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Donnerstag, 15. August 2019

Epfach / Abodiacum

Das südlich von Landsberg auf der Westseite des Lechs gelegene Epfach, Teil der Gemeinde Denklingen, war zur Römerzeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Hier traf sich die Nord-Süd-Verbindung vom römischen Augsburg in Richtung Füssen und weiter über die Alpen mit der Ost-West-Verbindung von Salzburg, Gauting, Raisting nach Kempten und Bregenz.

Epfach / Abodiacum

Gleich mit der römischen Eroberung des Alpenvorlandes soll schon 14 v.Chr. auf dem ein paar Fußminuten von Epfach entfernten Lorenzberg ein Militärposten errichtet worden sein, der 50 n.Chr. in eine Ansiedlung im Bereich des heutigen Epfachs überging. Die beste Zeit von Abodiacum beendeten die Alamannen. Nach dieser Zerstörung wurde auf dem Lorenzberg eine befestigte Siedlung gebaut, die sich noch einige Zeit halten konnte.

Angeregt durch den vor mehr als 200 Jahren bekannt gewordenen Fund der „Venus von Epfach“ gab es schon 1830 Grabungen auf dem Lorenzberg. Durch in der Befestigungsmauer verbaute Grab- und Laufbahnsteine erhielt man schon damals Kenntnis über den aus Epfach / Abodiacum stammenden Claudius Paternus Clementianus, der eine glänzende Karriere im römischen Reich machte und sich nach Abschluß seines Dienstes wieder in Abodiacum niederliess.

Museum Epfach / Abodiacum

Das beste Foto, das ich für einen ersten Geländeüberblick gefunden habe, ist im Wikipedia-Artikel über Epfach eingebunden. Der „Blick auf Epfach und den Lech“ ist von der anderen, deutlich höheren östlichen Lechseite aus aufgenommen. Der im Bild sichtbare Geländezipfel zeigt nach Osten, also der Aufnahmort befand sich nordöstlich von der Zipfelspitze. In dem Wäldchen rechts im Bildvordergrund sieht man ein Gebäude, das ist die Kapelle St. Lorenz auf dem Lorenzberg. Im Hintergrund dann Epfach und dahinter die B17 als durchgezogene gerade Linie. Die B17 dürften viele kennen, die schon mal die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau besucht haben. Mein erstes Bild zeigt eine Aufnahme vom Epfach aus der Sicht vom Lorenzberg.

Auf dem Wikipedia-Foto ist links eine Staustufe zu sehen. Die Römerstraße von Salzburg, Gauting, Raisting sollte sich von links hinter dem Wikipedia-Fotografen her kommend entlang der Südseite der fotografieren Lech-Biegung nach unten bewegt, vor der Staustufe den Lech überquert und auf der anderen, westlichen Lechseite die Nord-Süd-Straßenverbindung getroffen haben. Diese Nord-Süd-Verbindung verlief durch das heutige Epfach, traf dann wie gesagt ohne Lech-Überquerung auf die Ost-Verbindung und blieb dann im weiteren Verlauf in Richtung Süden weiterhin westlich des Lechs. Die Westverbindung in Richtung Kempten verlief von Epfach weg zunächst erst nordwestlich und dann ein Stück weit genau westlich auf Denklingen zu.

Erlebnisroute Epfach / Abodiacum

Diese Straßenkonstellation außerhalb Epfachs kann man sich am besten via dem Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Innerhalb Epfachs zeigt der Bayerischen Denkmal-Atlas aber keine Römerstraßen an. Der Verlauf der früheren Schongauer Straße soll aber derjenigen der Nord-Süd-Verbindung Via Claudia entsprechen. Die Schongauer Straße wurde mittlerweile in Via Claudia umbenannt. Ich hoffe, das verwirrt jetzt zusammen mit dem Via-Claudia-Radweg nicht zu sehr. In den Gemischten Links vom Juni bin ich ja auf den Unterschied zwischen der Römerstraße Via Claudia und dem Radweg Via Claudia eingegangen, und nun kommt in Epfach auch noch eine nach der Via Claudia benannte Straße dazu.

