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Sonntag, 26. März 2017

Rom-Links, Rom-MOOC, Rom in 3D

Die im „Georgensteinblick“ erwähnte Römerstraße führte in westlicher Richtung in das römerzeitliche Gauting. Von Gauting aus sind mehrere weiterführende Römerstraßen belegt. Eine davon kreuzte bei Raisting südlich des Ammersees eine römische Nord-Süd-Verbindung und führte dann in Richtung römerzeitliches Kempten und Bregenz weiter. Marcellina hat Raisting einen Ausflug gewidmet. Ihren Bericht „In Via: Raisting“ finde ich wegen dem für die Römerstraßenfotos gerade passenden Schneebelag ziemlich orginell.

Zusätzliche Infos zu den dortigen Römerstraßen gibt es vom „Arbeitskreis der Heimatforscher des Ammerseegebiets“: „Römerstraßen im Ammermoos“. Und natürlich auch im Bayerischen Denkmal-Atlas, da gibt es in der Gegend ziemlich viele Rot-Markierungen.

2015 hatte ich unter dem Titel „Rom-Links“ auf den Start einer Rom-Serie im Archaeologos-Blog hingewiesen: „archaeologos auf Reisen: Rom I – die Basics“. Im Februar startete mit „Wenn einer eine Reise tut…“ wieder eine Rom-Serie mit umfangreichen Tipps für die Reiseplanung.

Vom Häferlkaffee-Blog habe ich, glaube ich, erst in der jüngeren Vergangenheit etwas mitbekommen. Also „Roma – immer etwas Neues zu entdecken!“ vom Februar dürfte der erste Rom-Beitrag gewesen sein, den ich gesehen habe. An ältere Beiträge kommt man via dem Tag „Rom“. Das ist aber nur ein sehr kleiner Teil des sehr umfangreichen Werks, durch das man zumindest mal durchscrollen sollte. Wenn man schon dabei ist, sollte man das Durchscrollen auch noch mit dem älteren Blog „in via archaeologica“ fortsetzen.

Zum Thema Rom läuft seit vorletztem Montag ein MOOC: „Rome: a Virtual Tour of the Ancient City“: „Take a guided tour around ancient Rome with University of Reading expert, Dr Matthew Nicholls, using his detailed, historically accurate and award-winning, 3D digital model of this awe-inspiring city. Immerse yourself in the architecture and history of Ancient Rome.“ Der Kurs dauert 5 Wochen, es wird ein Aufwand von 3 Stunden pro Woche angegeben und er läuft als „FREE online course“, für den ein „Upgrade available“ ist.

Sonntag, 8. Januar 2017

Die Punktwolken des Wettergotttempels von Aleppo

Die Augmented Reality hatte ich mal 2012 im Blog. Das Thema Augmented Reality war damals wegen dem Projekt Google Glass sehr präsent. Die revolutionären Vorstellungen, die im Raum standen, konnte diese Augmented-Reality-Brille aber nie erfüllen. In der Folge ist es stiller um das Thema Augmented Reality geworden. Zwischenzeitlich rückte dafür die Virtual Reality stark in den Vordergrund. Mittels einer mit Papphalter und eigenem Smartphone gebastelten Virtual-Reality-Brille kann jeder mitmachen. Eine „höhere Intensität der Immersion“ versprechen laufend neu auf den Markt kommende VR-Headsets. Ein Foto mit einem Saal voll Leuten mit VR-Headset ging durch alle Medien. Die meisten von uns werden sich erinnern. Im letzten Jahr rutschte nun wieder die Augmented Reality mit dem Erfolg von Pokémon Go ganz in den Vordergrund. Wobei man sehen konnte, daß die Technologie Augmented Reality kaum noch thematisiert wurde. Also 3D-Scans, Virtual Reality und selbst die den meisten nicht so präsente Augmented Reality scheinen schon ziemlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Zumindest im Smartphone-nutzenden Teil.

