Posts mit dem Label Experimentalarchäologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Experimentalarchäologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 21. April 2016

Kelten-April-April bei Arte und ZDF?

Am letzten Samstag zeigte Arte eine dreiteilige Terra-X-Serie über „Die Kelten“. Am letzten Sonntag war der erste Teil dieser Serie im ZDF zu sehen. Am 24. April und am 1. Mai folgen im ZDF die nächsten Teile. Online kann man auf die Serie bei Arte (Suche via „Kelten Arte“) noch bis 23.4. zugreifen. Außerdem gibt Arte Wiederholungstermine im Mai an. Die Arte-Version empfiehlt sich, weil sie ein paar Minuten länger als die ZDF-Version ist.

Eine englische BBC-Version ist schon letztes Jahr gelaufen und Terra X hatte letztes Jahr ein paar Bilder der deutschen Version auf Facebook eingestellt. Beides soll zu einiger Kritik geführt haben. Woraufhin László Matthias Simon-Nanko für seinen Blog „Archäologische Phantastereien - Den Fakten auf der Spur“ zwei Experten der „living History“ befragte, die sich an der Diskussion zu den bei Facebook eingestellten Bildern beteiligt hatten. Die Gespräche hat er in zwei Einträgen unter dem Titel „Terra X und die Authentizität: Des Kelten neue Kleider“ veröffentlicht. Teil 1 enthält das Gespräch mit Hans Trauner vom Naturhistorischen Museum Nürnberg, Teil 2 das mit Christian Havenith.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend, ich zitiere mal den ersten Satz von Hans Trauner auf die Frage László Matthias Simon-Nankos was ihn bzw. andere Reenacter an den Bildern besonders gestört hat: „Die tatsächlich völlige Abwesenheit auch nur eines einzigen historisch richtigen oder angenäherten Details“. Ähnliche Vorwürfe gab es in den letzten Jahren immer wieder. Siehe die „Universallegionäre“ in meinem ersten Blogjahr 2009. Da scheint also keine Trendwende in Sicht zu sein.

Den ersten Teil der Serie habe ich angesehen und fand die Spielszenen generell nicht so toll. Unterhalb der feindlichen Mauern im Kreis herumreitende und das Schwert schwingende Keltendarsteller. Andere die derweil mit der Carnyx herumtröten. Brennus kam für mich nie als Führungsfigur rüber. Die Schlacht an der Allia mit einigen 10 herumkämpfenden Römer- und Keltendarstellern. Das alles kann so offensichtlich damals nicht so gewesen sein, daß man schon eine absichtliche Verfremdung vermuten darf? Ein Film-Brennus, den man absichtlich möglichst nicht mit dem richtigen Brennus gleichsetzen sollte? Aber dann hätten die in die Spielszenen eingeschnittene Experteninterviews tragender sein müssen, die sich teilweise auf Schlagwortsätze mit dünner Information beschränkten? Und dazu für Kelten-Neulinge kaum nachvollziehbare Sprünge von der Heuneburg mit den relativ neuen Schmuckfunden aus dem „Fürstinnengrab“ zum Hochdorfer Grabhügel und „Keltenfürsten“-Skelett und dazu ab und zu die Stele vom Glauberg. Aber wenn man das alles groß und breit erklärt hätte, dann hätte die Zeit nicht gereicht und die vielen Details hätte sich auch niemand merken können.

Also was soll's? Muss man den Anspruch nicht tiefer legen und ist es nicht sogar gut, wenn man statt die korrektere Kleidung zu recherchieren lieber Geld gespart hat? Muß man bei dieser Bewertung nicht auch das Umfeld miteinbeziehen? Das Keltenschuh-Foto von Harald Trauner etwa in den „Archäologischen Phantastereien“. Auf welcher Vorlage beruht der Schuh, auf welcher Vorlage die Textilie am Bein? Wenn es sich um eine Ausgrabung handelt, ist die online recherchierbar? Mal als Beispiel die in „Archäologiepark Altmühltal“ erwähnten schönen Fotos inklusive Luftaufnahmen von den Ausgrabungen beim Bau des Main-Donau-Kanals in den Jahren 1976 bis 1991. Hätte man die nicht freigeben und das Internet damit fluten können? Vielleicht gab es ja bei den Ausgrabungen Schuh- und Textilienfunde und zusammen mit den besser in die Köpfe gebrachten Bildern hätten örtliche Läden vielleicht Produkte im Stil „Altmühltal frühe Bronzezeit“ oder „Altmühltal 300 v.Chr.“ anbieten können? Passt demgegenüber das Keltenschuh-Foto von Harald Trauner ohne Angaben zur Vorlage nicht genau zu dem kritisierten Problem, daß Kelten in den Filmen völlig undifferenziert durch Zeit und Ort rübergebracht werden?

