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Mittwoch, 2. August 2023

Limesmarsch 2023

Derzeit wird wieder mit römischer Ausrüstung am Limes marschiert. Gestartet wurde am 30.07. mit einem Prolog von Abusina nach Hienheim. Enden soll der Marsch mit einem Epilog zum Rhein bei der Römerwelt Caput Limitis in Rheinbrohl am 2. oder 3. September. Heute war man von Kipfenberg in Richtung Kastell Burgsalach unterwegs. Man findet die Streckenverläufe auf auf der Projektwebsite via den Menüpunkten „Die Strecke“ und „Die Etappen“.

Heute Vormittag regnete es bisweilen ziemlich unangenehm vor meinem Fenster und die Limesstrecke müßte eigentlich auch betroffen gewesen sein. Aber als ich mich etwa um 12 Uhr zum „Livestandort“ durchgeklickt habe, waren die Marschierer tatsächlich unterwegs und noch eine Stunde von ihrem Tagesziel entfernt. Wie die Gefühle der Marschierer heute waren, wird uns wohl noch unter dem Menüpunkt „Blog“ mitgeteilt. Und heute von der „Medialen Begleitung“ unter dem Menüpunkt „Über uns“ gemachte Fotos sind dann auch zu sehen.

Morgen, am 3. August 2023, „machen die Legionäre des Limesmarsch 2023“ laut der Website der Museen Weißenburg „Halt auf dem Kastellgelände Biriciana.“ Und sind dort in das Kinderferienprogramm eingebunden. „Zuvor haben Sie in Burgsalach übernachtet und marschieren anschließend weiter nach Iciniacum (Theilenhofen).“

Diese Einbindung vor Ort ist Programm, wie man unter „Unsere Ziele“ nachlesen kann: „Vernetzung der Reenactment-Gruppen“, „Zusammenarbeit mit Archäologen“, „Kooperation mit Museen, Kreisen und Kommunen“, „Aktionstage an den Sonntagen mit ortsansässigen Gruppen“.

Über das Projekt habe ich erst gestern etwas mitbekommen. Die Projektwebsite war für mich zunächst wegen den alten Terminen unter „Termine und Aktuelles“ und „Galerie“ verwirrend, weil ich mit der Information über einen aktuellen Marsch eingestiegen bin und diese Menüpunkte noch nicht mit den aktuellen Strecken und Fotos ergänzt wurden. Daß diese Vorläufe stattfanden ist aber toll und sicher sehr hoch zu bewerten, um die Nerven für dieses ambitionierte Programm mit diesen vielen neuen Belastungen, Menschen und Orten zu haben.

Dienstag, 2. Februar 2010

Weißenburg und die Römer-Touristen

Wenn man die vielen Weißenburgs in der Wikipedia ansieht, hat man den Eindruck, jeder hätte sein eigenes Weißenburg bekommen. Wenn man aber die Suchmaschine mit „Römer Weißenburg“ anwirft, dann findet man auf der ersten Seite nur Einträge zu Weißenburg in Bayern.

Weißenburg in Bayern

Dort sind vor einer Woche im „Weißenburger Tagblatt“ die Artikel „Museum soll bleiben“ zum Römermuseum und „Ausbau an Therme“ zur römischen Therme veröffentlicht worden. Der Weißenburger Oberbürgermeister Jürgen Schröppel bringt in den beiden Artikeln seine Standpunkte mit einer klaren Sprache offen auf den Punkt.

Die „zeitgemäße Präsentation“ ist die eine Sache und die Zugänglichkeit bei Mobilitätseinschränkungen eine andere. Mich als Hardcore-Römertouristen haben die Figürchen des Schatzfundes begeistert, die gut von allen Seiten besichtigt werden konnten.

Römermuseum und Limes-Informationszentrum Weißenburg

Erika Riedmeier-Fischer und Thomas Fischer sehen das in ihrem Buch Der römische Limes in Bayern auch so: „In Weißenburg ist der Besuch des Römermuseums (Schatzfund!) mit dem neu eingerichteten Limes-Informationszentrum ein Muss.“

Außer dem Museum und dem Limes-Informationszentrum ist dann natürlich noch das Gelände des früheren Kastells mit dem rekonstruierten Nordtor und die genannte Therme zu besichtigen.

