Montag, 23. Dezember 2024

Die Keltenschanze im Laufzorner Holz

In diesem Jahr hatte ich mich im Blog in südlicher Richtung den Hachinger Bach entlang bachaufwärts von Altperlach bis zu einer der neuen Informationstafeln auf dem Oberhachinger Kyberg vorgearbeitet. Die Informationstafeln wurden an „verschiedenen historisch bedeutsamen Punkten aufgestellt, die spannende Einblicke in die Geschichte, Archäologie und Entstehung der Region um Oberhaching bieten.“

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Unterhalb des Kybergs befindet sich die Quelle des Hachinger Bachs. Als geologische Besonderheit geht das Hachinger Tal im weiteren Verlauf nach der Bachquelle in das trockene Gleißental über, das in die südliche Richtung weiterführt. Die Keltenschanze im Laufzorner Holz liegt westlich des Gleißentals etwa 2 km Luftlinie von der Quelle des Hachinger Bachs entfernt. Die Museumsapp des Heimatmuseums Unterhaching trägt dem übergreifenden System von Hachinger Tal und Gleißental dadurch Rechnung, daß man das Gleißental zum Hachinger Tal dazuschlägt. Sie ist deshalb auch interessant für Ausflüge in den Bereich des Gleißentals. Daß es im Gleißental eine Skiflugschanze gab, habe ich bspw. nur durch die App mitbekommen. Einen Eindruck für diesen übergreifenden Ansatz der App gibt das Video „Flug über den Hachinger Bach“.

Die Kette von römischen Siedlungen entlang des Hachinger Bachs habe ich in den früheren Einträgen erwähnt. Die Nord-Süd-Verbindung dieser Siedlungen entlang des Hachinger Bachs muß sich irgendwie im Bereich des Übergangs vom Hachinger Tal in das Gleißental mit der römischen Ost-West-Fernverbindung zwischen dem römerzeitlichen Salzburg und Augsburg getroffen haben. Diese Fernverbindung kreuzte seinerzeit aber nicht den Hachinger Bach, sondern verlief durch den nördlichsten Teil des Gleißentals. Und führte nach dem etwa 500 m von der Schanze entfernten westlichen Aufstieg aus dem Gleißental direkt an der Keltenschanze im Laufzorner Holz vorbei, wie auf dem Schummerungsbild in Abbildung 3 der neuen Infotafel zu sehen ist.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Das auf der Informationstafel abgebildete Schummerungsbild kann man sich auch via dem BayernAtlas ansehen. Man beachte hier wieder die begleitenden Materialentnahmegruben. Bewegt man sich im BayernAtlas in Richtung Osten, sieht man die Römerstraßenschleife hinunter in das Gleißental. Die neue Informationstafel befindet sich wie die alte vor der westlichen Ecke der Keltenschanze an einem dort vorbeiführenden Weg. Das erste hier eingestellte Foto zeigt diese vom Weg aus gut sichtbare Ecke.

Von dieser Ost-West-Fernverbindung mußte hier wie gesagt irgendwie eine Verbindung in nördliche Richtung entlang des Hachinger Bachs abzweigen. Vom Zusammenleben der römischen Siedlungen mit dem Hachinger Bach gibt der römische Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger einen guten Eindruck. In der Richtung dieser Kette der römischen Siedlungen entlang des Hachinger Bachs befand sich eine weitere römische Ost-West-Fernstraße, die zu einem Isarübergang bei Oberföhring führte. Die Vermutung liegt nahe, daß die Strecke durch das Hachinger Tal als Querverbindung diente. Die reich ausgestatten Grabfunde von Unterhaching, deren Entdeckung 2010 zur Ausstellung „Karfunkelstein und Seide - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ in der Archäologischen Staatsammlung München führten, könnten sich durch diesen für die damaligen Bedürfnisse verkehrsgünstig gelegenen Standort erklären lassen.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Die neue Informationstafel an der Keltenschanze im Laufzorner Holz enthält in Abbildung 2 zwar eine geophysikalische Prospektion mit Eintragung der Gebäudegrundrisse. Leider ohne weitere Angaben darüber, welche Gebäude man heute in der Schanze vermutet. Die jahrzehntealte Tafel zuvor behaupte, daß Keltenschanzen nicht wie man früher geglaubt hatte befestigte römische Gutshöfe waren, sondern nach außen hin abgegrenzte Kultstätten der Spätkeltenzeit. Ich glaube an Gutshöfe der ländlichen Oberschicht, die als Oberschicht vor Ort auch für das Religiöse und für kultische Handlungen zuständig war.