Samstag, 13. Juli 2013

Herxheim, Teil 3 – Anne Reichert und Eckhard Czarnowski

Nach dem Besuch der Dauerausstellung im Museum Herxheim sind wir weiter zum Stand von Eckhard Czarnowski. Eckhard Czarnowski (Bild 1) bietet – siehe seine Website www.steinzeitspur.de – u.a. „Vorführungen zu steinzeitlicher Technologie und Ergologie“ und „Rekonstruktionen steinzeitlicher Werkzeuge und Geräte“ an und war am Internationalen Museumstag 2013 eine der im Internet angekündigten Publikumsattraktionen. Er war einigermaßen regengeschützt im Ausgangsbereich des Museums untergebracht (der „Eingang“ im ersten Bild ist ein abgeschnittener „Kein Eingang“). Im zweiten Bild von Herxheim, Teil 2 war das bei dem großen roten Schirm vor dem rechten Gebäude.

Eckhard Czarnowski hat uns im Schnelldurchlauf die Geräte zum Getreideernten in Bild 2 erklärt. Er hat eine Flamme an eine Kugel Birkenpech gehalten und uns daran riechen lassen. Hat gezeigt wie man einen Stiel glättet (Bild 3) und wie man eine Steinklinge schärft (Bild 4). Witterungsbedingt hat er den Auftritt in Steinzeitkleidung sein gelassen, sonst hätte er uns sicher auch zur Kleidung noch schnell ein paar Besonderheiten gezeigt.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

Ich habe immer die Steinbeile mit Skepsis betrachtet. Mussten die nicht häufig ersetzt oder zumindest repariert werden? Nach Eckhard Czarnowski ist das bei guter Behandlung nicht notwendig gewesen. Dabei sei auch die richtige Herstellung zu beachten. Er hat von einem Versuch erzählt, bei dem Eichen geschlagen wurden und seine manuell erstellte Steinklinge das überstanden hat, während mit der Flex erstellte Klingen kaputt gegangen seien.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

In dem Versuch waren Dechseln im Einsatz. Bei diesen „Querbeilen“ sind die Steine anders geschäftet. So wie bei der kleinen Rekonstruktion, die Eckhard Czarnowski in Bild 1 in der Hand hält. In Neuguinea-Dokumentationen waren solche Beile bisweilen zu sehen, ich habe dazu noch ungefähre Erinnerungen an das in Jugend gelesene Buch „Ich komme aus der Steinzeit“ von Heinrich Harrer. Eckhard Czarnowski muß Orginalbeile kennen. Er hat kurz die Schäftung der dortigen Ureinwohner erwähnt, die er sich zum Vorbild genommen hat.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

Zur „Ergologie“ entnehme ich mal die Definition „Wissenschaft von Arbeitsgeräten und -gebräuchen“ aus dem Netz. Außer zu Fragen nach dem Aufwand für die Erstellung und für die Erhaltung der einzelnen Geräte wird man sich sicher auch Gedanken dazu gemacht haben, in welcher Kombination sie eingesetzt wurden. Die „dicken Eichen“, die in diesem Rekonstruktionsversuch von Bandkeramiker-Langhäusern angedacht sind, wird man vielleicht mit Haustieren zur Baustelle gezogen haben. Das zukünftige Brennholz wird anders ausgesehen haben als der Ster Holz auf dem Foto in der Wikipedia, weil es beim damaligen Arbeitsablauf vorher und nachher keine Säge gegeben hat. Auf dem Foto sind auch der Länge nach aufgespaltene Stämme zu sehen. Ob eine Kombination von schweren Steinhämmern und Steinkeilen damals funktionierte, und ob sie im damaligen Arbeitsablauf sinnvoll war? Und der Wagen für den Weitertransport wurde erst Jahrhunderte nach den Bandkeramikern erfunden, habe ich in der Jungsteinzeit-Ausstellung in Karlsruhe gelernt.