Epfach besitzt ein kleines eigenes Römermuseum, das Museum Abodiacum. Das Museum ist meistens frei zugänglich und befindet sich an der Via Claudia. Auf meinem ersten Foto nicht sichtbar ein Stück weit zurück von der Kante links neben der Kirche. Zu diesem Museum sehe man sich unbedingt das Video über einen Besuch von Marion Schieder von münchen.tv an, die hier fachkundig vom Museumsleiter Markus Martin über das Museum und die Epfacher Römer informiert wird.

Nymphäum Epfach / Abodiacum

Ist man selbst vor Ort, muß man sich neben dem Lorenzberg auch das Nymphäum ansehen. Auf meinem ersten Foto ist oben rechts an der Kante das Schutzdach am Claudius-Paternus-Weg zu sehen. Nymphäum und Lorenzberg kann man mit einem Abstecher zur Staustufe verbinden, dann hat man auch ein wenig ein Gefühl für damaligen Aufstieg vom Lech hoch in das römische Epfach.

Meine erste konkrete Erinnerung an Epfach verbindet sich mit diesem Claudius Paternus Clementianus. Der wurde in einem Münchner Vortrag als Beleg für die Weiterexistenz hiesiger keltischer Gemeinschaften und deren erfolgreiches Aufgehen im römischen Reich verwendet. Die Steine, die 1830 über ihn Auskunft gaben, kann man sich in der Bilddatenbank Ubi Erat Lupa ansehen. Als Fundort der Portraitbüste gilt das Heiligtum der Noreia-Isis in Hohenstein. Es gibt einen online frei zugreifbaren Text von 1904 („Claudius Paternus Clementianus, ein Nachfolger des Pontius Pilatus und ein oberbayerischer Landsmann aus Epfach“), nach dem der Vater bei der römischen Eroberung mitgekommen und die Mutter eine Keltin ist. Zwischenzeitlich wurde auch aus dem Vater ein Kelte, der sich als Soldat das römische Bürgerrecht erworben hat. So auf zwei Generationen verkürzt kann man das aber nicht sehen. Da Claudius Paternus Clementianus erst 80 Jahre nach der römischen Eroberung in Epfach geboren wurde, mußten ja schon seine Urgroßeltern mit der Eroberung zurecht gekommen sein. Seine Laufbahn und die Qualität der Venus von Epfach belegen aber, daß man eine glänzende Karriere machen konnte, wenn man in Epfach / Abodiacum mit römischem Bürgerrecht geboren wurde, und daß es damals ein Ort war, an dem man sich nach so einer glänzenden Karriere zur Ruhe setzen konnte.

Augmented Lorenzberg-Reality Epfach / Abodiacum

Bei der Gelegenheit noch der Link zur „Reise nach La Turbie“ (pdf) von Kurt Schrem mit dem Untertitel „Das Tropaeum des Augustus - sein Sieg über die Alpenvölker. Auf der Suche nach den Vindelikern.“ sowie zu den Denkmalpflege Informationen vom Juli 2011 (pdf). Letztere enthalten „Erinnerungen an die Ausgrabungen auf dem Lorenzberg bei Epfach“ zwischen 1953 und 1957 von Hans Peter Uenze. Es geht da wenig um die Ergebnisse der Ausgrabungen, sondern mehr um das Umfeld, in dem sie damals stattfanden.

Der Großteil der noch gefundenen Mauersteine aus der Grabung von 1830 soll zur Finanzierung der Grabung via Lechflößen weggebracht und verkauft worden sein. Ich habe keine Ahnung, wie weit der Lech zur Römerzeit Transportvorteile bieten konnte. Vom frühen römischen Militärposten aus wird man aber den Wasserweg am besten überwachen und blockieren gekonnt haben. Die Römerstraßen sind erst nach Errichtung des Postens gebaut worden. Wobei aber sicher wieder die Idee des Aufsetzens auf vorrömische Wege nahe liegt.