Im Archäologie-Bereich sieht man die genannten Stichworte derzeit oft im Zusammenhang mit den aktuellen traurigen Kriegsereignissen. Kann man zerstörte Kulturgüter mittels 3D-Modellen aus vorhandenem Bildmaterial oder aus schnell gemachten 3D-Scans wieder virtuell entstehen lassen? Reichen die vorhandenen Daten als Grundlage für eine physische Rekonstruktion? Siehe etwa hier den aktuellen Artikel in der New York Times „Damaged by War, Syria’s Cultural Sites Rise Anew in France“.

Ich weiß nicht, wie weit aus der Not heraus mit aktuellen Drohnen erstellte Datenmengen mit den Ergebnissen stationärer älterer Scanner aus der Zeit vor den Kämpfen vergleichbar sind. Vielleicht sind die Datenmengen - Punktwolken im Interview - des Wettergotttempels von Aleppo wesentlich umfangreicher, aber wie Prof. Thomas Bremer sagt noch ohne Farbe. Jedenfalls toll, daß wir die Daten haben. Man möge in dem vor zweieinhalb Wochen erschienenen Artikel von Eva Götting mit eingebundenen Videos „Archäologie durch die virtuelle Brille“ unbedingt das erste Video mit dem Interview mit Prof. Dr. Thomas Bremer ansehen. Die Umgebung, in der dieser Tempel des Wettergottes eingebunden war - ziemlich viel davon dürfte jetzt zerstört sein - ist in einem Video auf der Webseite Virtual Archaeology der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zu sehen.

Der Artikel von Eva Götting informiert mit seinen Videos zwar nicht auf der Ebene der verwendeten Techniken, vermittelt aber dennoch bemerkenswert tiefgründig Probleme und Gedanken im Zusammenhang mit dem Projekt. Siehe etwa die Idee der „Virtual Reality als Publikationsformat“. Und den im Video geäußerten Gedanken, mittels der Virtual Reality eine „Varianz von Hypothesen“ darzustellen. Also nicht so im Sinne: so hat die Mauer des Tempels des Wettergottes vermutlich ausgesehen. Sondern: die Mauer könnte aus diesen Gründen so und aus jenen Gründen so ausgesehen haben. Das klingt natürlich sinnvoll für die Diskussion unter Wissenschaftlern. Für den Laien wäre das ungewöhnlicher, sollte aber im Grunde genommen auch seine Informationsbasis darstellen.

In dem Interview mit Thomas Bremer fiel mit den Annotationen ein Stichwort, das ich im letzten Eintrag in der Formulierung „allgemein lesbare Annotationen zu Multimedia-Daten wie etwa den MOOC-Videos“ verwendet hatte. Beim Durchlesen meines Eintrages hatte ich überlegt, ob ich das „allgemein lesbar“ so schreiben kann. Es war ja in der Konstellation primär für den Rechner gedacht, damit er verschiedene Medien verbandeln kann. Aber es ist wirklich mit ein paar eckigen Klammern und reservierten Wörtern und Zeichen gut für Menschen les- und schreibbar. Also stimmt das mit dem „allgemein lesbar“. Beim Wettergotttempel geht um Anmerkungen zu den Objekten/verwendeten Symbolen im Tempel.

Im verlinkten Eintrag hatte ich auch den Hinweis auf den am 16. Januar bei Coursera startenden „Archaeoastronomy“-MOOC. Der MOOC mag für neu gewonnene Wettergotttempel-Fans ganz interessant sein. Prof. Thomas Bremer erwähnt, daß die Konstellation der Sterne und die Sonnensituation für den Tempel des Wettergottes eine Rolle spielte.

Freitag, 23. November 2012

3D-Druck

Bei „3D-Druck“ holpert es bei mir immer noch etwas im Kopf, weil kein 3D-Objekt bedruckt, sondern eines hergestellt werden soll. Im ersten Video, das ich über 3D-Druck gesehen habe, wurde das Objekt mittels einfarbiger Plastikmasse aufgebaut. 3D-Aufbau trifft es aber auch nicht ausreichend. In einem Fernsehbericht wurde ein Objekt mittels Lasersintern aus einem pulverförmigen Ausgangsstoff erzeugt. Sintern wäre nach der Wikipedia ein „Zusammenbacken“. Beim Lasersintern war das Beispiel ein industrielles Bauteil. So ein Beispiel macht klar, daß auf den 3D-Druck ein gigantischer Markt wartet und deshalb mittlerweile mit allen Tricks versucht wird, brauchbare Teile herzustellen.

