Posts mit dem Label Leistungsschutzrecht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Leistungsschutzrecht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 1. April 2018

Eiszeit- und Jungsteinzeit-Archäologie via „Super-Mediathek“ erleben?

Vor einer Woche wurden zwei schöne neue Archäologie-Filme von Tamara Spitzing im Fernsehen gezeigt, die für uns in der ARD Mediathek „bis 25.03.2028“ verfügbar bleiben sollen. Im ersten Film geht es unter dem Titel „Archäologie erleben - Mission Eiszeit“ um eiszeitliche Hinterlassenschaften von Neandertalern und nachfolgenden modernen Menschen in Deutschland. In „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit“ schwerpunktmäßig um die Bandkeramiker. Wer meine Blog-Einträge über das Herxheimer Museum mit seinem Leiter Dr. Gramsch oder die experimentalarchäologischen Arbeiten von Anne Reichert interessant fand, kann sich auf ein Wiedersehen mit den beiden freuen.

Ich unterlege jetzt mal sechs Links zu Webseiten zu den beiden Filmen und nehme diese Links bei Gelegenheit wieder raus, wenn die Links ins Nirwana zeigen. Zunächst die Webseiten zu den Filmen „Archäologie erleben - Mission Eiszeit“ und „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit“ in der ardmediathek.de. Auf den beiden Webseiten findet sich heute (1.4.2018) jeweils das „Verfügbar bis 25.03.2028“ und etwa 20 Wörter Erläuterungstext. Suche ich via dem dortigen Suchfeld „Suche in der ARD Mediathek“ nach Tamara Spitzing, finde ich sowohl sortiert nach Datum als auch nach Relevanz auf der ersten Ergebnisseite keine „Archäologie erleben“-Filme. Ich glaube die Suche versteht überhaupt nicht, was ich finden will. Klickt man auf den Button „Sendungswebsite“ gelangt man zu derzeit 159 Beiträgen „Geschichte & Entdeckungen“ und von da aus via „Homepage der Sendung“ auf die SWR-Seite von „Geschichte & Entdeckungen“. Wie man aus der ARD Mediathek auf Webseiten mit mehr Erläuterungstext zu den beiden „Archäologie erleben“-Filmen kommt, sehe ich nicht.

Solche Webseiten mit mehr Text gibt es aktuell aber schon noch bei ard.de und swr.de. Die sind aber vielleicht nicht bis 2028 verfügbar? Hier die Seiten von „Archäologie erleben - Mission Eiszeit (1/2)“ und „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit (2/2)“ bei ard.de und hier die von „Archäologie erleben - Mission Eiszeit“ und „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit“ bei swr.de.

Der längere Erläuterungstext steht auf der ard.de-Webseite unter einem „Details“-Reiter. Klickt man dort stattdessen auf „Wiederholungen“, dann sieht man, daß es in den nächsten 6 Wochen keine Wiederholungen geben soll. Klickt man dort auf „Ähnliche Sendungen“, wird derzeit in beiden „Archäologie erleben“-Fällen „Keine weiteren Sendungen mit genau diesen Schlagworten gefunden.“ angezeigt. Zwar wurden beiden Filmen dieselben Schlagworte zugeordnet, aber vielleicht bezieht sich das Ergebnis auf anstehende Filme im Fernsehen und nicht auf vorhandene Filme in der Mediathek?

Diese zwangsgebührenfinanzierten Online-Auftritte waren für mich jahrelang ein Quell von Frustrationen. Das für mich nie nachvollziehbare Depublizieren setzte allem noch das i-Tüpfelchen obendrauf. Das Depublizieren war in seinen Auswirkungen sicher schlimm, weil viel wertvolles Kulturgut einfach so in die Tonne getreten wurde. Aber mittlerweile sind meine Erwartungen sehr sehr viel geringer geworden. Ich kann mich richtig darüber freuen, wenn ein „Verfügbar bis“ dabeisteht und nicht einfach so gelöscht wird. Und wenn Filme unglaubliche 10 Jahre verfügbar sein sollen, ist das doch richtig toll.

In diese sehr niedrige Erwartungshaltung platzt der BR-Intendant und ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm mit der Idee einer „Super-Mediathek“. Wirklich! Kein Aprilscherz! Die Heise-Meldung ist schon einige Tage alt! Wie Heise weiter schreibt, sei es für Ulrich Wilhelm sogar denkbar, „dass der Axel-Springer-Verlag Inhalte beisteuere.“ Würden dann „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“-Probleme auch bei der Super-Mediathek-Verlinkung entstehen? Und dürfte man seinen Werbeblocker eingeschaltet lassen, wenn man auf die Super-Mediathek zugreift? Und müßte man via seinem Rundfunkbeitrag auch noch ungewollt den Axel-Springer-Verlag finanzieren?

Dienstag, 6. September 2016

Neues vom Karlsgraben (Fossa Carolina)

Der Karlsgraben bezeichnet einen zur Zeit Karls des Großen gebauten Kanal zwischen der Schwäbischen Rezat und der Altmühl, um die Flusssysteme von Rhein und Donau miteinander zu verbinden. Bis Ende 2018 läuft ein sechsjähriges Forschungsprojekt, das die letzten Jahre für Meldungen gesorgt hat. Nun berichtete man vom „Nachweis des nördlichsten Teils des Karlsgrabens“. Und der Bayerische Rundfunk hat dazu einen sehenswerten dreiminütigen Film von der Grabung gedreht.

Man hat jetzt archäologisch nachgewiesen, daß der Kanal weiter in den Norden ausgeschachtet war, als man sich das früher gedacht hat, nämlich bis unmittelbar an den Bachlauf der Rezat. Außerdem hat man nun eine Vorstellung, wie dieser Kanalteil ausgesehen hat. Der deutlich schlechtere Ausbau des Kanals unmittelbar an der Rezat lässt allerdings noch Interpretationsspielräume offen, ob der Kanal früher einmal wirklich seinen Dienst erfüllt hat. Man wird in den nächsten Jahren weiter mit interessanten Ergebnissen rechnen dürfen.

Karlsgraben (Fossa Carolina)

Wer statt dem Mittelalter meinen Zeitbereich „graue Vorzeit bis Spätantike“ bevorzugt: die kurze Besichtigung der im Bild gezeigten Kanalreste beim Ort Graben bei Treuchtlingen kann man sehr gut mit dem Besuch von Weißenburg verbinden.

Meinen verlinkten Weißenburg-Eintrag habe ich seinerzeit mit zwei Zeitungsartikeln eingeleitet, die heute nicht mehr zugreifbar sind. Das brachte zwar aktuelle Informationen zur Situation in Weißenburg, aber nun hängen meine „Römer-Touristen“ in der Luft. Diese Bezeichnung stammt aus den Artikeln. Damals als ich den Eintrag schrieb gab es noch kein Leistungsschutzrecht für Presseverleger, mittlerweile schon. Ich überlege mir, nach und nach die alten Presseverweise verschwinden zu lassen.

Die Tage kam die Meldung: „EU-Kommissar Oettinger will EU-Leistungsschutzrecht bis Ende 2017“. „Der Kreativsektor ist für mich eine Priorität“ soll Günther Oettinger gesagt haben. Wo die Prioritäten selbst angesichts der schlechten wirtschaftlichen Situation vieler Autoren liegen, kann man derzeit bei der Verteilung der Kopiervergütung beobachten: „Sind die Autoren so reich, dass sie ihr Geld verschenken können?“.

