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Freitag, 23. Mai 2014

Der Mahlberg

Über den bei Freiolsheim und Moosbronn gelegenen Mahlberg (Wikipedia-Koordinaten: 48° 50' 10″ N, 8° 22' 37″ O) hatte ich schon in den „Gemischten Links mit Mahlberg“ geschrieben. Den Mahlberg in den „gemischten Links“ zu anderen Themen untergehen zu lassen, war nicht so begnadet. Aber ich fand damals ein paar Aspekte interessant, zu denen ich noch keine passenden Fotos hatte. Und daß ich nun noch einmal nachgesucht und nachgefragt habe, hat sicher nicht geschadet.

Blick vom Rimmelsbacher Hof Richtung Mahlberg

Wie ich seinerzeit geschrieben habe, hatte ich zum Namen „Mahlberg“ im Internet die Verbindung zum germanischen „Mahal“ für Gericht, Gerichtsstätte, Gerichtsversammlung gefunden. Es gibt zu dieser Verbindung mehrere Stellen im Internet - vielleicht mit einer Quelle? - und es einige Orte und Berge mit der Vorsilbe „Mal“ oder „Mahl“. Jochen Hoog hat so eine Mahlberg-Gerichtsstätten-Verbindung für den Michaelsberg südöstlich von Münstereifel wie folgt beschrieben: „Vorher hieß er, wie heute noch das benachbarte Dorf 'Mahal' oder 'Mahlberg', d. h. aus dem Altdeutschen übertragen: 'Berg des Gerichtes' (oder der Opferstätte)“.

Parkplatz beim Moosbronner Friedhof und Bushaltestelle 'Waldparkplatz'

Nach dem Experten Dr. Peter Löffelad müssen neben der realen Situation auch die historischen Belege und die mundartliche Überlieferung passen. Historische Belege kenne ich nicht, mundartliche Überlieferung wüßte ich auch nichts, was so weit zurückreicht. Die auf der Website des Heimatvereins Völkersbach wiedergegebene Rede ihres Vorsitzenden Günter Daum gibt zu weiteren Rätseln Anlass: nach Günter Daum wurde der Mahlberg in einer Grenzbeschreibung aus dem Jahre 1425 noch als „Ahlberg“ bezeichnet. Das könnte nach Peter Löffelad auf ein häufiges Problem durch falsche Lautabtrennung bei einem anlautendem M zurückzuführen sein: aus „auf'm Ahlberg“ wird „Mahlberg“.

Blick von Nordwesten auf Moosbronn

„Ahlberg“ gibt es im Internet als Bergnamen und vor allem als Personennamen wesentlich häufiger als Mahlberg. Unter den so bezeichneten Bergen habe ich jetzt sogar einen mit eisenzeitlichem Ringwall gefunden. Wenn ich nach „Ahl germanisch“ bei Google suche, bekomme ich das Ergebnis: „Ahl“ ist germanisch und bedeutet so viel wie „Schutz, Bau oder Haus“. Peter Löffelad bringt „das Al = heilige Stätte!“ ins Spiel, twittert aber schon wieder das Wort „Vorsicht“: „Aber wie gesagt: Vorsicht vor vorschnellen Deutungen!!!“. Ich finde noch etwas über die vielen Ahlbergs: „From Swedish al "alder" and berg "mountain".“ und vermute die Erlen eher im Moosalbtal als auf dem Mahlberg.

Blick von der Mahlberg-Flanke Richtung Rheintal

Nach soviel Germanisch aus verschiedensten Ecken der Hinweis, daß nach der Wikipedia in Mahlberg-Nähe die Sprachgrenze zwischen Südfränkischen und Oberrheinalemannischen Dialekten verläuft. Vielleicht macht das alles noch etwas komplizierter. Ich will nun das Stochern im Nebel auf dünnem Eis sein lassen und mich den Fotos zuwenden.

Hildebrand-Brunnen 400m Fußweg unterhalb des Gipfels des Mahlbergs

Der Mahlberg ist zumindest aus dem Norden recht markant und aus der Ferne gut zu erkennen, siehe hier das erste Bild, das oberhalb von Rimmelsbacher Hof in Richtung Mahlberg aufgenommen wurde. Der Mahlberg ist rechts von der Bildmitte zwischen den beiden Bäumen zu sehen. Bild 11 ist eine Fotografie in Gegenrichtung vom Mahlbergturm aus. Zählt man die in Bild 11 sichtbaren Rodungsinseln von vorne nach hinten durch, dann sieht man Freiolsheim in der ersten und Völkersbach in der zweiten Rodungsinsel. Der Aufnahmepunkt von Bild 1 befand sich in der hintersten Ecke der zweiten Rodungsinsel. Die ersten beiden Bilder in den „Gemischten Links mit Mahlberg“ sind von der auf Bild 11 nur schwach sichtbaren dritten Rodungsinsel aus fotografiert. Die Rodungsinseln gehören noch zum Nordschwarzwald, im Hintergrund ist das Rheintal mit Karlsruhe zu erkennen. Rechts geht es auf dem Bild 11 hinunter in das Moosalbtal.

Fläche auf dem Gipfel des Mahlbergs

Bild 1 zeigt, daß man bei guter Sicht aus der Ferne sogar größere Einzelheiten auf dem Gipfel unterscheiden kann. Im Falle eines gerodeten Gipfels hätte man vielleicht Bewegungen großer Menschengruppen, Feuerzeichen oder ähnliches aus der Ferne verfolgen können. Bild 4 ist von der Bergflanke in der Nähe des 400 Wandermeter vom Gipfel entfernten Hildebrand-Brunnens (Bild 5) in Richtung auf die Mündung des Murgtals in das Rheintal aufgenommen. Also der Berg ist auch von da zu sehen, allerdings ist der Berg vom Geschehen im Tal weit entfernt. Das wird durch die Bilder 9 und 10 vom Mahlbergturm deutlicher. Die Murg und die Verbindung durch das Murgtal verläuft da, wo die Häuserlinie ist.

