Posts mit dem Label Inka werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Inka werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 20. November 2016

Hans Giffhorns Chachapoya-Hypothese in Telepolis

Beim nächtlichen lockeren Herumsurfen bin ich mal erst in einem Krieg zwischen griechischen Städten in der Wikipedia und später in Ausschnitten eines Karthager-Buchs in Google Books gelandet. Bei dem Städtekrieg haben die Wissenschaftlernden aus spärlichen Texthinweisen unsicher versucht die jeweiligen Verbündeten festzustellen. Es soll auch Stimmen geben, die den ganzen Krieg in Frage stellen. Aber ich denke, das mit den Textanalysen kann eine ganz vernünftige Arbeit sein. Was soll man machen, wenn man sonst nichts hat? Das Wissen wird hoffentlich vermehrt und ist vielleicht nach dem Auffinden neuer Texte oder bei der Interpretation von Ausgrabungenergebnissen enorm hilfreich.

Die Ausschnitte aus dem Karthager-Buch sah ich kritischer. Es gab Bezüge auf einen antiken Geschichtsschreiber, dem der Autor mal glaubte und mal nicht. Es gab Aussagen zu Zusammenhängen von Bevölkerung, Wirtschaft und Militär, deren Basis für mich nicht erkennbar wurde. Solche Aussagen sind im Zusammenhang mit den Ressourcenproblemen in den Punischen Kriegen ja heiß. Anläßlich der Karlsruher Karthager-Ausstellung 2004/2005 hatte ich in aktuell erschienenen Artikeln nichts dergleichen gelesen und es kam mir vor, als hätte das früher erschienene Buch und das damalige relativ weite Hinauslehnen hinsichtlich großer Zusammenhänge in den späteren Artikeln keinen Niederschlag gefunden. Der Autor schien nach kurzem Googeln auch mittlerweile als Professx andere Schwerpunkte zu haben.

Das waren meine damaligen, nächtlichen Eindrücke. Meine Probleme mit dem Buch können auch gut am ausschnittsweisen Lesen in Google Books und am schlechten Erinnern des früher über die Karthager Gelesenen gelegen haben. Aber nimmt man jetzt den schlechten Fall an, daß ein Autor oder eine Autorin sich wirklich mit einem größeren Denkgebäude aus aufeinander aufbauenden Bausteinen mit schlechten Wahrscheinlichkeiten aus dem Fenster gelehnt hat, man diese schlechten Einzelwahrscheinlichkeiten also auch noch miteinander multiplizieren muß, dann kommt hinten fast nur noch heiße Luft heraus.

Mit dieser Denkweise muß ich mich dann natürlich an den Thesen von Hans Giffhorn über die Chachapoyas stoßen, über die vor einer Woche eine dreiteilige Serie in Telepolis zuende ging ( Teil 1, Teil 2, Teil 3): „Eine Emigrantenflotte iberischer Kelten und Krieger von den Baleareninseln erreichte Amerika bereits im ersten Jahrhundert vor Christus, ist sich der frühere Göttinger Uni-Professor sicher. Die Einwanderer gingen schließlich in der bis heute rätselhaften Chachapoya-Kultur Perus auf.“ Es gibt auf diesem Weg vieles, für das es keine Belege gibt. Ob alles heiße Luft ist? Ich glaube schon, daß man in Richtung multiplizierte schlechte Wahrscheinlichkeiten denken darf. Aber natürlich würde ich mir auch wünschen, daß an dem wirklich vorhandenen Chachapoya-Rätsel gearbeitet und etwa vielleicht durch DNA-Proben ungestörter Chachapoya-Mumien deren Herkunft geklärt wird. Und vielleicht wird dann wirklich einmal gegen alle schlechten Wahrscheinlichkeiten ein Nachfahre iberischer Kelten oder von Kriegern von den Baleareninseln nachgewiesen.

