag begonnen. „Magic in the Middle Ages“ startet am 24. Oktober. „Introduction to Ancient Egypt and Its Civilization“ am 31. Oktober. „Osteoarchaeology: The Truth in Our Bones“ am 4. November. Ein paar MOOCs sind neu, aber in der Mehrzahl werden alte Kurse wiederholt. Futurelearn trat früher nicht so in Erscheinung, hat aber schnell eine größere Zahl von Kursen angesammelt und scheint ganz gut mit dem Schema der schnellen Wiederholungen zurecht zu kommen. Manches, was einen vor ein paar Monaten interessiert hätte, startet dort gerade wieder. Und bei edX und Coursera sind die Inhalte manch alter Kurse zugreifbar und können „Self Paced“ durchgearbeitet werden.

Mittlerweile ist diese Form der Online-Kurse unter der Bezeichnung MOOC (Massive Open Online Course) allgemein bekannt. Zumindest im Bildungsbereich hat man mittlerweile auch eine Vorstellung von den bis über die 100000 gehenden Teilnehmerzahlen von MOOCs. Aber mittlerweile hat Coursera ja gerade die extrem teilnehmerstarken MOOCs aus dem Computerbereich in Teilkurse von Specializations mit mehreren schnell wiederholten Kursen umorganisiert. Also selbst da wird es schwieriger, die namensgebenden massiven Teilnehmerzahlen auf einmal zu erreichen. Mal sehen wie sich die Bezeichnung MOOC hält. Für die Specializations insgesamt dürften die durchgeschleusten Zahlen immer noch sehr imposant sein. Und im Grunde genommen sind diese Zahlen wegen dem gegenüber den Einzelkursen umfangreicher vermittelten Stoff sogar noch gewichtiger.

Ich hatte in einem frühen Eintrag zum Thema zurückhaltend „Online-Kurse“ als Überschrift verwendet, habe dort allerdings auch in den letzten Abschnitten auf ein breiteres Spektrum als die MOOC-Anbieter hingewiesen. Man möge dieses breitere Spektrum auch weiter berücksichtigen. Im Computerbereich ist es ganz normal, neben den MOOCs eine Vielfalt von weiteren Anbietern zu haben. Von Fachvorträgen die online gestellt werden über Schulen wo man online Programmiersprachen lernen kann bis zu kleinen Youtube-Erklärvideos. Da ist es eigentlich komisch, daß im Bereich Archäologie/Geschichte dauernd Informationen verschwinden und das anscheinend niemand stört. Das Denkmalamt liefert weiter an die Zeitungen, das wird vielleicht gelesen und wandert dann zum Altpapier. Die Abendschau berichtet vom neuen Limes-Wachturm und das wird dann irgendwann wieder depubliziert. Man hat zumindest bei den Archäologie/Geschichte-Online-Kursen den Vorteil, daß man mit weniger Übungen und Infrastruktur auskommt. Manchmal rutscht aus den Universitäten eine Vorlesung in Form von Videos raus, das ist dann fast schon so gut wie ein MOOC.

Der seinerzeit in den „Online-Kursen“ erwähnte Semantic-Web-Kurs startet übrigens in überarbeiteter Form ebenfalls wieder. Titel ist „Linked Data Engineering“, es geht am 17. Oktober los, Referent ist wieder Harald Sack.

Zum Schluß noch Links mit München-Bezug: Im Rahmen der alpha-Campus-Reihe entstand ein knapp halbstündiges Video mit dem Althistoriker Christian Meier unter dem Titel „Beginnt Europas Geschichte mit den alten Griechen, Herr Meier?“. Das Interview wurde im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke aufgenommen. Ich empfehle sich das Interview mal anzuhören. Das Abguss-Museum hatte ich schon in „Bilder vom Kunstareal-Fest 2015“ empfohlen, was ich hier gerne wiederhole. Eine Gelegenheit für den Besuch böte die 18. Lange Nacht der Münchner Museen am nächsten Samstag. Da gibt es im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke noch die „Antike und moderne Ringerkunst im Vergleich“ als Zugabe.

„Die Römer in Perlach – Einweihung dreier neuer Informationstafeln“ - ich hatte das letzten Sonntag ganz kurz vor der Einweihung mitbekommen. Die Informationstafeln sollten nicht weit von der schon von mir besuchten Keltenschanze auf dem Friedhof in München-Perlach zu finden sein.

Sonntag, 19. Juli 2015

Die Keltenschanze auf dem Friedhof in München-Perlach

Wer jetzt über die Suche nach „Keltenschanze Perlach“ bei mir gelandet ist und bislang noch nichts mit Keltenschanzen zu tun hatte, möge gleich noch in meinen älteren Eintrag über die Keltenschanze Buchendorf reinsehen. Da habe ich etwas mehr über Keltenschanzen im allgemeinen geschrieben. Buchendorf ist auch ein Vertreter von mehreren Keltenschanzen, die wesentlich besser als die Perlacher erhalten und im Münchner Umland gut erreichbar sind. Via weiteren Links im aktuellen Eintrag oder via dem Label Keltenschanze lassen sich weitere Beispiele finden. Und man sollte sich solche Ausflüge mal gönnen, wenn man Spass daran hat.

Noch eine Bemerkung zu den Friedhofsbezeichungen: die Reste bzw. die Markierungen der Perlacher Keltenschanze befinden sich auf dem Gelände des „Neuen Münchner Südfriedhofs“ in München-Perlach. Das ist ein anderer Friedhof als der „Friedhof Perlach“ oder der „Friedhof am Perlacher Forst“. Wahrscheinlich erklärt die Neuanlage des Münchner Südfriedhofs und die getätigten landschaftsgestalterischen Arbeiten (Teich und Hügel) auch den Einbezug der Keltenschanze.

