Donnerstag, 30. Juni 2011

Der Michaelsberg bei Bruchsal-Untergrombach

Ein paar Bilder vom Michaelsberg bei Bruchsal-Untergrombach. Er wurde in seiner umgangssprachlichen Form „Michelsberg“ namensgebend für die Michelsberger Kultur, die im Zentrum der Mitte Mai zu Ende gegangenen Jungsteinzeitausstellung in Karlsruhe gestanden hat.

Jungsteinzeit auf dem Michaelsberg bei Bruchsal-Untergrombach

Die Karlsruher Ausstellung wurde stark mit Funden aus jungsteinzeitlichen Feuchtboden- bzw. Pfahlbausiedlungen bestückt. Diese Siedlungen gehören zwar nicht zur Michelberger Kultur, die Erhaltungsbedingungen in den Feuchtböden ergeben aber ein wesentlich größeres Fundspektrum als auf normalen Böden. Und weil diese Siedlungen teilweise in Zeitgenossenschaft zu anderen jungsteinzeitlichen Kulturen entstanden sind, kann man aus den Funden auch auf das Leben in den anderen Kulturen rückschließen.

Blick nach Südwesten in das Rheintal

In dem Zusammenhang hatte ich in meinem Ausstellungs-Bericht auch auf meinen Blog-Eintrag zur Roseninsel im Starnberger See hingewiesen. Dort gab es wiederum den Hinweis auf die Bemühungen, die Pfahlbausiedlungen auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes zu bekommen. Diese Bemühungen waren erfolgreich, seit letztem Montag sind u.a. die Siedlungreste vor der Roseninsel auf der Welterbe-Liste. Merkur-Online berichtete darüber mit einem Luftbild, auf dem sogar Bodenunterschiede im Flachwasser vor der Insel zu erkennen sind. Nur sollen sich die Reste der Pfahlbauten östlich vor dem Lindenrondell in der nordöstlichen Ecke der Insel befinden, wenn wir das richtig mitbekommen haben, und dort ist das Bild abgeschnitten.

Jungsteinzeit-Infotafel auf dem Michaelsberg

Zum Badischen Landesmuseum Karlsruhe, in dem die Jungsteinzeitausstellung stattgefunden hat, noch der Hinweis auf seinen Jugendclub. Man darf einem Restaurator über die Schulter schauen, hat freien Eintritt zu Ausstellungen und es gibt einmal im Jahr eine gemeinsame Exkursion. Ist doch ein gutes Angebot?

Mit Schülern der Klasse 3a und 3b der Joß-Fritz-Schule Untergrombach nachgebauter jungsteinzeitlicher Kuppelbackofen

Nun zurück zum Michaelsberg. Vergleicht man das Gelände mit einer Kuppel, dann steigt es gegen die Spitze hin nur noch wenig, während das Gelände zum Rheintal und Untergrombach im Westen hin und in das Tal im Süden stärker abfällt. Nach der Infotafel müßte sich das Erdwerk an diesen Steigungsverhältnissen um die Geländekuppel orientiert und den schwach steigenden Bereich umfasst haben, der neben dem höher liegenden Gelände rechts vom ersten Bild auch ein Stück über die links zu sehende Straße hinaus gereicht hat.

Infotafel zum Kuppelbackofen

Die Kapelle des Heiligen Michael, nach welcher der Michaelsberg benannt ist, steht nicht oben auf der Kuppe, sondern im ersten Bild ein Stück weiter vorne, wo das Gelände dann stärker nach Untergrombach und in das Rheintal abfällt und die Kapelle besser sichtbar und zu Fuß erreichbar ist. Per Auto kommt man zur Kapelle aus Untergrombach in einer großen Schleife hoch, die etwa im Bereich des Bildes ihren höchsten Punkt hat, die Kuppel und das Erdwerksgelände also nur schneidet, und zur Kapelle und Gastätte wieder ein kleines Stück abfällt. Links im ersten Bild bei den Bäumen ist schon ein Parkplatz, direkt daneben folgt dann noch ein weiterer, der für die Gäste des Lokals reserviert ist.

Jungsteinzeitlicher Garten?

Im Gelände da oben ist teilweise kleinräumig unterschiedlich bepflanzt und unterschiedlich zugänglich. Ich konnte nicht lange oben bleiben und einen der angebotenen Rundwege ausprobieren - der „kleine Rundweg“, der um die Kuppe herumführt wäre sicher ganz interessant. Ich vermute aber, daß sich die Rundwege nicht mehr groß auf das Erdwerk beziehen, und daß sich da oben die Jungsteinzeit vor allem auf diesem Grundstück abspielt. Das besticht durch seine gute Erreichbarkeit. (Nachtrag am 16.11.2012: aktuellere Informationen zu diesem Grundstück gibt es in einem neueren Eintrag zum Untergrombacher Michaelsberg.)