Soldatengräber auf dem Mahlberg

Der Mahlberg ist verglichen mit den unmittelbar folgenden Höhen entlang der nördlichen Seite des Murgtals nicht hoch. Schon zum nebenan liegenden Mauzenberg mit dem Mauzenstein steigt das Gelände an. Und bis zur Hochfläche mit dem Hohlohsee geht es noch ein Stockwerk hinauf. Ich habe jetzt im Stadtwiki Karlsruhe gesehen, daß der Mahlberg trotzdem sogar die höchste Erhebung im Landkreis Karlsruhe ist. Aber die meisten Einwohner des Landkreises dürften das nicht wissen.

Turm, Markgrafenhütte und Grillplatz auf dem Mahlberg

Das Gebiet ist zum Wandern bestens erschlossen. Bild 2 zeigt den Parkplatz beim links vom Parkplatz liegenden Moosbronner Friedhof. Von dem Parkplatz aus ist man schnell oben auf dem Gipfel. Ich hatte bei der Aufnahme den Ortsausgang von Freiolsheim im Rücken, links kommt die Straße von Moosbronn hoch, rechts vom Aufnahmestandort befindet sich im Wald ein noch größerer Parkplatz, auf den sich die Bushaltestelle „Waldparkplatz“ bezieht. Bild 3 ist beim Moosbronner Friedhof aufgenommen, also vorne links in Bild 2, und zeigt ein Blick hinunter nach Moosbronn.

Blick vom Mahlbergturm Richtung Murgtal

Ich habe im damaligen Blog-Eintrag zu Moosbronn erwähnt, daß Moosbronn ein Marien-Wallfahrtsort ist und das Wasser der dortigen Quelle - der Lindenbrunnen - als heilkräftig galt. Die Aufnahme vom Hildebrand-Brunnen nahe des Gipfels an der südwestlichen Flanke des Mahlbergs soll zeigen, daß es hier mehrere Quellen gibt. Und die von Moosbronn vielleicht nur durch ihre Muldenlage und vielleicht noch durch eine hohe Schüttung für besonders gehalten wurde?

Blick vom Mahlbergturm Richtung Murgtalausgang in das Rheintal

Schlußendlich wollte ich bei dieser Mulden-Abschweifung vom Mahlberg auf die Frage raus, ob es Datensammlungen zu heilkräftigen Quellen und deren Besonderheiten gibt, aus denen sich dann häufige Zusammenhänge ableiten lassen? So in der Art der Warenkorbanalyse - „wenn heilige Quelle, dann oft im Zusammenhang mit Muldenlage“ oder so ähnlich. Aber wenn jetzt der Mahlberg sogar Kultort gewesen sein kann, dann ist der Verweis auf Moosbronn vielleicht sogar hinsichtlich des Mahlbergs und einer möglicher Kultort-Verschiebungen interessant?! Den sehr nahen Mauzenstein als möglichen Kultort gibt's hier übrigens auch noch, während mir von dem ganzen Gebiet der ehemaligen Dörfer nördlich davon nichts dergleichen bekannt ist.

Blick vom Mahlbergturm Richtung Rodungsinseln im Nordosten

Nach diesem sicher viel zu wagemutigen Schlenker zurück auf den Mahlberg. Der ist oben ziemlich flächig, wie in Bild 6 und 8 zu sehen ist. Also eine große Menschenmenge hätte da gut irgendwelchen Verhandlungen oder Zeremonien beiwohnen können. In Bild 7 sind die Gräber zweier Soldaten auf dem Mahlberggipfel zu sehen, die beim Beschuss des Mahlbergturms gefallen sind. In dem Gebiet wurde bei Kriegsende umfangreicher gekämpft. Im Gebiet von Freiolsheim sollen nach dem Krieg noch ausgebrannte Panzerfahrzeuge gestanden sein. Sondengänger finden in diesem Gebiet nördlich des Mahlbergs demnach vielleicht eher irgendwelche Weltkrieg-II-Splitter als germanisches oder keltisches Eisen.

Blick vom Mahlbergturm Richtung Südosten

Freitag, 19. Oktober 2012

Hohloh und Hohlohsee

Im letzten Eintrag hatte ich zum Mahlberg geschrieben, daß das Gebiet ursprünglich keltisch gewesen ist und als Beispiel die keltische Eisenerzproduktion beim östlich liegenden Neuenbürg erwähnt. Die Entfernung vom Mahlberg zum Neuenbürger Schlossberg habe ich nochmal mit Maßstab und Karte nachgemessen und bin auf 16 km Luftlinie gekommen (die per Bildschirm und Google Maps ermittelten 14 km im Mahlberg-Eintrag habe ich dort korrigiert). Zum Neuenbürger Beispiel hinzuzufügen ist ein keltisches Fürstengrab in südwestlicher Richtung vom Mahlberg, nämlich der in knapp 21 km Entfernung bei Hügelsheim gelegene „Heiligenbuck“ (südlich Hügelsheim bei der B36 und der Zufahrt zum Baden-Airpark). Der Grabhügel soll zwar schon vorzeitlich beraubt worden sein, die Bestattung konnte aber durch Zurückgebliebenes der jüngeren Hallstattkultur und einem Zeitraum um 550 v.Chr. zugeordnet werden. Im dritten Bild des Mahlberg-Eintrags läge das Grab in Richtung links von dem Berg in der Bildmitte. In diesem Blog-Eintrag ist das sechste Bild in Richtung auf den Rhein aufgenommen. Unten ist das Murgtal und links hinter der Bergkette das Oostal. Was dort an Häusern zu erkennen ist, sollte zu Baden-Baden gehören. In Richtung der linken Seite des Oostales müßte etwa das Grab liegen.

Hohlohsee

Um diesen nahe des Rheins liegenden Heiligenbuck herum sollen auf beiden Rheinseiten weitere solcher reichen Bestattungen nachgewiesen sein. Also man darf hier ein keltisches Kulturzentrum ähnlich Gebiet um die Heuneburg oder bei dem vermutlich zu einem Zentrum auf dem Hohenasperg gehörenden Fürstengrab von Hochdorf vermuten. Mit den mittelbadisch/elsässischen Hügelgräbern werden umfangreiche Befestigungswerke am Battert nördlich von Baden-Baden in Verbindung gebracht. Der Battert liegt zwischen Murg- und Oostal, er ist etwas über 10 km Luftlinie vom Mahlberg entfernt.