Keltenschanze auf dem Neuen Südfriedhof in München-Perlach

Im Eintrag zur Keltenschanze Buchendorf versuche ich auch etwas zur räumlichen und die zeitlichen Dimension zu sagen, in der diese Keltenschanze eingebunden war. Das Problem war/ist speziell bei der Buchendorfer Keltenschanze, daß die gern mal mit dem aus der Bronzezeit stammenden Grabhügelfeld südwestlich von Gauting verknüpft wurde. Die Buchendorfer Keltenschanze liegt noch von weitem sichtbar im Gelände, und das Grabhügelfeld ist wegen dem Grab der Seherin bekannt geworden und beide zusammen sind irgendwelchen Führern gelandet. Es gab aber einen sehr großen zeitlichen Abstand zwischen dem Zeitpunkt, als die Frau begraben wurde, und der Zeit der Keltenschanzen.

Keltenschanze auf dem Neuen Südfriedhof in München-Perlach

Richtig ist aber wohl, daß viele bronzezeitliche Gräberfelder von folgenden Kulturen weiter genutzt wurden. In dem Zusammenhang wäre der Begriff „Kulturen“ hervorzuheben. Die Kelten werden sich vielleicht auf Vorfahren in den nebenan liegenden bronzezeitlichen Grabhügeln berufen haben. Vielleicht gab es tatsächlich noch Überlieferungen. Ähnlich kann das im Münchner Raum auch beim Übergang zu den Römern vonstatten gegangen sein. Im vorliegenden Fall entstand nach dem Bayerischer Denkmal-Atlas direkt neben der Perlacher Keltenschanze später eine „Siedlung mit Mühlen und Werkplatz der mittleren und späten römischen Kaiserzeit“. Die Keltenschanze hat die Denkmalnummer D-1-7935-0112, die römerzeitliche Siedlung D-1-7935-0262. Vielleicht war die römische Siedlung schon richtig Multikulti, vielleicht aber noch stark von der keltischen Bevölkerung geprägt.

Keltenschanze auf dem Neuen Südfriedhof in München-Perlach

Räumlich liegt die Keltenschanze Buchendorf auf einer Ost-West-Verbindung. Diese Verbindung wurde durch eine Römerstraße bis in die Neuzeit „verewigt“. Im Fall der Perlacher Keltenschanze liegt die Nord-Süd-Verbindung durch das Hachinger Tal vor. Man möge sich im Bayerischen Denkmal-Atlas die beeindruckende Kette rot markierter Flächen ansehen. Als sensationell wurde in den zurückliegenden Jahren ein Gräberfund bewertet, zu dem es dann eigens eine Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung gab. Der brachte etwas Licht in die Übergangszeit zwischen römischer Herrschaft und bayerischem Mittelalter.

Teich im Neuen Südfriedhof in München-Perlach

Wer Perlach nicht kennt: die Gegend ist ziemlich flach. Die größten Steigungen habe ich überwunden, als ich auf den Hügel auf dem Friedhof gelaufen und auf die Brücke über die Autobahn geradelt bin. Also man kommt ganz gut um die Wahrnehmung dessen herum, was damals die Identität des Gebietes ausgemacht hat. Wer sich aber näher mit dem Hachinger Tal/Hachinger Bach beschäftigen will, dem empfehle ich Claudias Zusammenstellung „"Unser" Wald - das Gleißental“. Wie der Titel sagt, legt sie ihren Schwerpunkt auf den südlichen Vorlauf des Hachinger Tals. Bestens dazu passend ist ein Bericht von Thomas Irlbeck unter dem Titel „Über Neuperlach ins Schwarze Meer: Der Hachinger Bach“. Der Titel irritiert etwas. Thomas Irlbeck bewegte sich nicht hin zum Schwarzen Meer, sondern versuchte, dem Hachinger Bach per Rad in Richtung Süden, also dem Gleißental, zu folgen. Ausflugswillige Perlacher können das ja mal versuchen nachzuvollziehen und wenn sie keine Lust mehr haben in Richtung Biergartentipps von Claudia abbrechen.

Aussegnungshalle des Neuen Südfriedhofs in München-Perlach

Zu den Fotos von der Perlacher Keltenschanze: die Keltenschanze wurde durch eine Lindenbepflanzung kenntlich gemacht. Westlich und südlich führt direkt an ihr jeweils ein gegenüber ihrer Innenfläche etwas erhöhter Asphaltweg vorbei. Nach Osten hin gibt es einen Wulst im Gelände, vielleicht 50 cm hoch. Helmut Hille schreibt: „Im neuen Südfriedhof in München-Perlach hat man auf Grund alter Flurkarten eine solche völlig eingeebnete Viereckschanze durch Vertiefung kenntlich gemacht“. Man könnte das so interpretieren, daß der Wulst/das Minischänzchen im Osten künstlich sind und die Asphaltwege auch künstlich etwas erhöht angelegt wurden.

Bei den ersten beiden Bildern handelt es sich um Panoramen. Die zwei Fotos für das erste Bild habe ich an der nordwestlichen Ecke aufgenommen, die drei Fotos für das zweite Bild an der nordöstlichen. Links von der Keltenschanze im zweiten Bild befand sich die erwähnte römerzeitliche Siedlung. Bild drei ist ein Blick in die Keltenschanze über den Geländewulst an der östlichen Seite. Bild 4 zeigt den Friedhofs-Teich mit ein paar Kränen des großen Neubaugebietes nördlich des Friedhofes im Hintergrund. Bild 5 zeigt die Aussegnungshalle auf dem Hügel, die ich bei den ersten beiden Bildern im Rücken hatte.