Die Keltenschanze im Laufzorner Holz hatte ich schon 2010 im Blog. Der Titel „Vernetzte Erdwerke - mit Fotos von der Keltenschanze im Laufzorner Holz“ erklärt sich über eine Projektwebsite zu den „Vernetzten Erdwerke“, die ich damals ganz gut gefunden habe, aber die es heute nicht mehr gibt. Noch ungünstiger war das Verschwinden von Informationen zu lokalen Römerstraßendiskussionen auf einer anderen Website. Den alten Text habe ich wegen diesen verschwundenen Informationen bei einer Überarbeitung 2019 etwas eingedampft.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Ob ich meinen Text zur Keltenschanze im Laufzorner Holz nun wieder über die Vernetzung aufziehen mußte, kann man diskutieren. Mache ich dann ein wenig bei der konkurrierenden östlich am Gleißental anliegenden Mehrfachschanze im Loh, die würde vielleicht besser passen. Aber eine der Schanzen mußte für die Vernetzung mit der Ost-West-Verbindung herhalten und bei der im Laufzorner Holz konnte ich jetzt auf meine eingedampften Vernetzungsbeispiele aus noch viel früheren Zeiten zurückgreifen.

Bei meinen Blogeinträgen hänge ich hinterher. Die lange Pause seit September war wieder nicht gewollt. Und ich bin jetzt ungewollt mit der Keltenschanze im Laufzorner Holz auf Weihnachten zugerutscht. Ich dachte erst kurz daran etwas anderes für Weihnachten vorzuziehen.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Aber im Grunde paßt dieses Vernetzungsthema ideal zur Weihnachtszeit, in der auch gern Verbindungen gepflegt werden. Man möge in dem Sinne bei dieser Pflege noch etwas drauflegen. Siehe die Überlegung zu den reichen Unterhachinger Funden, nach denen die Verbindungen ein wesentlicher Grund für die Standortwahl waren! Und ich versuche bis Weihnachten zumindest diesen Blogeintrag eingestellt zu kriegen..

Ich wünsche allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gutes neues Jahr!

Montag, 23. September 2024

Der Oberhachinger Kyberg

.. ist nicht so bekannt, wenn ich nach einem seit 60 Jahren im Raum München lebenden Freund der Familie gehe. Dem hatte ich am Freitag Grüße vom Oberhachinger Kyberg geschickt. Nach seiner Antwort schickte ich gleich die Entwarnung hinterher: der Kyberg ist nur so hoch wie es auf den beigefügten Fotos aussieht. Die alten Kelten mußten hier aber einen „Herrenhof“ bauen und ich jetzt zu dem Herrenhof die Informationstafel durchlesen.

Blick vom Oberhachinger Kyberg

Tatsächlich wird es vorzeitlich ganz interessant gewesen sein, hier den Geländesporn oberhalb des Hachinger Bachs zu besetzen. Der Geländesporn hat zwei leichter zu verteidigende Seiten. Man sieht was in der Umgebung vor sich geht und man kann besser seinen Herrenhof präsentieren. Es wird aber etwas gekostet haben, denn für die später um den Kyberg herum entstandenen Keltenschanzen brauchte man keinen erhöhten Geländesporn mehr. Und die noch später entstandene Kette der Römersiedlungen entlang des Hachinger Bachs arbeitete sogar sehr eng mit dem Bach zusammen, wie eine in Altperlach im Gelände dokumentierte Ausgrabung eines römischen Mühlkanals belegt.

Mein Fotografenstandort beim Blick vom Kyberg befand sich ein paar Meter hinter dem Oberhachinger Rathaus. Ich war früher häufiger im Bereich der Oberhachinger/Deisenhofener Keltenschanzen unterwegs, jetzt schon lange nicht mehr. Meine Freitagstour war nur als lockere Vorbereitungsfahrt bis zur Kyberg-Informationstafel für spätere Touren zu meiner Hachinger-Bach-Serie gedacht. Ich wollte an dem Tag nicht noch rechts im ersten Bild runter um nach der Quelle des Hachinger Bachs zu suchen, sondern bin nach links hinten und unter der Haltestelle Deisenhofen durch wieder heimgeradelt.

Informationstafel beim Rathaus auf dem Kyberg in Oberhaching

Die fotografierte Informationstafel wurde zusammen mit einigen weiteren Informationstafeln neu aufgestellt und erst im August breiter publik gemacht. Wer sich für geschichtliche Oberhaching-Touren kundiger machen will, mag sich via dieser Oberhachinger Website, der OHA App oder dem Bayerischen Denkmal-Atlas weiter informieren. Auf der Oberhachinger Website werden die weiteren Standorte der Informationstafeln angegeben.

Informationstafel beim Rathaus auf dem Kyberg in Oberhaching

Die im Zusammenhang mit dem Heimatmuseum Unterhaching erwähnte „Hachinger Bach“-App böte ebenfalls Anregungen, weil sie den Hachinger Bach übergreifend behandelt und weit in das an Oberhaching anschließende Gleißental heineinführt.

