Freitag, 25. Januar 2019

Zwei Forstenrieder-Park-Filme im BR Fernsehen

An den letzten beiden Sonntagen war im BR Fernsehen eine zweiteilige Sendung über den Forstenrieder Park zu sehen. Ich gebe die ausführlichen Titel mit unterlegtem Link wieder, dann kann man ggf. selbst mittels den Titeln suchen, wenn die Filme über den Link nicht mehr zugreifbar sind:

„Der Forstenrieder Park - Vom Winter zum Sommer“ und „Der Forstenrieder Park - Vom Sommer zum Herbst“

Wildschwein-Frischlinge beim Wildpark-Eingang Parkplatz Unterdill an der Forstenrieder Allee
Wildschwein-Frischlinge beim Wildpark-Eingang Parkplatz Unterdill an der Forstenrieder Allee

Vom Start der beiden Sendungen habe ich erst etwas via einem Zuruf aus dem Wohnzimmer mitgekriegt. Dann ein paar Tage später beim Einstellen meines letzten Eintrags via den Blog-Zugriffszahlen. Passenderweise war das Hexenhäusl das Highlight, das für Neuankömmlinge im Blog vielleicht besonders kryptisch ist. Ich hatte mit dem Verweis auf meine Anfahrtsschwierigkeiten relativ viel personalisiert, die Bemerkung mit den uralten Hügelgräber im Forstenrieder Park und mit den dazugehörigen Siedlungen war stark auf den Blog bezogen. Und einen ziemlich komprimierten Kommentar zur Medienarbeit hatte ich am Schluß auch noch drin.

Wildschwein-Frischlinge beim Wildpark-Eingang Parkplatz Unterdill an der Forstenrieder Allee
Wildschwein-Frischlinge beim Wildpark-Eingang Parkplatz Unterdill an der Forstenrieder Allee

Zum Hexenhäusl-Text die erläuternde Bemerkung, daß ich davon ausgehe, daß die noch vorhandenen Hügelgräber Siedlungen anzeigen und daß es einige solcher Grabhügelstellen im Park gibt. Man kann sich mittels dem Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen, wo sich die Hügelgräber/Grabhügelfelder im Park befinden. Interessant ist, daß die häufig aus der Bronzezeit stammenden Grabhügel bisweilen in späteren Kulturen weitergenutzt wurden. Man kann auch Kombinationen von Grabhügeln mit den viel später entstandenen eisenzeitlichen Keltenschanzen finden. Das betrifft etwa die Buchendorfer Keltenschanze, wo sich ein Grabhügelfeld in Richtung auf Forst Kasten befindet, oder die Keltenschanze Kreuzpullach auf der anderen Isarseite mit noch wesentlich näher bei der Schanze befindlichen Hügelgräbern.

Wildschwein-Frischlinge beim Wildpark-Eingang Parkplatz Unterdill an der Forstenrieder Allee
Wildschwein-Frischlinge beim Wildpark-Eingang Parkplatz Unterdill an der Forstenrieder Allee

Die später als die Keltenschanzen entstandene Römerstraße durch den Forstenrieder Park wiederum führt bei Buchendorf und auf der anderen Isarseite bei der Keltenschanze im Laufzorner Holz direkt an einer Keltenschanze vorbei. Bei Buchendorf macht sie einen einen Knick direkt an der Keltenschanze. Übrigens macht die Römerstraße auch knapp vor Ende des Forstenrieder Parks in Richtung Osten einen Knick, dessen Ursache meines Wissens bislang noch nicht erklärt wurde. Die abgeknickte Römerstraße führt dann hinunter zum Isarübergang, geradeaus käme man aber zu einem Pullacher Grabhügelfeld.

Freitag, 18. Januar 2019

In Raum und Zeit verloren gegangene Römersoldaten

2014 hatte ich hier über den „Eagle of the Ninth“ von Rosemary Sutcliff geschrieben. Den Hintergrund dieses Buches bildet die seinerzeitige Vermutung, daß die römische Legio VIIII Hispana zwischen 115 und 120 in Kämpfen in Britannien untergangen ist. Diese Vermutung lässt sich aber laut der Wikipedia heute nicht mehr hinreichend begründen.