Eckhard Czarnowski am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

Also Fragen über Fragen. Bevor wir sie uns haben einfallen lassen können, wurde Eckhard Czarnowski vom Museumsleiter Dr. Alexander Gramsch benötigt. Anne Reichert (Bild 5) ist kurz für ihn in die Bresche gesprungen. Aber der halbe Schritt zurück zum Fotografieren hat anderen Museumsbesuchern gereicht, um sie aus der ungeschützten linken Flanke heraus in Beschlag zu nehmen. Zu den Rekonstruktionen von Anne Reichert gibt es eine interessante Webseite zur Sonderausstellung „Bast, Binsen, Brennnessel: textiles Material der Steinzeit im Museum Albersdorf“. Da sollte man einmal durch die einzelnen Beispiele durchklicken. Die über 5000 Jahre alten Vorlagen für den Dolch und die Dolchscheide in Bild 5 sind auf der Seite „Zwirnen und Zwirnbinden“ zu sehen. Rekonstruktionen von Anne Reichert sind schon sehr bekannt geworden: vor einigen Jahren war die im Fernsehen ausgestrahlte Alpenüberquerung in Steinzeit-Ausrüstung von Henning Fenner und Ingo Schuster sehr populär, und von Anne Reichert stammten die auffälligen großen Schuhe („Innengeflecht der 'Ötzi'-Schuhe aus Lindenbast”). Der damals zur Filmserie eingerichtete Blog ist heute noch zugreifbar, siehe hier „Aufstieg im Schnee“: „Die Ötzischuhe bewähren sich: Henning und Ingo sinken damit viel weniger tief ein als wir mit unseren modernen Wanderstiefeln. Außerdem rutschen sie weniger und sind warm! Endlich haben wir den Zweck der Schuhe enträtselt – und können sagen, warum sie so riesig sind!“

Anne Reichert am Internationalen Museumstag 2013 in Herxheim

In München hatte ich mir im Internet relativ kurz mögliche Ziele für den Internationalen Museumstag durchgesehen und dabei die Ankündigung von Eckhard Czarnowski mitbekommen. Anne Reichert war eine Überraschung. Ich habe erst im Nachhinein gesehen, daß in Herxheim schon mehrere Workshops (pdf) mit Anne Reichert angeboten wurden. Ich glaube es ist nicht das erste Mal, daß ich eine etwas oberflächliche Vorbereitung erwähne, aber oft entscheiden wir relativ kurzfristig wohin es gehen wird. In dem Fall kam als zu berücksichtigende Rahmenbedingung zum Wetter noch der Muttertag hinzu. Daß wir nach Herxheim gefahren sind, ist dann für uns ganz super gelaufen. Dafür vielen Dank an alle die uns Informationen und ihre Erlaubnis gegeben haben, die Fotos veröffentlichen zu dürfen! Insbesonders auch vielen Dank für die Unterstützung durch den Museumsleiter Dr. Alexander Gramsch!

Beim Nachsurfen habe ich gesehen, daß Dr. Alexander Gramsch Herausgeber von The European Archaeologist ist, dem Newsletter der European Association of Archaeologists. Dr. Gramsch gestaltet ihn als „eine jederzeit lesenswerte und allgemein zugängliche e-Zeitschrift für schnelle Nachrichten und offene peer-to-peer-Kommunikation“. TEA richtet sich an ein Fachpublikum, aber nach der Long-Tail-Theorie müßten sich auch ein paar Nichtarchäologen unter den Leserinnen und Lesern den Newsletter ansehen wollen.

Bei der Nachfrage, ob ich den TEA-Link weitergeben kann, hat mich Dr. Gramsch darauf hingewiesen, daß seine Artikel größtenteils bei Academia.edu zu finden sind. Für den Vollzugriff muss man dort aber Mitglied werden. Zum Projekt Herxheim habe ich von ihm die Information, daß es dieses Jahr noch ein Zusammentreffen und nach der Zusammenstellung der Ergebnisse eine gemeinsame Gesamtpublikation geben soll. Außerdem sind mehrere Dissertationen in Arbeit. Also es bleibt spannend bei den Herxheimer Bandkeramikern. Und hinzu kommen noch die aktuellen Ausgrabungen im Herxheimer Gewerbegebiet – auf der Museumswebsite ist dazu ein römischer Glaskrug aus einem Brandgrab zu sehen.

Freitag, 25. Mai 2012

Familienausflug nach Neuenbürg

Neuenbürg dürfte überregional als ehemaliger Keltenort nicht so bekannt sein. Vermutlich führen in Baden-Württemberg mit weitem Abstand die Heuneburg und Hochdorf. Dieser große Abstand ist in mehreren Fällen ungerechtfertigt. Mir hängt da das Oppidum Heidengraben mit der besonderen landschaftlichen Lage im Kopf herum. Wie kommt man auf sowas, wie wurde das organisiert? Wer mal in der Nähe auf der A 8 vorbeifährt sollte sich den Ausflug auf das Plateau gönnen. Aber auch der wunderschöne Ipf ist im Hintertreffen - fehlt dort nur der Sensationsfund, oder war er wirklich als Fürstensitz gegenüber Hochdorf/Asperg und Heuneburg nachrangig?

