Dienstag, 14. Dezember 2010

Agrigent, dritter Teil

In den restlichen Teilen zu Agrigent soll es um die einzelnen von uns besuchten Sehenswürdigkeiten gehen. Auf deren Lage bin ich im zweiten Teil eingegangen, ggf. sollten Sie wieder wie dort empfohlen den Lageplan des Antikefans Bernd Liermann zu Hilfe nehmen.

Bild 1: Nordwestseite Hera- bzw. Junotempel Agrigent

Bei unseren Touren waren die beiden im vorherigen Teil genannten Parkplätze bei den Tempeln und ein Stück oben beim Museum unsere Ausgangspunkte. Außerdem versuchten wir an den Äskulap- und den Vulkan-Tempel heranzukommen. Von diesen Versuchen etwas entäuscht haben wir die „kleinen“ Ziele in der Altstadt von Agrigento sein gelassen und waren stattdessen ein zweites Mal bei den östlichen Tempeln in der Reihe Herakles, Concordia und Juno. Beim Nachbereiten bedaure ich jetzt vor allem, daß dabei die nordöstliche Ecke mit dem Fels-Heiligtum von San Biagio und den Resten des Demetertempels ausgefallen ist.

Bild 2: Südostseite Hera- bzw. Junotempel Agrigent

Starten wir nun wieder mit dem Junotempel. Andere Bezeichnungen sind Heratempel, Hera-Lakinia-Tempel, Tempio di Juno Lacinia, Juno-Lacinia-Tempel, in allen Fällen ist die Gattin des Zeus gemeint. Hera soll aber dieser Tempel wegen einer falschen Auslegung historischer Quellen zugesprochen worden sein. Wessen Tempel er in Wirklichkeit war, ist unbekannt.

Plausibelste Theorie ist nach dem vor Ort gekaufte Führer ein Tempel des Meeresgottes Poseidon, wegen der erhöhten und damit zum Meer hin prominenten Lage. Dafür würde auch eine attische Vase mit der Abbildung von Meeresnymphen sprechen, die 1928 in der Cella des Tempels gefunden wurde.

Bild 3: Altar Ostseite Hera- bzw. Junotempel Agrigent

Der Führer scheint besonders von diesem Tempel bezaubert - „Perfektion seiner Anfertigung“, „Aufmerksamkeit, die die Bauherren jedem einzelnen Detail widmeten und seine Aufstellung an einer besonderen Stelle“, und das trotz des viel besser erhaltenen Concordiatempels, zu dem dieser Tempel aufgrund vieler Ähnlichkeiten und der zeitlichen Nähe eine Art Zwilling darstellen soll.

Bild 4: Arkosolen in der Stadtmauer beim Hera- bzw. Junotempel Agrigent

Für den Tempel wird die Entstehungszeit zwischen 470 und 450 v. Chr. angesetzt, beim Concordiatempel die Zeit zwischen 440-430. Sie sind nach der dorischen Ordnung erbaut. Ich zitiere zu dieser dorischen Ordnung ein Stück aus meinem Führer „Das Tal der Tempel von Agrigent“, das macht vielleicht zusammen mit dem Aspekt noch erkennbarer Veränderungen des Concordiatempels durch die Zwischennutzung als christliche Kirche das Faible für den Junotempel verständlicher: „Die dorische Ordnung erlebte im Laufe der Zeit eine zweite stilistische Entwicklung, wobei sie die etwas ungeschlachten und mächtigen archaischen Formen zugunsten der perfekt ausgeglichenen Formen der klassischen Periode verließ, um dann im hellenistischen und römischen Zeitalter in elegante, aber kalte und steife Formen zu wechseln.“ Juno- und Concordiatempel wären Beispiele für die Klassik, der Heraklestempel ist archaisch.