Vor zwei Monaten gab Hod Lipson unter dem Titel „Programmable matter: The present and future of 3D printing“ auf der Betascape 2012 einen kurzen, beeindruckenden Überblick, was heute schon möglich ist, und einen ebenso beeindruckenden Ausblick auf die kommende Entwicklung. Eetu Kuneinen hat das Vortragsvideo verlinkt und mit einleitenden Worten versehen. Hod Lipson erwähnt in seinem Vortragteil zum aktuellen Stand auch kurz archäologische Replikate. In der Wikipedia ist derzeit im Artikel zu den 3D-Druckern ein Replikat der Venus vom Hohlefels zu sehen.

3D-Druck ist mittlerweile „für jeden“ möglich. Im Open-Access-Eintrag hatte ich zwei aufeinander aufbauende Artikel in der Computerzeitschrift c't erwähnt, in denen es um das Erstellen und das Aufbereiten von 3D-Scans geht. Die Artikel richteten sich an 3D-Anfänger. Erstellt wurden die Rohscans entweder mit Hardware, die meist schon vorhanden (Digitalkamera) oder günstig erhältlich ist. Ein Video eines 3D-Scans mit Kinect ist hier unter dem Titel „3D-Scan mit ReconstructMe und Kinect“ zu sehen. Einen frei zugänglichen Artikel über das Erstellen von 3D-Modellen aus einer Serie von überlappenden Digitalfotografien gibt es in Technology Review. Im Text wird eine Anthropologin erwähnt, die auf diese Weise 3D-Modelle von frühmenschlichen Knochen erstellt hat (inkl. Videolink). Ich kann nicht beurteilen, wie mächtig die in Technology Review erwähnte Software ist, aber der Tenor im zweiten c't-Artikel ging in Richtung notwendige Aufbereitung der Roh-Scans (Löcher flicken, „ungewollt raue Oberflächen glätten“ etc.). Diese Arbeiten können mit kostenloser Software erledigt werden.

3D-Scans sind für archäologische Funde interessant, aber sie sind natürlich nicht der einzige Weg, um zu 3D-Objekten zu kommen. Man kann etwa bei Technology Review mittels Anklicken des Schlagworts „3D-Druck“ noch herumstöbern und findet „3D-Design für alle“.

Wie der zuerst genannte Technology-Review-Artikel erwähnt, kann der 3D-Druck (schon mit Stand des Artikels vom Mai 2011) mit einem einfachen 3D-Drucker zuhause erfolgen. Wegen der rasanten Entwicklung würde ich mich kaum trauen, einen 3D-Drucker zu kaufen. Als Alternative gibt es die im Artikel erwähnte Möglichkeit, 3D-Modelle „in verschiedenen Kunststoffen, Keramikverbindungen und Metall“ von einem Dienstleister herstellen zu lassen. Und für diejenigen, die ohne eigenen Drucker selbst Hand anlegen wollen, sollten die FabLabs interessant sein. Das Münchner FabLab gibt es beispielsweise nahe der U-Bahnhaltestelle Mailingerstraße in München-Neuhausen.

Freitag, 31. August 2012

Open Access

„Open Access (englisch für offener Zugang)“ bezeichnet nach der Wikipedia den „freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet“. „Ein wissenschaftliches Dokument unter Open-Access-Bedingungen zu publizieren gibt jedermann die Erlaubnis, dieses Dokument zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, es zu verlinken, zu drucken und damit entgeltfrei zu nutzen.“ Viele weitere Infos zu Open Access gibt es auf open-access.net. Wer tiefer einsteigen will, sollte sich zusätzlich die Diskussion eines Telepolis-Artikels bei Archivalia ansehen. Bei Archivalia gibt es über die Rubrik „Open Access“ weitere interessante Einträge.

