Mittwoch, 7. Oktober 2009

Die Viereckschanze bei Endlhausen

Letzten Samstag sind wir von der Kelten- bzw. Viereckschanze Holzhausen zur Schanze bei Endlhausen weitergefahren.


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Das nicht weit von Holzhausen entfernte Endlhausen ist ein Ortsteil von Egling und befindet sich wie Holzhausen im an Keltenschanzen besonders reichen Gebiet östlich der Isar im Süden von München.

Keltenschanze Endlhausen

Die Schanze liegt komplett bewaldet außerorts im Süden von Endlhausen an der westlichen Seite der Straße nach Fraßhausen, wenig nördlich der von Geilertshausen einmündenden Straße.

Panorama Suedwestecke Viereckschanze Endlhausen

Von der Walllücke für das frühere Tor auf der Ostseite der Viereckschanze sind es nur wenige Schritte zur parallel zum Wall vorbeiführenden Straße. Wall und Graben wirken sehr gut erhalten und ziemlich gewaltig, man glaubt kaum, daß das Bauwerk über 2000 Jahre alt ist.

Panorama Nordwestecke Keltenschanze Endlhausen

Wie fotografiert man eine im Wald liegende Keltenschanze? Wie man sieht, mache ich derzeit Bilderserien, lasse die mit Panorama-Software zusammen montieren und schaue, was dabei herausgekommen ist. In diesem Eintrag sind alle Fotografien außer dem Ersten Panorama-Bilder.

Panoramablick vom Nordwall der Keltenschanze Endlhausen

Das zweite Bild ist ein Panorama der Südwest-Ecke der Schanze, das Dritte ist eines der Nordwestecke. Das vierte Bild ist nicht von einer Ecke aufgenommen, sondern ein 180°-Blick etwa von der Mitte des Nordwalls nach Süden. Das fünfte Panorama ist ein Blick Richtung Osten durch die Wallöffnung, in der sich früher das Tor befunden haben soll.

Panorama Toroeffnung Viereckschanze Endlhausen

Montag, 5. Oktober 2009

Die Viereckschanze 2 von Holzhausen

Die mit „Keltenschanze“, „Viereckschanze“ oder „keltische Viereckschanze“ bezeichneten Anlagen sind in einem Gebiet von Böhmen bis Frankreich gefunden worden, besonders viele in Süddeutschland zwischen Alpen und Main, und hier ist vor allem der Raum südöstlich von München besonders gesegnet. Bspw. kann man aus München heraus zum S-Bahnhof Deisenhofen fahren und auf einer Fußwanderung bequem gleich mehrere Keltenschanzen besuchen.

Ein Stück südlich von Deisenhofen liegt der Ortsteil Holzhausen von Straßlach-Dingharting mit zwei Viereckschanzen, und eine davon, Holzhausen 2, ist wegen der Frage nach der Deutung der Keltenschanzen ziemlich berühmt geworden. (Wobei der weitverbreitete Namen Holzhausen zur Verwirrung führen kann, im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es noch das Allinger Holzhausen mit ebenfalls zwei Keltenschanzen.)


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Martin Kuckenburg beschreibt in seinem Buch „Die Kelten in Mitteleuropa“ den Sachverhalt so: Friedrich Drexel habe 1931 mit dem Argument der Ähnlichkeit der Keltenschanzen (meist quadratische oder rechteckige Einfriedungen aus Erdwall und Graben) eine Deutung als „Heiligtümer“ oder „sakrale Anlagen“ vorgeschlagen, denn nur so war seiner Ansicht nach die „weitgehende Standardisierung“ dieser Anlagen erklärbar. Dieser religiöse Deutungsansatz sei dann lange Zeit eine unbedeutende Außenseitermeinung gewesen, bis der Archäologe Klaus Schwarz die Schanze Holzhausen 2 untersucht hat.

Einige seiner Befunde brachten ihn zur Überzeugung, daß eine kultische Nutzung vorlag. Solche Befunde gab es in der Folge auch in anderen Keltenschanzen, so daß sich in den 1960er Jahren eine Deutung der Anlagen als keltische Kultstätten durchgesetzt hat.