Es gibt aber tatsächlich Fälle, in denen den Römern eine größere Zahl von Soldaten fern der Heimat mit einem weitgehend unbekanntem Schicksal abhanden gekommen ist. In der Schlacht von Edessa (Nordmesopotamien, im Südosten der Türkei) ging im Frühjahr 260 gegen die persischen Sassaniden laut Wikipedia die komplette Armee von 70000 Mann verloren. Römische Gefangene tauchten in persischen Überlieferungen beim Bau des Staudamms Band-e Kaisar in Schuschtar und der Brücke von Dezful wieder auf. Diese bekannten Schicksale verwendete Frank Stefan Becker als Hintergrund in seinem Roman „Der Abend des Adlers“.

53 v. Chr. ist es in der Nähe von Edessa für die römischen Soldaten in der Schlacht bei Carrhae gegen die Parther zu einer vergleichbaren Katastrophe gekommen. Laut der Wikipedia erhielt der römische Kaiser Augustus 30 Jahre später „die bei Carrhae verlorenen Feldzeichen sowie einige überlebende Kriegsgefangene zurück“. Der etwa 75 Jahre nach der Schlacht geborene Plinius der Ältere berichtete laut der Wikipedia, daß 10.000 römische Kriegsgefangene nach der Schlacht bei Carrhae von den Parthern nach Margiana (Merw, im heutigen Turkmenistan) gebracht wurden und dort beim Bau der Stadtmauer Fronarbeit leisteten.

Das kann man im Abschnitt „Hypothetischer Kontakt zu Lande“ des Wikipedia-Artikels über die „Römisch-chinesischen Beziehungen“ nachlesen, weil es einen dazu passend interpretierten chinesischen Bericht von der Schlacht von Zizhi (36 v. Chr. bei Taras, Kasachstan) gibt, in dem eine Gruppe von mehr als einhundert Fußsoldaten erwähnt wird, die in einer „Fischschuppen-Formation“ kämpften. Nach einer auf Basis der Kampfformation und des Namens der späteren Ansiedlung der Gefangenen aufgestellten Hypothese des „britisch-amerikanischen Sinologen Homer Hasenpflug Dubs von 1941“ kämpften in dieser Schlacht nämlich einige über Margiana nach Zhizhi gelangte römische Überlebende der Schlacht von Carrhae und wurden nach der Schlacht von Zhizhi in das „chinesische Dorf Liqian im heutigen Yongchang umgesiedelt.“ Diese Hypothese wird aber heute „aufgrund von kritischen Bewertungen historischer Quellen und DNA-Analysen der Dorfbewohner abgelehnt“.

Von Matthew Bossons gab es nun aktuell eine Coverstory in den Zeitschriften „That’s Beijing“, „That’s Shanghai“ und „That’s PRD“ unter dem Titel „Lost in Time: The Vanished Roman Legion of Ancient China“. Er berichtet darin von einem Besuch im Ansiedlungsgebiet. Nichts Neues hinsichtlich der alten Römer, für diese Geschichte gibt es keine zusätzlichen Belege. Aber der Artikel beschreibt, wie man versucht, interessierten Touristen trotzdem etwas zu bieten. Den Titel der Coverstory mag man unter demselben Vorzeichen sehen - es ist ja ausdrücklich von einer relativ kleinen Anzahl von Soldaten in dieser Kampfformation die Rede, nicht von einer Legion. Ulrike Hecker, über die ich die freie Zugreifbarkeit des Artikels mitbekommen habe, scheint trotzdem sehr interessiert, also werden wir vielleicht auch mal in ihrem Bambooblog einen Besuchsbericht finden.

Die herumschwirrenden westlichen Gene, die man bislang der Seidenstraße zuspricht, lassen ja vielleicht noch eine große Hintertür offen. Wobei man nicht auf römische Soldaten beschränkt wäre. Seit ein paar Jahren gibt es die konkurrierende Hypothese, daß es sich um keine römische, sondern um eine griechische Kampfformation gehandelt habe: „Descendants of Alexander the Great's army fought in ancient China, historian finds“. Und „Li-chien“ könne nach diesem Artikel nicht nur „Rome“ oder „Roman“, sondern ebenso „Alexandria“ oder andere Regionen des nichtchinesischen Westens bezeichnen.