Hohlohsee

Misst man die Luftlinien nach Neuenbürg auf der Landkarte aus und zieht dabei noch Nagold mit in Betracht, das mit dem „Krautbühl“ ebenfalls ein Fürstengrab besitzt, dann ist der Hohenasperg am weitesten von Neuenbürg entfernt (knapp 41 km). Das überrascht etwas, denn das Keltenzentrum am Hohenasperg müßte durch die Verbindung über die Enz eine besondere Stellung gegenüber Neuenbürg gehabt haben. Der Battert liegt Neuenbürg mit etwas weniger als 26 km am nähesten. Hochdorf käme mit knapp 31 km auf den zweiten Platz. Nagold (knapp 34 km) wäre mit leichtem Vorsprung vor Hügelsheim (knapp 37 km) Dritter. Dieser Vergleich setzt voraus, daß es in der Hallstattzeit einen Zeitraum gegeben hat, in dem diese keltischen Zentren gleichermaßen aktiv waren.

Steg am Hohlohsee zur Besucherführung

Wo werden die Verbindungswege verlaufen sein? Die Optionen müßten ziemlich zahlreich sein, denn vermutlich war das Gebiet zwischen Neunbürg und Murgtal so löchrig wie ein Schweizer Käse und zudem wären auch kombinierte Transporte denkbar. Also vielleicht ein Schwertransport per Karren bis zu einem der in den Rhein mündenden Gewässer und dann weiter nach Hügelsheim. Aus römischer Zeit ist der Abzweig von der durch das Rheintal führenden Straße bei Ettlingen in Richtung auf Pforzheim/Portus an der Enz bekannt. Vielleicht wäre das auch der passende Weg für eine repräsentative Hohenasperger/Neuenbürger Delegation mit Pferd und Wagen zur prachtvollen Hügelsheimer Beerdigung gewesen. Aber die Luftlinie Neuenbürg - Ettlingen entspricht etwa der direkt zum Murgtal, also zumindest wenn man etwas auf dem eigenen Rücken oder mit geführten Tragtieren transportiert wären solche Direktverbindungen näher gelegen.

Hohlohturm bzw. Kaiser-Wilhelm-Turm

Sucht man in Google Maps per „Route verbinden“ zwischen Neuenbürg und Ebersteinburg (da liegt der Battert) eine Verbindung, dann wird einem der Weg über Dobel, Bad Herrenalb und Loffenau vorgeschlagen. Im letzten Bild des Mahlberg-Eintrages führt diese Straße hinter Mauzenstein und Mauzenberg (759 m) über das Käppele (538 m). In Laufnähe, dort gibt es einen Parkplatz, von dem aus viele ihre Mauzen- und Bernstein-Wanderung starten. Interessant ist die „Zu Fuß“-Option in Google-Maps. Da führt der Weg sogar zwischen Mahlberg und Mauzenberg durch. Diese „Zu Fuß“-Option scheint mittlerweile auch bei Waldstrecken überraschend gut mit Wegen bestückt zu sein. Sie ist aber für unsere Zwecke noch nicht so ideal. Google kennt anscheinend die Waldwirtschaftswege, aber nicht unbedingt die Fußpfade, die teilweise „schon ewig“ benutzt wurden. Präferenzen bei den Höhenunterschieden sind auch nicht einbeziehbar. Abgesehen von diesen Feinheiten ist das Ergebnis der „Zu Fuß“-Option aber doch schon ganz interessant.

Hohlohturm bzw. Kaiser-Wilhelm-Turm

D.h. es gab vermutlich zahlreiche bessere Optionen und man wird das weiter murgaufwärts liegende Gebiet am Hohloh weitgehend ausschließen können. Der kleine Vorteil dieses Gebiets ist nur, daß man hier eine Direktverbindung von Murg- und Enztal hätte. Das Hohloh-Platau liegt auf der einen Seite am Murgtal und zur anderen Seite entwässert es in die Enz. In das Gebiet kann man schon bei Loffenau bei der Teufelsmühle aufsteigen und kommt dann auf Plateaus, die verglichen dem Mauzenberg ein Stockwerk höher liegen. Für die Teufelsmühle werden 908 m angegeben, auf dem Hohlohplateau ist man fast bei 1000 m und auf dem Hohlohturm (auch Kaiser-Wilhelm-Turm) schafft man es über die 1000.

Blick vom Hohlohturm über Murg- und Oostal in Richtung Rhein

Bild 7 ist ein Panorama aus vier Fotografien. Man kommt die Straße von Reichental links hoch, fährt noch Stück die Bergkante entlang und steigt dann nach rechts in die erste zu sehende Vertiefung ab. Dort liegen die Häuser von Kaltenbronn. Wer sich über die Lage dort oben mittels der Karte in dem Faltblatt Naturschutzgebiete Hohlohsee und Wildseemoor (pdf) genauer informieren will: Der etwas rechts von der Mitte zu sehende Weg ist ein Fußweg vor zur Straße, vorne liegt die Schwarzmißhütte. In der Richtung des Weges sieht man auch etwas Taldunst, zwischen dem Tal und Kaltenbronn liegt wieder eine plateauartige Fläche, auf der sich der Wildsee befindet.

Zur jüngeren Geschichte des Hohlohsees gibt es interessante Informationen von Fritz Möbus. Luftbilder der Moorseen kann man sich beim Tourismus Zweckverband „Im Tal der Murg“ ansehen. Zu nennen ist auch eine Website eines eigenen Infozentrums für das Gebiet.