Die Enz in Neuenbürg

Allein mit dem, was ich so aus der Ferne mitbekommen habe, könnte ich diese Liste noch zwei Abschnitte fortsetzen. Vielleicht hilft das breite Programm des Keltenjahrs 2012 Baden-Württemberg nicht nur als Ort von ein paar Sensationsfunden sondern in Gänze als ehemaliges Keltenland zu sehen. Das etwa 35 km Luftline vom enzabwärts gelegenen Hochdorf entfernte Neuenbürg wäre auch so ein Ort, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Nach dem von Dr. Günther Wieland am letzten Sonntag ausgelegten Flyer wurde der Beginn der Eisenproduktion in Neuenbürg auf das 7./6. Jahrhundert v.Chr. datiert. Das sei der „bislang älteste sichere Nachweis nördlich der Alpen“. Auf dem Neuenbürger Schlossberg wurden nach dem Flyer Sensenblätter, Meißel, Armringe, Hakenschlüssel und ein Amboss aus Eisen gefunden, um Neuenbürg herum 41 Verhüttungsplätze entdeckt.

Das Schloss oberhalb der Altstadt von Neuenbürg

Im Programm des Keltenjahrs ist Neunbürg mit drei Terminen vertreten. Am letzten Sonntag sollte es auf dem Schlossberg um das Eisen schmieden vor 2500 Jahren und die Arbeitsabläufe vom ersten Finden des Erzes über die Produktion bis hin zum Verhandeln gehen. Am 8. Juli und am 7. Oktober wird am Verhüttungsplatz beim Besucherbergwerk „Frischglück“ die keltische Eisenverhüttung in einem originalgetreu nachgebauten Rennfeuerofen vorgeführt werden.

Maimarkt in Neuenbürg

Ganz am Ende des Eintrags zur Keltenschanze Kreuzpullach hatte ich darauf getippt, daß die renovierte Infotafel aus der Zeit um 1988 stammt. Damals war das Informationsumfeld komplett anders, man denke an die heimischen Lexika, die oft veraltet und nicht sehr umfangreich waren. Wie bringt man das Informationsangebot bei der Keltenschanze Kreuzpullach auf den heutigen Stand? Die Augmented Reality dürfte ein Schritt zu weit sein. Machbar wäre etwas in Richtung auf einen schnellen Schritt zu den vielen Informationen, die im Hintergrund gesammelt wurden und die man nur vernetzen und zugänglich machen müßte. Also dorthin ein Einsprungspunkt im Internet und den als QR-Code auf die Infotafel kleben.

Aufstieg auf den Schlossberg Neuenbürg

Bayern hätte schon Einträge zu den einzelnen Denkmalen im BayernViewer-denkmal, die man als Einsprungspunkte verwenden könnte. Allerdings ist der Text dort meist sehr dünn und es fehlen weiterführende Verweise, also abgesehen von den Geo-Informationen sind kaum Inhalte da. In Baden-Württemberg fehlt ein allgemein zugängliches Geo-Informationssystem wie BayernViewer-denkmal, aber die Baden-Württemberger hatten/haben speziell zu den Kelten die glänzend mit Inhalten bestückte und wissenschaftlich bis zum Auslaufen des „Schwerpunktprogramm 1171 der Deutschen Forschungsgemeinschaft“ auf dem neuesten Stand gehaltene und seit 2010 nicht mehr aktualisierte Website www.fuerstensitze.de. Ich hatte auf die Website im obigen Heuneburg-Eintrag verlinkt.

Blick vom Schlossberg hinunter nach Neuenbürg

Gut, die Website ist keine rein baden-württembergische Website und das Thema „Fürstensitze“ müßte man noch allgemein auf die Kelten umbiegen. Aber von der Grundstruktur her hätte man eine derartige auf allerneuestem wissenschaftlichem Stand gehaltene Website für ein Wechselspiel mit den Webseiten von Museen und Gemeinden vor Ort verwenden können. Oder im Falle des Keltenjahrs 2012 und irgendwelcher Keltenschanzen- und Oppida-Infotafeln in Baden-Württemberg: die wissenschaftlichen Inhalte auf www.fuerstensitze.de entsprechend ausdehnen, dazu Einsprungsseiten für die Veranstaltung, die Keltenschanze oder das Oppidum und vor Ort den QR-Code und fertig.

Schlosshof Neuenbürg

Der Schlossberg von Neuenbürg liegt als langer Geländesporn in einer Schleife der Enz. An der Spitze des Sporns das Schloss oberhalb der Altstadt von Neuenbürg, das von unten zu Fuß in etwa 15 Minuten zu erreichen ist. Hinter dem Schloss der Schlossgarten, in dem die Veranstaltung stattgefunden hat. Dahinter die Ruine des hinteren Schlosses.