Bild 5: Frühchristliche Nekropole beim Concordiatempel Agrigent

Nebst den genannten Vorzügen des Junotempels gibt es noch eine Besonderheit, das ist der monumentale Altar vor dem Eingang in Richtung Osten (Bild 3). Daß im Gegensatz zu christlichen Kirchen der Gottesdienst außerhalb gefeiert wurde, war mir bekannt. Ich hätte mir das in der Aufstellung Tempel, davor Altar wo der Priester das Opfer zelebriert und dann die zusehenden Gläubigen vorgestellt. Hier am Junotempel hätten aber von Osten nur die Götter vom Olymp her eine gute Sicht gehabt, nicht aber Gläubige. Östlich befände man sich unterhalb des Altars, und da gibt es nur ganz wenig Platz. Auf der südlichen Seite des Altars ist der Raum auch ziemlich beschränkt. Nach Norden zu kommt ein Hang, an dem zwar größere Mengen stehen, von wo der Altar aber nur seitlich und von unten gesehen werden kann.

Bild 6: Ostseite Concordiatempel Agrigent

Auf diesen Altären sollen die Opfertiere geschlachtet und dann ihre Knochen in Fett gewickelt und verbrannt worden sein, während das Fleisch in einem rituellen Festmahl von den Gläubigen verzehrt wurde. Wie das vor Ort vor sich gegangen ist, rate jetzt nicht weiter. Es ist auch so, daß oben in der Südost-Ecke nichts von Verteidigungsanlagen zu sehen war. Also es kann sein, daß über die Jahrtausende Teile heruntergebrochen sind. Anderseits habe ich das jetzt mit Fotos verglichen, die ich vom Modell des Tempels von Ägina in der Glyptothek gemacht habe, da ist ebenfalls wenig Platz vor dem Altar. Also vielleicht sollten die Gläubigen gerade nicht in dieser Linie nach Osten beim Opfer stehen, ich habe jedenfalls zu diesen Vorgängen noch Nachlernbedarf.

Bild 7: Westseite Concordiatempel Agrigent

Im Bereich unterhalb des Junotempels fällt es ebenfalls schwer, sich eine Vorstellung von der Verteidigungsanlage zu machen, es ist aber zumindest etwas da. Was im vierten Bild rechts unterhalb des Tempels zu sehen ist, sollen Reste der Stadtmauer sein, in die von den Byzantinern Arkosolen eingearbeitet wurden.

Wie gemauert sahen die Reste der Stadtmauer in dem Bereich nicht aus. Es wirkte auf mich wie aus dem Felsgrat geschlagen. Als Baumaterial wurde in Akragas örtliches Kalktuffgestein verwendet, vielleicht konnte man den Bau der Verteidigungsanlage mit der Materialbeschaffung verbinden.

Bild 8: Nordseite Concordiatempel Agrigent

Zu Goethes Zeiten glaubte man, in den Arkosolen hätten die Griechen ihre Helden beerdigt. Mittlerweile spricht man die Grabstätten den Byzantinern zu. Ich habe sie ohne die in der Wikipedia beschriebene Aussparung kennengelernt, d.h. in die gut erreichbaren konnte man mit flachem Boden reinsitzen, allerdings haben wir nicht in die schwerer erreichbaren reingesehen.

Der in den Fels geschlagene Friedhof von Bild 5 befindet sich in der Nähe des Concordia-Tempels am Hang hinunter in das „Tal“ zwischen dem heutigen Agrigento und dem Tempel-Felsgrat. Die Nekropole soll auf frühe Christen zurückgehen. Im Hintergrund sieht man, daß in den Hang ein Raum für weitere Grabstätten gegraben wurde. Im Concordiatempel wurden ebenfalls während der christlichen Nutzung Gräber angelegt. Und auf den Rechtecken im Boden, die man im Bild 7 vor der Westseite des Concordiatempels sieht, könnte ich mir Sarkophage vorstellen. Also im und um den Concordiatempel herum, der 597 n.Chr. in eine christliche Kirche umgewandelt wurde, entstand ein großer Friedhof.

Bild 9: Antike Straße zwischen Villa Hardcastle und Herkulestempel

Der Concordiatempel wurde durch die Umwandlung zu einem der am besten erhaltenen griechischen Tempel. Sein Erhaltungszustand ist ein Argument gegen die Vermutung bei anderen örtlichen Tempeln, sie wären durch ein Erdbeben zerstört worden.