Straßenende hoch zum Michaelsberg

Archäologisch gesehen hat sich der Michaelsberg zwar das Interesse erhalten, es gab und gibt wohl noch Ausgrabungen und auch in jüngerer Vergangenheit die erwähnten geomagnetische Messungen, aber der Berg soll keine besondere Rolle in der Jungsteinzeit gespielt haben. Er war weder Zentrum noch Ausgangspunkt der Michelsberger Kultur, der Platz ist nach dem Begleitband zur Jungsteinzeitausstellung auch nicht besonders früh anzusetzen, sondern wurde erst in der entwickelten bis späten Michelsberger Kultur besiedelt.

Infotafel zu den Wanderwegen auf und um den Michaelsberg

Ausschlaggebend für die Benennung der Michelsberger Kultur soll letztlich die frühe Ausgrabung gewesen sein. 1884 von Karl August von Cohausen bei einem „Spaziergang an der Michelskapelle bei Grombach“ gemachte Scherbenfunde, die er an Dr. Ernst Wagner schickte, seinerzeit „Großherzoglicher Conservator“ der „Alterthümer und der mit ihnen vereinigten Sammlungen in Baden“, dem heutigen Badischen Landesmuseum, führten schon 1888 zu Ausgrabungen durch den Karlsruher Altertumsverein auf dem Michaelsberg.

Michaelskapelle bei Untergrombach

Neben dem Erdwerk auf dem Michaelsberg sind im Raum Bruchsal drei weitere Erdwerke bekannt. Ich entnehme wieder dem Begleitband zur Karlsruher Ausstellung: auf dem Lössrücken „Altenberg“ im Bruchsaler Ortsteil Heidelsheim ein Überbleibsel eines Michelsberger Erdwerks mit Funden vieler Menschenknochen, Tierknochen und Keramikscherben. Das Erdwerk „Scheelkopf“ am Bruchsaler „Auberg“ mit Keramikfunden aus der Spätphase der Michelsberger Kultur. 75% der Knochen sind von Wildtieren und 25% von Haustieren. Vielleicht ein Zeichen von Klimaverschlechterung, Missernten, Rückgang der Haustierhaltung. Das Erdwerk von Bruchsal „Aue“, wo man auf 640 m Länge jungsteinzeitlichen Graben ausgraben und eine ungeheure Menge an Funden gewinnen konnte.

Panoramablick vom Michaelsberg bei Bruchsal-Untergrombach

Ob die vier Erdwerke im Raum Bruchsal abwechselnd nacheinander genutzt wurden oder ob verschiedene Gruppen nebeneinander Erdwerke bauten ist nach Stand des Begleitbuchs zur Ausstellung unklar, das versucht ein derzeit laufendes Projekt zu klären.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Rätselhafte Täfelchen in Manching

Heute soll es ja überall regnen. Wer nicht raus will, hat vielleicht Zeit für den längeren Beitrag im Kulturkanal von Radio IN über die aktuelle Sonderausstellung „Aenigma - der rätselhafte Code der Bronzezeit. 'Brotlaibidole' als Medium europäischer Kommunikation vor mehr als 3500 Jahren.“ im Kelten-Römer-Museum Manching.

Die Ausstellung soll noch bis zum 13.11.2011 dauern. Während dieser Zeit wird laut Museumswebsite ein paarmal im Familien- und Schulprogramm „Aenigma - Knack den Code!" gezeigt, „wie man Zuhause im Garten mit einfachen Mitteln Keramik brennen kann“. Wie Dr. Rainer Schreg in seinem Archaeologik-Blog schreibt, stellen neuzeitliche Replikate von Feuersteinwerkzeugen mittlerweile ein echtes Problem dar. Ich hoffe, die Experten können die neuzeitlichen Täfelchen locker von den bronzezeitlichen unterscheiden.

Zum Buchbestellen für heute ist es etwas zu spät, aber im Zusammenhang mit dem früheren keltischen Oppidum Manching, auf dessen Gelände sich das heutige Kelten-Römer-Museum befindet, muß ich hier gleich noch Simon Kahnerts Buchvorstellung von „Keltenstädte aus der Luft“ erwähnen.

DVDs ausleihen ginge für manchen heute noch, Fernsehen sowieso. Auf die Fernsehtipps von Archäologie-Online hatte ich im Blog schon hingewiesen. Zum aktuellen Programm gibt es einen Kommentar von ungewohnter Seite, nämlich von Prof. Uwe Walter in seinem Antike-und-Abendland-Blog. Und um auf die DVDs zurückzukommen: Filmkritiken fanden sich bei Uwe Walter auch schon, unter den letzten Blogeinträgen mit „Centurion“ und „Ben Hur“ gleich zwei.

Schließlich noch ein Hinweis auf den Führungswechsel in der Münchner Glyptothek und den Antikensammlungen. Florian S. Knauß löst Raimund Wünsche als Direktor ab. Im Interview mit Simone Dattenberger spricht Florian S. Knauß über seine Aufgaben und Ziele: „Er erklärt, wer Zeus und Hera sind“.