Legionär am Ortseingang von Epfach / Abodiacum

Bei der Straßenverbindung über die Alpen soll mit der Zeit die Via Raetia der Via Julia den Rang abgelaufen haben. Via Bayerischem Denkmal-Atlas kann man die eigenständige auf Augsburg zulaufende Trasse östlich des Lechs finden. Aber es gab anderseits auch Verbindungen herüber zur Via Claudia. Verlief die Via Raetia nach der Alpenüberquerung tatsächlich über diese eigenständige Trasse weiter nach Augsburg oder nutzte sie eine Querspange hinüber zur Via Claudia? Kristina geht auf die Problematik anläßlich ihres Epfachbesuchs ein und favorisiert die eigene Trasse über Raisting. Die Wikipedia setzt derzeit auf eine frühe Querverbindung vor Raisting hinüber in das Lechtal und hat Epfach auf der Via-Raetia-Ortsliste.

Für die Epfach-Vorbereitung würde ich die Lechrain-Geschichte-Website von Alfred Platschka empfehlen. Ich wußte von dem Museum und vom Lorenzberg, habe aber kurz vor der Fahrt noch einen Brunnen als Input bekommen und bin via Alfred Platschka beim Nymphäum gelandet. Man sieht auf einem von Alfred Platschka eingebundenen Foto auch, von wo das Nymphäum ein paar Schritte weiter verlegt wurde und wo sich das Badgebäude befunden hat. Google Maps findet übrigens das „Nymphäum Epfach“, die erwähnte früher neben dem Nymphäum liegende Grundschule Epfach hingegen nicht. Das Gebäude ist mittlerweile verkauft worden. D.h. diese Epfach-Seite wurde schon längere Zeit nicht mehr gewartet.

Aufstieg zum Lorenzberg Epfach / Abodiacum

Auf der Website von Karl Ludwig Wilhelm gibt es ebenfalls Informationen über Epfach. Die Website war schon vor meinem Blog-Start wegen ihrer zahlreichen Fotos ein Anlaufpunkt für Römerstraßen-Interessierte. Ich habe aber den Eindruck, daß seit meiner Vor-Blog-Zeit nichts mehr geändert wurde. Online gestellte Zeitungsartikel sind medienbedingt vernetzten Webseiten wie denen von Alfred Platschka mit vielen Fotos unterlegen. Manchmal sind sie auch noch falsch. Wie bspw. der Artikel, den man via einer Claudius-Paternus-Clementianus-Suche finden kann, darauf kommt, daß diese in Österreich gefundene Büste im Original in der Archäologischen Staatssammlung aufbewahrt wird, ist mir ein Rätsel.

Im oben verlinkten Video ist kurz eine Tafel über der Museumseingangstür zu sehen, nach der das „Museum Abodiacum“ von den Epfacher Vereinen getragen wird. Das Gebäude wird von der Gemeinde Denklingen zur Verfügung gestellt. Ich habe meine Schwierigkeiten damit, jemandem empfehlen zu wollen, was sie oder er ehrenamtlich machen soll. Epfach hat auch schon sehr viel gegeben, man siehe das Museum oder das Nymphäum oder lese die obigen Ausgrabungserinnerungen. Aber eigentlich wäre es gut, wenn die Informationen mindestens im Umfang wie sie Alfred Platschka eingestellt hat, seitens offizieller Kanäle ins Netz kämen. Da würde etwa die aktuell empfohlene Rundwegkarte dazugehören und Informationen, die man sich sowieso im Museum nicht merken kann, wie etwa die dort zu findende Zeittafel. Am besten zweistufig, mit herbeiklickbaren Hintergrundinformationen. Einfache Jahreszahlen war gestern, im Internet ist genug Platz um auch noch die Begründung für die Aussage anzugeben, wenn die jemand haben will. Ich weiß nicht, wie günstig man heutzutage eine große „Venus von Epfach“- und eine Claudius-Paternus-Büsten-Replik bekommen könnte. Diese Epfach-Ikonen Selfie-geeignet als Blickfang vor das Museum und im Hintergrund eine Website mit erschöpfenden Informationen, da wäre man doch gut aufgestellt.