Der Concordiatempel wurde für die Nutzung als Kirche umgebaut. Eine Veränderung ist von außen zu sehen, das sind die seitlichen Öffnungen in der Cella. Eine andere, das Zumauern der Zwischenräume zwischen den meisten Säulen, wurde wieder rückgängig gemacht. Das Kalktuffgestein des Tempels war im alten Akragas durch eine Schicht teilweise bemalten weißen Stucks überzogen.

Bild 10: Herkules- bzw. Heraklestempel Agrigent

Wie beim Junotempel ist ebenfalls unbekannt, wem der Tempel ursprünglich zugesprochen war. Namensgebend wurde eine römische Inschrift, die in der Nähe gefunden wurde. Neben „Concordia-“ ist auch „Konkordia-Tempel“ gebräuchlich, italienisch Tempio di Concordia.

Zwischen Concordia- und Herkulestempel befindet sich ein eingezäuntes Gelände mit der Villa Hardcastle (oder nach dem Tor in der Nähe „Villa Aurea“). Sie war Wohnsitz des englischen Marinekapitäns Alexander Hardcastle, der sein Vermögen für „Wiederbelebung“ der Agrigenter Tempel ausgegeben hat. Nachdem ich dem wenig entfernten Hotel im zweiten Teil eine 1a-Lage zugesprochen habe, muß ich der Villa zu 1a noch viele Extrasternchen geben - sofern die im Bild 9 zu sehende antiken Straße schon ausgegraben war, konnte Alexander Hardcastle auf ihr die paar Schritte von seinem Garten zum Herkules-Tempel spazieren.

Bild 11: Herkules- bzw. Heraklestempel Agrigent

Der Name des Herkules- oder Herakles-Tempel, italienisch Tempio di Ercole, wird auf eine Ortsangabe von Cicero zurückgeführt („in der Nähe des Forums“, und das soll der im letzten Teil erwähnte untere Marktplatz beim heutigen Parkplatz gewesen sein). Der Führer meint, daß „selbstverständlich nicht alle Archäologen zum selben Schluß kämen“ und manche sogar behaupten würden, es sei der Tempel des Apollo aufgrund einiger Ähnlichkeiten mit dessen Tempel in Delphi. Bedeutsam ist er auf jeden Fall als archaischer Tempel der letzten Jahrzehnte des 6. J. v.Chr., das sei hier durch verschiedene architektonische Merkmale belegt. Allen voran die Maße, der Tempel hatte 15 statt der 13 Säulen der klassischen Tempel an den Seiten bei derselben Anzahl von 6 Stirnsäulen, dadurch sei das Verhältnis Breite zu Länge nicht so harmonisch.

Bild 12: Herkules- bzw. Heraklestempel Agrigent

So, nach diesem Teil Agrigent springen wir noch schnell ein paar hundert Jahre in den Hellenismus und ein paar hundert Kilometer weiter vor die Insel Antikythera. Dort ist zu dieser Zeit ein Schiff mit einem Mechanismus gesunken, der geborgen und enträtselt werden konnte. Der Mechanismus wurde passend zu Weihnachten mit Lego nachgebaut und der Link auf das Video geistert seit ein paar Tagen durch das Internet. Hier der Link auf das Video bei Youtube und hier die Wikipedia mit Hintergrundinformationen.

Dienstag, 30. November 2010

Agrigent, zweiter Teil

Das mit der „kurzen“ Unterbrechung meines Sizilien-Reiseberichts durch die „Terminsachen“ ging ziemlich schief. Die nächste Unterbrechung ist absehbar, aber jetzt sollen erst komplett die Einträge zu Agrigent kommen. Für die Sizilien-Fans will ich auf das Sizilien- und den Agrigent-Label unterhalb der zugehörigen Blog-Einträge hinweisen, dort draufklicken und man sieht die Sizilien- und Agrigent-Einträge im Zusammenhang.

Bild 1: Juno-Tempel

Vor dem Start des zweiten Teils empfehle ich noch einen Blick auf den langen Kommentar von Peter Burket zum ersten Blog-Eintrag zu Agrigent. Im Zusammenhang mit diesem Blog-Eintrag habe ich auch Kontakt mit Dr. Ernst Theodor Mayer bekommen, einem direkten Nachfahren des im Kommentar erwähnten Professor Ernst Mayer.