Das Thema Open Access hat durch das Problem überteuerter wissenschaftlicher Zeitschriften eine breitere Öffentlichkeit bekommen. Ich hatte im Eintrag zu den Wissenschaftsblogs auf „Boykottiert Elsevier! Ich boykottiere Elsevier!“ von Prof. Günter M. Ziegler hingewiesen. Aktuell gab es in der taz einen Artikel zu diesem Thema. Das im Artikel angerissene Schema ist wie folgt: für die wissenschaftliche Karriere sind Publikationen in angesehenen Zeitschriften notwendig. Um die Publikation dort unterzubringen, muß ein Begutachtungsprozeß durch andere Wissenschaftler durchlaufen werden. Der Wissenschaftler erhält nach meinem Wissen normalerweise kein Honorar für die Publikation. Um die Publikation dem Wissenschaftsbetrieb zur Verfügung zu stellen, müssen die Bibliotheken die Zeitschriften kaufen.

In den Medien wurde teilweise polarisiert zwischen dem „bösen“ Verlag und den steuerfinanzierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit denen der Verlag überhohe Renditen erzielt. Es müßte aber auch „gute“ Verlage geben, die eine Dienstleistung zu fairen Preisen bieten. Außerdem sogar „selbstlose“ - ich bin mal zufällig im Netz auf Arbeiten gestoßen, die ich in den 1980ern fotokopiert habe und die mittlerweile frei zugreifbar sind - ich glaube diese Zeitschrift wurde durch einen US-Verein verlegt. Weiter ist nicht alle Wissenschaft steuerfinanziert, viele Leistungen werden sogar kostenlos erbracht. Die Studien- und Diplomarbeiten, die ich seinerzeit kannte, entstanden meist in einem Umfeld von einer oder mehreren Doktorarbeiten. Bezahlt wurde nur die Betreuerin oder der Betreuer, meist über eine Assistentenstelle, in deren Rahmen promoviert werden konnte.

Manche Zeitschriften mögen für die wissenschaftliche Reputation eine Schlüsselposition haben. Aber wie angeklungen gibt es auch andere wissenschaftliche Veröffentlichungen. Das „Geld zusammen bekommen“ für einen Tagungsband habe ich schon zu meiner Studentenzeit mitbekommen. Bei dem Modell gibt es einen Zuschuß, damit das Werk gedruckt wird, und der Tagungsband ist wie ein normales Buch im Handel erhältlich. Weitere Beispiele für dieses Zuschußmodell gibt es bei „Antike und Abendland“ unter dem Titel „Weitere Schnäppchen, ambivalent“. Für Werke in der Art der „Prinzenbildnisse antoninischer Zeit“ schätzt Prof. Dr. Uwe Walter bis zu fünfstellige Summen als Druckkostenzuschuss.

Prof. Dr. Uwe Walter glaubt, daß dieses Buch als Standardwerk „in zwanzig Jahren noch eine maßgebliche Referenz sein wird“. Für mich klingt das wie eine Drohung. In einer Computerzeitschrift gab es vor zwei Wochen einen Artikel darüber, wie man mit kostenloser 3D-Software 3D-Scans aufbereiten kann (c't 18/2012). Das Ergebnis kann man entweder per 3D-Druck ausgeben, in eine PDF-Datei einbinden und über den Adobe Reader betrachten oder drehbar in eine Website einbinden. Der Artikel baut auf einen früheren Artikel auf, in dem es darum ging, wie man günstig zu 3D-Scans kommt. Beide Artikel richten sich an 3D-Anfänger. 3D-Scans gingen nach der c't schon mit größeren Fotoserien aus Digitalkameras. Bei freistehenden Objekten in Museen mit Fotografiererlaubnis sollte das also schon funktionieren. Vermutlich wird es bei Vitrinen Schwierigkeiten geben - ich weiß es nicht, ich habe es nicht ausprobiert. Die Scans müssen wie im neueren Artikel beschrieben noch nachbearbeitet werden.

Vielleicht lässt sich die bessere neue Technologie in zweckmäßiger Weise mit Open Access verbinden. Der Wikipedia-Artikel zu Open Access erwähnt weitere Nutzungsrechte, die eingeräumt werden können „welche die freie Nach- und Weiternutzung, Vervielfältigung, Verbreitung oder auch Veränderung der Dokumente ermöglichen können.“ Vielleicht liefert ein örtliches Museum die Rohscans in Profiqualität, weil gerade ein passendes Gerät durchgereicht wurde. Oder es unterstützt nur das Erstellen der Scans in einem Open-Access-Projekt. In der örtlichen Schule werden die Rohscans vielleicht im Mathematik-Unterricht (3D, Geometrie?) überarbeitet und danach frei verwendbar zur Verfügung gestellt. Und ein Wissenschaftler illustriert später damit seine wissenschaftliche Arbeit.

