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Freitag, 19. Oktober 2012

Hohloh und Hohlohsee

Im letzten Eintrag hatte ich zum Mahlberg geschrieben, daß das Gebiet ursprünglich keltisch gewesen ist und als Beispiel die keltische Eisenerzproduktion beim östlich liegenden Neuenbürg erwähnt. Die Entfernung vom Mahlberg zum Neuenbürger Schlossberg habe ich nochmal mit Maßstab und Karte nachgemessen und bin auf 16 km Luftlinie gekommen (die per Bildschirm und Google Maps ermittelten 14 km im Mahlberg-Eintrag habe ich dort korrigiert). Zum Neuenbürger Beispiel hinzuzufügen ist ein keltisches Fürstengrab in südwestlicher Richtung vom Mahlberg, nämlich der in knapp 21 km Entfernung bei Hügelsheim gelegene „Heiligenbuck“ (südlich Hügelsheim bei der B36 und der Zufahrt zum Baden-Airpark). Der Grabhügel soll zwar schon vorzeitlich beraubt worden sein, die Bestattung konnte aber durch Zurückgebliebenes der jüngeren Hallstattkultur und einem Zeitraum um 550 v.Chr. zugeordnet werden. Im dritten Bild des Mahlberg-Eintrags läge das Grab in Richtung links von dem Berg in der Bildmitte. In diesem Blog-Eintrag ist das sechste Bild in Richtung auf den Rhein aufgenommen. Unten ist das Murgtal und links hinter der Bergkette das Oostal. Was dort an Häusern zu erkennen ist, sollte zu Baden-Baden gehören. In Richtung der linken Seite des Oostales müßte etwa das Grab liegen.

Hohlohsee

Um diesen nahe des Rheins liegenden Heiligenbuck herum sollen auf beiden Rheinseiten weitere solcher reichen Bestattungen nachgewiesen sein. Also man darf hier ein keltisches Kulturzentrum ähnlich Gebiet um die Heuneburg oder bei dem vermutlich zu einem Zentrum auf dem Hohenasperg gehörenden Fürstengrab von Hochdorf vermuten. Mit den mittelbadisch/elsässischen Hügelgräbern werden umfangreiche Befestigungswerke am Battert nördlich von Baden-Baden in Verbindung gebracht. Der Battert liegt zwischen Murg- und Oostal, er ist etwas über 10 km Luftlinie vom Mahlberg entfernt.

Hohlohsee

Misst man die Luftlinien nach Neuenbürg auf der Landkarte aus und zieht dabei noch Nagold mit in Betracht, das mit dem „Krautbühl“ ebenfalls ein Fürstengrab besitzt, dann ist der Hohenasperg am weitesten von Neuenbürg entfernt (knapp 41 km). Das überrascht etwas, denn das Keltenzentrum am Hohenasperg müßte durch die Verbindung über die Enz eine besondere Stellung gegenüber Neuenbürg gehabt haben. Der Battert liegt Neuenbürg mit etwas weniger als 26 km am nähesten. Hochdorf käme mit knapp 31 km auf den zweiten Platz. Nagold (knapp 34 km) wäre mit leichtem Vorsprung vor Hügelsheim (knapp 37 km) Dritter. Dieser Vergleich setzt voraus, daß es in der Hallstattzeit einen Zeitraum gegeben hat, in dem diese keltischen Zentren gleichermaßen aktiv waren.

Steg am Hohlohsee zur Besucherführung

Wo werden die Verbindungswege verlaufen sein? Die Optionen müßten ziemlich zahlreich sein, denn vermutlich war das Gebiet zwischen Neunbürg und Murgtal so löchrig wie ein Schweizer Käse und zudem wären auch kombinierte Transporte denkbar. Also vielleicht ein Schwertransport per Karren bis zu einem der in den Rhein mündenden Gewässer und dann weiter nach Hügelsheim. Aus römischer Zeit ist der Abzweig von der durch das Rheintal führenden Straße bei Ettlingen in Richtung auf Pforzheim/Portus an der Enz bekannt. Vielleicht wäre das auch der passende Weg für eine repräsentative Hohenasperger/Neuenbürger Delegation mit Pferd und Wagen zur prachtvollen Hügelsheimer Beerdigung gewesen. Aber die Luftlinie Neuenbürg - Ettlingen entspricht etwa der direkt zum Murgtal, also zumindest wenn man etwas auf dem eigenen Rücken oder mit geführten Tragtieren transportiert wären solche Direktverbindungen näher gelegen.

