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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Keltenlinks

Wegen dem anstehenden Halloween gibt es zur Zeit viele Medienbeiträge mit Kelten-Verweisen. Arte hat am letzten Samstag sogar eine neue 90minütige Doku zum Thema „Halloween - Mythos der Kelten“ angeboten. Online ist die Doku noch bis 22. Januar 2026 verfügbar. Bis 13. Dezember 2025 kann man bei Arte zudem noch auf eine vor ein paar Wochen gesendete Doku-Wiederholung über „Die Druiden - Mächtige Priester der Kelten“ zugreifen.

In der Zeit als ich meinen Text über die „Mehrfachschanze im Loh bei Oberhaching“ geschrieben habe, hatte man kurz zuvor die Ausgrabungsergebnisse aus dem Oppidum von Manching vorgestellt. Das Oppidum von Manching müßte in der Keltenschanzenwelt bis zu seinem Niedergang einen politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt dargestellt haben.

Der Pressetext gibt für die Errichtung der Stadtmauer von Manching die Zeit um 140/130 v. Chr. und in der Folge einen allmählichen Niedergang an: „Um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. verlor die Siedlung allmählich ihre Bedeutung. Mit dem schrittweisen Rückzug der Bevölkerung endete das urbane Leben.“ In der Wikipedia ist der Niedergang etwas ausführlicher beschrieben: „Zwar könnte der Marsch der Kimbern und Teutonen gegen 120 v. Chr. zu einer kriegerischen Auseinandersetzung geführt haben. Das Ende von Manching ist jedoch durch den Zusammenbruch der Wirtschaftssysteme ausgelöst worden, der mit den caesarischen Eroberungen in Gallien einherging.“

Wesentlich dramatischer klingt demgegenüber das frei lesbare Intro des Geo-Bezahlartikels „Vom Alltag in der Kelten-Metropole“: Die Mauer ist ein „Symbol der Macht – und der Angst“. „ Doch um 105 v. Chr. ist Manching offenbar derart in Gefahr - vermutlich durch Germanenstämme, die raubend durch Süddeutschland ziehen -, dass die Bewohner eine Fallgrube ausheben, die die Zufahrt fast vollständig versperrt.“

Ohne diese Dramatik kommt dagegen ein an die noch bis 9. November in Iphofen stattfindende Ausstellung „Kelten in Franken“ angelehnter komplett freier Geo-Artikel unter dem Titel „"Von den Germanen aufgesogen": Der schnelle Untergang der Kelten“ aus. Er beschreibt das Verschwinden der Kelten als Assimilationsprozess: „Offenbar lebten zugewanderte Germanen und alteingesessene Kelten zunächst getrennt nebeneinander – und vermischten sich dann.“ Der Niedergang Manchings wird hier wieder als Folge von verlorenen Handelsverbindungen beschrieben.

Bei den Oppida von Manching und Kelheim konnte eine große wirtschaftliche Bedeutung archäologisch belegt werden. Im Fall des Oppidums Finsterlohr-Burgstall wurde keine derart prosperierende Siedlung nachgewiesen. Nebst der Möglichkeit, daß dort eine Keltensiedlung bestanden hat, man die aber nicht mehr auf gewohnte Weise nachweisen kann, kann es auch sein, daß die Befestigungen tatsächlich nur für den Verteidigungsfall entstanden sind.

Ähnlich Finsterlohr-Burgstall kommt mir das flächenmäßig riesige Oppidum Heidengraben vor. Hier konnte man die Siedlung zumindest in einer wesentlich kleineren inneren Befestigung verorten. Ich habe es seit einem Kurzbesuch vor mehr als 15 Jahren nicht mehr auf die Hochfläche des Oppidums geschafft. Mittlerweile wurde aber mit dem Heidengrabenzentrum ein neues Keltenmuseum eröffnet, mit dem sich eine ausstehende Erkundung der Wallanlagen ergänzen ließe.

Heidengraben und Finsterlohr-Burgstall wirken von den Funden her nicht so prickelnd, die Gegend um die Heuneburg aber schon. Für den Keltenfan besticht die Heuneburg schon allein durch ihre ikonischen Befestigungsmauern und die umgebenden Großgrabhügel. Seit meinen hier ebenfalls schon lange zurückliegenden Besuchen wurde die Heuneburg selbst durch verschiedene Maßnahmen wie die Rekonstruktion von Steinfundamenten einer Toranlage weiter aufbereitet und in der nahen Umgebung gab es Sensationsfunde wie die alten Burg bei Langenenslingen.

In der jüngeren Vergangenheit setzten sich die Fundmeldungen aus dem nahen Althayingen und Riedlingen fort. Den großen Knaller soll es allerdings bei der „Heuneburg-Aufbereitung“ geben: das bei der Heuneburg liegende landwirtschaftliche Anwesen Talhof soll nach einem Umbau zum Museum und zur Forschungsstätte Teil der „baden-württembergischen Kelten-Erlebniswelt“ werden: „Der Talhof bei der Heuneburg auf dem Weg zur Kelten-Erlebniswelt“.