Keltenschanze Holzhausen

Spätere Grabungen brachten eine Wende, die vorher vermuteten Opferschächte erwiesen sich als Brunnen, darin vermutete Kultpfähle wurden nun als Schwingbalken von Stangenziehbrunnen interpretiert usf. Zudem konnte man für einzelne Schanzen das komplette Fundspektrum nachweisen, „das man bei ländlichen Siedlungen der Spätlatènezeit erwarten würde“. Der aktuelle Deutungsansatz geht deshalb in Richtung begüterter Bauernhof, in einer zeichnerischen Rekonstruktion der Keltenschanze von Bopfingen steht sie durch die Einfriedung herausgehoben innerhalb einer Dorfsiedlung.

Bei dieser Deutung als herausgehobenes bäuerliches Anwesen ist aber durchaus denkbar, daß ein möglicherweise in der Schanze residierendes weltliches Oberhaupt der Gemeinde auch das geistliche Oberhaupt gewesen ist und in der Schanze Kulthandlungen stattfanden, oder daß manche Keltenschanzen gänzlich nur sakralen Zwecken gewidmet waren.

Die pauschale Deklarierung als Kultstätten unter Bezug auf die alten Ausgrabungen von Holzhausen, wie sie leider bei einigen Keltenschanzen im Münchner Raum zu finden ist - siehe die Fotografie der Informationstafel bei der Keltenschanze Buchendorf - ist aber nach aktuellem Stand falsch.

Viereckschanze Holzhausen

Die Bilder im heutigen Eintrag sind vom letzten Samstag und zeigen die östliche der beiden Viereckschanzen in Holzhausen. Betrachtet man die oberste Fotografie, dann sieht man hinten ganz links ein weißes Haus. Die westliche Schanze liegt im Bereich der Bäume rechts neben diesem Haus. Sehr gut zur örtlichen Orientierung ist hier auch der BayernViewer Denkmal verwendbar.

Die Befunde wurden in der Schanze „Holzhausen 2“ bzw. der „Viereckschanze 2 in Holzhausen“ ergraben. Der Bayern-Viewer-Denkmal sagt mir nicht, welche der beiden die „Viereckschanze 2“ ist. In einem früheren Blog-Eintrag hatte ich meine nicht so gute Meinung von den Denkmalinformationen schon mal dargestellt.

Nachdem der Bayern-Viewer-Denkmal mich hier im Stich gelassen hat, habe ich erfolglos fast 2 Stunden im WWW nach einer offiziellen Seite gesucht, die erläutert welche der beiden Schanzen „Holzhausen 2“ ist. Ich verlasse mich jetzt stattdessen auf den „Archäologieführer Deutschland“ von Hermann Bierl, und der sagt die östliche Schanze und demnach die im Bild gezeigte ist „Holzhausen 2“.

Viereckschanze Strasslach-Dingharting

Wer mehr über das Thema wissen will, dem empfehle ich nachdrücklich Alexa Weyrauch-Pungs Rezension des 2005 erschienen Buches „Die Ausgrabung in der Viereckschanze 2 von Holzhausen“ mit den von Günther Wieland zusammengestellten und kommentierten Grabungsberichten von Klaus Schwarz. Alexa Weyrauch-Pung hat die Rezension in ihr „Radiolarium“ eingestellt. Weiter ist der Artikel in der Wikipedia über Viereckschanzen empfehlenswert. In der Wikipedia gibt es auch eine Liste bayerischer Viereckschanzen. Der Text aus dem Archäologieführer Deutschland zur Viereckschanze ist bei Pointoo zu finden.

Freitag, 2. Oktober 2009

Alexander der Große in Mannheim

Im letzten Blog-Eintrag hatte ich auf die Stuttgarter Ausstellungen „Eiszeit – Kunst und Kultur“ und „Schätze des Alten Syrien – Die Entdeckung des Königreichs Qatna“ sowie die Karlsruher Ausstellung „Erben des Imperiums in Nordafrika - Das Königreich der Vandalen“ hingewiesen.

Entgangen ist mir dabei die nicht weit von Stuttgart und Karlsruhe stattfindende Mannheimer Ausstellung „Alexander der Große und die Öffnung der Welt – Asiens Kulturen im Wandel“. Die Alexander-Ausstellung beginnt offiziell morgen am 3. Oktober 2009 und endet am 21. Februar 2010. Oliver Seppelfricke war schon dort, sein heute erschienener Bericht kann derzeit noch beim Deutschlandfunk nachgelesen werden.