Dienstag, 12. März 2013

Zeitspringer-Blog und Leistungsschutzrecht

Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist mittlerweile wieder ein Stück weitergekommen. Es ist zwar noch mehr „entschärft“ worden gegenüber dem Stand, als ich letztes Jahr über das Leistungsschutzrecht geschrieben habe. Aber dennoch wird jetzt allenthalben gerätselt, was das Leistungsschutzrecht für das eigene Webprojekt zu bedeuten hat. Dankenswerterweise hat Rechtsanwalt Thomas Schwenke schnell einen Beitrag mit „FAQ zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger (für Blogger, Social Media & Journalisten)“ in das Netz gestellt.

Wenn schon so ein Leistungsschutzrecht kommt, dann muß der Gesetzgeber die Auswirkungen im Blick haben. Es düfte nicht sein, daß jetzt Leute, die „eigentlich“ nicht betroffen sein sollten, stundenlang über die rechtlichen Auswirkungen rätseln müssen und zur Sicherheit ihre Aktivitäten einschränken. Ich hatte bei meinem letztjährigen Eintrag zum Leistungsschutzrecht den Verdacht, daß diese Unsicherheit bei Internetaktivitäten gewollt ist: „Also zum einen scheinen sich die Presseverlage durch Eigenprodukte nicht mehr in der Lage zu sehen, ihre frühere Stellung auch in Zeiten des Internets zu erhalten. Zum anderen die - ich habe den Eindruck gewollte - Unsicherheit im Internet. Obwohl eigentlich Verzögerung, Verhinderung und Unsicherheit genau das Falsche für neue Entwicklungen ist.“ Leider hat unsere Regierung nichts getan, um bei mir diesen Verdacht zu entkräften. Es gibt sogar aktuell mit dem Rechtsanwalt Udo Vetter eine prominente Stimme, die genau diese Unsicherheit thematisiert.

Wie aus den FAQs von Thomas Schwenke hervorgeht, werden Blogs durch das Leistungsschutzrecht ebenfalls zum Unsicherheitsfaktor. Ich würde mein Werk eher als Privatblog / Hobbyblog und nicht als „Presseerzeugnis“ einsortieren. Aber wie Thomas Schwenke ausführt, können Blogs die Kriterien für Presseerzeugnisse erfüllen. Und von außen ist man dann nicht sicher, wie mein Blog zu sehen ist.

Mir hat jetzt diese Klarstellung vom Heise Zeitschriften Verlag gut gefallen: In eigener Sache: Der Heise Zeitschriften Verlag und das Leistungsschutzrecht.

Also sofern es für meinen Blog überhaupt relevant ist, übernehme ich die darin zu findenden Aussagen für meinen Blog. Also Links auf und kurze Textausschnitte/Snippets aus meinem Blog sind auch mir weiter höchst willkommen und bedürfen keiner Erlaubnis.

Freitag, 8. Februar 2013

Zur Heuneburg-Onlinepetition

In den Steinzeitlinks hatte ich auf die Onlinepetition für den Erhalt des Freilichtmuseums keltischer Fürstensitz Heuneburg hingewiesen. Die ist mittlerweile über der 1000er-Grenze, das ist sehr beachtlich. Insbesonders auch die vielen unterschiedlichen Unterstützer im Netz, wenn man mal via Google nach „Heuneburg Onlinepetition“ sucht.

Zu meiner etwas kryptischen Formulierung des Hinweises in den „Steinzeitlinks“: man sollte in eigener Sache selbst etwas sagen, wenn man die Plattform dafür hat. Und die Heuneburg hat ihre Website, und da sehe ich unter „Aktuelles“ immer noch nichts. Also bis jetzt gibt es offenbar aus der Heuneburg-Perspektive überhaupt kein Problem? Von offizieller Seite finde ich aus der jüngeren Vergangenheit drei pdfs mit Inhalten zur Heuneburg bei der Gemeinde Herbertingen: den „Kurzbericht zur öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats am 11.12.2012“, in der es um die „Entscheidung über die Kündigung der Miet- und Gestattungsverträge mit dem Land Baden-Württemberg“ geht. Den JAHRESRÜCKBLICK 2012 Gemeinde Herbertingen, Hundersingen, Marbach, Mieterkingen und nochmal für sich den Rückblick auf die Saison 2012 der Heuneburgmuseen in der „Vorlage für die Sitzung des Gemeinderates Herbertingen am 30.01.2013“. Daß das alles für die eigene Bevölkerung so transparent gemacht wird, finde ich ja gut. Aber es sollte nicht so sein, daß ein auswärtiger Heuneburginteressent die Gemeinderatsprotokolle auf der Herbertinger Website durchscrollen muß. Weiter ist weder auf der Heuneburg-Website noch in den pdfs etwas vom Abblitzen beim Wunsch zu sehen, auf dem Gemeindegebiet gefundene und derzeit in der Keltenausstellung in Stuttgart gezeigte Stücke nach Ende der Ausstellung im Heuneburg-Museum zeigen zu dürfen. Das muß man in dem vom Initiator der Onlinepetition verlinkten Beitrag des Wochenblatts Bad Saulgau nachlesen.

Es ist daher absehbar, daß man sich die Informationen über den weiteren Fortgang genau in dieser Weise zusammenbasteln muß. Insbesonders auch über die Online-Ableger der Zeitungen, und die will ich aus mehreren Gründen nicht so gern verlinken. Mittlerweile ist mir sogar die Lust vergangen, das überhaupt nur durchzulesen, wenn erkennbar der journalistische Leistungsumfang sehr gering ist und die Quelle das genauso gut selbst hätte online stellen können. Es ist immer noch das Leistungsschutzrecht für Presseverlage in der Mache. Hier Telepolis zum Stand nach der aktuellen Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestags. Es wurde zwar gegenüber dem letztjährigen Stand, als ich darüber geschrieben habe, angeblich entschärft, aber ich will mich nicht stundenlang über die möglichen doch-noch-Gefahren informieren.

Ein anderer Aspekt ist, daß, naja, gewachsene Man-kennt-sich-Systeme vorliegen. Das ist ja nicht von vornherein schlecht. Aber die sollten nicht dazu führen, daß Anpassungen an bessere Gegebenheiten verhindert oder weitmöglichst verzögert werden. Hier bei Matthias Spielkamp gibt es einen Link auf die „Nationale Initiative Printmedien“ von Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Selbst zu besten Zeitungszeiten erinnere ich mich nicht daran, jemals ein Gruppe von Jugendlichen mit so vielen interessierten Zeitungslesern gesehen zu haben.

In den USA gab es 1968 schon von Alan Kay das Konzept für das Dynabook. Wer die Stichworte nicht kennt, kann mal die über Xerox PARC verlaufende Kette der weiteren Entwicklungen nachverfolgen. Vielleicht hätte ein visionärer Kulturbetrieb vor 20 Jahren Science-Fiction-Theaterstücke fördern müssen, in denen die Leute mit Dynabooks herumlaufen. Dann wäre manchem geistigen Leuchtfeuer vielleicht auf die Sprünge geholfen worden und es müßte jetzt nicht nach Kohlepfennigen für seine Holzmedien suchen. Im Umfeld der etwas verqueren Begründungssysteme für diese Geldwünsche hat man sich auch mal die Blogger als böse ausgeguckt, weil sie durch ihre Verlinkungen Inhalte klauen. Ist ein Witz. Gerade in der kleinen Archäologienische glaube ich, daß meine Links manchmal die einzigen von außen auf manche Zeitungsartikel gewesen sind. Also sie hätten wegen dieser kostenlosen Werbung eigentlich froh sein können. Waren es aber nicht. Also lasse ich es möglichst.