Panorama vom Hohlohturm über das Gebiet am Hohloh

Es gibt einige Sagen zu den Seen. Die oben genannte Bezeichnung „Teufelsmühle“ hat auch so einen sagenhaften Ursprung, mit der man die dort herumliegenden Steine erklärt hat. Wahrscheinlich haben die Kelten diese besonderen Naturerscheinungen in ähnlicher Weise verarbeitet. Die Sagen zu den Seen haben meist etwas mit deren Tiefe und dem Verschwinden im See zu tun, wirken also nicht so spezifisch auf das Gebiet zugeschnitten. Eine Sage wirkt sogar etwas überzogen - wenn man einen Stein in den Hohlohsee wirft, dann droht ein Unwetter über dem See und das Wasser gerät in Wallung. Man könnte denken, so eine Sage funktioniert überhaupt nicht, das können ja alle ausprobieren und dann ist es vorbei. Aber vielleicht hat diese Sage sogar die ältesten Vorläufer. Als wir (ohne Steine in den See zu werfen) zum Parkplatz zurück kamen hat es genieselt, an einem Parkplatz an der Kante zum Murgtal hin haben wir nochmal geparkt (Bild 8), da war es in Richtung Murgtal nur grau. Weiter unten dann wieder friedlicher leichter Regen. Und vor über 20 Jahren bin ich mal auf der Rückfahrt vom Hohlohsee mit dem Fahrrad von einem Sommergewitter überrascht worden. Glücklicherweise in der Nähe der Schwarzmisshütte. Damals war unten in den Tälern am ganzen Tag Sonnenschein und niemand dachte daran, daß Gewitter durchziehen. Also die Gegend da oben ist schon sehr besonders.

Beim Hohloh an der Straße in Richtung Reichental

Nun noch ein Blick zu den hessischen Kelten. Rolf Bierwirth wandert derzeit vormals keltische Höhen nahe Frankfurt ab. Sein letzter Eintrag handelt vom Altkönig, dort gibt es mit dem Ringwall Altkönig keltische Befestigungen. Also neben potentiellen Wanderern an Limes und Hadrianswall sollten auch die Vorgeschichtsinteressenten aus dem Frankfurter Raum mal bei ihm vorbeisehen. Aus der Zeit von Rolfs Limeswanderung stammt sein Abstecher zum Glauberg, damals war das Museum noch nicht eröffnet. Ich hatte im Mahlberg-Eintrag die germanischen Höhensiedlungen erwähnt, von der aber keine in Mahlbergnähe verzeichnet war. Auf dem Glauberg war hingegen so eine Siedlung. Er gilt auch als bedeutender Fundplatz des 4./5. Jahrhunderts. Schließlich noch der Hinweis von Rolf auf die Website Hessen-Archäologie, mit mehreren Beiträgen pro Monat eine sehr gute Informationsquelle über archäologische Neuigkeiten in Hessen.

Freitag, 12. Oktober 2012

Gemischte Links mit Mahlberg

Bei Quizzy ist regelmäßig etwas zur Geschichte zu finden, meist mit Bezug zu München. Letzten Sonntag hat sie unter dem Titel „Silberadler und weiß-blauer Löwe“ die Burg zu Burghausen und die dort bis zum 4. November stattfindende Ausstellung „Verbündet – Verfeindet – Verschwägert. Bayern und Österreich“ empfohlen.

Schon zuvor wurde mir Burghausen ähnlich begeistert nahegelegt. Ich spüre noch nicht so recht die Lücke, die Burg ist ja nicht aus meinem Kernzeitbereich. Vielleicht kommen irgendwann Burg und passende Ausstellung zusammen. Anders ist das mit den Kelten und Römern am Chiemsee. Da gab es auch Empfehlungen, aber es gibt keine Ausrede. Letzte Woche war dort das Historische Bedaius Familienfest 2012. Ich habe es zumindest am selben Tag mitbekommen und wenige Stunden vor Veranstaltungsende weitergetwittert - vielleicht hat das einem Anwohner noch geholfen. Uns bleiben zahlreiche Links auf der Website, einer zu einem Video vom Juni mit Ministerpräsident Horst Seehofer auf dem nachgebauten Römerschiff Victoria.

Von Peter Jackson wird es eine Serie Hobbit-Filme geben. Kann sein, daß ich das mit kleinem Interesse schon mitbekommen habe, jetzt ist es durch Marcellina richtig hängen geblieben. Sie hat über Tolkien’s Celtic Influences, Perhaps Seen Here In The Alps geschrieben, ein Muß für alle Tolkien-, Peter Jackson, Herr der Ringe etc. -Fans.

Es gab schon vor „Herr der Ringe“ Filme von Peter Jackson. Braindead hat einen gewissen Kultstatus. Man muß den Humor von Braindead mögen, für viele ist dieser Film wirklich nichts. Aber er ist nicht wegen Gewaltverherrlichung oder so etwas ähnlichem Kult, sondern als Horror-/Splatterfilm-Persiflage. Jetzt sehe ich in der Wikipedia „Altersfreigabe FSK ungeprüft, bundesweit beschlagnahmt“, und bin anderseits vor ein paar Wochen an Walhalla Rising geraten, der mit ziemlich herben Szenen „FSK 16“ ist. Vielleicht ist Persiflage vs. „künstlerischer Anspruch“ das Problem, oder vielleicht nur die Persiflage? Wie dem auch ist, aber man stelle sich vor, Peter Jackson hätte mit seinem möglicherweise inkorrekten Vorleben hierzulande versucht, mit bundesdeutscher Filmförderung einen Film zu drehen. Gut, ich habe keine Ahnung und vielleicht nur Vorurteile.

Zu den Alpen sei noch der Blog Rückwege – Alpine Archäologie in der Silvretta erwähnt.

Aus nördlicher Richtung herangezoomter Mahlberg

Nach Stuttgart, dort hat im September die Ausstellung „Die Welt der Kelten“ begonnen und bei New at LacusCurtius & Livius gibt es dazu eine kleine Besprechung. Das in „Nochmal Denkmaltag“ erwähnte, zur Ausstellung passende 15-minütiges Interview mit Prof. Dr. Dirk Krausse in der ZDF-Mediathek ist immer noch zugreifbar.