Schlossgarten Neuenbürg

Wir waren etwa eine Viertelstunde nach dem offiziellen Start um 14 Uhr dort und sind etwa eine Stunde später weiter in das im Museum begehbare Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff. Wie im Bild 7 zu sehen ist, verteilten sich die Besucher auf drei Stände und es war überall einfach, Fragen zu stellen. Vielleicht wurde es später noch voller, wenn einige Besucher durch den Maimarkt unten in der Stadt hängengeblieben sind.

Patrick Geiger (links) und Frank Trommer von Trommer Archäotechnik

Links im Bild 7 war der Stand der Keltenfamilie Abnoba, dann kamen Frank Trommer, Patrick Geiger und Hund Joda von Trommer Archäotechnik, dann Dr. Günther Wieland. Mit der Keltenfamilie Abnoba habe ich das Zumailen des vorgesehenen Fotos abgesprochen. Das trage ich nach, wenn ich das Einverständnis für die Veröffentlichung bekomme. Von Frank Trommer ist es schon da. Dr. Günther Wieland wollte nicht in das Internet, sie publizieren selber.

Auslage von Trommer Archäotechnik mit Hund Joda

Das ist ja schön. Passend dazu hatte ich nicht einmal eine Fragenliste für diese tolle Gelegenheit vorbereitet. Es war erst gegen Freitag ziemlich sicher, daß wir hinfahren. Dann haben wir meinen Cousin und meinen Bruder eingesammelt. Bei solchen Großunternehmen rutscht das keltische Eisen dann in den Hintergrund. Wir hätten den Blog-Eintrag dann im Team erstellen müssen, da sind meine privaten Informationstrukturen aber noch nicht so ideal. Mein Bruder hatte schon mal Messer geschmiedet, unser Cousin war mal weg und „mußte Frank Trommer ein paar Fragen stellen“ und ich weiß nicht welche. Aber ich war ja froh, daß die beiden mit sind und habe mich beim abendlichen Grillen nicht getraut, das zum Arbeitsessen umzufunktionieren.

Hintere Schlossruine Neuenbürg

Zur Entschädigung für die Leserinnen und Leser noch ein paar Links: auf der Website des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg gibt es neben dem obigen Flyer noch einiges andere zum herunterladen, etwa ein „Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege” oder dieses interessante pdf über den Einsatz von Flugzeug, Laser, Sonde und Spaten. Der nächste Link führt zu einem Interview. Prof. Harald Meller befragt Dr. Barbara Armbruster zum vorzeitlichen Metallhandwerk. Diese Tage ging der Hinweis auf „ORBIS: The Stanford Geospatial Network Model of the Roman World“ durch das Internet. Ich verlinke auf den diesbezüglichen Eintrag in der Geschichtsweberei mit dem Hinweis, daß man dort wie bei den beiden vorgenannten Links noch etwas herumstöbern sollte.

Montag, 22. August 2011

Oberstimm

Gestern waren wir in Oberstimm, Manching und Eining und mit dem Kurzbesuch in Oberstimm will ich auch beginnen. In den Mixed Links hatte ich die am 26. bis 28. August stattfindenden Römertage in Eining erwähnt; den Hinweis will ich vorab noch einmal wiederholen, damit die Veranstaltung nicht bei meiner Berichtsreihenfolge untergeht. Und wer nächstes Wochenende auch noch nach Oberstimm will: da findet vom 26. bis zum 29.8. der Oberstimmer Barthelmarkt statt und es wird wohl schwierig werden mit dem Auto zur Infotafel in Bild 1 hin zu fahren. Anderseits läßt sich der Markt für eventuelle Eining-Übernachter gut mit der Rückreise kombinieren - wie BR-online schreibt, soll am Montagmorgen ab 6 Uhr besonders viel los ist.

Infotafel zur römischen Geschichte und zu den gefundenen Römerschiffen vor dem Kindergarten von Oberstimm

Oberstimm ist besonders durch den Fund von zwei römischen Militärschiffen bekannt geworden. Das gilt über die archäologische Welt hinaus - der kleine Wikipedia-Eintrag zu Oberstimm fand die Schiffe auch erwähnenswert. „Mein“ im Blog-Eintrag Wege zu den Kelten erwähnter Archäologe hatte die Schiffe auch im Kopf, als er noch nach Oberstimm wollte. Das war 2003, zur Vorgänger-Infotafel haben wir uns durchgefragt. Mittlerweile gibt es den BayernViewer-denkmal, mit ihm kann man das betreffende Gebiet finden („Uferbefestigung und Schiffe der frühen Römischen Kaiserzeit, Siedlung der Römischen Kaiserzeit.“, Denkmalnummer D-1-7234-0736), hinfahren, an den betreffenden Straßen eine Runde drehen und kommt dann an der neuen Infotafel vor dem Kindergarten vorbei.