Ein Ergebnis dieses Kontakts mit Herrn Dr. Mayer will ich schon einmal weitergeben: er hat mich auf den Artikel „Grün steht den Göttern gut“ auf Seite 12 der Süddeutschen Zeitung vom 15.11.2010 hingewiesen. Es geht darin um sensationelle Farbdias, die im Nachlass des Hobbyfotografen Joseph Eschenlohr gefunden wurden. Er hatte sie vor den Kriegs- und Nachkriegszerstörungen in der Glyptothek aufgenommen. Die Wände in „verde-antico“, was man dem Namen nach von Baurechnungen kannte, aber von dem man mangels Farbfotos nicht wußte, wie es aussah. Der Artikel in der Süddeutschen ist mit dem Barberinischen Faun vor grünem Hintergrund illustriert.

Bild 2: Concordia-Tempel

Wenn Sie versuchen an den Artikel im WWW heranzukommen, sollten Sie "Grün steht den Göttern gut" in Hochkomma schreiben. Der Nachname von Herrn Eschenlohr ist in der SZ hinten mit „er“ geschrieben, falls Sie es mit dem Namen versuchen und die Suchmaschine das nicht zurechtbiegt. Zum Vorkriegszustand und den Kriegszerstörungen hatte ich im Blog-Eintrag über die Münchner Glyptothek auf die Website www.denkmaeler-muenchen.de hingewiesen.

Eventuell fällt Ihnen auf, daß der Barberinische Faun seinerzeit noch einen linken Arm und einen linken Fuß hatte und heute nicht mehr. Auf der Webseite der Skulpturhalle Basel können Sie den Unterschied sehen. Das führt zum Thema Ergänzungen an den Ausstellungsstücken der Glyptothek, an denen auch der schon erwähnte Professor Ernst Mayer beteiligt war, und deren spätere Entfernung. Den Begriff „Purifizierung“ habe ich in diesen Tagen durch Herrn Dr. Mayer kennengelernt.

Bild 3: Blick vom Concordia-Tempel nach Norden

Ich hoffe, wir werden von ihm zu diesem Thema und vielleicht auch zu den Telamonen/Atlanten noch einiges erfahren. Aber jetzt weiter zu Agrigent. Im Rest dieses Eintrags soll es um die Lage der archäologischen Sehenswürdigkeiten gehen, man kann sich dadurch vielleicht ein klein wenig vorstellen, wie der im ersten Teil erwähnte Pindar die Stadt Akragas gesehen hat.

Eine Besonderheit sind die in einer Reihe angeordneten Tempel bzw. Tempelreste, die man heute im „Parco della Valle dei Templi di Agrigento“ besichtigen kann. Tal der Tempel ist etwas missverständlich, weil die Tempel neben dem tiefer gelegenen „Tal“ meist nahe an einer Felskante stehen. Sehen wir uns dazu neben den Bildern in diesem Blog-Eintrag noch den Lageplan von Agrigent beim Antikefan Bernd Liermann an. Vielleicht können Sie diese Webseite in einer zweiten Registerkarte aufmachen und dann am besten auf den Plan klicken um an die große Version zu kommen. Die zentralen touristischen Anlaufpunkte sind dort durchnummeriert. Eine weitere Registerkarte können Sie der Wikipedia spendieren. Die Karten dort sind wegen dem vom Antikefan ausgelassenen Bereich im Norden interessant, wo vermutlich die Akropolis gelegen hat.

Bild 4: Blick vom Herakles-Tempel nach Norden

Auf meinem ersten Bild sehen Sie etwas herangezoomt wieder den Juno-Tempel, mit dem ich den ersten Teil von Agrigent beendet habe. Beim Antikefan ist das der Kreis mit der Nummer 5 in der südöstlichen Ecke der eingezeichneten früheren Stadtmauer. Die Aufnahme habe ich vom antiken Ekklesiasterion (Versammlungsort) beim Archäologischen Museum Agrigent aus gemacht, das ist ziemlich in der Mitte des Lageplans, wo drei nummerierte Kreise beieinanderliegen (neben dem Museum und Ekklesiasterion auch noch die Kirche San Nicola).