Lechstaustufe 10 Epfach / Abodiacum

Abschließend muß ich noch unbezahlte Werbung für das Gasthaus zur Sonne hinter dem Museum machen. Zum einen hat das Gasthaus unwissentlich diesen Beitrag etwas gesponsert, weil wir schon vor dem Event, zu dem wir eingeladen waren, auf seinem Parkplatz geparkt haben (im Video da rechts hoch, wo Marion Schieder und Markus Martin eingangs herlaufen). Zum anderen habe ich jetzt immer wieder Visionen von einer Schweinshax'n mit Knödeln und Krautsalat und mehr als einem Bier und mich hinterher ins Auto fallen und nach Hause chauffieren zu lassen. Bei dem Event gabs wegen abends und später Kuchen eine angepasste kleine Speisekarte ohne Schweinshax'n. Ich habe „etwas Leichtes“ genommen und nur ein Bier getrunken, weil ich nachts noch selbst fahren mußte.

Montag, 10. Juni 2019

Gemischte Links

Im Mai war ich sichtlich indisponiert und konnte den Faden nicht aufnehmen, den mir Marcellina via Kommentaren und Blog-Eintrag reichte. Nun etwas spät der Hinweis auf ihr „In Via: The Keltenschanze near Utting“. Die Uttinger Schanze wäre je nach Ausflugsinteressen eine interessante Alternative zu oder Kombinationsmöglichkeit mit den Holzhausener Schanzen in meinen letzten beiden Blog-Einträgen. Wobei wegen der Verwechslungsgefahr hier wieder darauf hinzuweisen ist, daß mit Holzhausen der relativ Utting-nahe Ortsteil der Gemeinde Alling im Landkreis Fürstenfeldbruck gemeint ist.

Die Uttinger Keltenschanze wird wie die Holzhausener Schanzen in Kombination mit einer Römerstraße angeboten. In dem Fall mit der in den Süden führenden Via Claudia Augusta, von der Marcellina in ihrem jüngsten Eintrag eine Meilenstein-Replik zeigt. Zur Via Claudia Augusta gibt es eine Vielzahl von Links. Ich verweise auf den jüngst erschienenen Scinexx-Artikel „Eine Römerstraße als europäische Verbindungsachse“ , der sich wiederum auf eine Website der Universität Innsbruck als Quelle beruft.

Diese Quelle sollte man sich wegen den Fotos und Karten ebenfalls ansehen. Und im Text finden sich genügend viele Stichworte, über die man weitersuchen kann. Ich wollte jetzt dennoch über Scinexx gehen, weil Scinexx zum einen einige solcher Dossiers mit Archäologie-Bezug zusammengepackt hat. Ich fands jetzt nur auf die Schnelle schwierig, dort einen Überblick über dieses Dossier-Angebot zu bekommen. Zum anderen hat Scinexx im verlinkten Artikel ein Via-Claudia-Augusta-Video von Via Claudia Augusta Transnational eingebunden. Dessen Aufrufzahl ist passabel, aber man beachte bei der Gelegenheit die auffallend geringe Zahl der Likes und Abonnenten sowie die sehr geringen Aufrufzahlen der anderen durch den Kanal upgeloadeten Videos.

Der Name Via Claudia Augusta ist tatsächlich antiken Ursprungs. Dagegen ist die Bezeichnung „Via Julia“, die bisweilen für die an den Holzhausener Keltenschanzen vorbeiführenden Römerstraße verwendet wird, eine neuzeitliche Erfindung. Die Streckenführung der „Via Julia“ orientiert sich zwar an der Trasse der alten Römerstraße, soll aber fahrradtauglich sein und weicht deshalb manchmal empfindlich von der Römerstraße ab. Zur Via Claudia Augusta gibt es ebenfalls einen Radweg, wegen des antiken Ursprungs des Namens kann man sauberer zwischen der antiken Via Claudia Augusta und dem Via-Claudia-Augusta-Radweg trennen.