Weiter meckere ich dauernd daran herum, daß die Archäologen selbst nicht genug online stellen. Eigentlich mache ich mich mit der Meckerei lächerlich. In anderen Welten war die Diskussion vor 10 Jahren schon durch. Da konnte man sich längst sein Auto mit Außenfarbe und Innenbezügen im Internet selbst zusammenklicken, während es heute nicht geht, zeitnah ein paar schöne Ausgrabungsfotos in das Netz durchzureichen. Ein wichtiger Unterschied ist natürlich, daß man selbst entscheiden kann, ob man sein Geld für das Auto ausgibt. Jedenfalls will ich unter dem Gesichtspunkt auch nicht mehr so gerne hintenweg aus den kleinen Teilmengen der online gestellten Presseartikel brav welche verlinken und dadurch eine „wir haben die Öffentlichkeit informiert“-Alibifunktion unterstützen.

Also zur Heuneburg: irgendwie sollte selbst fortlaufend von den eigenen Angelegenheiten berichtet werden. Dann lese ich mir das durch und verlinke das bisweilen auch gerne. Aber wenn es über zweite Hände läuft, mag ich nicht. Es ist auch ohne meine Anti-Haltung irgendwie witzlos auf diese Weise die Kontroverse zu verfolgen. Der eine Artikel wird online gestellt, und die wichtige Mitteilung im nächsten Artikel nicht.

Noch allgemein zur Heuneburg-Website: Weil es zur Heuneburg aus aktuellen Grabungen oder dem vor zwei Jahren geborgenen Keltengrab immer etwas Neues gibt, finde ich natürlich toll, daß in der Rubrik „Archäologische Grabungen“ über diese berichtet wird. Schlecht hingegen, daß man selbst vor Ort ist und sich so massiv an die klassischen Medien anlehnt. Meine Meinung zur technischen Realisierung entspricht der zur Website des Archäologischen Vereins Freising. Die Einzelmeldungen würde ich personalisieren und mit „Aktuelles“ und der „Fotogalerie“ zusammenziehen. Man kann ja dann wieder die Meldungen über Tags/Labels kategorisieren.

Für sehr wichtig würde ich die Einbindung der vor Ort tätigen Archäologen halten - siehe die Bemerkung oben. Die in der Rubrik aufgezählten Medien mögen bekannte Namen haben, aber sie erreichen inhaltlich selten das, was zu den früheren Grabungen von www.fuerstensitze.de angeboten wurde (seit 2010 gibt es auf der Website keine neuen Inhalte mehr, ich hatte die Website in „Bienenmarkt auf der Heuneburg“ erwähnt). Toll wäre wieder die Kommentarmöglichkeit. Wenn Archäologen, Museumsleitung und Bürgermeister mitschreiben würden, dann könnte man mit der Kommentarmöglichkeit auch von einer Kenntnisnahme der Rückmeldungen ausgehen. Wie weit ich mit meiner blassen Theorie von der gemeinschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit anscheinend von der Realität weg bin, sehe ich im „Jahresrückblick 2012“-pdf. Da wird auf den noch ausstehenden Bericht des Landesamts für Denkmalpflege von den archäologischen Forschungen verwiesen. Die Berichte zu den Vorjahren sind in der Rubrik „Archäologische Grabungen“ verlinkt. Aber man könnte ja mal aktuelle Stände fotografieren, wenn man dauernd daran vorbeikommt.

Zum Interesse für Rückmeldungen: im April 2012 ist in den Oberschwäbischen Mannigfaltigkeiten ein Beitrag über das „Landeskundliche Informationssystem für Baden-Württemberg“ LEO-BW erschienen. Vermutlich wurde diese für LEO-BW kostenlose Analyse mit Aufwand und einigem Sachverstand erstellt. Daß sich die LEO-BW-Leute darüber nur freuen müssen, will ich nicht verlangen, aber interessiert durchlesen könnte es einer. Ich habe jetzt nachgesehen, das in den Mannigfaltigkeiten als Beispiel für eine falsche Zuordnung angegebene Walksche Haus ist immer noch fälschlich dem württembergischen statt dem badischen Weingarten zugeordnet. Hier beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg ist es übrigens auch württembergisch. So aus dem hohlen Bauch heraus könnte man vermuten, daß man LEO-BW in die Landschaft gestellt hat, ohne daß eine Viertelstelle für Rückflüsse vorgesehen wurde. Also bei ambitionierten Websites wäre eine Kommentarfunktion mit Weiterleitung an die richtige Stelle wirklich nicht schlecht.

Wir haben von einem Spaziergang in Weingarten im letzten Jahr ein paar Fotos mit dem Walkschen Haus darauf. Aber keines mit Abstand und ihm in der Mitte und für ein Panorama sind die Fotos eigentlich ungeeignet. Mich wundert, daß die Software noch was daraus machen konnte (Bild 1). Wenn auch verzerrt, ich stelle deshalb die Vorlagen mit ein.

Walksches Haus im badischen Weingarten
Walksches Haus im badischen Weingarten
Walksches Haus im badischen Weingarten

Im Umfeld des Keltenjahrs 2012 sind mehrere offizielle Websites erschienen. Ich hatte kurz in den Mixed Links die Keltenblock-Website erwähnt. Es gibt die Website zum Keltenjahr 2012 und die Website zur Stuttgarter Keltenausstellung. Über die zugrunde liegende Strategie wollte ich mir schon beim Keltenblock nicht so die Gedanken machen. Groß in die Internetwelt hinein gedacht war sie vermutlich nicht. Für diese Behauptung war es gut, daß Stephan Gröschler versucht hat, als Blogger freien Eintritt in die Keltenausstellung zu bekommen (siehe hier seinen Kommentar). Stephan hat ihn nicht gekriegt, während jeder journalistenrabatterprobte Presseausweisinhaber, der noch nie was über Kelten geschrieben hat, den kostenlosen Eintritt bekommen hätte.

Der hinter neuen Websites wie LEO-BW und Keltenblock etc. stehende Anspruch scheint mir verglichen zur Fürstensitze-Website deutlich gesunken zu sein. Sehr gute Inhalte wie auf der Fürstensitze-Website zusammenstellen konnte man offensichtlich. Man hätte das weiterführen und im nächsten Schritt geeignet in lokale Websites wie etwa der von der Heuneburg reinbeamen können, einleitende Worte des Archäologen drumherum, Kommentarfunktion. Zum „Fall Hypathia“ hatte ich erwähnt, daß Peter O. Chotjewitz für das Buch eine ausführliche Internetrecherche gemacht hat. Das war 2001!!! Mir kommt es so vor, daß damals zeitweise wirklich ein Schritt vor den anderen gemacht wurde. Und im Schritt nach den Websites von 2001 erschienen Websites wie www.fuerstensitze.de oder in Bayern der BayernViewer-denkmal, letzterer mittlerweile unter der Haube des BayernAtlas. Jetzt hätten eigentlich neue Schritte vorwärts kommen müssen. Wenn die Schritte stattdessen rückwärts gehen, dann sollte man vielleicht auf diese Websites gar nicht mehr eingehen.