Zurück zum real existierenden Open Access und schon heute frei downloadbaren wissenschaftlichen Arbeiten: im Novaesium-Blog hat Dr. Jürgen Franssen über „Frei zugängliche Ressourcen für Altertumswissenschaften“ geschrieben. Außerdem gibt es bei ihm noch einen Beitrag über „DAI und Open Access? Fehlanzeige!“.

Ich will jetzt noch einen Schlenker zur „normalen“ Buchproduktion machen. Vom Verlag Voland & Quist gibt es einen Blog-Eintrag zur Buchkalkulation: „Buchkalkulation – Was verdienen Autor und Verlag an Büchern?“. In den Kommentaren dort wird das Selfpublishing angesprochen, Interessenten sollten dazu gleich noch den Beitrag im literaturcafe.de ansehen. Würde ich für ein Buch über „Die schönsten Hügelgräber Süddeutschlands“ einen Verlag finden, dann stände etwa der Anteil für den Lektor für eine Beseitigung von Fehlern und schwer verständlichen Passagen. Vielleicht würde er mich auch im Winter rausschicken, weil Fotos von Hügelgräbern im Schnee ganz reizvoll wären. Der Verlag sorgt dafür, daß die Buchhandlungen etwas vom Buch mitbekommen und es in die Regale stellen. Selfpublishing wäre früher kaum eine Option gewesen, weil man die einzelnen Positionen in der Kalkulation kaum kostengünstig hätte ersetzen ersetzen können. Mittlerweile schon: mit einem E-Book könnte ich das Buch günstig online verkaufen, die Werbung selbst im Blog machen, und wenn es nur um das Hinkommen zu den Hügelgräbern geht, ist vielleicht der eine oder andere Rechtschreibfehler egal.

Jedenfalls ist es bei klassischer Buchproduktion und einem Verkauf über Ladengeschäfte für den Autor erstrebenswert, den Verlag in der durch die Kalkulation ausgedrückten Weise mit in das Boot zu bekommen, weil der sich dann aus eigenem Interesse für das Buch einsetzt. Umgekehrt darf der Autor keine konkurrierende Verwertung des Werks starten. Wenn da noch vertragliche Lücken hinsichtlich des Internets bestanden haben, wurden die vermutlich schon vor dem Jahr 2000 durch alle Verlage geschlossen. Über die Konstellation bei mit Zuschüssen entstandenen Zeitschriften und Büchern habe ich keine Ahnung, die Stellung gegenüber den Verlagen müßte aber besser sein. Insofern würde mich bei „DAI und Open Access? Fehlanzeige!“ nicht nur wie Dr. Jürgen Franssen wundern, daß die mittlerweile gemeinfreien Ausgaben nicht öffentlich gestellt wurden, die aktuellsten Ausgaben nach der Absichtserklärung könnten es vielleicht auch ohne zu große Probleme sein.

Abschließend noch ein paar Videos. „Archaeology is sexy“ bringt so ungefähr rüber, wie wir uns seinerzeit in der Technischen Hochschule die Zustände bei archäologischen Ausgrabungen vorgestellt haben. „Die Kelten kommen“ weist auf die am 15.9. in Stuttgart beginnende Ausstellung „Die Welt der Kelten“ hin. Echt schwäbisch sparsam das Video. Leider gibt es trotzdem mit einem Presseausweis freien Eintritt zur Ausstellung . Presseausweis reicht, man muß nichts über die Ausstellung schreiben, nicht mal einen Link zur Website twittern. So etwas ist nicht mehr zeitgemäß, schon garnicht angesichts solcher Argumentationen für ein Leistungsschutzrecht. (Nachträgliche Ergänzung: unbedingt zum Thema lesenswert sind auch die „Fünf entscheidenden Fragen zum Leistungsschutzrecht“ von Sascha Lobo). Noch zwei Videolinks: hier ein zeichnerisches Making Of des römischen Mausoleums von Bucelas und hier ein Video über die Ausrüstung eines Legionärs.