Rekonstruiertes Nordtor Kastell Weißenburg

Am besten man bereitet sich ein wenig auf die römische Götterwelt, das Militär und das Badewesen vor, dann sollte dieses Weißenburger Angebot für einen Tagesausflug reichen. Wenn man sich mit Lesestoff oder in netter Runde die zwei Stunden für die einfache Strecke vertreiben kann, würde sich bspw. für die Münchner wegen der Nähe der drei Ziele zum Bahnhof das Bayernticket für eine günstige Anfahrt anbieten.

Darüber hinaus hat die Gegend für den Römer-Touristen noch viel mehr zu bieten. Das Buch über den römischen Limes in Bayern nennt als nächste Ziele Ellingen mit seinen Kastellresten, ein Stück weiter ist dann der Limes, den man entlang wandern kann. Und in einem der obigen Artikel ist der dann mal „aufmunitionierte“ Burgus von Burgsalach erwähnt, nach dem Buch von Erika Riedmeier-Fischer und Thomas Fischer mit einer „am ganzen Limes einmaligen Grundform“.

Karlsgraben (Fossa Carolina)

An anderem als an Römern Interessierte kommen in der Gegend auch auf ihre Kosten. Als Beispiel im Bild Reste des Karlsgrabens (Fossa Carolina) beim heutigen Ort Graben bei Treuchtlingen.

Montag, 22. Juni 2009

Limes-Cicerones

Wer lieber an geführten Wanderungen statt an Grabungen teilnimmt, dem kann ich die Limes-Cicerones empfehlen.

Bekanntschaft mit der Idee der Limes-Cicerones habe ich in Baden-Württemberg gemacht: zukünftige Cicerones, meist Laien, bekommen von Fachleuten eine solide Grundausbildung, legen eine Prüfung ab und werden dann als Führer am Limes eingesetzt.

Die Limes-Cicerones kann man stunden- und tageweise buchen. Man sollte wohl sogar, wenn sich einem eine passende Möglichkeit bietet, um diese gute Idee zu unterstützen. Hier paßt das „fordern und fördern“ ganz gut!



Neben frei vereinbarten Terminen wird von den Cicerones auch ein festes Wander- und Besichtigungsprogramm gestaltet. Sie nehmen an Fortbildungsveranstaltungen teil, helfen bei Notgrabungen und versehen Sonn- und Feiertagsdienste wie auf dem im ersten Bild zu sehenden Wachturm auf dem Heidenbuckel bei Großerlach-Grab.

Dieser Limeswachturm von Großerlach-Grab ist eine relativ aufwendige, um historische Korrektheit bemühte Rekonstruktion, für die Türme auf meinen anderen drei Fotografien ist die historische Korrektheit nicht so gegeben.

Ich habe zweimal an von Limes-Cicerones geführten mehrtägigen Gruppenwanderungen teilgenommen. Wir hatten täglich wechselnde Führer und immer sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Durch die unterschiedlichen Schwerpunkte der Führer ergeben sich oft zusätzliche Aspekte, die man bei der Planung einer Wanderung für eine eigene Gruppe einbeziehen kann.



Beispielsweise hat unsere Führerin durch das Aalener Limesmuseum dort auch Kinderführungen gemacht. Unser Führer vom Wachturm bei Großerlach-Grab durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald nach Mainhardt war hier früher Förster und hat uns erklärt, warum die natürliche Erosion stärker als andernorts ist. Außerdem war er medizinisch bewandert, und weil wir bei dem anfänglichen Nieselwetter so schön durchgehalten haben, gab er jedem zum Abschluß ein Honig-Salbei-Bonbon, diese Kombination hätte es schon bei den Römern gegeben.