Jetzt noch zu den Zugriffen auf die einzelnen Websites. Da hat man manchmal mittels Alexa einen ungefähren Anhaltspunkt. Die Zahlen waren nie sooo richtig. Manchmal funktioniert es auch überhaupt nicht, etwa bei den Mannigfaltigkeiten. Die Zugriffe der twoday-Blogs gehen glaube ich immer bei twoday unter. Bei mir funktioniert es nicht mehr, seit ich sowohl unter zeitspringer.blogspot.com als auch unter zeitspringer.blogspot.de erreichbar bin (war nicht meine Entscheidung, hat die Google-Blogsoftware so entschieden). Aber bei eigenen Domänen geht das einigermaßen, also legen wir mal los (Zeitpunkt der Auswertung ist der 7.2.2013 ab 22:30 Uhr): Der Sieger ist die Ausstellungswebsite kelten-stuttgart.de mit einem Alexa Traffic Rank von 1,296,472. Zweiter ist Stephan mit kraftvolle-orte.de mit einem Alexa Traffic Rank von 2,113,562. Dritter knapp dahinter leo-bw.de mit einem Alexa Traffic Rank von 2,238,052. Die Werte ändern sich andauernd, also bei dem geringen Abstand können die Plätze dauernd wechseln. Aber heute ist der Abstand noch größer geworden. Auf dem vierten Platz liegt die heuneburg.de mit einem Rank von 4,329,931. Auf Platz 5 die in diesem Eintrag bislang unerwähnte Website denkmalpflege-bw.de mit einem Rank 6,190,448. Die eigentlich gestorbene Website fuerstensitze.de liegt immer noch bei 9,454,206. keltenjahr2012.de liegt bei 20,617,482 und zum keltenblock.de hat Alexa No data.

Über dieses Ergebnis könnte man jetzt ein paar Blog-Einträge spekulieren. Der erste Platz der Ausstellungswebsite dürfte daran liegen, daß sich viele Ausstellungsbesucher vorab informieren. Wenn man sich die Zahlen ansieht - ich glaube zur Halbzeit der Ausstellung sollen es 80.000 Besucher gewesen sein, und die Zahlen von Stephan, er gibt für seinen Blog 60000 Besucher in den ersten zwei Jahren an, dann passt diese Interpretation schon irgendwie. Darüber, daß das „Landeskundliche Informationssystem für Baden-Württemberg“ LEO-BW, das vermutlich richtiges Geld gekostet hat, etwa gleichauf mit Stephans neben der Berufstätigkeit entstandenen „Kraftvollen Orten“ liegt, kann man jetzt denken was man will. Die Website der Denkmalpflege könnte wohl mehr Zugriffe haben, wenn sie ihre Aktuellsten Nachrichten in irgendwelche mitlaufende Ticker auf verbundenen Webseiten hineinbugsieren würde. Die Heuneburg-Website profitiert vielleicht derzeit ebenso wie die Fürstensitze-Website von der Ausstellung. Sie hat aber durch das Alter der Website und die vielen eingehenden Links eine sehr gute Basis. Zudem werden sich fortlaufend Besucher über die Museen informieren wollen. Und siehe oben die Google-Suche nach der Onlinepetition - die Heuneburg hat viele potentielle Unterstützer im Netz. Mit den Voraussetzungen im Rücken müßte doch ein Blog auf der Website mit Berichten über die aktuellen Ausgrabungen, Ausstellungen und dem aktuellen Stand der Dinge in Sachen Freilichtmuseum bei Alexa durch die Decke gehen?

Donnerstag, 29. November 2012

Gemischte Links

Gestern wurde die erste öffentliche Betaversion der Deutschen Digitalen Bibliothek gestartet. Das Ziel der Deutschen Digitalen Bibliothek beschreibt Hermann Parzinger wie folgt: „Ziel der DDB ist es, jedermann über das Internet freien Zugang zum kulturellen und wissenschaftlichen Erbe Deutschlands zu eröffnen, also zu Millionen von Büchern, Archivalien, Denkmälern, Bildern, Skulpturen, Musikstücken und anderen Tondokumenten, Filmen und Noten“.

Bezüglich unserem direkten Nutzen fiel in ersten Kommentaren das Stichwort Meta-Suchmaschine. Anders gesagt: man muß jetzt nicht mehr einzelne Quellen abklappern und dort suchen. Ich wollte beispielweise einmal alle Anbieter zusammenstellen, bei denen ich pdfs von frei zugänglichen universitären Arbeiten gefunden habe. Man kann jetzt hoffen, daß die DDB als „zentraler Anlaufpunkt“ dieses und noch viel mehr abdeckt.

Ein weiteres Zitat: „Schon bald werden Nutzerinnen und Nutzer anhand semantischer Bezüge zwischen gefundenen Objekten navigieren und dadurch auch unerwartete Inhalte und Zusammenhänge erschließen können.“ Das wäre schon super. Archäologische Ausstellungen geben ja bestenfalls den aktuellen wissenschaftlichen Stand wieder. Es gibt keine Nachträge. Bspw. würde man sich wünschen, daß zur Jungsteinzeit-Ausstellung in Karlsruhe, in der wegen der Michelsberger Kultur der Untergrombacher Michaelsberg eine zentrale Rolle spielt, auch Informationen über die Ergebnisse der in meinem Blog-Eintrag über den Untergrombacher Michaelsberg erwähnten Ausgrabung recherchierbar sind, die zeitgleich und/oder etwas später als die Ausstellung dort stattgefunden hat.

Übrigens kann man beobachten, daß es selbst dann keine Nachträge zu Ausstellungen gibt, wenn der spätere wissenschaftliche Text aus dem selben Haus kommt und ein Hinweis über die eigens eingerichtete Ausstellungswebsite einfach möglich wäre. Das scheint einfach nicht vorgesehen zu sein. Mittels der „semantischen Bezüge“ könnte die DDB vielleicht stellvertretend dieses Defizit beseitigen, in dem man dort via einem Ausstellungstitel nach Verweisen auf später entstandene freie pdfs suchen kann. Wenn so etwas funktionieren würde, dann könnte man diese Abfrage sogar auf der Ausstellungswebseite einbauen und die automatisch aktualisieren. Ich habe ein paar Ausstellungstitel ausprobiert und in der DDB nicht mal den Verweis auf den Ausstellungskatalog gefunden. Liegt das an Beta oder daran, daß zur Ausstellung kein Digitalisat vorliegt? Es wäre für die semantische Bezüge schlecht, wenn es an letzterem liegen würde. Da hätte man ja dauerhaft sehr relevante Unterbrechungen der Bezugsketten.

Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist immer noch auf dem Weg. Der Gesetzentwurf, der heute Nacht im Bundestag behandelt werden soll, ist zwar gegenüber dem seinerzeit verlinkten geändert worden, mehr Freunde hat er aber dennoch nicht gefunden, siehe hier der Beitrag in bei heise.de. Ganz überraschend kam jetzt aus der CSU-Ecke Neues zum Depublizieren: „Das 'Depublizieren' widerspricht unserem modernen Medienverständnis“ (pdf). Der Text klingt nach soviel gesundem Menschenverstand, daß eine schnelle Konsequenz so in der Art „einfach nicht mehr depublizieren“ überhaupt nicht denkbar ist. Vielleicht löscht man als Kompromiß nach langen Debatten manche Sachen erst nach 8 statt 7 Tagen. Oder abgenickte Politikerpotraits kriegen ein garantiertes ewiges Leben. Oder oder. Jedenfalls müssen die Verleger natürlich für das Weniger-Depublizieren eine Entschädigung bekommen, oder nicht? Man hats vermutlich als Politiker auch nicht leicht, wenn man tagtäglich an der Weltgestaltung mitarbeiten muß. Passend dazu wären als Heimwerkergrundausstattung für die Zeit danach vielleicht diese modern stone and flint tools ein nützliches Weihnachtsgeschenk.