Nach dem Blog-Eintrag ist mir zu diesem 15-minütigen Video der Pernicka-Brief eingefallen. Es ging dabei um einen offenen Brief von Prof. Dr. Ernst Pernicka an den Programmdirektor des ZDF wegen einer Sendung in der Reihe „Terra-X“. Den offenen Brief kann man immer noch in dieser pdf-Ausgabe der Zeitschrift Forum Classicum des Deutschen Altphilologenverbandes nachlesen. Eigentlich sollten sich die Wissenschaftler über die heutigen Möglichkeiten freuen. Man kann die Sache in langen Interviews auf den Punkt bringen und auf der eigenen Homepage darauf verweisen. Und wenn ein nachträgliches Entstellen oder ein Depublizieren droht, dann kann man die Videos auch selbst produzieren und unter einem eigenen Account im Internet veröffentlichen.

Man könnte die neuen Möglichkeiten auch der Klage in dem Artikel „Troia steckt im tiefen Tal“ entgegen halten (ich hatte den Artikel schon in einem früheren Eintrag verlinkt). Nach dem Artikel vernachlässigt die Tübinger Uni-Sammlung das Thema Troja sträflich, zeigt nur ein paar Funde Schliemanns, erwähnt den Verlauf und die Ergebnisse der Korfmann-Grabung nicht und der Name Pernicka kommt überhaupt nicht vor. Vielleicht würde wichtiger sein, alles erst einmal in das Netz zu bekommen, und die Leute klicken sich ihre Favoriten selbst zusammen. Vielleicht werden solche Favoritenlisten in Zukunft dann von den Austellungsmachern ausgewertet.

Ein Blick auf eine aktuelle Tübinger Ausstellung: „KultOrte. Mythen, Wissenschaft und Alltag in den Tempeln Ägyptens“ soll dort ab 18. Oktober zu sehen sein. Zu loben ist, daß die vermutlich mit Steuergeldern erstellte Pressemitteilung der Tübinger von allen frei lesbar in das Internet eingestellt wurde. Zu bemängeln ist, daß die „Einladung zur Pressevorbesichtigung“ sich nicht explizit an alle richtet, die über die Ausstellung berichten wollen. Man könnte sich ja schon daran anpassen, daß man die Leute im Netz für das Promoten von Videos und 3D-Scan-Sammlungen braucht.

Aufnahme von Spessart in Richtung Schöllbronn

In dem Zusammenhang hatte das Universalmuseum Joanneum eine Superidee: wer die Ausstellungen und Veranstaltungen des Joanneums besuchen und darüber in sozialen Netzwerken berichten will - erwünscht sind ein „ehrliches Feedback und Kommentare über unsere Aktivitäten und Ausstellungen auf Blogs, Facebook, Twitter, YouTube & Co“ - der kann sich bis zum 31. Oktober 2012 bewerben und bei Erfolg eine Gratis-Jahreskarte für zwei Personen bekommen. Eine Win-Win-Situation - die Museumsfans sparen sich den Eintritt und das Universalmuseum bleibt in den sozialen Netzen im Gespräch!

Zum kostenlosen Eintritt fehlen noch die Häppchen. Die gibt es wirklich, und sogar für alle. In dem Fall hausgemachte Schmankerln und ein Gläschen Wein zu einer kostenlosen Abendveranstaltung am 19. Oktober im Archäologischen Museum der Stadt Kelheim. Thema sind die „Schratzellöcher - Sagenhafte unterirdische Welten“. In der Veranstaltung im Rahmen der Kelheimer Kulturtage soll ein buntes Potpourri geboten werden, das sowohl informiert als auch unterhält.

Bei der Gelegenheit auch ein Hinweis auf die Verlängerung der Ausstellung „Ritter, Recken, edle Frauen – Burg Prunn und das Nibelungenlied“ bis übermorgen. Auf die Ausstellung hatte ich im Eintrag über das Kelheimer Archäologische Museum hingewiesen. Stephan hat die seinerzeit verlinkten Informationen zur Ausstellung schon upgedatet.

In der Münchner Archäologischen Staatssammlung kann man seit heute die Ausstellung „1636 – ihre letzte Schlacht“ besichtigen. Eventuell sollte man mit dem Besuch bis zur Langen Nacht der Münchner Museen am 20.10.2012 warten. Da gibt es Führungen durch die Ausstellungen und einen „Barbetrieb“.

Blick vom Mahlbergturm durch den Murgtalausgang in das Rheintal

Auf der anderen Seite des Englischen Gartens wurde Ende August eine Fliegerbombe gesprengt. Naja, das hat natürlich schon mit Geschichte zu tun, Marcellina hat ihren Beitrag mit „A Little Re-Enactment in Schwabing, Courtesy Of The U.S.A.“ überschrieben. Aber nachdem ich mich bisweilen in Theorien versteige, was mit den neuen Social-Media-Möglichkeiten gemacht werden sollen könnte, will ich jetzt auf diese erfrischende Praxis-Analyse von Dr. Christian Gries hinaus: „Die Nacht mit der Bombe oder was die Behörden von Social Media lernen können“.

Nun zum Mahlberg, der kam schon in meinen beiden letzten Einträgen zu Moosbronn und zum Mauzenstein vor. Zur Erinnerung: in dem unterhalb des Mahlbergs liegenden Moosbronn spielt der Lindenbrunnen eine besondere Rolle, in manchen Sagen ist die Quelle mit der Linde der Anlaß für die Wallfahrtskirche. Das hat sich aber in der jüngeren Vergangenheit (17. Jahrhundert) abgespielt. Also wenn tatsächlich zuerst die Quelle eine besondere Rolle hatte, dann könnte sie diese auch erst in christlicher Zeit bekommen haben.

Eine Verbindung zu einem vorgeschichtlichen Kultort ist schwer zu konstruieren, weil das Gebiet erst spätmittelalterlich besiedelt wurde. Nun habe ich aber noch zum Mahlberg die Verbindung zum germanischen „Mahal“ für Gericht, Gerichtsstätte, Gerichtsversammlung gefunden. Es gibt dazu mehrere Stellen im Internet und viele Orte mit der Vorsilbe „Mal“ oder „Mahl“, also könnte diese Verbindung plausibel sein.

