Donnerstag, 29. April 2010

Die Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld

Hat am letzten Samstag wirklich zum ersten Mal in diesem Jahr Wetter und Wochenende zusammengepasst? Alle Fahrradbesitzer schienen draußen mit uns herumzuradeln. Wir haben uns als Ziel die Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld östlich des Ortsteils von Oberhaching Deisenhofen ausgesucht.

Keltenschanze/Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

Vom Viereck der Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld sind noch zwei beachtliche Seiten zu sehen. Die zwei anderen Seiten sind bis auf Reste eingeebnet, die als Stummel an einer der übriggebliebenen Seiten hängen. Eine schöne Keltenschanze, sie wirkt gut gepflegt, ist gut zugänglich und hat sogar ein romantisches Sitzbänkchen auf einem der Wälle.


Größere Kartenansicht

Sie ist auf den ersten Blick unspektakulär. Über die Besonderheit gibt erst die Informationstafel Auskunft: diese Anlage hatte ein „Vorwerk“ mit 500 m Seitenlänge. Das erklärt die Erhebung, über die wir auf dem Weg vom Waldrand her geradelt sind.

Keltenschanze/Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

In der Zeichnung auf der Infotafel sind benachbarte Keltenschanzen zu sehen. Die nächstliegenden ebenfalls mit Vorwerk und den zusätzlichen Besonderheiten, daß durch das Vorwerk die ehemalige Römerstraße geht und sich dort eine Doppelschanze befindet.

Keltenschanze/Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

Diese Schanzen befinden sich noch oberhalb des Gleißentals. Die von Salzburg kommende Römerstraße führte dort das Gleißental hinunter und dann gleich wieder durch einen heute noch sichtbaren Hohlweg hinauf, an der Keltenschanze im Laufzorner Holz vorbei und dann weiter nach Westen, um bei der Römerschanze bei Grünwald die Isar zu überqueren und vor Gauting noch einen Schlenker zur Keltenschanze bei Buchendorf zu machen.

Keltenschanze/Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

Ein Foto des Hohlwegs ist bei meinem Bericht von der Ausstellung „Karfunkelstein und Seide“ eingestellt. Der Fundort der Gräber in Unterhaching, die dieser Ausstellung zugrunde liegen, ist nach Google-Maps etwa 6 km in nördlicher Richtung von der Keltenschanze / Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld entfernt.

Keltenschanze/Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

Südlich von der Schanze verlief die römische Ost-West-Verbindung, westlich die Nord-Süd-Verbindung durch das Hachinger Tal. Man kann also davon ausgehen, daß die Schanzen noch lange nachdem sie gebaut wurden für die Anwohner und die Reisenden ein gewohnter Anblick gewesen sind.

Keltenschanze/Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

Wie schon bei der Keltenschanze Buchendorf angemerkt, ist die auf der Tafel beschriebene Interpretation als keltischer Kultbezirk obsolet. Näheres dazu in meinem Eintrag zur Keltenschanze Holzhausen.

Keltenschanze/Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

Wer sich nach weiteren Bodendenkmalen in der Gegend umsehen will, dem empfehle ich den Bayerischer Denkmal-Atlas. Mit dem „Mehr“ neben dem Suchfeld auf die Denkmalnummer umschalten und im Suchfeld D-1-7935-0042 eingeben. Man landet dann auf der Rotfläche einer „Viereckschanze (Mehrfachschanze) der späten Latènezeit.“ und kann sich anhand der umliegenden Rotflächen über weitere Denkmale orientieren.

Dienstag, 27. April 2010

Erdstall-Ausstellung in Glentleiten

Erdställe sind nicht so mein Fall. Ich zweifle, ob ich mich durchzwängen könnte. Erdstall-Forscher müssen sich über jeden Fund freuen, und ich hätte Angst davor, was ich dort finden würde. Man weiß auch wenig über den Zweck der Erdställe. Schließlich passen Erdställe zeitlich nicht in meinen Blog.

Daß ich jetzt trotzdem auf die am vorletzten Wochenende gestartete und noch bis zum 11. November 2010 dauernde Sonderausstellung „Erdställe – rätselhafte unterirdische Anlagen“ im Freilichtmuseum Glentleiten hinweise, hat zwei Gründe: erstens zieht es die Münchner an schönen Wochenenden massenweise über die Autobahnen in Richtung Süden, und Glentleiten liegt bequem direkt neben der Garmischer Autobahn.

Zweitens könnten Erdställe für manchen aus dem Großraum München interessant sein, weil es die eigene Vergangenheit betrifft. Erdställe gibt es nicht nur im Südosten von München - in der Presseerklärung zur Sonderaustellung nennt Iris Roidl Beispiele aus den Landkreisen Miesbach und Ebersberg. Sie gibt es auch im Westen von München, Tausende fahren täglich beim Gut Roggenstein bei Eichenau an einem Erdstall mit der S-Bahn vorbei.

Andere Erdställe im Großraum München will ich nicht ausschließen; die Wikipedia meint es gibt davon in Bayern über 700. Auf den vom Gut Roggenstein komme ich jetzt, weil wir dort (ohne Wissen von den Erdställen) letztes Jahr zweimal auf dem Weg von und zur nahen S-Bahn-Haltestelle Eichenau durchgelaufen sind. Außerdem gibt es eine interessante Webseite über „Die Erdstallforschung und Roggenstein“ von Michael Gumtau aus Eichenau mit weiterführenden Links.

Donnerstag, 22. April 2010

Faimingen / Phoebiana

Ende März ist in der Online-Ausgabe der Augsburger Allgemeinen der Artikel „Antike Wallfahrtsstätte - Unterwegs in der Region: Alle Wege führen nach Faimingen“ von Till Hofmann erschienen.