Vielleicht geht die Welt aber auch schon vor Weihnachten unter. Das Stuttgarter Linden-Museum traut sich was und eröffnet trotzdem am 21. Dezember die Sonderausstellung „Maya-Code“. Eine nette Sache ist der „Maya-Hieroglyphen-Workshop“ im nächsten März. Das Startdatum der Ausstellung wird vielleicht die eine oder andere Extra-Aufmerksamkeit bringen. Aber letztlich würde ich wegen dem Nervenkitzel darauf tippen, daß eine Ausstellung vor dem 21. mehr Besucher gehabt hätte. Nach dem 21. werden die Mayas schnell wieder aus den Medien verschwinden. Aber vielleicht ist der Start am 21. auch eher „politisch“ bestimmt und soll die ängstlichen Gemüter beruhigen.

Die Mayas nutze ich gleich zur Überleitung auf den kürzlich entdeckten Blog „Vorvorvorgestern“ von Axel Weiß. Wenn auch die verlinkten Kristallschädel wahrscheinlich nicht präkolumbianisch sind, sollte man doch im Blog etwas herumzustöbern. Wer etwa Weltuntergänge mag, der mag vielleicht auch untergegangene Städte, und die findet man im Eintrag „Versunkene Städte – Lost Cities“.

Noch ein Blog, in dem Fall sogar ein ganzes Projekt, das ich bislang noch nicht verlinkt habe. Es geht um die Zeiteninsel, das „Archäologische Freilichtmuseum Marburger Land“. Fünf Zeitstationen vom Mesolithikum bis zur römische Kaiserzeit sollen sich in der zukünftigen Museumsanlage um eine zentrale Insel verteilen. Umfassende und reich bebilderte Informationen gibt es seit 2010 im Blog.

Werner Lang hat in den letzten Wochen fleißig Links in seinen News zusammengetragen. Zur Eröffnung des „Limeseums“ am 12.10.2012 im Römerpark Ruffenhofen findet sich bei ihm ein Link zu einem bislang noch nicht depublizierten Video des Bayerischen Rundfunks. In einem früheren Eintrag hatte ich schon im Limeseum-Zusammenhang über meine Limesring-Entdeckung berichtet. Die von Werner Lang verlinkte Ausgabe des „Nachrichtenblatts der Deutschen Limeskommission“ sollte man sich auch durchsehen, da gibt es u.a. einen Artikel zum Kastell Eining/Abusina. Schließlich noch die Stöberempfehlung für seinen Link auf den „Freundeskreis Römerkanal“ mit ein paar interessanten Exkursionsberichten.

Zu den alten Römern führen auch die letzten Links: In „Rekonstruiert und erprobt: Römische Feldgeschütze am Harzhorn“ bildet eine Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn den Hintergrund für eine Feldgeschützerprobung. „Wirtschaft auf Umwegen: Römische Handelsrouten dank größter archäologischer Datenbank nachvollziehbar“ berichtet von einer Seite des Mainzer Römisch-Germanisches Zentralmuseums, auf der man selbst aktiv werden und sich zu verschiedenen Routen die Transportkosten anzeigen lassen kann. Ich habe es mit Sigillaten von Rheinzabern nach Carnuntum ausprobiert und kann den Schnörkel am Beginn der Strecke überhaupt nicht nachvollziehen. Vielleicht sollte man so eine Software nur mit starker Erklärungskomponente entwerfen.

Schließlich noch eine Website, auf der es um eine Limeswanderung geht: „Zu Fuß von Aalen bis Osterburken. Abenteuer Limes: Zwanzig Freizeitrömer begeben sich auf eine Expedition jenseits des Limes und gehen bis an Ihre Grenzen. Begleiten Sie des Kaisers Tross auf seinem Weg durch das von Feinden besiedelte Land. Mehr darüber erfahren…“ auf der Website Caracallafeldzug. Die Website wird wohl nach und nach mit weiteren Informationen erweitert.

Freitag, 31. August 2012

Open Access

„Open Access (englisch für offener Zugang)“ bezeichnet nach der Wikipedia den „freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet“. „Ein wissenschaftliches Dokument unter Open-Access-Bedingungen zu publizieren gibt jedermann die Erlaubnis, dieses Dokument zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, es zu verlinken, zu drucken und damit entgeltfrei zu nutzen.“ Viele weitere Infos zu Open Access gibt es auf open-access.net. Wer tiefer einsteigen will, sollte sich zusätzlich die Diskussion eines Telepolis-Artikels bei Archivalia ansehen. Bei Archivalia gibt es über die Rubrik „Open Access“ weitere interessante Einträge.

Das Thema Open Access hat durch das Problem überteuerter wissenschaftlicher Zeitschriften eine breitere Öffentlichkeit bekommen. Ich hatte im Eintrag zu den Wissenschaftsblogs auf „Boykottiert Elsevier! Ich boykottiere Elsevier!“ von Prof. Günter M. Ziegler hingewiesen. Aktuell gab es in der taz einen Artikel zu diesem Thema. Das im Artikel angerissene Schema ist wie folgt: für die wissenschaftliche Karriere sind Publikationen in angesehenen Zeitschriften notwendig. Um die Publikation dort unterzubringen, muß ein Begutachtungsprozeß durch andere Wissenschaftler durchlaufen werden. Der Wissenschaftler erhält nach meinem Wissen normalerweise kein Honorar für die Publikation. Um die Publikation dem Wissenschaftsbetrieb zur Verfügung zu stellen, müssen die Bibliotheken die Zeitschriften kaufen.

In den Medien wurde teilweise polarisiert zwischen dem „bösen“ Verlag und den steuerfinanzierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit denen der Verlag überhohe Renditen erzielt. Es müßte aber auch „gute“ Verlage geben, die eine Dienstleistung zu fairen Preisen bieten. Außerdem sogar „selbstlose“ - ich bin mal zufällig im Netz auf Arbeiten gestoßen, die ich in den 1980ern fotokopiert habe und die mittlerweile frei zugreifbar sind - ich glaube diese Zeitschrift wurde durch einen US-Verein verlegt. Weiter ist nicht alle Wissenschaft steuerfinanziert, viele Leistungen werden sogar kostenlos erbracht. Die Studien- und Diplomarbeiten, die ich seinerzeit kannte, entstanden meist in einem Umfeld von einer oder mehreren Doktorarbeiten. Bezahlt wurde nur die Betreuerin oder der Betreuer, meist über eine Assistentenstelle, in deren Rahmen promoviert werden konnte.

Manche Zeitschriften mögen für die wissenschaftliche Reputation eine Schlüsselposition haben. Aber wie angeklungen gibt es auch andere wissenschaftliche Veröffentlichungen. Das „Geld zusammen bekommen“ für einen Tagungsband habe ich schon zu meiner Studentenzeit mitbekommen. Bei dem Modell gibt es einen Zuschuß, damit das Werk gedruckt wird, und der Tagungsband ist wie ein normales Buch im Handel erhältlich. Weitere Beispiele für dieses Zuschußmodell gibt es bei „Antike und Abendland“ unter dem Titel „Weitere Schnäppchen, ambivalent“. Für Werke in der Art der „Prinzenbildnisse antoninischer Zeit“ schätzt Prof. Dr. Uwe Walter bis zu fünfstellige Summen als Druckkostenzuschuss.

