Freitag, 15. Mai 2020

Römerstraßen-Abstieg und Georgenstein

Die ersten Bilder zeigen die Stelle, von der aus die frühere Römerstraße südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting in das Isartal abgestiegen sein soll. Die lokalen Verhältnisse sieht man sich am besten in der Reliefansicht des BayernAtlas genauer an, ich gebe mal einen Link mit Stecknadel auf diese Stelle weiter. Man erkennt in der Reliefansicht sehr gut die durch den Geländeeinschnitt gegebene Begünstigung dieser Wegführung.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Näher zur Isar hin gibt es wie in „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“ beschrieben mehr Optionen für die Wegführung. Es geistert immer noch der Georgenstein als Brückenpfeiler durch manche Webseite. Daran glaube ich wegen der mit der Talenge verbundenen starken Strömung und den Hochwassergefahren nicht. Die nächste Option liegt etwas weiter flußabwärts zwischen Georgenstein und dem Isarwehr Baierbrunn. Die ergäbe zwar eine etwas geradere Verbindung zwischen dem West- und Ostteil der Römerstraße, würde aber hinsichtlich der Strömung und dem Hochwasser wenig gewinnen.

Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Beginn östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Mittlerweile ist die offizielle Darstellung im BayernAtlas mit der Römerstraße noch etwas weiter flußabwärts zum Isarwehr gerückt. Die Linie wird hier zwar nicht durchgezogen, aber das westliche und das östliche Ende der Römerstraße legen den Bereich des Isarwehres als Übergang nahe. Aus diesem verzögerten Übergang etwas weiter flußabwärts folgt ein Herumführen der Römerstraße um den Geländesporn mit der Römerschanze. Ich persönlich neige zu einer noch weiter flußabwärts gelegenen Variante. Also wenn es nach mir ginge, würde man die Römerstraße noch weiter um den Geländesporn herumführen. Das wichtigste Argument für mich wäre, daß sich hier die Talsohle deutlich verbreitert. Vielleicht hätte man diesen Bereich sogar die meiste Zeit des Jahres gut als Furt nutzen können. Außerdem ließen sich hier Dienstleistungsbetriebe besser unterbringen. Der Umweg ist gering und wäre für eine Nebenstrecke über Grünwald zu den römischen Siedlungen im Hachinger Tal sogar ein Vorteil.

Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting
Östlicher Römerstraßen-Abstieg zur Isar südlich von Grünwald nahe Straßlach-Dingharting

Die verschwundene „Brücke der römischen Kaiserzeit“ mit der Denkmalnummer D-1-7935-0005 wäre ebenfalls ein Argument, falls die einen realen Fundhintergrund hatte und nicht irrtümlich an der Stelle gelandet war. In Vici.org kann man sich aktuell noch die aus BayernViewer-denkmal übernommene Position flußabwärts des Isarwehrs Baierbrunn ansehen. BayernViewer-denkmal wurde 2014 vom Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst, dort wurde die Brücke erst noch angezeigt, ist aber nun seit einiger Zeit verschwunden. Vici.org orientiert sich in dem Bereich mittlerweile gut an der Streckenführung der Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas und BayernAtlas, zieht aber die Römerstraßenlinie wie von diesen Denkmalamtsdaten nahegelegt beim Isarwehr Baierbrunn durch die Isar durch. Im Eintrag zu der Brücke wird bei Vici.org festgestellt, daß die Brückenlage „wenig Sinn im Verhältnis zur Straßenlage rechts und links der Isar“ macht. Wie gesagt, bei meiner favorisierten Option hätte sie einen Sinn, da läge man mit dieser Brücke im für den Übergang interessanten Bereich.