Geht man nach der Anzahl der Tourberichte auf Youtube, ist der Via-Claudia-Augusta-Radweg für die Radler wesentlich interessanter als die Via Julia. Ich will hier als Beispiel auf den Teil 1 der Tour von Rainer Dornburg aus dem Jahr 2015 verweisen. Ich habe mir sämtliche Teile angesehen. Die Römer kommen zwar ganz klar zu kurz, aber die Videos sind sehr gut und interessant gemacht. Irgendwie kommt auch trotz Rainer Dornburgs Schnellweiterkommenwollens manchmal etwas von dem rüber, was diese Reise immer ausmachte, und in dem verlinkten Via-Claudia-Augusta-Video mit seinen Landschaftspanoramen fehlte.

Man vergleiche jetzt mal das verlinkte Einzelvideo und den Kanal von Rainer Dornburg mit dem Einzelvideo und dem Kanal von Via Claudia Augusta Transnational hinsichtlich Aufrufen, Abonnenten und Likes. Die Gesamtzahl der Aufrufe des Youtube-Kanals von Rainer Dornburg liegen um zwei Größenordnungen über den Aufrufen des Kanals von Via Claudia Augusta Transnational. Ich will jetzt weder nachrecherchieren noch groß herumspekulieren. Vielleicht kommen die Zahlen von Via Claudia Augusta Transnational so zustande, daß sie ihr Filmmaterial schon gut in Fernsehsendungen unterbringen konnten und den kostenträchtigen Aufwand im Netz für ein paar hundert zusätzliche Aufrufe scheuten.

Jedenfalls glaube ich, daß viele Kultureinrichtungen trotz angeflanschten Netzaktivitäten bei den Möglichkeiten etwas via dem Netz durchzudrücken eher Via Claudia Augusta Transnational als Rainer Dornburg gleichen. Ich glaube, die haben häufig keine Ahnung von den starken Akteuren im Netz, vermutlich haben sie auch keine Leute, um die eigenen Zahlen und die Zahlen jener Akteure, die gerade einen guten Lauf haben, bewerten zu können. Professionell wäre es vielleicht gewesen, in so einer Konstellation jemand wie Rainer Dornburg im Vorfeld zu identifizieren und hinsichtlich seiner 2015er-Tour dahingehend zu überzeugen, daß er ab und zu lokale Experten trifft, die ihm noch sichtbare Teile der Via Claudia Augusta oder interessante Funde in örtlichen Museen zeigen. Wie gesagt, ich halte die Videos von Rainer Dornburg für sehr gut und interessant gemacht und er hätte solche Experten-Einbindungen in seine Videos sicher auch sehr gut hingekriegt.

Wem jetzt ganz allgemein der Sinn nach einer Auswahl von Videos oder Hörbarem steht, für den ist Hiltibold aus Graz immer eine gute Adresse. Ich möchte heute aber besonders auf seine Interview- und Gastbeiträge-Rubrik raus. Hiltibolds Interviews sind generell von bleibendem Wert, sie illustrieren einem noch ferner Zukunft die heutigen Sichtweisen wichtiger Personen zu einem bestimmten Thema.

„Ohne 'Raubgräber' keine Sensationen? - Ein Interview mit dem Denkmalpfleger Harald Meller“ - ich hatte den Hinweis auf Harald Mellers Buch „Die Himmelsscheibe von Nebra: Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas“ und dessen ungewöhnlich umfangreiche Besprechung durch Florian Freistätter gerade in meinen letzten „Gemischten Links“ . Ging es bei Florian Freistätter mehr um die Bronzezeit, sind in Hiltibolds Interview das Schatzregal, Sondengänger, der Begriff „Raubgräber“, das „Entsammeln“ überquellender Depots und die konträre Sichtweise von Raimund Karl die Themen (ich hatte Links zur Sichtweise von Raimund Karl 2016 unter dem Titel „Der Schutt muß weg“ im Blog). Auf das Hiltibold-Interview mit Harald Meller antwortete Raimund Karl zwei Wochen später mit dem Gastbeitrag „Archäologische Wissenschaft, Denkmalpflege oder G’schichtldruckerei? Reaktion auf ein Interview mit Harald Meller“ .

