Sonntag, 1. Februar 2009

Buchbesprechung: „Der römische Limes in Bayern“

Titel: „Der römische Limes in Bayern. Geschichte und Schauplätze entlang des UNESCO-Welterbes.“
Autoren: Thomas Fischer, Erika Riedmeier-Fischer.
Herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2008, 230 S., Größe ca. 21 x 15,5 x 2 cm, Preis 26,90 €, ISBN 978-3-7917-2120-0


Ein Buch von Archäologen im Gesamtumfeld der Aktivitäten zur touristischen Erschließung des Limes. Es enthält neben dem geschichtlichen Teil einen Wanderführer und ist in kleinem Format zum Mitnehmen gedacht. Die Autoren verbinden wissenschaftliche Kompetenz mit jahrzehntelanger Limes-Erfahrung: Thomas Fischer ist Professor für Archäologie der römischen Provinzen, die erste Limes-Wanderung der Autoren geht auf das Jahr 1980 zurück.

Schnell werden in den ersten beiden Teilen die römische Okkupation Bayerns, erste Kastelle, das Vorschieben der Grenzlinie bis zum späteren Limes, die Spätantike mit Grenzbefestigungen und Befestigungen im Hinterland sowie die Forschungsgeschichte des Limes, Tracht und Bewaffnung der Limestruppen und die typischen militärischen Bauten am Limes überflogen.

Ab Seite 78 darf der Leser mit auf die Wanderung entlang des Limes vom ersten Wachturm auf bayerischer Seite bei der Straße zwischen Mönchsroth und Eck, bis der Limes bei Hienheim auf die Donau stößt. Die Kastelle lagen teils in Sichtweite der früheren Limes-Wachtürme, teils weiter entfernt im Hinterland und sind als Einschübe im Text beschrieben.

Der Wanderung schließen sich ab Seite 163 „Ausgewählte sonstige Militärplätze in Bayern von A-Z“ an. Hier finden sich die Kastelle an der Donau in der östlichen Fortsetzung des Limes, die obergermanischen Grenzkastelle am Main, die heute auf bayerischem Gebiet liegen, sowie Kastelle und Befestigungen, die während der einleitend beschriebenen Okkupation und später beim Zurückgehen auf die Donaulinie von Bedeutung waren.

Inhaltlich konzentrieren sich die Autoren sehr auf Militär, Limes und Militärplätze. Nur im Rahmen bspw. des Militärplatzes Faimingen/Phoebiana (Stadt Lauingen/Donau) mit Kastell und Stadtmauer wird auf römische Sehenswürdigkeiten wie die hier im Bild zu sehende Teilrekonstruktion der Tempelanlage des Apollo Grannus hingewiesen.



Im Anhang ab Seite 214 neben einem kürzeren Literaturverzeichnis und einem langen Register ein Verzeichnis von Museen mit Funden vom Limes und seinem Hinterland (fast nur bayerische Museen, plus Aalen und Saalburg, aber ohne das Römermuseum Osterburken). Ergänzend neben den Museumsadressen auch neun allgemein weiterführende Internetadressen.

Die zahlreichen Abbildungen trennen sich in Fotografien und Zeichnungen. Bei einem großen Teil der Kastelle und Wachtürme werden Planzeichnungen zur Veranschaulichung der Lage verwendet. Die vielen Planzeichnungen sind eine sehr gute Hilfe, sich die damaligen Verhältnisse vorzustellen. Wie einmal jemand sagte: „Der Limes ist ein Bodendenkmal. Das bedeutet, daß sich der größte noch vorhandene Teil im Boden befindet.“ Die notwendige Phantasie betrifft selbst Teile, die man versucht hatte wieder sichtbar zu machen — die Autoren weisen auch mal auf eine „wenig geglückte Art“ der Rekonstruktion hin.

Für die Limes-Wanderung gibt es auf jeweils zwei Buchseiten eine Überblickskarte und neun Wanderkarten. In die Wanderkarten im Format 1:50000 sind neben der Limes-Linie und den Wachtürmen auch die rückwärtigen Kastelle eingezeichnet. Neben diesen Karten sehen die aus unterschiedlichen Quellen stammenden kleinen Karten im einführenden Teil bisweilen wie eine Notlösung aus, und eine Überblickskarte für alle beschriebenen Militärplätze und aufgeführten Museen fehlt.

Die Sprache wirkt zwar sehr genau und konsistent, klingt aber mit der dauernden Verwendung von Begriffen wie „frühhadrianisch“, „spätrömisch“, „tetrachisch“, „ziviler Vicus“ plus dann und wann geologischen Fachbegriffen so, wie ich mir eine Archäologievorlesung vorstelle. Ein wirkliches Manko ist die Sprache nicht, verglichen mit der Alternative für die Auflösung der Fachbegriffe deutlich weniger Informationen zu bekommen. Die Zeitangaben dürften die Hauptschwierigkeit sein, da hilft es die Liste der römischen Kaiser bspw. aus der Wikipedia dem Buch beizulegen.

Sofern man mit der Einschränkung des Buches auf Limes und Militärplätze zurechtkommt, ist das Buch in seiner Verbindung aus Substanz und praktischer Verwendbarkeit sicher eine sehr große Bereicherung auf dem Markt.

Einen Überblick über den Limes mit weiterführenden Links gibt es bei der schon erwähnten Wikipedia. Sehr viele weitere Links mit umfangreichen, teils von Fachleuten erstellten Texten findet sich bei Archäologie Online. Wegen Unterkunft, Verpflegung oder öffentlichen Verkehrsmitteln könnte man versuchen sich mittels der im Buch angegebenen und nah am Tourismus gebauten Internetadresse www.bayerischer-limes.de voranzuhangeln. Eine weitere Besprechung dieses Buchs ist von Josef Löffl hier zu finden.

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