Samstag, 17. Januar 2026

Gemischte Links zum Neuen Jahr

Zu meinen Ausstellungsinformationen in den „Weihnachtsrömern“ ist es nicht wirklich eine zusätzliche Information, daß es auch im Aalener Limesmuseum eine Römer-Ausstellung gibt („Fremde Nachbarn – Rom und die Germanen“). Das Limesmuseum ist ja ein Römermuseum. Die begleitende hybrid angebotene Vortragsreihe 2025/26 in Stuttgart ist es aber aus meiner Sicht schon. Am 20. Januar 2026 könnte man so bspw. online am Vortrag von Dr. Bernd Steidl über die „Sueben am Lech. Neues zur Bevölkerungsgeschichte in Raetien“ teilnehmen.

Die Hybridvorträge sind nicht mehr ganz so ungewöhnlich wie früher. Neben Hybridvorträgen etwa in Volkshochschulen werden dort auch schon ganze Veranstaltungen als Online-Veranstaltung angeboten. Vielleicht hängt man heute stärker bei dem Problem nach, daß mögliche Interessenten keine Informationen über stattfindende Online-Vorträge bekommen und die Informationen über einen möglichen Zugang zum Vortrag häufig schlecht sind.

Heute ist Römerabend bei Arte - aber viel mit Amphitheater. Zunächst ab 20:15 Uhr zwei Teile „Das Kolosseum, Arena der Macht“, danach um 22 Uhr „Neros Stadt der Lüste“. Da geht es zeitweise mit dem Flavischen Amphitheater von Pozzuoli ebenfalls um ein Amphitheater.

Seitens der Römer gab es vor ein paar Tagen die Meldung von Sensationsfunden in Sachsen-Anhalt, wo Reste von römischen Lagern entdeckt wurden. Man hat im Text auch schön erklärt, worin die Sensation besteht. Nach dem bisherigen Geschichtsbild glaubte man nicht, daß es in dem für die Lager vermuteten Zeitraum Feldzüge im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt gab.

Vom SWR wurde ein längeres sehr hörenswertes Gespräch mit Gabriel Zuchtriegel über „Die überraschenden Entdeckungen der Ausgrabungen in Pompeji“ veröffentlicht. Einen kurzen SR-Beitrag „Archäologie in den Vogesen: Die gallo-römische Stadt Grand“ will ich noch anfügen. Wenn man in der Gegend vorbeikommt, ist Grand ein guter Abstecher-Kandidat.

Arte will am 07.02.2026 um 20.15 Uhr die eineinhalbstündige Doku von 2025 „Troja - Schliemanns Suche nach der Stadt Homers“ senden. Per Mediathek ist die Doku schon jetzt verfügbar. Zu den Ägyptern ist der ÖAW-Podcast „Hiccup. Per Schluckauf durch die Zeit” zu erwähnen, in dem uns die „Ägyptologin, Archäologin und ÖAW-Mitglied Julia Budka uns in der neuen Folge ins Jahr 1454 v. Chr auf die Nilinsel Sai“ entführt. Wenn ich schon bei unterschiedlichen Medien bin, erinnere auch noch schnell mit dem Link zur kürzlich erschienenen zweibändigen Open-Access-Veröffentlichung „Der Karlsgraben und die Anfänge des Kanalbaus in Europa. Künstliche Wasserwege in Antike und Mittelalter“ an eine umfangreiche kostenlos lesbare Open-Access-Literatur und an den Karlsgraben.

Die letztes Jahr empfohlene Miniserie „Die Odyssee der Zahlen“ ist nach Ablauf ihrer angegebenen Mediathekenzeit nicht mehr zugreifbar und ich habe aus meiner Empfehlung die unterlegten Links rausgenommen. Wie von mir erwähnt passen die Inhalte der Serie gut zum frühen Start in der grauen Vorzeit und zum großen Zeitumfang der „Mathematikgeschichte für Kinder und Erwachsene“.

Wenn es populärwissenschaftlich wie im Buch oder in der Miniserie um größere Zeiträume Mathematikgeschichte geht, dann wird zwar gerne die große Bedeutung der Mathematik für die Griechen vor fast 2500 Jahren angerissen. In Detaillierteres, auf welchen Ebenen man sich schon damals bewegte, müßte man dann meist bei anderen Quellen wie etwa der Wikipedia einsteigen. Ich habe Platons „Ideenlehre“ verlinkt, in der es etwa um seine Vorstellungen von der „Einsicht in den Ideencharakter der mathematischen Objekte“ geht. Für Platon war klar, daß die zu seiner Zeit bekannten Eigenschaften des Kreises entdeckt und nicht erfunden wurden. In der Zahlenminiserie wird ausgiebig die erst später hinzugekommene Verwendung der Null thematisiert. Ich hatte zum Mathematikgeschichtebuch ja noch ganz unsensibel „Die Autoren berichten von der Erfindung der Null, von der Entdeckung der Zahl π“ aus der Verlagsbeschreibung zitiert. π wurde entdeckt, das ist wie gesagt nach Platon klar. Aber die Idee der Null wäre ja eigentlich auch eine ewige Wahrheit, wenngleich das Symbol erst nach Platon erfunden worden ist.