Mittwoch, 17. August 2011

Museum, Mercateum, Mithräum Königsbrunn

Das ein wenig südlich von Augsburg gelegene Königsbrunn gilt als eine der jüngsten Siedlungen Bayerns. Mithin liegt Königsbrunn zwar in einem Gebiet mit zahlreichen vorzeitlichen Funden und man konnte auf dem Königsbrunner Gebiet auch die Römerzeit mit Gutshöfen, einem Mithräum und noch gut dokumentierbaren Abschnitten der römischen Nord-Süd-Verbindung Via Claudia Augusta belegen, aber einen römischen Vorläufer wie Augsburg oder der deutlich südlicher an der Via Claudia gelegene römische Verkehrsknotenpunkt Epfach / Abodiacum hat das erst 1967 zur Stadt erhobene Königsbrunn nicht.

Von seinen ersten Anfängen und der späteren starken Bevölkerungsentwicklung her wirkt Königsbrunn auf mich wie eine Stadt der Zugezogenen. Trotzdem ist man offensichtlich sehr motiviert, der reichen archäologischen Vergangenheit gerecht zu werden. Man sehe sich dazu die städtischen Informationen über das Königsbrunner Archäologische Museum und das Mithraeum an.

Interessant ist diese Verankerung in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem „Mercateum – Museum zum Fern- und Seehandel“. Man beruft sich da auf die Via Claudia Augusta, aus der im „16. Jahrhundert zwischen Augsburg und Landsberg die am stärksten frequentierte Verkehrsader Mitteleuropas“ wurde. Eine „Straße nach Italien“, die neben dem Augsburg der Fugger und Welser viele weitere nördliche Städte mit Venedig verband, über das dann noch viel fernere Ziele erreicht werden konnten.

Für weitere Informationen über Königsbrunn empfehle ich zum einen nach den jeweiligen Stichworten in der Wikipedia zu suchen, zum anderen in „Lechrain-Geschichte“ von Alfred Platschka hinein zu sehen. „Lechrain-Geschichte“ bietet außer Informationen über Königsbrunn auch Anregungen für weitere Besuchsziele in der Region.

Dienstag, 17. Mai 2011

BayernViewer-denkmal und GPS, Teil 3

Im letzten Teil dieser Serie geht es um „Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung“ mit der Denkmalnummer D-1-7934-0100 im Forstenrieder Park. Die vorgefundenen Grabhügel waren eine positive Überraschung, sie liegen wesentlich schöner und stimmungsvoller im Wald als die Grabhügel im ersten Teil BayernViewer-denkmal und GPS.

Bild 1: Grabhügel im Forstenrieder Park

Anvisiert haben wir das östliche Grabhügelsymbol in der relativ großen, für das Denkmal rot markierten Fläche. Um sich das anzusehen, wäre wieder der BayernViewer-denkmal zu starten, „Suche Adresse“ auf „Suche Denkmal“ umzuschalten und die Denkmalnummer einzugeben. Die Grabhügelsymbole sieht man, wenn man die „Topograph. Karten“ anklickt. Es sollten zwei Grabhügelsymbole in der rot markierten Fläche zu sehen sein.

Bild 2: Grabhügel im Forstenrieder Park

Dieses Waldstück war schon bei der Tour „Bei den Wildschweinen im Forstenrieder Park“ vor zwei Jahren das zuletzt angesteuerte Ziel. Damals mit wenig Erfolg in der westlichen Ecke des Gebietes. Dort sahen die gefundenen Hügel alle so aus, als wären sie aufgrund von Erdarbeiten jüngeren Datums entstanden.