Freitag, 20. Januar 2012

Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Das Keltenjahr 2012 der Baden-Württemberger sollte ich dazu nützen, endlich meine im September 2008 gemachten Bilder vom keltischen Oppidum Finsterlohr-Burgstall nachzutragen.

Tauber-Brücke bei Tauberscheckenbach, im Hintergrund führt die Straße hoch zum Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Das Oppidum wird meist nach den Orten Burgstall oder Finsterlohr benannt, die „Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V.“ nennt es im Langtext einer im Rahmen der Keltenjahr-Veranstaltungen stattfindenden Exkursion „Oppidum von Creglingen-Finsterlohr“. Immer mit dabei ist die Bezeichnung „Oppidum“, obwohl gerade das zweifelhaft ist, wenn man unter „Oppidum“ eine befestigte Keltenstadt versteht. Denn in dem durch die Wälle gesicherten Gebiet wurde bislang keine Siedlung gefunden.

Reste des Keltenwalls und rekonstruierte keltische Pfostenschlitzmauer

Ich habe im Blog-Eintrag über den Kurzbesuch des Oppidums Heidengraben die mögliche Schutzfunktion für das Umland schon erwähnt. Außer der Bevölkerung hätten in einem so großen Oppidum auch deren Tiere unterkommen können. Finsterlohr-Burgstall bietet ähnliche Voraussetzungen wie der Heidengraben. Einerseits umfasst das Oppidum ein sehr großes Gebiet - die Gesellschaft für Archäologie gibt in ihrem Text 112 ha an - anderseits ist das Oppidum an den vielen Stellen durch stark abfallendes Gelände geschützt. An einer Längs- und einer Schmalseite durch das Taubertal, an den beiden anderen Seiten teilweise durch Bachtäler.

Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion Oppidum Finsterlohr-Burgstall

Das erste Bild ist im Taubertal bei Tauberscheckenbach aufgenommen. Im Hintergrund geht es die auf dem Bild gerade noch erkennbare Straße hoch zum Oppidum. Sowohl beim Verein Keltisches Oppidum Finsterlohr-Burgstall e.V als auch in der Wikipedia gibt es ein Luftbild, auf dem man diese natürlichen Gegebenheiten an einer Biegung des Taubertals gut nachvollziehen kann.

Steine in der Nähe der Pfostenschlitzmauer-Rekonstruktion des Oppidums Finsterlohr-Burgstall

Oben auf dem Gelände des ehemaligen Oppidums spielt sich heutzutage alles auf einer Teilfläche ab. Auf der ist ein Keltenlehrpfad mit einzelnen, mit Infotafeln versehenen Stationen eingerichtet. Entweder geht es an den Infotafeln um das, was gerade zu sehen ist, oder es werden allgemeine Aspekte des keltischen Lebens erläutert. Zu sehen gab es 2008 vor allem an der Westseite des Rundwegs mit den Wallresten etwas. Hier wurde ein Teilstück des Walles als keltische Pfostenschlitzmauer rekonstruiert, außerdem befinden sich an der Nordwestecke des Oppidums die Reste eines keltischen Zangentors (das „Alte Tor“). Die Steinsammlung in vierten Bild habe ich in der Nähe der Rekonstruktion gefunden. Ob die Steine echt keltisch sind?

Wallabschnitt im Westen des Oppidums Finsterlohr-Burgstall

Beim Info-Zentrum/Parkplatz des Rundwegs gab es bei unserem Besuch eine interessante Flachsbrechhütte, in man aber nur nach Anmeldung hineingekommen ist. Mittlerweile kam mit dem Keltenhaus eine weitere Attraktion hinzu. Online bin ich bis zum Bau dieses Keltenhauses selten auf Neuigkeiten vom Oppidum gestoßen. Das änderte sich schlagartig, wobei das überregionale Interesse vermutlich stärker durch das Resozialisierungsprojekt für junge Männer als durch das Keltenhaus ausgelöst wurde. Der Verein hat eine lange Bildstrecke vom Bau des Keltenhauses eingestellt. Unter den Bildern sind auch ein paar von den Fernsehaufnahmen des Bayerischen Rundfunks zu sehen.

Überreste eines keltischen Zangentors

Der Besuch des Bayerischen Rundfunks soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Oppidum zu Baden-Württemberg gehört. Aber mit der Besonderheit, daß die Grenze zu Bayern ganz knapp um einen großen Teil des Oppidums herum liegt. Denn das Taubertal unterhalb des Oppidums ist in diesem Abschnitt noch bayerisch.

Infozentrum Oppidum Finsterlohr-Burgstall, Flachsbrechhütte und Parkplatz

Wir sind seinerzeit von einer Fahrt von Würzburg nach München auf bayerischem Gebiet bei der A7-Ausfahrt Bad Windsheim abgezweigt und erst über hügeliges Ackerland und dann stark abschüssig hinunter ins Taubertal nach Tauberscheckenbach gefahren. Von dort ging es hoch nach Burgstall zum Oppidum-Besuch und dann auf baden-württembergischer Seite weiter in das nahe Rothenburg ob der Tauber. Bei dem, was es zu sehen gibt, ist Rothenburg verglichen mit den Keltenwällen und dem Keltenhaus des Oppidums natürlich der pure Overkill.