Vom Mahlbergturm fotografierter Bergrücken mit dem Mauzenberg

Es bleibt aber, daß das Gebiet nordöstlich des Mahlbergs zwischen Rhein und Alb erst spät besiedelt wurde. Also diese gute Sichtbarkeit, die der Mahlberg in großen Teilen dieses Gebiets hat, kann kaum eine besondere Rolle gespielt haben. Im ersten Bild ist die Kuppe von Schöllbronn aus herangezoomt aufgenommen, das zweite Bild ist von Spessart in Richtung auf Schöllbronn aufgenommen (beides früher selbständige Dörfer, die nach Ettlingen eingemeindet wurden). Der zweite Aufnahmeort ist fast 9 Kilometer Luftlinie vom Mahlberg entfernt. Weiter waren hier ursprünglich die Kelten - Neuenbürg mit seiner keltischen Eisenproduktion liegt etwa 16 Kilometer östlich des Mahlbergs. Dann kamen die Römer und erst nach dem Limes-Fall geriet das Gebiet dauerhaft unter germanische Herrschaft.

Es soll in der Zeit nach Ende der Römerherrschaft ein Phase mit zahlreichen germanischen Höhensiedlungen gegeben haben. Der Ausstellungskatalog „Imperium Romanum. Römer, Christen, Alamannen - Die Spätantike am Oberrhein“ enthält zwei Artikel, die sich mit solchen Höhensiedlungen beschäftigen. Allerdings sind dort keine Beispiele in diesem Gebiet verzeichnet. Ich glaube nicht, daß sich der Mahlberg für so eine Höhensiedlung geeignet hätte, weil man von da zu weit von den Wegen im Murgtal und der ehemaligen Römerstraße im Rheintal entfernt gewesen wäre. Interessanter wäre vielleicht eher der Berg in dem vom Mahlbergturm aus aufgenommenen Bild 3 (auf dem Panorama im Mauzenstein-Eintrag ist er links vom Mahlberg zu sehen). Oder ein dem Rheintal zuliegender Berg auf der anderen Murgseite. Als zeitweiliger Versammlungsort, der ggf. etwas fernab dem täglichen Leben liegen sollte, wäre die Mahlbergspitze hingegen durchaus geeignet gewesen. Oben hätte es für Versammlungen viel Platz gegeben.

Bild 4 ist ein Panorama aus drei Aufnahmen vom Mahlbergturm in Richtung auf den Mauzenberg. Links sieht man die Straße von Moosbronn/Althof, die zu dem gleich beim Berganstieg auf der anderen Seite liegenden Bernbach und dann weiter nach Bad Herrenalb führt. Die Drachenflugrampe, von der ich die Fotos für das Panorama im Blog-Eintrag zum Mauzenstein gemacht habe, liegt etwa unterhalb des ersten Hochpunktes, links neben der Rampe gibt es eine etwas glänzenden Stelle im Wald. Geht man die Höhenlinie weiter nach rechts, dann kommen zwei Höcker, da sollte der Mauzenberg der zweite Höcker sein und der Mauzenstein links unterhalb davon liegen.

Dienstag, 25. September 2012

Moosbronn

Auf dem ersten Bild des Blog-Eintrags über den Mauzenstein war ganz rechts in der Mulde schon ein wenig von der Ortschaft Moosbronn zu sehen. Hier ist als erstes Bild eine Aufnahme von Moosbronn vom Juni 2006 eingestellt. Aus der Gegenrichtung, von oberhalb der Mulde und ein wenig um den Mahlberg herum. Der Anstieg im Hintergrund des Bildes führt zum Mauzenstein, die gelichtete Stelle ist aber nicht die Drachenflugrampe, die liegt höher weiter rechts.

Moosbronn

Abgesehen vom ersten Bild sind alle Aufnahmen von Moosbronn und vom Mauzenstein in den beiden Blog-Einträgen an einem Tag in diesem September gemacht. An dem Tag wollte aber keine Sonne auf Moosbronn scheinen, wenn ich es vor der Kamera hatte.

Moosbronn

Moosbronn ist ein Marien-Wallfahrtsort. Die Wikipedia zieht zur Entstehung zwei Geschichten zusammen, die ich kenne. In der einen konnte ein Mann seinen den Mahlberg herunterrollenden Wagen nur noch durch ein „Maria hilf“ stoppen, in der anderen Geschichte gab es eine Quelle (den heutigen Lindenbrunnen) mit einer mächtigen Linde, in deren Stamm ein Marienbild gefunden wurde. Auf einem nahegelegenen Platz sind dann sonderbare Feuer niedergefahren. Die wurden als Zeichen interpretiert, dort eine Kapelle zu errichten, in der man das Marienbild zur Verehrung aufstellen konnte. Woraufhin das Holz der Linde und das Wasser heilkräftig wurde. Nach diesen beiden Geschichten wurde zunächst eine Holzkirche von „den Leuten im Tal“ errichtet, in der Wikipedia-Variante war der Bauernknecht dafür verantwortlich, in der Variante der Erzdiözese Freiburg hat sein Herr eine erste Kapelle errichtet. In dem Gebiet wurde gegen Kriegsende noch gekämpft, das Stadtwiki Karlsruhe erwähnt Schäden durch Artilleriebeschuss am steinernen Nachfolgebau.

Moosbronner Lindenbrunnen

Jedenfalls spielt je nach Legende die Linde und der Brunnen eine besondere Rolle und die Kirche ist tatsächlich nur etwa 60 Meter vom Lindenbrunnen entfernt. Folgt man den Legenden, hat sich die christliche Vereinnahmung der Quelle aber erst im 17. Jahrhundert abgespielt. Und die Besiedelung des Nordschwarzwaldes zwischen Rhein, Alb und Murgtal soll erst ab dem christlichen Spätmittelalter erfolgt sein. Also eine Kontinuität zu einem vorgeschichtlichen Kultort wäre schwer zu konstruieren. Wobei ich aber davon ausgehe, daß Vorzeitler, die den Mauzenstein kannten, auch über diese in der Nähe liegenden Quellen Bescheid wußten.