Bild 3: Grabhügel im Forstenrieder Park

An die westliche Ecke gelangt man, wenn man beim Gelben Haus von „Ludwig Geräumt“ in nordöstliche Richtung abzweigt. Wir sind bei der Tour am diesjährigen Ostersamstag schon am letzten Schotterweg vor dem Gelben Haus abgebogen, sind wie im zweiten Teil BayernViewer-denkmal und GPS beschrieben kurz auf die ehemalige Römerstraße eingebogen, sind danach wieder zurück auf die Kreuzung Schotterweg / ehemalige Römerstraße (hier noch einmal die mit einem grünen Pfeil markierten Stelle in Google-Maps) und sind dann den Schotterweg in nordöstliche Richtung weitergeradelt. Der Schotterweg tangiert im Osten die markierte Fläche von Denkmal D-1-7934-0100.

Bild 4: Grabhügel im Forstenrieder Park

Wie im ersten Teil geschrieben, ging es bei dieser Tour darum Geo-Koordinaten aus dem BayernViewer-denkmal zu übernehmen und zu sehen, was sich bei Markierungen wie den Grabhügelsymbolen befindet. In dem Fall war bei der östlichen Markierung wirklich etwas zu sehen, was wohl einmal ein Grabhügel gewesen ist. In der Nähe, etwa 30 Meter nach den gemessenen Koordinaten, befinden sich zwei weitere vermutliche Grabhügel. Das zweite Grabhügelsymbol im BayernViewer-denkmal bezeichnet dagegen nach der Funktion „Linienzug messen“ eine Stelle, die etwa 114 Meter entfernt ist.

Bild 5: Grabhügel im Forstenrieder Park

Diese Möglichkeit im BayernViewer-denkmal Strecken auszumessen ist eine sehr große Hilfe. Wie ich schon im ersten Teil geschrieben habe, wäre mit unserer Ausrüstung ein Herannavigieren mit dem Navi auf den letzten Metern hoffnungslos gewesen, weil sich das Navi nicht hätte ablesen lassen. Mit dem Ablesen des Fahrradtachos und notierten ca. 310 m ab der letzten Schotterweg-Kreuzung und dann links in den Wald hat das aber fantastisch funktioniert.

Bild 6: Grabhügel im Forstenrieder Park

Zu den einzelnen Bildern: Die ersten drei Bilder stammen vom Grabhügel beim Grabhügelsymbol. Die im vorletzten Blog-Eintrag erwähnte, häufig als Ausgrabungshinterlassenschaft bei Grabhügeln zu sehende Mulde ist in diesem Fall eine Furche. Der schönste der drei Grabhügel im vierten Bild zeigt keine Spuren einer Ausgrabung. Zum dritten Grabhügel gehören die restlichen Bilder. Im fünften Bild befindet er sich schwer erkennbar im Bildzentrum, im siebten Bild die typische Mulde. Diese hier ist die im letzten Blog-Eintrag im Zusammenhang mit den Wildschweinen erwähnte „kuschelige Hügelgrabmulde“. Das Navi hat bei den drei Grabhügel folgende Koordinaten angezeigt 1.) 48° 03.140', 11° 29.222' 2.) 48° 03.148', 11° 29.199' 3.) 48° 03.160', 11° 29.214'

Bild 7: Grabhügel im Forstenrieder Park

Zum Thema des letzten Blog-Eintrags, der Römerstraße und der daran angelehnten Via Julia, bitte ich den Kommentar von Aponius P. Fronto zu beachten. Aponius P. Fronto weist auf eine entstehende römische Straßenstation an der Via Julia in Zusmarshausen zwischen Augsburg und Günzburg hin.

Ich will ergänzen, daß derzeit entlang der Via Claudia Augusta - das war die römische Verbindung zwischen Süddeutschland und Norditalien - eine Radstaffel mit zusätzlichen Veranstaltungen an den verbundenen Orten stattfindet. Die Radstaffel soll „die Bevölkerung verbindende Geschichte und Gemeinschaft erleben lassen“, wie im Text zu den „Römertagen der Via Claudia Augusta in Neumarkt“ geschrieben steht. Dort in Neumarkt/Südtirol soll es am nächsten Samstag, 21. Mai, ein Römerlager geben, an der auch Aponius P. Frontos Augsburger Historische Römergruppe, die Populares Vindelicenses, teilnimmt.