Eine gute Story ist das mit der Emigrantenflotte auf jeden Fall. Irgendwie ist dieses Jahr eine Neuverfilmung von „Ben Hur“ ziemlich unbemerkt an mir vorüber gegangen. „The Eagle of the Ninth“ gäbe eigentlich mit dem Marsch in unbekannte Welten und zu unbekannten Kulturen einiges her, die zwei daran angelehnten neueren Verfilmungen, die ich gesehen habe, waren aber ziemlich verwechselbar umgesetzt. Also wenn schon Remake, dann vielleicht etwas in Richtung „Apocalypse Now“. Gaaanz kurz die uns allen schon sattsam bekannte Universalrömerwelt. Dann ein schneller Walkürenritt durch ein Römerlager. Und dann ganz lang und phantasievoll umgesetzt die Emigrantenflotte auf dem Weg zum Chachapoya-Werden.

Dienstag, 1. März 2016

Dr. Christian Köllerers Notizen

„Dr. Christian Köllerers Notizen – Mehr als 2500 Wiener Notizen über Klassiker, Kulturelles und Reisen“ — wer den Blog noch nicht kennt, möge mal reinsehen. Bei der Durchsicht des sehr reichhaltigen, über viele Jahre entstandenen Angebots helfen „Kategorien“. Etwa aus der Perspektive meines Filters „graue Vorzeit bis Spätantike“ die Kategorien „Kategorie Antike (Geschichte)“ oder die „Kategorie Antike (Klassiker)“.

Zur Zeit ist Dr. Christian Köllerer auf einer Studienreise durch Mexiko, Guatemala und Honduras, von der er auf Twitter Kurznachrichten und auf seinem Facebook-Album Fotos einstellt. Und vielleicht gibt es von dieser Studienreise auch noch irgendwann einen Bericht wie etwa den von seiner Reise nach Peru und Bolivien: „Wo Jesus Meerschweinchen verspeist“.

Montag, 11. Januar 2016

Andere Welten oder andere Zeitschichten?

Kurz nach meinem letzten Eintrag wurden die darin angesprochenen Fahrzeug-Rückkanäle ein Thema: In „Die Zukunft ist HERE: Mobilität von morgen beginnt mit digitalen Echtzeit-Karten“ findet sich der Satz „HERE arbeitet nun daran, durch Millionen von Fahrzeugen und deren Sensoren zusätzliche Quellen einzubinden“. Mir scheint es gab nur verhaltene Resonanz, aber wohl durch die Consumer Electronics Show CES 2016 bedingt wurden jetzt dauernd neue Meldungen nachgelegt.

In meinem letzten Eintrag ging es mir letztendlich um die Aussage, daß ein fähiger Umgang mit Communitys eine wichtige Kompetenz darstellt. Die Nachricht „Autohersteller kaufen Kartenanbieter“ kam für mich als schlechtes Beispiel daher. Sie bedient alte Vorstellungen eines eher statischen Kartenangebots, bei dem die Nutzer nur als Kartenkäufer aktiv in Erscheinung treten. Diese Verkürzung findet sich nicht nur in Nachrichtensendungen, so reduziert werden auch ganze Artikel aufgezogen, in denen genügend Platz wäre um so wichtige Aspekte zumindest ansatzweise herauszuarbeiten. Aber vielleicht passt das zu den Fähigkeiten der Medien und vielleicht auch zur Belastbarkeit ihrer Kundschaft.

Für die Innovation und mithin für die Produkthersteller kann die fehlende Information eigentlich nicht gut sein. Denn es sind bei „Millionen von Fahrzeugen“ keine getrennten Welten, viele sind schon betroffen oder werden in Zukunft als Datenlieferanten betroffen sein. Ich will jetzt selbst aber auch nicht weiter in das Thema rein und mich versteigen. Wer neugierig geworden ist und sich interessiert: ich habe einen Artikel in der PC-Welt gefunden, der umfangreicher auf die die Datenquellen eingeht. Vom Deutschlandradio gibt es ein Here-Unternehmensporträt. Und aktuell kamen Meldungen, nach denen der Kartendienst Here die Fahrer um die Ecke gucken lassen will, in den USA eine Pflicht zur Vernetzung von Neuwagen geplant ist und in denen über die Datenschätze der Autohersteller im Vergleich mit den Google-Daten spekuliert wird. Ergänzend ein Blick auf ein anderes neues Google-Maps-Angebot aufgrund von Daten-Rückflüssen: Auswertung von Standort-Daten: Google Maps zeigt Geschäfts-Stoßzeiten und andere "beliebte Uhrzeiten".