Informationstafel beim Rathaus auf dem Kyberg in Oberhaching

In meinen letzten „Gemischten Links“ hatte ich auf einen Kelten-Vortrag in Oberhaching und einen „Kelten-Römer-Tag für die ganze Familie“ bei der Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld hingewiesen. Der Vortrag fand statt, der Kelten-Römer-Tag fiel starkem Regen zum Opfer und soll im nächsten Jahr stattfinden.

Noch ein Hinweis auf den Beginn des kostenlosen openHPI-Kurses „Python – schnell und intensiv Programmieren lernen“ am 2. Oktober. Der Hinweis klingt jetzt vielleicht nicht so zum Zeitspektrum des Blogs passend, aber Python ist beispielsweise für viele Digital-Humanities-Leute schon wichtig und deren Themen passen schon öfters zu meinem engeren Blogbereich.

Donnerstag, 15. August 2024

Gemischte Links

Im letzten Jahr schrieb Conrad Schormann anläßlich des 80sten Geburtstages des Schachgroßmeisters Dr. Helmut Pfleger über ihn in den Perlen vom Bodensee: „Die breite Öffentlichkeit kannte und kennt ihn vor allem als den Schacherklärer aus dem Fernsehen. Von den frühen 80ern bis Mitte der 2000er war Helmut Pfleger das TV-Gesicht des deutschen Schachs.“

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Meine Fotos stammen von der Einweihung eines neuen großen Bodenschachspiels auf der Kulturinsel vor dem Gasteig-Ausweichquartier HP8 am 17. Juli 2024. Jana Schneider und Svenja Butenandt spielten zwei Schachpartien miteinander und Dr. Helmut Pfleger kommentierte. Es war schön zu sehen, wie Helmut Pfleger trotz des vorgerückten Alters souverän wie früher seine Rolle gemeistert hat. Er könnte nahtlos wieder an seine Fernsehkommentatorenzeit anknüpfen! Zu Jana Schneider, Svenja Butenandt und dem Endergebnis gibt es etwas mehr Informationen vom Schach-Ticker

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Man kann nun selbst beim HP8 Hand an die Schachfiguren legen. Die Ausleihbedingungen findet man auf dem letzten Foto. Vielleicht wäre mit einem elektrisches Verfahren mit App das Ausleihen aus dem Schrank und die Figurenübergabe an andere Spieler eine kleinere Hürde? Das könnte ich nächste Woche am 22.8. die Teilnehmer der Untergiesinger Schachwanderung nicht weit vom HP8 entfernt auf der anderen Isarseite fragen. Bei Interesse beachte man das weiter unten auf der Website verlinkte Plakat mit zwei weiteren Augustterminen und drei im September.

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

In der Münchner Innenstadt läuft derzeit ein Stelenprojekt, bei dem mittels 13 Infostelen Passanten auf bedeutende archäologische Fundstellen aufmerksam gemacht werden. Im Zusammenhang mit dem Stelenprojekt lädt laut Münchner Wochenanzeiger die Archäologische Staatssammlung bis Ende Oktober zu kostenlosen Führungen ein. Die nächsten Termine sind am 21. und 29. August.

Einweihung eines Bodenschachspiels beim Gasteig HP8 mit von Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierten Partien von Jana Schneider und Svenja Butenandt

Ende Juli und Anfang August meldete das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege neue Erkenntnisse aus dem Raum München. Zum einen konnten Siedlungsfunde im Ortskern von Neufahrn auf eine Zeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Gemeinde datiert werden. Zum anderen ist man im Oberschleißheimer Ortsteil Neuherberg auf Spuren einer bislang unbekannten mittelalterlichen Siedlung gestoßen. Beim BR ist derzeit noch ein Video vom Neuherberger Ausgrabungsgelände zugreifbar.

Ausleihmodalitäten der Schachfiguren des Bodenschachspiels beim Gasteig HP8

Schließlich noch ein Hinweis auf einen „Kelten-Römer-Tag für die ganze Familie“ in Oberhaching und ein terminüberschneidendes „Keltenwochenende“ in der Archäologischen Staatssamlung. Oberhaching startet schon vor dem Wochenende mit einem Vortrag am 12.9. Am Samstag dem 14.9. kann man dann in der Oberhachinger Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld Mitgliedern historischer Darstellungsgruppen und historischen Handwerkern beim Näherbringen keltisch-römischen Lebens zusehen und es wird eine Fahrradführung zu den weiteren Keltenschanzen Oberhachings angeboten (Der Samstagstermin bei der Keltenschanze wurde wegen schlechter Wettervorhersage abgesagt!! Man bemüht sich um einen Ersatztermin im nächsten Jahr!). Die Archäologische Staatsammlung bietet am 14. und 15.9. Führungen und Mitmachaktionen zu den Kelten an.