Prof. Dr. Uwe Walter glaubt, daß dieses Buch als Standardwerk „in zwanzig Jahren noch eine maßgebliche Referenz sein wird“. Für mich klingt das wie eine Drohung. In einer Computerzeitschrift gab es vor zwei Wochen einen Artikel darüber, wie man mit kostenloser 3D-Software 3D-Scans aufbereiten kann (c't 18/2012). Das Ergebnis kann man entweder per 3D-Druck ausgeben, in eine PDF-Datei einbinden und über den Adobe Reader betrachten oder drehbar in eine Website einbinden. Der Artikel baut auf einen früheren Artikel auf, in dem es darum ging, wie man günstig zu 3D-Scans kommt. Beide Artikel richten sich an 3D-Anfänger. 3D-Scans gingen nach der c't schon mit größeren Fotoserien aus Digitalkameras. Bei freistehenden Objekten in Museen mit Fotografiererlaubnis sollte das also schon funktionieren. Vermutlich wird es bei Vitrinen Schwierigkeiten geben - ich weiß es nicht, ich habe es nicht ausprobiert. Die Scans müssen wie im neueren Artikel beschrieben noch nachbearbeitet werden.

Vielleicht lässt sich die bessere neue Technologie in zweckmäßiger Weise mit Open Access verbinden. Der Wikipedia-Artikel zu Open Access erwähnt weitere Nutzungsrechte, die eingeräumt werden können „welche die freie Nach- und Weiternutzung, Vervielfältigung, Verbreitung oder auch Veränderung der Dokumente ermöglichen können.“ Vielleicht liefert ein örtliches Museum die Rohscans in Profiqualität, weil gerade ein passendes Gerät durchgereicht wurde. Oder es unterstützt nur das Erstellen der Scans in einem Open-Access-Projekt. In der örtlichen Schule werden die Rohscans vielleicht im Mathematik-Unterricht (3D, Geometrie?) überarbeitet und danach frei verwendbar zur Verfügung gestellt. Und ein Wissenschaftler illustriert später damit seine wissenschaftliche Arbeit.

Zurück zum real existierenden Open Access und schon heute frei downloadbaren wissenschaftlichen Arbeiten: im Novaesium-Blog hat Dr. Jürgen Franssen über „Frei zugängliche Ressourcen für Altertumswissenschaften“ geschrieben. Außerdem gibt es bei ihm noch einen Beitrag über „DAI und Open Access? Fehlanzeige!“.

Ich will jetzt noch einen Schlenker zur „normalen“ Buchproduktion machen. Vom Verlag Voland & Quist gibt es einen Blog-Eintrag zur Buchkalkulation: „Buchkalkulation – Was verdienen Autor und Verlag an Büchern?“. In den Kommentaren dort wird das Selfpublishing angesprochen, Interessenten sollten dazu gleich noch den Beitrag im literaturcafe.de ansehen. Würde ich für ein Buch über „Die schönsten Hügelgräber Süddeutschlands“ einen Verlag finden, dann stände etwa der Anteil für den Lektor für eine Beseitigung von Fehlern und schwer verständlichen Passagen. Vielleicht würde er mich auch im Winter rausschicken, weil Fotos von Hügelgräbern im Schnee ganz reizvoll wären. Der Verlag sorgt dafür, daß die Buchhandlungen etwas vom Buch mitbekommen und es in die Regale stellen. Selfpublishing wäre früher kaum eine Option gewesen, weil man die einzelnen Positionen in der Kalkulation kaum kostengünstig hätte ersetzen ersetzen können. Mittlerweile schon: mit einem E-Book könnte ich das Buch günstig online verkaufen, die Werbung selbst im Blog machen, und wenn es nur um das Hinkommen zu den Hügelgräbern geht, ist vielleicht der eine oder andere Rechtschreibfehler egal.

Jedenfalls ist es bei klassischer Buchproduktion und einem Verkauf über Ladengeschäfte für den Autor erstrebenswert, den Verlag in der durch die Kalkulation ausgedrückten Weise mit in das Boot zu bekommen, weil der sich dann aus eigenem Interesse für das Buch einsetzt. Umgekehrt darf der Autor keine konkurrierende Verwertung des Werks starten. Wenn da noch vertragliche Lücken hinsichtlich des Internets bestanden haben, wurden die vermutlich schon vor dem Jahr 2000 durch alle Verlage geschlossen. Über die Konstellation bei mit Zuschüssen entstandenen Zeitschriften und Büchern habe ich keine Ahnung, die Stellung gegenüber den Verlagen müßte aber besser sein. Insofern würde mich bei „DAI und Open Access? Fehlanzeige!“ nicht nur wie Dr. Jürgen Franssen wundern, daß die mittlerweile gemeinfreien Ausgaben nicht öffentlich gestellt wurden, die aktuellsten Ausgaben nach der Absichtserklärung könnten es vielleicht auch ohne zu große Probleme sein.

Abschließend noch ein paar Videos. „Archaeology is sexy“ bringt so ungefähr rüber, wie wir uns seinerzeit in der Technischen Hochschule die Zustände bei archäologischen Ausgrabungen vorgestellt haben. „Die Kelten kommen“ weist auf die am 15.9. in Stuttgart beginnende Ausstellung „Die Welt der Kelten“ hin. Echt schwäbisch sparsam das Video. Leider gibt es trotzdem mit einem Presseausweis freien Eintritt zur Ausstellung . Presseausweis reicht, man muß nichts über die Ausstellung schreiben, nicht mal einen Link zur Website twittern. So etwas ist nicht mehr zeitgemäß, schon garnicht angesichts solcher Argumentationen für ein Leistungsschutzrecht. (Nachträgliche Ergänzung: unbedingt zum Thema lesenswert sind auch die „Fünf entscheidenden Fragen zum Leistungsschutzrecht“ von Sascha Lobo). Noch zwei Videolinks: hier ein zeichnerisches Making Of des römischen Mausoleums von Bucelas und hier ein Video über die Ausrüstung eines Legionärs.

Das letzte Video wurde am Kastell Eining/Abusina aufgenommen und stammt aus einer kleinen Serie des nahe Eining gelegenen Stadtmuseums Abensberg. Dort ist noch bis zum 31. Oktober die Ausstellung „Römische Spuren“ zu sehen. Nicht weit entfernt liegt Kelheim und der Archäologiepark Altmühltal. Am Tag des offenen Denkmals 2012 kann man Eining und Abensberg mit einem kostenlosen Eintritt und Veranstaltungen im Kelheimer Archäologischen Museum kombinieren. Einen Tag früher, am 8.9.2012, mit urgeschichtlichen Funden im Felsenhäusl-Museum Essing.