Die letzten beiden Bilder sind von der Münchner Glyptothek und von der goldenen Athene, die zur Ausstellung „Die Unsterblichen – Götter Griechenlands“ vor den Antikensammlungen aufgestellt wurde. Mit den Fotos will ich einen Hinweis auf die 14. Lange Nacht der Münchner Museen am 20. Oktober 2012 verbinden. Ich war letzten Sonntag mit meiner Mutter in der Unsterblichen-Ausstellung, da waren schnell eineinhalb Stunden weg. Den kleineren Teil der Ausstellung in der Glyptothek haben wir uns nicht mehr angesehen. Länger hängen bleiben ist vielleicht nicht die beste Strategie in der Münchner Museumsnacht. Man muß auch sehen, daß man wahrscheinlich nicht bis zum Ende der Nacht durchhält, siehe der von uns vor zwei Jahren festgestellte dünne Besuch ab Mitternacht.

Münchner Glyptothek

Gerade im Fall von Antikensammlungen und Glyptothek bietet sich wegen den geringen Eintrittspreisen entweder ein Sonntagsbesuch zu einem bzw. zwei Euro für beide Häuser oder ein Besuch für wenig mehr Geld unter der Woche in Verbindung mit einer kostenlosen Führung an. Also vielleicht sollte man in der Museumsnacht nicht tiefer einsteigen, sondern alles mal abklappern, was man sowieso besuchen wollte aber dann doch jahrelang nicht mehr hingekommen ist? Und sich von Event zu Event durchhangeln, um das Interesse wachzuhalten? Die MVV-Benutzung könnte auch ein gewichtiges Argument sein, je nachdem woher man kommt.

Goldene Athene vor Münchner Antikensammlungen

Abschließend noch der Hinweis auf die aktualisierten News von Werner Lang. Ende August und im September ist einiges dazugekommen, u.a. eine längere Fotostrecke von den Römertagen am Limes-Kastell Pohl.

Freitag, 21. September 2012

Der Mauzenstein

Ein Foto des Mauzensteins hatte ich schon im Blog-Eintrag über Stephan Gröschlers „Kraftvolle Orte“. Der Mauzenstein liegt im Nordschwarzwald oberhalb des Murgtales auf einem Höhenzug, von dem man bis in das Rheintal blicken kann.

Panorama von einer Drachenflugrampe in der Nähe des Mauzensteins

Im genannten Blog-Eintrag konnte man einen etwas dunstigen Blick vom nahen Bernstein in Richtung Rheintal werfen. Der Bernstein liegt westlich des Mauzensteins. Hier ist im ersten Bild ein Panorama aus vier Fotos von einer nördlich von Bern- und Mauzenstein in ähnlicher Höhe liegenden Drachenflugrampe zu sehen. Das Murgtal befindet sich links im Panorama und endet zur Mitte hin in das Rheintal. Rechts neben der Mitte ein Geländesattel hinüber zum Mahlberg, der Turm auf dem Mahlberg ist eher nicht mehr erkennbar. Das Gebiet hin zur Mulde auf der rechten Seite des Mahlbergs entwässert in die Moosalb, die dann nach einigen Kilometern bei Fischweier in die Alb mündet. Wer sich an den Siedlungen orientieren will: vorne rechts sieht man Althof, dahinter in der erwähnten Mulde liegt Moosbronn und darüber sind Häuser von Freiolsheim zu sehen.

Mauzenstein am ansteigenden Weg im Hintergrund der Wegekreuzung

Der Mauzenstein liegt von Jungwald umgeben ein Stück unterhalb der südlich von ihm gelegenen Kuppe des Mauzenbergs. Die Situation kann man sich mit dem zweiten Bild zusammen mit dem Luftbild von Google Maps veranschaulichen.

Mauzenstein

In Google Maps sieht man nordwestlich vom Mauzenstein eine Wegkreuzung, ein Stück weiter habe ich Bild 2 aufgenommen. Auf Bild 2 sieht man im Vordergrund eine eher ebene Fläche. Dann steigt der Hang an auf dem der Mauzenstein liegt, eine seiner Ecken ist im Hintergrund erkennbar. Die Ringe sind nur auf der Oberseite und auf der südwestlichen Seite des Steins zu sehen. An der südwestlichen Seite führt heute der Weg vorbei. Wenn es eine Schauseite gegeben hat und das die südwestliche war, dann hätte man in Richtung Osten bei abgeholztem Wald eine Fernsicht gehabt.

Mauzenstein

Insbesonders bei einem klaren Himmel müßte das Szenario beeindruckend gewesen sein, wenn man sich eine nächtliche Veranstaltung mit beleuchteten Schalen/Näpfen/Ringen vorstellt. Aber wie der Stein genutzt wurde ist Spekulation. In der Wikipedia finden sich verschiedene Deutungen der Schalensteine. Im Falle des Mauzenstein geht die Deutung in Richtung Sternbilddarstellung. Ein Schild gibt an „Man nimmt an, daß der Stein in der Frühzeit der Besiedlung dem Astralkult (Verehrung der Gestirne) diente“.

Mauzenstein

Bei den Schalen/Näpfen/Ringen soll es sich um eine Abbildung des Großen Bären/großen Wagen in der Richtung handeln, wie er am Winterhimmel um Mitternacht zu sehen ist. Wenn es so ist, dann müßte es mit astronomischen Kenntnissen einfach sein, die Schalen den Sternen zuzuordnen.

Mauzenstein

Ich habe beim Surfen keine solche Zuordnung gefunden. Also werde ich mal selbst versuchen, den Großen Bären am Winterhimmel zu erkennen, und irgendwann geht es dann zur genaueren Napf-Vermessung wieder hoch zum Mauzenstein. Das ausgeklappte Metermaß diente bei diesem Besuch nur der besseren Veranschaulichung der Größenverhältnisse. Der Mauzenstein ist über 2 Meter breit und mehr als 4 Meter lang, die großen Schalen haben einen Durchmesser von 20 cm.