Hohlohturm bzw. Kaiser-Wilhelm-Turm

Sucht man in Google Maps per „Route verbinden“ zwischen Neuenbürg und Ebersteinburg (da liegt der Battert) eine Verbindung, dann wird einem der Weg über Dobel, Bad Herrenalb und Loffenau vorgeschlagen. Im letzten Bild des Mahlberg-Eintrages führt diese Straße hinter Mauzenstein und Mauzenberg (759 m) über das Käppele (538 m). In Laufnähe, dort gibt es einen Parkplatz, von dem aus viele ihre Mauzen- und Bernstein-Wanderung starten. Interessant ist die „Zu Fuß“-Option in Google-Maps. Da führt der Weg sogar zwischen Mahlberg und Mauzenberg durch. Diese „Zu Fuß“-Option scheint mittlerweile auch bei Waldstrecken überraschend gut mit Wegen bestückt zu sein. Sie ist aber für unsere Zwecke noch nicht so ideal. Google kennt anscheinend die Waldwirtschaftswege, aber nicht unbedingt die Fußpfade, die teilweise „schon ewig“ benutzt wurden. Präferenzen bei den Höhenunterschieden sind auch nicht einbeziehbar. Abgesehen von diesen Feinheiten ist das Ergebnis der „Zu Fuß“-Option aber doch schon ganz interessant.

Hohlohturm bzw. Kaiser-Wilhelm-Turm

D.h. es gab vermutlich zahlreiche bessere Optionen und man wird das weiter murgaufwärts liegende Gebiet am Hohloh weitgehend ausschließen können. Der kleine Vorteil dieses Gebiets ist nur, daß man hier eine Direktverbindung von Murg- und Enztal hätte. Das Hohloh-Platau liegt auf der einen Seite am Murgtal und zur anderen Seite entwässert es in die Enz. In das Gebiet kann man schon bei Loffenau bei der Teufelsmühle aufsteigen und kommt dann auf Plateaus, die verglichen dem Mauzenberg ein Stockwerk höher liegen. Für die Teufelsmühle werden 908 m angegeben, auf dem Hohlohplateau ist man fast bei 1000 m und auf dem Hohlohturm (auch Kaiser-Wilhelm-Turm) schafft man es über die 1000.

Blick vom Hohlohturm über Murg- und Oostal in Richtung Rhein

Bild 7 ist ein Panorama aus vier Fotografien. Man kommt die Straße von Reichental links hoch, fährt noch Stück die Bergkante entlang und steigt dann nach rechts in die erste zu sehende Vertiefung ab. Dort liegen die Häuser von Kaltenbronn. Wer sich über die Lage dort oben mittels der Karte in dem Faltblatt Naturschutzgebiete Hohlohsee und Wildseemoor (pdf) genauer informieren will: Der etwas rechts von der Mitte zu sehende Weg ist ein Fußweg vor zur Straße, vorne liegt die Schwarzmißhütte. In der Richtung des Weges sieht man auch etwas Taldunst, zwischen dem Tal und Kaltenbronn liegt wieder eine plateauartige Fläche, auf der sich der Wildsee befindet.

Zur jüngeren Geschichte des Hohlohsees gibt es interessante Informationen von Fritz Möbus. Luftbilder der Moorseen kann man sich beim Tourismus Zweckverband „Im Tal der Murg“ ansehen. Zu nennen ist auch eine Website eines eigenen Infozentrums für das Gebiet.

Panorama vom Hohlohturm über das Gebiet am Hohloh

Es gibt einige Sagen zu den Seen. Die oben genannte Bezeichnung „Teufelsmühle“ hat auch so einen sagenhaften Ursprung, mit der man die dort herumliegenden Steine erklärt hat. Wahrscheinlich haben die Kelten diese besonderen Naturerscheinungen in ähnlicher Weise verarbeitet. Die Sagen zu den Seen haben meist etwas mit deren Tiefe und dem Verschwinden im See zu tun, wirken also nicht so spezifisch auf das Gebiet zugeschnitten. Eine Sage wirkt sogar etwas überzogen - wenn man einen Stein in den Hohlohsee wirft, dann droht ein Unwetter über dem See und das Wasser gerät in Wallung. Man könnte denken, so eine Sage funktioniert überhaupt nicht, das können ja alle ausprobieren und dann ist es vorbei. Aber vielleicht hat diese Sage sogar die ältesten Vorläufer. Als wir (ohne Steine in den See zu werfen) zum Parkplatz zurück kamen hat es genieselt, an einem Parkplatz an der Kante zum Murgtal hin haben wir nochmal geparkt (Bild 8), da war es in Richtung Murgtal nur grau. Weiter unten dann wieder friedlicher leichter Regen. Und vor über 20 Jahren bin ich mal auf der Rückfahrt vom Hohlohsee mit dem Fahrrad von einem Sommergewitter überrascht worden. Glücklicherweise in der Nähe der Schwarzmisshütte. Damals war unten in den Tälern am ganzen Tag Sonnenschein und niemand dachte daran, daß Gewitter durchziehen. Also die Gegend da oben ist schon sehr besonders.