Es geht darin um das heutige Faimingen, Ortsteil der Stadt Lauingen an der Donau, und dem antiken Phoebiana an derselben Stelle, das mit seinem Apollo-Grannus-Tempel zur Römerzeit ein bekannter Wallfahrtsort gewesen ist. Der Apollo-Grannus-Tempel gilt sogar als der größte römischen Tempelbau nördlich der Alpen. Der Name Phoebiana geht auf den Apollo-Beinamen Phoebus zurück.

Teilrekonstruktion des Apollo-Grannus-Tempel von Phoebiana in Faimingen

Faimingen/Phoebiana wurde mir in einem Vortrag ebenfalls unter diesem Aspekt bekannt gemacht: daß es als Kultort, Kraftort, Pilgerzentrum, Wallfahrtsort oder wie das seinerzeit gedacht und gefühlt wurde, die größte Nummer in unserem Gebiet gewesen ist.

Wenn man von uralten heilkräftigen Quellen oder Kultorten in unserer Region hört: wer sich davon angesprochen fühlt und das für sich als besonders relevant ansieht, müßte sich demnach zunächst die kleinen Würstchen sparen und stattdessen erst einmal Faimingen besuchen.

Die Autoren von „Der römische Limes in Bayern“ gehen im Kapitel „Ausgewählte sonstige Militärplätze in Bayern von A-Z“ auf Faimingen / Phoebiana und den im Zeitungsartikel erwähnten Besuch des römischen Kaisers Caracalla ein und halten es für möglich, daß die dortige Stadtmauer von Caracalla gestiftet worden ist.

D.h. der Besuch hatte eine große Bedeutung für die weitere Entwicklung der Stadt, die aber dann durch den Fall des Limes beendet wurde. Das Buch nennt die Stadtmauer eine nie fertig gestellte „imponierenden Befestigung“, und gibt weiterhin an, daß die Steine in der Spätantike planmäßig abgetragen und vermutlich in den Festungen des Donau-Iller-Limes verbaut wurden.

Teilrekonstruktion des Apollo-Grannus-Tempel von Phoebiana in Faimingen

Die auf dem dritten Bild gezeigten freigelegten Steine befinden sich in einer nahen Kirche an der Straße hinein nach Lauingen, der Text auf der aufgebrachten Informationstafel lautet „Votivstein für den römischen Heilgott Apollo-Grannus und Baustein vom Kastell Faimingen“.

Der Besuch Caracallas fand wie im Zeitungsartikel erwähnt im Rahmen seines Alamannen-Feldzuges statt. Mit diesem Ereignis wird üblicherweise auch immer das Limestor von Dalkingen nordwestlich von Faimingen in Verbindung gebracht, dessen für den Limes einzigartige Ausgestaltung man sich nur durch einen besonderen Umstand wie etwa so einen kaiserlichen Besuch erklären kann. Dalkingen ist nur 60 Auto-km von Faimingen entfernt, liegt aber in Baden-Württemberg, während Faimingen in Bayern liegt.

Auf der Website der Gemeinde Rainau befindet sich ein Video über den Limes-Park Rainau und das Limestor Dalkingen, außerdem eine Fotoserie zur am 29. März 2010 erfolgten Schutzbau-Grundsteinlegung. Das Video ist schon etwas älter und enthält noch die alte Limesturmrekonstruktion bei Rainau-Schwabsberg, aber der Überblick über die Gegend inklusive dem Bezug zum nahen Aalen ist Spitze.

In Faiminger Kirche verbaute Steine des römischen Phoebiana

Rainau habe ich in meinem Blog schon mehrfach erwähnt: in meinem Eintrag über die Limes-Cicerones den Weg hoch zum Kastell Rainau-Buch, beim Rätseln über die neue Limeswachturmrekonstruktion bei Rainau-Schwabsberg, und schließlich mein Hinweis auf heutige Tour der VHS München zum Limesmuseum Aalen.

Via dem Video und den restlichen Beiträgen zum Limes-Park auf der Website von Rainau läßt sich ermessen, weshalb ich gemeckert habe, weil der VHS-Besuch des Limesmuseums statt mit Rainau-Buch mit dem Besuch irgendwelcher Kirchen gekoppelt wurde, noch dazu unter dem Titel „Römisches Leben am Limes“. Man könnte an der Stelle noch die Programm-Empfehlung Faimingen/Phoebiana hinzufügen - liegt ja alles beieinander, wenn man schon mal da ist, und sonst ist es für München etwas aus der Welt.

Ein abschließender Gedanken zur Popularität von Faimingen/Phoebiana: trotz relativer Abgelegenheit habe ich von dem Heiligtum erst hier in München gehört und dann mal meine baden-württembergische Literatur durchgesehen. Die war sehr sehr dünn hinsichtlich Faimingen, selbst wenn es da um das Limestor Dalkingen und Caracalla ging. Also das Schema ähnelt sich auf beiden Seiten der Landesgrenze, man erwähnt Caracalla mit Dalkingen oder wie im Artikel der Augsburger Allgemeinen Caracalla mit Faimingen, aber nicht Caracalla, Faimingen und Dalkingen zusammen. Vielleicht sollten sich Faimingen bzw. Lauingen mit Rainau zusammentun und versuchen, das immer im Paket zu verkaufen.

Die mir bekannte Ausnahme vom Schema stellen die baden-württembergisch initierten Limes-Cicerones dar, die hatten zu meiner Mitwanderzeit schon Faimingen als Vorschlag im Angebot und haben das immer noch (siehe die Tagesexkursion „Vom Apollotempel zum Limestor - Auf Kaiser Caracallas Spuren“ auf der Rainauer Website).