Mittwoch, 18. Februar 2009

Buch über das UNESCO-Welterbe am Main

Titel: „Welterbe Limes. Roms Grenze am Main.“
Autor: Bernd Steidl.
Herausgegeben von der Archäologischen Staatssammlung München. Mit Beiträgen von Ludwig Wamser und Horst Zimmerhackl.
Logo Verlag Eric Erfurth, Obernburg am Main, 2008, 298 Seiten, 276 Abbildungen, Illustrationen und Karten, eine Kartenbeilage, Preis 21,80 €, ISBN 978-3-939462-06-4



Wie bei „Der römische Limes in Bayern“ geht es um einen Teilabschnitt des Limes, aber mit anderer Zielsetzung. „Der römische Limes in Bayern“ konzentriert sich bei der kurzen Betrachtung der Römerzeit vor allem auf das Militärische, das Buch ist Wanderführer am Limes und Führer zu Museen und früheren Militärorten. „Welterbe Limes“ versucht dagegen die römische Präsenz umfassend über das Militärische hinaus darzustellen, beleuchtet auch noch den Übergang in das Mittelalter, beansprucht aber keine Führer-Funktion zu örtlichen Sehenswürdigkeiten und Museen.

Der Inhalt ist wie folgt: „Der Weg ins Weltreich“ geht auf die Expansion der Römer und die Entstehung des Limes ein, und zwar jeweils von den großen Strömungen im Imperium schnell zu den lokalen Auswirkungen übergehend. „Leben am Limes“ widmet sich Bevölkerung und Militär, Verkehr und Besiedlung, Wirtschaft, Götterwelt und Lebensart. „Ende des Limes und germanischer Neuanfang“ behandelt den Zerfall des Limessystems und den Übergang in das Mittelalter. Abschließend eine in „Imperium“ und „Mainregion“ unterteilte umfangreiche Zeittafel, ein kürzeres Glossar, eine sehr lange Literaturliste, die nach Themen und nach einzelnen Kastellorten unterteilt ist, ein in Geografie, Personen, Götter und mythische Gestalten unterteiltes Register, und ein separates Faltblatt mit einem Luftbild, auf dem die Kastelle am Main, die verbindenden Römerstraßen und die Landlimes-Anschlußstücke eingezeichnet sind.

Wie der Limes-Wanderführer hat das Buch sehr kompetente Autoren: Bernd Steidl ist Leiter der Abteilung Römerzeit an der Archäologischen Staatssammlung München. Ludwig Wamser ist deren Direktor, von ihm ist das Herausgeber-Geleitwort und die Beiträge zu den Miltenberger Kastellen. Horst Zimmerhackl befaßt sich mit dem Gebiet im frühen Mittelalter, er ist Geschäftsführer der Monumenta Germaniae Historica (siehe www.mgh.de).

Das Attribut „umfassend“ auf dem Buchrücken und in der Buchwerbung ist wirklich nicht übertrieben. Bernd Steidl scheint dort jeden gefundenen römischen Stein zu kennen, seine Nutzung in einem Heiligtum, für ein landwirtschaftliches Gut oder das Militär, wo der Stein vermutlich gebrochen und bearbeitet, auf welchen Verkehrswegen er befördert und wie er gefunden wurde.

Elegant ist die Einbettung der Main-Kastelle in den Text (Seligenstadt, Wörth, Obernburg, Großkrotzenburg, Trennfurt, Stockstadt, Niedernberg, Miltenberg/Bürgstadt und Miltenberg-Altstadt). Innerhalb der behandelten Themen beginnen die Kastell-Abschnitte mit einem ganzseitigen Luftbild und eingezeichnetem Grundriss, und der Abschnitt liefert dann neben Bemerkungen zum jeweiligen Kastell wie etwa den stationierten Einheiten auch einen Beitrag zum einbindenden Thema.

Gut fand ich auch die Tiefe der Darstellungen, ein Beispiel ist die Vorstellung des Kastells als „Stadt im Kleinen“, dessen immer wiederholtes Grundschema über die Idealvorstellungen antiker Stadtplaner erklärt werden kann. Eine damalige Säge würden wir heute verständlich und funktional finden, anderes von damals ist heute wesentlich schwerer nachzuvollziehen, und da wäre ganz allgemein mehr von solchen Darstellungen damaligen Denkens zu wünschen.

Unterm Strich ein sehr gutes Buch, aber mit einem kleinen Knackpunkt: es ist Begleitband bzw. Ausstellungskatalog (beide Begriffe sind zu finden) zur gleichnamigen Ausstellung, die vom vom 4. April bis zum 14. September letzten Jahres in der Archäologischen Staatssammlung München stattfand.

Das Buch ist zwar problemlos auch ohne Ausstellung zu lesen — ich habe es bei seiner öffentlichen Vorstellung in der Archäologischen Staatssammlung letztes Jahr gekauft, aber erst jetzt gelesen. Das Buch ist auch kein Katalog im Sinne eines Verzeichnisses der Ausstellungsstücke; es werden u.a. Ausstellungsstücke im Buch abgebildet, ohne daß direkt Bezug zur Ausstellung genommen wird. Insofern wäre der Begriff Begleitband treffender.

Der kleine Knackpunkt liegt für mich darin, daß das Buch wohl mit der Ausstellung im Hinterkopf nicht besonders auf andere Besichtigungsorte angeht. Es gibt keine Hinweise wie bei „Der römische Limes in Bayern“ auf Sehenswertes in lokalen Museen, es gibt auch keine Hinweise im Text, wenn bspw. ein Merkurheiligtum am Greinberg erwähnt wird, wo die Überbleibsel heute zu sehen sind und ob dort am Greinberg der Ort des Heiligtums ausgezeichnet ist.

Man kann aus den Abbildungsquellen einige örtliche Museen herausfinden. Hilfreicher und generell als Ergänzung zum Buch lesenswert ist aber die Nr. 121 der „Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte“. Diese Ausgabe ist der Ausstellung gewidmet und enthält neben Museumshinweisen auch sonst Interessantes zu den Ausstellungstücken wie etwa Orginaltexte und Übersetzungen der Steininschriften.

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