Beim Hohloh an der Straße in Richtung Reichental

Nun noch ein Blick zu den hessischen Kelten. Rolf Bierwirth wandert derzeit vormals keltische Höhen nahe Frankfurt ab. Sein letzter Eintrag handelt vom Altkönig, dort gibt es mit dem Ringwall Altkönig keltische Befestigungen. Also neben potentiellen Wanderern an Limes und Hadrianswall sollten auch die Vorgeschichtsinteressenten aus dem Frankfurter Raum mal bei ihm vorbeisehen. Aus der Zeit von Rolfs Limeswanderung stammt sein Abstecher zum Glauberg, damals war das Museum noch nicht eröffnet. Ich hatte im Mahlberg-Eintrag die germanischen Höhensiedlungen erwähnt, von der aber keine in Mahlbergnähe verzeichnet war. Auf dem Glauberg war hingegen so eine Siedlung. Er gilt auch als bedeutender Fundplatz des 4./5. Jahrhunderts. Schließlich noch der Hinweis von Rolf auf die Website Hessen-Archäologie, mit mehreren Beiträgen pro Monat eine sehr gute Informationsquelle über archäologische Neuigkeiten in Hessen.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Keltisches Zauberbuch

Das Thema Augmented Reality hatte ich vor zwei Monaten im Blog. Bei der Augmented Reality geht es um die Anreicherung der realen Welt um computergenerierte Zusatzobjekte. Knackpunkte sind die Erfassung der realen Welt, das passende Anzeigegerät und der Aufwand für das Hineinrendern der computergenerierten Zusatzobjekte. Smartphones geben der Augmented Reality einen großen Schub, weil man mit einem Smartphone schon einen Computer mit für die Orts- und Lageerkennung verwendbaren Sensoren herumträgt. Anderseits wurde die Smartphone-Anzeige nicht eigens für Augmented-Reality-Anwendungen gemacht, da wäre eine Brille wie im erwähnten Project Glass besser geeignet. Die Leistungsfähigkeit der Rechner stößt auch schnell an Grenzen, wenn die computergenerierten Zusatzobjekte naturgetreu in die Szene hineingerendert werden sollen.

Wie ich es damals geschrieben habe: ich glaube daran, daß die Augmented Reality ganz groß kommt. Also müßte man da rein. Machbar sollte schon einiges sein. Ich weiß nicht, wie schwer der Einstieg softwareseitig ist, aber es stehen schon Bibliotheken zur Verfügung, so daß man vieles nicht mehr selbst ausprogrammieren muß. Zudem kann man auf den Überraschungseffekt setzen - die meisten wissen nicht, was da schon geht. Auf der anderen Seite dürfte man jenseits der verfügbaren Software-Bibliotheken und der weit verbreiteten Hardware auch schnell auf exponentielle Aufwandssteigerungen stoßen. Die Kunst dürfte also auch sein, in diesem Spannungsfeld mit begrenztem Budget durchzunavigieren und trotzdem beeindruckende Ergebnisse vorzustellen.

Auf so ein beeindruckendes Ergebnis bin ich gestern gestoßen. „Die Kelten – eine lebendige Geschichte“. Eine von Martin Kovacovsky und Marius Hügli realisierte „Augmented Reality Installation für die Dauerausstellung “Von der Steinzeit zu den Römern” im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, Eröffnung März 2012“. Das Museum nennt das Buch in ihrem Medientext ein „Zauberbuch“. Das finde ich nicht unpassend. Manchem Augmented-Reality-Neuling wird es schon von den technischen Grundlagen her so vorkommen. Zudem ist die Umsetzung wirklich zauberhaft.

Im „Zauberbuch“ gibt es auch eine Keltenhausrekonstruktion, solche Rekonstruktionen hatte ich mir ja im Blog-Eintrag gewünscht. Allerdings wird die Rekonstruktion nicht in die freie Natur gerendert, sondern in das „Zauberbuch“, das den gut erkennbaren Marker liefert. Es gibt einen drei Jahre alten Bericht in der 3sat Mediathek über ein Projekt, in dem tatsächlich versucht wurde, keltische Häuser an Orginalplätzen darzustellen: „Mit den Kelten durch Basel wandern“. Eingangs genannte Restriktionen waren hier noch deutlicher sichtbar. Rechner, Anzeigegerät mit Blickrichtungserkennung und das Equipment für die Ortserkennung mußten eigens mitgenommen werden. Trotz Orginalschauplatz wird die freie Natur auch hier nicht mit der Keltenwelt durch Rendern verbunden. Vielmehr wird die Keltenwelt über das Bild der Realität gelegt. Je langsamer der Betrachter läuft umso stärker.