Rothenburg ob der Tauber

Montag, 16. Januar 2012

Keltenjahr 2012

Im September wird in Stuttgart die große Landesausstellung „Die Welt der Kelten“ eröffnet. Das ist für die Baden-Württemberger der Anlaß, das Jahr 2012 mit einem umfangreichen Begleitprogramm zum Keltenjahr auszurufen.

Von den bekanntesten baden-württembergischen Kelten-Orten hatte ich hier im Blog schon das Keltenmuseum Hochdorf, das Oppidum Heidengraben und zweimal die Heuneburg (Bienenmarkt auf der Heuneburg und etwas zum Sensationsfund). Das Oppidum Finsterlohr-Burgstall ist bei mir gerade noch im Bau.

An diesen Orten finden sowieso immer wieder Veranstaltungen statt. Aber wenn man sich das Veranstaltungsprogramm zum Keltenjahr 2012 ansieht, ist man beeindruckt, was in diesem Jahr angeboten wird.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Kurzbesuch des Oppidums Heidengraben

Der Begriff „Oppidum“ wird auf Cäsar zurückgeführt, der so in seiner Beschreibung des „Gallischen Kriegs“ die befestigten Städte seiner Gegner bezeichnet hat. Wie bei einer eng innerhalb der Mauern bebauten mittelalterlichen Stadt darf man sich das den süddeutschen Oppida nicht vorstellen. Beim ausgiebig untersuchten Oppidum Manching war offenbar viel mehr Raum durch Mauern und Wälle gesichert als für die Siedlung benötigt wurde.

Grabhügel am Burrenhof

Und im nahe Rothenburg gelegenen Oppidum Finsterlohr hat man innerhalb der großen Verteidigungsanlage anscheinend noch überhaupt keine nennenswerte Siedlung gefunden. Das legt den Gedanken besonders nahe, daß die Sicherungsfunktion für das ganze Umland gedacht war, deren Bevölkerung inklusive Haustieren bei Gefahr in das Oppidum flüchten konnte.

Das Oppidum Heidengraben stellt hinsichtlich der Größe des gesicherten Gebietes ein Extrem dar. Dr. Thomas Knopf von der Universität Tübingen gibt in dem im letzten Eintrag besprochenen Buch „Archäologie erleben“ für den Heidengraben 1700 ha an. Dank der halbinselartigen Lage am Rande der Schwäbischen Alb mit steil abfallenden Hängen mußten dafür nur Teilabschnitte mit Befestigungswerken gesichert werden.


Größere Kartenansicht

Vielleicht war das Gebiet für manche denkbaren Verteidigungsfälle doch zu groß, jedenfalls gab es innerhalb des gesicherten Gebietes eine weitere Umwallung, die sogenannte „Elsachstadt“. Die Wälle sollen etwa 130 v.Chr. entstanden sein. In der nach „Archäologie erleben“ 160 ha großen Elsachstadt fanden sich sowohl Siedlungsreste aus dieser spätkeltischen Zeit, als auch Reste einer unbefestigten, mehrere Jahrhunderte älteren keltischen Siedlung.

Das Oppidum Heidengraben liegt nahe Bad Urach und Metzingen und ist weniger als 20 Kilometer von der Ausfahrt der A 8 bei Kirchheim/Teck entfernt. Ich bin Anfang Juli an einem Sonntagnachmittag mit stetem Wechsel von Regen und einigen regenfreien Minuten von Bad Urach hochgefahren, auf dem Beifahrersitz neben dem Fotoapparat „Archäologie erleben“ und den Führer „Archäologische Denkmäler in Baden-Württemberg“.

Parkplatz am Wall der Elsachstadt

Für den vorgesehenen und vom Wetter nicht anders gewünschten Kurzbesuch erwies sich „Archäologie erleben“ passender, neben dem Museum Grabenstetten und den wiederaufgeschütteten Grabhügeln am Burrenhof habe ich den im Buch empfohlenen Parkplatz an der Straße Grabenstetten-Burrenhof am Wall der „Elsachstadt“ angesteuert.

„Archäologische Denkmäler in Baden-Württemberg“ empfiehlt dagegen einen Parkplatz vor Erkenbrechtsweiler und schickt den Leser von dort auf einen fast vier Seiten lang beschriebenen archäologischen Wanderweg mit 15 Stationen. Dieser etwas angejahrte Führer von 2002 gefällt mir eigentlich sehr gut und dürfte für den Wanderfreund mit genügend Zeit in diesem Fall die bessere Wahl sein. Wenn ich auch im Buch die Gesamtlänge der Tour nicht gefunden habe, die wird auf einer Schautafel für den archäologischen Wanderweg mit 27 Kilometern angegeben.

Museum Grabenstetten

Ein paar Links zum weiteren Erkunden der Gegend: die Website des Fördervereins Heidengraben e.V., diejenige der Uni Tübingen und die Info-Seite zum keltischen Heidengraben von Achim Lehmkuhl.