Samstag, 18. Juni 2011

Selinunt, dritter Teil

Im dritten Teil will ich die Selinunt-Serie mit ein paar Fotos auslaufen lassen, die wir bei einem Gebäude in der Nähe der östlichen Tempel gemacht haben. Auf der im zweiten Teil Selinunt erwähnten Karte ist das Gebäude als Antiquarium eingezeichnet, vielleicht wird es für die Verwaltung oder als Anlaufpunkt für die dort tätigen Archäologen genutzt. Ob die Teile mit so gut erhaltener Farbe wirklich echt antik sind, mag ich kaum glauben. Vielleicht von dem zu der Zeit eingerüsteten Tempel C? Vielleicht gibt es auch eine ganz einfache andere Erklärung.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Unser Tag in Selinunt war einer der wärmeren Tage während unserer zwei Wochen in Sizilien. Wir hatten es locker angehen lassen und nach etwa eineinhalb Stunden Anfahrt schon nahe dem Eingang auf den Steinen des Tempels G ein kleines Picknick gemacht. Angesichts des großen Angebots auf der Akropolis sind wir nicht weiter bis zum Demeter-Malophoros-Heiligtum. Welche Prominenz wir ausließen, haben wir erst hinterher gelesen. Am Abend sind wir nicht mehr zum Steinbruch, sondern gleich heim und haben dort noch schnell etwas gekocht.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Das alles hatte auch mit unserer Vorbereitung per deutschem Reiseführer zu tun. Per Internet hätten wir gewußt, wo man gut zum Steinbruch abzweigt und vielleicht Empfehlungen für gute, im April offene Restaurants vor Ort gehabt. Gelitten haben wir nicht darunter, weil es so wie es gelaufen ist auch immer schön war. Außerdem sind wir in dem Bewußtsein dort gewesen, irgendwann wieder kommen zu können.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Aber um den Internet-Faden doch weiter zu spinnen: schon in München alle möglichen Ziele vorzubereiten hatte ich keine Lust. Kurzzeitig hatte ich damals den Gedanken an ein Netbook mit Internetanbindung verfolgt, 2009 war das bei den Mobilfunkanbietern ein größeres Thema. So eine Kombination für Sizilien aber schnell wegen den Auslandstarifen sein gelassen. Mittlerweile ist wohl ein Smartphone eine ganz praktikable Lösung, vielleicht mit einer zeitweiligen SIM-Karte von einem italienischen Anbieter und indem man auf der Tour verwendbare WLANs aufstöbert.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Letzten Samstag waren wir essen und am Nebentisch saß allein ein junger Mann, der bei einem Getränk pausenlos telefonierte - und auf der Speisekarte war ein Verweis auf das kostenlose WLAN im Hause. In dem Sinne wäre es ja ideal, wenn im Archäologischen Park von Selinunt so ein WLAN angeboten würde. Man könnte die Website des Archäologischen Parks ansehen, während man auf dem Gelände herumläuft. Man könnte vielleicht sogar im Netz gespeicherte Fernsehfilme über das alte Selinunt ansehen, etwa den hier vom ZDF, sofern so ein Film nicht zwischenzeitlich depubliziert wurde.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Bei den klassischen Informationsmitteln (Infotafeln) ist der Park nicht so üppig ausgestattet. Was wohl nahe liegt wegen dem Aufwand für die Mehrsprachigkeit und dem vielen, was man ausschildern müßte. Das Tanit-Mosaik im letzten Blog-Eintrag haben wir wahrscheinlich nur deshalb entdeckt, weil wir kurzzeitig an eine Reisegruppe herangeschlendert sind.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Die hatten ein ziemlich herbes Tempo. Ich vermute, die Gruppe war nicht einmal halb so lange im Archäologischen Park wie wir, haben aber das Demeter-Malophoros-Heiligtum sicher geschafft. Das Für und Wider der Reisegruppen will ich jetzt nicht diskutieren. Wenn ich allein wäre und zum ersten Mal Sizilien besuchen wollte, dann wäre eine Reisegruppe wahrscheinlich sogar meine erste Wahl.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Die Archäologische Staatssammlung will Sizilien-Reisen im Frühjahr 2012 anbieten. Detaillierte Reiseinformationen sollen im Laufe des Sommers vorliegen, ist im letzten Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte zu lesen. Vielleicht lassen sich mit diesem Angebot die Vorteile von Reisegruppen maximieren, wenn das Reiseangebot wirklich nahe an der Archäologischen Staatssammlung gebaut wird, also die Reiseführer den aktuellen wissenschaftlichen Stand intus haben und man vielleicht zusätzlich noch aus dem Kreise des Vereins Reisepartner mit starkem archäologischen Hintergrund bekommt.

Vielleicht Teile von Tempel C von der Akropolis Selinunt

Abschließend für die Hotel-Selbstbucher: das ginge direkt beim Archäologischen Park in Marinella di Selinunte. Der Sandstrand von Marinella ist nicht so gigantisch wie der von Herakleia Minoa. Aber so leer wie der Strand von Herakleia Minoa im April war, sind vielleicht die dortigen Ferienhäusern nachts kaum belegt, und das ist auch nicht jedermanns Sache.