Das zweite Bild zeigt den ebenfalls etwas herangezoomten Concordia-Tempel, beim Antikefan die Nummer 6, im Hintergrund ist das Meer. Das dritte Bild ist beim Concordia-Tempel in Gegenrichtung auf die Stadt aufgenommen. Museum und Kirche San Nicola sind vor der Stadt oben an der Straße in der Bildmitte zu sehen. Rechts ein Hotel, hinsichtlich Tempel und Museum in 1a-Lage (Preise und Qualität sind mir aber unbekannt). Bild 4 ist auch in Richtung auf Agrigento aufgenommen, jetzt vom Herakles- bzw. Herkules-Tempel aus, das ist die Nummer 7 beim Antikefan, der nächste Tempel in der Reihe in Richtung Westen.

Bild 5: Asklepios-Tempel

Touristisch gesehen sind die wichtigen Anlaufpunkte vor allem der Parkplatz, der im Vordergrund des vierten Bildes zu sehen ist, von dem man zu Kassen und dann den Tempeln weitergeht, und der große Parkplatz beim archäologischen Museum. Bemerkenswert ist, daß sich diese Anlaufpunkte nahezu mit den Zentren des täglichen Lebens im antiken Akragas decken. Der untere Marktplatz soll bei dem zu sehenden Parkplatz gelegen haben, der obere Marktplatz beim Museum. Das Haupttor der Stadt, bei den Römern Porta Aurea genannt, soll hier beim Herakles-Tempel gelegen haben. Die antike Zufahrt würde sich also mit dem Durchbruch durch den Felsgrat für die heute von Süden kommende Straße decken, der Durchbruch soll aber erst in byzantinischer Zeit so tief gelegt worden sein.

Wenn auf antike Ansichten eingegangen wird, dann wird meist die nahe der Felskante stehende Tempelreihe hervorgehoben, die vom Meer her kommende Besucher sicher sehr beeindruckt haben muß. Im fünften Bild - aufgenommen aus dem fahrenden Auto direkt beim Asklepios-Tempel unten in der Mitte des Lageplans - sieht man aber, daß von dort auch die Akropolis im Norden gesehen werden konnte. Wegen der modernen Überbauung ist dort nur wenig erhalten. Es muß aber auch dort Tempel gegeben haben, Säulenteile und der Grundbau eines dorischen Tempels sollen in der Kirche Santa Maria dei Greci im Zentrum der heutigen Stadt erkennbar sein. Die Säulen im Bild neben den Asklepios- bzw. Äskulap-Tempel-Resten stammen vom Herakles-Tempel, das braune Bauwerk im Grünen links unterhalb dieser Säulen ist das sogenannte Grabmal des Theron.

Bild 6: Nordwestblick vom Juno-Tempel

Es gibt noch eine weitere interessante Sichtachse. Wie auf dem Lageplan des Antikefans zu sehen ist, stehen die Tempel etwa in Reihe. Es fehlt bei seinen Kreisen noch ein Tempel, nämlich der Vulkan-Tempel westlich neben den Eisenbahngleisen und innerhalb der antiken Befestigungsanlage. Wie man auf dem Plan sieht, geht das nur mit einer Biegung der Tempelreihe nach Norden. Wir sind an den Tempel nicht herangekommen. Im dort gekauften Tal-der-Tempel-Führer ist aber ein westlich und oberhalb des Vulkan-Tempels mit Zoom aufgenommenes Bild, auf dem man sowohl die Reste des Vulkan-Tempels als auch die Tempelreste bei Nummer 9 und 10 sowie den Concordia- und den Juno-Tempel sehen kann. D.h. diese Sicht einer „Prozessionsanordnung“ muß es seinerzeit auch gegeben haben. Von einer gefundenen antiken Prozessionsstraße ist mir nichts bekannt, ich glaube nur irgendwo so eine Bezeichnung für den modernen Touristenweg zu den Tempeln 5-7 gelesen zu haben.