Dienstag, 12. April 2011

Stephan Gröschlers „Kraftvolle Orte“

Letztes Jahr bin ich auf Stephan Gröschlers „Kraftvolle Orte“ gestoßen und stöberte in seinen Keltenschanzen-Besuchsberichten herum. Sein Schwerpunkt liegt in einem Halbkreis oberhalb von Ingolstadt. Für Touren in den Norden von München habe ich mir vorgenommen, bei ihm vorher hinein zu sehen.

Bernstein oberhalb des Murgtals mit Schutzhütte und Grillplatz

Dieses Jahr war ich beim Blick auf seine Website überrascht über die Vielzahl der mittlerweile schon besuchten Orte: seine Karte ist nun auch im Bereich südlich von München sehr gut bestückt, westlich von München ist etwas da und im Erdinger Gebiet war er auch schon aktiv. Ich weiß nicht, wie er diese Menge hingekriegt hat, aber uns soll es recht sein - für Ausflüge in diesem Jahr stehen viele von ihm vorgestellte Ziele zur Auswahl bereit.

Stephan Gröschler hat ein breites Besuchsprogramm, das neben den Keltenschanzen bzw. keltischen Viereckschanzen auch „Burgen, Höhlen, Opfersteine und -stätten, Geotope und Keltenbefestigungen. Oder überhaupt nur Natur, wo man sich wohlfühlen und die Kraft genießen kann“ umfasst.

Bernsteinfelsen oberhalb des Murgtals

Als Beispiele für Natur und Geotope will ich auf seine steinernen Rinnen rund um Heidenheim hinweisen - ich wußte garnicht, daß es so etwas gibt. Vielleicht haben vorzeitliche Menschen solche Naturerscheinungen auch irgendwie in ihre Kultur eingearbeitet, wobei solche Nutzungen vermutlich kaum archäologisch nachweisbar sind?

Es wäre sicher sehr interessant zu wissen, welche Gelände- oder Gesteinsformation die unterschiedlichen Kulturen zu welchem Zweck ansprechend fanden. Bei steinzeitlichen Knochenfunden an bestimmten ausgezeichneten Orten läßt sich vermuten, daß dort Kulte vollzogen wurden und der Ort für spätere Kulturen nicht mehr so bedeutsam war. Das hier in der Gegend vielleicht vorhandene System bronzezeitlicher Befestigungen ist vielleicht ein Ausdruck einer gesellschaftlichen Organisationsform, der durch eine geänderte Kultur überflüssig wurde. Wie weit ermöglichen zahlreiche Besuche solcher Orte die Welt ein wenig mit den Augen eines Stein- oder Bronzezeitlers oder eines Kelten sehen?

Blick vom Bernstein Richtung Westen

Nachdem ich es im letzten Blog-Eintrag über die Keltenschanze Buchendorf mit Sprache und Sprachmitteln hatte und die Fotografie dort einsortierte: Stephan Gröschler bietet neben der Fotografie, die er etwas intensiver als wir/ich betreibt, auch Videos an. Zudem sind seine Beschreibungen mit Geo-Koordinaten ergänzt, zu denen er eine Hilfeseite verlinkt hat, wie man die Orte bei Google-Maps findet. Und für den, der selbsttätig weitere Ziele suchen will, gibt er einen kleinen Überblick über im Web verfügbare Recherche-Tools.

Hoffentlich verliert er durch den hohen erbrachten Zeitaufwand nicht den Spaß an der Sache und bleibt uns lange erhalten!

Mauzenstein oberhalb von Herrenalb-Bernbach

Vorerst will Stephan Gröschler seine Sammlung auf Bayern beschränken. Dann bestücke ich diesen Blog-Eintrag mit Bildern von Orten, wo er so schnell nicht hinkommen wird:

Ich hatte im Blog-Eintrag „Nordschwarzwaldkante“ das von Osten kommende und bei Ettlingen in die Rheinebene mündende Albtal und die von Ettlingen nach Osten Richtung Pforzheim führende römische Straße erwähnt. Diese Straße konnte nur kurz dem Albtal folgen, weil das Albtal nach kurzer Entfernung in Richtung Süden abknickt.

Wunderbuche nahe Fischweier

Die Nordschwarzwaldkante verläuft in diesem Bereich nicht genau in Nord-Süd-Richtung, sondern etwas nach Nordosten-Südwesten gedreht. Der nächste große Talausgang südlich von Ettlingen ist der des Murgtals, überregional bekannt sollte Gaggenau sein, das im Talausgang, und Rastatt, das vor dem Talausgang liegt.

In den ersten beiden Bildern ist der oberhalb des Murgtals liegende Bernstein zu sehen. Es gibt bei diesem beliebten Wanderziel eine Schutzhütte und einen Grillplatz. Im dritten Bild ein Blick vom Bernstein in Richtung Westen auf den Talausgang und das Rheintal zu, leider war es zu dunstig für eine gute Fernsicht.

Wunderbuche nahe Fischweier

Wegen der Nord-Süd-Richtung der Alb geht deren Einzugsbereich bis an die Höhen oberhalb des Murgtals heran. Das Gebiet beim ein paar hundert Meter weiter befindlichen Mauzenstein im vierten Bild entwässert schon in die Alb. Die Bilder von der „Wunderbuche“ stammen von zwei zusammengewachsenen Buchen am westlichen Talhang der Alb zwischen Fischweier und Neurod. Aus dem Verbindungsast ist ein weiterer Stamm nach oben gewachsen.

Von aufgefundenen römischen Siedlungsresten in diesem Einzugsbereich der Alb ist mir nichts bekannt. Es sollen aber in Ettlingen Hinterlassenschaften einer Holzfällervereinigung entdeckt worden sein. Die Höhen oberhalb des Murgtals sind etwa 3-400 Meter höher als die im Blog-Eintrag zur Nordschwarzwaldkante gezeigten Erhebungen am Albtalausgang bei Ettlingen.