Freitag, 29. Juni 2012

Leistungsschutzrecht

Im vorletzten Eintrag über den ersten Wikipedian in Residence hatte ich einen Schlenker zum Leistungsschutzrecht gemacht: „Angesichts der Diskussion um das anstehende Leistungsschutzrecht für Presseverlage habe ich ja schon die Anzahl der Links auf Online-Presseartikel deutlich gesenkt. Mal sehen, wie das mit den Pressemitteilungen von Museen, Denkmalämtern etc. wird. Darf man aus denen noch zitieren, wenn sie irgendeine Zeitung abgedruckt hat, oder sind sie dann wegen deren Abdruckleistung geschützt?“

Mittlerweile gibt es zu diesen Befürchtungen einen heftig diskutierten Gesetzentwurf: „Viel Kritik an Entwurf für Leistungsschutzrecht“ schrieb heise.de. Eigentlich sollte ich außen vor sein, weil ich nicht gewerblich blogge, aber die Nutzung zu gewerblichen Zwecken ist weit gefasst: „die mittelbar oder unmittelbar der Erzielung von Einnahmen dient sowie jede Nutzung, die in Zusammenhang mit einer Erwerbstätigkeit steht“. Also für mein Verständnis wäre ich schon mit kleinen Einnahmen durch Werbung mit dabei, und wenn ich mich durch den Blog für eine Tätigkeit als Social Media Berater meines späteren Altersheims qualifizieren wollte auch.

Der Schritt vom weiterhin erlaubten Zitat zum zahlungspflichtigen Textausschnitt ist sehr klein, folgt man der im Heise-Artikel verlinkten Analyse von Dr. Till Kreutzer. Näheres zum Zitieren und der Übernahme kleiner Textauszüge findet sich auch bei Christoph Kappes. Egal ist, aus welchen Quellen sich die Leistung speist, also ob sie auf auf kostenlosen Pressemitteilungen beruht oder mehr Eigenleistung im Spiel ist. Also beim eingangs genannte Beispiel gäbe es nun tatsächlich Fallstricke, und eine kleine Linksammlung zu aktuellen Kelten-Artikeln oder so ginge überhaupt nicht, weil da meine Eigenleistung fehlt und das kein ordentliches Zitat wäre.

Wer sich in die Diskussion zum Leistungsschutzrecht tiefer einlesen will, dem empfehle ich für einen Überblick zunächst den Beitrag von Prof. Dr. Thomas Hoeren „Was bleibt vom Urheberrecht im Zeitalter von Filesharing und Facebook?“. Ergänzend dazu ein Interview mit ihm unter dem Titel „Monopolrecht auf Worte“. Weitere Anwaltsstimmen gibt es von Udo Vetter, Tim Hoesmann, Thomas Stadler und Dr. Ralph Oliver Graef. Wikimedia Deutschland fürchtet „Wikipedia demnächst ohne Weblinks?“ und Markus Beckedahl fasst die Reaktion der Deutschen Journalisten-Union bei ver.di (DJU) auf das Leistungsschutzrecht so zusammen: „Wenn die von den Verlegern versprochenen 50% der zu verteilenden Einnahmen an UrheberTM verteilt werden, sind die Kollateralschäden alle in Ordnung.“

Es wird als Vorzug hingestellt, daß Blogger bei Erfüllung bestimmter Kriterien ebenfalls in den Genuss des Leistungsschutzrechts kommen können. Ich kenne keinen Blog, in dem dieser Genuss gewünscht wurde. Zweitens ist offensichtlich, daß auch das zu größerer Unsicherheit führen würde. Ich darf dann auch bei Bezugnahmen in der Blogosphäre über erfüllte Kriterien für das Leistungsschutzrecht und für Zitate rätseln. Eine andere Frage ist die, ob man schon bei kurzen Textausschnitten ohne Verlinkung dabei sein kann, Stichwort Sprachmonopolisierung. Ich könnte ja unwissentlich eine Textsequenz zusammenbauen, die eine Zeitung schon verwendet hat („Sensationsfund in ...“ oder so). Da will ich jetzt garnicht weiter spekulieren. Ich finde es aber sehr bemerkenswert, daß es Jahre hin zu diesem Entwurf gedauert hat und nun selbst der eher positiv zum Leistungsschutzrecht eingestellte Dr. Ralph Oliver Graef von einer notwendigen Nachjustierung spricht.

Michael Budde hat da glaube ich etwas ganz gut auf den Punkt gebracht: „Der Abmahnanwalt ist das deutsche Erfolgsmodell des Internetunternehmers“. Also zum einen scheinen sich die Presseverlage durch Eigenprodukte nicht mehr in der Lage zu sehen, ihre frühere Stellung auch in Zeiten des Internets zu erhalten. Zum anderen die - ich habe den Eindruck gewollte - Unsicherheit im Internet. Obwohl eigentlich Verzögerung, Verhinderung und Unsicherheit genau das Falsche für neue Entwicklungen ist. Wer volkswirtschaftliche Argumente mag, kann mal schnell ein paar große deutsche international bedeutende Internetfirmen aufzählen. Daß das Leistungsschutzrecht direkt über Abmahnanwälte Geld bringen soll, glaube ich aber nicht. Eher als Nebeneffekt, daß die Leute von selbst nach einer Verwertungsgesellschaft und einer Flatrate rufen, um wieder Rechtssicherheit zu bekommen. Vielleicht visiert man aber auch das kleinere Ziel an, daß konkurrierenden Modellen im Internet der Schwung genommen wird bzw. man durch bessere Rechtspositionen mit in das Boot kommen kann.

In Netzgemeinde gibt es Vorstellungen, nach denen die Presseverlage selbst durch die Auswirkungen des Leistungsschutzrechts getroffen wären und irgendwann ihren Fehler einsehen. Christian Sickendieck hat da eine schöne fiktive Geschichte mit Frank Schirrmacher und der FAZ geschrieben, an die ich überhaupt nicht glaube. Wenn so etwas mal in der Welt ist, dann ist es schwer es wieder aus der Welt zu bekommen. Es wird bestmöglichst genutzt und nicht mehr groß nach dem Schaden und dem Nutzen gefragt.

Ich denke da an das Depublizieren bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und den aktuellen Streit um die Tagesschau-App. Ich habe schon ein paarmal auf das Buch „The Long Tail“ von Chris Anderson hingewiesen („Filme, Filmchen, Videos“). Chris Anderson hat einen Beispieljugendlichen Ben beschrieben, der nur noch 2 Stunden in der Woche fern sieht, „natürlich zeitversetzt“, und sich die meiste Zeit im Internet aufhält. Zeitungen erwähnt Chris Anderson nicht einmal. Ben, der die öffentlich-rechtlichen Mediatheken sicher ganz sinnvoll gefunden hätte, diente Chris Anderson zur Veranschaulichung der sich ändernden Ansprüche. Hierzulande wäre Ben vor ein paar Jahren, als das Buch erschienen ist, vermutlich nicht als Trendscout rübergekommen, sondern man hätte ihm vielleicht noch mangelnde Medienkompetenz vorgeworfen und ihn in die Problembär-Ecke gestellt.

Dienstag, 5. Juni 2012

Erster Wikipedian in Residence in deutscher wissenschaftlicher Einrichtung

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) meldete am letzten Mittwoch unter dem Titel „Wikipedia trifft Archäologie“ den ersten Wikipedian in Residence in einer deutschen wissenschaftlichen Einrichtung. Marcus Cyron soll „in den nächsten sechs Monaten den Austausch zwischen dem DAI und der ehrenamtlichen Wikipedia-Community anregen und professionell begleiten“.