Bei meinem bevorzugten zeitlichen Blogbereich graue Vorzeit bis Spätantike will ich zwar schon aus reinem Aufwandsinteresse weiter bleiben. Wie aber das genannte Beispiel der Null zeigt, etablierte sich zwar das Rechnen mit ihr bei uns erst während des Übergangs vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit in Konkurrenz zu den bis dahin verwendeten römischen Zahlen. Sie blieb aber eingefangen in einem weiterhin vitalen Platonismus. Bei Mathematikern leben die alten Gedankengänge mit dem „entdeckt“ statt „erfunden“ bis in unsere Zeit weiter. Kurt Gödel wird beispielsweise gern als überzeugter Platoniker angeführt.

Mein Text über das „Grenke Chess Festival 2024 in Karlsruhe“ lag aus meiner Sicht aber wirklich neben meiner eigentlichen Bloglinie. Aus meiner persönlicher Perspektive hat Schach aber sehr viel mit Mathematik zu tun. Ich vermute, daß ich wegen dem Spielen in einer mittelklassigen Vereinsmannschaft während des Studiums das in „Der Fall Hypatia“ von Peter O. Chotjewitz erwähnte Rausprüfen über die Mathematik überlebt habe. Der studierenden Jugend empfehle ich natürlich, statt sich auf so etwas zu verlassen bei den Mathematik-Übungen fleißig zu sein! Aber mit meiner Historie muß im Blog bei mehr Mathematik wohl nun sicherheitshalber auch etwas Schach mit.

Mein Chess-Festival-Text sollte damals denjenigen, die nicht so nahe am aktuellen Schachgeschehen waren, erläutern, was beim kurz davor stattgefundenen Chess Festival passierte. Man könnte Schach aber auch über seine Entstehung vermutlich in der Zeit der europäischen Spätantike aufziehen: „Vor allem Indien, aber auch Persien und bisweilen China werden als Ursprungsländer genannt. Der Zeitraum der vermuteten Entstehung schwankt zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert.“ Das war bislang nicht so mein Ding. Es gab aber jetzt einen Artikel, der anhand tatsächlich bis in die graue Vorzeit gespielter Brettspiele ganz interessante Fragen aufwirft: „Zeitvertreib, Wettstreit, Ritual: Zur Geschichte des Brettspiels“.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Weihnachtsrömer

In München hat am 21. November in der Archäologischen Staatssammlung die Ausstellung „Gladiatoren - Helden des Kolosseums“ begonnen und im Manchinger Kelten-Römer-Museum wurde die Ausstellung „Roms Armee im Feld“ bis 22. März 2026 verlängert. Im hiesigen Raum wäre also etwas zur Weihnachtszeit geboten, man muß sich nur etwas durch die vielen Schließzeiten durchhangeln.

Überregional sollte es natürlich viel mehr geben. Ich habe nicht erschöpfend gesucht, kann aber noch „Frankfurts römisches Erbe“ im dortigen Archäologischen Museum anbieten. Und in Haltern am See hat man tatsächlich „Weihnachten bei den Römern“ den Dezember über zum Thema gemacht.

In den ersten Tagen der Münchner Gladiatorenausstellung wurde ein unblutiger Live-Gladiatorenkampf in der Archäologischen Staatssammlung München angeboten. Mich hat schon interessiert wie das auf dem begrenzten Raum umgesetzt wird. Ein BR-Abendschaubericht hat es mir gezeigt: „München: Abtauchen in die Welt der Gladiatoren“. Trotz dem Event-Thema wurde in dem Bericht in kurzen Interviews auch darauf eingegangen, was die Ausstellung vermittelt. Etwa anhand des in der Ausstellung gezeigten Amphitheaters von Künzing, daß es Amphitheater auch im heutigen bayerischen Raum gab und diese Arenen vermutlich je nach vorhandenem Sponsor, der dafür bezahlte, durch mobile Gladiatorengruppen bespielt wurden.

Zum Gladiatorenthema gibt es in zahlreichen Verästellungen ziemlich viele umfangreichere Beiträge im Netz. Ganz frisch ist die über eine Stunde dauernde Folge 149 des DAMALS-Podcasts. Wenn man die nächsten Tage an zuviel Zeit leidet, böte sich die Gelegenheit noch ein paar der weiteren Folgen des DAMALS und heute - Der Podcast zur Geschichte anzuhören („Die beiden Historiker David Neuhäuser und Felix Melching stellen zweimal im Monat spannende Geschichten von Alexander dem Großen bis ins 21. Jahrhundert vor. Der Podcast wird präsentiert von DAMALS – Das Magazin für Geschichte.“).

Dieselbe Möglichkeit, seine Zeit qualitätsvoll mit einem populären Geschichtspodcast zu verbringen, bietet „Geschichten aus der Geschichte“ von Richard Hemmer und Daniel Meßner. Bei ihnen ist heute die Folge 535 erschienen. Richard Hemmer und Daniel Meßner sprechen über das Jahr 536, „und was es, unter anderem, mit dem Ende der römischen Welt zu tun hat“.