Mein Interesse hat sich wie gesagt mehr auf die Communitys und den Umgang mit ihnen bezogen. Im letzten Eintrag hatte ich ehrenamtliche Helfer der MOOC-Plattformen erwähnt. Im vorliegenden Fall finden sich die Communitys durch den Kauf und die Nutzung passend eingestellter Smartphones und Kraftfahrzeuge zusammen. Vielleicht kann man für diese Verbindung mit den Communitys das Bild eigener gemeinsamer Welten bemühen, die jeweils in einer teils längeren Praxis aufgebaut und austariert worden sind und weiterhin austariert werden müssen (wenn man einzelne Beteiligte nicht einfach zu Zwangsabgaben verdonnert). Sicher hat Google bei diesem Austarieren schon sehr viel Erfahrung. Ein Beispiel ist das immer wieder mit ziemlich vielen Beteiligten notwendig gewordene und notwendig werdende Austarieren im Zusammenhang mit dem Smartphone-Betriebssystem Android. Noch ungewöhnlicher wirkt für mich das Zusammenspiel eines Sammelsuriums von Tools und Frameworks, das in der Coursera Full-Stack-Specialization gelehrt wird: die ganze Infrastruktur aus Tools und Frameworks ist aus unterschiedlichsten Quellen zusammengestückelt. Und unter denen arbeitet ein aus der Google-Quelle stammendes und unter MIT-Lizenz allgemein freigegebenes Web-Framework AngularJS (Kurs 3) beispielsweise einträchtig mit dem aus Twitter-Quelle stammenden Bootstrap (Kurs 2) zusammen.

Das in der Full-Stack-Specialization vorgestellte Ensemble ist für die Webentwicklung hochmodern, ein Großteil der Tools und Frameworks ist erst wenige Jahre alt. Verglichen mit den häufig seit mehr als 10 Jahren bekannten Komponentennamen der Alternativen könnte man an eine neue Zeitschicht denken, die sich über die alte Art zu entwickeln legt. So ist das aber nicht, die einzelnen Komponenten der Alternativen haben sich über die Jahre weiterentwickelt. Und die Leute von Alternative X werden sagen, daß bei den neuen Sachen viele Antworten auf bei Alternative Y aufgeworfene Fragen gefunden wurden, bei ihnen wären diese Antworten dagegen garnicht so nützlich. Also es bleibt spannend, welche Ansätze sich in welcher Form durchsetzen werden. Die ganz neuen Lösungen werden sicher eine Rolle spielen, und ich finde das Coursera-Angebot toll, weil man sie da im Zusammenspiel vorgeführt bekommt. Zu den Zeitschichten und den Medien noch: ich glaube manches lässt sich wirklich mit anderen Zeitschichten erklären, aus denen die klassischen Medien nicht herauskommen. Wegen der Fragmentierung der Mediennutzergruppen und der Vielzahl der alternativen Medien glaube ich an eine Lösung, die in der Full-Stack-Specialization verwendet wird: da gibt es weiterführende Links dahin, wo ein passendes Angebot vorhanden ist. Etwa auch auf diese Reflexion des Full-Stack-Entwicklers: The Myth of the Full-stack Developer.

Die Sichtweise mit den Zeitschichten habe ich aus einem Interview mit einem Historiker, in das ich vor ein paar Monaten hineingezappt bin. Der stellte da gerade fest, daß im Ersten Weltkrieg viele unterschiedliche Zeitschichten aufeinandergetroffen sind. Versinnbildlicht wurde das mit dem Foto eines Kavalleristen auf dem Pferd. Mit einer Lanze in der Hand, einem Gewehr auf dem Rücken und einer Gasmaske auf dem Gesicht. Man suche mal mit „Kavallerist Gasmaske“ in der Bildersuche. Im Interview ging es noch um Versprechungen an unterschiedliche Unabhängigkeitsbewegungen im Osmanischen Reich während des Krieges, und den späteren „Rückfall“ von Frankreich und England in die Zeitschicht des Kolonialismus.