Sonntag, 18. November 2018

Besuch am Grab von Siegbert Tarrasch

2009 hatte ich in „Spätantike Links“ auf „Juden im antiken Augsburg“ im Blog des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg verwiesen.

Es geht in dem Beitrag um eine weitgehende christliche Vereinnahmung von Fundstücken mit biblischen Bezug. Daß nur ein kleiner Teil der Symbole dem Judentum überlassen bleibt, und daß solche von Christen nicht beanspruchten jüdische Symbole auf Gegenständen in Augsburg gefunden wurden. Ich kann konkret zur behaupteten Vereinnahmung nichts sagen, mich interessierte und interessiert die Kontinuität der jüdischen Bevölkerung von der Antike bis in das Mittelalter. Mein Kommentar vom 26.8.2009 zeigt die mögliche Problematik durch falsch zugeordnete Fundstücke. Es geht im Kommentar um ein in Trier gefundenes „Oberteil einer Lampe mit Darstellung einer Menora“ die sich „in der Nähe des mittelalterlichen Judenviertels von Trier“ fand. „Es erhebt sich die Frage, ob die Nachbarschaft der Fundstelle zum jüdischen Quartier des Mittelalters zufällig ist“. Solche Fragestellungen dürften umso schlechter zu beantworten sein, je weniger Fundstücke zugeordnet werden können.

Beim Vereinnahmen und Ausschließen gibt es eine ziemliche Variationsbreite. Ich will an der Stelle nur noch auf den in meinem Text über das Buch „Der Fall Hypatia“ von Peter O. Chotjewitz geäußerten Gedanken hinweisen, daß man das Abfackeln des Serapis-Tempels und das Umbringen der Hypatia als Umsetzung / Demonstration der neuen Machtverhältnisse sehen kann. Und noch etwas über einen Streit um die Denkmalwürdigkeit im 19ten Jahrhundert hinzufügen, über den ich mal vor ewig gelesen habe. Da ging es darum, daß bislang im wesentlichen nur Adelige mit Denkmälern gewürdigt wurden und sich Bürgerliche nun ebenfalls so verewigt sehen wollten. Die meisten Leute betrifft das nicht und die nehmen so etwas vermutlich nicht wahr. Anderseits stößt man immer wieder auf solche Strukturen, die mit überraschend großer Vehemenz verteidigt werden.

Grab von Siegbert Tarrasch

Der Serapis-Tempel wurde laut Wikipedia 391 n. Chr. zerstört. Hypatia sieht die Wikipedia schon als Angehörige einer bedrängten paganen Minderheit und legt sich bei ihrem Tod auf den März 415 oder März 416 fest. Die Vandalen eroberten 439 Karthago und konnten schon spätestens ab 455 damit beginnen ihr Augenmerk auf die Auseinandersetzung mit der konkurrierenden christlichen Glaubensrichtung in ihrem Herrschaftsbereich zu legen. Soweit ich mich an die Karlsruher Ausstellung „Das Königreich der Vandalen“ erinnere, hatten sie aber die örtlichen Juden toleriert. Es scheint so, als ob eine Gesellschaft, in der es nicht lange zuvor eine Mehrheit an Nichtchristen und Nichtjuden und eine Minderheit an Juden gegeben hat, irgendwie recht schnell in eine Gesellschaft mit einer christlichen Mehrheit und einer jüdischen Minderheit transformiert wurde.

Die schnelle Transformation in eine jüdisch-christliche Bevölkerung läßt an eine von oben gesteuerte massive Verfolgung und „Bekehrung“ der Andersgläubigen denken, von der die Juden nicht in dem Maße betroffen gewesen sind. Wie hat man sich das vorzustellen? Wie wurden die Abhängigen zugeschlagen? Gab es personelle Zugewinne nur bei den Christen oder auch bei den Juden? Etwas später, im frühen Mittelalter, soll man nicht nur im Mittelmeergebiet, sondern auch bei den Franken auf teilweise erhaltene Strukturen aus der Römerzeit aufgesetzen gekonnt haben. Zumindest in den linksrheinischen Städten wären kontinuierliche Bevölkerungsgruppen so zwar denkbar, aber bei zeitweise möglichen kleinen und kleinsten Einwohnerzahlen der Städte nicht zwingend, da ist auch ein zeitweises Verschwinden und eine spätere Neuansiedlung denkbar.