Wie man im BayernViewer-denkmal sehen kann, ist Oberstimm ziemlich großflächig rot überdeckt. Der Kindergarten befindet sich im Bereich des ehemaligen Kastells, die Straße davor mit der Infotafel müßte nach der Infotafel im Bereich des Kastellgrabens gelegen haben. Bild 2 wurde von dieser Straße aus aufgenommen. Die Schiffe wurden nahe beim Kastell gefunden, nach der Infotafel am östlichen Ufer der antiken Brautlach. Der Fundort müßte im Bild 2 etwa im hinteren Bereich des dort zu sehenden LKWs gewesen sein, die Schiffsrichtung um 90° gegenüber dem LKW gedreht.

Fundort der römischen Militärschiffe in Oberstimm

Die auf der Infotafel erwähnte „archäologische Sensation“, die Hebung der beiden Schiffe im Jahre 1994, entfaltet heute ein sehr publikumswirksames Nachwirken. Die ausgegrabenen Schiffe sind seit Eröffnung des Kelten- und Römermuseum in Manching zu sehen, hier die Informationen zu den Schiffen auf der Museumsseite. Äußerst publikumswirksam sind die Nachbauten der gefundenen Römerschiffe, wobei allerdings sowohl die „Lusoria Rhenana“, die nächstes Wochenende in Eining zu sehen sein soll, als auch die Regensburger „Regina“, die kürzlich auf dem Großen Brombachsee unterwegs war (Mixed Links, zweiter Teil), die Mainzer Römerschiffe als Vorlage haben. An den Oberstimmer Schiffen hingegen orientiert ist die Hamburger „Victoria“. Auf der Website der „Victoria“ sind mehrere Videos verlinkt, auf denen das Schiff in Aktion und Verantwortliche des Projekts im Interview zu sehen sind. Hier das zur wissenschaftlichen Bedeutung des Oberstimmer Funds besonders interessante Interview mit Prof. Dr. Christoph Schäfer. Bücher für die weitere Vertiefung gibt es auch schon, hier Links zu einer Sammelrezension von Sven Günter und einer Rezension von Mario Ziegler bei H-Soz-u-Kult.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Kampfwagenrennen 2010 in Pfaffenhofen, München und Straubing

Wagenrennen im Circus Maximus des alten Roms und im Hippodrom von Konstantinopel waren seinerzeit Großereignisse. Rennen gab es zuvor bei den Olympischen Spielen der Griechen. Und die Ilias berichtet von einem Rennen zu Ehren des toten Patroklos. Die Rennen reichen also lange in eine Zeit zurück, in der Streitwagen zur normalen Heeresausstattung gehörten.

Mit dem Ende der alten Griechen und Römer mag man glauben, daß auch diese weit über tausendjährige Tradition zum Erliegen gekommen ist. Falsch, denn man kann sie noch in natura miterleben: Schallus Brutalus Maximus macht es wieder möglich - das „Kampfwagenspektakel geht in zweite Runde“.

In dem Artikel von Manfred Eibisch aus dem Donaukurier können Sie lesen, was alles geboten wird. Und auf der Veranstalter-Website finden Sie ein Video und Bilder von der ersten Veranstaltung 2008 und näheres zu den Terminen am 6.6.2010 in Pfaffenhofen, 20.6.2010 in München und 29.8.2010 in Straubing.

Im Donaukurier ist auch die „Nachwuchsförderung“ von Schallus Brutalus Maximus alias Hans Schaller erwähnt. Er hat der Universität Regensburg zwanzig originalgetreu nachgebildete Gladiatorenausrüstungen spendiert. Das Projekt ist in den letzten Monaten durch die Medien gegangen, hier die Pressemeldung von der Universität Regensburg dazu „Gladiatoren im 21. Jahrhundert - Wissenschaftler starten Projekt im Bereich Experimentelle Archäologie“.

Montag, 4. Januar 2010

Mitmach-Museen

Kurz vor Weihnachten erschien im Portal der WAZ-Mediengruppe „Der Westen“ der Beitrag „Halterns Römermuseum wird zur Baustelle“ von Dieter Decker. Erlebnis-Archäologie sei Zukunft, und die beginnt in diesem Jahr mit einer „Römerbaustelle“, bei der große Teile des ehemaligen Römerlagers in Haltern am See rekonstruiert und von Arbeitern in damaliger Kleidung und mit damaligen Methoden wieder aufgebaut werden sollen. Die Besucher dürfen im Rahmen eines museumspädagogischen Konzeptes mitmachen.