Bei Rainau-Buch wurden wir vom langjährigen Bürgermeister geführt. Von ihm habe ich mein bestes Bild, allerdings nur im Kopf: ein sonniger, heißer Tag, wir sind schon einige Zeit unterwegs und laufen einen langgezogenen Feldweg hoch zu den Resten des römischen Kohortenkastells. Ein Stück vor mir der das stramme Tempo vorgebende und mit ausgebreiteten Händen redende Limes-Cicerone inmitten einer kleinen Führungsgruppe. Die Leute sind schon mit Herzblut bei der Sache.



Über die Historie der Cicerones konnte ich jetzt nichts besseres finden als diesen Artikel „Limes-Cicerones erweitern in diesem Jahr ihr Angebot“ von 2006. Danach fanden die ersten Cicerones-Ausbildungen 2004 und 2005 im württembergischen Lorch und die dritte 2006 im badischen Mosbach statt. Als Website der Baden-Württemberger habe ich www.limes-cicerone.de kennengelernt.

Nach dem Artikel bestanden 2006 Kontakte nach Bayern und Hessen. Mittlerweile finden sich auch bayerische Limes-Cicerones, die nach Angaben auf www.limes-cicerones-bayern.de ab September 2007 ausgebildet wurden und im Mai 2008 „in Fortführung der baden-württembergischen Limes-Cicerones“ den eigenständigen Verein „Limes-Cicerones Bayern e.V.“ gegründet haben.

Die Website www.limes-cicerone.de wird seit einiger Zeit aktualisiert, vielleicht gibt es da mal mehr über die aktuelle Struktur und Verbreitung der Limes-Cicerones zu erfahren.



Wir sind auf unseren Limes-Wanderungen keinen Legionären in voller Rüstung begegnet, aber wie auf den Limes-Cicerones-Websites zu sehen ist, wird auch das von einigen der Cicerones geboten. Zwei aktuelle Beschreibungen solcher Veranstaltungen finden sich auf Settlershome.de von Heiko Buczinski. Die eine mit stapfenden Füßen und mystischem Licht handelt von der „Eröffnung der Führungssaison 2009“, bei der andere schnauben die Pferde beim „2. Limesaktionstag“.

Sonntag, 1. Februar 2009

Buchbesprechung: „Der römische Limes in Bayern“

Titel: „Der römische Limes in Bayern. Geschichte und Schauplätze entlang des UNESCO-Welterbes.“
Autoren: Thomas Fischer, Erika Riedmeier-Fischer.
Herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2008, 230 S., Größe ca. 21 x 15,5 x 2 cm, Preis 26,90 €, ISBN 978-3-7917-2120-0

Ein Buch von Archäologen im Gesamtumfeld der Aktivitäten zur touristischen Erschließung des Limes. Es enthält neben dem geschichtlichen Teil einen Wanderführer und ist in kleinem Format zum Mitnehmen gedacht. Die Autoren verbinden wissenschaftliche Kompetenz mit jahrzehntelanger Limes-Erfahrung: Thomas Fischer ist Professor für Archäologie der römischen Provinzen, die erste Limes-Wanderung der Autoren geht auf das Jahr 1980 zurück.

Kastell Weißenburg / Biriciana (rekonstruiertes Nordtor)

Schnell werden in den ersten beiden Teilen die römische Okkupation Bayerns, erste Kastelle, das Vorschieben der Grenzlinie bis zum späteren Limes, die Spätantike mit Grenzbefestigungen und Befestigungen im Hinterland sowie die Forschungsgeschichte des Limes, Tracht und Bewaffnung der Limestruppen und die typischen militärischen Bauten am Limes überflogen.

Ab Seite 78 darf der Leser mit auf die Wanderung entlang des Limes vom ersten Wachturm auf bayerischer Seite bei der Straße zwischen Mönchsroth und Eck, bis der Limes bei Hienheim auf die Donau stößt. Die Kastelle lagen teils in Sichtweite der früheren Limes-Wachtürme, teils weiter entfernt im Hinterland und sind als Einschübe im Text beschrieben.