Übrigens schön, daß dieser Beitrag noch zugreifbar ist. Der im letzten Eintrag über den „Wikipedian in Residence“ erwähnte Film „Die Bernsteinstraße“ ist es nicht mehr. Arte scheint sich mit der 7-Tage-Regel auf den Sendetermin am 2. Juni zu beziehen, die Wiederholung gestern morgen hat diese Zeitspanne nicht verlängert.

Von der virtuellen Bestückung der Landschaft nun zu einer Keltenschanze, die ganz real inklusive Keltenhäusern bei Auernheim in der Nähe von Treuchtlingen wiedererstehen soll. Ja wirklich! Hier bei Cernunnos Celtoi kann man mehr darüber erfahren. Am letzten langen Wochenende hätte man sich den Projektstand bei den „Keltischen Handwerkertagen“ vor Ort ansehen können, ich habe das aber für einen Hinweis im Blog zu spät mitbekommen.

Der Hinweis auf den Umzug von Simon Kahnerts Blog „Geschichte erLeben“ auf seine Homepage Kahnerts.com kommt nicht zu spät (seine alte Blogadresse gibt es ja noch, die hinüber linkt). Ich will jetzt seine letzten Buchvorstellungen zu den Kelten herausgreifen: „Die Kelten am Hohenasperg“ und „Das Zeitalter der Keltenfürsten“.

Der Hohenasperg gilt als der Herrschaftssitz der örtlichen Keltenfürsten. Also nicht das nahe Hochdorf, das durch das dort gefundene Grab vielleicht bekannter ist. Dem in Hochdorf gefundenen Grab wurde das Keltenmuseum Hochdorf gewidmet und der Grabhügel rekonstruiert. Er lag in Sichtweite des Hohenaspergs, dessen Kreis der Begrabene zuzurechnen ist. Wenn ich mich nicht irgendwie verhauen habe, dann sollte die Erhebung in der Mitte des letzten Bildes in meinem Blog-Eintrag zum Keltenmuseum Hochdorf der Hohenasperg sein. Hohenasperg und Hochdorf liegen nahe der Enz an ihrem Unterlauf, kurz vor der Einmündung in den Neckar. Enzaufwärts gab es bei Neuenbürg eine zeitlich passende keltische Eisenverhüttung.

Dienstag, 28. September 2010

Keltenmuseum Hochdorf

Einen Tag nach der Speyer-Tour vorletzte Woche haben wir eineinhalb Stunden Keltenmuseum in Eberdingen-Hochdorf vor einen anderen Termin gequetscht. Ich weiß, so wird man kein Vorbild als Kulturgenießer. Und für die mangelnde Vorbereitung wurden wir gleich sonderausstellungsmäßig bestraft: Am Aufbau von „Mit Hightech auf den Spuren der Kelten“ wurde gerade gewerkelt, die Ausstellung ging erst am 19.9.2010 mit einem „Keltischen Sonntag“ los (das Programm ist derzeit noch beim Förderverein des Keltenmuseums einsehbar). Das hätte sich organisieren lassen.

Keltenmuseum Hochdorf

Ich will trotzdem schnell weitermachen und ohne aufwendiges Nachsurfen beschreiben, was wir uns in der Kürze angesehen haben. Das Nachsurfen kommt aber spätestens nach einem weiteren Hochdorf-Termin mit detaillierteren Erkundungen. Die Websuche müßte ich dort fortsetzen, wo ich bei der Heuneburg aufgehört habe. Hochdorf liegt wie die Heuneburg in einem Gebiet mit relativ vielen bekannten Großgrabhügeln. Nur daß bei der Heuneburg die Heuneburg selbst das Zentrum mit den meisten Großgrabhügeln ist, im Fall Hochdorf ist das der Hohenasperg, und das in Hochdorf gefundene Grab liegt ein ganzes Stück vom Hohenasperg entfernt.