Grab von Siegbert Tarrasch

In den Jahren seither bin ich bei diesem Thema nicht weitergekommen, wollte es aber mal wieder bei passender Gelegenheit erwähnen und meine Meinung wiedergeben. Ich habe jetzt ein Zusammentreffen von einem Besuch am Grab von Siegbert Tarrasch, Schach-Bundesliga und Schach WM zur passenden Gelegenheit auserkoren - vielleicht können einige Leser, die sich auch mal für Schach interessierten, dem etwas abgewinnen. Der jüdische Bezug wird vielen davon bekannt sein - viele der frühen großen Meister hatten jüdische Vorfahren - ich nenne jetzt mal Wilhelm Steinitz, Emanuel Lasker, Siegbert Tarrasch und Aaron Nimzowitsch. Siegbert Tarrasch hat eine besondere Bedeutung, weil viele - ich auch - mit seinem Schachlehrbuch das Schachspiel gelernt haben. Mir wurde es wegen meinem Schachinteresse in der frühen Jugend geschenkt. Die Auswahl fand ich im Nachhinein ganz glücklich, ich habe später einige schlechte und langweilige Anfängerlehrbücher gesehen, die Jahrzehnte später geschrieben wurden.

Erst diesen Sommer habe ich mitbekommen, daß Tarrasch auf dem Münchner Nordfriedhof begraben wurde. Das Grab ist dort sehr einfach mittels downloadbarem Lageplan und den Nummern an den Feldecken auf dem Feld 128 zu finden. Laut einem Forumsbeitrag wurde auf Initiative des Schachklubs Tarrasch-1945 München etwa im Jahr 1996 an dem alten Grab wieder ein Grabstein errichtet, bei dessen Enthüllung der Münchner Schachgroßmeister Wolfgang Unzicker „ein begeisterndes Referat über Leben und Schacherfolge des "praeceptor Germaniae"“ hielt. Für das Grab wird offensichtlich weiter gesorgt. Die Grablaterne habe ich für die Fotos kurzzeitig vom Stein genommen und dann wieder hingestellt. Die christliche Symbolik erklärt sich durch den Wechsel von Tarrasch zur evangelisch-lutherischen Konfession.

Grab von Siegbert Tarrasch

Später kam zum Wissen über das Grab auch noch hinzu, daß die derzeit einzige Münchner Schachbundesligamanschaft ihre Heimspiele nahe dem Nordfriedhof in der BayernLB Sportarena bestreitet. Letztes Wochenende fanden dann welche bei bestem Radlwetter statt. Da mußte ich bei schöner Herbstfärbung die Isar entlang und durch den Englischen Garten hin. Interessenten würde ich empfehlen, sich auch so einen Bundesliga-Termin vor Ort anzusehen. Wenn auch nicht viele andere Zuschauer da sein werden und man die Partien letztlich wesentlich besser im Liveportal der Schachbundesliga mitverfolgen kann. Im Liveportal klickt man sich die Partie heraus, die einen interessiert, und kann deren Verlauf am Bildschirm verfolgen und bekommt dazu fortlaufend Computer-Berechnungen der Hauptvarianten angezeigt.

Derzeit läuft die Schach WM zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana. Die Partien kann man wie eben beschrieben bei verschiedenen Anbietern mitverfolgen. Wenn gerade eine Partie läuft, lasse ich wenn möglich so ein Angebot im Hintergrund mitlaufen und schaue ab und zu rein (aktuell nehme ich das kostenlose Angebot von chess24). Ist die Partie vorbei, schaue ich mir die Analysen von Großmeister Huschenbeth an. Die findet man auf Youtube mit den Suchworten „Caruana Carlsen Partie Großmeister Analyse“.