Bild 6 ist in Gegenrichtung zu der genannten Sichtachse aufgenommen, also vom Juno-Tempel. Man sieht den Concordia-Tempel, aber aus dieser Richtung knickt der Felsgrat zusehr ab um von den unterhalb stehenden Resten noch etwas zu erkennen. Zwischen Tempeln und dem heutigen Agrigent senkt sich das Gelände etwas. Ich stelle mir die Topographie des antiken Akragas wie menschliche, mit einem Rock bekleidete Oberschenkel vor. Der rechte Oberschenkel ist etwas aufgestellt und abgespreizt, dort lag die Akropolis und das heutige Agrigento, der linke Oberschenkel ist an den Boden gedrückt, dort befinden sich die Tempel. Der Juno-Tempel noch ein wenig erhöht auf einem Stück Hüftknochen.

Bild 7: Südwestblick vom Juno-Tempel

Das abschließende Bild 7 ist von diesem „Hüftknochen“, also beim Juno-Tempel, in Richtung Südwesten aufgenommen. Die Straße führt nach Porto Empedocle, rechts bei der Straße ist schwach der Asklepios-Tempel zu erkennen. Im Dunst hinten das Meer. Die Landschaft läuft aber nicht flach dorthin aus, sondern es geht auf dem Weg dahin noch einmal eine Stufe herunter.

Samstag, 30. Oktober 2010

Historica 2010 in Karlsruhe-Durlach

Auf die Historica 2010 in Karlsruhe-Durlach in der übernächsten Woche hatte ich schon im letzten Abschnitt des Dachziegelarchiv-Eintrags hingewiesen. Wegen der seltenen Chance, soviele Autoren historischer Romane persönlich kennenlernen zu können, will ich den Hinweis besonders für die in der Nähe Wohnenden wiederholen.

Das Programm startet am Donnerstagabend, 11. November 2010, mit einer Lesung in einer Buchhandlung in Karlsruhe-Durlach. Am 12. November wird der „Sir Walter Scott-Literaturpreis“ in der Durlacher Karlsburg verliehen, in der auch tags darauf, am Samstag, 13. November 2010, die „Lange Lesenacht“ stattfindet. Wer wo wann in den vier Leseräumen der Karlsburg vorliest, steht mittlerweile fest und kann einer auf der Website des Autorenkreises Historischer Roman Quo vadis verlinkten pdf-Datei entnommen werden.

Karlsruhe-Durlach

Für diesen Historica-Hinweis wollte ich eigentlich Fotos der Durlacher Villa rustica verwenden. Ich konnte die Villa rustica aber nicht mehr rechtzeitig besuchen und im nachträglichen Bericht über die Historica habe ich wenig Sinn gesehen, die Leute aus dem Autorenkreis können das besser.

Karlsburg Durlach

Glücklicherweise habe ich noch passende andere Durlach-Fotos. Alle Bilder sind von einer Aussichtsplattform auf dem Turmberg oberhalb von Durlach aufgenommen. Der Turmberg gehört noch zum Nordschwarzwald, unten sieht man die Rheinebene und im Vordergrund des ersten Bilds in der rechten Bildhälfte den alten Stadtkern von Durlach mit der Karlsburg. Von da führt das erkennbare Straßenband in Richtung Westen hin zum Zentrum von Karlsruhe. Das zweite Bild zeigt die herangezoomte Karlsburg. (Wer sich über Unterschiede beim Blattgrün wundert - das zweite Bild ist zwei Jahre und dreieinhalb Monate nach den Bildern 1 + 3 entstanden.)

Karlsruhe-Durlach

Das dritte Bild zeigt den Blick in die Richtung rechts vom ersten Bild. Ich würde tippen, daß die erwähnte Villa rustica etwa in Höhe des unten erkennbaren Sportplatzes hinter dem Baum am rechten Bildrand gelegen haben müßte. Die Villa rustica lag westlich an der römischen Straße, die unterhalb der Nordschwarzwaldkante das Rheintal entlang etwa entsprechend der späteren B3 verlief. Das müßte im dritten Bild etwa im Bereich der am nähesten sichtbaren geschlossenen Häuserreihe gewesen sein.