Georgenstein
Isarwehr Baierbrunn

Mithin hätte ich mich auf meiner Tour irgendwann vom Weg hinunter an die Isar und zum Georgenstein lösen und dann zumindest versuchen müssen, auf der vorgeschlagenen Bodendenkmaltrasse zwischen Isar und Römerschanze zu bleiben. Da ich aber noch nie auf der östlichen Isarseite unten beim Georgenstein war und auch sehen wollte, wie das Ufer im weiteren Verlauf aussieht, habe ich auf Touristik umgeschaltet und bin schnurstracks zum Georgenstein weiter. Nach meiner Vorstellung lande ich erst wieder beim Fotografenstandort des vorletzten Bildes bei der Römerstraße. Für mein bisschen dadurch verloren gegangenen Text zur Strecke und die nicht gemachten Fotos kann ich aber den sehr umfangreichen Suchbericht „Sondengänger findet Zeitkapsel“ von Thorsten Straub als Ersatz anbieten. Ich hoffe, er lässt seine Website noch lange online.

Isarwehr Baierbrunn
Isarwehr Baierbrunn

Die Fotografenposition des vorletzten Bildes liegt auf der Gegenseite der Fotografenposition der ersten fünf Bilder im „Maiausflug zur verschwundenen Grünwalder Römerbrücke“. Die Fotos vom „Maiausflug“ stammten vom Maianfang 2019. Die aktuell Gezeigten von der östlichen Seite sind älter, die stammten von Ende Mai 2018. Wie schon an anderer Stelle bemerkt, sieht der westliche Uferbereich, in den der westliche Teil der Römerstraße zur Isar hin ausläuft, ziemlich neuzeitlich überarbeitet aus. Für den Bereich der genannten Fotografenposition auf dem östlichen Ufer wird das genauso zutreffen. Dort gibt es zum Wasser hin einen Schutz, dann ist einige Meter nach hinten alles auffällig gleichmäßig flach, dann kommt ein erhöht liegender Waldweg. Das sah für mich wie eine künstliche Hochwasservorbereitung aus. Ich bin via dem Waldweg in Richtung Grünwald weiter und via dem Gasteig-Geländeeinschnitt im BayernAtlas-Relief hinter der Ur-Keltin mit der Grünwalder Fibel wieder hochgekommen.

Samstag, 9. Mai 2020

Hexenhäusl-Foto-Update

Über das Hexenhäusl im Forstenrieder Park hatte ich schon vor zwei Jahren hier im Blog etwas mehr geschrieben. Aktuell geht es nur um einen Foto-Update und einen Hinweis auf eine mögliche Änderung beim Bayerischen Denkmal-Atlas.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Das länger ungenutzt gebliebene Hexenhäusl kam 2017 wegen Vandalismus in die Medien. Das 2017 durchbrochene Dach war ein Jahr später zum Zeitpunkt meiner damaligen Fotos immer noch nicht repariert, sondern nur durch eine Plane abgedeckt. 2018 begann aber schon die Renovierung.

Kleine Diskussion am Haus: Werbung brauche ich keine machen, das Hexenhäusl sei sowieso sehr gut besucht. Anderseits lesen hier ja nicht soooviele mit. Und viel Leben dort ist ja auch gut gegen erneuten Vandalismus.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Zum Thema Forstenrieder Park hatte ich zwischenzeitlich auf zwei Forstenrieder-Park-Filme im BR Fernsehen hingewiesen, die sind immer noch via den angegebenen Links zugreifbar.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Im meinem letzten Blog-Eintrag ging es um das Pullacher Fürstengrab. Zur Lokalisierung der Überbleibsel des dortigen Hügelgräberfeldes (und derjenigen in der Nähe des Hexenhäusls) ist die Reliefansicht des BayernAtlas ganz hilfreich. Ortsfremden hilft die Suche im Bayerischen Denkmal-Atlas mittels der von mir angegebenen Denkmalnummer, das Hügelgräberfeld im Süden von Pullach zu finden. Und mittels der Rotfärbung des Hügelgräberfeldes sehen Ortsfremde und Ortskundige dessen vermutete Ausdehnung.