Ich denke andere Welten sind normal und sinnvoll. Und unterschiedliche Zeitschichten sind auch normal, man kann sich nicht dauernd mit Erneuern beschäftigen. Es wird vielleicht sogar so sein, daß die deutsche Hochrüstung vor dem Ersten Weltkrieg mit modernen Schlachtschiffen noch viel blödsinniger war als Kavalleristen weiter mit Säbel oder Lanze herumreiten zu lassen. So gesehen kann man bei den anderen Welten und den Zeitschichten so endlos wie beim Blickwinkel „vernünftiges Fahrzeug“ diskutieren. Das funktioniert vielleicht nur sinnvoll in einem kleinen Rahmen. Was ist das vernünftigste Fahrzeug für einen Pizza- oder Pflegedienst? Und das Ergebnis sehen wir auf den Straßen herumfahren. Daß man mit Werten und Problemen der Leute aus den „anderen Welten“ manchmal nicht viel anfangen kann, ist auch normal. Und die oben angedeuteten Vernetzungen im Software-Bereich sind vielleicht gute Vorbilder, wie man bei Bedarf andere in eine gemeinsame Welt hineinziehen und gemeinsam etwas voran bringen kann.

Jetzt wollte ich mit dem Zeitschichten-Zusammenprall Spanier gegen süd- und mittelamerikanische Ureinwohner abschließen, muß aber zuvor noch schnell den gestern bei Telepolis erschienenen Artikel von Jan Sperhake über die Schlacht von Azincourt einschieben. Er erwähnt viele andere Welten und andere Zeitschichten-Beispiele, betrachtet das alles aber unter einem anderen Blickwinkel. Interessant ist, was man damals alles versucht hat zu verbieten, damit die für manche schöne Ritterwelt erhalten bleibt. Übrigens darf ich zum Heise-Verlag rüberlinken, ohne mir um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger Gedanken machen zu müssen („Der Heise Zeitschriften Verlag und das Leistungsschutzrecht“).

Das Zusammenprall-Beispiel zwischen Spaniern und Ureinwohnern wurde mal in einem Fernsehfilm thematisiert, in den ich wie in das Historikerinterview hineingezappt bin. Aber diese Sendung kam schon vor ein paar Jahren. Man hat via an Skelettfunden aus Gräbern nachweisbaren Verletzungen und via spanischen Texten einen indianischen Angriff im ehemaligen Inka-Gebiet auf eine Siedlung rekonstruiert, der vor der Siedlung von Spaniern und herbeigeeilten verbündeten Indianern abgewehrt wurde. Die Aussage im Film war, daß hier üblicherweise die Kavallerie schnell die Entscheidung brachte, weil den Indianern zur Abwehr die jahrtausendelange Erfahrung der Armeen der alten Welt fehlte und sie zudem mit auf ihren auf Podesten herbeigetragenen Anführern gute Ziele für den Kavallerieangriff anboten.

Man könnte jetzt denken, daß die feindlich gesinnten Ureinwohner die überlegenen Kenntnisse und Hilfsmittel der Gegner respektiert und versucht hätten, sie sich auch zu eigen zu machen. Vielleicht irgendwelche Versuche, Helfer der Spanier aus anderen Stämmen zu bestechen oder mit eigenen eingeschleusten Leuten die Stärken der Gegner zu kopieren oder zu unterminieren. Aber vielleicht wäre es stattdessen der größte Horror für die Spanier-freundlichen Stämme gewesen, wieder unter die Inka-Herrschaft zu kommen, weil ihnen da per göttlicher Fügung nur ein Leben als Steineklopfer bevorstand oder so? Nun gab es Ende letzten Jahres einen Artikel aus der Welt der Azteken und ihrer Verbündeten, der diese Vermutung zu bestätigen scheint. Aus dem Artikel des Guardian: „Spanish conquistadors, women, children and horses were imprisoned for months, sacrificed and eaten by contemporaries of the Aztecs“. Also nix mit Überdruss an seinen Mitspaniern haben, ein paar Pferde mitnehmen, zu den Feinden reiten und denen alles beibringen und dafür kriegt man Gold und Edelsteine, Prinzessinnen oder Prinzen und wird als Gott verehrt. Nix ist, aufgegessen würde man mitsamt den Pferden.