Mitmachen dürfen ist im Museum keineswegs neu. Ich hatte ja den Bastelraum für Kinder in meinem Bericht von der Karlsruher Vandalen-Ausstellung erwähnt. Und wenn ich bei meinem Ausflug mit den Limes-Cicerones im Aalener Limesmuseum richtig gesehen habe, dann ist das dortige Museum baulich schon deutlich besser als das in Karlsruhe auf so ein museumspädagogisches Begleitprogramm hin ausgelegt, wofür auch die im Web zu findenden Aalener Angebote „Museumspädagogik und Ferienprogramme“ und „Kindergeburtstag feiern im Limesmuseum“ sprechen. D.h. solche Ideen muß es schon seit einigen Jahren geben.

Und viele Erwachsene finden ein Betätigungsfeld bei „Reenactment“, „Living History“ oder „Histotainment“. Wenn Ihnen diese Begriffe nicht viel sagen, dann haben Sie so wie ich die starke Entwicklung dieser Szene nicht mitbekommen.

Trotz solcher Mitmach-Möglichkeiten hält der „Der Westen“ das Haltener Vorhaben immer noch für „ein deutschlandweit einmaliges kulturelles Projekt“. Das mag sogar so sein, aber etwas sehr ähnliches gibt es schon einige Jahre in Frankreich.

In der Ausgabe 1/2010 der Zeitschrift Epoc berichtet Hans-Peter Frick in seinem Beitrag „Mit Muskelkraft und Pferdestärken - Burgenbau wie vor 800 Jahren“ vom 1997 begonnenen Bauprojekt der Burg von Guédelon mit den Techniken und Materialien des 13. Jahrhunderts. Kinder und Jugendliche können nach dem Besuch selbst zu Hammer und Meisel greifen oder sich beim Korbflechten üben.

Wenn man dem Artikel glauben kann, dann werden damit sowohl mittelalterliche Arbeitstechniken erforscht als auch eine hohe Besucherzahl erreicht, der Artikel nennt 250000 pro Jahr, und dadurch würde das Projekt mittlerweile fast ohne öffentliche Mittel auskommen.

Eigentlich beste Aussichten für Haltern. In Haltern kann sogar neben der experimentellen Archäologie, also der Erforschung alter Arbeitstechniken wie in Guédelon, auch noch ganz klassisch das alte Römerlager ausgegraben werden. Das sorgt für Nachschub für das Museum und zusätzliches Medieninteresse.

Es kommt jetzt nur noch auf eine gute Umsetzung dieser Projektidee an.

Donnerstag, 10. September 2009

Keltischer Jahresausklang

Jahreszeitlich bedingt gibt es immer weniger größere Freiluftveranstaltungen. Zwei davon finden am übernächsten Wochenende statt.

Zum einen die „19. Europameisterschaft für prähistorische Jagdwaffen“ am 19. und 20. September 2009 auf der Heuneburg bei Hundersingen. Mehr zum „Reglément“ solcher Meisterschaften und zu Speerschleuder und Bogen sowie zahlreiche Bilder auf der Website „Prähistorisch Schießen“ von Werner Pleil, der nach dem Artikel der Schwäbischen Zeitung „Werner Pleil spannt den Bogen bis in prähistorische Zeit“ „die Europameisterschaften alle zwei Jahre auf die Heuneburg gebracht hat (im Wechsel mit Engen)“.

Der Fokus von Werner Pleil liegt offensichtlich mehr auf der Steinzeit als bei der Eisenzeit. Aber nach dem Programm auf der Heuneburg-Website kommen auch die Kelten nicht zu kurz: neben Führungen im Keltenmuseum Heuneburg in Hundersingen und im Freilichtmuseum auf der Heuneburg gibt es ein Abendessen auf der Heuneburg und die Möglichkeit, im (rekonstruierten) Wohnhaus oder Herrenhaus auf der Heuneburg zu übernachten.

Die zweite Veranstaltung ist das Keltenfest in Landersdorf bei Thalmässing am 20. September 2009. Veranstalter ist die Abteilung für Vorgeschichte der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e.V. und der Verein der Freunde der Vor- und Frühgeschichte Landersdorf. Angeboten werden laut Website der Naturhistorischen Gesellschaft „Rekonstruktionen und Darbietungen“, anhand derer sich die Besucher „ein Bild vom Alltagsleben der Menschen von der Jungsteinzeit bis in die Eisenzeit machen“ können und „speziell für das Keltenfest gebrautes Bier und die beliebten ´Keltenwürste´, oder Kaffee und Kuchen“.