Kastell Pfünz / Castra Vetoniana (Mauerreste, Meilenstein-Replik, Teilrekonstruktion)

Der Wanderung schließen sich ab Seite 163 „Ausgewählte sonstige Militärplätze in Bayern von A-Z“ an. Hier finden sich die Kastelle an der Donau in der östlichen Fortsetzung des Limes, die obergermanischen Grenzkastelle am Main, die heute auf bayerischem Gebiet liegen, sowie Kastelle und Befestigungen, die während der einleitend beschriebenen Okkupation und später beim Zurückgehen auf die Donaulinie von Bedeutung waren.

Inhaltlich konzentrieren sich die Autoren sehr auf Militär, Limes und Militärplätze. Nur im Rahmen bspw. des Militärplatzes Faimingen/Phoebiana (Stadt Lauingen/Donau) mit Kastell und Stadtmauer wird auf römische Sehenswürdigkeiten wie die hier im Bild zu sehende Teilrekonstruktion der Tempelanlage des Apollo Grannus hingewiesen.

Faimingen / Phoebiana (Teilrekonstruktion Apollo-Grannus-Tempel)

Im Anhang ab Seite 214 neben einem kürzeren Literaturverzeichnis und einem langen Register ein Verzeichnis von Museen mit Funden vom Limes und seinem Hinterland (fast nur bayerische Museen, plus Aalen und Saalburg, aber ohne das Römermuseum Osterburken). Ergänzend neben den Museumsadressen auch neun allgemein weiterführende Internetadressen.

Die zahlreichen Abbildungen trennen sich in Fotografien und Zeichnungen. Bei einem großen Teil der Kastelle und Wachtürme werden Planzeichnungen zur Veranschaulichung der Lage verwendet. Die vielen Planzeichnungen sind eine sehr gute Hilfe, sich die damaligen Verhältnisse vorzustellen. Wie einmal jemand sagte: „Der Limes ist ein Bodendenkmal. Das bedeutet, daß sich der größte noch vorhandene Teil im Boden befindet.“ Die notwendige Phantasie betrifft selbst Teile, die man versucht hatte wieder sichtbar zu machen — die Autoren weisen auch mal auf eine „wenig geglückte Art“ der Rekonstruktion hin.

Lorenzberg Epfach / Abodiacum

Für die Limes-Wanderung gibt es auf jeweils zwei Buchseiten eine Überblickskarte und neun Wanderkarten. In die Wanderkarten im Format 1:50000 sind neben der Limes-Linie und den Wachtürmen auch die rückwärtigen Kastelle eingezeichnet. Neben diesen Karten sehen die aus unterschiedlichen Quellen stammenden kleinen Karten im einführenden Teil bisweilen wie eine Notlösung aus, und eine Überblickskarte für alle beschriebenen Militärplätze und aufgeführten Museen fehlt.

Die Sprache wirkt zwar sehr genau und konsistent, klingt aber mit der dauernden Verwendung von Begriffen wie „frühhadrianisch“, „spätrömisch“, „tetrachisch“, „ziviler Vicus“ plus dann und wann geologischen Fachbegriffen so, wie ich mir eine Archäologievorlesung vorstelle. Ein wirkliches Manko ist die Sprache nicht, verglichen mit der Alternative für die Auflösung der Fachbegriffe deutlich weniger Informationen zu bekommen. Die Zeitangaben dürften die Hauptschwierigkeit sein, da hilft es die Liste der römischen Kaiser bspw. aus der Wikipedia dem Buch beizulegen.

Kastell Eining / Abusina

Sofern man mit der Einschränkung des Buches auf Limes und Militärplätze zurechtkommt, ist das Buch in seiner Verbindung aus Substanz und praktischer Verwendbarkeit sicher eine sehr große Bereicherung auf dem Markt.

Einen Überblick über den Limes mit weiterführenden Links gibt es bei der schon erwähnten Wikipedia. Sehr viele weitere Links mit umfangreichen, teils von Fachleuten erstellten Texten findet sich bei Archäologie Online. Wegen Unterkunft, Verpflegung oder öffentlichen Verkehrsmitteln könnte man versuchen sich mittels der im Buch angegebenen und nah am Tourismus gebauten Internetadresse www.bayerischer-limes.de voranzuhangeln.