Das letzte Video wurde am Kastell Eining/Abusina aufgenommen und stammt aus einer kleinen Serie des nahe Eining gelegenen Stadtmuseums Abensberg. Dort ist noch bis zum 31. Oktober die Ausstellung „Römische Spuren“ zu sehen. Nicht weit entfernt liegt Kelheim und der Archäologiepark Altmühltal. Am Tag des offenen Denkmals 2012 kann man Eining und Abensberg mit einem kostenlosen Eintritt und Veranstaltungen im Kelheimer Archäologischen Museum kombinieren. Einen Tag früher, am 8.9.2012, mit urgeschichtlichen Funden im Felsenhäusl-Museum Essing.

Samstag, 19. Februar 2011

3d-Film über die Chauvet-Höhle von Werner Herzog

Heute habe ich mitbekommen, daß Werner Herzog auf der Berlinale seinen Film „Cave of Forgotten Dreams“ vorstellt. Der Film ist, das entnehme ich dem Berlinale-Blog von perlentaucher.de (den Blog-Eintrag dort ein Stück nach unten scrollen), ein für den US-History-Channel entstandener 3-D-Film über die Chauvet-Höhle. Bei Past Horizons gibt es einen Trailer. Und die zahlreichen Artikel der Zeitungs-Online-Ableger via Google News.

Ich hoffe, man muß den ganzen Film nicht die dem Trailer unterlegte Musik anhören, das halte ich nicht durch. Für mich könnte man aus solchen Filmen auch das „making of“ heraushalten. Mich würde jetzt nicht so sehr interessieren, wie schwer es gewesen ist, in der Höhle filmen zu dürfen, wann Werner Herzog zum ersten Mal eine 3d-Kamera in der Hand gehalten hat oder was er an dem Tag zum Frühstück gegessen hat.

Jedenfalls aber ein Film über die Bilder, und das finde ich schon mal gut. Die Bilder irritieren mich zutiefst. Ich stelle mir Kulturleistungen irgendwie pyramidal aufeinander aufbauend vor. Oder vielleicht bei der Malerei kegelförmig mit mir ziemlich weit unten. Wie konnte sich so eine Stufe da oben bei einer kleinen Bevölkerung ausbilden? Und wie konnten sie Typen wie mich davon fernhalten, sich in den Höhlen auch zu verewigen?

Ich hätte schon Probleme, die diversen Tiere in den richtigen Proportionen in den Kopf zu bekommen. Sicher ist man aber damit aufgewachsen immer aufzupassen, von wo man seine Fleischbrocken bekam. Und später mußte man wissen, wo man seinen Speer hinwirft. Vermutlich haben auch Farben im täglichen Leben eine Rolle gespielt, man hat sich angemalt und vielleicht auch gegenseitig mit Anblastechniken wie in der Höhle von Pech Merle bepunktet. Das war die einzige Höhle, wo ich das vor Ort gesehen habe. Immer etwas im Zweifel, ob diese Werke wirklich echt und so alt sind - ich glaube sonst wäre ich nur noch mit weichen Knien dort herumgelaufen. Aber mit so einer Kombination von Grundtechniken, die allgemein bekannt waren, ist es vielleicht wirklich erklärbar.

Noch drei Links: München hat ja schon lange seine eigene Altamira-Höhle. Ist eigentlich nur ein dunkler Raum im Deutschen Museum mit Bänken an der Wand. Da geht man rein und setzt sich hin und wartet, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, und schaut sich die Decke an. Es gibt die Sammlung Wendel, ich zitiere das verlinkte Neanderthal-Museum: „Die Sammlung Wendel ist weltweit das größte Bildarchiv zur franko-kantabrischen Höhlenkunst aus der Hand eines Fotografen.“ Schließlich noch ein Link ohne Bezug zu Höhlenbildern, aber weil er ganz aktuell ist und auch mit einer Cave zu tun hat: Skull in Underwater Cave May Be Earliest Trace of First Americans.