Schließlich will ich nochmal auf den „Tag des offenen Denkmals“ am kommenden Sonntag hinweisen. Die bei meiner seinerzeitigen Empfehlung erwähnte Himmelfahrtskirche ist heute sogar mit dem Beitrag „Was ist hier drin? Sendlinger öffnen die Kartusche aus dem Kirchturm“ auf der Titelseite des „Sendlinger Anzeiger“. Bei Sanierungsarbeiten am Kirchturm wurde eine verschlossene Kartusche mit bislang noch unbekanntem Inhalt gefunden, die am Sonntag nach dem Gottesdienst beim Frühschoppen geöffnet wird.

Montag, 31. August 2009

Universallegionäre

Der Begriff ist anscheinend von Alexander Zimmermann eigens für seinen Beitrag „Varus und seine Universallegionäre“ in Archäologie Online erfunden worden, sonst finde ich ihn mit der Suchmaschine nirgends.

Dem mit drastischen Worten geschriebenen Beitrag liegt das Problem zugrunde, daß sich die Ausrüstung der römischen Soldaten über die Jahrhunderte deutlich sichtbar geändert hat. Statt aber bei einer Veranstaltung wie den „Römer- und Germanentagen“ in Kalkriese 2009 auf den aktuellen Forschungsstand zur Legionärs-Ausrüstung in der Zeit der Varus-Niederlage aufzusetzen, kommt aus Sicht von Alexander Zimmermann nur ein „Epochenmix an Ausstattungen“ zum Einsatz.

Die Änderungen im Aussehen der Legionäre lassen sich mittels einer anklickbaren Zeitleiste schön an einzelnen Beispielen des Projekt „GENERATIONES“ von Alexander Zimmermanns „VEX LEG VIII AVG, Interessengemeinschaft für experimentelle Archäologie und Geschichtsdarstellung“ nachvollziehen.

Mehr ist bis 31. Januar 2010 in der Sonderausstellung „GENERATIONES – die Soldaten Roms“ auf der Saalburg zu sehen. Auf der Website des Saalburgmuseums sind die Hintergrundinformationen zu den Ausstellungsmachern, ihrem Projekt „GENERATIONES“ und ihren Intentionen zu empfehlen, da findet man einiges aus dem einleitend genannten Beitrag differenzierter ausgeführt wieder.

Wer noch mehr haben will, der muß sich sputen: Am nächsten Sonntag, dem 6. September 2009, findet auf der Saalburg als Begleitveranstaltung zur Sonderausstellung der Aktionstag „Die Soldaten Roms – Waffentechnik und Alltagsleben über vier Jahrhunderte“ statt.

Dienstag, 21. Juli 2009

Varus' untergegangene Legionen

Ein paar Links zu der im letzten Beitrag empfohlenen Fernsehsendung über die nachgestellte Varusniederlage bei den „Römer- und Germanentagen“ in Kalkriese 2009.

Vielleicht geht es manchem von Ihnen so wie mir, der mal vor Jahren einen Film über die Alpenüberquerung von Marcus Junkelmann und Begleitern in römischer Legionärsausrüstung gesehen und dann nur sehr wenig von der sich entwickelnden Szene mitbekommen hat.

Das mit Marcus Junkelmann lief unter dem Begriff „Experimentelle Archäologie“. Die über die Vorbereitung des Ereignisses in Kalkriese Auskunft gebende Seite von Comitatus verwendet die Bezeichnung „Szenische Kampfdarstellungen“, an der „Reenactmentgruppen“ teilnehmen. Näheres zu Begriffen wie „Reenactment“ (Wiederaufführung, Nachstellung), „Living History“ oder „Histotainment“ wieder in der Wikipedia.

Das umfangreiche Programm an Vorführungen ist auf dieser Seite der „VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land GmbH“ zu finden. Auf derselben Website gibt es auch eine Bilder-Galerie von den „Römer- und Germanentagen“.

Wegen den vielen Teilnehmern dürften sich zahlreiche weitere Bilder im Internet finden lassen. Ich will hier noch auf diejenigen von Jacques Maréchal verweisen (auf die Bilder bin ich via einem Link im Blog „Geschichte und so Zeugs“ von Markus Zwittmeier gekommen).

Wer noch etwas Text zum Event mag, in „chronico – Magazin für Geschichte“ gibt es einen längeren Artikel von Marcel Schwarzenberger. Und weitere Links zum 2000-jährigen Schlachtjubiläum finden sich - nachdem ich den NDR schon erwähnt habe - mindestens genauso üppig hier beim WDR.