Die Tage muß es einen Wechsel gegeben haben. Statt im gewohnten Bayerischen Denkmal-Atlas zu landen, werde ich automatisch zum BayernAtlas weitergeleitet. An und für sich ist so eine Zusammenfassung nicht schlecht, wenn man im BayernAtlas wirklich alle Funktionen des Bayerischen Denkmal-Atlas hinzuschalten kann. Mit der Anzeige der Bau- und Bodendenkmäler funktioniert das anscheinend, d.h. man kann sich die genannten Rotflächenausdehnungen auch im BayernAtlas ansehen. Darauf, wie man im BayernAtlas nach den Denkmalnummern sucht, komme ich jetzt gerade nicht.

Hexenhäusl im Forstenrieder Park

Hier ein Link auf das Hexenhäusl im BayernAtlas. Das Hexenhäusl ist kein Bau- oder Bodendenkmal. Man muß die Karte etwas vergrößern, dann sieht man mehrere rot gekennzeichnete Grabhügelfelder südlich von Forst Kasten im Westen des Hexenhäusls. Etwas darunter die Buchendorfer Keltenschanze und südlich des Hexenhäusls erstreckt sich die schon im letzten Eintrag erwähnte Römerstraße mit den neuerdings eingezeichneten begleitenden Materialentnahmegruben.

Sonntag, 12. April 2020

Karfreitags-Besuch der Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrabe

Pullach kam über die Ausgrabungen und die folgende Veröffentlichung von Julius Naue mit dem Titel „Die Hügelgräber mit dem Fürstengrabe bei Pullach (München)“ 1884 zu einem Fürstengrab.

Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Die zugesprochene Bezeichnung „Fürstengrab“ ist ein Konstrukt, das wenige Jahre vor den Ausgrabungen Naues im Umfeld von Ausgrabungen bei der Heuneburg und beim Asperg entstanden ist. Eine bedeutendere Regentschaft konnte in manchen Fällen vermutet werden. Häufig war es aber einfach nur ein herausragendes Keltengrab ohne besondere Hinweise auf eine Regierungsmacht. Im Sinne des herausragenden Keltengrabes scheint mir die Bezeichnung mittlerweile etabliert zu sein, wenn ich an die ein paar Jahre zurückliegende Ausgrabung einer „Keltenfürstin“ im Heuneburg-Umfeld denke.

Infotafel Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Wobei es dort eine größere Zahl von Großgrabhügeln gab. D.h. das Grab der „Keltenfürstin“ war sicher ein herausragendes Keltengrab, aber vermutlich seinerzeit nicht unter den anderen lokalen Gräbern so hervortretend, wie das Naue für den Pullacher Fall beschreibt. Es ist also vorstellbar, daß in Pullach wirklich ein Chef (w,m,d) begraben lag, der die Macht hatte, sich von einem Kreis untergebener Gemeinden Pferde und Steitwagen stellen zu lassen.

Die Veröffentlichung des später über seine vielen Ausgrabungen promovierten Dr. Julius Naue ist in den „Beiträgen zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns 5“ auf den Seiten 249–273 enthalten. Man kann sich diese Beiträge im Internet Archive ansehen oder sie von dort downloaden. Ich hatte das Internet Archive hier im Blog schon mehrfach verwendet, aber angesichts der aktuell vielfach anfallenden freien Zeit noch der gesonderte Hinweis: Im Internet Archive - manchmal auch einfach als „Archive.org“ bezeichnet - kann man sich ähnlich verlieren wie in der Wikipedia. Die bekannte Wayback Machine, mittels der man sich alte Stände von Webseiten ansehen kann, ist Teil des Internet Archives.

Aussichtspunkt beim Pullacher Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Über das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab hatte ich schon 2011 im ersten Teil meiner damaligen „BayernViewer-denkmal und GPS“-Serie geschrieben. BayernViewer-denkmal wurde mittlerweile durch den Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst. Inhaltlich stecken noch weitgehend die alten Informationen im neuen Denkmal-Atlas. Im vorliegenden Fall ist nur die Rotfläche des Bodendenkmals D-1-7935-0092 mit dem Grabhügelfeld größer geworden und die Kartenansicht scheint mir hinsichtlich der Lage der Grabhügel unbrauchbarer. Aber dafür gibt es jetzt die Reliefansicht des BayernAtlas. Da kann man sowohl einzelne Grabhügel als auch deren Häufung im Bereich des Fürstengrabes besser erkennen, als das seinerzeit mit der Kartenansicht möglich war.

Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Dieser Bereich der Grabhügelhäufung mit der auf den ersten beiden Bildern gezeigten Informationstafel liegt ein paar Schritte von einer vielbefahrenen Radstrecke in den Süden von München entfernt. Da wo die beiden Bänke rechts in Bild 3 zu sehen sind, geht es links in den Wald. Über den Denkmal-Atlas findet man die Stelle gut anhand der Nummer D-1-84-139-12 des im Hintergrund zu sehenden Gabriel-von-Seidl-Denkmals.

Blick auf die Grünwalder Burg und die Grünwalder Isarbrücke

Von den beiden Bänken hat man den auf Bild 5 gezeigten Blick auf die Burg Grünwald, die Isar und die Isarbrücke. Die Alpen habe ich von hier wie auch vom Burgturm auf der anderen Seite noch nie gesehen. Julius Naue damals schon, bei ihm gab es im Sommer auch viel Grün. Man lese seinen Text auf Seite 263: „Traten wir dann aus dem Walde hinaus an das hohe und steile Ufer der grünen Isar, die wie eine frische, kräftige Bergmaid, das grüne, kleine Hütchen auf dem Haupte, fröhlich daherrauscht, schauten hinweg über die hohen Wipfel kräftiger Buchen und schlanker Fichten nach dem gegenüberliegenden Schlosse Grünwald und von da über Wiesen, Felder und Wälder nach den fernen, duftig blauen Alpen, über welche sich der klare Aether emporwölbte, so umgab uns ein Bild mit unsagbarem Reize, eine Landschaft so gross, so schön und so eigenartig gestaltet, wie man sie wohl selten in der Nähe einer großen Stadt findet.“

Zu beachten wäre bei Bild 5 die etwa im Bereich der rechten Seite der Burg durchgehende Sichtachse hinüber zu dem in Grünwald weiter ansteigenden Gelände hoch zum neuen Grünwalder Gymnasium. Sowohl das Gelände des Gymnasiums als auch das ansteigende Gelände davor (Parkgarage) wurden mittlerweile archäologisch untersucht. Eine Basis, auf der die Phantasie Naues noch nicht aufbauen konnte. Ob da die Chefs hüben und drüben sich gegenseitig die Grabhügel ihrer Vorfahren präsentierten oder der Fürstengrabhügel von Pullach einen überregionalen Mittelpunkt darstellte?

Infotafel 'Verlauf der Römerstraße durch die Isarschlucht'

Die Römerstraße südlich der Grabhügel erwähnt Naue, die war ihm bekannt, auch die an die Römerstraße erinnernden Gedenksteine gab es schon. Bild 6 zeigt die Infotafel oberhalb des Hohlweg hoch aus dem Isartal, Bild 7 den Gedenkstein an der nahen Bundesstraße B11. Der ist über die Denkmalnummer D-1-84-113-6 im Bayerischen Denkmal-Atlas zu finden. Man möge sich einmal den Verlauf der von Westen auf diesen Hohlweg zulaufenden Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Auffällig ist der starke Knick fast am Ende des Forstenrieder Parks, mit dem die Römerstraße in Richtung auf den Hohlweg abbog. Aber es gibt noch weitere leichte Knicks mit folgenden geraden Strecken. Die gerade Linie im Bereich der Autobahn läuft noch direkt auf das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab zu.

Römerstraßen-Gedenkstein an der B11

Einen kleinen Knaller liefert die Reliefansicht. Man kann mit ihr sehr schön den Hohlweg erkennen. Besonders bemerkenswert sind aber die erkennbaren Materialentnahmegruben an der Römerstraßentrasse. Die Römerstraßen-Linie des Bayerische Denkmal-Atlas wurde im beschriebenen Bereich mittlerweile um rote Ausbuchtungen zu einer „Straße der römischen Kaiserzeit mit begleitenden Materialentnahmegruben (Teilstück der Trasse Augsburg-Salzburg).“ ergänzt (Denkmalnummer D-1-7934-0096).