Ich will die Gelegenheit nutzen, wieder auf die ebenso qualitätsvollen Videos mit viel Römischem von Martin Mundorf hinzuweisen. Ich hatte ihn hier im Blog schon vor fast fünf Jahren erwähnt: „Geschichte und Geschichten mit Martin Mundorf“. Und die Ursache ihn schon seit einiger Zeit wieder erwähnen zu wollen war, daß er die Jahre seither mit gleichbleibend sehenswerten Videos tätig blieb. In den letzten Wochen scheint er sogar mit gesteigerter Frequenz zu veröffentlichen.

In meinem letzten Blogeintrag ging es um „Neue Dokus über die alten Griechen“. Den Blickwinkel der dort schon erwähnten Miniserie „Die fabelhafte Geschichte des Geldes“ finde ich sehr bereichernd. Im zweiten Teil der Serie geht es um die Römer.

Zu den von mir im Griechen-Zusammenhang erwähnten Bergwerkssklaven gäbe es in diesem Video eine Variante aus den iberischen Bergbaugebieten. Die vorgestellte Idee ist folgende: der Goldabbau war im betreffenden Gebiet sehr wenig ertragreich, aber das Gold für den römischen Staatsapparat wichtig. Sklaven wären für diese Arbeit zu teuer gewesen, die Lösung wären stattdessen lokale freie Bauern gewesen, die ihre Steuern durch ihre Minenarbeit entrichten mußten.

Vergleichbare finanzielle Überlegungen finden sich in einem Anfang Dezember erschienenen Artikel wieder, nach dem Sklaven in Pompeji vergleichsweise gesund ernährt wurden. Abschließend wird hier aber spezifischer auf die Sklaven in den Villen rund um Pompeji abgehoben, die besser ernährt waren als viele freie Bürger, deren Familien kaum das Nötigste hatten. Ein heute erschienener Artikel „Die römische Geschichte von Weihnachten“ erläutert allgemein für das römische Reich, wie umfassend der Zensus als Grundlage für das Steuersystem funktionierte.

Unser Weihnachten hat wesentliche römische Einflüsse. Nebst dem Datum, dessen Termin auf die kirchliche Übernahme des von Kaiser Aurelian festgelegten Geburtstags von Sol Invictus für die Geburt Christi zurückgeht, sollen die Römer mit den Saturnalien die Vorlage für den Ausstausch von Geschenken, von Festessen und dem Anzünden von Kerzen geliefert haben.

Der allgemeine Weihnachts-Hintergrund wäre ja die Wintersonnenwende. Bei mir geriet die Wintersonnenwende dieses Jahr durch ein paarmal Einkaufsradeln in einer Übergangstageszeit in den Fokus, in der ich auf der Rückfahrt zwecks meiner besseren Sichtbarkeit das Licht einschalten mußte. Die Wintersonnenwende war so schon ein wenig vorgezogene Weihnachten für mich. Wenn so wenig Erdung bei mir so gut wirkt, dann muß ich in den nächsten Wochen öfters in dieser Übergangstageszeit unterwegs sein, um durch die längeren Tage richtig viel Aufwärtsstimmung mitzubekommen!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes und friedliches Weihnachtsfest und viel Erfolg mit den Plänen für das neue Jahr!

Donnerstag, 27. November 2025

Neue Dokus über die alten Griechen

Aktuell sind beim ZDF und bei Arte interessante Dokus im Angebot. Zeitkritisch, wenn man sie im Fernsehen ansehen will, ist die Miniserie „Dark Greece – Die Wahrheit über das antike Griechenland“. Die Miniserie ist heute ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo zu sehen. Wie lange die Serie noch online zugreifbar ist, kann ich auf den Webseiten nicht erkennen.

Arte bietet am Samstagabend ab 20:15 Uhr die Miniserie „Die fabelhafte Geschichte des Geldes“ an. Da bin ich gestern Abend beim kurzen Hineinsehen in die erste Folge auch in einer dunklen Ecke des antiken Griechenlands gelandet. Sogar in einer extrem dunklen, der Ausbeutung von Sklaven in den Silberminen von Laurion.

Möglicherweise gibt es bei den Erzählungen in den Dokus zu griffige Schwerpunktsetzungen. Bei der Darstellung der Folgen der von Alkibiades im Peloponnesischen Krieg empfohlenen spartanischen Besetzung von Dekeleia wird etwa in der Doku die Flucht von 20000 Sklaven nach Dekeleia und das schlußendliche Zusammenbrechen der Silberminenausbeutung hervorgehoben. In der Wikipedia werden stattdessen zunächst athenische Logistikprobleme thematisiert und es wird erst im Nachsatz erwähnt, daß Dekeleia „auch zu einem Fluchtpunkt für entflohene Sklaven in Attika“ wurde.

Aber selbst wenn dieser Sachverhalt in der Doku etwas zu griffig formuliert wurde, war die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Silberminenausbeutung für Athen gegeben und die ethische Problematik der dortigen Arbeitsbedingungen mußte zeitgenössischen Athenern wie etwa Sokrates bekannt gewesen sein.