Wikipedia-bedingt kann man über ihre Autoren viel erfahren, wenn sie ihren wirklichen Namen verwenden. Da kann jeder der will selbst nachsuchen. Im Blog hatte ich Marcus Cyron schon im Eintrag zu den Wissenschaftsblogs, da ist ein nachlesenswertes Chatprotokoll („Wikipedia trifft Geschichtswissenschaft“) mit ihm verlinkt.

Es gibt durchaus Konfliktlinien mit der Wikipedia, wobei im Chatprotokoll schon einiges speziell zu den Historikern relativiert wurde: Prof. Dr. Uwe Walter hält es etwa so, daß „auch allgemeine Printlexika wie Brockhaus in der Regel nicht zitierfähig sind“ (das ist die alte Qualitätsdebatte), und Marcus Cyron kennt sogar einige Historiker, die „durchaus sehr netzaffin sind“. Aber in der Praxis sieht man im altertumswissenschaftlichen Bereich immer noch institutionelle Linklisten, in denen auffallend nicht die Wikipedia verlinkt wird, während man anderseits keine Probleme damit hat, schon tote oder ziemlich schwache Internetprojekte zu empfehlen.

Manchmal will eine Institution die Bevölkerung zu einem bestimmten Thema informieren und hält dazu deutlich weniger Informationen als ein konkurrierender Wikipedia-Artikel bereit. Noch dazu ist der Wikipedia-Artikel mit vielen weiterführenden Informationen verlinkt. Die Institution könnte einen Einstieg bereithalten und dann weiter auf die Wikipedia verlinken. Daß man es nicht tut, hat vielleicht damit zu tun, daß man sich nicht deren Inhalte zu eigen machen will. Es könnte ja ein Vandale Unfug in die Wikipedia schreiben. Es könnte auch sein, daß beim Denken immer Print im Vordergrund steht, gedruckte wissenschaftliche Publikationen, Pressearbeit, hinten fällt noch etwas für das Internet herunter. Da wäre man dann auch nicht so interessiert, wie das im Internet besser gemacht werden könnte. Oder man hat eine Art Informationstafel-Konzept: man gibt im Internet eine Grundinformation und wer mehr wissen will soll in die Bibliothek gehen. Und selbst wenn man sieht, daß andere mehr bieten, glaubt man nicht, daß das vom „normalen“ Laien da draußen verlangt wird. Ganz im Widerspruch zur Internetökonomie - ich habe ja schon in „Film, Filmchen, Videos“ mitgeteilt, daß ich Chris Andersons Buch „The Long Tail“ gelesen habe.

Wie die Websites nun auch zustande gekommen sind, für ihre Besitzer müßte diese auf ganz anderen Grundgedanken basierende DAI-Mitteilung schon ein ziemlich frischer Wind sein, wenn sie die Mitteilung zur Kenntnis nehmen würden. Früher hatte ich gedacht, Museen oder Archäologen freuen sich, wenn ich hier mal ihre Website oder Presseberichte über ihre Ausstellung oder ihre Ausgrabung verlinke und dann ein paar Leute mehr von ihrer Arbeit lesen. Heute gehe ich davon aus, daß solche Verlinkungen in der Mehrzahl nicht registriert werden. Ich glaube, das brauche ich nicht persönlich zu nehmen, das wird sogar die online gestellten Printartikel betreffen. Insofern ist auch dieses in der DAI-Mitteilung formulierte Ziel geradezu revolutionär: „Sollte die Verknüpfung von Wikipedia-Artikeln mit den entsprechenden Quellen in DAI-Systemen zur Regel werden, steigt damit die Sichtbarkeit der Leistungen des DAI und die Häufigkeit der Aufrufe seiner Inhalte im Netz.“

Angesichts der Diskussion um das anstehende Leistungsschutzrecht für Presseverlage habe ich ja schon die Anzahl der Links auf Online-Presseartikel deutlich gesenkt. Mal sehen, wie das mit den Pressemitteilungen von Museen, Denkmalämtern etc. wird. Darf man aus denen noch zitieren, wenn sie irgendeine Zeitung abgedruckt hat, oder sind sie dann wegen deren Abdruckleistung geschützt? Jedenfalls, wenn ich heute als Blogger auf einen Artikel verlinken will, und es gibt zum selben Thema auch einen Artikel in einer Online-Zeitung in Österreich oder in der Schweiz, dann würde ich den ausländischen Artikel bevorzugen.

Jetzt gibt es aber doch noch zwei Links auf inländische Pressebeiträge im Schwäbischen Tagblatt - und ich hoffe diese Beiträge bleiben noch ein wenig online gestellt. Hier der Artikel „Pernicka gibt Lizenz als Ausgräber von Troja ab“ und hier der Kommentar „Troia steckt im tiefen Tal“, beide von Raimund Weible. Sagen wir es so: ich wollte diese Nachricht über die abgegebene Lizenz sowieso im Blog unterbringen, unabhängig vom Oberthema „wie teile ich meine Erkenntnisse dem interessierten Publikum mit“. Das wirkt schon etwas wie eine Zäsur - Heinrich Schliemann und Troja - gibt es da nicht deutsche Gewohnheitsrechte? Und Prof. Ernst Pernicka kommt immer gut in den Medien rüber, ich habe sehr gern Interviews mit ihm gesehen oder gelesen, wenn ich derer habhaft wurde. Aber angesichts diesem „wie teile ich meine Erkenntnisse dem interessierten Publikum mit“, dem vom Kommentator unterstellten Desinteresse der Universität Tübingen, der Frage, ob deutschen Archäologen das Vermitteln ihrer Erkenntnisse nahegebracht wird (ich meine jetzt die ganzen Projektteams und diejenigen, die zukünftig im Team wären und das Projekt weiterführen) und ob deutsche Geldgeber sie zu einer zeitgemäßen Vermittlung anhalten würden? Könnte es vielleicht nicht sogar mit den Amerikanern besser werden? Und das Problem mit dem Leistungsschutzrecht würde auch entfallen.

Abschließend noch zwei Hinweise. Den ersten auf den Film die „Die Bernsteinstraße“, der letzten Samstag in Arte gesendet wurde. In dem Film geht die befestigte Bronzezeit-Siedlung bei Bernstorf / Kranzberg wieder in Flammen auf. Einmal in einer fiktiven Handlung - bronzezeitliche Ägypter sind auf der Suche nach dem Ursprung des Bernsteins - und einmal ein rekonstruiertes Teilstück in einem wissenschaftlichen Versuch. Den Film kann man derzeit noch ansehen, ich weiß nicht wie lange er noch verfügbar ist. 7 Tage? Und wie wird mit den Wiederholungen gerechnet, am übernächsten Mittwochmorgen gibt es noch eine?

Noch ein Sprung in die Stadtgeschichte Münchens nach meiner Obergrenze Spätantike. Stephan Gröschler hat sich der Grabung am Marienhof gewidmet. Das Gelände liegt gleich hinter dem Münchner Rathaus, auf der gegenüberliegenden Seite ist der Marienplatz. Ich hatte auf Stephans Engagement schon im Blog-Eintrag „Quizzy zeigt uns Neptun“ hingewiesen. Jetzt schreibt er dort in einem Kommentar, daß er Bilder von einer aktuellen Führung in seinem Blog eingestellt hat und daß wir auch in die Führung sollen, sie „kostet nix, dauert ca. 1,5 Std.“ und ist vielleicht nur noch dieses Jahr möglich. Also schauen wir doch mal seine Bilder von der Führung über die Grabungen am Marienhof in München an und dann nichts wie ab in die Führung!