Keltenmuseum Hochdorf

Hochdorf ist ja vor allem durch dieses von Grabräubern nicht geplünderte Grab bekannt geworden. Wobei der Grabhügel als solcher nicht mehr zu erkennen war und nur durch herausgepflügte Steine entdeckt wurde. Die Funde waren eine archäologische Sensation, manches wurde in dem Zusammenhang erstmalig entdeckt, manches blieb weltweit einmalig, wie die Kline, auf die der Leichnam gelegt wurde. Außer durch die Funde wurden auch wichtige Erkenntnisse durch den Nachbau mit orginalgetreuem Material in alter Technik gewonnen, die Grabkammer im Keltenmuseum ist auf diese Weise mit Repliken ausgestattet worden.

Grabkammer Keltenmuseum Hochdorf

Die Bewegkraft des Sensationsfunds von 1978 - Ausstellungen in Stuttgart, Köln und Paris mit der Grabkammer als Mittelpunkt sollen zusammen 600000 Besucher gehabt haben - hat zum Bau des 1991 fertiggestellten Museums 400 m vom Fundort entfernt durch die Gemeinde Eberdingen geführt. Die Architektur des Keltenmuseums ist stark auf diesen Grabfund ausgerichtet. Der Metallbogen stellt eine Abstraktion des Grabhügels dar, die Grabkammer ist im Keller in der passenden Position zum gedachten Grabhügel.

Rekonstruktion eines keltischen Gehöfts beim Keltenmuseum Hochdorf

Das Keltenmuseum wurde im Bereich einer früheren keltischen Siedlung gebaut, die durch eine großflächige Grabung erforscht wurde. Die Ergebnisse führten zu dem keltischen Gehöft im Außenbereich des Museums. Rekonstruiert wurde ein Wohnhaus, ein Grubenhaus, ein Speicher, ein Erdkeller und ein Garten.

Keltischer Garten beim Keltenmuseum Hochdorf

Das Grubenhaus ist im vierten Bild rechts vor dem Wohnhaus zu sehen. Der Speicher ist auf diesem Bild ganz links und der Erdkeller befindet sich unter dem Dach zwischen Speicher und Wohnhaus. Grubenhäuser wurden als Werkstätten für Metall- oder Webarbeiten verwendet. Im Garten findet man kurze Stücke Flechtzaun und Palisade, die nach Grabungsbefund auch in der Keltensiedlung zum Schutz vor Tieren verwendet wurden. Die Pflanzen im Garten sollen dort archäobotanisch nachgewiesen sein. Diese Informationen habe ich jetzt aus dem Heft „Daheim bei den Kelten. Dokumentation des Nachbaus eines keltischen Gehöftes in Hochdorf“ (an der Kasse für 2 Euro). Die Angaben zu den Ausstellungen aus dem Heft „Keltenmuseum Hochdorf“ (3,50 Euro).

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Im Museum gibt es Texttafeln zu den außen beispielhaft rekonstruierten Gebäudetypen, außen haben wir aber sehr wenig Text vorgefunden. Nebst dem Texte kaufen oder speichern müssen Sie im Museum auch noch einen Film über den Grabfund ansehen - haben wir auch gemacht, waren angeblich nur 20 Minuten. Nach dem Museum und dem Keltengehöft wären noch zwei Sachen zu besichtigen: Auf jeden Fall der am Fundort wiederaufgeschüttete Grabhügel. Und zuhause habe im Buch „Archäologie erleben“ gesehen, daß es im Hügelgräberfriedhof im nahen „Pfaffenwäldle“ einen Schauhügel gibt.

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Selbst wenn wir es gewußt hätten, hätte es für beides nicht mehr gereicht. Zum „Pfaffenwäldle“ muß man in die entgegengesetzte Richtung. Zum Großgrabhügel geht es in Richtung Osten um den Friedhof dazwischen herum. Man kann ein paar Meter Fußweg sparen und dort am Friedhofsparkplatz parken. Der Grabhügel ist mit einer informativen Texttafel ausgestattet und frei zugänglich, kann also auch unabhängig vom Museum besucht werden.

Grabhügelrekonstruktion Hochdorf

Also auf die Liste: Alles noch mal mit mehr Zeit ansehen. Das „Pfaffenwäldle“ nicht auslassen. Das Landesmuseum Stuttgart besuchen und sehen, was dort an Orginalen aus Hochdorf ausgestellt wird. Den Keltenweg ansehen, ob sich das günstig mit weiteren Zielen, und die Website des Keltenmuseums, ob sich das mit interessanten Terminen verbinden läßt. Und jetzt noch vielen Dank nach Hochdorf an die Museumsleiterin Frau Dr. Simone Stork für die Erlaubnis, meine auf dem Museumsgelände gemachten Fotos in das Internet einzustellen! Und dann Feierabend.